Medien-Echo

Medienecho (Auswahl)

Sie machen Stress. Die Islamforscherin Susanne Schröter analysiert in ihrem neuen Buch, wie die Akteure des politischen Islams hierzulande zunehmend an Einfluss gewinnen. Das liege auch daran, dass Politik und Kirchen sie verharmlosten
5. Oktober 2019, taz
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Ditib-Moschee in Köln. Ort zum Beten, Ort der Macht
29. September 2019, Deutschlandfunk
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"Wir müssen mehr Konflikt zulassen." Die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff wirbt im "Denkraum" des Frankfurter Schauspiels für den konstruktiven Streit
26. September 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Wissenschaftsrat empfiehlt Ausbau der Friedensforschung
25. September 2019, Goethe-Universität
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Thomas Biebricher: Wer ist eigentlich noch konservativ?
25. September 2019, Info Radio rbb
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"Ich möchte jungen Frauen Mut machen". Im Gespräch: Die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln
21. September 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Im Verhör: Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann
21. September 2019. Main Feeling
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Lernen und forschen in Kanada. Fachhochschule und Goethe-Universität unterhalten Partnerschaften in Toronto
18. September 2019, Frankfurter Rundschau
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Bad Homburg Conferences zu KI
12. September 2019, Frankfurter Rundschau
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Starke Heimat für gleichwertiges Leben
11. September 2019, SEK-News
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Selbstoptimierung: Wann ist Erholung eigentlich Arbeit geworden?
4. September 2019, Zeit Online
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«Politischer Islam» von Susanne Schröter – fundierter Einblick in ungemütliche Netzwerke
26. August 2019, frei-denken.ch
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Religiöses Mobbing. Die Forscherin Susanne Schröter zeigt den Einfluss des politischen Islam in Deutschland auf und warnt davor, ihn zu verharmlosen. Tipp aus «Bücher am Sonntag»
24. August 2019, NZZ am Sonntag
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Ist das Kulturfunk, oder kann das immer noch weg?
21. August 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Debatte über Rechtsextreme: Nationalismus auf den Begriff bringen
15. August 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Ihr redet mit den Falschen. Der Islamismus spaltet die Gesellschaft. Er sollte nicht länger Partner des deutschen Staates sein.
Mangelnde Distanz zu Fundamentalisten ist gefährlich
14. August 2019, Die Zeit
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»Kopftuch zu tragen war in bestimmten Situationen normal«. Ein Gespräch mit Susanne Schröter über ihre Reisen in muslimische Länder, Kontakte mit Fundamentalisten und den Vorwurf der Islamophobie
14. August 2019, Die Zeit
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The Unfinished Project of the Enlightenment: Jürgen Habermas at 90. By Eduardo Mendieta
11. August 2019, LA review of books
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Denken im Widerspruch.
Rainer Forst zum Gedenken an Theodor W. Adorno aus Anlass seines 50. Todestags
6. August 2019, Goethe-Universität
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Taugt Adornos Rede von 1967 noch als Weckruf gegen rechts?
Interview mit Frederik Heinz und Professor Matthias Lutz-Bachmann
6. August 2019, hessenschau.de
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Wo ist Deutschland? Antworten auf Ost und West. #5. Christoph Menke
5. August 2019, Sprechsaal Interviews
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Adornos 50. Todestag „Starkes Charisma und einnehmende Intellektualität“
Martin Saar im Gespräch mit Michael Köhler
4. August 2019, Deutschlandfunk
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Kopftuchdebatte: Senkt die Betriebstemperatur!
31. Juli 2019, Die Zeit
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Debatte um Zölibat: Als Verzicht zum Alltag gehörte. Von Hartmut Leppin
30. Juli 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Happy birthday Habermas, your philosophy has failed us. How a spat on the occasion of the famous thinker's 90th birthday reveals the inadequacies of political philosophy
30. Juli 2019, The Outline
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Im Namen einer falschen Toleranz
24. Juli 2019, Die Zeit
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„Alles bedarf der Revision“
Der Philosoph Axel Honneth ist 70 und kein bisschen müde. Er sieht neue Herausforderungen für die Kritische Theorie
18. Juli 2019, der Freitag
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Kampf um Gefühle
17. Juli 2019, Süddeutsche Zeitung
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Geuss, Habermas, and the Rose of Unreason
17. Juli 2019, Medium
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KI-erzeugte Kurzfilme: Kunstwerk ohne Rechte
15. Juli 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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»Konflikte prägen unser Zeitempfinden«
Ein Gespräch mit Sir Christopher Clark über historische Umbrüche, Chronopolitik und die Aktualität des Großen Kurfürsten in der Europakrise
15. Juli 2019, Forschung Frankfurt
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Philosoph, Aufklärer und Intellektueller. Jürgen Habermas an der Goethe-Universität
11. Juli 2019, Unireport
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Der Arbeiter Jürgen Habermas im »demokratischen Weinberg«
11. Juli 2019, Unireport
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Rainer Forst: Begrüßungsrede im Namen des Exzellenzclusters Normative Ordnungen
11. Juli 2019, Unireport
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Klaus Günther: Zur Einführung: über die Rede von Jürgen Habermas
11. Juli 2019, Unireport
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Eine Vision von Moderne: »Humane Formen, in denen man Konflikte überleben kann«
Jürgen Habermas zum 90. Geburtstag
11. Juli 2019, Unireport
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Presuppositions: Reply to Benhabib and Jay
11. Juli 2019, Medium
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Contra Geuss: A Second Rejoinder
7. Juli 2019, Medium
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Professor Benhabib and Jürgen Habermas
7. Juli 2019, Medium
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"The Liberal Idea Has Become Obsolete." Putin, Geuss and Habermas
5. Juli 2019, The Point
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Jürgen Habermas’s 90th birthday
2. Juli 2019, Medium
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„Solange eine Universität lebt, lebt sie von ihrem Geist“
1. Juli 2019, Theorieblog
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»Erst im Konflikt finden wir zueinander«
Die Politologin Nicole Deitelhoff über die Bedeutung von Konflikten für die Demokratie
26. Juni 2019, Forschung Frankfurt
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Der Maulwurf der Vernunft im Hügel der Geschichte
26. Juni 2019, Die Zeit
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Gewissen und Gedächtnis der Bundesrepublik
26. Juni 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Living in a critical condition: Jürgen Habermas at 90
26. Juni 2019, NewStatesman America
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Der Unwille des Volkes. Zu Ehren von Jürgen Habermas treffen sich Weggefährten des Philosophen in Frankfurt. Dabei geht es auch um die Erosion der politischen Kultur
24. Juni 2019, taz
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Jürgen Habermas - „Kollaps der Glaubwürdigkeit“
23. Juni 2019, Frankfurter Rundschau
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Jürgen Habermas: Wie geht Demokratie?
23. Juni 2019, Sternstunden SRF Kultur
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Habermas und der Cliffhanger
21. Juni 2019, Frankfurter Rundschau
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Vortrag mit Fehlalarm
21. Juni 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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„Frankfurt European Conference“ – Denkraum für Europas Zukunft
21. Juni 2019, hr info
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Habermas und die Hoffnung auf moralische Empörung
20. Juni 2019, Frankfurter Rundschau
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Feueralarm zwischen Hegel und Marx. Im Geist der Aufklärung: Jürgen Habermas sprach einen Tag nach dem 90. Geburtstag an "seiner" Universität Frankfurt
20. Juni 2019, Süddeutsche Zeitung
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Habermas: nationale Egoismen überwinden
20. Juni 2019, Deutschlandfunk
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In Flip-Flops zu Habermas. Wie beim Konzert einer Rocklegende: Der bedeutende Philosoph kehrt für eine Ehrenvorlesung an seine Alma Mater zurück
20. Juni 2019, taz
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Habermas: Eliten haben den Mut gestaltender Politik verloren
20. Juni 2019, welt (dpa)
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Eine Republik der Diskussion. Zum 90. Geburtstag von Jürgen Habermas
18. Juni 2019, Soziopolis
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Jürgen Habermas: Ein deutscher Voltaire
18. Juni 2019, Frankfurter Rundschau
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Kein Linker, aber immer aufrecht
18. Juni 2019, Der Freitag
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Solidarität und Distanz
18. Juni 2019, Frankfurter Rundschau
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Was ist Toleranz?
18. Juni 2019, hr info
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Verehrung für einen besonderen Gelehrten. Rainer Forst im Gespräch mit Ute Welty
18. Juni 2019, Deutschlandfunk Kultur
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Was auf dem Spiel steht. Der "Diskurs der Moderne" hat seine Anziehungskraft noch immer nicht verloren. Von Rainer Forst
18. Juni 2019, Die Zeit
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Wie die deutsche Elf in Brasilien. An seiner Wirkmacht kommt keiner vorbei. Von Armin von Bogdandy
18. Juni 2019, Die Zeit
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Ein Spurenleser. Hellwach, fiebrig, ruhelos und jugendlich. Von Axel Honneth
18. Juni 2019, Die Zeit
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"Denken ist eine irreduzibel freie Tätigkeit". Jürgen Habermas wird 90 Jahre alt: 14 persönliche Texte von Kolleginnen und Kollegen über Werk und Wirken des deutschen Philosophen
18. Juni 2019, Die Zeit
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Streitgespräche um Europas Zukunft. Eine neue Konferenz soll Politiker, Wissenschaftler, Künstler und andere Bürger zusammenbringen, um über Europa und die EU zu diskutieren. Auch Skeptiker und Kritiker sollen mitreden.
17. Juni 2019, Frankfurter Rundschau
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Sozialphilosoph zu Jürgen Habermas‘ 90. Geburtstag „Rezo ist Habermasianer“. Axel Honneth und Martin Saar im Gespräch mit René Aguigah
16. Juni 2019, Deutschlandfunk Kultur
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Religionskritik: Kein Appeasement mit dem Islamismus
14. Juni 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Auf ein Wort... Macht. Wer hat mehr Macht: Wer fragt, oder wer antwortet? Wie wird Macht generiert? Hat das digitale Zeitalter das Thema Macht beeinflusst? Michel Friedman und Rainer Forst setzen sich mit dem Begriff "Macht" auseinander.
14. Juni 2019, Deutsche Welle
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Im Maschinenraum des Denkens. Das Kraftzentrum der Philosophie von Jürgen Habermas ist die Sprache. Ohne sie gibt es keine Demokratie. Von Martin Seel
12. Juni 2019, Die Zeit
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Vom Computer zur Gefahr für die Gesellschaft erklärt. Sollten Algorithmen vor Gericht eine Rolle spielen? Ein Frankfurter Juraprofessor fordert ein Umdenken bei Künstlichen Intelligenz in der Strafrechtsprechung. Denn die Software sei nicht fehlerfrei.
11. Juni 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Doppelkopf. Am Tisch mit Thomas Duve, "Geschichtsjurist"
11. Juni 2019, hr2
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Eine Sprache, die jeder versteht. "Café Europa" mit Rainer Forst und Daniel Cohn-Bendit
5. Juni 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Friedensgutachten 2019. Die Bundesregierung muss mehr friedenspolitische Initiative ergreifen
4. Juni 2019, Informationsdienst Wissenschaft
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Ein unbekanntes Hauptwerk? Von Martin Saar
Juni 2019, Logbuch Suhrkamp
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Prominente Schirmherrin für Ausstellungsprojekt.Hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn wird Schirmherrin des Kunstprojekts „Making Crises Visible"
3. Juni 2019, hsfk.de
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Besondere Empfehlung des Monats: Das Humboldt Forum und die Ethnologie
1. Juni 2019, Welt.de
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Symbol – aber wofür? Diskussion um das Kopftuch.
Konferenz des Forschungszentrums Globaler Islam stößt auf riesiges Interesse
29. Mai 2019, UniReport
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Wie lässt sich die Flüchtlingspolitik humaner gestalten?
Im Gespräch: Die Politikwissenschaftler/inn/en Prof. Egbert Jahn und Prof. Nicole Deitelhoff über Wege aus der sogenannten Flüchtlingskrise, über die Rolle des Rechtspopulismus und die Handlungsfähigkeit der EU
29. Mai 2019, UniReport
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Europa auf einem Bierdeckel.
Die Römerberggespräche fragten in Kooperation mit den »Normativen Ordnungen« nach einer souveränen Idee für die Zukunft des Kontinents
29. Mai 2019, UniReport
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Wie die Kurie ihr Recht setzte. Savignys und Kuttners Erbe: Zum Tod des Kanonisten Peter Landau. Von Thomas Duve
28. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Die Suche nach der Identität. Café Europa: Neue Reihe in der Romanfabrik
28. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Cambridge University Press veröffentlicht Lexikon zu Jürgen Habermas
27. Mai 2019, Goethe-Uni online
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Die Demokratie beginnt daheim. Von Till van Rahden
27. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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#Fragenzurfreiheit von Prof. Dr. Rainer Forst
23. Mai 2019, Wissenschaftsfreiheit.de
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Wie lässt sich die Flüchtlingspolitik humaner gestalten? Im Gespräch: Die Politikwissenschaftler/inn/en Prof. Egbert Jahn und Prof. Nicole Deitelhoff über Wege aus der so genannten Flüchtlingskrise, über die Rolle des Rechtspopulismus und die Handlungsfähigkeit der EU
17. Mai 2019, UniReport
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Wiederbelebung einer großen Kinokultur
14. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Stiftung fördert Akademie in Mali
14. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Ist Europa zu retten? Ja, nein, vielleicht heißt es bei den Römerberggesprächen
13. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Verstand und Empfindsamkeit. Europa: Noch zu retten? Die Römerberggespräche fragen nach der Vitalität der Union
13. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Frankfurter Römerberggespräche: Ins Europaparlament, wer Visionen hat
12. Mai 2019, Frankfurter Rundschau
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Gleichberechtigung und MenschenwürdeDas Grundgesetz unter Druck
11. Mai 2019, Deutschlandfunk Nova
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„Im Grunde genommen bin ich Etatist“. Oliver Marchart hält in Frankfurt einen Vortrag. Sein Ziel: Das Institutionenproblem der radikalen Demokratietheorie zu lösen. Ist er zum Republikanismus übergelaufen?
10. Mai 2019, der Freitag
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Stärkung für Grundlagenforschung in Afrika
10. Mai 2019, Goethe-Universität Frankfurt am Main
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Wer nicht tauscht, ist ein Kannibale. Ein Gesprächsband über das Humboldt-Forum und die Ethnologie
10. Mai 2019, Frankfurter Allgemein Zeitung
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Kopftuchkonferenz: Wider den Opferkult
10. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Susanne Schröter zur Kopftuch-Konferenz
9. Mai 2019, 3sat Kulturzeit
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Warum die Frankfurter Kopftuchkonferenz ein Erfolg war
9. Mai 2019, welt.de
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„Höchste Zeit für das Ende der Sprechverbote“
8. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Die Eröffnungsworte von Prof. Dr. Rainer Forst (pdf) finden Sie: Hier...

Freiheit adé?
8. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Shitstorm wegen Kopftuch-Diskussion
8. Mai 2019, ZDF heute journal
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Das Kopftuch - zwischen Unterdrückung und Befreiung
8. Mai 2019, Frankfurter Rundschau
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Konferenz um islamisches Kopftuch
8. Mai 2019, hessenschau
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Römerberggespräche am 11. Mai - die Positionen. Europa, bist Du noch zu retten?
6. Mai 2019, hr2 kultur
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Wenn wir streiten Seit an Seit
1. Mai 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Streit um Kopftuch-Konferenz. AStA verteidigt Forscherin gegen Rassismus-Kritik
30. April 2019, Deutschlandfunk
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Großes Interesse an der „positiven Zukunftsvision“
27. April 2019, Wiesbadener Kurier
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Breiter Rückhalt
26. April 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Auf Bitten der Fachschaft der Islamischen Studien der Goethe-Universität zu deren Stellungnahme zum F.A.Z-Artikel „Das Ende von freier Rede und freiem Denken?“ von Heike Schmoll: Hier...

Kampagne gegen Kopftuch-Konferenz
26. April 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Rassismusvorwurf trifft Islamexpertin
25. April 2019, Frankfurter Rundschau
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Muss man jedem Bettler etwas geben? Überall in der Stadt bitten arme Menschen um Almosen. Wer nicht achtlos an ihnen vorbei gehen will, steht vor einem Dilemma
24. April 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Im Gespräch mit Juliane Rebentisch über das Verhältnis von Kunst und Theorie und die Richtung ihres Werks
18. April 2019, Prä|Position
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Philosophie neu denken. Ringvorlesung zu »Contemporary Approaches to Feminist Philosophy«. Interview mit Dr. Kristina Lepold und Dr. Marina Martinez Mateo
11. April 2019, UniReport
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Andauernde Revolution. Der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe erzählt in seinem Buch »Das kalte Herz« die Geschichte des Kapitalismus. Von Andreas Fahrmeir
11. April 2019, UniReport
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Was genau hat Gott gegen offenes Haar? Wer sich für islamische Mode begeistert, sollte ihre repressive Seite nicht verkennen. Von Susanne Schröter
3. April 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Rechtsextreme Netzwerke. "Highscore" für den Christchurch-Attentäter
26. März 2019, tagesschau.de
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Grautöne pflegen. "Denkraum" im Chagallsaal des Schauspiels Frankfurt: Tilman Allert über Gemeinwohl und Gemeinschaft
21. März 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Gib mir mein Herz zurück. Afrika will sein kulturelles Erbe von Europa zurück. Wie lange hält sich Österreich noch die Ohren zu?
Falter 12/2019
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Martin Saar: Was die Macht mit uns macht
10. März 2019, SRF1
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Erwin-Stein-Preis für Althistoriker Leppin
7. März 2019, Gießener Allgemeine
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Nicht immer helfen neue Gesetze, Unternehmen sollten selbst regulieren. Interview mit Dr. Matthias C. Kettemann LL.M. (Harvard)
7. März 2019, 360G Medien MDR
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Ego für alle. Wenn jeder an sich denkt, nutzt das der Gemeinschaft. So dachte Adam Smith – und mehr als 200 Jahre vor ihm der Deutsche Leonhard Fronsperger.
brand eins 02/2019
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Buchpremiere in Frankfurt: Zur rechten Zeit
27. Februar 2019, BuchMarkt
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Norbert Frei: "Zur rechten Zeit". Kulturzeit-Gespräch mit dem Autor: ... über sein Buch "Zur rechten Zeit: Wider die Rückkehr des Nationalismus"
27. Februar 2019, 3Sat Kulturzeit
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Der Historiker Norbert Frei über seine Position gegen einen neu erstarkten Nationalismus
25. Februar 2019, hr2 Kultur
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Eine kritische Theorie transnationaler Gerechtigkeit. Akademievorlesung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit Rainer Forst
22. Februar 2019, Mediathek der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
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Lisa Herzog: "Wir übersehen die positiven Seiten der Arbeit"
21. Februar 2019, Zeit online
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Werkstatt Demokratie: Wie gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingt
19. Februar 2019, Süddeutsche Zeitung
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Interview mit Prof. Axel Honneth
14. Februar 2019, UniReport
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Ohne Inhalte regiert es sich besser. Defizite, die vielleicht ja doch ein Vorteil sind: Thomas Biebricher sorgt sich um den Zustand des deutschen Konservatismus und wirft einen Blick auf die Ära Kohl. Eine wunderbar lesbare Studie
8. Februar 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Von der Urgemeinde zur Weltreligion. Wie kam es zum Aufstieg des Christentums?
Es diskutieren: Prof. Dr. Hartmut Leppin, Althistoriker, Universität Frankfurt, Prof. Dr. Christoph Markschies, Professor für antikes Christentum, Humboldt-Universität,
Berlin, Prof. Eberhard Schocken hoff, Theologe, Universität Freiburg
Gesprächsleitung: Martin Durm
8. Februar 2019, SWR2
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Die Aktualität des Grundgesetzes steht im Mittelpunkt der laufenden „Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ zum Thema „Verfassung_Aber wie?“
7. Februar 2019, UniReport
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Zurück in die Zukunft? Der Exzellenzcluster Die Herausbildung normativer Ordnungen schaute bei seiner Jahreskonferenz auf das Zusammenspiel von Revolution, Reaktion und Restauration
7. Februar 2019, UniReport
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Es gibt keine Theorie mehr, die aufs Ganze geht. Zum Abschluss der 68er-Bürgeruni-Reihe standen die gesellschaftlichen Großerzählungen im Mittelpunkt
7. Februar 2019, UniReport
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Wie man medienmündig wird. Denkraum im Schauspiel Frankfurt: Bernhard Pörksen plädiert für eine redaktionelle Gesellschaft
4. Februar 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Thomas Biebricher über Konservatismus: Gleichbleibender Bocksgesang
3. Februar 2019, Der Tagesspiegel
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Frankfurter Gesichter: Rainer Forst
2. Februar 2019, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Thomas Biebricher „Geistig-moralische Wende“
28. Januar 2019, Deutschlandfunk
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Auf ein Wort... Sexualität. Michel Friedman im Gespräch mit Susanne Schröter
25. Jaunuar 2019, "Auf ein Wort...", Deutsche Welle
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„Ein gerechter Übergang ist wichtig“. Am Dienstag gab es wieder einen Gipfel mit der Kanzlerin, um den Kohleausstieg zu beschleunigen. Darrel Moellendorf plädiert für mehr Gerechtigkeit
16. Januar 2019, taz
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Der Islam und das Geld. Viele Moscheen in Deutschland werden von reaktionären Kräften im Ausland finanziert. Kann eine Moscheesteuer daran etwas ändern? Ein Gespräch mit Susanne Schröter vom Forschungszentrum Globaler Islam
9. Januar 2019, Zeit online
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Wofür brauchen wir ein Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt?
27. Dezember 2018, hr-iNFO
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Tatort-Sicherung: Was arbeiten die da eigentlich? Interview mit Prof. Dr. Klaus Günther und Prof. Dr. Mirjam Minor
26. Dezember 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Das Recht der Entwurzelten. Pässe sind kein Handelsgut: Leibniz-Preisträgerin Ayelet Shachar erforscht die rechtsfreien Räume der Migration
12. Dezember 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Axel Honneth geht in den Ruhestand. Wechsel an der Spitze einer Frankfurter Institution: Axel Honneth geht - Ferdinand Sutterlüty soll das Institut kommissarisch führen
11. Dezember 2018, Frankfurter Rundschau
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Der Konservatismus hat sich erschöpft. Wird die neue CDU-Chefin eine konservative Wende hinlegen? Wohl kaum. Auch Friedrich Merz hätte eine Malaise kaum beenden können, die schon seit den Achtzigern schwelt. Ein Gastbeitrag von Thomas Biebricher
11. Dezember 2018, Zeit online
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Auf ein Wort... Macht. Michel Friedman im Gespräch Rainer Forst
7. Dezember 2018, "Auf ein Wort...", Deutsche Welle
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Mehr Turnhallen für richtigen Streit. Sehr gut besuchte Römerberggespräche vermessen Raum und Räume für eine streitbare Zukunft der Demokratie
7. Dezember 2018, UniReport
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Die Auseinandersetzung mit Auschwitz begann nicht erst 68. Bürgeruniversität diskutierte über den Umgang der Protestgeneration mit den Verbrechen des Nationalsozialismus
7. Dezember 2018, UniReport
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Respekt unter Gleichen. Rainer Forst spricht über Toleranz und Religionsfreiheit
6. Dezember 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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"Frieden beginnt in jedem Stadtteil". Friedensforscherin Deitelhoff sucht im Dialog mit Bürgern Ideen für ein besseres Miteinander
6. Dezember 2018, Frankfurter Rundschau
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Gefährdete Grundwerte. Schauspiel Frankfurt mischt sich in die gesellschaftliche Debatte ein
6. Dezember 2018, Frankfurter Rundschau
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Internet-Regulierung Zwischen Datenautobahn und digitaler Sackgasse. Interview mit Prof. Dr. Alexander Peukert
4. Dezember 2018, Deutschlandfunk
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Ein "deutscher Islam"? Wie könnte ein "deutscher Islam" aussehen? Um bei dieser Frage voranzukommen, nehmen an der Islamkonferenz diesmal auch liberale Experten teil. Können sie ein echtes Gegengewicht zu den großen Verbänden bilden?
28. November 2018, tagesschau.de
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Deutsche Intellektuelle und Politiker gründen die «Initiative säkularer Islam»
22. November 2018, Neue Züricher Zeitung
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Zehn Stimmen für einen aufgeklärten Islam
21. November 2018, Die Zeit
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Die Demokratie zerfällt in zwei Hälften. Der Frankfurter Sozialphilosoph Rainer Forst über den autoritären Populismus und die notwendige Zivilisierung von Herrschaftsverhältnissen
13. November 2018, Frankfurter Rundschau
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Römerberggespräche: Die neue Lust an der Zerstörung - oder wie die Demokratie ihre Fassung bewahrt
12. November 2018, hr2 kultur
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Wir brauchen einen „New Deal“ für das globale Netz. Von Matthias C. Kettemann, Wolfgang Kleinwächter, Max Senges
9. November 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Grüne Dominanz. Und der nächste Bundeskanzler heißt... Dr. Robert Habeck
8. November 2018, Spiegel online
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Worüber denken Sie gerade nach, Rainer Forst?
7. November 2018, Die Zeit
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Kann digitale Arbeit menschlich sein? Die technologische Revolution schürt bei vielen Angst, überflüssig zu werden. Sie kann aber auch befreiend wirken. Von Lisa Herzog
7. November 2018, Zeit online
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Die Macht der Gefühle. Die Frankfurter Römerberggespräche über die "Neue Lust an der Zerstörung"
5. November 2018, Frankfurter Rundschau
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Die Lust an der List. Die Römerberggespräche beleben den politischen Streit
5. November 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Das Recht, Nein zu sagen, ohne dass Sanktionen drohen. Warum Streit für die Demokratie wichtig ist und wie sich die Öffentlichkeit fragmentiert: Am Samstag gab es in Frankfurt am Main die 46. Römerberggespräche
5. November 2018, taz
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CDU nach Merkel: Die Union auf der schwierigen Suche nach ihrem Markenkern
5. November 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Prof. Nicole Deitelhoff über die integrative Kraft gesellschaftlicher Konflikte
1. November 2018, hr2 kultur
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The Brexit vote and Trump’s election were decided democratically. So why don’t they feel that way? By Brian Milstein
November 2018, The London School of Economics and Politcal Science
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Historikerin Ute Frevert referiert über die neue Lust der Gefühle
31. Oktober 2018, hr2 kultur
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Das Verfassungsrecht als Instrument des Wandels. Überstaatlicher transformativer Konstitutionalismus: Bemerkenswertes vom Interamerikanischen System für Menschenrechte. Von Armin von Bogdandy
25. Oktober 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Mächte des Zerfalls. Der Bund lässt den sozialen Zusammenhalt erforschen
24. Oktober 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Im Prinzip ist die globale Energiewende machbar. Im Gespräch: Der Klimaphilosoph Darrel Moellendorf
24. Oktober 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Des Bischofs Thron war gar zu hoch. Als noch nicht klar war, was die Mehrheitskirche ist: Der Althistoriker Hartmut Leppin führt geschichtenreich in die vielfältige Welt der frühen Christen ein
19. Oktober 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Über die Würde. Rechtsphilosoph Günter Frankenberg im "Denkraum" des Frankfurter Schauspielhauses
18. Oktober 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Wird die Welt kriegerischer? Vorlesungsreihe an der Universität Frankfurt/Main
18. Oktober 2018, Deutschlandfunk
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Auf ein Wort... Gewalt. Auf der Frankfurter Buchmesse trifft sich Michel Friedman mit Nicole Deitelhoff und philosophiert mit der Politikwissenschaftlerin über das Thema Gewalt
13. Oktober 2018, DW Deutsch
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Neues Institut erforscht produktiven Streit
11. Oktober 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Frankfurter Buchmesse 1564: Die Entdeckung des Egoismus. Von Rainer Klump und Lars Pilz
10. Oktober 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Below the Asphalt Lies the Beach.Reflections on the legacy of critical theory. By Seyla Benhabib
9. Oktober 2018, Boston Review
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Wird die Welt immer kriegerischer? Die öffentliche Ringvorlesung der Frankfurter Goethe-Universität befasst sich mit Gewalt
9. Oktober 2018, Frankfurter Rundschau
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Gesellschaft extrem. Der Unterschied zwischen Radikalismus und Extremismus. Mit Prof. Dr. Chrisopher Daase
18. September 2018, mdr Wissen
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Zum Tod von Albrecht Wellmer: Dialogisches Denken der besten Art. Von Martin Seel
18. September 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Arbeit ist mehr als Geld verdienen. Podcast mit Martin Seel
15. September 2018, Deutschlandfunk Nova
Zum Beitrag

Meine Rechte im Internet. Dr. Matthias Kettemann von der Goethe-Universität diskutiert mit Religionskurs über Kinderrechte
15. September 2018, Gymnasium Nord
Zum Beitrag

