Podiumsgespräch zur Ästhetik der Waffenzerstörung. Veranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und des Museum Angewandte Kunst zur Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“ am 16. November

Pressemitteilung

10. November 2016
 
FRANKFURT. Wenn wir über die Ästhetik von Waffen sprechen, meinen wir meist ihre Verwendung in Design und Mode oder ihren spezifischen „Sex-Appeal“. Aber auch die Zerstörung von Waffen weist eine eigene Ästhetik auf. Diesem Thema widmet sich ein Podiumsgespräch im Frankfurter Museum Angewandte Kunst. Es heißt „Wie Waffen verschwinden. Zur Ästhetik der Zerstörung“ und findet am 16. November um 19 Uhr statt. Ausrichter ist neben dem Museum der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität.
 
Von der Welt der Waffen geht eine ambivalente Faszination aus. Ihren Spuren in Kunst, Mode, Design und Alltagskultur folgt das Museum Angewandte Kunst in der Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“. Kooperationspartner ist der geistes- und sozialwissenschaftliche Exzellenzcluster, der seinerseits in dem von ihm verantworteten Rahmenprogramm nach gesellschaftlichen Rechtfertigungsmustern für den Umgang mit Waffen fragt. Die anstehende Diskussionsveranstaltung gehört zum Rahmenprogramm und fungiert gleichzeitig als Teil der Podiumsreihe „Blickwechsel – Zukunft gestalten“ des Museums.
 
Waffenzerstörung ist eine der großen Herausforderungen für die Politik, um Konflikte nachhaltig zu beenden – so im Rahmen von Peacebuilding-Missionen, der Prävention von Konflikten oder bei der Überwachung von Waffenverboten. Zu denken ist hier an Chemie- und Biowaffen, an das nukleare Nichtverbreitungsregime oder auch an Landminen. Anders als das zerstörerische Potenzial dieser Waffen es erwarten lässt, ist die Zerstörung der Waffen selbst eine eher profane, bestenfalls technisch aufregende Angelegenheit. Umso wichtiger scheint es daher, Waffenzerstörung symbolisch zu inszenieren, um Glaubwürdigkeit und Wirkmächtigkeit in der Öffentlichkeit zu erzeugen. Beispiele dafür sind die öffentlichkeitswirksame Entsorgung syrischer Chemiewaffen auf hoher See oder Einschmelzungen von Kleinwaffen in Konfliktgebieten. Das Podium spürt diesen Inszenierungen und der spezifischen Ästhetik, die sie erzeugen, aus unterschiedlichen Perspektiven nach.
 
Teilnehmende von Seiten des Exzellenzclusters sind die Politikwissenschaftler Prof. Nicole Deitelhoff und Prof. Christopher Daase. Beide lehren an der Goethe-Universität und sind darüber hinaus Angehörige des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), Nicole Deitelhoff als dessen Leiterin und Christopher Daase als stellvertretender Leiter. Ebenfalls von der HSFK, und dort Mitglied des Vorstands, kommt die Politikwissenschaftlerin Dr. Simone Wisotzki, zu deren Schwerpunkten die humanitäre Rüstungskontrolle gehört. Komplettiert wird das Podium durch den Designer, Kurator und Konzeptkünstler Peter Zizka. Zu seinen Projekten zählte eine Installation im Rahmen der Kampagne für das Verbot von Landminen bei den Vereinten Nationen in New York und die Demilitarisierungsaktion „Symbiosis“, bei der Bürgerkriegswaffen aus Burundi paarweise an ihren Gewehrläufen miteinander verschweißt und damit vollends unbrauchbar gemacht wurden.
 
Die Ausstellung hat Mitte September begonnen und ist noch bis März 2017 zu sehen. Im Jahr 2016 wird es noch eine weitere Veranstaltung des Rahmenprogramms geben: Am 14. Dezember spricht Prof. Günter Frankenberg über das Thema: „Right to Bear Arms. Die USA unter Waffen“. Das in den USA prinzipiell jedem zugestandene Recht, Waffen zu tragen, macht heute als Begünstigung von Waffenfetischisten und Amokläufern von sich reden, hat aber eine durchaus ehrwürdige Geschichte. Dieser wird der renommierte Rechtswissenschaftler in seinem Vortrag nachgehen und zudem aufzeigen, wie sich das Verteidigungsmittel – und Tötungsinstrument im Notfall – zum Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs normalisierte.
 
Im ersten Quartal 2017 stehen noch acht Termine auf dem Programm. Dabei geht es u.a. um die rechtliche Definition dessen, was überhaupt eine Waffe ist, und um die Folgen, die ferngesteuerte Drohnen, das Internet und der 3D-Druck auf das staatliche Gewaltmonopol haben. Weitere Veranstaltungen beschäftigen sich mit der Darstellung und vermeintlichen Rechtfertigung von Gewalt in Kinofilmen. Die Welt der Waffen weist zweifelsohne starke symbolische Bezüge auf. Das wird auch an diesen Beispielen thematisiert: Schwerter im frühen Mittelalter hatten die Form eines Kreuzes, rund tausend Jahre später inszenieren sich junge Jihadistinnen im Internet mit Burka und Kalaschnikow.
 
Die Veranstaltungen finden, sofern nicht anders bezeichnet, im Museum Angewandte Kunst statt (Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main). Medienpartner des Rahmenprogramms ist das Journal Frankfurt. Der Eintritt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, zu den Veranstaltungen des Rahmenprogramms beträgt 5 € (erm. 3,50 €); freier Eintritt für Studierende/Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Goethe-Universität und des Exzellenzclusters bei Vorlage des Universitätsausweises an der Kasse.
 
Kontakt:
Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; www.normativeorders.net/de/
Museum Angewandte Kunst: Dorothee Maas (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Tel.: 069/212-32828,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.museumangewandtekunst.de
 
Alle Termine des Rahmenprogramms und Veranstaltungs-Mitschnitte:
www.normativeorders.net/unterwaffen
 
 
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main.
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