Workshop und Konferenzpanel

Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Armin von Bogdandy

Projektbeschreibung

Das Projekt untersucht die Frage, welche Auswirkungen die aktuelle Krise universalistischer Normensysteme auf die Autorität und Legitimität internationaler Institutionen hat.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs erreichte die Zahl internationaler Institutionen, einschließlich internationaler Gerichte, sowie deren Aktivitäten ein bislang ungeahntes Ausmaß. Diese Entwicklungen warfen die Frage auf, welche Autorität internationale Institutionen ausüben bzw. ausüben dürfen. Darauf reagierte die Forschung mit Entwürfen für ein globales Verfassungs- oder Verwaltungsrecht sowie mit einer öffentlich-rechtlichen Konzeptualisierung des Völkerrechts, der sogenannten internationalen öffentlichen Gewalt („International Public Authority“ – das Vorläuferprojekt im Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“).

Inzwischen hat sich die internationale Ordnung jedoch dramatisch verändert. Die Kündigung internationaler Vereinbarungen durch die Trump-Administration, der erstarkende nationalistische Populismus und der Brexit verkörpern nur einige Beispiele eines regressiven Trends. Was früher selbstverständlich erschien – die Verbreitung institutioneller Institutionen und die Universalität von Demokratie und Menschenrechten – wird jetzt an mehreren Fronten in Frage gestellt. Es ist daher nicht überraschend, dass die systematischsten und schwersten nationalstaatlichen Attacken auf Institutionen, Abkommen und Gerichte im Bereich des internationalen Wirtschaftsrechts, des Menschenrechtsschutzes, der internationalen Klimapolitik und des Völkerstrafrechts abzielen.

Dieser Trend bedeutet jedoch nicht das Ende multilateraler Ordnungspolitik. Die meisten internationalen Institutionen und Gerichte erfüllen weiterhin ihr Mandat, selbst unter zunehmenden finanziellen und politischen Zwängen. In bestimmten, mitunter stark umstrittenen Gebieten des internationalen Rechts wie dem internationalen Steuer- und Migrationsrecht können sogar neue Formen der Autoritätsausübung beobachtet werden.

Das Projekt zielt darauf ab diese Beobachtungen theoretisch zu reflektieren und vergleichend empirisch aufzubereiten. Wissenschaftler*innen aus den Bereichen des Völkerrechts, der internationalen Beziehungen, der politischen Philosophie und Soziologie analysieren hierbei gemeinsam diese Phänomene unter drei Schwerpunktthemen:

•    Kontestation: Inwieweit wird internationale öffentlicher Gewalt aktuell in Frage gestellt? Welche rechtlichen und politischen Attacken können beobachtet werden? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten können in den verschiedenen Rechtsregimen beobachtet werden? Unterscheidet sich die Kontestation multilateraler Institutionen von demokratischen und autokratischen Staaten?

•    Krise: Unter welchen Bedingungen führt die Infragestellung des Multilateralismus zum Auseinanderbrechen internationaler Zusammenschlüsse? Welche rechtlichen Erscheinungsformen nimmt diese Krise an? Welche neuen Formen der Integration (Gegentrends) können beobachtet werden, bspw. Süd-Süd Kooperationen oder in Asien?

•    Resilienz: Wie widerstandsfähig sind internationale Institutionen angesichts mitgliedsstaatlicher Attacken? Ändert sich die Ausübung öffentlicher Gewalt? Welches sind die rechtlichen Voraussetzungen und Grenzen unterschiedlicher Anpassungsreaktionen?

Im Laufe des Jahres 2019 werden zwei Veranstaltungen durchgeführt:

28.-29. November 2019
Workshop 
„The End of International Public Authority? Contestation, Crisis, and Resilience of International Institutions”
Weitere Informationen: Hier...

2. Juli 2019
Panel
„What doesn’t kill it makes it stronger? The resilience of the Inter-American human rights system in an age of backlash“
im Rahmen der Jahreskonferenz der International Society of Public Law (ICON-S)
Weitere Informationen: Hier...


Aktuelles

Die Gegenwart der Religion und die Zukunft der Philosophie. Internationale Tagung über und mit Jürgen Habermas

Am 20. und 21. November 2020 fand die Tagung „Gegenwart der Religion - Zukunft der Philosophie. Überlegungen im Anschluss an das jüngste Werk von Jürgen Habermas“ statt. In acht Vorträgen international renommierter Wissenschaftler*innen aus der Philosophie und Theologie wurde an zwei Tagen das 2019 erschienene Werk "Auch eine Geschichte der Philosophie" mit dem Autor Jürgen Habermas diskutiert. Mehr...

Ringvorlesung "Machtverschiebung durch Algorithmen und KI"


Von Suchmaschinen bis hin zu Predictive Policing - Algorithmen und Künstliche Intelligenz verändern gesellschaftliche Strukturen und ökonomische Geschäftsmodelle. In der Ringvorlesung "Machtverschiebung durch Algorithmen und KI" werden ab dem 11. November 2020 gesellschaftliche Auswirkungen und Optionen rechtlicher Regulierung im Zusammenhabng mit KI diskutiert. Mehr...

Nächste Termine

25. Januar 2021, 18.00 Uhr

Ringvorlesung "Machtverschiebung durch Algorithmen und KI": Prof. Christiane Wendehorst (Universität Wien): Haftung für Künstliche Intelligenz – droht ein Verantwortungsvakuum? Mehr...

28. Januar 2021, 12.30 Uhr

Book lɔ:ntʃ: Pandemic Media. Preliminary Notes Towards an Inventory. With: Laliv Melamed, PhD, Philipp Dominik Keidl, PhD, Prof. Antonio Somaini and Prof. Vinzenz Hediger. More...

28. Januar 2021, 18.00 Uhr

13. FFGI Vortragsreihe: Arta Ramadan (ZDF-Reporterin): Kosovo, Deutschland und der liberale Islam. Mehr...

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Neueste Medien

„Freiwilligkeit oder Zwang?“ – Experimente in den Zeiten von Infektionsschutz

Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg (Goethe-Universität Frankfurt am Main, Forschungsverbund "Normative Ordnungen")
Moderation: Prof. Marion Tiedtke (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main)
DenkArt „Der normalisierte Ausnahmezustand“


Gesellschaft als digitale Sozialmaschine? Zur soziotechnischen Transformation des selbstbestimmten Lebens

Prof. Jörn Lamla (Universität Kassel)
Ringvorlesung "Machtverschiebung durch Algorithmen und KI"


Videoarchiv

Weitere Videoaufzeichnungen finden Sie hier...

Neueste Volltexte

Darrel Moellendorf (2020):

Hope and reasons. Normative Orders Working Paper 02/2020. Mehr...

Annette Imhausen (2021):

Sciences and normative orders: perspectives from the earliest sciences. Normative Orders Working Paper 01/2021. Mehr...