Susanne Schröter, Ethnologin im Gespräch mit Marie-Christine Werner
15. September 2018, SWR2 Zeitgenossen
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Das Paradies in der Einöde. Die Wüstenväter des frühen Christentums gaben asketischen Praktiken einen neuen Sinn. Mit Anerkennung ihrer Verzichtleistungen konnten sie aber nicht nur bei ihren Glaubensbrüdern rechnen. Von Hartmut Leppin
10. September 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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"Gefahr durch Salafisten größer denn je". Die Islam-Expertin Schröter warnt vor einer Generation von Kindern, die in salafistischen Familien aufwachsen. Gegen radikale Ideologien könnten Sozialarbeiter kaum ankämpfen
30. August 2018, heute.de
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ECPR-Tagung in Hamburg: Das Ende der Geduld
27. August 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Weg mit dem Bildschirm! Last Exit No Screen Policy: Warum Handys und Tablets Vorlesungen und Seminare rettungslos ruinieren und wie Dozenten und Studenten ihnen glücklich entrinnen können. Von Milos Vec
22. August 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Sie glauben, sie handeln im höheren Auftrag. Nervöse Geselligkeit beim Absacker: Drei Soziologen widmen sich der Erforschung von Leben und Streben der Investmentbanker
17. August 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Sozialkritisches Buch „Anerkennung“ - Nicht ohne die anderen. Das Wort Selfie kommt in Axel Honneths neuestem Werk „Anerkennung“ nicht vor. Obwohl es nahe läge
17. August 2018, taz
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Die Parallelgesellschaft der Finanzelite. Gastbeitrag von Sighard Neckel
12. August 2018, WirtschaftsWoche
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Geschichte des 19. Jahrhunderts. Vor 200 Jahren begann der Durchbruch der Moderne. Mit Prof. Dr. Andreas Fahrmeir
2. August 2018, Deutschlandfunk
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Summer Academy »GLOBAL JUSTICE«. Beziehungen verpflichten
August 2018, »GEMEINSAM PERSPEKTIVEN SCHAFFEN« – Jahrbuch 2017 der Goethe-Universität Frankfurt
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Forschung. Auszeichnungen
August 2018, »GEMEINSAM PERSPEKTIVEN SCHAFFEN« – Jahrbuch 2017 der Goethe-Universität Frankfurt
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Erinnerungskultur. Vermächtnis und Verantwortung
August 2018, »GEMEINSAM PERSPEKTIVEN SCHAFFEN« – Jahrbuch 2017 der Goethe-Universität Frankfurt
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Stiftungsuniversität. Nachgefragt bei... Boris Rhein. »Stiftungsuniversität hat bundesweiten Modellcharakter«
August 2018, »GEMEINSAM PERSPEKTIVEN SCHAFFEN« – Jahrbuch 2017 der Goethe-Universität Frankfurt
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Waren ja, Menschen nein? Spanische Juristen leiteten vor fünfhundert Jahren aus dem Recht der Völker ein Recht auf Migration ab. Von Thomas Duve
31. Juli 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Geschlechterrollen in der muslimischen Welt „Die Frauen haben die Nase voll, sie wollen frei sein“. Interview mit Prof. Dr. Susanne Schröter
27. Juli 2018, hr-iNFO
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Der Größte ist doch unser Hegel. Drei Länder, drei Begriffe: Axel Honneth, der Direktor des berühmten Instituts für Sozialforschung in Frankfurt, skizziert eine europäische Ideengeschichte der "Anerkennung"
26. Juli 2018, Süddeutsche Zeitung
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Wie Anerkennung wirklich funktioniert. Axel Honneths Ideengeschichte der Anerkennung
17. Juli 2018, Welt
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„Müssen eigene Sicherheits- und Verteidigungsunion aufbauen“. Kommentar von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff
16. Juli 2018, ZDF Spezial "Trump trifft Putin"
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Gastkommentar: Thomas Duve im Städel Museum
14. Juli 2018, Städel Museum
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Schutzmacht ade – muss Europa aufrüsten?
Mit Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Direktorin der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"), Ben Hodges (US-Generalleutnant a. D.), Wolfgang Ischinger (Leiter Münchner Sicherheitskonferenz), Oskar Lafontaine (Die Linke) und Ursula von der Leyen (Bundesverteidigungsministerin)
12. Juli 2018, "maybrit illner" ZDF
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Die schnelle Lösung ist die autoritäre. Autoritäre Strukturen, Populismus, die Rechtsstaatlichkeit in Gefahr, Begrifflichkeiten aus überwunden geglaubten Zeiten. Was ist los in Europa? Die TT sprach mit dem Historiker und Demokratieforscher Till van Rahden
10. Juli 2017, Tiroler Tageszeitung
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Die Krise der Nato. "Trump ist ahnungslos". Christopher Daase über Donald Trump und die Krise der Nato
10. Juli 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Vom Zwang zur Selbstverbesserung. Die Soziologin Greta Wagner erforscht, wie aus der Selbstentfaltung ein Zwang zur Selbstverbesserung wurde
9. Juli 2018, WDR 3 Kultur am Mittag
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Sein und Streit. Das offene Europa in der Krise."Wir erleben die Folgen eines geistigen Umbruchs." Axel Honneth im Gespräch mit Simone Miller
8. Juli 2018, Deutschlandfunk Kultur
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Axel Honneth: "Anerkennung" - Die Geschichte einer zentralen Idee Europas
6. Juli 2018, Deutschlandfunk Kultur
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»Demokratie für alle« und das »Entfesselte Ich«. Bürger-Uni-Reihe zum Thema 1968
5. Juli 2018, UniReport
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Belgien erlebte sein Waterloo in Paris. Repressive Innovationen des Völkerrechts: Eine Tagung in Tilburg beleuchtet die Friedensverträge von 1919/20. Von Prof. Dr. Milos Vec
4. Juli 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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In der Zeit, aus der Zeit. Martin Saar tritt an
4. Juli 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Spitzenforscherinnen gesucht. Frauen in der Ökonomie
2. Juli 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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"Mehr Aufklärer als Nazi-Jäger". In der Frankfurter Paulskirche gedenkt der Bundespräsident des früheren Generalstaatsanwalts Fritz Bauer
2. Juli 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Wo, bitte, geht’s zur Frankfurter Schule? Die kritische Theorie hat jede doktrinäre Schulbildung vermieden. Gerade damit begründete sie eine Tradition des Denkens, die bis heute lebendig ist
1. Juli 2018, Neue Zürcher Zeitung
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„Die Holocaust-Leugner sind sehr laut“. Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz-Bauer-Instituts, spricht über den Kampf gegen fehlendes Geschichtswissen, Fritz Bauer und die Situation des Instituts in Zeiten der AfD
1. Juli 2018, Frankfurter Rundschau
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Gedenkveranstaltung in Frankfurter Paulskirche. Bundespräsident Steinmeier würdigt Auschwitz-Ankläger Bauer
1. Juli 2018, Hessenschau
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Steinmeier würdigt Fritz Bauer in der Paulskirche. Der frühere Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hat für die deutsche Gesellschaft Enormes geleistet. Bundespräsident Steinmeier würdigt ihn beim Gedenkakt zum 50. Todesjahr in der Paulskirche
1. Juli 2018, Frankfurter Rundschau
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EU-Flüchtlingsdebatte "Das sind aufgewärmte Faschisten". Warum besinnt sich Horst Seehofer in der Flüchtlingsdebatte wieder auf Landesgrenzen? Die Philosophin Seyla Benhabib über die Bedeutung von Nationalstaaten, die Lega Nord - und die Last der Migration im Lokalen
30. Juni 2018, Spiegel Online
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Die Welt mit anderen teilen. Die Politologin Seyla Benhabib zur Flüchtlingsdebatte in Deutschland, Europa, der Welt - und warum wir instinktiv nach alten Ideen greifen, auch wenn sie gescheitert sind
28. Juni 2018, Frankfurter Rundschau
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Was eine Gesellschaft ausmacht: Anerkennung bedeutet Wertschätzung aber auch Abhängigkeit. Weshalb hat in Frankreich, England und Deutschland die Anerkennungsidee einen unterschiedlichen Wert? Der Frankfurter Philosoph Axel Honneth stellt eine atemberaubende, aber bedenkenswerte These über einen demokratischen Leitbegriff auf
28. Juni 2018, Neue Zürcher Zeitung
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»Ich hoffe auf eine sehr enge Zusammenarbeit« Vorgestellt: Die neue Sammlungskoordinatorin Judith Blume
Goethe Spektrum 2/2018
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Toleranz braucht Respekt. Rainer Forst, Philosoph
18. Juni 2018, Deutschlandfunk Nova
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«Für Frauen hat sich die Sicherheit im öffentlichen Raum verschlechtert». Susanne Schröter, Professorin für Ethnologie, steht in ihrer Disziplin mit kritischen Beiträgen zur Migrationsdebatte ziemlich alleine da. Im Interview spricht sie über gewalttätige Zuwanderer, Kritik von links und den Einfluss der Islamverbände
16. Juni 2018, Neue Zürcher Zeitung
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Politischer Islam in der Türkei. "Erdogan hat die Türkei in eine islamistische Ecke getrieben". Susanne Schröter im Gespräch mit Benedikt Schulz
15. Juni 2018, Deutschlandfunk
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Auf ein Wort... Gerechtigkeit. Michel Friedman im Gespräch mit Stefan Gosepath
12. Juni 2018, Deutsche Welle
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Beschimpft, beleidigt, bedroht. Gewalt gegen Frauen lässt sich nicht entschuldigen und auch nicht beschwichtigen. Warum ist die Diskussion aber so merkwürdig verdruckst, sobald dabei muslimische Männer im Spiel sind? Es geht nicht an, jeden, der hier Klartext redet, als Rassisten zu bezeichnen. Von Prof. Dr. Susanne Schröter
12. Juni 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Trump und Kim. Korea-Experten sehen Gipfel-Ergebnisse skeptisch
12. Juni 2018, Frankfurter Rundschau
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Friedensgutachten. Internationale Krisen: Deutschland soll sich mehr einmischen
12. Juni 2018, Frankfurter Rundschau
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Der Blick auf das Ganze. Die Jurastudenten müssen lernen, warum unser Recht ist, wie es ist. Dazu gehört die NS-Zeit - aber nicht nur sie. Von Thomas Duve
7. Juni 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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»Die Goethe-Universität ist ein deutschlandweit herausragendes Modell von Hochschulautonomie« Boris Rhein, Minister für Wissenschaft und Kunst, über wettbewerbsorientierte Forschungsfinanzierung, die RMU-Allianz und Perspektiven der hessischen Hochschullandschaft
30. Mai 2018, UniReport
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"Statt Alarmismus lieber Vorzüge des Rechtsstaats vermitteln". Podiumsdiskussion zur Lage der Demokratie
28. Mai 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Abschied von Freiheit und Emanzipation? Im Haus der Kulturen der Welt diskutierten Didier Eribon, Seyla Benhabib, Wendy Brown und andere intellektuelle Schwergewichte über den Emanzipationsbegriff
28. Mai 2018, Der Tagesspiegel
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So schnell restituieren die Preußen nicht. Streitfall Ethnologie: In Jahrzehnten haben die Museen nur eine Handvoll Objekte an die Herkunftsländer zurückgegeben. Wirklich zu wenige?
17. Mai 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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"Mädchen ohne Kopftuch werden gemobbt". Im Gespräch: Susanne Schröter, Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam
14. Mai 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Biodiversität und Ästhetik: wann wir uns in der Welt zuhause fühlen
Funkkolleg Biologie und Ethik mit Prof. Dr. Darrel Moellendorf (ab Minute 18:54)
11. Mai 2018, hr info
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Umbruch und (In-)Toleranz. Ein Beitrag für das Schauspiel Frankfurt von dem Philosophen Rainer Forst
Spielzeitheft 2018/19, Schauspiel Frankfurt, S. 32-35
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Die Zeit Was halten Sie von diesem Mann? Zum 200. Geburtstag von Karl Marx erklären Philosophen und Soziologen, worin er irrte und wo er recht hatte – und warum seine Ideen unsere Gegenwart betreffen.
4. Mai 2018, Die Zeit
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Alle reden mit und dürfen nach Mallorca. Nassehi, Kraushaar, von Hodenberg bei den Römerberggesprächen zu 68
30. April 2018, taz
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Frankfurter Römerberggespräche: Wie weiblich war 1968?
30. April 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Von Träumen und Trümmern. What’s left: Die Römerberggespräche fragen nach dem Erbe von ’68 – und ob man es bergen sollte
30. April 2018, Frankfurter Rundschau
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Achtundsechzig überall. Römerberggespräche zur Protestbewegung vor 50 Jahren
29. April 2018, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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Römerberggespräche: Was soll vom 68er-Erbe bleiben?
23. April 2018, Focus online
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Den Palandt umbenennen? Vergessliche Reiniger. Von Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Stolleis
18. April 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Liebe auf den zweiten Blick. Buch "Frankfurt für Anfänger"
9. April 2018, Frankfurter Rundschau
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Wie der deutsche Film in Zukunft sein könnte. Der erste Lichter Film Kongress bringt Forderungen
7. April 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Du und deine Daten: Ein Zukunfts-Workshop
Beitrag und Interview mit Dr. Matthias C. Kettemann LL.M. (Harvard) (ab Minute 46:30)
4. April 2018, hr2-kultur
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Goethe Lectures Offenbach. Das Eigentumsrecht steht mehr als je zuvor im Zentrum der Handlung von Firmen und Regierungen
4. April 2018, Focus
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Über das Ertragen. Rainer Forst im Gespräch mit Katja Weber
30. März 2018, Deutschlandfunk
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Zukunft des Films. Programm des 11. Lichter Filmfests in Frankfurt
28. März 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Die Politik hat einen Sehnsuchtsort gewählt. Im Interview: der Ethnologe Karl-Heinz Kohl
21. März 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Ehre und Ansporn zugleich. Am 19. März wurden in Berlin die Leibniz-Preise 2018 verliehen. Eine der Preisträgerinnen ist Professorin Nicola Fuchs-Schündeln
20. März 2018, Forschung & Lehre
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"Aus Ankara gesteuert" Islamforscherin Susanne Schröter über muslimische Verbände an deutschen Unis
14. März 2018, Die Zeit
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Wenn Schwäche als Unfähigkeit gewertet wird. Von Univ.-Prof. Dr. iur. Milos Vec
2. März 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Foucaults Kampf um das Begehren. Es ist eine philosophische Sensation: Über dreißig Jahre nach Foucaults Tod ist nun Band vier seiner „Geschichte der Sexualität“ erschienen. Von Prof. Dr. Martin Saar.
19. Februar 2018, taz
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Neue Zugänge zur Wirtschaftswissenschaft. Nicht bloß Zahlen, auch Geschichte und Kultur sollten sich Ökonomen genauer anschauen
19. Februar 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Die Wohnungsfrage ist der schwerste Wahlprüfstein. Oberbürgermeister-Kandidaten erläutern ihre Ideen für die Wissenschaftsstadt Frankfurt
13. Ferbuar 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Die Fragen der Wissenschaft. Die Hochschulen interviewen die OB-Kandidatinnen und -Kandidaten zu ihren Positionen
13. Ferbuar 2018, Frankfurter Rundschau
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Frankfurt: OB-Kandidaten stehen Rede und Antwort
12. Februar 2018, rheinmaintv: rheinmain Aktuell (ab Minute 1:47)
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„Wir sind die 68er-Universität“. „Es war kein Zufall, dass es in Frankfurt zur Revolte kam“: Die Unruhen von 1968 erschütterten die Nachkriegsgesellschaft. Vize-Präsident Manfred Schubert-Zsilavecz und Sprecher Olaf Kaltenborn über die Bedeutung des 50-Jahre-Jubiläums
5. Februar 2018, Frankfurter Rundschau
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Von Schleiermacher bis zum Kapitalozän. Der Exzellenzcluster »Die Herausbildung normativer Ordnungen« schaut bei seiner Internationalen Jahreskonferenz multiperspektivisch auf die Krise
1. Februar 2018, Forschung Frankfurt
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Kampf auf dem Campus. Diskussion um Diskriminierung und Zensur
26. Januar 2018, ZDF: aspekte (ab Minute 29:53)
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Kampf auf dem Campus. Universitäten machen vermehrt Schlagzeilen damit, dass zunächst angesetzte Diskussionsveranstaltungen wieder abgesetzt werden. Der Grund: Die Studenten lehnen die Position des Redners ab
23. Januar 2018, 3Sat: Kulturzeit
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Meinungsfreiheit an der Uni. Club der Vernunft
22. Januar 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Podiumsveranstaltung. Rainer Wendt spaltet die Goethe-Uni
22. Januar 2018, Frankfurter Neue Presse
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Aushalten oder ausladen. An der Goethe-Uni wird kontrovers über eine Ausladung von Rainer Wendt diskutiert
20. Januar 2018, Frankfurter Rundschau
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"Märtyrer" Wendt. Diskussion an Uni über Meinungsfreiheit
20. Januar 2018, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Diskussion nach Ausladung: Uni-Präsidentin würde Wendt-Vortrag ermöglichen
19. Januar 2018, hessenschau.de
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Innovative Rechenkünstlerin. Eine Inspiration für viele: Für ihre Studien ist die Frankfurter Volkswirtin Nicola Fuchs-Schündeln mit dem renommierten Leibniz-Preis ausgezeichnet worden
13. Januar 2018, Frankfurter Rundschau
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Expertin der Zeitgeschichte. Stadt beruft Sybille Steinbacher in Jury für Zivilcourage-Preis
12. Januar 2018, Süddeutsche Zeitung
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Der Ego-Kult: Im Zweifel, ich zuerst. Wir optimieren unsere Körper, unsere Karrieren, unser Privatleben. Was ist richtig, was falsch? Ist die Selbstoptimierungswelle die neue Sinnstiftung? Wozu tun wir das? Gäste der Sendung: Greta Wagner (Soziologin), Gerald Hüther (Neurobiologe) und Bärbel Wardetzki (Psychologin)
11. Januar 2018, 3sat: scobel
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Was ist das - ein Volk? Unsere Vorstellung von dem, was eine Nation ist, ist nicht starr, sondern wandelt sich. Das müssen wir berücksichtigen, wenn wir aktuelle Nationaldebatten führen, sagt Andreas Fahrmeir, Professor an der Goethe-Universität Frankfurt (Jahrgang 1969). Dierk Wolters hat mit ihm über sein neues Buch gesprochen
8. Januar 2018, Frankfurter Neue Presse
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Außensicht II: „Man muss kein Schwein sein, um Erfolg zu haben“. Jahresbeginn, Zeit zum Nachdenken – wie Gründer mit der richtigen Haltung zum Erfolg finden, erklärt Ethikprofessor Gerhard Minnameier
3. Januar 2018, Wirtschaftswoche
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Expertin über IS-Nachwuchs - "Radikalisierte Kinder brauchen Hilfe". Die Gefahr durch IS-Angehörige sei "eine große Herausforderung", sagt Ethnologin Susanne Schröter im ZDF heute journal. Doch radikalisierte Kinder bräuchten vor allem eines: Hilfe.
27. Dezember 2017, ZDF: heute
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Lotterie der Herkunft. Dürfen demokratische Staaten Grenzen ziehen?
20. Dezember 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Exzellent gescheitert.Die Universität Frankfurt hat im Elite-Wettbewerb um Spitzenforschung alles richtig gemacht. Trotzdem hat es nicht gereicht. Wie konnte es dazu kommen?
20. Dezember 2017, Die Zeit
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Lessing-Preis 2017 geht an Vizepräsidentin der HfG Offenbach
19. Dezember 2017, Journal Frankfurt
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Lessing-Preis für Juliane Rebentisch
19. Dezember 2017, Focus
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Konferenz zu Migrationspolitik. Recht auf globale Bewegungsfreiheit. In Frankfurt/M. stellte eine Tagung Konzepte für eine rationale Migrationspolitik zur Debatte, mit denen die Politik nicht Schritt halten will
17. Dezember 2017, taz
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Gibt es ein Recht auf Fortpflanzung? Juristen verschiedener Fachrichtungen diskutieren an der Frankfurter Universität über die Grenzen der Reproduktionsmedizin
15. Dezember 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Vom Kleinen zum Großen. Leibniz-Preisträgerin verbindet Mikro- und Makroökonomie
15. Dezember 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Ausgezeichnet. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat die Leibniz-Preisträger 2018 bekannt gegeben. Elf Forscher wurden ausgezeichnet
14. Dezember 2017, Süddeutsche Zeitung
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Leibniz-Preis für Frankfurter Forscherin. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Nicola Fuchs-Schündeln erhält die hoch dotierte Auszeichnung. Einen Namen gemacht hat sie sich vor allem wegen ihrer Arbeit zu unterschiedlichen Werthaltungen
14. Dezember 2017, Frankfurter Rundschau
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Alte Texte tun nicht, was wir wollen. Die Übertragung heutiger Wertvorstellungen auf historische Ereignisse ist unzulässig: Warum die neue Version des Vaterunser, die Papst Franziskus vorschwebt, in die Irre führt / Von Hartmut Leppin
13. Dezember 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Auf der Suche nach der Wahrheit. Journalisten und Professoren diskutieren bei der Bürger-Uni über die Folgen von Fake News
13. Dezember 2017, Frankfurter Rundschau
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»Der Geist ist heute nicht sehr theorieaffin«. Fragen an die Sprecher des Clusters Normative Ordnungen zu Perspektiven nach dem ExStra-Aus in der Vorrunde
7. Dezember 2017, Unireport
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„Hirndoping“ aus Sicht der Sozialforschung. Nächster Termin der „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 12. Dezember 2017 im Klingspor Museum
6. Dezember 2017, Focus
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Julian Nida-Rümelin über Philosophie und Demokratie. Vortrag am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" an der Goethe-Universität am 7. Dezember 2017
4. Dezember 2017, Focus
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Studie. Gattin, Sekretärin, Geliebte. Antiquiert und voller Klischees: Das Jura-Studium vermittelt ein Frauenbild von vorgestern, das zeigt eine neue Studie. Wenn Frauen überhaupt vorkommen, dann meist als Anhängsel eines Mannes, das sich für Schuhe und Handtaschen interessiert
3. Dezember 2017, Süddeutsche Zeitung
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„Wer spricht für wen?“ Der Ethnologe Karl-Heinz Kohl über den musealen Umgang mit den sterblichen Überresten von Menschen
29. November 2017, FALTER
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B3 Biennale des bewegten Bildes. Die B3, die Biennale des bewegten Bildes, war nie zuvor so politisch wie jetzt. Flucht, Vertreibung, Zukunftsangst, Ausgrenzung, Populismus scheinen in weiten Teilen die Kunst-Welt zu beherrschen
29. November 2017, SAT3
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Filmkunst in der verbotenen Stadt. Die B3-Biennale der bewegten Bilder beginnt am Mittwoch in Frankfurt. Ehemalige Bank-Räumlichkeiten bieten einen besonderen Rahmen
28. November 2017, Frankfurter Rundschau
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Fürsprecher aus aller Welt. Wissenschaftler in Sorge um Cluster
24. November 2017, Frankfurter Rundschau
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Bildung in Frankfurt Bürger-Uni in Frankfurt zu Wahrheit und Lüge. Die Frankfurter Bürger-Universität widmet sich in diesem Jahr dem Thema Fake News, soziale Netzwerke und Manipulation. Drei Podiumsdiskussionen sind geplant
24. November 2017, Frankfurter Rundschau
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Kurze Meldungen: Exzellenzstrategie
22. November 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Fotoausstellung. Akademischer Zauber und wilde Körper. Eine Fotoausstellung des Brasilianers Viveiros de Castro variiert im Weltkulturenmuseum den "Wilden Körper". Zugleich eröffnet sie "Tropical Underground", ein Großprojekt Frankfurter Institutionen
18. November 2017, Frankfurter Neue Presse
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„Tropical Underground“ in Frankfurt. Revolutionen am Rande. Ein künstlerisch-wissenschaftliches Projekt „Tropical Underground“ mehrerer Museen und der Goethe-Universität in Frankfurt blickt auf die brasilianische Gegenkultur der 60er Jahre
17. November 2017, Frankfurter Rundschau
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Goethe-Universität. Tagung zur Krise: „Die Grenze zwischen den Ordnungen“
17. November 2017, Focus
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Tropical Underground. Das etwas andere Achtundsechzig
17. November 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Ausstellungsreihe Tropical Underground. Tropische Untergründe und ein ganz anderes 1968
17. November 2017, Journal Frankfurt
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Biennale B3. Ein Filmfestival über das Begehren. Zeitgenössische Videokunst zeigt die Biennale B3 auf dem früheren Deutsche-Bank-Areal in Frankfurt und in der Region
16. November 2017, Frankfurter Rundschau
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"Wir sind besorgt und enttäuscht". Bei der Exzellenzstrategie ist der Cluster "Normative Ordnungen" durchgefallen. Wissenschaftler aus aller Welt fordern in einem Brief: Das darf nicht das Ende für den Forschungsverbund sein. Hessens Wissenschaftsminister Rhein reagiert prompt
15. November 2017
Blog von Dr. Jan-Martin Wiarda: https://www.jmwiarda.de
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Katalonien-Krise. "Rajoy und Puigdemont haben versagt". Der Heidelberger Völkerrechtler Armin von Bogdandy fordert einen Neuanfang auf beiden Seiten
7. November 2017, Rhein-Neckar-Zeitung
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„Eine bittere Enttäuschung“. Der Philosoph Rainer Forst über die ungewisse Zukunft seines Frankfurter Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“
4. November 2017, Frankfurter Rundschau
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Verkaufsstart des IPhone X. Fans stehen vor Apple-Store Schlange
3. November 2017, General-Anzeiger
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Wissenschaft zwischen Forschung und Vermittlung. Hessischer Kulturpreis an Lutz-Bachmann und Mosbrugger
30. Oktober 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Zwei Professoren der Spitzenklasse
28. Oktober 2017, Frankfurter Neue Presse
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70 Jahre Europa Union: Staatengemeinschaft als beste Antwort auf die Fragen unserer Zeit
28. Oktober 2017, Usinger Anzeiger
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Für Katalonien! Wer die spanische Regierung unterstützt, stellt sich gegen die Demokratie. Ein Gastbeitrag von Christoph Menke und Alexander García Düttmann
25. Oktober 2017, Die Zeit
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Tacitus blieb leider hängen. Andreas Fahrmeir über die Idee deutscher Nation
20. Oktober 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Auf dem Boden einer sich auflösenden Religion. Olivier Roy und Fethi Benslama entwickeln ihre Ansichten über die Ursprünge islamistischen Terrors
20. Oktober 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Montagsinterview. Frankfurter Friedensforscherin: "Trump ist für Konfliktlösung ein Problem"
16. Oktober 2017, Nassauische Neue Presse
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Dreifache Mutter will in der Forschung noch einiges bewegen
16. Oktober 2017, Nassauische Neue Presse
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Die Entdeckung der Arten. Späte Buße der alten Kolonialherren? Europa will beim Blick auf andere Völker und Kulturen die eurozentrische Brille abnehmen. Es kann sein, dass es sich dadurch auf die Dauer selbst abschafft
10. Oktober 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Heiratsfragen können sehr weit führen. Vom brasilianischen Urwald zu den Unsterblichen der Akademie: Emmanuelle Loyers großartige Biographie von Claude Lévi-Strauss
7. Oktober 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Schönheit ist ein sehr robuster Begriff. Selbst die Hutschachtel bietet Erkenntnisse: Martin Seel denkt über das Kino nach und warnt davor, Hollywood zu unterschätzen
7. Oktober 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Deutsche Nation. Über die Geschichte einer Idee. Der deutsche Nationalismus impliziert zumeist exklusives Denken, bestimmt also alles, was nicht deutsch ist. Das ist eine Spielart des Nationalismus. Eine andere definiert eine Nation über ihre politischen Grundannahmen. Der Historiker Andreas Fahrmeir erläutert in seinem Buch "Die Deutschen und ihre Nation" die Entwicklung des Begriffs
1. Oktober 2017, Deutschlandfunk
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Erbe kaputt. Deutsche Geschichte - was heißt das genau jetzt und heute? Andreas Fahrmeir hat auf knappstem Raum eine Gesamtdarstellung gewagt. Pathosfrei vergegenwärtigt er eine Entwicklung ohne Ziel, ohne Telos
1. Oktober 2017, Süddeutsche Zeitung
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Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ geht an Ärzte ohne Grenzen
1. Oktober 2017, Hessische Niedersäschische Allgemeine
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Es muss nicht neu erfunden werden. Weinheim. Zur Eröffnung des Wintersemesters 2017 nahm die Volkshochschule Badische Bergstraße das Thema Europa in den Fokus. Der Auftakt der Reihe bildete der Vortrag „Unsere Rechtsgemeinschaft oder: Hinter Europa steckt mehr als eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft“ von Prof. Michael Stolleis
20. September 2017
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Humboldt Forum: Dies ist Kunst, um ihrer selbst willen. In der Debatte um das Humboldt Forum meldet sich nach Horst Bredekamp, dem Gründungsintendanten, nun der Ethnologe Karl-Heinz Kohl zu Wort: Die Herkunft der Exponate sei kaum zu klären
6. September 2017, Die Zeit
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Neurologie: Kann man Neugierde lernen? Was es dort in der Hütte für die Vögel wohl zu sehen gibt? Wahrscheinlich wird die Frage hier gar nicht beantwortet. Oder doch?
6. September 2017, Die Zeit
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Stadt Offenbach. Wie kann die multikulturelle Gesellschaft Radikalisierungstendenzen begegnen?
6. September 2017, Focus
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Dschihadisten als Elitetruppe des Islams. Eine klare Ablehnung dieser Position durch islamische Verbände in Deutschland fehlt / Von Susanne Schröter
29. August 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Der Lumpen-Dschihadismus kennt keine Moral". Islamexpertin: Regierung nimmt Gefahr des politischen Islamismus nicht ernst genug
19. August 2017, Frankfurter Neue Presse
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Konferenz zu Sicherheit und Migration
18. August 2017, Hessischer Rundunk (Hessenschau)
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Sybille Steinbacher, erste Holocaust-Professorin. Immer wieder fragen, wie es dazu kommen konnte
17. August 2017, Der Tagesspiegel
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Wie man mit Gewinn den Schwiegersohn verspeist. Der Brasilianer Eduardo Viveiros de Castro hat in der Anthropologie Maßstäbe gesetzt - jetzt kann man ihn endlich auf Deutsch lesen
11. August 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Europe’s Leaders Curtail Summer Holidays in Light of Crises
10. August 2017, New York Times
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"Wir wissen doch eh schon alles!" Das hört Deutschlands erste Holocaust-Professorin häufig. Sie hält dagegen. Ein Gespräch über das Nichtvergessen und ihren Herkunftsort - Dachau
10. August 2017, Süddeutsche Zeitung
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Grüne stellen Anfrage an die Bundesregierung. Wie viel Einfluss hat Iran in Deutschland?
4. August 2017, Bild
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Diskriminierung: Wie sexistisch ist die Uni?
2. August 2017, Die Zeit
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Der Islam und der Wahlkampf 2017 in Deutschland. Flüchtlingskrise, innere Sicherheit, Terrorismus - diese Themen stehen für viele Bürger vor der Bundestagswahl ganz oben auf der Agenda. Und alle diese Themen sind irgendwie mit dem Islam verwoben
31. Juli 2017, Deutsche Welle
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Deutsche und der IS. Umgang mit "Dschihadisten-Bräuten": Traumatherapie oder Knast? Die Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung ist kein Kavaliersdelikt. Aber reicht es, deutsche Mädchen, die sich dem IS anschlossen, nach ihrer Rückkehr nach Deutschland einfach wegzusperren?
25. Juli 2017, Deutsche Welle
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Terrorismus. IS-Gotteskrieger und ihre "Gazellen". Keine Terrororganisation beherrscht das Internet so gut wie der "Islamische Staat". Die Dschihadisten wissen, wie sie junge Mädchen ansprechen. Im Netz präsentieren sie sich als liebevolle Beschützer
25. Juli 2017, Deutsche Welle
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Hessische Ditib-Moscheen gehören Zentrale in Köln - Wie groß ist der Einfluss der Türkei?
22. Juli 2017, Wiesbadener Tagblatt
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DITIB steht in NRW vor großer Herausforderung mit neuem Integrationsminister Stamp
22. Juli 2017, Deutsch Türkisches Journal, dpa
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Glaube kostet. Wie finanzieren sich Moscheen in Deutschland?
18. Juli 2017, SWR2
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Integration. Spaltung der Deutsch-Türken
14. Juli 2017, Bayernkurier
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Krise der liberalen Weltordnung? Trump und die internationale Politik. Fragen an den Politikwissenschaftler Stefan Kroll
Juli 2017, Unireport
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"Die Gewalt ist unentschuldbar". Interview Nach den linksextremen Krawallen in Hamburg. Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff im Gespräch mit der OZ
11. Juli 2017, Oberhessische Zeitung
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Warum ein Kind von einem Salafisten betreut wurde
11. Juli 2017, SWR
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Mullah-Konferenz in Berlin. Bundesregierung fördert iranische Terror-Helfer
11. Juli 2017, Bild
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Besuch des chinesischen Präsidenten Xi beim G 20-Gipfel. Gastkommentar: Holzweg und Seidenstraße
Gastkommentar von Prof. Harald Müller
8. Juli 2017, Höchster Kreisblatt
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Islamismus. Saudischer Extremismus-Export - auch nach Deutschland. Eine britische Studie weist Saudi-Arabien eine zentrale Rolle bei der Radikalisierung von Muslimen zu. Der wahhabitische Einfluss wird auch in Deutschland mit Petrodollars befeuert, sagt die Forscherin Susanne Schröter
7. Juli 2017, Deutsche Welle
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Was die Armee können muss Soldaten müssen nicht perfekte Bürger sein. Kämpfer, Diplomat, Aufbauhelfer – die Ansprüche an Bundeswehrsoldaten sind so vielfältig wie noch nie. Um sie zu erfüllen, braucht es eine Tradition, die demokratische Grundwerte verinnerlicht und zugleich für das Gefechtsfeld taugt. Ein Gastbeitrag
30. Juni 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Empörung erwünscht. Gerechtigkeit ist ein zentrales Wahlkampfthema von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz - und ein Forschungsgebiet von Rainer Forst. Der Frankfurter Philosoph erklärt, warum Schulz sich nicht von schlechten Umfragewerten entmutigen lassen sollte und wie Deutschland und die Welt gerechter werden können
25. Juni 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Rainer Forst. Politikwissenschaft und Philosophie, Goethe-Universität Frankfurt. Die Universalität der Gerechtigkeit [S. 7]
20. Juni 2017, ZEIT-Broschüre „Wissen schafft Vertrauen. 15 Miniaturen aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften". Ein Magazin der U15-Universitäten
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Ethikkommission: "Wir werden in vielen klassischen Dilemma-Situationen enden". Übernimmt bald die KI das Kommando im Auto? Verantwortlich bleibt auch künftig der Mensch am Steuer, sagt der Philosoph Matthias Lutz-Bachmann
20. Juni 2017, Die Zeit
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Ein Blick hinter die Kulissen. Wie eine Ausstellung entsteht: Unterwegs im Museum Giersch der Goethe-Universität
2017-02, GoetheSpektrum
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Die Last des Zweitverdieners. Für die Ökonomin Fuchs-Schündeln sollten Steuersätze nicht zivilstandsabhängig sein. Frauen seien bei einer getrennten Veranlagung öfter berufstätig als bei einem Ehegatten-Splitting
17. Juni 2017, Neue Zürcher Zeitung
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Innere Führung in der Hitze des Gefechts. Das neue Ideal des Kämpfers: ein ethnologischer Blick auf die Führungsdebatte in der Bundeswehr
7. Juni 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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"Welche normativen Orientierungen braucht Europa?" EU-Komissar Günther Oettinger diskutierte mit dem Philosophen Rainer Forst
1. Juni 2017, Uni-Report 3/2017
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Ein leidenschaftliicher Denker. Prof. Dr. Karl-Otto Apel (1922-2017). Ein Nachruf von Rainer Forst
1. Juni 2017, Uni-Report 3/2017
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"Wir sollten die emanzipatorischen Vorstellungen vom Digitalen nicht aufgeben". Der Politikwissenschaftler Thorsten Thiel über die Debatte um Fake News, die Folgen für die kommenden Wahlen und die politische Kultur im digitalen Strukturwandel
1. Juni 2017, Uni-Report 3/2017
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US-Präsident Trump und seine Außen- und Sicherheitspolitik
1. Juni 2017, Deutschlandfunk
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Stil lässt sich doch kaufen. Eine Wiener Modeausstellung klärt, warum es schon immer etwas vulgär war, einen besonderen Geschmack zu haben. Von Miloš Vec
21. Mai 2017, Frankfurter Rundschau
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Schader-Preis Im Dienst der Aufklärung. Die Frankfurter Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff erhält in Darmstadt den Schader-Preis. Sie ist Chefin der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung
11. Mai 2017, Frankfurter Rundschau
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"Unsere Zerrissenheit ist doch das Beste an der Moderne, was wir haben!" Frankreich, USA, Ungarn, Polen – überall kehrt ein Teil der Bürger der pluralen Demokratie den Rücken zu. Geht die Epoche des Liberalismus zu Ende? Ein Gespräch mit dem Philosophen Christoph Menke
10. Mai 2017, Die Zeit
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Claudia Andujar im MMK 1. Die Kamera als Mittel zum Dialog
9. Mai 2017, Journal Frankfurt
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Neue Regeln für Adornos Nachfolger. Das Institut für Sozialforschung reformiert sich - mit freundlicher Unterstützung des Landes, wie der Direktor berichtet. Ein anderes Frankfurter Institut dient als Vorbild
9. Mai 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Solcher Verzicht zahlt sich aus. Denn die Kirche kann Gaben vertragen: Peter Brown erzählt, wie sich das frühe Christentum mit Geld und Besitz arrangierte, um Rom zu beerben
6. Mai 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Ein Kontinent am Scheideweg. Günther Oettinger benennt die Probleme der Europäischen Union und fordert mehr Zusammenhalt. Das politische Projekt des geeinten Europas ist in ernsthafter Gefahr. EU-Kommissar Günther Oettinger suchte bei einem Besuch der Frankfurter Goethe-Universität mit Philosophie-Professor Rainer Forst nach Lösungen, um den Staatenverbund zukunftsfähig zu machen
6. Mai 2017, Frankfurter Neue Presse
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Vereinbarkeit von Scharia und Grundgesetz
5. Mai 2017, RTL
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Hessen. Halal-Label lockt Salafisten an
2. Mai 2017, Wetterauer Zeitung
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Ein Dschihadist wählt rechts. Der Soziologe Gilles Kepel prognostiziert in Frankfurt, dass der Islamismus keine breite politische Basis finden wird
27. April 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Aus den Vortragssälen. Gilles Kepel: "The Jihad out of the Banlieues"
27. April 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Türken in Deutschland: Immer noch Bürger 2. Klasse?
26. April 2017, Das Erste (Maischberger)
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„Ich bin bass beeindruckt“. Friedensforscherin Deitelhoff über Trump und seine Politik in Nahost und Syrien
26. April 2017, Frankfurter Rundschau
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BVB-Anschlag Gier und Verbrechen. Habgier war offenbar das Motiv für den Anschlag auf das Fußballteam von Borussia Dortmund. Aber so verstörend die Tat ist: Gier ist in unserer Wirtschaftsordnung erwünscht. Und nun?
23. April 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Ziel verfehlt, unausgewogen, nicht europakonform. Kritik am europäischen Urheberrecht
7. April 2017, ChannelPartner. Von IDG
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Im Licht der Wahrheit. Zum zehnten Mal findet das Lichter Filmfest Frankfurt International statt. Aus der kleinen regionalen Initiative ist ein stattliches Festival geworden. Mit einer großen Frage
25. März 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Filmfestival Lichter wird noch größer
23. März 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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10 Jahre Lichter-Filmfest in Frankfurt
22. März 2017, Radio FFH
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Lichter Festival erstmals mit Filmen zur Virtual Reality
22. März 2017, Frankfurter Neue Presse
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Lichter Filmfestival. Gesichter der Großstadt. Das Lichter Filmfest lockt in diesem Jahr mit einem größeren Programm, entspannteren Organisatoren und einem riesigen Festivalzentrum
18. März 2017, Frankfurter Rundschau
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Klare Worte und ein vielsagendes Schweigen. Neuer türkischer Generalkonsul in Frankfurt spricht mit Puttrich vor geladenen Gästen
18. März 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Unversöhnlich. Kein Konsens zwischen hessischer Ministerin und türkischem Diplomaten
17. März 2017, Frankfurter Neue Presse
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Aber wer sind "sie"? Roundtablegespräch mit Manuela Bojadžijev, Nikita Dhawan, und Christoph Menke, moderiert von Helmut Draxler zu Fluchtund Migration als Herausforderungen des politischen Denkens
11. März 2017, Texte zur Kunst
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Baustelle Revolution. Christoph Menke: Die Revolution beginnt am Tag nach der Revolution
7. März 2017, dctp.tv News & Stories
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Im Gespräch: Greta Wagner, Soziologin. "Die Mittel steigern weder Intelligenz noch Qualität"
7. März 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Warum sind außergewöhnliche Menschen oft mit dunklen Kräften im Bunde?
4. März 2017, Nassauische Neue Presse
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Moscheeverbot in Berlin: "Extremismus ist eine Jugendbewegung". In Berlin wurde eine islamistische Moschee verboten. Islamexpertin Susanne Schröter findet solche Verbote richtig – Prävention bleibe aber trotzdem die zentrale Aufgabe
1. März 2017, Die Zeit
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10. Lichter Filmfest Frankfurt International. Doris Dörrie übernimmt die Schirmherrschaft
27. Februar 2017, Journal Frankfurt
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Zurück zum Text! Spaltende Lektüre: Tilman Nagel deutet den Koran
15. Februar 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Gastbeitrag: Waffen Unter Waffen. Das Recht von Milizionären ist zu einem eigennützigen Jedermannrecht geworden. Gewehr und Gewalt sind amerikanisches Kulturgut
9. Februar 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Die Legenden der Islamisten entlarven
5. Februar 2017, Schwäbische Zeitung
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Bilal-Moschee und As-Salam-Moschee Anti-Terror-Razzia: Zwei Frankfurter Gebetshäuser im Visier
3. Februar 2017; Frankfurter Neue Presse
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Eine Krise der Politik, nicht der Flüchtlinge. Die Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" thematisierte das aktuelle Migrationsgeschehen
3. Februar 2017, Uni-Report 2017/1
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Nach Razzia in Hessen. Salafisten-Hochburg Rhein-Main-Gebiet
1. Februar 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Durchsuchung Bilal-Moschee Frankfurt. Schweigen und Scherben nach Razzia
1. Februar 2017, Frankfurter Rundschau
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Anti-Terror-Razzia in Hessen Der Schlag gegen das islamistische Netzwerk: Das ist die Vorgeschichte
1. Februar 2017, Frankfurter Neue Presse
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Razzia gegen Islamisten Terrorverdächtiger schon seit Monaten im Visier
1. Februar 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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IS-Rekrutierung von Frauen und Kindern"Paradigmenwechsel hin zum Lumpen-Dschihadismus". Der Ethnologin Susanne Schröter zufolge hat sich die Terrormiliz IS in den vergangenen Monaten auf die Rekrutierung von Frauen und Kindern spezialisiert. Die massive Werbung in Sozialen Medien und auf Youtube scheine zu wirken, sagte sie im DLF - wie im Fall der IS-Sympathisantin Safia S. aus Hannover
26. Januar 2017, Deutschlandfunk
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Wissenschaft über den Wolken. Eine Frankfurter Konferenz geht der Frage nach, unter welchen Bedingungen Kritik heute noch möglich ist
25. Januar 2017, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Zu Gast im Studio: Prof. Susanne Schröter. Sollen Rheinland-Pfalz und Hessen in Sachen islamischer Religionsunterricht mit dem umstrittenen Islam-Verband Ditib zusammenarbeiten? Wir sprechen darüber mit Susanne Schröter. Sie ist die Leiterin des „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“. Vorher zeigen wir, wie der türkische Staat bei Ditib mitentscheidet.
24. Januar 2017, Sat1
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hr2 Doppelkopf. Am Tisch mit Susanne Schröter, "Globalislam-Expertin"
23. Januar 2017, hr2
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Koran und Islamismus. Warum Dschihadisten keine religiösen Analphabeten sind. Susanne Schröter im Gespräch mit Nana Brink
17. Januar 2017
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Die Ethnologin Susanne Schröter über Salafismus als Protest
16. Januar 2017, WDR
Zum Beitrag

