Joan W. Scott hält die nächste Kantorowicz Lecture an der Goethe-Universität. Gemeinsame Veranstaltung des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 18. Mai 2016

Pressemitteilung

12. Mai 2016
 
FRANKFURT. Vor dreißig Jahren hat sie den Begriff „Gender“ als Kategorie der Analyse und der Kritik in die Geschichtswissenschaft eingeführt. In jüngerer Zeit widmete sie sich dem Einfluss von Geschlechterdifferenzen und Ungleichheiten auf demokratische Praktiken. Auch aktuelle Normierungen wie das Kopftuchverbot in Frankreich gehören deshalb zu ihren Themen. Die über Fachgrenzen hinaus höchst einflussreiche Historikerin Joan W. Scott hält in diesem Sommersemester an der Goethe-Universität die Kantorowicz Lecture in Political Language, veranstaltet vom Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Die emeritierte Professorin der Universität Princeton spricht über
 
„French Laïcité, the Old and the New“
am: Mittwoch, dem 18. Mai 2016, um 18.00 Uhr
Ort: Campus Westend der Goethe-Universität, Casino, Raum 1.801
 
Wie immer ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt. Joan Scott behandelt die Geschichte und die aktuellen Verwendungen des Prinzips der „Laïcité“, des französischen Konzepts von Säkularismus sowie strikter Trennung von Kirche und Staat. Im Zentrum steht die Art und Weise, wie alte und neue Säkularisten ihre Aufmerksamkeit auf Frauen richten. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert blickten sie auf die Gefahren, die angeblich von einer den französischen Frauen unterstellten Neigung zur (katholischen) Religion ausging. Im 21. Jahrhundert konzentrieren sie sich auf die vorgebliche Bedrohung der Republik durch verschleierte muslimische Frauen. Der Vortrag wird sowohl die Historizität normativer Ordnungen beleuchten als auch die Herausforderungen, die Geschlechterdifferenzen für sie darstellen.
 
Joan W. Scott ist emeritierte Professorin der School of Social Science am Institute for Advanced Study der Universität Princeton, USA. Sie ist Autorin des Klassikers „Gender and the Politics of History” sowie zahlreicher Artikel und Bücher, einschließlich „Gender: A Useful Category of Historical Analysis”, „Only Paradoxes to Offer: French Feminists and the Rights of Man” und „The Politics of the Veil”. Vor kurzem veröffentlichte sie „The Fantasy of Feminist History“. Aktuell untersucht sie die Geschichte von Säkularismus und Gleichstellung in modernen westlichen Nationalstaaten.
 
Die einmal pro Jahr stattfindenden Kantorowicz Lectures in Political Language erinnern an Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Kantorowicz musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die 2011 ins Leben gerufene Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. Stets sprechen sehr renommierte Gäste aus dem In- und Ausland, wie beispielsweise der Philosoph und Historiker Quentin Skinner (2011) oder der Komponist, Regisseur und Kunsttheoretiker Heiner Goebbels (2015).
 
Information:
Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32344 (Sekretariat), Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ; www.fzhg.org; www.normativeorders.net/de/
 
 
 
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft inGOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)
 
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