Wider die Ausnahmestellung unserer Spezies Eduardo Viveiros de Castro bei Kantorowicz Lecture

Pressemitteilung

3. November 2017

FRANKFURT. Der Mensch – ein Wesen mit herausragender Stellung? Mit dieser Annahme abrechnen will der brasilianische Ethnologe Eduardo Viveiros de Castro in seiner Vorlesung am 15. November in der Goethe-Universität. Die Vorlesung findet im Rahmen der Kantorowicz Lecture statt.

„Against the Ontological Exceptional Position of ‚Our Species‘” (Wider die ontologische Ausnahmestellung ‚unserer Spezies‘) – so lautet der Titel von Eduardo Viveiros de Castros Vortrag, der am Mittwoch, 15. November, um 18:15 Uhr im Casino, Raum 1.801 (Campus Westend) stattfindet.

In seiner Kantorowicz-Lecture setzt sich Prof. Eduardo Viveiros de Castro mit einem zentralen Element der politischen Sprache der westlichen Linken auseinander: Der Vorstellung, dass dem Menschen im Verhältnis zur Tier- und Dingwelt eine herausgehobene Stellung zukommt. Diese Vorstellung ist so selbstverständlich, dass sie in der Regel unhinterfragt als Ausgangspunkt politischen Denkens und Handelns akzeptiert wird. Anschließend an seine Arbeiten zu den Wissenssystemen der Indigenen im Amazonas-Gebiet, in deren Sprache Menschen, Tiere und Dinge in ein anderes, gleichwertigeres Verhältnis gesetzt werden, wirft Viveiros de Castro die Frage auf, auf welche Begriffe ein politisches Denken kommen kann, das sich dieser westlich-europäischen Selbstverständlichkeit entledigt.

Eduardo Viveiros de Castro ist Professor für Anthropologie und Direktor des brasilianischen Nationalmuseums der Bundesuniversität in Rio de Janeiro.

Einmal pro Jahr findet die Kantorowicz Lecture in Political Language statt. Gewidmet ist sie Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Er musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die 2011 ins Leben gerufene Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. Stets sprechen renommierte Gäste aus dem In- und Ausland, wie beispielsweise der Philosoph und Historiker Quentin Skinner (2011), der Komponist, Regisseur und Kunsttheoretiker Heiner Goebbels (2015) oder die amerikanische Soziologin Joan W. Scott. Veranstalter sind das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität und der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Die diesjährige Kantorowicz-Lecture 2017 steht im Zusammenhang mit dem Campus-Projekt „Tropical Underground. Revolutionen von Anthropologie und Kino“ (www.tropical-underground.de), in dessen Rahmen am 17. November um 19 Uhr im Weltkulturen Museum am Schaumainkai 37 auch die Ausstellung „Variationen des wilden Körpers“ mit fotografischen Arbeiten von Eduardo Viveiros de Castro eröffnet wird.

Ebenfalls zum „Tropical Underground“-Projekt gehört die aktuelle Lecture & Film-Reihe, auch dieses Mal veranstaltet vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität, dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem Kino des Deutschen Filmmuseums. Die Reihe, bei der nach einem einleitenden Vortrag jeweils ein Film auf dem Programm steht, umfasst bis zum Sommersemester insgesamt 16 Termine. Der Fokus liegt auf Filmen der späten 1960er und 1970er Jahre, die für die brasilianische Gegenkultur dieser Zeit prägend waren.

Information: Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32344 (Sekretariat), Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ; www.fzhg.org; www.normativeorders.net/de/; Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Ko-Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, Kurator „Tropical Underground“, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Aktuelles

Newsletter aus dem Forschungszentrum „Normative Ordnungen“

Zukünftig informiert ein Newsletter über aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und wissenswerte Entwicklungen im Forschungszentrum „Normative Ordnungen“. Die erste Ausgabe finden Sie hier...

Nächste Termine

2. Februar 2023, 18.00 Uhr

Virtuelle Ringvorlesung"Algorithms // A Brave New World?": Hannah Ruschemeier (FernUniversität Hagen): Datafication and Collectiveness as a challenge for Law. Mehr...

2. Februar 2023, 19 Uhr

"Vertrauen und Protest in der Demokratie" Diskussionsreihe der Frankfurter Bürger-Universität: Unsichtbarer Widerstand – Vertrauen und Protest in der Demokratie. Mehr...

-----------------------------------------

Neueste Medien

Judging Facts, Judging Norms: Training Machine Learning Models to Judge Humans Requires a New Approach to Labeling Data

Gillian Hadfield (University of Toronto)
Ringvorlesung "Algorithms // A Brave New World?"

Verkehrt die Welt: Buñuels Le fantôme de la liberté

Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Co-Sprecher der Forschungsinitiative "ConTrust" am Forschungsverbund "Normative Ordnungen")
Lecture and Film: Kino am Abgrund der Moderne. Die Filme von Luis Buñuel

Videoarchiv

Weitere Videoaufzeichnungen finden Sie hier...

Neueste Volltexte

Hanna Pfeifer und Irene Weipert-Fenner (2022)

ConTrust Working Paper No. 3: "Time and the Growth of Trust under Conditions of Extreme Uncertainty. Illustrations from Peace and
Conflict Studies". Mehr...

Rainer Forst (2022)

ConTrust Working Paper No. 2: "The Justification of Trust in Conflict. Conceptual and Normative Groundwork". Mehr...