hr2 Doppelkopf. Am Tisch mit Marcus Willaschek, "Kant-Enthusiast"
12. Januar 2017, hr-kultur
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Nicole Deitelhoff - Politikwissenschaftlerin und Friedensforscherin
7. Januar 2017, hr-info
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Nicole Deitelhoff, Priska Dahpi und Felix Anderl. Auf vielen Wegen für eine andere Welt
4/2016, forschung. Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft
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Expertin beklagt: Keine Präventionsmaßnahmen für Kinder
17. Dezember 2016, Frankfurter Neue Presse
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Kriminalität. Ludwigshafener Bombenfund lässt Fragen offen
17. Dezember 2016, Süddeutsche Zeitung
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Ludwigshafener Bombenfund lässt Fragen offen
17. Dezember 2016, Passauer Neue Presse
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Das globale Regieren im Blick. Politikwissenschaftlerin Deitelhoff erhält Schader-Preis
15. Dezember 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Schader-Preis für Frankfurter Forscherin
15. Dezember 2016, Bild
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Frankfurter Konfliktforscherin erhält Schader-Preis
14. Dezember 2016, Frankfurter Neue Presse
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Debatte in der Frankfurter Goethe-Universität. Forscher diskutieren über Burka-Verbot
14.12.2016. Sollen und können Burka und Niqab verboten werden? Darüber diskutierten hochrangige Forscher in der Goethe-Universität
14. Dezember 2016, Frankfurter Neue Presse
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Der globale Dialekt der Moderne. Der Film als Medium des Fremden, des Eigenen und der kulturellen Indifferenz
Forschung Frankfurt 2/2016
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Für ein Zusammenleben, bei dem man einander auch "fremd" bleiben darf. Fünf Frankfurter Professorinnen und Professoren über Wandel und Vieldeutigkeit des Fremden
Forschung Frankfurt 2/2016
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Publizieren zwischen Buch und Blog. Rechtswissenschaftler Matthias Kettemann über Open Access-Veröffentlichungen
Goethe-Spektrum 2016/4
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Nah dran an der Wirklichkeit. Von Kant bis Malinowski: Der Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften (FB 08) im Kurzprofil
Goethe-Spektrum 2016/4
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Ambivalente Institution. Seitdem der Internationale Strafgerichtshof im Jahr 2002 seine Tätigkeit aufnahm, steht er in der Kritik. Vor allem ­afrikanische Staaten bemängeln die ­einseitige Ausrichtung der Ermittlungen. Gleichwohl bleibt die Organisation wichtig
6. Dezember 2016, Junge Welt
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In Demokratien gibt es keine „Leitkultur“. Der Begriff der Leitkultur ist nur ein Hirngespinst - mit der Ausnahme von zwölf Jahren Nazidiktatur hat es eine solche in Deutschland nie gegeben. Von Martin Seel
4. Dezember 2016, Frankfurter Rundschau
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"Das ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit". Umwelt. Klimaphilosoph: Es geht nicht ohne nachhaltige Entwicklung / Unterentwickelte Staaten brauchen finanzielle Unterstützung
4. Dezember 2016, Dill-Post
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"Wut ist nach außen gerichtete Scham". Der Soziologe Sighard Neckel über die Definition von Scham, weshalb sie Populisten in die Hände spielt - und über die Folgen schamlosen Verhaltens von Politikern
2. Dezember 2016, ZDF - Aspekte
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Eine Säule der Demokratie. Tag der Rechtspolitik an der Goethe-Universität
29. November 2016, Frankfurter Rundschau
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Klimawandel. Der Klimaphilosoph
25. November 2016, Frankfurter Rundschau
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Ditib: Klassenrat mit Erdoğan. Der islamische Verband Ditib gestaltet den Religionsunterricht an deutschen Schulen mit. Wächst jetzt der Einfluss der Türkei?
24. November 2016, Die Zeit
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"Ein Hingucker, ein Schockmoment". Fragen und Antworten: Susanne Schröter vom Forschungszentrum Globaler Islam über Protestkultur Salafismus
24. November 2016, Main-Echo
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Plakat neben Dessous-Werbung Der Ajatollah spricht vom Bretterzaun. Ein Plakat an der Mainzer Landstraße in Frankfurt wirbt für Schriften des iranischen Staatschefs Khamenei. Vermutlich wurde es ohne Erlaubnis aufgehängt
23. November 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Die Frau für Krisenfälle. Nicole Deitelhoff ist die neue Leiterin der Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Ihr Forschungsgebiet ist hochaktuell
November 2016, Journal Frankfurt, Nr. 24/16
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Moschee-Verbot für Malik F.
22. November 2016, Darmstädter Echo
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Islam-Talk in der ARD. CSU-General rüffelt Maischberger
22. November 2016 Bild
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Volkstalk über den Islam. Bei Sandra Maischberger diskutierten am Mittwochabend die Zuschauer selbst über "Angst vor dem Islam: Alles nur Populismus?" Ein geglücktes Experiment
17. November 2016, Frankfurter Rundschau
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Panorama „Maischberger“. Können durchschnittliche Bürger besser diskutieren als Politiker?
17. November 2016, Die Welt
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Salafismus als Protestkultur. Susanne Schröter vom Forschungszentrum Globaler Islam gibt Antworten
16. November 2016, Frankfurter Neue Presse
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Islamismus: Bundesinnenminister Thomas de Maizière verbietet die Vereinigung „Die wahre Religion“ / Groß-Razzia in zehn Bundesländern, darunter Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Werbung für den Krieg unter dem Deckmantel des Koran
16. November 2016, Bergsträßer Anzeiger
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Bob Dylan. Unser Walt Whitman. Bob Dylan ist der Dichter unserer Einsamkeit und unserer Gemeinsamkeit. Ein Dank an die schwedische Jury. Von Axel Honneth
16. November 2016, Die Zeit
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"Gedenken reicht nicht". Politikprofessor Müller fordert in der Paulskirche eine wehrhafte Demokratie
10. November 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Veranstaltungen in der Paulskirche und Höchst. Gedenken an Pogromnacht
10. November 2016, Frankfurter Neue Presse
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Aktiv gegen Salafismus. Ein neuer Begleitausschuss der Stadt soll die Vorbeugung gegen Radikalisierung konkretisieren und über Projekte entscheiden. Das Gremium ist kompetent besetzt
9. November 2016, Frankfurter Rundschau
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Wissenschaft: Der Untergang der Fakten. "Ein attraktives Ordnungsmuster in Krisen- und Umbruchzeiten"
9. November 2016, Die Zeit
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Normen. das darfst du nicht!
7. November 2016, DRadio Wissen
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Hörsaal: Streit um Normen
5. November 2016, DRadio Wissen
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Islam-Wissenschaftlerin Susanne Schröter referiert in Bad Schwalbach
4. November 2016, Wiesbadener Kurier
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Offenbach am Main - Stadt Offenbach am Main. Goethe Lectures Offenbach: Religion als Option auf dem „Markt der Weltanschauungen“
3. November 2016, Focus-online Local
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Jung, gläubig, unabhängig: Moslemische Pfadfinder. Organisation wächst und gilt als Beispiel für Integration / Tagung über junge Muslime im Historischen Museum
29. Oktober 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Muslimische Jugend zwischen Abschottung und Integration
28. Oktober 2016, Rhein-Main TV
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"Groteske Figuren und lädierte Charaktere". Forscher an den hiesigen Unis schauen gespannt auf den Präsidentenwahlkampf in Amerika und den Aufschwung des Populismus weltweit. Sie haben auch Ideen, was dagegen zu tun wäre
25. Oktober 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Universitäten in Deutschland: Hallo, hörst du mich? Der Harvard-Dozent Yascha Mounk reiste für uns an sieben deutsche Unis. Was er dort fand: Schnarchende Studenten, gelangweilte Professoren – und einige gute Ideen
20. Oktober 2016, Die Zeit, Nr. 44/2016
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Soll das Volk Schuldfragen selbst in die Hand nehmen? Ferdinand von Schirachs Theaterstück "Terror" macht aus Zuschauern Geschworene: Zur Rechtsgeschichte dieser Idee, die in einigen Ländern Praxis, in anderen umstritten ist. Von Klaus Günther
18. Oktober 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Schwert, Gewehr und Cyberwar - Waffengewalt und ihre Rechtfertigungen
Oktober 2016, Uni-Report 5
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Zusammenarbeit mit islamischen Verbänden. Vom Religionsunterricht bis zum Staatsvertrag
5. Oktober 2016, Deutschlandfunk
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Nach Anschlägen in DresdenForscherin fordert Polizeischutz für Moscheen in einigen Regionen
28. September 2016, Deutschlandfunk
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Hollywood-Filme. Showdown vor der Kinokasse
17. September 2017, Neue Zürcher Zeitung
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"Unter Waffen Fire & Forget 2" - Ausstellung im Frankfurter MAK
14. September 2016, hr-INFO, Kulturtipp
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Viele Flüchtlinge sind Muslime. Was trennt uns, was eint uns? Auch Intellektuelle wie etwa Navid Kermani müssen dabei helfen, die Vielfalt des muslimischen Lebens in Deutschland besser abzubilden, sagt die Ethnologie-Professorin. Essay Kirche und Religion. Susanne Schröter
Juni 2016, Chrismon
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"Islamischer Staat" in Südostasien. Freiberufliche Dschihadisten. In ganz Südostasien schließen sich Terrorgruppen dem IS an. Anstatt dessen Ideologie zu folgen, nutzen sie den Markennamen für viel ältere, lokale Konflikte
14. September 2016, Die Zeit
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Nehmt die liberalen Muslime endlich ernst! Gehört der Islam zu Deutschland? Teil 4: Susanne Schröter
September 2016, Cicero 9/2016
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[Prof. Susanne Schröter]
13. September 2016, ARD, Tagesschau, ab Minute 2:30
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Unter Waffen. Fire & Forget 2. Ambivalente Faszination
13. September 2016, Deutschlandradio Kultur, Kompressor
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Niqab-Shops - Einstieg zur Radikalisierung
13. September 2016, ARD (Recherche zu Report Mainz)
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"Fire and Forget". Unter Waffen im Museum Angewandte Kunst Frankfurt
13. September 2016, Bayern 2
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Ausstellung "Unter Waffen. Fire and Forget 2"Durchweg amoralische Waffenschau. Als Erweiterung einer Ausstellung, die 2014 in Berlin zu sehen war, zeigt das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt "Unter Waffen. Fire and Forget 2": Die wirkungsmächtige und hintergründige Schau beleuchtet, wie Künstler aktuell das Thema Waffen behandeln - und darüber hinaus, welche Rollen Waffen in der Mode, im Design und im Alltag spielen
12. September 2016, Deutschlandfunk
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Da, da & da: "Unter Waffen"
12. September 2016, 3Sat, Kulturzeit
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Unter Waffen
12. September 2016, rheinmaintv
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Die Ästhetik des Schreckens. „Unter Waffen“: In der Schau im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst geht es um Gewehre und Handgranaten als Kunst- und Designobjekte. Und um ambivalente Gefühle
11. September 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Ausstellung "Unter Waffen": So prägt das Martialische unseren Alltag
10. September 2016, Deutsche Welle
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[Zur Ausstellung "Unter Waffen. Fire & Forget 2"]
9. September 2016, HR, Hessenschau, ab Minute 22:25
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Ausstellungen. Frankfurter Museum für Angewandte Kunst zeigt die Schau „Unter Waffen“
9. September2016, Wiesbadener Kurier
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„Unter Waffen: Fire & Forget 2“ im Museum Angewandte Kunst. Ausstellung: Die Kunst des Krieges
9. September 2016, Offenbach Post
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Waffen im Museum Angewandte Kunst. Peng, Boom, Peng
9. September 2016, Journal Frankfurt
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Lust an Bomben und Granaten Museum Angewandte Kunst thematisiert Waffen und Gewalt
9. September 2016, Frankfurter Neue Presse
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"Unter Waffen" im MAK. Bizarre Ästhetisierung
8. September 2016, Frankfurter Rundschau
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"Unter Waffen": Ausstellung in Frankfurt Frankfurter Ausstellung untersucht Militärästhetik
8. September 2016, Die Welt
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Wie viele Waffen gibt es in Frankfurt? Und wo sind sie zu finden? Antworten von Wissenschaftlern, Waffenhändlern und der Polizei
September, Journal Frankfurt 20/16
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Ökonomenpreis für Nicola Fuchs-Schündeln
6. September 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Streit um Ditib Ein undurchsichtiges Spiel. Die Ditib bietet sich dem deutschen Staat als aufgeklärter Partner an. Doch es bleiben Zweifel an Reformwillen und Unabhängigkeit von der Türkei. Ein Gastbeitrag.von Susanne Schröter
20. August 2016, Frankfurter Allgemeinen Zeitung
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Funktionär nennt Gutachter "Import-Experten": Islamverband Ditib greift Kritiker an
17. August 2016, Allgemeine Zeitung
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Neues aus der Forschung zum Nulltarif. Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse für jeden zugänglich im Internet - Open Access nennt sich das Modell. So verlockend es klingt, ein paar Schwierigkeiten gibt es doch
16. August 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Bundesländer distanzieren sich. Kein Religionsunterricht mit Ditib
15. August 2016, ARD (Tagesschau)
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Kurden demonstrieren in Hessen
13. August 2016, Hessischer Rundfunk (Hessenschau)
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Andersgläubigen kann man nicht den eigenen Glauben aufzwingen. Arbeit am Herrenwort: Pierre Bayles Toleranzschrift in einer modernen und kommentierten deutschen Übersetzung [Pierre Bayle: "Toleranz". Ein philosophischer Kommentar. Hrsg. von E. Buddeberg und R. Forst. Aus dem Französischen von E. Buddeberg und Franziska Heimburger. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016]
12. August 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Zwei Landesministerien beobachten islamischen Unterricht
11. August 2016, Frankfurter Neue Presse
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Friedensforschung. Die Angst vor dem großen Knall ist wieder da. Friedensforscher Harald Müller geht in den Ruhestand. Für die Stiftung, die er viele Jahre leitete, gibt es mehr zu tun denn je: So bedrohlich wie heute war die Weltlage lange nicht mehr
8. August 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zum Beitrag

Expertin Schröter: Vertritt Islamverband DITIB politischen Islam türkischer Prägung?
8. August 2016
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Welt der Waffen - zwischen Angst und Anziehung
5. August 2016, bundeswehr-journal
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Zwei Landesministerien beobachten islamischen Unterricht
4. August 2016, Allgemeine Zeitung
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„Erdogan wird die Chance nicht ungenutzt lassen“. Wie weit reicht der Einfluss der Türkei nach Deutschland, nach Hessen? Für welchen Islam steht der Ditib? Fragen an Professor Susanne Schröter. Sie ist Direktorin des „Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam“ an der Goethe-Universität
3. August 2016, Frankfurter Neue Presse
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Fragebogen Axel Honneth. Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung
30. Juli 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Islamverband. Ditib - Erdogans Helfer in Deutschland
27. Juli 2016, Rheinische Post
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Jung, männlich, gefährlich? Der schwierige Umgang mit sexuellen Übergriffen von Migranten
26. Juli 2016, Das Erste - "Report Mainz"
Zum Artikel

Grausamer Machismo, milde Justiz: Warum junge Hessen in den Dschihad ziehen
26. Juli 2016, Allgemeine Zeitung
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Jetzt auch in Peking. Nächstes Jahr in Frankfurt, diesen Herbst in China: Die B3 Biennale des bewegten Bildes
21. Juli 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Small is beautiful?
20. Juli 2016, Frankfurter Allgmeine Zeitung
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"Die heiklen Themen ansprechen". Die Islamismus-Expertin Susanne Schröter über Präventionsarbeit
18. Juli 2016, Frankfurter Rundschau
Zum Artikel

Islamismus-Expertin: "Die heiklen Themen ansprechen"
17. Juli 2016, Frankfurter Rundschau
Zum Artikel

Missionare der türkischen Staatstheologie. Kann der Islam im Westen Wurzeln schlagen? Für die Ausbildung deutschsprachiger Imame fehlt bislang ein Konzept
9. Juli 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Hassprediger in Moscheen - Religiöse Radikale
5. Juli 2016, ZDF
Zum Beitrag

Zurück zu Hannah Arendt - Die Flüchtlinge und die Krise der Menschenrechte. Von Christoph Menke
29. Juni 2016, Merkur
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Sikh-Anschlag: Grenzen der Ermittler
26. Juni 2016, WDR
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Ein bisschen exzellent. Forschungsprogramm in Deutschland läuft aus: Die bislang 4,6 Milliarden Euro teure "Exzellenzinitiative" läuft Ende 2017 aus. Unklar ist, wie es mit der Spitzenforschung weitergeht, da die Stadt Hamburg nicht mehr mitzieht
16. Juni 2016, 3Sat
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Tagung in Frankfurt „Teenie-Dschihad“ als Akt der Emanzipation. Immer mehr junge Frauen schließen sich dem IS an, in Hessen über ein Dutzend. Da dieses Phänomen nicht nur mit Repression zu bekämpfen ist, fand auf einer Tagung nun ein Austausch statt
6. Juni 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Was junge Frauen in den Dschihad zieht. Sie verehren Terroristen, sie unterwerfen sich einer Ideologie, die ihre Rechte mit Füßen tritt: Die Faszination junger Frauen für den radikalen Islam scheint eine pervertierte Form der Emanzipation
4. Juni 2016, Die Welt
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Kriegsbeute im Namen Allahs
4. Juni 2016, Wiesbadener Kurier
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Nach Übergriffen in Darmstadt „Frauenrechte sind anzuerkennen“. Nach den Belästigungen beim Schlossgrabenfest äußert sich der hessische Innenminister Peter Beuth. Religion legitimiere keine Übergriffe. Doch die Fälle einzuordnen ist nach wie vor schwierig
3. Juni 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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LKA tagt in WiesbadenWas fasziniert Frauen am Dschihad?
3. Juni 2016, n-tv
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Europäische Lebensweise. Unsere Rechtsgemeinschaft. Die Grundlagen der europäischen Lebensweise sind keine bürokratischen Konstruktionen, sondern in Jahrhunderten erstritten worden. Eine Widerrede gegen den defätistischen Geist der Europaskepsis. Ein Gastbeitrag Michael Stolleis
3. Juni 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Salafismus als Zufluchtsort. Ein Fünftel der IS-Anhänger sind Frauen – auch aus Nordhessen
3. Juni 2016, Hessische/Niedersächsische Allgemeine
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Weibliche Radikalisierung
2. Juni 2016, RTL
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Frauen versprechen sich vom IS-Kampf mehr Freiraum
2. Juni 2016, Frankfurter Neue Presse
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Welcher Islam gehört zu Deutschland? Der Islam hat viele Gesichter: aufgeklärte und totalitäre. In Deutschland hat aber nur ein liberaler und humanistischer Islam Platz, nur kritischer und reflektierter Glaube. Ein Gastkommentar von Susanne Schröter
23. Mai 2016, Deutsche Welle
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Ditib: Islamkennerin Susanne Schröter über die Macht und Gefahren des Dachverbands
11. Mai 2016, Wiesbadener Kurier
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Gerechtigkeit. Kann die Linke noch kämpfen? Barbarei oder Solidarität: Die globale Armut ist vor unserer Haustür angekommen. Doch die Linken finden weltweit keine Antwort darauf. Von Rainer Forst und Bernd Ulrich
4. Mai 2016, DIE ZEIT Nr. 20/2016
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Religionspädagoge Khorchide Für neuen muslimischen Erziehungsstil. Der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide wirbt für einen Wandel in der religiösen Bildung und hebt den Freiraum des Einzelnen hervor. Das dürfte nicht allen gefallen
1. Mai 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Deutschland und der Islam"Die AfD ist die Verkörperung der Islamfeindlichkeit". Susanne Schröter beklagt eine steigende Islamophobie in Deutschland. "Die AfD ist die Verkörperung dieser Islamfeindlichkeit und treibt sie auch nochmals voran", sagte die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam im Deutschlandfunk. Das befeuere Stereotypen
30. April 2016, Deutschlandfunk
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Frankfurter Wissenschaftlerin fordert Einhaltung der Menschenrechte. Plädoyer für deutschen Islam
30. April 2016, Frankfurter Neue Presse
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Islam. "Salafismus entwickelt sich zur Popkultur". Welcher Islam gehört zu Deutschland? Diese Frage versuchen aktuell Experten auf der gleichnamigen Konferenz in Frankfurt zu beantworten. Der DW hat Veranstalterin Susanne Schröter vorher Antworten gegeben
29. April 2016, Deutsche Welle
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Frankfurter Islamforscherin unter "Beschuss". Islamforscherin Schröter: Böse Mails von Rechts
29. April 2016, Frankfurter Neue Presse
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Interview mit Islam-Expertin. „Selbst Pierre Vogel steht auf der Abschussliste des IS“. Auch Frauen wirbt der „Islamische Staat“ gezielt an, sagt die Islamforscherin Susanne Schröter. Im Interview spricht sie über das Kopftuch, Salafisten - und Wege aus der Radikalisierungsfalle
27. April 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Wir sollten muslimischen Mitbürgern die Hand reichen. Die AfD liegt falsch: Der Islam ist keine politische Ideologie. Aber religiöser Fundamentalismus und Extremismus sind bei Muslimen in stärkerem Maß vertreten als bei Christen oder säkularen Bürgern. Von Susanne Schröter
26. April 2016, Die Welt
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Hommage. Die französische Regisseurin und Kinolegende Agnès Varda war im Rahmen einer Werkschau ihrer Filme zu Gast im Frankfurter Filmmuseum und erzählte zahlreiche Anekdoten
20. April 2016, Süddeutsche Zeitung
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Im Gespräch: Susanne Schröter
'13. April 2016, 3sat
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Gewaltlegitimierende Gendernormen benennen. Die Ethnologin Susanne Schröter antwortet auf den Essay von Kira Kosnick zu den Vorfällen in Köln (UniReport 1/2016)
April 2016, UniReport
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Intellektuelle. Normative Unordnung
7. April 2016, Süddeutsche Zeitung
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Fluch und Sinn der Bürokratie
4. April 2016, Frankfurter Neue Presse
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Über Grenzen und Hummer. Der „Lichter“ Filmfest Frankfurt International ist vorüber, die Preise sind vergeben. Auch dieses Mal gibt es dazu einen Kritikerblog - es ist schon die dritte Generation
4. April 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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"Bürokratie": Nur lästig
3. April 2016, Die Zeit
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Ein Kampf um Recht und Demokratie. Polen geht alle an: Das europäische Vorgehen im Verfassungskonflikt / Von Armin von Bogdandy
31. März 2016, Frankfurter Allgemeien Zeitung
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Salafisten werben Flüchtlinge an
17. März 2016, RTL Hessen
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Den Terror erforschen
16. März 2016, Gelnäuser Tagblatt
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Polizei und Wissenschaft kooperieren
15. März 2016, Die Welt
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Kampf gegen Salafismus: Landeskriminalamt in Wiesbaden und Frankfurter Goethe-Uni koopieren
15. März 2016, Wiesbadener Kurier
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Es wird heller. Sechs Tage lang bringt die Luminale Licht in die Stadt
3. März 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Luminale in Offenbach. Im doppelten Sinne erhellt
26. Februar 2016, Offenbach Post
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Interview mit Islamexpertin: Moscheen in der Regel rappelvoll, einzelne Muslime extremistisch
19. Februar 2016, Wiesbadener Kurier
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Wie weiter mit der Uni-Elite? Ohne Zukunftskonzepte keine Elite
17. Februar 2016, Der Tagesspiegel
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Indonesien befürchtet weitere IS-Anschläge
12. Februar 2016, Deutsche Welle
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Gastbeitrag. Die Flüchtlingskrise kann rechtsstaatlich bewältigt werden
9. Februar 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Agnès Varda kommt
8. Februar 2016, Frankfurter Neue Presse
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Eine „Talkshow“ für Arnsberg
6. Februar 2016, Der Westen
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Ist Malik F. ein Anwerber?
5. Februar 2016, Darmstädter Echo
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Im Netz köderte er syrische Flüchtlinge. Uni schmeißt Isis-Hetzer raus!
5. Februar 2016, Bild
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Axel Honneths "Idee des Sozialismus". Kein Ende der Utopie?
2. Februar 2016, Neue Zürcher Zeitung
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Südostasien im Kampf gegen Terror
26. Januar 2016, Deutsche Welle
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Religion und Gewalt Der Islam und die Sexualität. Die sexuellen Übergriffe von Männergruppen auf Frauen in Köln und anderen Städten haben eine emotionale Debatte über die Integrations- und Flüchtlingspolitik entfacht. Die Konsequenzen aus den Vorfällen an Silvester standen jetzt im Zentrum einer Podiumsdiskussion in Frankfurt
21. Januar 2016, Frankfurter Neue Presse
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Sind etwa alle ein bisschen schuld? Bei einer Diskussion über die Taten von Köln geht es in Frankfurt hoch her
21. Januar 2016, Gelnhäuser Tagblatt
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Kölner Silvesternacht. Wie viel Islam steckt im sexuellen Übergriff? Haben die Ereignisse der Kölner Silvesternacht kulturelle oder religiöse Hintergründe? Und wenn ja, welche sind das? Ein Gespräch mit der Ethnologin und Islamexpertin Susanne Schröter
18. Januar 2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Axel Honneth: Den Sozialismus zur Vollendung bringen
17. Januar 2016, Schweizer Radio und Fernsehen
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Terror attacks spotlight growing 'IS' threat in Southeast Asia. The latest terrorist attacks in the Indonesian capital of Jakarta underlines the growing threat posed by "Islamic State" across the region. DW examines
16. Januar 2016, Deutsche Welle
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"Indonesien hat sich radikalisiert"
14. Januar 2016, Wiener Zeitung
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Wie utopisch sind Tischsitten? Ob Ampel oder Gesetz: Christoph Möllers entdeckt, welche Möglichkeiten in Normen stecken. Aber er vergisst, dass sie auch ihre Gründe haben und immer Grenzen ziehen. Von Rainer Forst
13. Januar 2016, DIE ZEIT
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Gibt es religiöse Eigenheiten, die ein demokratischer Rechtsstaat nicht tolerieren sollte?
Februar/März, Philosophie Magazin 2/2016, S. 63
Rainer Forst im "Dossier Was tun? Philosophen zur Flüchtlingskrise"
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Philosophin Ágnes Heller. Logik des Gehirns und des Herzens
8. Januar 2016, Taunus-Zeitung
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Philosoph Axel Honneth erhält Kreisky-Preis für das Politische Buch 2015
7. Januar 2016, Der Standard
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Am Horizont ein "House of Theology"
8. Dezember 2015, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Instrumentalisierung des Koran. Prof. Susanne Schröter vom Forschungszentrum Globaler Islam über die Anschläge von Paris und die Gefahren des gewaltbereiten Islamismus
3. Dezember 2015, Uni-Report
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"Wir dürfen Kant nicht missverstehen". Gespräch mit Rainer Forst
3. Dezember 2015, DIE ZEIT
Bildcredits: „picture-alliance/akg-images“ (Kant) und „picture alliance/PIXSELL/Zeljko Lukunic“ (Flüchtlinge)
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Forscherin: Mord an der eigenen Tochter hat nichts mit Islam zu tun – oder fast nichts
1. Dezember 2015, News4Teachers
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Forscherin: Sogenannter "Ehrenmord" hat nichts mit Islam zu tun
1. Dezember 2015, dpa/Focus
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Lebenslange Haft für Eltern nach Mord an Tochter
1. Dezember 2015, Süddeutsche Zeitung
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Viele Berge beisammen nennt man ein Gebirge. Von A wie "Abderitismus" bis Z wie "Zynismus" - alle Stichwörter im Werk des Philosophen in drei Bänden
30. November 2015, Süddeutsche Zeitung
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Kulturzeit - Susanne Schröter hofft auf einen Modernisierungseffekt beim Islam in Deutschland
10. November 2015, 3sat
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Kant in drei Bänden
5. November 2015, Frankfurter Rundschau
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Islam in Deutschland: auf welche Muslime treffen die muslimischen Zuwanderer?
4. November 2015, Deutschlandfunk
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Kongress über religiösen Fundamentalismus in Wien
Oktober 2015, ORF
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Erhebt euch, Mitbestimmer aller Länder!
8. Oktober 2015, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Erkenntnisse im Containerpark. Geisteswissenschaften plus Kunst - was ergibt das?
7. Oktober 2015, Süddeutsche Zeitung
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"Toleranz ist keine Schönwetterveranstaltung". Philosoph Rainer Forst: In Zeiten von Flüchtlingskrisen sollte nicht Mitgefühl, sondern Begriffe des Rechts und der Gerechtigkeit Vorrang haben
2. Oktober 2015, Der Standard
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Kunst und Kommerz in Rhein-Main. MAK läutet mit "Sense of Doubt. Wider das Vergessen" die B3-Biennale ein
10/2015, Strandgut - Das Kulturmagazin
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Wunschdenken oder Realität: Haben sich Islam und Demokratie gefunden?
28. September 2015, Konrad-Adenauer-Stiftung
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„Flüchtlinge nicht den Salafisten überlassen“
22. September 2015, Deutsche Welle
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Ethos. Ein Eid für die Forschung. Warum ein Ethos des Wissens unverzichtbar ist
10. September 2015, Die Zeit
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Sense of Doubt im Museum Angewandte Kunst. Wider das Vergessen
10. September 2015, Journal Frankfurt
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Demokratiefeste Pädagogen mit Islamwissen gesucht
9. September 2015, Zeit Online
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Hacker. Agenten der Gegenspionage
3. September 2015, Die Zeit
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Frankfurter Ethnologin. Immer mehr Frauen gehen zum „Islamischen Staat“
11. August 2015, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Frauen im Dschihad
28. August 2015, ZDF
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Griechenland-Krise. Schuldenschnitt auch ohne Grexit möglich
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Juli 2015
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Familie in der Nachkriegszeit. Wie Vati die Demokratie lernte
22. Juli 2015, Deutschlandfunk
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"Das Label ist nicht bekannt genug". Die Leibniz-Gemeinschaft will hervorragende Institute unter ihr Dach holen. Die Exzellenzinitiative soll dies fördern. Ihr Präsident Matthias Kleiner sagt, wieso das im Sinne der Forschung wäre
19. Juli 2015, Die Zeit
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Die Verlockungen des Terrors
14. Juli 2015, Journal Frankfurt
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Radikalisierung vorbeugen – aber wie?
6. Juli 2015, Journal Frankfurt
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Islamismus-Konferenz im Historischen Museum. Radikalisierung vorbeugen – aber wie?
6. Juli 2015, Journal Frankfurt
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Islamisten aus Hessen. Immer mehr werden zu „Gotteskriegern“
3. Juli 2015, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Südostasien im Visier des IS. Seit einem Jahr wütet die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak. Mit einer ausgefeilten Medienstrategie werden auf der ganzen Welt Kämpfer rekrutiert. Die Regierungen in Südostasien tun sich schwer, dagegen vorzugehen
30. Juni 2015, Deutsche Welle
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Trevor Paglens Fotografien. Die Kunst der Geheimdienste
21. Juni 2015, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Trevor Paglen im Frankfurter Kunstverein. Landschaftsfotografie in Zeiten von Big Data
20. Juni 2015, Deutschlandradio Kultur
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Fotograf Trevor Paglen: Die Überwachung der Überwacher
19. Juni 2015, Der Spiegel
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Trevor Paglen im Frankfurter Kunstverein. Die Banalität der Geheimdienste
19. Juni 2015, Journal Frankfurt
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Diskussion zur Ausstellung
17. Juni 2015, Frankfurter Neue Presse
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Eagle Eye Photo-Contest. Landschaften der Überwachung
16. Juni 2015, Journal Frankfurt
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"Großes Unbehagen an kapitalistischer Gesellschaft". Axel Honneth im Gespräch mit Britta Bürger
4. Juni 2015, Deutschlandradio Kultur
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Scheitern am Scheitern. Über die Erfolgsgesellschaft und die Erfolglosigkeit. Von Sighard Neckel
30. Mai 2015, Neue Zürcher Zeitung
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Guck mal, wer da guckt! Ausstellung des Frankfurter Kunstvereins in Kooperation mit dem Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
29. Mai 2015, Uni-Report
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Fotograf Trevor Paglen. Der Überwacher der Überwacher
21. Mai 2015, Deutschlandfunk
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Trevor Paglen im Frankfurter Kunstverein. Die Banalität der Geheimdienste
16. Mai 2015, Journal Frankfurt
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"Goethe Lectures Offenbach" im Klingspormuseum. "Muss über den Fluss"
15. Mai 2015, Offenbach-Post
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Rainer Klump. Die Uni als Motor der Zukunft
27. März 2015, Luxemburger Wort
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NSA in Deutschland Macht euch ein Bild! Der Künstler Trevor Paglen stellt eine Karte mit den deutschen Standorten des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes NSA ins Netz – und lädt uns alle ein, diese Orte zu fotografieren.
23. März 2015, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Kunstverein: Foto-Wettbewerb EagleEyeContest. Fotografiert die Spionagezentren von NSA, BND und Co.!
22. März 2015, Journal Frankfurt
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"Konzept des friedlichen Protests gescheitert"
19. März 2015, Freie Presse
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Gesellschaft. Immer mehr Demokratien dennoch in der Krise
6. März 2015, Science.orf.at
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Kultur und Gesellschaft. Demokratie: Gewohnheit macht Unterstützer
6. März 2015, Bild der Wissenschaft
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Studie zur Demokratie-Akzeptanz. Demokraten aus Gewohnheit
6. März 2015, Der Tagesspiegel
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Politische Systeme. Man gewöhnt sich an alles, auch an Diktaturen
6. März 2015, Süddeutsche Zeitung
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Lisa Herzog. "Wir haben dem Kapitalismus viel zu verdanken". Ausbeutung, Ungleichheit, Krisen: Ist unser Wirtschaftssystem noch zu retten? Ja, sagt die Philosophin Lisa Herzog. Sie hätte da ein paar Vorschläge
Zeit Campus Nr 02/2015
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Franz Oppenheimer. Gegen die Armut der Arbeiter
2. März 2015, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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"Klimaschutz muss fair sein". Podiumsdiskussion im Forschungskolleg
26. Februar 2015, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Das Grauen ästhetisch inszeniert
18. Februar 2015, Taunus-Zeitung
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Diskussion über Klimaschutz. Wie dem Wandel trotzen?
18. Februar 2015, Frankfurter Neue Presse
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Helden, dringend gesucht
13. Februar 2015, Offenbach-Post
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Frankfurter Positionen 2015. Grenzbewegungen
Journal Frankfurt Nr. 03
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Neuer "Think Tank" am Exzellenzcluster. Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam startete mit Salafismus-Konferenz
6. Februar 2015, Uni-Report/1, Seite 5-6
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Vom "digitalen Faustrecht" und anderen Herausforderungen. Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Normative Orders": Blick auf Mode und Islamismus im Pop-Gewand
6. Februar 2015, Uni-Report/1, Seite 5
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Das Gespräch. Rainer Forst: "Tolerieren können wir nur, was wir falsch finden"
Februar/März 2015, Philosophie Magazin Nr. 2/2015, S. 70-75
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Islam-Expertin Professor Susanne Schröter. „Muslime sind in einer schwierigen Situation“
29. Januar 2015, Frankfurter Neue Presse
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Diskussion über Burka-Verbot. Die Grenzen der Toleranz
12. Januar 2015, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Charlie Hebdo. Ahmadiyya-Gemeinde: Infoständen gegen Islamisten
9. Januar 2015, Frankfurter Neue Presse
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Rückkehr der Religionen. Zunahme esoterischer und fundamentalistischer Glaubensbewegungen
11. Dezember 2014, Deutschlandfunk
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Gefahr durch Salafisten wächst
10. Dezember 2014, Fankfurter Rundschau
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Leibniz-Preise an acht Wissenschaftler. Zwei aus Hessen dabei
10. Dezember 2014, Die Welt
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Hartmut Leppin. Leibniz-Preis für Frankfurter Althistoriker. Der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis geht dieses Mal an Hartmut Leppin. Er hat seit 2001 in Frankfurt eine Professur für Alte Geschichte inne
10. Dezember 2014, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Hessen wappnet sich gegen Gefahren des Salafismus
10. Dezember 2014, dpa
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Was will der Islam?
8. Dezember 2014, Sat.1
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Salafismus-Tagung „Kämpfer kommen früher oder später zurück“. Der Krieg des „Islamischen Staats“ ist längst ein Phänomen, das auch den Westen beschäftigt. Dschihadismus und Salafismus standen im Mittelpunkt der ersten Tagung eines neuen Forschungszentrums der Goethe-Uni.
2. Dezember 2014, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Gemeinden in der Pflicht
29. November 2014, Südwest Presse
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Reger Zulauf. Warum der Salafismus für Jugendliche so attraktiv ist
29. November 2014, NWZ online
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Islamforscherin. Moscheen müssen mehr gegen Salafisten tun
28. November 2014, Die Welt
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Religion. Islamforscherin: Moscheen müssen mehr gegen Salafisten tun
28. November 2014, Focus
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Exzellenzcluster Normative Ordnungen. Salafismuskonferenz im Historischen Museum
21. November 2014, Journal Frankfurt
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Annäherung an afrikanische Realitäten. Unbekannter Kontinent zwischen Forschritt und Tradition
30. Oktober 2014, Neue Zürcher Zeitung
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Adorno und das falsche Leben
Nr. 06/2014, S. 75-79, Philosophie Magazin
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Islamwissenschaftler debattieren in Frankfurt. Tradition im Kreuzfeuer
12. September 2014, Neue Zürcher Zeitung
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Befreiende Kraft des Denkens. Der Zürcher Philosoph Michael Hampe rechnet mit der akademischen Philosophie ab. Sein Buch ist ein intellektuelles Vergnügen – und doch phänomenal einseitig. Von Martin Seel
5. September 2014, Die Zeit
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Islam-Kongress in Frankfurt. „Keine Hass-Ideologie“. An der Frankfurter Universität findet ein Islam-Kongress mit diversen Vorträgen und Diskussionen statt. Auch zum „Terror des so genannten Islamischen Staats“ äußerten sich die Islam-Wissenschaftler.
2. September 2014, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Ohne geht es nicht. Den Neid werden wir nicht los. Aber er muss nicht immer nur schäbig sein
27. August 2014, Die Zeit
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Von Horkheimer und Adorno bis zu ihren Urenkeln. "Frankfurter Schule" im Wandel der Zeiten: Vom "ungeliebten Nestling" zum "international konkurrenzfähigen geistes- und sozialwissenschaftlichen Großunternehmen"
Juli 2014, Forschung Frankfurt 2014/1
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"Unsere Gegenwart scheint immer mehr der Wirklichkeit von 1914 zu ähneln". Ein Gespräch mit dem Cambridge-Historiker und Bestseller-Autor Christopher Clark ("Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog") über unser Verhältnis zur Geschichte, das Jahr 1914 und seine Art, Geschichte zu erzählen.
Juli 2014, Forschung Frankfurt 2014/1
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Film: Polizei und Medien im Konflikt mit Demonstranten
9. Juli 2014, Evangelische Kirche in Hessen Nassau
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Sozialproteste vor der WM. Zwist am Zuckerhut
4. Juli 2014, Deutschlandfunk
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Eine Nachhut möchte Vorhut sein. Philosophen begeben sich auf die Suche nach der verloren geglaubten Wirklichkeit und stoßen in den Künsten auf offene Ohren. Doch war die Wirklichkeit jemals verschwunden? Warum das Programm eines "Neuen Realismus" nicht halten kann, was es verspricht Ein Gastbeitrag von Martin Seel
3. Juli 2014, Die Zeit
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Was macht junge Deutsche zu Dshihadisten? Die verlorenen Söhne
30. Juni 2014, SWR
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Ausstellung: Mensch und Wasser

30. Juni 2014, arte
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Theologie auf die harte Tour. Ein Islamkundler gibt sich unpopulär
28. Juni 2014, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Autorin: Canan Topçu
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Hirnforschung und Recht. Wenn Greise zu Straftätern werden
27. Juni 2014, Stuttgarter Zeitung
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Kontrapunkt zum Public Viewing. Eine Brasilien-Doku berichtet von Protesten gegen soziale Missstände und Polizeitgewalt Ein Jurist erzählt von den Hintergründen
13. Juni 2014, Journal Frankfurt
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Bodyguard der hohen Herren. Kraftbolzen und Faun, Rüpel und reine Seele: Warum Deutschland Typen wie Kevin Großkreuz braucht
5. Juni 2014, Die Zeit
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John Wayne, der Western und die Wissenschaft. Ein Gespräch mit dem Philosophieprofessor Martin Seel vom Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
30. Mai 2014, Uni-Report Nr. 3
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Google: Vergessen Sie das Recht auf Vergessen
18. Mai 2014, Die Presse.com
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Sultan der Steinzeit. Der einst reichste Mann der Welt will in seinem Land die Scharia durchsetzen. Jetzt formiert sich Widerstand – im fernen Beverly Hills
11. Mai 2014, Die Welt
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Konferenz "Net Mundial". "Signal an Überwachungsstaaten, dass es so nicht weitergehen kann." Internet- und Völkerrechtler über die Machtverteilung im Netz. Matthias Kettemann im Gespräch mit Susanne Führer
Deutschlandradio Kultur, 23. April 2014
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Heavy Metal zum Lobe Allahs. Der Frankfurter Ethnologe Dominik Müller hat in Malaysia das Phänomen des "Pop-Islamismus" studiert
22. April 2014, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Modelle oder echte Menschen? Der Liberalismus liegt falsch, sagt die deutsche Ökonomien Lisa Herzog - und plädiert für eine zeitgemäßere Auslegung
Ursprünglich erschienen im Falter 16/14, www.falter.at
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Zu Gast bei guten Freunden
7. April 2014, Uni-Report, Nr. 2
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Luminale. Der Erste macht das Licht an
25. März 2014, Offenbach Post
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Wir sind so frei
13. März 2014, Die Zeit
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Burnout - Das gesellschaftliche Leid der Erschöpfung
7. Februar 2014, Uni-Report, Nr. 1
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Die Zukunft des Rechts
29. Januar 2014, Die Zeit
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"Man kann überall Frankfurter sein". Ein Gespräch über Geist und Mobilität

2/2013, Forschung Frankfurt
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Mandela's South Africa
6. Dezember 2013, Dissent
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Menschenrechte und der Arabische Frühling
6. Dezember 2013, Uni-Report, Nr. 6
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"Streit ist ehrlich"
Heft 47/2013, Süddeutsche Zeitung Magazin
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Neue Bücher zum „Burnout“
Hurra, hurra, die Klasse brennt. Vom Rock 'n' Roll ins Management: Die Soziologen Sighard Neckel und Greta Wagner analysieren den Burnout als Besserverdiener-Syndrom

13. November 2013, taz
Zum Beitrag


Festival zum bewegten Bild. Ein amerikanischer Traum
1. November 2013, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zum Beitrag

Der Islam im modernen Gewand
13. Oktober 2013, Deutschlandfunk
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Die E-Gitarre als Missionsinstrument

10. Oktober 2013, Uni-Report, Nr. 5
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Nicole Deitelhoff. Streitlustige Erforscherin von Occupy
24. August 2013, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Spiegelgespräch - "Gerechtigkeit ist radikal"
SPIEGEL 34/2013
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Die neue Klassengesellschaft. Gleiche Chancen?
4. August 2013, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zum Beitrag

Frankfurter Friedensforschung. In bester Gesellschaft mit Europas führenden Instituten
18. Juli 2013, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zum Beitrag

"Gerechtigkeit ist ein ständiger Prozess"
HOHE LUFT, Ausgabe 04/13
Zum Beitrag
 
Kleines Ypsilon, großer Unterschied
31. Mai 2013, Uni-Report
Zum Beitrag

Agrar-Spekulation. "Moral ist ökonomisch sinvoll"
28. Mai 2013, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Ein großer Liberaler. Zum Tod von Ronald Dworkin
21. Februar 2013, DIE ZEIT
Zum Beitrag
 
Wie das Staatsrecht wurde, was es bald nicht mehr ist
3/2012, Forschung Frankfurt
Zum Beitrag
 
Dem Blick der anderen ist nicht auszuweichen
4. Januar 2012, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zum Beitrag
 
Exzellenzcluster "Normative Ordnungen" startete mit Jahreskonferenz in neue Laufzeit
6/2012, Uni-Report
Zum Beitrag (s. Seite 17, s. auch Seiten 1 und 5)
 
Ein moderner Sokrates
16. Oktober 2012, Die Zeit
Zum Beitrag
 
Ohne Fleiß kein Preis? Über Leistungsgerechtigkeit
2/2012, Forschung Frankfurt
Zum Beitrag
 
Gier: Eine Emotion kommt ins Gerede
2/2012, Forschung Frankfurt
Zum Beitrag
 
Geld hat keine Tugend. Eine anthropologische Betrachtung
2/2012, Forschung Frankfurt
Zum Beitrag
 
Aufbruch in die bunte Republik
27. September 2012, Die Zeit
Zum Beitrag
 
Für eine kritische Solidarität mit Äthiopien
28. Juni 2012, Uni-Report
Zum Beitrag
 
 
"Hört mal zu, so ist’s gemeint"
1/2012, Forschung Frankfurt
Zum Beitrag (pdf)
 
Die menschliche Arbeit
17. April 2012, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zum Beitrag
 
Protest ohne Pathos
27. Januar 2012, Die Zeit
Zum Beitrag
 
Ausstellung über Demonstrationen. Ein Risiko bleibt
26. Januar 2012, taz
Zum Beitrag

Raus aus den Museen!

25. Januar 2012, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zum Beitrag
 
Willkommen im Theater der Revolution
25. Januar 2012, Die Welt
Zum Beitrag
 
Drei Tage Amt für Umbruchsbewältigung
24. Januar 2012, Journal Frankfurt
Zum Beitrag

Bürgercoaching als Kunstevent
23. Januar 2012, Deutschlandfunk
Zum Beitrag
 
Ausstellung im Frankfurter Kunstverein
20. Januar 2012, SWR 2
Zum Beitrag
 
 
Spiegelung politischer Ereignisse
19. Januar 2012, Deutschlandradio Kultur
Zum Beitrag

 
Ausstellungen. Gegen ein Drecksleben
16. Januar 2012, Der Spiegel
Zum Beitrag
 
Ägypten-Expertin Weipert-Fenner
11. Januar 2012, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zum Beitrag
 

Frauen im Islam. Welche Chancen hat der islamische Feminismus?
21. November 2011, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Schon Luther hat geleakt
11. November 2011, Frankfurter Rundschau
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Am Tisch mit Rainer Forst, "Toleranz-Denker"
9. September 2011, hr kultur
 
Mit Hegel in die vernünftige Wirklichkeit
29. August 2011, Süddeutsche Zeitung
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Wir sind dreifach frei
18. August 2011, Die Zeit
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Auf der Suche nach Gerechtigkeit
13. Juli 2011, Deutschlandradio Kultur
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Sei schöpferisch, erfinde dich neu!
30. Juni 2011, Die Zeit
 
Europas Kirchen sind so leer wie immer
22. Juni 2011, Die Zeit
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Säkulare oder postsäkulare Welt?
18. Juni 2011, Deutschlandfunk
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Frankfurt schreibt Geschichte
1/2011, Forschung Frankfurt
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"Leistung lohnt sich nicht"
30. März 2011, Die Zeit
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Niemand ist nur passiv
9. Februar 2011, Frankfurter Rundschau
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Die Liebe zur Freiheit
5. Februar 2011, Frankfurter Rundschau
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Gerechtigkeit über Grenzen hinweg
29. Januar, Frankfurter Rundschau
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Raus aus der Schuldenfalle
26. Januar 2011, Frankfurter Rundschau
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E-Mail für den Philosophen
22. Januar 2011, Frankfurter Rundschau
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Eine Bedrohung auch für das soziale System
19. Januar 2011, Frankfurter Rundschau
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Gerechtigkeit über Generationen - wie geht das?
21. Dezember 2010, Forschung Frankfurt
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Schlag nach bei Hegel
15. Dezember 2010, Frankfurter Rundschau
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Markt und Moral
10. Dezember 2010, Frankfurter Rundschau
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Förderung so früh wie möglich
8. Dezember 2010, Frankfurter Rundschau
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Die Grammatik des Philosophen
1. Dezember 2010, Frankfurter Rundschau
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Das bessere Argument
27. November 2010, Frankfurter Rundschau
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Die Frage der Gerechtigkeit
16. November 2010, Frankfurter Rundschau
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Anstoß und Orientierung
2. Oktober 2010, Frankfurter Rundschau
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Streit geschlichtet, Tauziehen bleibt
22. Februar 2010, Handelsblatt
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Der Ursprung universaler Rechte - Wie soziale Systeme ihre Legitimation erfahren
19. November 2009, Deutschlandfunk
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Philosophie. Arbeit, Liebe, Anerkennung. Der Philosoph Axel Honneth wird 60. Eine Gedankenreise von Marx zu Hegel nach Frankfurt und wieder zurück. Von Jürgen Habermas
16. Juli 2009, Die Zeit
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Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Auskünfte zur Lage der Gerechtigkeit

Von Eva-Maria Magel

Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 6. Januar 2009

FRANKFURT. Was meinen wir, wenn wir finden, Reichtum sei auf der Welt ungerecht verteilt? Wie definieren wir überhaupt "Gerechtigkeit"? Was bedeutet es, sich über Ungerechtigkeit zu empören? Höchst unterschiedliche und sehr aktuelle Fragen, die sich unter dem weit gefassten Begriff "Herausbildung normativer Ordnungen" auch mit historischen Perspektiven zusammenfassen lassen.

Ein Verbund von mehr als 100 Geisteswissenschaftlern wird sich an der Universität Frankfurt mindestens noch vier Jahre lang mit den normativen Ordnungen beschäftigen, an einzelnen Problemen ebenso arbeiten wie an übergreifenden Fragestellungen. Während die einen über die "neue Weltordnung" am Beispiel des Wandels in Asien forschen, denken andere darüber nach, was die bindende Kraft von Normen ausmacht. Dass ausgerechnet Paul Klees Gemälde "Hauptweg und Nebenwege" die Präsentation von Klaus Günther, Professor am Institut für Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie und einer der beiden Sprecher des Exzellenzclusters "Herausbildung normativer Ordnungen", zierte, war wohl doppelt symbolisch gemeint. Günther stellte jüngst den Verbund und recht freimütig auch den mühevollen, monatelangen Weg der Antragstellung vor.

Knapp 33 Millionen Euro aus der Exzellenzinitiative, 6,5 Millionen Euro jedes Jahr, stehen für die Philosophen, Politologen, Juristen, Soziologen, Theologen, Ökonomen, Ethnologen und Historiker zur Verfügung, die sich mit 25 Projektgruppen an dem Großvorhaben beteiligen. Nun soll auf dem Campus Westend mit dem Bau eines 8,9 Millionen Euro teuren eigenen Zentrums begonnen werden - auch im zusätzlichen Wettbewerb um Infrastrukturmittel waren die Frankfurter erfolgreich. Allerdings werden sie, wenn das neue Haus steht, schon den Antrag auf weitere fünf Jahre Förderung schreiben müssen, und noch weiß niemand, wie der Wettbewerb um die Fördergelder in der zweiten Runde ablaufen wird. Aber die ersten, stets auf zwei bis zweieinhalb Jahre angelegten Teilprojekte entstehen seit Frühjahr 2008. Fast alle befassen sich mit Brüchen: "Wir sind an Umbruchsituationen interessiert, weil wir den Eindruck haben, dass wir in einer Zeit des Umbruchs leben", sagt Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie, der zweite Sprecher des Clusters. Das Großprojekt ermögliche es, "hochinteressante junge Forscher" nach Frankfurt zu ziehen und gleich neun neue Professorenkollegen. Sechs sind mittlerweile in Frankfurt angekommen, Ökonomen, Ethnologen, Juristen etwa, darunter vier Frauen. Anders als bei den Naturwissenschaften, die das meiste Geld für Geräte verbrauchen, gehen bei den Geisteswissenschaften fast alle Mittel in Personal. So hatte der Cluster laut Günther nach der Bewilligung im Herbst 2007 geradezu Mühe, die erste Tranche von 400 000 Euro bis Jahresende zu verbrauchen - so schnell finden sich weder Professoren noch Jungforscher. Mittlerweile gibt es vier interdisziplinäre Nachwuchsgruppen, die ersten Tagungen haben stattgefunden. Gerade diese ließen sich innerhalb des Clusters schneller organisieren und mit mehr Zeit für fruchtbare Diskussionen, so Forst - und er erhofft sich natürlich einige gute Publikationen dieser prominent besetzten internationalen Treffen.

Ein erster Versuch, Geld für den Cluster zu bekommen, scheiterte 2005/06 in der Vorrunde des Exzellenzwettbewerbs. Mit neuem Team und neuem Thema ist Ende 2007 das Frankfurter Großprojekt bewilligt worden - als eines von nur fünf geisteswissenschaftlichen unter den 37 Vorhaben. Nicht nur, was die extreme Spannweite des Themas anlangt, bildet es eine Ausnahme: Mit 24 sogenannten Principal Investigators ist es knapp unter der Höchstgrenze von 25 angesiedelt. Und einige Disziplinen mehr hätten noch unter das große Dach gepasst. Wenn Philosophen über Normativität, Juristen über Ordnungen und Historiker über deren Entstehung nachdenken, so könnte sich zum Beispiel mancher Literaturwissenschaftler vorstellen, unter der Rubrik "Rechtfertigungsnarrative" mitzutun - aber dafür soll in zusätzlichen, punktuellen Kooperationen Zeit und Raum sein, so Forst.

Im Frankfurter Cluster wird, wie es allenthalben üblich und von der Exzellenzinitiative gefordert ist, interdisziplinär geforscht, doch spricht Forst auch von einem "Mut zu den einzelnen Disziplinen". Was an der Ausrichtung der vier Forschungsfelder liegt, von "Konzeptionen von Normativität" bis "Rechtsnormen zwischen Nationen", an denen die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und die Technische Universität Darmstadt beteiligt sind. Kooperationen gibt es auch mit dem Frobenius-Institut und dem Institut für Sozialforschung. Eine deutliche "Frankfurter Handschrift", Anklang an die einstige "Frankfurter Schule", in deren Nachfolge sich zahlreiche der beteiligten Wissenschaftler sehen, bedingt auch der interne Standpunkt, von dem aus die Umbrüche betrachtet werden: Welche Konflikte, Krisen, Prozesse spielen eine Rolle bei der Herausbildung von Normen?

Dafür eine "gemeinsame Sprache" der Disziplinen gefunden zu haben, nennen Günther und Forst als grundlegende, große Leistung nach dem ersten Jahr ihres Clusters. Nur auf dieser Basis könne über Frieden, Demokratie oder Gerechtigkeit geforscht werden - schließlich sollen die Ergebnisse bei der Bearbeitung aktueller Konflikte genutzt werden können. Der Austausch, der auch im neuen Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg stattfinden wird, solle aber nicht "von wenigen exzellenten Gästen vor einem kleinen Kreis" stattfinden, so Forst. Gastprofessoren, Ringvorlesungen und eine große Vorlesungsreihe sollen die Studenten von dem Cluster profitieren lassen. Als Erster soll dieses Jahr der amerikanische Philosoph Charles Larmore nach Frankfurt kommen.

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Blick nach Süd und Nord

Frankfurter Postkolonialismus mit Nikita Dhawan

von Eva-Maria Magel

Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 1. Dezember 2009

"Die Dekolonisierung des Südens wird unvollständig bleiben ohne eine Dekolonisierung des Nordens", lautet eine These des Seminars, das Nikita Dhawan an der Frankfurter Universität anbietet. Die Juniorprofessorin für Geschlechter- und Postkoloniale Forschung hat vor einem Jahr ihre Arbeit im Exzellenz-Forschungsverbund "Herausbildung normativer Ordnungen" aufgenommen. Im Teilbereich drei dieses Clusters, dem sie angehört, werden die Themen transnationale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden behandelt. Die Länder Südamerikas, Asiens und Afrikas sind so geworden, wie sie heute sind, weil sie einst europäische Kolonien waren - aber umgekehrt ist Europa auch ein Produkt seiner Kolonien.

"Geteilte Geschichte", diesen Begriff findet die 1972 in Mumbai geborene Nikita Dhawan besonders treffend. Vereint das deutsche Wort doch die beiden englischen Begriffe "shared" und "divided". "Ich bin Philosophin, ich muss differenziert mit Wörtern umgehen, weil ich ja nichts anderes habe als Wörter. Das bringe ich auch den Studierenden bei: vorsichtig mit Begriffen umzugehen." Dhawan, die durch die Germanistik zur Philosophie kam und an der University of Mumbai und der dortigen Women's University studiert hat, teilt ihr Wissen gern mit anderen: Derzeit organisiert sie ein Kolloquium am Cornelia-Goethe-Zentrum, dem sie angehört; ein weiteres, transdisziplinäres Kolloquium zu Postkolonialen Studien zieht Interessierte von weit her an.

Dhawans wissenschaftliche Heimstatt in Frankfurt, das "Research Center for Postcolonial Studies", wurde nun mit einem Vortrag von Gayatri Chakravorty Spivak von der Columbia University New York eröffnet, wo Dhawan 2008 als Gastforscherin tätig war. Die vor allem in den Vereinigten Staaten und maßgeblich auch von Spivak entwickelten Postkolonialen Studien sind in Deutschland noch nicht stark verbreitet, obwohl, wie Dhawan sagt, etwa durch die deutsche Philosophie und Orientforschung viele Anknüpfungspunkte bestehen. Über aktuelle Themen wie die Globalisierung könne man nicht sinnvoll ohne eine postkoloniale Perspektive diskutieren.

Dhawan, die ihre Dissertation der Frage nach Sprechen, Schweigen und Gewaltfreiheit in der westlichen und östlichen Philosophie gewidmet hat, will dieses Fachgebiet nun in Frankfurt verankern. Deutschland sei "ein sehr guter Ort" für ihre Themen, sagt sie. Im Sinne einer politischen Philosophie befasst sie sich mit Macht, Gewalt und Gewaltfreiheit und immer auch mit Geschlechterfragen: "Feminismus war immer ein Teil meiner philosophischen Studien", sagt Dhawan. Im Jahr 2000 wurde sie zur Frauen-Universität aus Anlass der Weltausstellung nach Hannover eingeladen. Dank eines Stipendiums der Heinrich-Böll-Stiftung konnte sie ihre Promotion an der Ruhr-Universität Bochum abschließen, danach war sie Gastprofessorin für Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Oldenburg.

"Ich bin auch ein Produkt des deutschen Hochschulsystems", sagt sie - deshalb ist sie geblieben. Auch wenn es sie gereizt hätte, für Forschung und Lehre nach Indien zurückzukehren. Denn dort sei es derzeit "so aufregend", wegen des gesellschaftlichen und politischen Wandels. Aber auch in Deutschland bewege sich viel. Dass sie von einem deutschen Veranstalter als indische Forscherin und deutsche Professorin eingeladen wurde, auf einer Konferenz in China über Demokratie in Deutschland zu sprechen, ist ihr ein Zeichen dafür.

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Immer wieder Spinoza

Michael Rosenthal erforscht die deutsch-jüdische Philosophie

Von Eva-Maria Magel

Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 8. September 2009

Warum haben sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gerade jüdische Philosophen in Deutschland so intensiv mit Spinoza beschäftigt? Hermann Cohen, Neukantianer in Marburg, und Leo Strauss, Doktorand des Cohen-Schülers Ernst Cassirer und Begründer der Strauss-Schule, sind die beiden Protagonisten, die Michael Rosenthal sofort einfallen.

Seinem Kollegen Ulrich Sieg, Wissenschaftshistoriker an der Universität Marburg und Erforscher des Neokantianismus, hat Rosenthal schon einen Besuch abgestattet. Seit dem 4. August ist der Philosophieprofessor der Washington University in Seattle am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg zu Gast. Dort forscht er zwei Monate lang als Fellow auf Einladung des Exzellenzclusters "Herausbildung normativer Ordnungen" der Universität Frankfurt.

Zusammen mit dem Frankfurter Religionsphilosophen Thomas Schmidt, der "Principal Investigator" des Clusters ist, liest und diskutiert Rosenthal derzeit in den frisch eingerichteten Räumen des Kollegs über religiöse Begründungen für gesellschaftliche und politische Ordnungen. Seine Frau, Professorin für Anthropologie, und die beiden Kinder hat der 47 Jahre alte Forscher mitgebracht, sie wohnen im Gästehaus. Rosenthal arbeitet an seinem Buchprojekt "Sovereigns and Subjects. Philosophy, Politics and Jewish Identity in Germany". Der Amerikaner ist der erste Forschungsgast des Kollegs; ihm gefällt das Haus am Wingertsberg, wo die Mitarbeiter ihm auch bei der Beschaffung von Literatur behilflich sind, die er zu Hause kaum bekommt. An seinem Deutsch habe er "hart gearbeitet", sagt Rosenthal; dennoch spricht er lieber Englisch.

Im dritten Kapitel seines Buchs, an dem er derzeit schreibt, geht es um die "bürgerlichen Patrioten". Die Debatte über Staatsangehörigkeit, Religion und Toleranz beschäftigte vor allem die jüdischen Bürger zwischen den beiden Weltkriegen stark - hatten doch viele den Ersten Weltkrieg als Soldaten erlebt. Rosenthal geht dem Verlauf der Diskussion in der politischen Philosophie des frühen 20. Jahrhunderts bis zum Exil um 1945 nach. Dazu gehören für ihn die intensive Spinoza-Rezeption dieser Jahre, aber auch Politik, Kunst, Literatur - Thomas Manns "Joseph"Roman und Werfels "Höret die Stimme" nennt Rosenthal als Lektüren. Denn um die Komplexität einer Debatte nachzuzeichnen, sie zu verstehen, genüge es längst nicht, nur die in der Zeit verfassten philosophischen Werke zu studieren: "Wichtig ist es, den Kontext zu verstehen", sagt Rosenthal.

Da kann ihm Thomas Schmidt nur beipflichten. Beiden ist klar, dass ihre Befunde zur Toleranz-Debatte hochaktuelle gesellschaftliche Fragen berühren. Deshalb hofft Rosenthal auf weitere Diskussionen mit den Kollegen, etwa nach dem Vortrag, den er halten wird.

Sein Vorhaben, der jüdischen Identität in Deutschland philosophiegeschichtlich auf die Spur zu kommen, fußt auf seiner langjährigen Beschäftigung mit Spinoza, zumal mit dessen "Tractatus Theologico-politicus", der Rosenthal schon seit seiner Dissertation an der University of Chicago beschäftigt. "Spinoza ist unendlich interessant." Und vielleicht, sagt Rosenthal, dessen Großvater aus Deutschland emigrieren musste, verstehe er durch seine Forschung auch die eigene Familiengeschichte ein bisschen besser.

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Gibt es Recht auch ohne Staat?

Ringvorlesung des Exzellenzclusters ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen‘

Von Bernd Frye

UniReport, 8. Oktober 2009

Unter welchen Voraussetzungen wird nichtstaatliches Recht durch eine Staatsgewalt als ‚Recht‘ anerkannt und als solches angewandt? Inwiefern beeinflusst wiederum der Staat die Entstehung nichtstaatlichen Rechts? Und wie sind mögliche Geltungskonflikte zwischen beiden Systemen zu lösen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der ersten Ringvorlesung des Exzellenzclusters ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen‘. Unter dem Titel ‚Recht ohne Staat? Zur Normativität nichtstaatlicher Rechtsetzung‘ beleuchtet die fünfteilige Reihe einen zentralen Aspekt der Forschungen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Clusters an der Goethe-Universität. Zugleich befasst sich die Ringvorlesung mit einem Thema, das weit über die Rechtswissenschaften hinaus von Bedeutung ist.

Der Begriff des Rechts scheint auf den ersten Blick mit der politischen Organisationsform des Staates in enger Verbindung zu stehen. Aus historischer Perspektive ist das Phänomen des ‚Rechts ohne Staat‘ jedoch eher die Regel als die Ausnahme. Die Rechtsgeschichte blickt auf Jahrtausende, der ‚moderne Staat‘ ist eine vergleichsweise junge Erscheinung. Es wäre jedoch verkürzt, die Institution des nichtstaatlichen gesetzten Rechts mit dem Beginn des Nationalstaates als beendet anzusehen. Das staatliche Gewaltmonopol soll und kann niemals so weit reichen, Rechtsetzung nichtstaatlicher Akteure zu verhindern. Gerade heutzutage sind in den unterschiedlichsten Lebensbereichen Rechtsbildungs- und Rechtsanwendungsprozesse zu konstatieren, an denen Akteure beteiligt sind, deren Regelungsbedarf von staatlichen Institutionen nicht gedeckt werden kann.

Im grenzüberschreitenden Bereich hat sich hierfür der Begriff des ‚transnationalen Rechts‘ eingebürgert. Aber auch im innerstaatlichen Bereich gibt es nichtstaatliche Rechtssetzung von Initiatoren aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen – von Wirtschaftsunternehmen über Sportverbände bis zu Verbraucherschutzvereinen und Religionsgemeinschaften. Dieses Phänomen eröffnet die Frage nach der Wechselwirkung zwischen staatlicher Gewalt und nichtstaatlicher Rechtssetzung. Verantwortlich für die Durchführung dieser ersten Ringvorlesung des Exzellenzclusters ist das Cluster-Forschungsfeld 4, ‚Die Herausbildung von Rechtsnormen zwischen den Nationen’ unter der Leitung von Prof. Stefan Kadelbach und Prof. Klaus Günther. Die Ringvorlesung ‚Recht ohne Staat? Zur Normativität nichtstaatlicher Rechtsetzung‘ gibt aus interdisziplinärer Sicht Einblicke in das vielschichtige Phänomen des nichtstaatlichen Rechts.

Eine historische Perspektive wird mit dem Vortrag ‚Recht ohne Staat. Ein Blick auf die Rechtsgeschichte‘ aufgezeigt. Referent ist Prof. Thomas Duve vom Frankfurter Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte. Vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle kommt Prof. Franz von Benda-Beckmann. Er setzt sich unter dem Titel ‚Recht ohne Staat im Staat‘ mit der ethnologischen Perspektive eines nichtstaatlichen Rechtspluralismus auseinander. Was den grenzüberschreitenden Bereich eines Rechts ohne Staat anbelangt, nimmt Prof. Klaus Dieter Wolf(Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung) Stellung zur Frage der Einbindung privater Akteure in grenzüberschreitende politische Steuerungsprozesse (‚Unternehmen als Normunternehmer‘). Prof. Gunther Teubner (Goethe-Universität und London School of Economics) beleuchtet die Idee eines transnationalen Konstitutionalismus in seinem Vortrag ‚Verfassungen ohne Staat? Zur Konstitutionalisierung transnationaler Regimes‘. Ein modernes Beispiel nichtstaatlichen Rechts analysiert Prof. Rainer Hofmann (Goethe-Universität) in seinem Beitrag zum Thema ‚Modernes Investitionsschutzrecht – ein Beispiel für entstaatlichte Setzung und Durchsetzung von Recht?‘.

Ordnungen im Umbruch

Der Exzellenzcluster „Herausbildung normativer Ordnungen“ untersucht die Konfl ikte gesellschaftlichen Wandels

Von Michael Patrick Wichert

UniReport, 12. November 2008

Seit der Bewilligung des Exzellenzclusters  „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ durch Bund und Länder in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative Ende 2007 hat der Forscherverbund deutlich an Konturen gewonnen. Insgesamt 60 WissenschaftlerInnen haben ihre Forschungstätigkeiten an diesem geistes- und sozialwissenschaftlichen Großunternehmen aufgenommen. Von neun neu zu besetzenden Clusterberufungen haben bereits vier SpitzenforscherInnen ihren Ruf angenommen. Sehr erfreut über die angenommenen Rufe zeigen sich die Sprecher des Clusters, Prof. Rainer Forst (Institut für Politikwissenschaft und Institut für Philosophie) und Prof. Klaus Günther (Institut für Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie). Denn in nur wenigen Monaten konnten mit der Ethnologin Prof. Susanne Schröter, der Ökonomin Prof. Nicola Fuchs-Schündeln, der Gender- und Migrationsforscherin Prof. Nikita Dhawan und dem Rechtswissenschaftler Prof. Alexander Peukert Schlüsselpositionen des Clusters besetzt werden. Sie befinden sich an zentralen thematischen Schnittstellen des in vier Forschungsfelder unterteilten Wissenschaftlerverbunds. Dass der Cluster international konkurrenzfähig ist, zeigt dabei nicht zuletzt die Tatsache, dass Fuchs-Schündeln die Harvard University verlässt, um nach Frankfurt zu kommen. So sind die Sprecher optimistisch, dass auch die anderen Professuren rasch besetzt werden können.

Zeit gravierender Veränderungen

Mit seiner Fokussierung auf die „Herausbildung normativer Ordnungen“ untersucht der Cluster die gegenwärtigen Konflikte um gerechte normative Ordnungen auf verschiedenen Ebenen. „Wir befinden uns in einer Zeit gravierender Veränderungen der Ordnungen, in denen wir leben“, sagt Forst. Deshalb sollen die Erkenntnisse aus der Perspektive der Philosophie, der Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaften, der Ethnologie, Ökonomie, Religionswissenschaft und der Soziologie darüber Aufschluss geben, ob und in welchem Sinne wir in einer Zeit der Herausbildung neuer Ordnungen leben und wie die Konflikte darum unter Einbeziehung der normativen Ansprüche der Beteiligten zu verstehen sind. Für diese Aufgabe wurde der Cluster mit 6,5 Millionen Euro jährlich für die Dauer von fünf Jahren ausgestattet.

Über 25 Projektgruppen sollen es dem Vorhaben ermöglichen, der Komplexität des Themas und der enormen Bandbreite bestehender Konflikte und ihrer vielschichtigen historischen Ursachengefüge gerecht zu werden. Sie versammeln sich in den vier Forschungsfeldern „Konzeptionen von Normativität“ (Koordinatoren: Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther), „Geschichtlichkeit normativer Ordnungen“ (Koordinatoren: Prof. Andreas Fahrmeier und Prof. Karl-Heinz Kohl), „Transnationale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden” (Koordinatoren: Prof. Gunther Hellmann und Prof. Rainer Forst) und „Herausbildung von Rechtsnormen zwischen den Nationen” (Koordinatoren: Prof. Stefan Kadelbach und Prof. Rainer Klump). Unterstützend wirken außerdem Kooperationen mit der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), dem Max-Planck Institut für europäische Rechtsgeschichte und der Technischen Universität Darmstadt. Sie sind mit Matching-Vereinbarungen an dem Cluster beteiligt. Weitere Beteiligte sind das Frobenius-Institut und Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität sowie das Centre Point Sud Forschungszentrum in Bamako (Mali). Schließlich geht es bei den untersuchten Konflikten um nicht weniger als eine gerechte Weltordnung, um die Errichtung einer fairen und gerechten Wirtschaftsordnung und gleichzeitig um die Verwirklichung von Frieden, Menschenrechten und Demokratie oder um religiös und kulturell geprägte Lebensformen. Neben den bereits genannten Forschern werden außerdem internationale Gastprofessoren, bis zu vier interdisziplinäre Nachwuchsforschergruppen, ein internationales Doktorandenkolleg, Postdocs und Fellows sowie eine Reihe von MitarbeiterInnen in Forschungsprojekten den Exzellenzcluster stärken. Weit mehr als hundert WissenschaftlerInnen und MitarbeiterInnen werden für den Cluster forschen, wenn alle Berufungs- und Bewerbungsverfahren abgeschlossen sind.

International mit „Frankfurter Handschrift“

Das Besondere des Verbunds ist aus Sicht der Sprecher Forst und Günther der institutsübergreifende und die verschiedenen Fächer bündelnde Charakter des Exzellenzclusters. Ein wichtiger Aspekt sei die „Frankfurter Handschrift“. Diese resultiere nicht zuletzt aus der Bedeutung der Kritischen Theorie der „Frankfurter Schule“ (verbunden mit den Namen Horkheimer und Adorno), die insbesondere in ihrer Fortführung durch die Theorie von Jürgen Habermas für viele der Clusterforscher eine wichtige Inspiration sei. Dazu sei es gelungen, bei aller Pluralität der Zugänge zum Thema, ein markantes „Frankfurter Projekt“ auf den Weg zu bringen – insbesondere gemeinsam mit den Geschichtswissenschaften, die bereits einen erfolgreichen Sonderforschungsbereich zum Thema „Wissenskultur und gesellschaftlichen Wandel“ etabliert hatten. Die für die Frankfurter Geistes- und Sozialwissenschaften prägenden Traditionen hätten die Forscher bei der Exzellenzinitiative darin bestärkt, „ein innovatives, im besten Sinne interdisziplinäres Forschungsprogramm zu verfolgen“. Zwar forschen die Projektgruppen der vier Forschungsfelder federführend an ihren speziellen disziplinären Fragestellungen. Wichtig sei aber eine Balance zwischen innerdisziplinärer Forschung und der Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten, erklären die Sprecher. Denn eines der Ziele des Clusters sei es, die Standpunkte der einzelnen Forschungsfelder für eine Annäherung an den Begriff „Normativität“ interdisziplinär zusammenzubringen. Das Kraftfeld hierbei bildet das „philosophische“ Forschungsfeld, das Forst und Günther koordinieren. Es stellt die drei Begriffe des Clustertitels ins Zentrum: Normen, Ordnung und Herausbildung. Auf diese Weise erforschen die Projektgruppen unabhängig, aber nicht isoliert voneinander die Herausbildung normativer Ordnungen.

Doch was sind normative Ordnungen? Nach Auffassung des Clusters sind es Ordnungen, die einen Anspruch auf Geltung erheben, der wiederum eine freiwillige Folgebereitschaft impliziert. Dies gelte insbesondere in Bezug auf Strukturen der Herrschaftsausübung beziehungsweise der Verteilung von Gütern und Lebenschancen. Normative Ordnungen sind nach Forsts Worten „Rechtfertigungsordnungen“ und eingebettet in sogenannte „Rechtfertigungsnarrative“. Diese sind historisch begründet und werden „über lange Zeiträume tradiert, modifi ziert, institutionalisiert und praktiziert“. Die Forschung geht davon aus, dass Rechtfertigungsnarrativ und Rechtfertigungsanspruch in einem Spannungsverhältnis stehen. Denn Rechtfertigungsnarrative weisen aufgrund ihrer historisch gebildeten Legitimationskraft über die Faktizität einer bestehenden Ordnung hinaus. Auf die konfliktreiche Dynamik, die aus diesem Spannungsverhältnis resultiert, kommt es den Forschern an.

Unmittelbare Erfahrungen der Menschen im Blick

In ihrem Erkenntnisinteresse unterscheiden die Forscher zwischen den „normexternen“ und „internen« Faktoren eines Konfliktes. Normexterne Faktoren lassen sich verstehen als die übergreifenden systemischen politischen und ökonomischen Ursachenfaktoren einer gesellschaftlichen Veränderung. Der Cluster fokussiert seine Forschungsarbeit aber stärker auf die internen Konflikte, also Prozesse und Prozeduren, die von Individuen und Gruppen ausgehen – seien es Bürger, Wähler, Richter oder Politiker – und dazu führen, dass sich „gesellschaftliche, uns bindende Ordnungen entwickeln, in Frage gestellt werden, zusammenbrechen oder revolutionieren“, erklärt Forst. Im Falle einer Analyse der Flüchtlingsströme aus Tausenden von Migranten, deren Weg jedes Jahr über Afrika an die europäischen Grenzen führt, ginge es demnach weniger um die funktionale Beschreibung der wirtschaftlichen oder politischen Ursachen für die Fluchtbewegungen, wie Günther hervorhebt. Vielmehr werde der Fokus auf die unmittelbaren Erfahrungen der Menschen in ungerechten Lebensverhältnissen gelenkt und deren Erwartungen und Ansprüche an die bestehende Ordnung analysiert.

Bei diesem internen Standpunkt nehmen die Forscher das soziale Verhalten der Beteiligten im Konfl ikt mit normativen Ordnungen unter die Lupe und wollen wissen, welche Vorstellungen von einer guten oder schlechten Ordnung bei den Menschen vorherrschen. Dabei wird Forst zufolge untersucht, welche Ansprüche von den Akteuren an diese Ordnungen gestellt wurden („deskriptiv“) und welche Ansprüche an diese Rechtfertigungsordnungen gestellt werden könnten oder sollten („normativ“). Diese auf die Perspektive der Betroffenen ausgerichtete Herangehensweise soll, so das programmatische Anliegen des Clusters, „hinreichend empirische Evidenz“ für die Frage liefern, wie heutzutage eine Theorie der Herausbildung normativer Ordnungen jenseits rein funktionaler Theorien möglich ist.
Wie konkret der Cluster diese Akteursperspektive umsetzen will, zeigt sich in den Themen der Projekte und an den Kooperationen, etwa mit der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn oder dem Forschungszentrum Point Sud. Wenn der Cluster die Zusammenarbeit mit solchen Institutionen sucht, geht es weniger um beraterische Hilfe oder direkte Handlungsanweisungen im Sinne eines Think Tank als vielmehr um die Sensibilisierung für die konkreten Erfahrungen der Menschen in Konfliktgebieten. Mitarbeiter außenpolitischer und wirtschaftspolitische Ämter ohne Erfahrung in Konfliktgebieten stünden vor „schwer verstörenden Prozessen“, erklärt der Geschäftsführer des Exzellenzclusters, Peter Siller. Ihnen könnten die Forschungserkenntnisse des Clusters helfen, sich in die Perspektiven der Menschen im Konflikt mit den bestehenden ungerechten normativen Ordnungen hineinzuversetzen. Siller, selbst früher Mitglied des Planungsstabs des Auswärtigen Amtes, weiß wie wichtig der Dialog zwischen Politik und Wissenschaft sein kann.

Neubau soll Kommunikation verstärken

Die für einen solchen Dialog notwendige Infrastruktur soll bis 2010 in einem Neubau auf dem Campus Westend gebündelt werden. Das Gebäude, dessen Entwurf bereits ausgewählt wurde, umfasst ein Investitionsvolumen von schätzungsweise 8,9 Millionen Euro (die in einem weiteren Verfahren beim Wissenschaftsrat erfolgreich eingeworben wurden). In ihm werden alle neu berufenen ProfessorInnen ihre Forschungsstätte haben, und es eröffne, so Forst, die Chance einer fein austarierten Balance zwischen abgeschirmter individueller Forschung über einen längeren Zeitraum und intensivem, kritischem Austausch mit anderen in einzelnen Gesprächen, kleineren Ad-hoc-Workshops oder größeren Konferenzen. Nach den Worten von Geschäftsführer Siller sei das Gebäude „ein Ort, wo die Kommunikation und Vernetzung innerhalb des Forscherverbunds“, zum Tragen kämen. Schließlich wolle man „keine Vierfelderwirtschaft betreiben“, fügt Forst hinzu, sondern alle Forschungsfelder sollen ineinander greifen.

Dazu sollen auch vielfältige öffentliche Aktivitäten des Clusters beitragen. So werden neben den zweimal jährlich stattfi ndenden „Frankfurter Vorlesungen“, deren erste der renommierte US-Philosoph Charles Larmore halten wird, Symposien, Konferenzen und Workshops veranstaltet. In Kürze fi ndet eine internationale Eröffnungskonferenz statt. Auch sollen Veranstaltungen der Stadtöffentlichkeit publikumsgerechte Themen näherbringen. In diesen Veranstaltungen werden die Forscher des Clusters aktuellste Themen aus Politik, Kultur und Wissenschaft wie zum Beispiel Menschenrechtsfragen aufgreifen und aus der programmatischen Perspektive des Clusters einem breiten öffentlichen Publikum vorstellen. Clustereigene Publikationen in Kooperation mit den Frankfurter Verlagen Suhrkamp und Campus sind geplant.

US-Präsidenten im Pilotenlook

Konferenz des Exzellenzclusters ‚Normative Ordnungen‘ analysierte Rechtfertigungsnarrative

Von Bernd Frye

UniReport, 16. Dezember 2009

Man konnte gespannt sein: Auf dem Programm der zweiten internationalen Jahreskonferenz des Exzellenzclusters ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen‘ am 13. und 14. November stand nichts weniger als einer der zentralen Begriffe des Forschungsverbundes: die ‚Rechtfertigungsnarrative‘. Wie der Co-Sprecher des Clusters, der Philosoph und Politikwissenschaftler Prof. Rainer Forst, zur Eröffnung der Konferenz ausführte, definiert das Forschungsprogramm des Clusters normative Ordnungen als ‚Rechtfertigungsordnungen‘, und der theoretisch nicht minder innovative Begriff der ‚Rechtfertigungsnarrative‘ steht für die als Erzählungen strukturierten, historisch sedimentierten Begründungen, die sich zu Legitimationen sozialer Strukturen und Institutionen verdichten.

In insgesamt fünf Panels mit jeweils zwei Fachvorträgen fragte die Konferenz nach der Anwendbarkeit und dem Potenzial des Begriffs Rechtfertigungsnarrative in verschiedenen disziplinären Kontexten. „Der Begriff ist in den unterschiedlichen kooperierenden Fächern mehr oder weniger gut etabliert, insofern stellt die Konferenz ein Experiment dar“, sagte Prof. Andreas Fahrmeir zum Auftakt. Der Historiker ist Koordinator des Cluster-Forschungsfeldes 2 ‚Die Geschichtlichkeit normativer Ordnungen‘, das die Federführung der Veranstaltung hatte. Von solch einer Konferenz, so Fahrmeir weiter, könne man nicht die Formulierung einer übergreifenden und allgemeingültigen Theorie der Rechtfertigungsnarrative erwarten. Es ginge vielmehr darum, den Begriff so weit wie möglich einzugrenzen und auch die unterschiedlichen Dimensionen zu diskutieren, die derlei Narrative aufweisen.

Zu diesen Dimensionen gehören auch die ästhetischen Qualitäten, die möglicherweise über die Akzeptanz ebenso entscheiden wie die Inhalte. Nicht nur auf das Was kommt es an, sondern auch auf das Wie. Der Philosoph Prof. Martin Seel (Frankfurt am Main) nutzte seinen Konferenzbeitrag nicht nur zu grundlegender Begriffsbestimmung, sondern auch zu einer Vorführung, auf welche besondere Weise die Medien Film und Fernsehen für das Erzählen disponiert sind. Seel zeigte Bilder der bekannten Pressekonferenz auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln, bei der der damalige US-Präsident George W. Bush – gerade mit einem Kampfjet angekommen, noch in Pilotenmontur und von den Soldaten bejubelt – den erfolgreichen Verlauf des Irakkrieges verkündet. Und Seel zeigte einen Ausschnitt aus dem Kinofilm ‚Independence Day‘, in demein fiktiver US-Präsident in Kampfjetuniform von Soldaten bejubelt wird, weil er gerade die Welt gerettet hat. Die Pressekonferenz fand im Mai 2003 statt, der Film war rund sieben Jahre vorher in den Kinos angelaufen.

Den Aspekt der ganz ähnlichen Präsidentenbilder, im Film und auf dem Flugzeugträger, nahm der Philosoph Prof. Michael Hampe von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich auf. Die Sequenzen seien ein gutes Beispiel für Muster, auf die Rechtfertigungsnarrative immer wieder zurückgriffen. In diesem Fall – so Hampe – nach der Lesart: „Schaut her, so sieht es aus, wenn ein Krieg gut verlaufen ist.“ Hampe bezeichnete Narrative als „Plausibilisierungen von Behauptungen“. Sie erzeugten Verständnis durch Beschreibung und Erzählung. Und eine Beschreibung wiederum könne über die reine Deskription hinaus vor allem dann erklärend wirken, wenn es ihr gelinge, die Aufmerksamkeit der Zuhörer neu zu justieren.

Wie das bei einem konkreten politischen Thema funktioniert, zeigte Prof. Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin an der Goethe- Universität, im Rahmen ihres Vortrags. Im Kampf gegen die Genitalverstümmelung seien erst weitere Fortschritte erzielt worden, als Nichtregierungsorganisationen anfingen, in ihren Kampagnen von Genitalverstümmelung statt Genitalbeschneidung zu sprechen. Deitelhoff: „Das Narrativ gewinnt, dem es gelingt, mehr öffentlichen Druck aufzubauen.“

Manchmal jedoch scheint es nicht allein die Kraft der begründenden Erzählung zu sein, auf die es ankommt, sondern Macht und Durchsetzungswille. Dr. Gunter Pleuger, ehemaliger deutscher Vertreter im Weltsicherheitsrat, war Zeuge der Rede des damaligen US-Außenministers Colin Powell, als dieser den Irakkrieg rechtfertigen wollte. „Fast alle im Saal wussten, dass das nicht stimmt, was er sagt“, erinnerte sich Pleuger. Der aktuelle Präsident der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder verwies gleichwohl auf viele Erfolge der UNO. Die Struktur des Sicherheitsrates müsse jedoch reformiert werden, weil sie die Lage von 1945 widerspiegele und nicht dem 21. Jahrhundert gerecht werde.

Ebenfalls unter dem Eindruck der Nazidiktatur und des zweiten Weltkriegs verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Die Menschenrechte seien – wie der Rechtswissenschaftler und Co-Sprecher des Clusters, Prof. Klaus Günter, in einer Einführung hervorhob – zu einem der wichtigsten und am weitesten verbreiteten Rechtfertigungsnarrative geworden. Ihre Rezeption und Anwendung sei jedoch nicht ohne Tücken.

Anhand einer Studie, die er in Malawi durchgeführt hat, argumentierte der Ethnologe Prof. Harri Englund von der Universität Cambridge, dass der westlich geprägte, individualistische Ansatz der Menschenrechte in Afrika keine lokale Tradition vorfinde, an die er anschließen könne. Prof. Günther Frankenberg, Rechtswissenschaftler an der Goethe-Universität, sah einen ‚semantic battle‘ bei der Auslegung der Menschenrechte. Das Folterverbot beispielsweise sei ein Bestandteil der Menschenrechte. Doch eine genaue Interpretation, was Folter sei, fehle.

Zu den wirkmächtigsten Rechtfertigungsnarrativen gehören religiöse Überlieferungen. Auch ihnen widmete die Konferenz ihre Aufmerksamkeit. Prof. Hans Kippenberg (Jacobs University Bremen) beleuchtete Aspekte der modernen Religionsgeschichte, darunter den Kampf von Palästinensern gegen die israelische Siedlungspolitik. Habe sich die PLO in ihrer Begründung für den auch bewaffneten Kampf noch politischer Kategorien wie ‚Antiimperialismus‘ bedient, verwendeten islamische Gruppen religiöse Narrative. Ähnlich auf der anderen Seite: Manche Israelis sprächen nicht von Siedlungen, sondern von ‚erlösten‘ Gebieten.

Einen weiten Sprung zurück in der Geschichte machte der Frankfurter Historiker Prof. Hartmut Leppin. Er zeigte am Beispiel der Christianisierung des römischen Reiches, wie hergebrachte Narrative der Rechtfertigung von Normen und normativen Ordnungen durch neue Begründungsmuster modifi ziert oder abgelöst werden. Der Historiker bezeichnete die Spätantike als eine Zeit der Umbrüche, in der vieles offen war – ganz ähnlich vielleicht wie zu Beginn unseres 21. Jahrhunderts, wie einige Diskutanten anmerkten.

Sieg für die "Quants"

Braucht die Volkswirtschaftslehre mehr Mathematik oder mehr Politik? An der Goethe-Universität ist der Richtungsstreit längst entschieden. Diskutiert werden darf trotzdem.

von Sascha Zoske

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Februar 2010

Hier die "Armchairs", da die "Quants": So etikettiert Jan Pieter Krahnen die Parteien im Richtungsstreit der Volkswirtschaftslehre. Die Sesselsitzer, das sind für den Frankfurter Finanzprofessor Theoretiker, die ihre Ansichten zum Wesen der Wirtschaft ex cathedra verkünden, ohne sie mit Daten aus dem wahren Leben zu untermauern. Ihnen stellt er die quantitativ arbeitenden Forscher gegenüber, die Warenströme und Geldflüsse mit mathematisch-statistischen Methoden analysieren.

Als Experte für das Kreditwesen gehört Krahnen eigentlich zu den Betriebswirten. Das hindert ihn aber nicht daran, sich auch zur Lage der Volkswirtschaftslehre (VWL) zu äußern, zumal die Grenzen zwischen beiden Disziplinen mehr und mehr verschwimmen. Anlass, Position zu beziehen, gab ihm eine Erklärung von 83 VWL-Professoren, die im vergangenen Jahr in dieser Zeitung erschienen war - vor dem Hintergrund von Plänen der Universität Köln, ihre Lehrstühle für Wirtschaftspolitik umzuwidmen. Ohne dieses Vorhaben ausdrücklich zu erwähnen, warnten die Unterzeichner des Aufrufs davor, die wirtschaftspolitische Lehre von den Universitäten zu verdrängen. Über der Begeisterung für logisch stringente Theorien, wie sie derzeit en vogue seien, dürften Forscher nicht die gesellschaftlichen Realitäten aus den Augen verlieren, die ökonomisches Handeln bestimmten.

Auf diese Erklärung reagierten 188 Wissenschaftler, darunter auch Krahnen, im "Handelsblatt" mit einem Gegenaufruf. "Baut die VWL nach internationalen Standards um!", lautete ihre Parole: Die deutsche Volkswirtschaftslehre könne nur dann Anschluss an die Weltspitze halten, wenn sie die hierzulande übliche Trennung von Wirtschaftspolitik und Wirtschaftstheorie aufhebe.

Krahnen will seine Unterstützung für jene Stellungnahme keinesfalls so interpretiert wissen, dass er es für unwissenschaftlich oder unzeitgemäß halte, sich mit Wirtschaftspolitik zu beschäftigen. Aussagen hierzu müssten aber auf Daten basieren - alles andere sei eben "Armchair"-Ökonomie.

Auch Rainer Klump bittet darum, ihn nicht misszuverstehen. Der Vizepräsident der Goethe-Universität und frühere Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften hat sich seinerzeit dem Aufruf in der F.A.Z. angeschlossen. Das heiße nicht, dass er etwas gegen rechnende Volkswirte habe: "Die Statistik ist ein wichtiges Rüstzeug, und ich selbst verwende auch mathematische Methoden." Er wolle aber seine Kollegen davon abhalten, sich aus der Diskussion mit Geistes- und Sozialwissenschaften zurückzuziehen. Der Dialog mit diesen Disziplinen sei zum Beispiel für die Analyse der Finanzkrise unverzichtbar. Hier könne man aus der Geschichte lernen; große ökonomische Erschütterungen habe es schließlich schon früher gegeben. Ebenso wie den Blick in die Historie brauche die VWL Sensibilität für das Soziale, meint Klump. "Die Kernfrage ist doch: Sieht sich die Ökonomie nur als Wissenschaft der Effizienz, oder will sie sich auch mit dem Thema Gerechtigkeit beschäftigen?"

Dies ist das Maximum an Zuspitzung, das sich Klump entlocken lässt. In Fundamentalopposition zu den "Quantitativen" in seinem Fachbereich will er sich nicht begeben. Was wohl auch daran liegt, dass der Richtungsstreit in der VWL an der Frankfurter Universität im Grunde längst entschieden ist. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre hat sich dort nach Krahnens Eindruck der methodische Ansatz durchgesetzt, und die starke Orientierung auf die finanzbezogene Forschung drängt Disziplinen wie Wirtschaftspolitik und -geschichte weiter an den Rand. Nicht aber ins Abseits, wie Klump meint: Er verweist auf seinen eigenen Lehrstuhl, die neue Messe-Frankfurt-Stiftungsprofessur für Internationale Wirtschaftspolitik, und Kollegen wie den renommierten Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe - der allerdings zum Fachbereich Geschichtswissenschaften gehört.

Die Frankfurter Studenten jedenfalls würden sich gern noch gründlicher mit den Beziehungen zwischen Ökonomie und Gesellschaft befassen, wenn man Fachschaftssprecher Marco Keidel glauben darf. Er findet es bedauerlich, dass es am Fachbereich immer weniger qualitativ orientierte Professuren gebe: "Empirie ist wichtig, aber sie ist nicht alles." VWL-Professor Klump wie auch Dekan Alfons Weichenrieder beteuern, dem Wunsch nach mehr wirtschaftspolitischer Lehre entsprechen zu wollen. Man sei sich im Fachbereich weitgehend einig, dass dieser Gegenstand ins Curriculum des Bachelorstudiums gehöre, sagt Klump.

Einschätzungen dazu, wie viel Wirtschaftspolitik die VWL an der Goethe-Universität braucht, mag sich auch mancher Teilnehmer der Podiumsdiskussion am vergangenen Freitag erhofft haben. Der Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", an dem auch Klump als Forscher beteiligt ist, hatte zum Disput über "Normen in der Volkswirtschaftslehre - Normen des volkswirtschaftlichen Curriculums" eingeladen. Doch um Lehrinhalte ging es dabei kaum. Vielmehr nutzten die Initiatoren der beiden Zeitungsaufrufe die Gelegenheit, um klarzustellen, was sie seinerzeit zum Ausdruck bringen wollten - und was nicht.

Roland Vaubel, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Mannheim, machte deutlich, dass die Verfasser der F.A.Z.-Erklärung nichts gegen Mathematik und Statistik hätten. Es sei ja gerade die "mühsame Kleinarbeit" empirischer Forscher, die gegenüber den "kunstvollen logischen Ableitungen" der Modell-Ökonomen ins Hintertreffen zu geraten drohe. Für die "Handelsblatt"-Fraktion nahm im Gegenzug Rüdiger Bachmann in Anspruch, ihre Anhänger wehrten sich nicht gegen die Beschäftigung mit Wirtschafts- oder Normengeschichte. Ebenso wenig lehne man es ab, sich mit Gerechtigkeitsfragen auseinanderzusetzen, sagte der Professor der University of Michigan. Es sei aber auch von Wissenschaftlern dieser Fachrichtungen zu erwarten, dass sie die "Sprache der Mathematik und Ökonometrie" beherrschten.

Dem widersprach Nils Goldschmidt nicht. Der VWL-Professor an der Universität der Bundeswehr hält allerdings noch eine andere kommunikative Fähigkeit für unerlässlich. "Wirtschaftspolitik ist Gesellschaftspolitik", meint der frühere Mitarbeiter am Freiburger Walter-Eucken-Institut. Eine Ökonomik, die für die Gesellschaft relevant sein wolle, müsse daher "die Sprache der Gesellschaft sprechen". Es dürfe kein Student die Universität verlassen, der nicht gelernt habe, Wirtschaftsthemen allgemeinverständlich zu vermitteln, so Goldschmidt. Ob ein Bachelorstudium den angehenden Ökonomen genug Raum lässt, diese Fertigkeit zu erwerben, wurde nicht erörtert.

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Wo bleibt die Relevanz?

Die deutschen Ökonomen streiten weiter über ihr Fach

von Philip Plickert

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Februar 2010

Im Streit der deutschen Volkswirte sind harte Worte gefallen - bis hin zur wüsten Beschimpfung als "Steinzeitökonom" für jene, die gegen die Verdrängung von Lehrstühlen für Wirtschaftspolitik protestierten. Nun aber scheint der erbitterte "Methodenstreit" in ein höflich-kritisches Gespräch zu münden - obwohl sich die Wortführer der Debatte erstmals nach einem Jahr zu einem direkten Duell an der Goethe-Universität in Frankfurt getroffen haben. In der Sache bleiben die Lager aber hart.

Will man dem Gegner sagen, er forsche im realitätsfernen Elfenbeinturm und scheue die praktischen wirtschaftspolitischen Fragen, so diagnostiziert man ein "Prinzipal-Agenten-Problem": Die Öffentlichkeit ist der Prinzipal (Auftraggeber), die Wissenschaftler sind eigentlich ihre Agenten (Auftragnehmer) - doch sie machen etwas ganz anderes, als die Öffentlichkeit gerne hätte. Auf diese Formel bringt Roland Vaubel, Professor in Mannheim, seine Kritik an der Ökonomenzunft. Sie sei auf Abwege geraten, weil die Anreize verzerrt seien in Richtung formal-logischer Spielereien, die sich in den Wissenschaftsjournalen gut verkaufen ließen, doch zur Lösung konkreter Probleme wenig beitragen. So steht es in dem Aufruf "Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten" von 83 deutschen VWL-Professoren, den Vaubel mit verfasst hat.

Im Hintergrund stand auch die Debatte über eine Neubesetzung von Lehrstühlen an der Universität zu Köln. Dem ersten Aufruf folgte bald ein Gegenaufruf "Baut die deutsche VWL nach internationalen Standards um!", initiiert von den in Amerika tätigen Ökonomen Harald Uhlig und Rüdiger Bachmann, den 188 Professoren und Assistenten unterzeichneten. Die alte Trennung in Lehrstühle für Wirtschaftstheorie und -politik sei überholt. Schnell kam die Warnung vor einem "deutschen Sonderweg" auf.

Die Wogen gingen hoch her - und die Diskussion an der Goethe-Universität, bei der Vaubel und Bachmann erstmals direkt aufeinandertrafen, hätte auch in ein wüstes Streitgespräch ausarten können. Doch beide Seiten waren um verbale Abrüstung bemüht. Vaubel trug mit ruhiger Stimme seine Kritik vor. Bachmann widersprach zwar, zuletzt konnte er aber "gar keinen Dissens in der Zielsetzung" mehr erkennen. Er wolle keineswegs formal-logische Stringenz auf Kosten von Relevanz. Allerdings müsse der Nachwuchs stärker technisch ausgebildet werden.

Der Kölner Ökonom Carl-Christian von Weizsäcker betonte, wie die Globalisierung die VWL verändert habe. "Es gibt eine immer stärkere wissenschaftliche Arbeitsteilung und eine immer stärkere Spezialisierung in der Forschung." Abgesehen von "ganz großen Geistern", könne niemand mehr allgemein über Wirtschaftspolitik forschen. "Und es gibt mehr Lehrstühle als große Geister", fügte Weizsäcker hinzu. Früher habe es an den deutschen Universitäten zu oft provinziellen Protektionismus gegeben, wo die Schüler eines bekannten Professors und nicht die Besten berufen wurden.
"Diese Zeit der Ordinarien-Universität ist doch schon lange vorbei", widersprach Bert Rürup, der frühere Vorsitzende des Sachverständigenrats. "Hätte es diesen ganzen Ökonomenstreit gebraucht?" Die Unterschiede seien doch nur graduell, meinte Rürup. Wie Vaubel sieht er aber auch eine problematische Verzerrung der Anreize für junge Forscher: "Man muss drei Aufsätze in die großen amerikanischen Journale unterbringen, damit man eine Professur bekommt, aber manche Themen, spezifisch deutsche wirtschaftspolitische Fragen, kommen in diesen Journalen nicht vor." Etwa eine detaillierte Untersuchung über das deutsche Gesundheitssystem und die kassenärztlichen Vereinigungen würde dort nie veröffentlicht.

Das stimme wohl, gab Nicola Fuchs-Schündeln zu, die von Harvard nach Frankfurt gewechselt ist. Solche Themen würden nur in deutschen Fachzeitschriften behandelt, und Publikationen dort seien "nicht karriereförderlich". Sie widersprach jedoch dem Eindruck, dass amerikanische Ökonomen bloß stark in der Theorie seien, aber keine praktische Wirtschaftspolitik betrieben. "Sozialwissenschaftler mit Leib und Seele möchten natürlich in die politische Debatte eingreifen", betonte sie. Notwendig sei dafür auch die Kenntnis der konkreten Institutionen. Der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hatte einen Mangel an Institutionenwissen beklagt. Mehr den gesellschaftlichen Kontext zu beachten, forderte Nils Goldschmidt, der an der Universität der Bundeswehr in München lehrt und als junger Vertreter der Ordnungsökonomik gilt. Die VWL solle die Ökonomie nicht isoliert betrachten. "Unsere Frage sollte doch sein: Wie kann die Wirtschaftsordnung gestaltet sein, dass sie ihren Mitgliedern ein gutes Leben ermöglicht." Er wünsche sich dazu mehr Wettbewerb der Forschungsmethoden.

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Immerhin sehr, sehr schlimm

Das war die Wirtschaftskrise: Eine Podiumsdiskussion

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. März 2010

"Man muss den Kapitalismus abschaffen!", ruft ein Mann im Publikum. Ein anderer: "Ackermann hat die Hypo Real Estate wie eine Marionette ausgenutzt!" "Der Euro ist schuld", weiß ein Dritter. Die Zuhörer der Podiumsdiskussion im Frankfurter Kunstverein sind aufgebracht, Moderator Peter Siller freut sich über die lebhafte Beteiligung.

Siller ist Geschäftsführer des Exzellenzclusters "Normative Ordnungen" an der Goethe-Universität. Der Forschungsverbund, der sich mit der Entstehung von Normen befasst, hat die Diskussion an diesem Donnerstagabend organisiert. Das erste von vier "Stadtgesprächen" befasst sich mit der Wirtschaftskrise und den Schlussfolgerungen, die daraus zu ziehen sind. Neben Siller auf dem Podium sitzen der Grünen-Bundestagsabgeordnete und frühere Stadtkämmerer Tom Koenigs sowie Reinhard Schmidt, Professor für Internationales Banken- und Finanzwesen an der Goethe-Universität.

Siller will wissen, ob die Krise denn nicht viel weniger dramatisch ausgefallen sei, als alle gemeint hätten. Schmidt hebt die Augenbrauen. Früher sei ein Wachstumsrückgang von 0,3 Prozent Spitzenthema in den "Tagesthemen" gewesen. Die Krise habe einen Absturz um ganze fünf Prozent gebracht. Es sei vielleicht nicht "sehr, sehr, sehr schlimm" gekommen. Aber doch immerhin "sehr, sehr schlimm". Dann geht es um die Buchstabenfrage. Beschreibt die Konjunkturkurve ein V - tiefer Einbruch, schneller Aufstieg -, ein W, bei dem ein zweiter Absturz bevorsteht, oder gar ein L, bei dem die Wirtschaft im Keller bleibt? Schmidt antwortet diplomatisch und hoffnungsvoll: Es werde wohl ein U. Eine langsame, aber stetige Erholung.

Den Politiker Koenigs interessiert anderes: Wer waren die Verantwortlichen, wie lässt sich eine Wiederholung verhindern, wer muss für alles aufkommen? Am schlimmsten ist für Koenigs, dass sich die soziale Schere durch die Krise weiter geöffnet habe, national wie global. Man habe die "Golden Hour", die Gelegenheit zu einem Lastenausgleich in Deutschland und der Welt, nicht zu nutzen verstanden. Für eine demokratische Gesellschaft entstünden hier massive Schwierigkeiten.

Der Abgeordnete erinnert daran, dass die Finanzkrise nur eines von drei Problemen sei, die die gesamte Menschheit beträfen: Klimawandel und Hunger kämen noch dazu. Koenigs runzelt oft die Stirn, zeigt sich besorgt, betroffen, aber auch streitbar. Das Publikum klatscht.

Bevor die Diskussion für Beiträge aus dem Publikum geöffnet wird und die lauten Zwischenrufe das Niveau deutlich nach unten ziehen, geht es noch um Derivate, um Subprime-Darlehen, um Aufsicht, Transparenz, Binnen- und Außenschulden, um teilweise sehr komplexe Finanzfragen. Schmidt manövriert mit größter Selbstverständlichkeit und, für den Laien, sehr nüchtern und unpolitisch durch dieses Terrain. Siller und Koenigs lauschen ebenso gespannt wie das Publikum. Viele Fragen bleiben nach der zweistündigen Sitzung offen, der Beifall am Ende aber zeugt davon, dass nicht nur Moderator Siller den Abend gelungen fand.

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Das fehlende Dritte

Nancy Fraser zu Gast bei den Frankfurter "Normative Orders"

von Eva-Maria Magel

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. April 2010

Es klingt wie das Wort zur Zeit: "The crises of capitalism", "Die Krisen des Kapitalismus", hat Nancy Fraser ihre zweiteilige Vorlesung betitelt, die sie gestern in Frankfurt vor vollem Haus begonnen hat.

Mit Fraser hat sich der Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" an der Goethe-Universität für seine jüngsten, auch dem breiten Publikum geöffneten "Frankfurt Lectures" geradezu einen Stargast ausgesucht. Fraser gilt als eine der renommiertesten Politikwissenschaftlerinnen und Vordenkerin des amerikanischen Feminismus. Gerechtigkeit, aufgefächert in Verteilung, Anerkennung und Repräsentation, ist der Forschungs- und Debattenschwerpunkt der vielreisenden Wissenschaftlerin, die zahlreiche Verbindungen zur Frankfurter Forschung hat: Als eine Art "Treffen der Theoriefamilie" bezeichnete Clustersprecher Rainer Forst gestern den Besuch der "Vordenkerin", mit der sich die Frankfurter Forscher in der kritischen Theorie verbunden sehen. Schon vor einigen Jahren war sie Gastprofessorin an der Universität; mit Axel Honneth, dem Direktor des Instituts für Sozialforschung, hat sie 2003 den Band "Umverteilung oder Anerkennung?" verfasst.

Frasers Forschung blickt wie jene des Exzellenzclusters auf Wandel und Herausforderungen normativer Ordnungen. "Scales of justice" heißt ihr jüngstes, 2009 publiziertes Werk. Seit 1995 lehrt Fraser, Jahrgang 1947, an der New School for Social Research in New York, und hat die Leitung des Fachbereichs Politikwissenschaften inne, einer Institution, die eng verbunden ist mit der Migrationsgeschichte deutscher Wissenschaftler: War doch die politikwissenschaftliche und soziologische Graduiertenschule der New School aus der "University in Exile" hervorgegangen, die in der New School für während des Nationalsozialismus emigrierte Wissenschaftler Forschungs- und Lehrort wurde.

Emigriert ist 1933 auch der österreichische Wirtschafts- und Politikwissenschaftler Polanyi. Fraser nun bezieht sich auf dessen 1944 in den Vereinigten Staaten erschienenes Hauptwerk "The Great Transformation" und plädiert für eine Analyse und ein Weiterdenken im Sinne der kritischen Theorie, die sich in den vergangenen Jahren weit von der sozialen Theorie entfernt habe. Polanyi hatte in seinem Hauptwerk, quasi als Vorschlag einer Nachkriegswirtschaftsordnung, den Wandel der westlichen Gesellschaften im Zuge der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert als eine Entwicklung hin zu strikt marktorientierten Nationalstaaten beschrieben. Den Auswirkungen des Kapitalismus sah Polanyi soziale Sicherungssysteme, die der Staat tragen müsse, entgegengesetzt. Ein eingebetteter, quasi domestizierter Markt könnte entstehen, so Polanyis polares Denkmodell.

Diese "Doppelbewegung" aber ist laut Fraser zu wenig. Oder vielmehr: Eine so gedachte Art sozialer Absicherung ist in Frasers Theorie auch eine Art von Unterdrückung, die auf einem "romantisierten" Gesellschaftsbild beruhe. Sie plädiert deshalb für eine dritte Achse, die praktisch quer zu der Spannung von Markt und sozialen Schutzsystemen steht: "Emanzipation" nennt sie sie, verstanden als ein Kampf um Gerechtigkeit. Von einem ökonomistischen Ansatz gelangt sie so zu einem eher offenen Begriff für soziale Prozesse, der im weitesten Sinne kulturelle oder geschlechterbasierte Ansätze integrieren kann. Wie dieses neue, auf drei Dimensionen erweiterte Denkmodell in der praktischen Analyse funktioniert, will sie heute zeigen: Um "Ambivalences of Emancipation" wird es im zweiten Teil der "Frankfurt Lectures" gehen.

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Über die Fortschrittsfähigkeit unserer Gesellschaft

Das philosophische Radio mit Axel Honneth

6. August 2010, WDR5

Neues Haus für normative Ordnungen

Spatenstich für den Neubau des Exzellenzclusters HNO

Von Bernd Frye

UniReport, 5. Juli 2010

Für rund 10,3 Millionen Euro entsteht auf dem Campus Westend der Goethe-Universität der Forschungsbau für den Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ (HNO). Die Baukosten werden je zur Hälfte vom Bund und vom Land getragen. Mit der Fertigstellung des sechsgeschossigen Gebäudes, das nach Plänen der Berliner Architektin Gesine Weinmiller errichtet wird und an der Campus-Hauptzufahrt Ecke Hansaallee/ Lübecker Straße liegt, wird für Ende 2011 gerechnet. Bereits im Oktober 2008 hatte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) des Bundes und der Länder das Projekt in ihre Förderung aufgenommen. 52 Anträge waren gestellt worden. Unter den 17 bewilligten Neubauprojekten belegte es den dritten Rang. Bei dem symbolischen Spatenstich am 17. Mai betonten die Redner von Stadt, Land und Universität die Bedeutung des neuen Hauses als Ort des interdisziplinären Austausches mit überregionaler Ausstrahlung.

„Dieser Neubau hat eine besondere Bedeutung für die geisteswissenschaftlichen Fächer der Goethe-Universität. Der vom Bund geförderte Forschungsbau zeigt, dass die hessischen Hochschulen in wichtigen Forschungsgebieten der Zukunft mit an der Spitze stehen“, sagte Gerd Krämer (CDU), Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer trügen zur Weiterentwicklung der Gesellschaft ebenso bei wie die Natur- und Technikwissenschaften, so Krämer weiter. Peter Rost, Bevollmächtigter für die Standortneuordnung und -entwicklung der Universität, hob hervor, dass die „Messlatte“ zur Bewilligung von Forschungsbauten sehr hoch sei. Auch deshalb könne man dem Cluster zu seinem Erfolg gratulieren.

Prof. Rainer Forst, einer der beiden Cluster-Sprecher, erinnerte daran, dass das Frankfurter Projekt das einzige geisteswissenschaftliche Bauvorhaben war, das damals bewilligt wurde. Forst bedankte sich unter anderem beim Universitätspräsidium für die vielfältige Unterstützung: „Es ist in der heutigen Universitätslandschaft nicht immer so, dass die Sozial- und Geisteswissenschaften hoch im Kurs stehen, manchmal wirken sie eher wie Mauerblümchen. Aber in Frankfurt ist das anders. Hier weiß die Universität – wie auch die Stadt –, wie wichtig diese Wissenschaften für die reflexive Kraft einer Gesellschaft sind.“ Der Frankfurter Kulturdezernent Prof. Felix Semmelroth plädierte für einen weiteren Ausbau der Kooperation von Stadt und Universität. Thomas Platte, Direktor des hessischen Baumanagements, das das Land Hessen als Bauherrn vertritt, erläuterte einige Merkmale und Charakteristika des Gebäudes.

Der Neubau sieht Orte des Rückzugs wie auch der Kommunikation vor. „Für beides braucht man eine geeignete Umgebung, die zugleich das einsame Studium für sich selbst und den Austausch mit anderen ermöglicht“, sagte Prof. Klaus Günther, Co-Sprecher des Clusters, bei dem Wissenschaftler verschiedener Disziplinen kooperieren – von der Philosophie, den Geschichtswissenschaften, der Politik- und Rechtswissenschaft über die Ethnologie und die Ökonomie bis zur Theologie. Ziel ist es, die gegenwärtigen Konflikte um die Herausbildung einer neuen Weltordnung zu erforschen. Sie speisen sich zu einem großen Teil aus dem „Verlangen der Menschen nach Gerechtigkeit“ (Klaus Günther). Auch diese geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung lasse sich – so Günther – nicht planen. „Aber es sind auch die günstigen räumlichen Verhältnisse, die zusammen mit den dort wirkenden exzellenten Wissenschaftlern Innovationen wahrscheinlicher machen.“

Erdbürger können sich nicht aus dem Weg gehen

Der Darmstädter Philosophieprofessor Peter Niesen und sein britischer Kollege David Owen arbeiten im Tandem am Forschungskolleg Humanwissenschaften

von Eva-Maria Magel

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. August 2010

Wäre David Owen noch eine Weile länger geblieben, hätte er gleich selbst ausprobieren können, an welchen Wahlen er teilnehmen darf: an denen zu Hause, in England, mittels Briefwahl? An den hiesigen Kommunalwahlen, als Bürger der Europäischen Union? Erst einmal hat sich Owen, der an der University of Southampton Professor für Politische Philosophie ist, empirisch und historisch mit dem transnationalen Wahlrecht und mit Staatsbürger-Rechten befasst.

Im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg, an dem auch der Frankfurter Exzellenzcluster "Herausbildung normativer Ordnungen" angesiedelt ist, war er von April bis jetzt Gast des Cluster-Mitglieds Peter Niesen. Der hat, praktisch im Büro nebenan, unterdessen Mitspracherechte und transnationale Kommunikation untersucht. Niesen ist Professor für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt und "Principal Investigator" am Exzellenzverbund. Damit hat er auch die Möglichkeit, einen Gast einzuladen, mit dem er intensiven Austausch pflegen und gemeinsam forschen möchte.

Das wollten beide schon seit langem: Das erste Mal war David Owen vor 15 Jahren an der Frankfurter Universität, wo Niesen damals lehrte. Seither sind sie befreundet, vor zehn Jahren haben sie mit einem Gastprofessoren-Stipendium den AfE-Turm gegen das Büro in Southampton getauscht.

Nun arbeiten sie zum ersten Mal zusammen an einem Buchprojekt. Aus den empirischen Studien sollen Kapitel zu Staatsbürgertum und Kommunikation werden, das Zentrum aber liegt in der Theorie: "Politische Theoretiker schauten die meiste Zeit auf den Staat, sie fragten nach der Legitimität, dem gerechten Staat. Aber sie sind nie über die Staatsgrenzen hinausgegangen. Dann, plötzlich, im Kontext der Globalisierung, haben alle über globale Gerechtigkeit und globale Demokratie geredet", sagt Owen.

Er und Niesen seien der Überzeugung, dass dabei einige grundlegende empirisch nachweisbare Entwicklungen aus dem Blick geraten seien: "Eine Art Transnationalisierung des Staats", so Owen. "Zum Beispiel hat sich das Konzept von Staatsangehörigkeit im Lauf der vergangenen 30 Jahre ganz stark verändert. Es gibt etwa 110 Länder, die eine Mehrfachnationalität ermöglichen, etwa 50 Länder geben ansässigen ausländischen Mitbürgern die eine oder andere Form von Wahlrecht. Das ist ein deutlicher Wandel im Charakter der Mitgliedschaft an einem Staat", sagt Owen. Auch Meinungsund Redefreiheit seien bisher nur für den Nationalstaat untersucht worden. "Warum etwa sollte ich ein Recht haben, mich in chinesische politische Debatten einzumischen? Dazu gibt es bislang keine Arbeit." Da setzen die Überlegungen der beiden Forscher an, wobei Niesen, in der Kant-Tradition, auf die politische Philosophie der Aufklärung zurückgreift und den auf Nietzsche spezialisierten Freund auch gerne mal mit seiner Präferenz foppt. "Wenn man unserem gemeinsamen Projekt einen Namen geben wollte, dann könnte man das ,Weltbürgertum in einem Lande' nennen. Wir interessieren uns dafür, wie die nationalstaatliche Bürgerschaft und die Mitwirkung in den politischen Prozessen für Fremde geöffnet werden", erklärt Niesen. Dies scheine ihnen ein "notwendiger Zwischenschritt zu sein zwischen der politischen Theorie für den Nationalstaat und jener für den Globus".

Mit dieser Lücke haben die beiden sich nun am Forschungskolleg befasst - unter besten Bedingungen, wie Owen beteuert: Zwei Seminare in der Woche hat er an der Goethe-Universität als Vertreter von Christoph Menke geleitet, den Rest der Zeit verbrachte er in Bad Homburg, wohin er seine Frau, die in der Verlagsbranche tätig ist, und die beiden Kinder mitbrachte - das Kolleg hatte den Aufenthalt organisiert, bis hin zu den Plätzen in einer internationalen Schule.

Auch schon eine Art "kosmopolitische Öffnung von einzelstaatlichen Gemeinwesen" vielleicht, aber den beiden politischen Philosophen geht es vor allem um die normativen Grundlagen - die erforschen sie innerhalb des Exzellenzclusters. Die Frage lautet, ob es generelle, universal gültige Argumente dafür geben kann, dass Personen etwa ein Recht auf doppelte Staatsbürgerschaft oder grenzüberschreitende Kommunikation haben. Für die könnte man, am Beispiel der Flutkatastrophe in Pakistan, humanitäre Gründe ins Feld führen.

Eine "verschüttete normative Grundlage", so Niesen, auf die sich beide vor allem wieder beziehen, ist auch ein Gedanke aus dem 18. Jahrhundert - obgleich er so zeitgenössisch anmutet: die Idee der "Erdbürgerschaft". "Das gemeinsame Eigentum an der Erde ist ein sehr altes Konzept, es wird von unseren Kollegen oft nicht so ernst genommen", meint Niesen. ",Weltbürgerschaft' als Mitgliedschaft in einem kosmopolitischen politischen Gemeinwesen ist uns nicht so wichtig. Aber ,Erdbürgerschaft' im Sinne dessen, dass wir alle abhängig von begrenzten natürlichen Ressourcen sind und alle dauernd gegenseitig aufeinander einwirken, ist uns besonders wichtig in unserer Argumentation."

Die Feststellung, dass die Menschen sich eine Erde teilen und sich nicht aus dem Weg gehen können, klingt in der Tat nach einer "vielversprechenden normativen Grundlage". Dass man sich auf der Erde auch willentlich begegnen kann, hat den beiden philosophischen Freunden einen fruchtbaren Forschungssommer beschert.

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Richtfest für Uni-Forschungsbau

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Februar 2011

Der Forschungsbau des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" auf dem Campus Westend soll im Frühjahr 2012 eröffnet werden. Das teilte der Direktor des Hessischen Baumanagements, Thomas Platte, gestern beim Richtfest mit. Das Gebäude an der Ecke von Lübecker Straße und Hansaallee grenzt den Campus an der Nordostseite ab und markiert einen der künftigen Haupteingänge des Geländes. In dem sechsgeschossigen Haus werden 145 Wissenschaftler arbeiten.
Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sagte, mit den Neubau würden die Voraussetzungen geschaffen, unterschiedliche geisteswissenschaftliche Disziplinen räumlich zusammenzuführen. Der Präsident der Universität, Werner Müller-Esterl, lobte den Exzellenzcluster als "Zierde" für Hessen. In dem Forschungsverbund, der mit Geld aus der Exzellenzinitiative gefördert wird, untersuchen Geisteswissenschaftler, wie gesellschaftliche Normen entstehen. Die Baukosten von rund 10,14 Millionen Euro teilen sich Bund, Land und Universität.
krha.

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Harvard-Frau für Schäuble

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. August 2011

Finanzminister Wolfgang Schäuble bekommt Beratung auf Harvard-Niveau: Seit Anfang August arbeitet die Frankfurter Wirtschaftsforscherin Nicola Fuchs-Schündeln im wissenschaftlichen Beirat seines Ministeriums. Die 38-Jährige hat eine Karriere hinter sich, von der andere nur träumen können: Ökonomie-Doktor aus Yale, dann fünf Jahre in Harvard - bevor sie vor zwei Jahren an die Universität Frankfurt wechselte, gegen den erklärten Willen ihrer Kollegen in Harvard.
In Frankfurt arbeitet sie jetzt weiter und erforscht dort zum Beispiel, ob die Steuern schuld daran sind, dass verheiratete Frauen nicht arbeiten. Die Prognose: wahrscheinlich schon. Das könnte am Ehegattensplitting liegen. Wenn die Frau aufgehört hat zu arbeiten und später wieder einsteigt, bekommt die Familie von diesem Gehalt netto wenig - denn auf das zusätzliche Einkommen zahlen die Eheleute gemeinsam relativ viel Steuern. Anders wäre es, wenn die Frau ihr Einkommen selbst versteuern würde. Dann würde vor allem der Mann mehr Steuern zahlen, für die Frau lohnte sich das Arbeiten mehr.
bern.

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Engagement statt Protest. Joachim Gauck zu Gast beim "Stadtgespräch"

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Februar 2012

Einmal musste das Thema dann doch kurz aufkommen: "Ich hätte mir Sie als Bundespräsidenten gewünscht, Herr Gauck", sagte eine Frau im Publikum zum Schluss des achten "Frankfurter Stadtgesprächs", dessen Leitfrage war, ob die Demokratie in der Krise stecke.

Der Bürgerrechtler und ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde ließ dieses Lob unkommentiert, während er zu vielen anderen Themen im Gespräch mit dem Rechtswissenschaftler Klaus Günther und auch mit dem Publikum im Frankfurter Kunstverein kämpferisch Stellung bezog.

Er halte es für einigermaßen verwegen, sagte Gauck, angesichts der gegenwärtigen deutschen und europäischen Verhältnisse von Anzeichen einer "Postdemokratie" zu sprechen, wie Günther es mit Bezug auf die Occupy-Bewegung und andere nationale und internationale Protestphänomene angedeutet hatte. "Die Verfasstheit unserer Demokratie ist selten besser gewesen, als sie es jetzt ist", hielt Gauck dem entgegen und betonte, dass fünf Sechstel der Menschheit sich nach Verhältnissen wie den hiesigen sehnten.

Gauck nannte es ein "altlinkes Mantra", dass der Kapitalismus zu einer Entfremdung der Gesellschaft führe. Die Entfremdung in den sogenannten sozialistischen Staaten vor 1989 sei viel größer gewesen, wie auch er selbst in der DDR erfahren habe. Zudem plädierte er dafür, stärker zwischen amerikanischen und deutschen Kapitalismusformen zu trennen - immerhin sei Deutschland ein Sozialstaat.

Dass die Occupy-Aktivisten ausgerechnet vor der Europäischen Zentralbank ihr Lager aufgeschlagen hätten, nannte Gauck absurd. Überdies sei ihr Protest wohl eher künstlerisch als politisch geprägt; er erinnere an die Romantik. Günther dagegen war der Meinung, gerade das Zelten der Occupy-Bewegung habe eine politische Bedeutung, weil es symbolisch auf diejenigen aufmerksam mache, die in der Finanzkrise ihr Haus verloren hätten.

Einig waren sich die beiden Diskutanten auf der Veranstaltung des universitären Exzellenzverbundes "Die Herausbildung normativer Ordnungen", dessen Co-Sprecher Günther ist, über die Gefahr, dass es in Deutschland immer mehr passive Konsumenten und teilnahmslose Beobachter gebe. Es bedürfe aber des "Citoyens", der nicht zu faul sei, seine Rolle auszuüben, so Gauck. Dafür sei Engagement viel wichtiger als Protest. wiel.

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Ausgezeichnet. Der Philosoph und Politikwissenschaftler Rainer Forst erhält den Leibniz-Preis

UniReport, 9. Februar 2012, S. 1-2

Die Nachricht wurde bereits im Dezember bekannt: Der Frankfurter Philosoph und Politikwissenschaftler Prof. Rainer Forst erhält den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2012 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und damit den höchstdotierten deutschen Förderpreis. Die Auszeichnung für den renommierten Denker macht auch die Goethe-Universität stolz. Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl gratulierte dem Forscher, der zusammen mit neun Wissenschaftlern ausgewählt wurde. Müller-Esterl bezeichnete den Preis als „hocherfreuliche Auszeichnung für einen Wissenschaftler, der die Profilbildung der Geistes- und Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität in den vergangenen Jahren entscheidend vorangebracht hat. Forst gehört zu den wichtigsten politischen Philosophen Deutschlands und hat sich durch seine Arbeiten ein herausragendes internationales Renommee erworben.“

Forst hat seit 2004 die Professur für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität inne und ist darüber hinaus einer der beiden Sprecher des Frankfurter Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, dessen Programm er maßgeblich mitentwickelt hat. Zudem ist er stellvertretender Sprecher der Kollegforschergruppe „Justitia Amplificata“ und Mitglied des Direktoriums des Forschungskollegs Humanwissenschaften in Bad Homburg. Zugleich leitet er den von ihm aufgebauten und in seiner Art einzigartigen internationalen Master-Studiengang „Politische Theorie“. Obwohl die Einflüsse auf sein Denken mannigfaltig sind, ist Forsts Name mit Frankfurt nicht nur als Ort seines Wirkens, sondern auch durch die sozialphilosophische Denkrichtung der „Kritischen Theorie“ verbunden, die ihn geprägt hat. Forst gilt international als einer der einflussreichsten jüngeren Vertreter dieses Theorieansatzes, der neue Impulse aufgenommen und neue Wege eingeschlagen hat.

„Wer heute nach den wegweisenden Ansätzen zu Themen wie Gerechtigkeit, Toleranz, Freiheit oder Demokratie fragt, wird auf die Arbeiten Forsts verwiesen“, ergänzt Müller-Esterl. Forst hat eine philosophische Position entwickelt, die mit dem Titel seines 2007 erschienenen Buches „Das Recht auf Rechtfertigung“ auf den Begriff gebracht wird. Er geht davon aus, dass Menschen in verschiedene „Rechtfertigungspraktiken“ eingebunden sind, das heißt, dass Handlungsnormen nach eigenen Logiken in der Moral, dem Recht und anderen Sphären zu rechtfertigen sind und dass die praktische Vernunft das Vermögen ist, diese Logiken zu erkennen und zu beachten. Forst entwickelt – mit Bezug auf Kant sowie Habermas und Rawls – eine differenzierte Theorie der Normativität, der Moral und insbesondere der politischen Gerechtigkeit.

Sein wissenschaftlicher Werdegang ist durch Personen und Orte diesseits und jenseits des Atlantiks geprägt. Forst promovierte 1993 bei Jürgen Habermas, der ihn zum Mitglied der berühmten Arbeitsgruppe „Rechtstheorie“  machte, die Habermas seinerzeit mit Hilfe des ihm verliehenen Leibniz-Preises ins Leben gerufen hatte. Zugleich verbrachte Forst einen längeren Forschungsaufenthalt in Harvard beiJohn Rawls. Und schon während seiner Assistentenzeit (bei Axel Honneth) am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin sowie in Frankfurt war er zweimal Gastprofessor in den USA. Nachdem er sich als Heisenberg-Stipendiat entschieden hatte, mehreren Angeboten, unter anderem aus den USA, nicht zu folgen, sondern den Frankfurter Ruf auf die Professur für Politische Theorie mit vollberechtigter Mitgliedschaft im Fachbereich Philosophie anzunehmen, erreichte ihn auch schon die Einladung auf die renommierte Theodor-Heuss-Professur an der New School for Social Research in New York. Weitere Auszeichnungen und Rufe sollten folgen, so 2007 auf einen Lehrstuhl an der University of Chicago. Forstentschied sich jedoch, zugunsten der Arbeit im Cluster in Frankfurt zu bleiben. Auch einem Angebot einer Gastprofessur für Philosophie an der Harvard University, das als allerhöchsteAuszeichnung gilt, ist er bisher nicht gefolgt.

Vier Bücher, die alle bei Suhrkamp erschienen sind, hat Forst bisher veröffentlicht, und sie sind sämtlich ins Englische sowiein zahlreiche andere Sprachen übersetzt worden: Seine Dissertation mit dem Titel „Kontext der“ (1994) gilt als die umfassendste, klarste und eigenständigste Analyse der Debatte zwischen liberalen und kommunitaristischen Ansätzen in der politischen Philosophie. Seine Habilitationsschrift „Toleranz im Konflikt“ (2003) wird allgemein als ein Meilenstein der Forschung angesehen; auf 800 Seiten gelingt es ihm, die Geschichte dieses Begriffs nicht nur umfassend zu rekonstruieren, sondern zu interpretieren und auf dieser Basis eine für unsere Gesellschaften tragfähige Konzeption der Toleranz zu entwickeln. „Das Recht auf Rechtfertigung“ (2007) entwickelt ebenso wie „Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse“ (2011) seinen Ansatz systematisch weiter.

Sein Werk ist der Gegenstand internationaler Konferenzen. In diesem Jahr erscheinen zwei Bände, in denen sich renommierte Kollegen seinen jüngeren Arbeiten widmen. Als erster deutscher Wissenschaftler ist er verantwortlicher Mitherausgeber der führenden internationalen Zeitschriften auf den Gebieten der praktischen Philosophie („Ethics“) und der politischen Theorie (unter anderem „Political Theory“). Forst gehört zudem zu den wenigen Wissenschaftlern, deren Publikationen regelmäßig in den großen Publikumszeitungen besprochen werden. Im „Spiegel“ wurde er 2008 als interessantester Intellektueller seiner Generation bezeichnet.

Mit Rainer Forst wird bereits der 13. Wissenschaftler der Goethe-Universität ausgezeichnet: 1986 erhielten der Philosoph Jürgen Habermas und der spätere Nobelpreisträger und Biochemiker Hartmut Michel den Preis. Es folgten der Historiker Lothar Gall (1988), der Physiker Reinhard Stock (1989), der Rechtshistoriker Michael Stolleis (1991), der Mathematiker Claus-Peter Schnorr (1993), der Physiker Theo Geisel (1994), der Chemiker Christian Griesinger (1998), der Paläontologe Volker Mosbrugger (1999), die Biologin Stefanie Dimmeler (2005), der Historiker Bernhard Jussen (2007) und der Wirtschaftswissenschaftler Roman Inderst (2010).

Zusammen mit dem hohen Renommee trägt der Leibniz-Preis seinen Trägerinnen und Trägern auch ein bedeutendes Preisgeld ein. Vor allem aber steht der Leibniz-Preis für eine Flexibilität, die nicht nur in der Wissenschaft für die Verwendung öffentlicher Gelder einmalig ist: Alle Ausgezeichneten können ihre Fördersumme innerhalb eines Zeitraums von bis zu sieben Jahren nach eigenen Vorstellungen und ohne Antrag für ihre wissenschaftlichen Arbeiten einsetzen. Ziel des Leibniz-Programms, das 1985 eingerichtet wurde, ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern. Die Entscheidung über die Preisträger trifft der Hauptausschuss aufgrund einer Empfehlung des Nominierungsausschusses für das Leibniz-Programm.

Den vielen Gratulationen schloss sich auch Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann an. Im sozialen Netzwerk „Facebook“ bescherte die Auszeichnung Forsts der Goethe-Universität die höchste Resonanz seit Bestehen der Universitäts-Fanseite mit mehr als 10.000 Fans. 55 User drückten den „Gefällt-mir-Button“, einige übermittelten ihre digitalen Glückwünsche. Die Preisverleihung findet am 27. Februar in Berlin statt. UR

Meilenstein der Ausstellungsgeschichte

„Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“ trifft auf positive Resonanz

UniReport, 5. April 2012, S. 16

Die „Demonstrationen“ waren erfolgreich. Der Spiegel berichtete ebenso wie die ZEIT, die FAZ und viele andere. Von einer „eindrucksvollen Ausstellung“, die „wach macht“, war die Rede. Und auch beim Publikum kam die Ausstellung „Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“ an, die zu den bestbesuchten des Frankfurter Kunstvereins in den vergangenen zehn Jahren gehört. Der mitveranstaltende Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität freut sich zudem über viele Veranstaltungen und gelungene Dialoge mit der interessierten Öffentlichkeit – auch unter vier Augen wie beim „Amt für Umbruchsbewältigung“, einem, laut Kritikermeinung, „Höhepunkt“ des gesamten Projekts, das vom 20. Januar bis 25. März stattfand.
Die eigentliche Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins war, wie es ebenfalls im Medienecho hieß, „der Zentralknoten eines Netzwerkes von Diskussionsveranstaltungen und Performances“. Gelobt wurde die gelungene Verbindung von historischen Werken und zeitgenössischen Arbeiten. Die Schau nutze „Zeitsprünge, um ein Gefühl für die Gesamtheit des Themas zu vermitteln“. Zur Ausstellung gehörten Beispiele für Protestbewegungen in der Epoche des Vormärz und Darstellungen der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Diese Exponate wurden mit aktuellen Positionen in Beziehung gesetzt. Zu den rund 40 Künstlern, die mit Arbeiten oder Aktionen vertreten waren, zählte auch der Ägypter Aalam Wassef, ein von der Kritik hervorgehobener „bewundernswürdiger Künstler“, der als Blogger gegen das Regime agitierte und als Künstler für seine gleichermaßen dokumentarisch wie subjektiv wirkenden Videoarbeiten höchste Anerkennung findet.
„Für den Frankfurter Kunstverein zählt ‚Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen‘ zu einem Meilenstein in der jüngeren Ausstellungsgeschichte“, freut sich Holger Kube Ventura, Direktor des Kunstvereins. „Erstmals haben wir gemeinsam mit einem Forschungsverbund ein Kooperationsprojekt realisiert, das in Form, Inhalt und Resultat als einmalig gelten kann.“ Die Ausstellung sei auch für den Cluster und die gesamte Universität ein großer Erfolg – und das „sowohl mit Blick auf den Wissenstransfer als auch den wissenschaftlichen Ertrag einer Synergie zwischen ästhetischen und normativen Fragen“, resümiert Peter, Scientific Manager des geistes- und  sozialwissenschaftlichen Forschungsprojektes. Der Cluster hat im wissenschaftlichen Rahmenprogramm zahlreiche Vorträge und Podiumsdiskussionen angeboten. Themen waren unter anderem das „Protestjahr“ 2011 und die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Demokratie. Zu den Teilnehmern zählte auch Joachim Gauck, jetzt Bundespräsident. Und nicht zu vergessen: „Mit dem ‚Amt für Umbruchsbewältigung‘ haben wir ein innovatives Format geschaffen, das das Wissen der Universität in die Mitte der Stadt trägt und sehr gut angenommen wurde“, so Peter Siller.
Beim „Amt“ standen rund 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Clusters an einem Wochenende für jeweils zwanzigminütige Einzelgespräche zur Verfügung. „Wir haben uns gefreut, dass das Presse- und Informationsamt Teil dieser außergewöhnlichen Aktion war“, sagt der Hausherr Nikolaus Münster. „Mit dem ‚Amt für Umbruchsbewältigung‘ haben Stadt, Universität und Kunstverein gemeinsam positiv in die Stadtgesellschaft hineingewirkt. Die Aktion hat aber auch die Phantasie angeregt, über weitere Kooperationen nachzudenken.“
Was heißt Gerechtigkeit? Welche Rolle spielt Anerkennung im Arbeitsleben? – Über solche oder ähnliche Themen konnte jeder Interessierte mit einem Clusterexperten
sprechen – auch mit Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Philosoph und Vizepräsident der Goethe-Universität: „Der Cluster und auch die gesamte Universität öffnen sich ganz bewusst und kontinuierlich der allgemeinen Öffentlichkeit. Doch solch ein unmittelbarer Dialog ist schon außergewöhnlich“, sagt Lutz-Bachmann, der die Beratungen auch für sich selbst als gewinnbringend und als „produktive Herausforderung“ empfunden hat. Bernd Frye

Informationen:
www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ausstellungsprojekt

Ägypten-Expertin Weipert-Fenner

Das Imageproblem des Oberstenrates

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Januar 2012

Ägypten hat im letzten Jahr einen tiefgreifenden Wandel erfahren, lang etablierte Wertesysteme befinden sich im Übergang. Wie lässt sich diese Revolution in die politische Tradition des Landes einordnen?

Zunächst sollte man festhalten, dass sie nicht einfach vom Himmel gefallen ist. In Ägypten hat sich im letzten Jahrzehnt ein neuer öffentlicher Raum entwickelt. Zu nennen wären hier die politische Oppositionsbewegung Kifaya (deutsch "Genug") sowie die Arbeiterbewegung, die in den letzten Jahren ein öffentliches Forum erarbeitet hat. Durch die erweiterte Öffentlichkeit konnte sich eine Revolution derartigen Ausmaßes erst ereignen. Ebenso haben sich jedoch Herrschaftsmechanismen im autoritären Regime über Jahrzehnte herausgebildet, die auch nach der Revolution noch feststellbar sind.

Sind die ursprünglichen politischen Visionen der Demonstranten zur Farce geworden?

Bei genauerem Hinsehen bestanden "die Demonstranten" aus sehr unterschiedlichen Interessensgemeinschaften, die durchaus Teilerfolge erzielen konnten. Politische Oppositionsbewegungen haben es geschafft, neue Parteien zu gründen, was vor der Revolution fast  unmöglich war. Oder zum Beispiel die Arbeiterbewegung: Ihr gelang es, den staatlich gelenkten Gewerkschaftsdachverband aufzulösen und ein neues Gewerkschaftsgesetz auf den Weg zu bringen. Hier sieht man, dass sich durchaus Fortschritte verzeichnen lassen, vor allem da, wo es um konkrete Forderungen geht. Solche Teilerfolge motivieren. Der Militärrat versucht jedoch ganz massiv, neu gewonnene Rechte sowohl durch Gewalt als auch durch neue repressive Gesetze zu beschränken.

Der religiöse Aspekt wird in der Berichterstattung oft angesprochen, jedoch wenig vertieft. Wie manifestiert sich der Islam momentan in der ägyptischen Herrschaftskultur, und wie sah es vorher aus?

Auf der einen Seite diente seit der Ära as-Sadat in den siebziger Jahren der Islam als ein Element der Herrschaftslegitimierung. Auf der anderen Seite wurde unter Mubarak ganz massiv versucht, dem Westen gegenüber den Islamismus als einzige Alternative zum eigenen Regime darzustellen. So wurden die Muslimbrüder von der autoritären Elite zum Feindbild stilisiert, um die Angst vor einer demokratischen Öffnung zu schüren. Derzeit sehen wir, dass sich das Spektrum islamistischer Akteure stark ausgeweitet hat. Die Muslimbruderschaft hat sich in sich ausdifferenziert und wir haben als neue politische Akteure eine starke salafistische Bewegung und auch  sufische Parteien. Indem die islamistischen Gruppen seit der Revolution massiv auf die politische Bühne gedrängt haben, wurde der Islam allerdings auch noch stärker zu einem Element der politischen Identitätsbildung, Mobilisierung und Abgrenzung von säkularen Akteuren. Diese Identitätsfrage überdeckt im Moment leider noch allzu oft die Debatten um die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme des Landes.

Wie stark ist die politische Kultur in Ägypten von westlicher politischer Kultur durchdrungen?

Ägypten verfügt über eine reiche Geschichte des politischen Liberalismus. So gibt es in Ägypten bereits seit über 150 Jahren ein Parlament, zudem ist das Justizsystem sehr traditionsreich und genießt bis heute in der Bevölkerung hohes Ansehen, womit die Basis für einen Rechtsstaat durchaus vorhanden ist. Das Demokratiepotential hängt meines Erachtens weniger von der Übernahme von Elementen anderer Kulturen ab, sondern ist mehr eine Frage der Machtverhältnisse, die von den neopatrimonialen und klientelistischen Strukturen der Militärdiktatur über Jahrzehnte bestimmt waren und gerade neu ausgehandelt werden.

Wie hat die Revolution die nationale Identität bisher verändert?

Der ägyptische Nationalismus war schon immer stark ausgeprägt. Das nationale Bewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl wurde aber durch die Revolution noch einmal verstärkt. Dieses Gefühl der nationalen Einheit wird jedoch jetzt durch den Militärrat instrumentalisiert, der versucht, es einseitig in Richtung Stabilität und Harmonie auszulegen. Dass Pluralismus auf diese doktrinäre Weise verhindert wird, versteht sich von selbst. Außerdem werden so ganz gezielt wichtige politische Fragen verdrängt, beispielsweise die Notwendigkeit einer neuenWirtschaftspolitik.

Nutzt der Militärrat dieses Gemeinschaftsgefühl also nicht nur als Mittel zum politischen Zweck, sondern auch zu Legitimationszwecken?

Ganz genau. Man sieht es etwa daran, dass diejenigen, die am Tahrir-Platz weiter demonstrieren, als Anstifter zu Chaos und Unruhe dargestellt werden. Man bezichtigt sie, partikulare Forderungen zu vertreten und sich so gegen jene gemeinsame Identität zu stellen, sprich die Revolution zu verraten. Dies gilt für Gruppen, die sich etwa für Frauenrechte einsetzen, oder Arbeiter, die einen nationalen Mindestlohn fordern. In diesem Zuge gedeiht ein Klima des Misstrauens gegenüber Interessensvertretern. Das erfahren gerade auch einige NGO's.

Und wie ist die Wahrnehmung solcher NGO's in der Bevölkerung, außerhalb des Akteursspektrums?

Zunächst ist der geographische Handlungsbereich vieler NGO's auf die großen Städte begrenzt. Im restlichen Land, also bei einem Großteil der Bevölkerung, wird die negative Rhetorik des Militärrates oft aufgegriffen, derzufolge NGO's partikulare Interessen vertreten. Die wirtschaftliche Lage in Ägypten verschlimmert sich gerade noch weiter, und ein Großteil der Menschen ist daher empfänglich für derartige Propaganda. Das liegt auch daran, dass Arbeiterstreiks für die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich gemacht werden. Nach wie vor steigen die Preise für Lebensmittel an, und so gibt es für einen breiten Bevölkerungsteil eine deutliche Motivation, sich gegen weitere Proteste der Arbeiter zu stellen. Für sie zählt jetzt die Grundversorgung und der ganz simple Wunsch nach Stabilität und Normalität. Insofern haben auch zivilgesellschaftliche Akteure wie NGO's momentan einen sehr schweren Stand.

Das heißt, der Militärrat versucht mit seinem harten Vorgehen die NGO's daran zu hindern, als Plattform für Bürgerbegehren zu fungieren?


Genau, denn neben der Delegitimierung der NGOs ist Einschüchterung ein weiteres Mittel, das Erstarken zivilgesellschaftlicher Akteure zu verhindern. Gerade jetzt, da das Militär seit dem letzten November selbst Teil gewaltsamer Konflikte mit Demonstranten geworden ist und ein ernstes Imageproblem bekommen hat, ist es schon sehr auffällig, dass Ende Dezember diese Razzien stattgefunden haben. Das alles zeigt die Hilflosigkeit der Armee. Denn eigentlich ist es ja absurd, dass eine Armee, die mit 1,3 Milliarden US-Dollar von der amerikanischen Regierung unterstützt wird, NGO's mit dem Argument angreift, sie würden sich über das Ausland finanzieren.

Und wie behauptet so eine NGO, beispielsweise die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), ihre Stellung?

Bis jetzt hat sich die Frage eigentlich nie gestellt. Die politischen Stiftungen sind ja nicht dazu da, selbst als politischer Akteur aufzutreten, sondern das Geld in Projektarbeit mit Kooperationspartnern aus Politik und Zivilgesellschaft zu investieren. Diese Arbeit machen sie schon jahrzehntelang und selbst unter dem autoritären Regime Mubarak gab es hier selten Probleme. Mit dem Großteil der Bevölkerung hat die KAS auch wenig direkt zu tun, sondern über Partner-NGO's. Daher hat die Bevölkerung im Grunde keinen Anlass, an der KAS Kritik zu üben. Das geht jetzt vom Militärrat aus, und der wirkt momentan ziemlich orientierungslos, da er auch
von internen Problemen geschüttelt wird. Dann kommen so ungeschickte Züge der Machtdemonstration vor.

Wie verhält es sich mit der Zukunft von Demokratie und Meinungsfreiheit in Ägypten? Hat der Pluralismus noch eine Chance?

Ja. Die Freiheiten, die in der Revolution erobert wurden, können nicht zurückgenommen werden, auch wenn sie nicht auf direktem Weg zu Demokratie und sozialer Gerechtigkeit führen. Der Kampf geht in kleinen Schritten weiter. Ein Problem war, dass es das ganze Jahr über kein Parlament oder eine für die Revolution repräsentative Übergangsregierung gab, die eine Transition hätte lenken können. Die großen Probleme sind nach wie vor nicht gelöst und lassen sich auch nicht auf Dauer mit Gewalt unterdrücken. Das wird der Militärrat ebenso merken wie jene Teile der Bevölkerung, die auf ein schnelles Ende der Demonstrationen und damit verbundenen Unsicherheit drängen. Ich nehme an, dass der Oberste Militärrat sich bald zurückziehen wird und die Geschäfte im politischen Vordergrund anderen überlässt, beispielsweise einem Präsidenten. Ob es damit bereits zu einem vollständigen Regimewandel kommen kann, wird die spannende Frage des
kommenden Jahres sein.
Die Fragen stellte Johanna Roth.

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Toleranz tut weh

Rainer Forst über Gerechtigkeit und Duldsamkeit

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. März 2012

Rainer Forst kann sich schön mokieren über die "Viertelkollegen", die ihre Universalkompetenz regelmäßig im Fernsehen zur Schau stellen. "Es ist ein Fehler zu glauben, wenn man sich mit Philosophie befasst, hat man schon die Lösung für die Finanzkrise." Forst, der Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität lehrt, erliegt diesem Irrtum nicht. Der Habermas-Schüler und Leibniz-Preisträger liefert keine fertigen Baupläne für eine bessere Welt. Aber er beschreibt anschaulich und präzise die Regeln, nach denen eine moderne Gesellschaft funktionieren kann.w
Über Gerechtigkeit und Toleranz hat der 1964 geborene Forscher nun in der Historischen Villa Metzler gesprochen. Die Veranstaltung bildete den Auftakt der neuen Reihe "Wissenschaft im Dialog", die von der Villa Metzler, dem Museum für Angewandte Kunst und dieser Zeitung organisiert wird.
Dass Forst kein Mann der simplen Antworten ist, zeigte schon seine Auslegung des Begriffs "Gerechtigkeit": Sie dürfe nicht auf soziale Gleichheit reduziert werden, machte er im Gespräch mit F.A.Z.-Herausgeber Werner D'Inka und Redakteur Michael Hierholzer deutlich. Ebenso falsch sei es, Gerechtigkeit und Freiheit gegeneinander auszuspielen, wie es jüngst die Kritiker von Bundespräsident Joachim Gauck getan hätten. Ihn lobt Forst, dann doch politisch aktuell, für die "schöne, wohltuend kurze Rede" zu seiner Amtseinführung.
Ein wenig mag in der Begeisterung für Gauck die Sehnsucht nach dem antiken Ideal des "Philosophenkönigs" mitschwingen, "der das Gute geschaut hat" und darum gerecht handelt, wie Forst es ausdrückt. Doch heutzutage stünden nicht mehr "in einem Ideenhimmel Weisheiten geschrieben". Was gerecht sei, müsse eine Gesellschaft "im demokratishen Streit ermitteln" - wobei freilich sichergestellt werden müsse, dass ein gleichberechtigter Diskurs auch möglich sei.
Ähnlich vielfältig wie die Auffassungen von Gerechtigkeit sind nach Forsts Worten die Interpretationen von Toleranz. Die einen verstünden darunter die wohlwollende Annahme von Andersartigem, die anderen Gleichgültigkeit. Beides sei falsch, findet Forst: "Tolerant kann nur der sein, der ein Problem hat mit dem, was andere tun" - und es dennoch bis zu einem gewissen Punkt zulasse. "Man kann zum Beispiel als Katholik meinen, der Islam sei die falsche Religion. Aber man muss deswegen nicht Minarette verbieten."
Forst weiß, was er verlangt, wenn er beispielsweise von einem strenggläubigen Christen erwartet, dass er seine persönlichen Überzeugungen nicht zum Maßstab gesellschaftlichen Handelns erhebe. "Toleranz tut weh, wie viele Tugenden." Es könne aber helfen, wenn der religiöse Mensch die Aussagen im Katechismus als Glaubenswahrheiten sehe, die dem wissenschaftlichen Beweis nicht zugänglich seien - und umgekehrt nicht versuche, die Wissenschaft den Prinzipien des Glaubens zu unterwerfen.
Wahrhafte Toleranz zeigt eine Gesellschaft für Forst dann, wenn sie einer Minderheit, deren Überzeugungen ihr fremd sind, dennoch die Möglichkeit gibt, sich im Rahmen der Gesetze frei zu entfalten. Praktisch ausgedrückt: "Selbst wenn 52 Prozent der Bevölkerung Katholiken sind - die Moschee wird gebaut, wenn der Bauantrag in Ordnung ist."
SASCHA ZOSKE

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Das Jahr 2017 wirft seine Schatten auf die Exzellenz

Endlich wieder einmal forschen dürfen und nicht nur Forschung beantragen: Wie könnte eine Fortsetzung der Exzellenzinitiative denn aussehen?

Von Rainer Forst, Christoph Möllers und Michael Zürn

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. November 2012

Die Diskussion hat schon begonnen: Was soll geschehen, wenn die Exzellenzinitiative 2017 ausläuft? Wie kann das Erreichte gesichert und ausgebaut werden? In welcher Weise kann der Bund die deutsche Forschungs- und Hochschullandschaft angesichts klammer Länderhaushalte und chronischer Unterfinanzierung der Universitäten stärken?

Viele Antworten hierauf spiegeln die spezifischen Interessenlagen wichtiger Spieler im Wissenschaftssystem wider. So fordert der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft die Errichtung einer Max-Planck-Graduiertenuniversität, damit eine deutsche Hochschule unter die Top 10 im Shanghai-Ranking käme. Umgekehrt fordern Universitätspräsidenten gerne die schnelle Eingliederung der außeruniversitären Forschungseinrichtungen in die Universitäten. Wir wollen in diese Diskussion eine weitere Position einbringen, die sich von den gegenwärtig noch vorherrschenden Strategievorschlägen in der deutschen Wissenschaftspolitik unterscheidet.

Unser Vorschlag versucht die Vorteile des Wettbewerbs mit dem zeitlichen Horizont der Wissenschaft in Einklang zu bringen. Wir sind davon überzeugt, dass sich die große Chance bietet, die entstandenen Wissenschaftszentren so auszubauen, dass sie dauerhaft innerhalb der internationalen Wissenschaftslandschaft eine produktive Rolle spielen können. Niemals zuvor ist es in kurzer Zeit gelungen, so viele neue Forschungsthemen aufzugreifen, so viele etablierte und jüngere WissenschaftlerInnen aus dem Ausland an deutsche Universitäten zu holen beziehungsweise sie zum Bleiben zu bewegen. Es besteht kein Grund, diesen Pfad zu verlassen und gänzlich neue Wege zu suchen. Nötig ist aber die Entschleunigung.

In der gegenwärtigen Diskussion herrscht Einigkeit darüber, dass es eine Fortsetzung der Exzellenzinitiative in anderer Gestalt geben sollte. Die Zielvorstellungen unterscheiden sich jedoch noch wesentlich. Unumstritten ist, dass auch der nächste Pakt weiterhin die Leistungsfähigkeit der Forschung in Deutschland stärken muss, aber die Kriterien dafür bleiben zumeist im Dunkeln. Unserer Meinung nach muss eine gute und erfolgversprechende Strategie der Wissenschaftspolitik nach 2017 mindestens vier Kriterien erfüllen.

Erstens Wettbewerb: Ein Post-2017-Programm muss weiterhin wettbewerbliche Elemente beinhalten, um Verkrustungen zu vermeiden und die Zufälligkeiten, die der Exzellenzauswahl auch innewohnten, nicht ein für allemal festzuschreiben. Gleichzeitig sollen neugeschaffene Profilierungen erhalten und den "Leuchttürmen" die Gelegenheit gegeben werden, weiter zu leuchten.

Zweitens Wissenschaftsgerechter Zeithorizont: Nichts behindert den wissenschaftlichen Erfolg mehr als Stop-and-go-Praktiken und die Oktroyierung kurzer Erfolgsfristen. Eine gute Wissenschaftspolitik zeichnet sich dadurch aus, dass sie die wissenschaftsimmanenten Zeithorizonte anerkennt, auch wenn sie der Logik der Politik und ihren Wahlzyklen widerspricht. Wenn es eine Gemeinsamkeit der weltweit besten Universitäten gibt, dann deren Tradition und entsprechende langfristige Entwicklungsstrategien.

Drittens Wissenschaftsgerechte Kriterien: Der politisch induzierte Wettbewerb erzeugte auch negative Effekte, die sich langfristig als problematisch erweisen können. Der Zeitaufwand für die Produktion und Evaluation umfassender Anträge muss wieder sinken. Wenn Wissenschaftler unentwegt Anträge schreiben und evaluieren, bleibt kaum Zeit für wissenschaftliche Neuerungen. Gute Antragsprosa und gute Wissenschaft sind zwei verschiedene Dinge. Es muss in jedem Falle die Überhitzung eines immer stärker auf Drittmitteleinwerbung ausgerichteten Systems verhindert werden.

Viertens Nachhaltigkeit: Die Förderstrategie sollte auch dann finanziell nachhaltig sein, wenn beispielsweise im Jahr 2020 das Schuldenverbot und eine Wirtschaftskrise zusammentreffen.

Die Bundesuniversität und andere Undurchdachtheiten

Viele Einzelvorschläge sind derzeit im Spiel, nicht immer lässt sich eine Gesamtstrategie erkennen. Allerdings kristallisieren sich drei Grundpositionen heraus: die Wiederbelebung der Idee der Bundesuniversität, die Erhöhung der Zuschüsse bei Drittmittelanträgen und die beschleunigte Integration von Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen.

Die Idee der Schaffung von Bundesuniversitäten nach dem Modell der ETH Zürich lebt fort. Dabei sollen bis zu drei besonders leistungsstarke Universitäten - wohl aus der Gruppe der jetzigen Exzellenzuniversitäten - in die Hand des Bundes übergehen. Dadurch würden Landeshaushalte entlastet, und der Bund könnte seine Energien bündeln, um diese Universitäten in die "Champions League" zu führen. Gemessen an unseren Kriterien, erweist sich diese Strategie aber als wenig erfolgversprechend. Vorhersehbar kämen die auszusuchenden Universitäten aus Bundesländern, die ohnehin schon mehr für die Wissenschaft tun als andere. Die Entlastung der Landeshaushalte bliebe damit punktuell. Das Modell würde auch kaum eine wettbewerbliche Komponente erhalten, da der Auswahlprozess vorhersehbar Teil eines politischen Aushandlungsprozesses wäre.

Nötig ist als Folge der Exzellenzinitiative nicht eine Zweiklassengesellschaft dieser Art, sondern eine breiter gestreute reversible Differenzierung durch Wettbewerb. Gleichzeitig würden die meisten der international leistungsfähigen und sichtbaren Einrichtungen, die an 39 deutschen Universitäten im Zuge der Exzellenzinitiative mit großem Mitteleinsatz entstanden sind, nach 2017 zunehmend ausgetrocknet.

Ein zweiter Vorschlag fordert, Ressourcen, die Universitäten zur Deckung von Nebenkosten bei erfolgreichen Drittmittelanträgen zusätzlich erhalten, stark zu erhöhen: von heute zwanzig auf siebzig Prozent. Diese Strategie würde sicherlich den Wettbewerb um Drittmittel verschärfen - dies aber in einem unguten Ausmaße. Universitäten wären endgültig allein durch den Einwerbeerfolg funktionstüchtig. Dann hätten nicht nur die Universitätsleitungen und die Wissenschaftsministerien, sondern auch die Landesfinanzministerien einen zusätzlichen Anreiz, Drittmittel einzuwerben. Solche Gelder kämen nämlich dann kostenfrei (ohne indirekten Landeszuschuss) ins Haus und würden aus Sicht der Finanzministerien den Landeshaushalt nicht mehr belasten, sondern in Form zusätzlicher Einkommensteuereinnahmen zusätzlich entlasten. Der Weg in die Abhängigkeit der Universitäten würde damit beschleunigt. Nebenbei würden bei dieser Strategie auch die vorhandenen erfolgreichen Exzellenzinstitutionen vorhersehbar zu Agenturen der Drittmitteleinwerbung umgestaltet.

Ein dritter Vorschlag zielt auf die Integration von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Damit soll eine Besonderheit des deutschen Wissenschaftssystems zum Zwecke der Stärkung der unterfinanzierten Universitäten beendet werden. Dadurch würden gut ausgestattete und häufig auch international sichtbare Forschungsschwerpunkte in die Universitäten geholt und Kräftegleichgewichte in den Universitäten zugunsten exzellenter Forschungseinrichtungen verschoben. Gegen eine solche Grundorientierung der weitergehenden Kooperation von Partnern, die sich im Zuge der Initiative zusammengefunden haben, gibt es als solches wenig zu sagen. Schon im Rahmen der Exzellenzinitiative wuchs an vielen Orten zusammen, was zusammengehört.

Allerdings ist zweierlei zu beachten. Dadurch wird der Fortbestand nur der "Exzellenzleuchttürme" in den Universitäten gesichert, die attraktive außeruniversitäre Partner finden konnten und können. Die Cluster und Graduate Schools, die sich nicht in den Zentren der Wissenschaft befinden, würden dadurch benachteiligt. Daneben dürfen derartige Integrationsprozesse nicht übereilt vollzogen werden. Viele außeruniversitäre Forschungseinrichtungen genießen einen hervorragenden Ruf und leisten ausgezeichnete Arbeit. Ihr Bestand und ihre Arbeitsbedingungen müssen auch im universitären Verbund erhalten werden.

Und umgekehrt sollten die in den Universitäten entstandenen Forschungszentren, insbesondere Cluster, eigenständig und selbstbewusst als eigene, leistungsfähige Institutionen erhalten und ausgestaltet werden. Das Ziel der Initiative war es ja gerade, solche Zentren in den Universitäten zu schaffen, daher sollte ihre Sichtbarkeit nun auch dauerhaft ermöglicht werden. Die Integration gelingt folglich nur, wenn die Außeruniversitären ihre Kooperationsbereitschaft vertiefen und die Universitäten zugleich zeigen, dass sie Exzellenz erhalten und nicht zur Schließung von Finanzlücken ausschlachten wollen. Es ist eine kontrollierte Annäherung und nicht eine überstürzte Integration vonnöten, um zu verhindern, dass vorhandene Qualität auf beiden Seiten dem Reformfetisch geopfert wird.

Wie ist Exzellenzsicherung ohne Dauerwettbewerb möglich?

Vor diesem Hintergrund erscheint uns ein viertes Modell zielführender: eine Fortführung der besten Forschungscluster und Graduiertenschulen und mithin der Erhalt der geschaffenen, besonders leistungsfähigen Zentren samt einer behutsamen, der Sache verpflichteten Annäherung von Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen. Konkret hieße das:

Bis zu zwei Dritteln der Exzellenzprojekte würden danach auch nach 2017 weitergefördert; die Mittel dazu kämen aus einer "Folgeinitiative Exzellenzsicherung", die sich wie bisher anteilig aus Bundes- und Landesmitteln finanzierte. Es ginge dann darum, die Besten zu identifizieren und ihnen die notwendige langfristige Perspektive zu geben.

Diese Projekte sollten über zehn Jahre hinweg ein abnehmendes Fördervolumen erhalten, etwa von 80 Prozent der derzeitigen Mittel zu Beginn auf am Ende noch 50 Prozent. In dem Maße, in dem die Förderung abnimmt, wären die Länder aufgefordert, sich zu engagieren. Die freiwerdenden Mittel würden in eine Stiftung fließen, die sich ab 2027 die langfristige Aufgabe vornimmt, nachhaltige Leistungsschwerpunkte in der bundesdeutschen Wissenschaft zu identifizieren und zu fördern.

Die dauerhafte Integration der Exzellenzzentren in den Normalbetrieb der Universitäten erlaubt es den Universitäten, den Nachweis zu erbringen, dass sie bereit sind, interne Differenzierung zu ermöglichen, Schwerpunkte zu setzen und sich mithin offen für die Einbindung außeruniversitärer Einrichtungen zeigen.

Ein Teil der Mittel für den weiteren Aufwuchs der außeruniversitären Einrichtungen sowie für die dritte Säule der Exzellenzinitiative sollte zur Förderung von Kooperations- und Integrationsprojekten etwa in Form von weiteren Graduate Schools oder zur Schaffung von übergreifenden Forschungsverbünden (Stichwort "Wissenschaftscampus") verwendet werden. Das kann im Einzelfall auch weitere Experimente der Art wie jetzt in Berlin mit der Charité beinhalten.

Wir sind also der Überzeugung, dass im Zuge der Exzellenzinitiative eine besondere Chance, aber auch Verpflichtung besteht, das Erreichte fortzusetzen, ohne die Universitäten weiterhin im Dauerzustand des Exzellenzwettbewerbs zu halten. Wir wissen aus der Binnenperspektive, wie viel sich an den Universitäten auch im Zusammenspiel mit außeruniversitären Partnern bewegt hat. Die Chancen, Forschungszentren dauerhaft zu etablieren, darf man nicht verstreichen lassen. Enorme Innovationen waren dadurch möglich - zahlreiche neue Professuren mit neu umrissenen Aufgabenfeldern, neue PostdocProgramme, die begabte und produktive Menschen aus dem Ausland holten, vorausweisende Graduiertenkonzepte und so weiter -, und sie müssen eine Perspektive erhalten, damit nicht der Schwung verlorengeht. Die Zeit für die Eröffnung dieser Perspektiven ist jetzt.

Die Autoren lehren (in alphabetischer Reihenfolge ihrer Namen) Philosophie, bzw. Jurisprudenz und Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, der Freien und der Humboldt Universität Berlin. Rainer Forst ist Sprecher des Frankfurter Exzellenzclusters "Normative Ordnungen".

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"Laboratorium der Gerechtigkeit"

Neubau für Forschungsverbund auf Uni-Campus eröffnet

Wer im HNO-Gebäude auf dem Westend-Campus arbeitet, der kuriert keine schmerzenden Hälse oder taube Ohren, sondern will die Welt heilen. Oder zumindest verstehen, woran ihre Gesellschaftssysteme kranken. Aber auch herausfinden, was eine gerechte Gesellschaft überhaupt ausmacht. Die rund 145 Forscher, die in dem würfelförmigen Travertinbau an der Hansaallee ihre Büros haben, gehören zu dem Exzellenzverbund mit dem sperrigen Namen "Die Herausbildung normativer Ordnungen". Da ist das Kürzel HNO, das auch Universitätspräsident Werner Müller-Esterl gerne verwendet, deutlich einprägsamer.

Schon im September bezogen die Soziologen, Politologen, Philosophen und Rechtsgelehrten den rund elf Millionen Euro teuren Neubau, den Bund und Land gemeinsam finanziert haben. Erst gestern aber wurde offiziell Eröffnung gefeiert, mit Gästen aus Wiesbaden und Berlin. Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sagte in ihrem Grußwort, im HNO-Bau würden sich vermutlich mehr Politik-Gestalter begegnen als in jedem anderen Gebäude der Goethe-Universität. Damit könnte sie recht haben, denn unter dem Dach des sogenannten Exzellenzclusters - seit 2007 gefördert mit Geld aus dem Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern - treffen sich Denker aus aller Welt. Sie untersuchen, wie im menschlichen Zusammenleben Normen entstehen, wie sie gerechtfertigt und warum sie in Frage gestellt werden. Solche Studien sind nach Ansicht von Helge Braun (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, ein großer Gewinn: Die Erkenntnisse der Geistes- und Sozialwissenschaftler würden gebraucht, um die gegenwärtigen Umwälzungen von der Energiewende bis zu den Unruhen in Afrika zu deuten und zu beeinflussen. Dies hob auch Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) hervor, der den Beitrag des Exzellenzverbundes zur Debattenkultur in der Stadt lobte.

Klaus Günther, einer der Sprecher des Forschungsnetzes, sieht den Cluster keinesfalls als ein "Zentrum für die Produktion von Sonntagsreden". Gerade die vielen internationalen Gäste werden nach seiner Überzeugung dafür sorgen, dass sich der HNO-Bau in ein "brodelndes und dampfendes Laboratorium der Gerechtigkeit" verwandelt. zos.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Februar 2013, Sascha Zoske,© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

 

 

Atomare Renaissance

Stephen Greenblatt über Lukrez und der Heiden Spaß

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Mai 2013

In Frankfurt hat, im Rahmen der "Kantorowicz-Lectures" an der Goethe-Universität, die den großen Historiker der politischen Staatslehre ehren, gerade Stephen Greenblatt gesprochen. Der kalifornische Literaturwissenschaftler ist durch seine Shakespeare-Deutungen berühmt geworden. In ihnen trug er der Wildheit Rechnung, die Shakespeares Epoche kennzeichnete. Es war eine Zeit der religiösen Tumulte, kolonialer Erfahrungen und politischer Umstürze, eine Zeit der Seefahrt, der Liebespassion und der Geldwirtschaft, einstürzender Königtümer und des beginnenden Einflusses des Populären. In Greenblatts Deutungen kam das alles vor. Seine Shakespeare-Biographie hat ihn weltberühmt gemacht.

Jetzt nahm er Motive aus seinem jüngsten, ebenfalls für ein Weltpublikum geschriebenen Buches über Lukrez auf ("Die Wende". Wie die Renaissance begann, München 2012). Der antike Philosoph schrieb mit "De  natura" um 50 v. Chr. herum eines der heikelsten Bücher der europäischen Ideengeschichte. Denn Lukrez vertrat die Ansicht, außer den Atomen und ihren verwirbelten Kombinationen gebe es gar nichts. Das war schlimmer als der Glaube an falsche Götter, ein vollständiger Unglaube an irgendwelche Götter nämlich.

Greenblatts Frage war, wie es dazu kommen konnte, dass diese Lehre überliefert wurde. Schließlich war das Christentum mit seinen schärfsten Antithesen nicht gerade zimperlich umgegangen, wie zuletzt Winfried Schröder in seiner gar nicht genug zu lobenden Abhandlung über die Wiederkehr der verfemten spätantiken Philosophen gezeigt hat ("Athen und Jerusalem". Die philosophische Kritik am Christentum in Antike und Neuzeit, Stuttgart 2011). Zwar hatte Lukrez keine christlichen Dogmen kritisiert, die er noch gar nicht kennen konnte. Aber wenn stimmte, was er lehrte, musste man sich damit auch gar nicht aufhalten. Die Ansicht John Lockes, dass Glaube nicht erzwungen werden kann und jeder seine eigene Orthodoxie ist, galt fast achthundert Jahre lang nicht und bezog sich nur auf Spielarten innerhalb des Glaubens. Atheisten hingegen galten als sozial gefährlich, denn wer nicht an Gott glaube, hieß es, der halte auch keine Versprechen und keine Verträge. Nach der Entdeckung des vermutlich einzigen Exemplars von "De rerum natura" durch den Humanisten Poggio Bracciolini im Jahr 1417 und dem ersten Druck 1473 habe sich noch lange kein anständiger Europäer die Lehre des Lukrez zu eigen gemacht.

Wieso aber wurde sie überhaupt gedruckt und gelesen? Eine Antwort darauf gab die Übersetzerin der ersten vollständigen englischen Ausgabe, Lucy Hutchinson in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts: Sie wolle aus erster Hand wissen, welche ungeheuerlichen Argumente Lukrez vorbringe. Ähnliche Neugier dürfte auch den Versen gegolten haben, in denen Lukrez seine Partikeltheorie der Liebe vortrug: "Dorthin schießt uns das Blut, von wo wir Hiebe empfangen /. . ./ Wem nun die Pfeile der Liebe Herzenswunden geschossen /. . ./ der geht los auf den Schützen und sucht die Verbindung / Sucht aus dem eigenen Leibe den Saft in den andern zu schleudern." Es gab zu dem Thema lange nichts Besseres. In den Ausgaben wurden natürlich, wie Greenblatt zeigte, andere Stellen als diese und die gottesleugnerischen angestrichen.

Was die Toleranz gegenüber dem eigentlich Intolerablen für Greenblatt jedoch am meisten bestimmt, war die ästhetische Form der lukrezischen Philosophie. Die Schönheit der Verse habe gewissermaßen den Zauber ersetzt, den Lukrez der Welt nahm, indem er sie in Atome auflöste. Genauer: Lukrez unterscheide zwischen Illusion und Schönheit als einem Vergnügen, das nicht auf Lüge beruhe. Deswegen könne er zu Beginn seines Werkes auch zu Venus beten, obwohl seiner Lehre nach einem solchen Gebet gar niemand zuhören würde. "Great Venus! Queene of beautie and of joy", ruft sie Edmund Spenser im Vierten Buch seines Versepos "Faerie Queene" (Die Feenkönigin) 1595 aus derselben Gesinnung heraus an. Diese Göttinnen sind Augenblicksgöttinnen mit irdischen Adressen. Oder, um es mit dem Namenspatron der Vorlesung zu sagen, auch die Götter haben zwei Körper.

So lief Greenblatts Ideengeschichte auf die These hinaus, dass sogar manche Philosophie überliefert wird, nicht weil sie für wahr gilt, sondern weil sie - trotz schwierigen Lateins - Vergnügen bereitet. Die Antike war in der Vorstellung der Renaissance und ihrer Erben eine Welt höherer Vergnügungsfähigkeit. Stephen Greenblatt notierte, dass er in einem Land unterrichte, in dem man alles sein könne, bloß kein Atheist, und in dem auch der universitäre Lesekanon moralisiert sei, was es schwer mache, über Texte toter weißer Männer zu lehren. Man darf seine Umberto-Eco- und Dan-Brown-hafte Detektivgeschichte vom Ursprung der Renaissance aus dem Geist der schönen Gottesleugnung darum auch als den Versuch lesen, für entlegene Epochen und das Vergnügen am Freigeistertum zu werben.

JÜRGEN KAUBE

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Was tun? Toleranz ist nicht beliebig

Ob im Streit um die gleichgeschlechtliche Ehe oder um islamische Kleidervorschriften – stets ertönt die Forderung nach Toleranz. Dabei droht eine neue Unverbindlichkeit, die niemandem hilft. Eine Klarstellung

Von Rainer Forst

Wir sind nicht die Ersten, die in Gesellschaften leben, welche von tief greifenden Unterschieden in Lebensformen und  Moralvorstellungen gekennzeichnet sind. Unsere Vorfahren etwa laborierten daran, wie man miteinander leben kann, ohne im Handeln des anderen vorrangig das Wirken des Teufels zu sehen. Wenn heute über Fragen der Abtreibung diskutiert wird, ist die Schärfe solcher Konflikte noch immer zu ahnen, aber auch die gleichgeschlechtliche Ehe und das Adoptionsrecht für Homosexuelle, die Beschneidung aus religiösen Gründen, islamische Kleidervorschriften, die Schmähung von Religionsführern oder die Frage, ob die NPD verboten werden soll, deuten auf Konflikte hin, die uns einer Zeitreise gleich zurückkatapultieren in eine Epoche, in der der Begriff der Toleranz geprägt wurde.

Doch was heißt Toleranz? Während die einen ein NPD-Verbot im Sinne der Grenzen demokratischer Toleranz für geboten halten, sehen die anderen dies als intolerant an. Während die einen die Beschneidung tolerieren, halten andere sie für intolerabel. Die einen sind für die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, nicht aber für gleiche Rechte – andere sehen das wiederum als intolerant an.

So ist nicht nur umstritten, wie weit die Toleranz gehen soll; manche der Beispiele werfen auch die Frage auf, ob Toleranz überhaupt etwas Gutes ist – denn sie kann einerseits zu weit gehen, und sie kann andererseits die Verweigerung gleicher Rechte legitimieren. Ist sie gar Zeichen einer asymmetrischen Politik, gemäß Kants Diktum, dass der Name der Toleranz "hochmütig" sei, oder Goethe folgend, der sagte: "Toleranz sollte nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."?

Hier ist die Philosophie gefragt, die die Aufgabe hat, unseren Begriffshaushalt kritisch zu prüfen. Was genau, so wollen wir zunächst wissen, bedeutet überhaupt der Begriff der Toleranz? Sie bezeichnet eine Haltung, die, analytisch betrachtet, aus drei Komponenten besteht, und hier lässt sich schon eine Reihe von Missverständnissen aufklären – etwa der Irrtum, die Toleranz habe etwas mit urteilsloser Beliebigkeit und Gleichgültigkeit zu tun.

Überlegen wir einmal, wann wir sagen, dass wir etwas tolerieren, etwa die Meinung eines Freundes, den Geruch eines Essens, die Handlungsweise einer Gruppe. Wir sagen das nur, wenn uns an dieser Meinung, dem Geruch oder der Handlung etwas stört. Und in der Tat: Die erste Komponente der Toleranz ist die der Ablehnung. Überzeugungen oder Praktiken, die wir tolerieren, lehnen wir zunächst als falsch oder schlecht ab. Sonst lägen Indifferenz oder Bejahung vor, nicht aber Toleranz.

Es muss eine zweite Komponente hinzukommen, die der Akzeptanz. Sie nennt Gründe, weshalb das, was falsch oder schlecht ist, dennoch geduldet werden sollte. Hier wird also eine Balance aus negativen und positiven Erwägungen hergestellt, denn die Akzeptanzgründe heben die Ablehnungsgründe nicht auf, sie stehen nur neben ihnen und geben im Toleranzfall den Ausschlag. Schließlich ist noch eine dritte Komponente zu bedenken – die der Zurückweisung, also noch mal negative Gründe. Diese markieren die Grenzen der Toleranz. Ersichtlicherweise müssen diese negativen Gründe gravierender und in einem gewissen Sinne objektiver sein als die erstgenannten der Ablehnung, denn sie lassen sich nicht durch Akzeptanzerwägungen übertrumpfen und gelten allgemein.

Die Krux der Toleranz ist es, diese drei Komponenten in die rechte Ordnung zu bringen. Die Herkunft der Gründe kann unterschiedlicher Art sein: Alle drei können religiöse Quellen haben, etwa wenn man eine andere Religion als falsch ablehnt, sie aber im Geiste des Friedens toleriert, bis sie zur Gotteslästerung führt. Die Gründe können aber auch unterschiedlicher Art sein, etwa wenn einer religiösen Ablehnung Gründe der Akzeptanz und der Zurückweisung gegenüberstehen, die sich auf die Menschenrechte berufen, einmal auf das Recht auf Religionsfreiheit und einmal auf die körperliche Unversehrtheit etwa.

Man kann aus dieser Analyse auch schon sehen, dass die Toleranz nicht immer das richtige Rezept gegen die Intoleranz ist. Der Rassismus etwa ist eine weitverbreitete Ursache der Intoleranz. Aber wenn wir als Antwort auf rassistische Übergriffe Toleranz fordern, was tun wir da? Wollen wir "tolerante Rassisten", also Menschen, die Rassisten bleiben, nur nicht ihren Überzeugungen gemäß handeln? Nein, wir sollten eher darauf hinwirken, dass der Rassismus überwunden wird; und das heißt, dass hier schon die Ablehnungsgründe das Problem sind.

In der Analyse fortfahrend, müssen wir verschiedene Konzeptionen der Toleranz unterscheiden, die sich historisch herausgebildet haben. Ich beschränke mich auf zwei. Die erste nenne ich Erlaubnis-Konzeption. Wir finden sie in den klassischen Toleranzgesetzgebungen, etwa im Edikt von Nantes (1598), in dem es heißt: "Um keinen Anlass zu Unruhen und Streitigkeiten zwischen unseren Untertanen bestehen zu lassen, haben wir erlaubt und erlauben wir den Anhängern der sogenannten reformierten Religion, in allen Städten und Ortschaften unseres Königreiches zu leben und zu wohnen, ohne dass dort nach ihnen gesucht wird oder sie bedrückt und belästigt und gezwungen werden, etwas gegen ihr Gewissen zu tun."

Die Toleranz ist demnach eine obrigkeitsstaatliche Haltung und Praxis, die Minderheiten die Erlaubnis gibt, ihrem Glauben gemäß zu leben – und zwar in dem Rahmen, den die Erlaubnis gebende Seite allein festlegt. Alle drei Komponenten – Ablehnung, Akzeptanz und Zurückweisung – sind in der Hand der Obrigkeit, und die Tolerierten sind als Bürger zweiter Klasse markiert und geduldet – und auf den Schutz durch den Monarchen angewiesen. Dies ist die Toleranzvorstellung, die Goethe und Kant in ihrer Kritik vor Augen haben, denn hier heißt toleriert zu sein auch, stigmatisiert zu sein.

In einer langen Geschichte demokratischer Revolutionen setzt sich demgegenüber in der Neuzeit eine andere, horizontale Toleranzvorstellung durch – die Respekt-Konzeption. Der entscheidende Gedanke dabei ist, dass die Toleranz eine Haltung der Bürger zueinander ist, die wissen, dass sie in zentralen Fragen des guten und richtigen Lebens nicht übereinstimmen, dabei aber dennoch akzeptieren, dass die ihnen gemeinsamen Institutionen auf Normen beruhen müssen, die alle als Freie und Gleiche teilen können und die nicht einfach die Wertvorstellungen einer Gruppe festschreiben und zum Gesetz erheben. Die Komponente der Ablehnung verbleibt im Definitionsraum der Einzelnen oder ihrer Gemeinden, aber die Komponenten der Akzeptanz und der Zurückweisung werden in einem Prozess der Legitimation bestimmt, der auf Normen abzielt, die allgemein gerechtfertigt werden.

Wir machen allerdings einen Fehler, wenn wir glauben, wir hätten in unserem demokratischen Zeitalter die erste Konzeption zugunsten der zweiten überwunden. Denn heute finden wir in vielen Streitfällen Vertreter beider Konzeptionen im Widerstreit, und die Erlaubnis-Konzeption kehrt im majoritären
Gewand zurück. Meinen die einen, Minarette und Moscheen seien zu dulden, sofern sie sich in dem Rahmen bewegen, den christliche Mehrheiten festlegen, bestehen die anderen darauf, dass es ein Grundrecht ist, angemessene Gotteshäuser haben zu dürfen. Während die einen meinen, Toleranz
verbiete zwar das Missionieren, fordere aber nicht das Abhängen von Kreuzen oder Kruzifixen aus öffentlichen Klassenzimmern, bestehen die anderen genau darauf im Namen des gleichen Respekts. Sollen gleichgeschlechtliche Partnerschaften nur in einem von der Mehrheit festgelegten Rahmen
"geduldet" werden, oder können sie gleichen Respekt und gleiche Rechte verlangen?

Der Begriff der Toleranz selbst sagt uns nicht, woran wir uns hier zur Orientierung halten sollen. Und viele Werte oder Grundsätze bieten sich hier an – Freiheit und Autonomie auf der einen Seite, soziale Stabilität und Frieden auf der anderen. Je nachdem, wo der Schwerpunkt gesetzt wird, kommt man zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Ich denke demgegenüber, es sollte der Grundsatz der Gerechtigkeit sein, an den wir uns halten. Denn was anderes ist es als eine Frage der Gerechtigkeit, welche Stellung und welche Rechte Minderheiten beziehungsweise bestimmte Gruppen in einer Gesellschaft haben? Hier geht es um eine Gerechtigkeit, die vielen wehtut, weil sie fordert, Hergebrachtes zu überdenken und gegebenenfalls zu verabschieden. Der zentrale Zusammenhang von Gerechtigkeit und Toleranz besteht dabei in folgender Frage: Beruht meine Ablehnung einer Praxis auf Gründen, die nicht nur meine ethische beziehungsweise religiöse Position widerspiegeln, welche andere gerade nicht teilen und auch nicht aus Geboten der Vernunft heraus teilen müssen? Oder besteht sie aus Gründen, die ausreichen, um zu einer allgemein gültigen Zurückweisung überzugehen, also etwa diese Praxis mit Mitteln des Rechts zu unterbinden?

Was muss ich akzeptieren, damit ich diese Frage richtig beantworte? Dies rührt an einen schwierigen erkenntnistheoretischen Punkt, der mit dem Problem der Toleranz verbunden ist, denn oft wird ihr vorgeworfen, sie verlange eine skeptische Infragestellung der eigenen Position. Dem ist aber nicht so.
Man muss in der Toleranzüberlegung nicht die Wahrheit der eigenen Religion etwa bezweifeln, aber man muss wissen, dass religiös-ethische Überzeugungen mit Mitteln der Vernunft weder verifizierbar noch falsifizierbar sind; die Vernunft lässt viele ethische Positionen zu, unter denen sie selbst nicht
entscheiden kann und darf.

In der Haltung der Toleranz nach Maßgabe der Respekt-Konzeption muss ich ferner anerkennen, dass ich anderen, die mit mir unter einem gemeinsamen Normensystem leben, Gründe für solche Normen schulde, die zwischen uns moralisch-politisch teilbar sind und eben nicht aus dem Fundus von Überzeugungen stammen, die ja gerade umstritten sind. Wir nennen diese Fähigkeit, entsprechende Gründe im theoretischen und im praktisch-politischen Gebrauch zu erkennen und diskursiv gemeinsam zu finden, übrigens Vernunft.

***
Rainer Forst ist Professor für Politische Philosophie an der Universität Frankfurt/Main und Co-Sprecher
des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen". Zuletzt erschien von ihm "Kritik der
Rechtfertigungsverhältnisse" (Suhrkamp)

Quelle: Toleranz ist nicht beliebig, ZEIT Philosophie, aus DIE ZEIT #25/2013

Im Gespräch mit Protestforscher Thorsten Thiel zu "Prism"

"Ein Auslöser allein reicht für Proteste nicht aus"

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Juli 2013

Thorsten Thiel ist an der Goethe-Uni Mitarbeiter im Exzellenzcluster "Normative Ordnungen" und koordiniert den Leibniz-Forschungsverbund "Krisen einer globalisierten Welt". Er glaubt, dass die Anti-"Prism"-Bewegung auf große Demonstrationen gar nicht angewiesen ist.

Die Empörung über die Enthüllungen von Edward Snowden ist groß, die Demonstrationen sind klein. Am Wochenende kamen in Frankfurt nur 1000 statt der erwarteten 5000 Menschen. Woran liegt das?

Sind wirklich große Demonstrationen zu erwarten gewesen? Da bin ich mir nicht sicher. Dass überhaupt demonstriert wurde, kündet eher davon, dass die Netzgemeinschaft inzwischen in der Lage ist, auch für einen Offline-Protest zu mobilisieren.

Gerade die NSA-Überwachung betrifft ja nun aber nicht nur Internetaktivisten, sondern jeden.

Die prinzipielle Reichweite des Themas ist hoch, das stimmt. Und die Medien sind zumindest in Deutschland extrem darauf angesprungen. Hierzulande gibt es ein Publikum, das sich über Überwachung und das Gefühl des Verlusts der Privatheit gern und oft aufregt. Ich denke schon, dass die Enthüllungen bei vielen Menschen Empörung ausgelöst haben und das politische Bewusstsein für Themen der Netzpolitik insgesamt höher geworden ist.

Was braucht es denn dann, damit Empörung zu Demonstration wird?

Es gibt diese Momente, an denen Proteste losbrechen. Aber ein Auslöser allein reicht nicht. Es braucht eine lange Vorbereitung, eine Bewusstmachung des Themas vorab. Die Snowden-Enthüllungen haben ja aber schon zu einer massiven Veränderung geführt.

Wirklich?

Es gibt zwar keine neuen Gesetze. Aber die Dinge einfach fortzusetzen, ich glaube, das ist unmöglich geworden. Zumindest in Deutschland gibt es einen Konsens, dass die Überwachung künftig kontrolliert gehört. Deshalb ist es vielleicht gar nicht so wichtig, dass besonders viele Leute gegen "Prism" demonstrieren. Wichtig ist die Frage, was es braucht, damit das Thema nach der Bundestagswahl noch jemanden interessiert. Der nächste Terroranschlag kommt bestimmt und bewirkt dann wieder die Gegendiskussion.

Sie sprachen davon, dass es inzwischen durchaus mobilisierungsfähige Internetaktivisten gibt. Zu den Protesten gegen das Handelsabkommen "Acta" im vergangenen Jahr kamen 100 000 Menschen. Wo sind die jetzt alle?

"Acta" hat einen viel längeren Vorlauf, und es war ein sehr konkreter Fall. Da ging es um ein Gesetz, das es zu verhindern galt. Bei "Prism" ist das alles anders: Wir haben sehr diffuse Akteure, es ist überhaupt nicht klar, was die NSA oder die Bundesregierung tun sollten: Was erwarten die Protestierenden? Wollen sie Angela Merkel zum Handeln bewegen? Die Frage ist, ob Demonstrationen in diesem Fall überhaupt ein wirkungsvolles Instrument sind.

Was wäre es denn dann?

Wenn es das Ziel ist, die Politik anzusprechen, sind noch andere Waffen im Arsenal. Die inzwischen vor allem bei Internetthemen sehr erfolgreichen Online-Petitionen zum Beispiel. Bei "Acta" wurden auch einzelne Parlamentarier angesprochen.

Würde es denn helfen, wenn die Aktivisten sich Zwischenziele setzten?

Ja. Sie könnten zum Beispiel eine Informationspflicht fordern vom BND, was dort eigentlich gespeichert wird. Umso konkreter die Forderungen sind, desto besser. Aber so etwas finden die Akteure meistens im Laufe von Protestbewegungen heraus. Nach innen brauchen sie ein klares Feindbild. Nach außen brauchen sie glaubwürdige Forderungen. Da ist die "Prism"-Bewegung noch auf dem Weg, die richtige Balance zu finden.

Zumindest hier in Frankfurt waren die Proteste sehr gespalten. Piraten und Occupy-Aktivisten wollten sich offenbar nicht gemeinsam mit der FDP sehen lassen. Schadet das?

Für Mobilisierungszwecke können Reibung und öffentlicher Disput genauso gut sein wie die breite Unterstützung aus der Zivilgesellschaft oder den Parteien. Andererseits besteht dann die Gefahr, dass es viel Generalablehnung gibt und wenig Konkretes. Dass darin ein Risiko besteht, sieht man an Occupy: Dort wurde bewusst auf ein klares Ziel verzichtet, der Prozess betont, um viele Ziele zu vereinen. Das ist eine neue Strategie, die moderne Demokratiebewegungen unterscheidet von früheren Protesten, die klarere Themen und Ziele hatten - wie der Protest gegen die Atomkraft. Die Kehrseite ist, dass solche diskursiven Bewegungen in den Medien schwierig zu vermitteln sind: Fast immer kommt der Vorwurf, dass die Proteste ungerichtet seien und die Demonstranten nicht wüssten, was sie wollten.

Täuscht der Eindruck, dass gerade besonders viel demonstriert wird?

Zumindest wurden seit 2010 viele Protestevents medial wahrgenommen. Das deutet entweder darauf hin, dass es einen großen Frust gibt gegenüber der etablierten Politik. Oder es hängt damit zusammen, dass die neuen Formen der Kommunikation die Mobilisierung erleichtern - also die These, dass die Leute nur auf die Straße gehen, weil sie sich über Facebook vernetzten. Den Zusammenhang gibt es wahrscheinlich nicht, wo es doch auch die These gibt, dass sie dort nur noch auf "Gefällt mir" klicken, anstatt zu demonstrieren.

Die Fragen stellte Denise Peikert.

Serie: Im Gespräch

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Warten auf Weisung von höherer Dienstebene

Gedämpfte Zuversicht: Thomas Pogge umgrenzt in der Frankfurter Alten Börse die Verantwortung der Banken für die Weltarmut

Der Vortrag eines philosophischen Ethikers im Herzen der Hochfinanz weckt gemischte Gefühle. Das Verdienst, den in der Krise ausgefallenen Dialog zwischen Ethik und Ökonomie nachzuholen, steht gegen ein leises Unbehagen am gesellschaftlichen Rahmen. Wird der Gast eine moralische Rechnung  präsentieren, die der Gastgeber entrüstet zurückweist? Thomas Pogge, Philosophieprofessor in Yale,  war im Rahmen einer Vortragsreihe des Exzellenzclusters "Normative Ordnungen" an die Frankfurter Alte Börse gekommen, um über die Verantwortung der Banken für die Armut auf der Welt zu sprechen. Marcus Willaschek von der Frankfurter Philosophiefakultät stellte ihn als Spezialisten für die Übersetzung abstrakter ethischer Erwägungen in konkrete Handlungsvorschläge vor. Pogge ist Mitglied zahlreicher Initiativen und Gremien im Kampf gegen die Weltarmut.

Sein Zugang war soziologisch und zahlengesättigt. 842 Millionen Menschen auf der Welt sind unterernährt, zwei Milliarden ohne Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten, eine Million ohne ausreichend Trinkwasser. Armut liegt an der Wurzel von einem Drittel aller Todesfälle auf der Welt. Das Interesse des Westens an dieser Not hat Grenzen. Pogge entnahm diese Einschätzung den Millennium-Entwicklungszielen, mit denen sich die Vereinten Nationen zur Jahrtausendwende auf eine Halbierung der Zahl der Unterernährten verpflichteten. Die Zielparameter wurden in der Vergangenheit aber immer wieder so verschoben, dass eine leicht negative Entwicklung plötzlich als Fortschritt erschien. Mal änderte sich die Bezugsgröße, mal der Zeitrahmen. Die Reichen, schloss Pogge, sind den Armen der Welt keine verlässliche Stütze.

Das widersprach dem Argument, das Börsenchef Reto Francioni in seinem Grußwort angeführt hatte: dass nämlich der Gewinn des einen nicht auf Kosten des anderen gehe und alle Weltregionen an der Effizienzorientierung der Banken in Form gewachsenen Wohlstands profitierten. Francioni hatte auch vor einer Überfrachtung mit Ansprüchen gewarnt, sollte sich der Bankhandel auf unquantifizierbare ethische Vorgaben verpflichten. Thomas Pogge erließ ihm diese ethische Selbstverpflichtung. Die Stellung im Wettbewerb mache den Banken gewinnorientiertes Handeln im Interesse ihrer Kunden zur Pflicht und gebiete ihnen sogar, die Spielregeln zu ihren Gunsten auszulegen. Die Korrekturen müssten von höherer Stelle kommen. Hier steht wiederum der Lobbyismus im Weg. Wie sehr die Mächtigen und Finanzstarken das Regelwerk in ihrem Sinn beeinflussen, lässt sich am steigenden Graphen des amerikanischen Lobby-Index ablesen oder an einigen nackten Relationen: In zwanzig Jahren haben die reichsten fünf Prozent der Weltbevölkerung so viel hinzugewonnen, wie die ärmere Hälfte am Ende der Periode übrig hatte. 0,01 Prozent der amerikanischen Bevölkerung verfügten über genauso viel Einkommen wie die relativ armen fünfzig Prozent. Das Armutsproblem, im Prinzip lösbar, scheitert am Fehlen eines geeigneten Akteurs. Pogge erklärte es mit gedämpftem Optimismus zur Sache internationaler Institutionen.

Man konnte sich darüber wundern, dass er die Banken nicht einmal zur Aufgabe ihrer Bremsmanöver gegen die laufenden Versuche anhielt, den Finanzmarkt krisenfest zu machen, oder zum Verzicht auf Manipulation und Risikohandel. Darf eine philosophische Ethik das Handeln eines Akteurs restlos dem Konkurrenzprinzip subsumieren? Die tiefer liegende Frage, warum der Westen überhaupt die Pflicht hat, seinen Reichtum mit anderen zu teilen (zumal große Teile der Entwicklungshilfe versanden oder in die Privatschatullen von Diktatoren wandern), hatte Reto Francioni mit einem Verweis auf Kant angedeutet, dem Pogge nicht folgte. Die Klippen im Gespräch der Kulturen lassen sich auch umschiffen, indem man sich wechselseitig die eigene Rolle überlässt.


THOMAS THIEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. November 2013
Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Die Logik des Marktes und die Logik der Medizin

Die Pharmaforschung zielt meist auf Medikamente, die hohe Gewinne versprechen. Doch was ist mit den Kranken, die nicht zahlungskräftig sind und in armen Ländern leben? Der Philosoph Thomas Pogge macht in seinen Schriften über Weltarmut und Gesundheitsökonomie konkrete Vorschläge. Ein Gespräch.

Herr Pogge, was heißt es, in einer Gesellschaft, in der alles mit allem zusammenhängt, moralisch zu handeln? Überfordert es den Einzelnen beispielsweise nicht, sich um Menschenrechtsverletzungen irgendwo auf der globalisierten Welt zu kümmern?

Auf der Ebene der Interaktion natürlich. Ich kann nicht alle meine Konsumentscheidungen so ausrichten, dass ich damit möglichst leise trete, also in den Entwicklungsländern - aus denen ja in der einen oder anderen Weise sehr vieles kommt, was wir konsumieren - möglichst wenig Schaden anrichte. Der Einfluss, den ich als Einzelner nehmen kann, geht über die Politik, darüber, was eine Regierung in meinem Namen am Verhandlungstisch fordert oder wofür sie sich einsetzt. Und in der Regel setzt sich unsere Regierung in internationalen Verhandlungen für diejenigen Dinge ein, die für unsere Firmen, Industrie und Banken am günstigsten sind. Das wird ihr natürlich von diesen sehr mächtigen Agenten nahegelegt. Sie sollte sich aber auch und ganz besonders für die Gerechtigkeit einsetzen und für das Gemeinwohl der Menschheit. Und sie dazu zu animieren, sind wir als Bürger verpflichtet.

Mit fair gehandeltem Kaffee sind wir moralisch also nicht aus dem Schneider?

Fair gehandelten Kaffee zu kaufen ist schon ein politischer Schritt. Der Gedanke, dass man dadurch Menschenleben rettet, ist allerdings kaum zu halten. In Guatemala wird der Kaffee vielleicht traditionell hergestellt, in Ecuador wird er nach Fair-Trade-Prinzipien hergestellt. Und ich kaufe jetzt Fair-Trade-Kaffee. Da kann es immer noch sein, dass als Konsequenz meiner Kaufentscheidung in Guatemala jemand an Hunger stirbt, weil dort Leute entlassen worden sind, deren Kaffee sich nicht mehr absetzen lässt, weil die Kunden jetzt Fair-Trade-Kaffee kaufen. Wenn Sie glauben, Sie hätten das in der Hand, Sie könnten wissen, welche Konsequenzen Ihre Kaufentscheidungen in der Welt als ganzer haben, ist das eine Illusion. Trotzdem sollte man fair gehandelte Produkte kaufen, weil man dadurch seiner Regierung signalisieren kann, dass wir es ernst meinen - dass wir wirklich bereit sind, uns für die Interessen derer einzusetzen, die systematisch ausgeblendet
werden.

Sind die Menschen überfordert, in einer komplexen Welt moralisch zu handeln?

Wir haben einerseits eine gewisse Grundmoral, die für uns das identifiziert, was uns moralisch wichtig ist. Dass Menschen nicht leiden, dass sie nicht in ihrer Würde verletzt werden. Und dann haben wir eine zunehmend komplexe Welt, in der wir uns zurechtfinden müssen. Wir müssen verstehen, was die Kausalmechanismen sind, durch die Elend und Entwürdigung in die Welt kommen. Aber dafür brauchen wir keine besonders komplizierte Moral. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir auf oft sehr komplizierten Wegen dazu beitragen, dass andere Menschen leiden. Haben die 2015 auslaufenden Millenniumsziele den Armen geholfen? Herausgekommen ist dabei wenig, trotzdem wird jetzt unglaublich gefeiert. Alle sagen, wir haben so viel erreicht. Das sieht auch so aus, wenn man sich die Statistiken ansieht. Dazu ist dreierlei zu sagen. Zum einen, dass dort unglaublich gemauschelt und gemogelt worden ist. Die erschütternste Sache ist vielleicht im letzten Jahr passiert, als die Hungerndenzahlen der FAO komplett umgepolt wurden. Sie haben plötzlich verkündet, einer neuen Methodologie zufolge seien im Jahr 1990 157 Millionen mehr hungrige Menschen da gewesen als vorher angenommen. Die 1990er Zahl wurde stark nach oben gesetzt, die 2010er Zahl wurde um 57 Millionen nach unten korrigiert. Und plötzlich gab es diese abfallende Kurve, die es vorher nicht gegeben hatte.

Natürlich gibt es verschiedene Methoden, wie man Hunger messen kann, aber man kann sich nicht im Jahr 22 einer 25-jährigen Versuchsperiode umorientieren und sagen, nun nehmen wir mal die andere Methode. Daraus müssen wir unbedingt lernen, dass die Messung von Zielen nicht solchen politisch exponierten und abhängigen Institutionen wie der Weltbank oder der FAO übertragen werden darf. Das müssen unabhängige Institute machen, denen ganz klare Parameter vorgegeben werden: Das ist das Ziel, und das ist die Messmethode. Und lasst euch nicht beeinflussen.

Der zweite Punkt ist, dass bei diesen Zielen die relevante Vergleichsgröße die Vergangenheit ist, also 1990. Aber das ist der falsche Maßstab. Man muss sich klarmachen: Wenn die Welt einfach nur weitergewachsen wäre und wenn die Armen proportional an diesem Wachstum teilgenommen hätten, dann hätten sie sich ja auch verbessert, ohne Anstrengung von irgendjemandem. Tatsächlich ist aber der Anteil der Armen am globalen Haushaltseinkommen in der Zeit, in der diese Ziele angeblich verfolgt wurden, stark gesunken. Es ist also eine Illusion, dass wir irgendetwas erreicht hätten. Dem ärmsten Fünftel ginge es heute 28 Prozent besser, wenn ihr Anteil am Welteinkommen auch nur proportional am Wirtschaftswachstum teilgenommen hätte. Im Grunde ist es also eine katastrophale Entwicklung. Man müsste hieraus für die Zielsetzung für das Jahr 2030 lernen, dass man die Ziele relativ zum Wachstum definieren sollte, also zum Beispiel darauf abzielen sollte, dass der Anteil des ärmsten Fünftels am globalen Haushaltseinkommen sich von 0,666 (2008) auf ein Prozent erhöht. Das wäre ein vernünftigeres Ziel.

Der dritte Punkt ist, dass wir die Ziele anders formulieren sollten. Nicht dies und das halbieren, dritteln usw. Das sind noch keine Ziele, das sind Wünsche. Wir sollten kompetente Akteure benennen und ihnen klar vorschreiben, was sie zu tun haben, um das Gewünschte zu erreichen. Und dabei kann man auch ganz konkrete Resultate ins Auge fassen, etwa die Abschaffung der unversteuerten Geheimkonten, auf denen etwa 20 Prozent des Privatvermögens der Menschheit liegen, oder die Eindämmung des Steuerbetrugs. Das sind Sachen, die die reichen Länder ohne weiteres durchsetzen könnten und die sich sehr positiv auf die Einkommensentwicklung der Armen auswirken würden. Da lässt sich nicht so leicht schummeln.

Was bedeutet die zunehmende ökonomische Ungleichheit für die Demokratie in der Welt?

Sie bedeutet, dass die Demokratie auf dem absteigenden Ast ist. Ökonomische Ungleichheit schlägt immer auf das politische System durch. Es ist eigentlich unmöglich, die beiden Systeme so voneinander zu isolieren, dass die Reichen keine größeren Möglichkeiten haben, auf die Politik Einfluss zu nehmen, als die Armen. Einmal, indem man politische Kandidaten unterstützt, von denen man sich etwas verspricht, und zum anderen, weil natürlich die Politik auf die Wirtschaft angewiesen ist. Wenn gerade ein gutes Investitionsklima herrscht, ist das für die Politik eine  gute Sache, es werden Arbeitsplätze geschaffen, man wird wieder gewählt. Umgekehrt, wenn die Wirtschaftsbosse weniger investieren, weil ihnen die Politik nicht passt, können sie der Regierung damit schon eine Lektion erteilen.

Ihr berühmtester Vorschlag, wie das Leiden in der Welt verringert werden könnte, ist der Health Impact Fund. Was ist das?

Der Grundgedanke ist, dem jetzigen Anreizsystem für die Arzneimittelforschung ein zweites hinzuzufügen, ein zweigleisiges System zu fahren statt ein eingleisiges. Im jetzigen System ist die einzige Art, wie an Forschungsund Entwicklungsanstrengungen verdient werden kann, ein Patent, mit dem man dann hohe Aufpreise verlangen kann. Der Health Impact Fund (HIF) funktioniert anders: Dort könnte ein Hersteller sein Medikament freiwillig anmelden und müsste vertraglich zusichern, es weltweit zum niedrigstmöglichen Kostenpreis anzubieten und nach Ablauf von zehn Jahren zum generischen Vertrieb freizugeben. Dafür bekommt er während dieser ersten zehn Jahre eine Prämie, die sich nach den Gesundheitsauswirkungen des Medikaments richtet. Die für dieses zweite Gleis gemeldeten Medikamente würden alle auf ihre Wirkungen untersucht, und jedes Jahr würde dann ein fixer Prämientopf unter diesen Medikamenten verteilt, im Verhältnis zum Gesundheitsgewinn. Wie viel Gewinn man mit einem Medikament macht, hängt also davon ab, welchen konkreten Nutzen es hat. Arme Menschen bekämen so Zugang zu wichtigen neuen Medikamente und es gäbe starke Anreize, neue Medikamente mit größtmöglichen  Gesundheitsauswirkungen zu entwickeln, insbesondere auch Impfstoffe, die unter dem gegenwärtigen System wenig lukrativ sind. Der HIF würde auch stark zur Effizienz beitragen, weil er Verschwendungen durch Werbungs- und Patentierungskosten sowie Deadweight-Verluste, Rechtsstreitigkeiten um geistiges Eigentum, Lobbying und wettbewerbsfeindliche Absprachen erheblich verringern würde.

Und wer füllt den Prämientopf?

Wir denken daran, dass Regierungen ihn anfangs mit mindestens 5 Milliarden Euro pro Jahr finanzieren. Das klingt viel, ist aber nur 0,01 Prozent der Summe aller Bruttonationaleinkommen (BNE) und nur ca. 0,6 Prozent der weltweiten Ausgaben für Arzneimittel. Denkbar wären aber auch internationale Steuern, etwa auf Finanztransaktionen oder Umweltverschmutzung. Kann man die Gesundheitsauswirkungen eines Medikaments denn messen? Gesundheitsauswirkungen misst man in QALYs, Qualitätsbereinigten Lebensjahren (quality-adjusted life years): durch Vergleich mit den Ergebnissen, die mit den Mitteln eingetreten wären, die zwei Jahre vor Einführung des neuen Medikaments verfügbar waren.

Gibt es Reaktionen auf diesen Vorschlag?

Jede Menge, wir haben das breit publik gemacht, im amerikanischen Kongress, in Brüssel, in Pharmafirmen. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Politiker fragen zuerst: Funktioniert das denn? Darauf kann man nur antworten, wir müssen Pilotprojekte machen und mit einem wirklichen Medikament in einem Entwicklungsland vorführen, dass es geht. Wir arbeiten daran, solche Pilotprojekte aufzustellen, in denen wir eine Herstellerfirma überzeugen, ein neues Medikament etwa in einer Provinz Indiens oder einem kleinen Land wie Haiti ganz billig abzugeben und sich dann nach den Gesundheitsauswirkungen bezahlen zu lassen.

Die zweite Sorge ist, dass sich nicht genug finden lassen, die das Projekt unterstützen. Wir haben Nobelpreisträger und ehemalige Premierminister auf unserer Seite. Wir haben auch Unterstützung seitens politischer Parteien, vor allem in Deutschland, wo zum Beispiel die SPD den Health Impact Fund unterstützt. Es ist ohne weiteres denkbar, dass wir nach den nächsten Bundestagswahlen mit deutscher Unterstützung ein Pilotprojekt, etwa in Indien, durchführen könnten - ein Projekt, das vielleicht ein paar Millionen Euro kosten würde und ja selbst schon erhebliche Gesundheitsgewinne im Pilotgebiet erzielen würde. Wenn das gut klappt, könnten Deutschland und Indien vielleicht die treibenden Kräfte sein, die den Health Impact Fund bei einem G20-Gipfel auf die politische Agenda setzen. Der HIF ist, sowohl moralisch als auch ökonomisch, eine so attraktive Idee, dass es nahezu absurd wäre, ihn nicht einzuführen.

Und was sagen die Pharmakonzerne?

Das ist sehr unterschiedlich, sogar innerhalb der einzelnen Konzerne. Allgemein kann man sagen, dass die Forscher die Idee sehr gerne mögen. Die wollen natürlich lieber über eine ernsthafte Krankheit forschen, die arme Leute betrifft, als über Haarwuchsmittel.

Könnte man die Idee hinter dem HIF auf andere Bereiche ausdehnen?

Ja, auf Nahrungsmittel und Saatgut etwa. Da könnte man die Verringerung des Bedarfs an Düngemitteln und Pestiziden honorieren und auch die Erhöhung des Nährstoffgehalts pro Hektar, dadurch würde man Landflächen schonen und die Ernährung verbessern. Ein weiterer Bereich, in den man das übertragen könnte, wären die grünen Technologen. Da gibt es denselben Irrsinn wie bei den Medikamenten. Wir machen uns sehr viel Mühe, eine gute Innovation auf die Beine zu stellen, aber dann belohnen wir den Innovator mit dem Privileg, sie patentgeschützt mit einem hohen Aufpreis zu verkaufen, was zur Folge hat, dass die Innovation nur wenig genutzt wird. Obwohl wir gute grüne Technologien haben, werden in vielen Entwicklungsländern Kraftwerke und Fabriken noch immer nach veralteten Plänen gebaut, weil man sich dort die Lizenzen nicht leisten kann. Wir alle und unsere Nachkommen müssen das ausbaden.

Daran, dass wir die große Mehrheit ärmerer Menschen von Innovationen ausschließen, verdient niemand Geld. Wer würde etwas verlieren, wenn wir es ärmeren Bevölkerungen ermöglichen würden, solche Dinge lizenzfrei herzustellen und zu konsumieren? Das würde uns nichts kosten. Aber es geht halt nicht, solange dieselben Dinge in reichen Ländern zu extrem hohen Preisen verkauft werden. Wir müssen also die reichen Länder davon überzeugen, für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit anders zu bezahlen, nämlich über das Steuersystem anstatt durch Aufpreise. Mit dieser Reform könnten wir kostenlos Wohlstand, Gesundheit, Ernährung und Umweltschutz befördern.

Die einschlägigen Publikationen von Thomas Pogge zum Thema sind: "Politics as Usual: What Lies Behind the Pro-Poor-Rhetoric" (Cambridge 2010) sowie "Weltarmut und Menschenrechte" (Berlin 2011). Die Website des HIF ist unter http://healthimpactfund.com/zu finden.

Das Gespräch führte Manuela Lenzen.

Zur Person

Philosophie der Fairness

Ein Amerikaner erforscht die Klimagerechtigkeit

Gerechtigkeit ist ein schönes deutsches Wort und vielbenutzt in der hiesigen Philosophietradition. Auch Darrel Moellendorf spricht es gerne aus, mit einem leichten
amerikanischen Akzent. Es ist lange her, seit sein Urgroßvater nach Amerika ausgewandert ist. Der Urenkel ist nun zurückgekommen nach Deutschland, genauer, nach Frankfurt. Und benutzt in seinen Schriften und Vorträgen auch auf Deutsch den recht amerikanisch-sportiv klingenden Begriff der "Fairness".

Eine Verfahrensgerechtigkeit ist damit gemeint, mit der sich Moellendorf auf John Rawls bezieht. Mit dem Begriff "Fairness" aber operiert Moellendorf auf einem hochaktuellen Feld. Seit gut sieben Jahren beschäftigt er sich mit dem Klimawandel. Nicht als Physiker oder Biologe, sondern als politischer Philosoph.

Dieser Tage hat er genug neues Anschauungsmaterial sammeln können, schließlich tagte in Warschau die Weltklimakonferenz. Und neben allerhand Rückschritten war wieder jene fatale Verbindung spürbar, mit der sich Moellendorf in seinem jüngsten, noch nicht veröffentlichten Buch beschäftigt. Die moralische Herausforderung des Klimawandels besteht für Moellendorf darin, dass sich über Klimaschutz nicht reden lässt, ohne an die Armut auf der Welt zu denken. "Die Risiken des Klimawandels, das sieht man wieder am Taifun auf den Philippinen, treffen meist die armen Länder", so Moellendorf. Wie kann Klimagerechtigkeit aussehen? 2015 soll vereinbart werden, wie man versuchen will, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die Grundlagen dieser Vereinbarungen müssten "fair" sein, so Moellendorf. Wo sie liegen können, zwischen dem Recht auf Entwicklung und der Pflicht der Industriestaaten zur Beschränkung, das will er herausfinden.

Moellendorf forscht an aktuellen Fragen der politischen Philosophie. An der San Diego State University, als Leiter des dortigen Institute for Ethics and Public Affairs, hat der 52 Jahre alte Philosoph sich unter anderem auch mit gerechtem Krieg und mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen beschäftigt. Dabei hat den Forscher auch ein Aufenthalt in Südafrika geprägt, wo er von 1996 bis 2002 an der University of Witwatersrand die Aufarbeitung der Apartheid miterleben konnte.

Ebenso prägend wie Südafrika ist seit seinem Studium für ihn Deutschland: In Heidelberg und Bremen war er, bevor er im vergangenen Jahr an das Forschungskolleg Humanwissenschaften nach Bad Homburg kam, um das Buch zur Klimagerechtigkeit zu schreiben, das im nächsten Jahr erscheinen soll. Dort hat er auch die Kollegen vom Exzellenzcluster "Normative Ordnungen" an der Frankfurter Universität getroffen, die er zum Teil schon seit längerem kannte.

Diese Verbindung bleibt nun bestehen: Moellendorf ist seit diesem Wintersemester Professor für Internationale politische Theorie am Cluster. Vom Sommersemester an will er an der Goethe-Universität auch lehren, in Politikwissenschaften ebenso wie im Fach Philosophie. Mit Frau und Sohn will er in Deutschland bleiben. Dynamisch, lebendig und wissenschaftlich interessant findet er den Cluster, eine Mischung aus Frankfurter Schule und amerikanisch geprägtem Liberalismus, mit dem "Hausgott" Kant. An kleine Unterschiede im akademischen Alltag hat er sich gewöhnt: "Die Fragen sind hier immer viel länger." Moellendorf will sie bald ganz auf Deutsch beantworten können, gelehrt wird aber auf Englisch.

EVA-MARIA MAGEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2013, Nr. 281, S. 44

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Der Markt ist nicht gerecht. Er belohnt die Mächtigen

Haben alle Spieler auf den Finanzmärkten die gleichen Chancen? Nein. Große Banken werden gerettet, kleine gehen unter. So läuft es oft in der Gesellschaft.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, WIRTSCHAFT, 05.01.2014, Nr. 1 / Seite 24

Von Lisa Herzog

Es ist keine Neuigkeit, dass die dominanten ökonomischen Theorien den Blick auf wichtige wirtschaftliche Phänomene verstellt hat. Müsste man ein einziges ihrer Defizite herauspicken, dann wäre es möglicherweise dieses: Sie hat den Blick dafür verstellt, wie Macht in Märkten funktioniert. Indem sie den Markt "frei" genannt hat, hat sie davon abgelenkt, dass Menschen darin sehr ungleiche Macht und ungleiche Freiheit haben können. Die Bilder von glatten Kurven und harmonischen Anpassungsprozessen lassen einen leicht vergessen, welche Machtstrukturen in ihnen zum Tragen kommen können.

Auch eine ideale liberale Gesellschaft, die ihren Bürgern größtmögliche Freiheit in allen drei Dimensionen - "negative" Freiheit im Sinne von Handlungsspielräumen, "positive" Möglichkeiten zu einem selbstbestimmten Leben und "republikanischen" Bürgerstatus und Mitgestaltungsmöglichkeiten - einräumt, wäre keine Gesellschaft ohne Macht. Macht ist ein Faktor des sozialen Lebens, den man sich zwar in utopischen Phantasien oder Modellen mit "Homines oeconomici" wegwünschen kann, nicht aber, wenn es um real existierende menschliche Gesellschaften geht. Macht ist nicht per se verdammenswert - in vielen Formen allerdings schon, besonders, wenn sie ungleich verteilt ist.

Wie viele sozialwissenschaftliche Begriffe ist auch der der Macht umstritten. Eine erste Annäherung besagt, dass derjenige, der Macht hat, andere dazu bringen kann, etwas zu tun, das sie andernfalls nicht tun würden. Klar ist, dass staatliche Strukturen über Macht verfügen. Ziel der politischen Philosophie war und ist es, diese Macht zu rechtfertigen, aber auch ihre notwendigen Grenzen aufzuzeigen. Macht ist jedoch ein viel weiter gehendes Phänomen. Macht wird nicht nur von staatlichen Organen ausgeübt. Dies ist die Kehrseite davon, dass nicht alles, was im Markt passiert, als "frei" beschrieben werden kann. In Märkten wird ebenfalls Macht ausgeübt, die oft sehr ungleich verteilt ist und die nicht nur die gleiche Freiheit, sondern auch die gleiche Würde aller Menschen ernsthaft gefährden kann.

Die Ausübung von Macht umfasst nicht nur beobachtbares Verhalten. Dies hat insbesondere der amerikanische Soziologe Stephen Lukes herausgearbeitet, der drei Dimensionen von Macht unterscheidet. Die erste Dimension beschäftigt sich mit beobachtbarem Verhalten in Konflikten: Wer spielt welche Rolle bei Entscheidungen? Welche Interessen setzen sich durch? Die zweite Dimension von Macht betrachtet nicht nur, worüber de facto entschieden wird, sondern auch, worüber entschieden werden könnte, aber nicht wird. Es geht um die Macht, die Tagesordnung zu bestimmen und über die Zulassung von Themen zu entscheiden.

Einen ähnlich gelagerten Begriff von Macht prägte die Ökonomin Susan Strange. Sie verwendet den Begriff "strukturelle Macht" für die Macht, die Regeln zu setzen und die Strukturen zu bestimmen, innerhalb derer andere agieren müssen. Lukes führt darüber hinaus eine dritte Form von Macht ein. Hier geht es nicht nur darum, das beobachtbare Verhalten in Konflikten zu analysieren, sondern auch um soziale Gewohnheiten, Verhaltensmuster und Institutionen. Denn auf die Wünsche, Vorstellungen und das Verhalten anderer kann sehr subtil Einfluss genommen werden, sei es durch Manipulation, sei es durch Informationskontrolle und -lenkung (zum Beispiel in den Medien), sei es durch Sozialisierungs- und Nachahmungsprozesse. Dies kann so weit gehen, dass es überhaupt nicht mehr zum Ausbruch von Konflikten kommt. Die Beteiligten merken möglicherweise gar nicht, dass sie eigentlich Grund hätten, sich zu beklagen - sie akzeptieren ihre sozialen Rollen und fügen sich freiwillig in Verhältnisse ein, die eigentlich ihren eigenen Interessen widersprechen. Ein derartiges Verständnis von Macht muss mit Vorsicht angewandt werden, um nicht in die Falle zu laufen, anderen paternalistisch zu unterstellen, dass man ihre "wahren Interessen" besser kenne als sie selbst. Trotzdem ist es wichtig, diese dritte Dimension von Macht ernst zu nehmen. Die zweite und dritte Dimension von Macht sind besonders wichtig, um zu erklären, wieso manche Gruppen aus wichtigen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen bleiben, auch wenn sie formal längst die gleichen Rechte haben. Oft hat dies mit informellen Strukturen zu tun, bei denen die eine Seite besser weiß als die andere, wie das Spiel gespielt wird und was man tun muss, um Vorteile zu erlangen. Ein wichtiges Element dieser dritten Dimension von Macht ist die Herrschaft über Sprache und Ideen: Wer bestimmt, in welchen Begriffen über ein Problem gesprochen wird? Gibt es überhaupt Begriffe, die das Unrecht erklären, das manche Gruppen erfahren? Wer bestimmt, welche Metaphern verwendet werden und welche Wertungen sich dabei einschleichen? Was wird als passende oder unpassende Weise empfunden, ein Thema anzusprechen, und welche Chance haben verschiedene Individuen dementsprechend, ernst genommen zu werden?

Was hat all dies mit der Frage nach einem zeitgemäßen Liberalismus zu tun? Diese Dimensionen von Macht ernst zu nehmen, ist ein wichtiger Schritt dahin, die Chancen, aber auch die Probleme zu sehen, die Märkte für eine freiheitliche Gesellschaft bieten. Traditionelle Modelle des Marktes, die nur auf rationale Individuen und die Verträge blicken, die diese untereinander schließen, bekommen derartige Phänomene kaum in den Blick. In diesem Sinne sind derartige Theorien selbst Ideologien: Sie machen bestimmte Dinge sichtbar und verdecken andere - und nützen dabei den Interessen mancher Gruppen stärker als denen anderer. Typischerweise nutzen sie denen, die in der Lage und willens sind, sich so zu verhalten, wie die Modelle es annehmen - und zum Beispiel sehr flexibel auf Veränderungen im Arbeitsmarkt reagieren, weil sie nicht durch familiäre Pflichten gebunden sind, wie dies auch vom "Homo oeconomicus" angenommen wird. Man sollte aber auch nicht unterschätzen, dass Märkte ein Instrument sein können, das informelle Machtstrukturen aufbrechen kann. Wenn (was keineswegs immer der Fall ist!) die Marktteilnehmer rein auf die angebotene Leistung achten, bekommen auch Individuen oder Gruppen eine Chance, denen gegenüber ansonsten Vorurteile herrschen, die ihnen den Zugang zu gesellschaftlichen Strukturen versperren. Immer wieder war der Markt ein Ort, an dem Frauen, Andersgläubige oder Angehörige ethnischer Minderheiten die Möglichkeit hatten, eine gewisse gesellschaftliche Anerkennung zu finden. Darin liegt ein emanzipatorisches Potential, das auch Kritiker des Marktes ernst nehmen sollten.

Andererseits können die Ergebnisse von Märkten durch informelle Machtstrukturen massiv verzerrt werden. Dies lässt sich anhand einer gedanklichen Parallele zur Problematik der Kartellbildung klarmachen. Es waren insbesondere die Denker der Freiburger Schule des Ordoliberalismus, die auf ein Defizit der klassischen liberalen Theorien, wie sie sich im 18. und 19. Jahrhundert entwickelt hatten, aufmerksam gemacht haben. Diese älteren Theorien gingen davon aus, dass sich in Märkten von selbst, auf natürliche Weise, freier Wettbewerb einstellen würde und der Zugang zu ihnen für Neuankömmlinge, mit neuen Ideen und neuen Produkten, stets offen sein würde. Sie übersahen die Möglichkeit, dass sich stattdessen Machtstrukturen bilden könnten: Kartelle oder Monopole, deren Ziel es nicht ist, möglichst gute Waren zu möglichst niedrigem Preis anzubieten, sondern den Wettbewerb zu verringern oder auszuschalten, um dadurch von den Kunden übermäßige Preise zu verlangen. Die Denker der Freiburger Schule betonten, dass es der Staat ist, der überhaupt erst den Rahmen schaffen kann, innerhalb dessen freier Wettbewerb möglich ist, so dass diese Tendenz zur Kartellbildung verhindert wird. Das wichtigste Instrument dafür ist das Wettbewerbsrecht, das darüber wacht, dass kein Akteur und keine Gruppe von Akteuren zu viel Marktmacht erlangt. Dadurch, dass Kartelle und Monopole verhindert werden, wird ein freier, offener Wettbewerb überhaupt erst geschaffen und aufrechterhalten.

Die Rolle informeller Machtstrukturen im Sinne von Lukes' zweiter und dritter Dimension lässt sich ähnlich verstehen, auch wenn die Prozesse subtiler ablaufen. An vielen Stellen im Markt, an denen eigentlich freier Wettbewerb herrschen sollte, liegen stattdessen "Kartelle" oder "Monopole" durch informelle Machtstrukturen vor - besonders am Arbeitsmarkt. Diese führen dazu, dass manche Bewerber - und, hier ist das besonders relevant, Bewerberinnen - ausgeschlossen werden oder dass ihre Anliegen überhaupt nicht zur Diskussion gestellt werden. Möglicherweise haben sie ihre Exklusion selbst so stark internalisiert, dass sie sich in ihr Schicksal fügen und gar nicht merken, dass sie ungerecht behandelt werden. Das Argument der Ordoliberalen, dass staatliche Aufsichtsbehörden nötig sind, um Monopole und Kartelle zu verhindern, lässt sich analog auf derartige Fälle übertragen, zumindest vom Prinzip her. In der Praxis wirken diese Mechanismen auf komplexere und schwerer beobachtbare Art und Weise, und es können andere liberale Prinzipien und Werte mit ins Spiel kommen, so dass nicht von vornherein klar ist, wie eine liberale Gesellschaft mit diesen Phänomenen konkret umgehen soll. Klar ist jedoch, dass sie für das Ideal einer Gesellschaft, in der alle Individuen gleiche Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben, ein Problem darstellen.

Die Beispiele für Phänomene ungleicher Macht in Märkten sind so zahlreich, dass hier nur einige wenige genannt werden können. Die juristische Theorie der Finanzindustrie ("legal theory of finance"), die die in New York lehrende Juristin Katharina Pistor entwickelt hat, beschreibt ein aktuelles Phänomen. Vereinfacht lautet diese Theorie: Die Transaktionen an Finanzmärkten beruhen auf juristischen Verträgen. Diese werden zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen und schreiben fest, welche Geldflüsse in der Zukunft zwischen den Geschäftspartnern stattfinden sollen. Aber die Zukunft ist unsicher, und es kann zu Liquiditätsengpässen kommen. Dann kann es passieren, dass ein striktes Beharren auf der Durchsetzung aller Verträge zur Zahlungsunfähigkeit einzelner Institute und zu Pleitewellen im ganzen Finanzbereich führen kann - vergleichbar einem "Bank Run", nur strukturell komplizierter. In solchen Fällen ist es das kleinere Übel, die Verträge neu auszuhandeln und das Gesetz nicht so starr anzuwenden, wie es eigentlich vorgesehen ist. Allerdings werden dabei nicht alle Akteure im Finanzsystem gleich behandelt. Besonders große, stark vernetzte Player im Zentrum des Systems und diejenigen Zentralbanken, die selbst Währung ausgeben können, sind wichtiger für das Gesamtsystem als andere Akteure, die am Rande stehen. Wenn es zu einer Krise kommt, wird die strikte Einhaltung der Verträge deswegen eher am Rande des Systems eingefordert - während im "Kern" des Systems neu ausgehandelt wird, welche Rechte wie streng durchgesetzt werden, und von politischer Seite Hilfe geleistet wird. Finanzinstitutionen, die dies antizipieren, werden schon alleine deswegen versuchen, möglichst stark zu wachsen, zum Beispiel durch Fusionen und Übernahmen, um im Zweifelsfall zu dem auserwählten Kreis derjenigen zu gehören, die "gerettet" werden. Dass sich hieraus Fragen nach Gerechtigkeit ergeben, dürfte offensichtlich sein. Antworten auf sie zu finden, ist nicht einfach, denn wir stecken seit Jahrzehnten in einem hierarchisch organisierten Finanzsystem, und selbst wenn eine Alternative in Sicht wäre, wäre die Frage, wie man dorthin gelangen könnte. Derartige Fragen aber wurden von der Mainstream-Ökonomie jahrelang überhaupt nicht gestellt, weil das unterschiedliche Gewicht und damit die ungleiche Macht von Finanzakteuren in ihren Modellen nicht vorkam.

Lisa Herzog arbeitet als Postdoc am Institut für Sozialforschung und am Exzellenzcluster "Normative Ordnungen" in Frankfurt und forscht über "moralische Akteure am Finanzmarkt".

Lisa Herzogs Buch "Freiheit gehört nicht nur den Reichen", dem wir diesen Vorabdruck entnehmen,erscheint am 21. Januar im Beck-Verlag und kostet 14,95 Euro

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Im Namen der Welt?

In Deutschland ist gerade der erste Angeklagte wegen Beihilfe zum Völkermord in Ruanda verurteilt worden. Deutschland ist vom Objekt zum Subjekt des Völkerstrafrechts geworden. Ja, das Völkerstrafrecht wird jedenfalls hierzulande kaum noch in Frage gestellt; es ist schließlich auch im nationalen Recht verankert. Aber welche Zwecke erfüllt das Völkerstrafrecht, in wessen Namen - und kann es sein Ziel erreichen? Um eine Antwort bemühen sich etwa Klaus Günther und Vasco Reuss in dem Sammelband mit dem bezeichnenden Namen "Völkerstrafrechtspolitik" (herausgegeben von Christoph Safferling und Stefan Kirsch). Wenn vom Internationalen Strafgerichtshof Verbrechen geahndet werden, welche die internationale Gemeinschaft "als Ganzes" berühren - wird dann nur im Namen der Völkergemeinschaft Recht gesprochen oder auch im Namen der Opfer? Günther und Reuss kommen zu dem Schluss, dass sich die Verfahren und Schuldsprüche gegen Völkerstraftäter kohärent legitimieren lassen, das gelte jedoch nicht für den Vollzug der aus dem staatlichen Recht übernommenen Freiheitsstrafe. Insgesamt sei die Praxis des Menschenrechtsschutzes wie auch des Völkerstrafrechts jeder Theorie weit voraus. Muss der Katalog der transnationalen Verbrechen noch erweitert werden? Hier kommen Kai Ambos und Anina Timmermann zu dem Schluss, dass etwa beim Terrorismus oder Drogenhandel dagegen völkerrechtliche Bedenken bestehen - nicht aber bei der Piraterie. Denn sie wird in Gebieten ohne effektive Strafgewalt begangen. (Mü.)


Staat und Recht (Politik), Völkerstrafrecht, Seite 7

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2014, Reinhard Müller
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Leuchtende Bürobauten

35 Projekte der Luminale in Offenbach

ajw. OFFENBACH. Zum vierten Mal beteiligt sich Offenbach an der regionalen Lichtschau Luminale. Zwischen 30. März und 4. April werden nach Angaben von Jürgen Amberger, Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung, 35 Projekte präsentiert. Titel der Veranstaltungsreihe: "Highlight Offenbach".
Das künstlerische und technische Spektrum ist weit gespannt: Es reicht vom Labyrinth im Stadtwald, einem von Licht umkränzten Motor, der vor seinem Exitus letzte Zuckungen in der früheren Schraubenfabrik Gebr. Heyne an der Ludwigstraße offenbart, bis zu einem Bürogebäude, dessen Fenster durch die Bewegungen der Passanten beleuchtet und mit einer Toncollage unterlegt werden.
Amberger machte deutlich, dass Offenbachs Teilnahme die Kreativwirtschaft stärken solle. Zwar könne die Stadt die Projekte nicht fördern. Vielmehr müssten sie sich selbst finanzieren. Doch biete die Stadt eine Plattform und kümmere sich um die Werbung. Insgesamt beteilige sich die Wirtschaftsförderung mit rund 15 000 Euro an der Präsentation zur "Luminale".
Ria Baumann vom Amt für Wirtschaftsförderung verwies auf zwei herausragende Vorhaben. Dazu gehört das Projekt "Say Say Say". An dem zu Beginnder siebziger Jahre entstandenen, unter Denkmalschutz stehenden Rathaus sollen Leuchtkästen installiert werden, die Sprechblasen enthalten. "Mach das Licht aus, wenn Du gehst" könnte darauf stehen. Diese Installation der Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk ist Teil eines Projekts, das zusammen mit der Frankfurter Universität verwirklicht wird.
Klaus Günther, Ko-Sprecher des Exzellenzclusters "Normative Ordnungen", sieht in dem Medium die Chance, divergierende Ansichten zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen darzulegen. Auch wenn die comicartigen Sprechblasen derzeit nicht veränderbar sind: Auf der Internetseite des Frankfurter Universitätsinstituts sollen die Einträge aufgenommen werden.
Ein weiterer Projektverbund ist die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Darmstadt und der Offenbacher Firma "Nordlicht", die sich laut Geschäftsführer Andreas Mohr auf Lichtdesign konzentrieren will. Unter dem Titel "Infinity" präsentiert "Nordlicht" skulpturale Objekte, entworfen und umgesetzt von Darmstädter Studenten zusammen mit einer norwegischen Studentin. Bei diesen dreidimensionalen Lichtobjekten geht es laut Mohr auch um brisante geschichtliche Themen wie den atomaren GAU.
Einzelheiten zum Programm der Luminale finden sich im Internet unter der Adresse www.offenbach.de/luminale.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2014, Anton Jakob Weinberger
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"Spielverderber der Erinnerung". Vortrag des Historikers Fahrmeir zum Uni-Jubiläum

höv. HOFHEIM. Ein Historiker kann leicht zum "professionellen Spielverderber" werden, wenn es um die Erinnerung an die Vergangenheit geht. Der das sagt, ist selbst Historiker, Andreas Fahrmeir, an der Frankfurter Goethe-Universität Professor für Neuere Geschichte. Historiker und Jubiläumsfeiern, das sei eine "gefährliche Kombination", sagte der Dozent am Montagabend bei einem Vortragsabend der Universität in Hofheim; die Hochschule feiert in diesem Jahr ihr Bestehen seit 100 Jahren. Denn ein Geschichtswissenschaftler stelle das Ereignis, dessen gedacht werden solle, vielleicht viel komplexer dar und weniger einzigartig und zukunftsweisend, als es zu einer Jubiläumsfeier passe. Außerdem gehöre zum Erinnern als Kehrseite das Vergessen. Die öffentliche Erinnerung orientiere sich am Sichtbaren, etwa an Altstädten oder anderen Baudenkmälern. Die Geschichtswissenschaft aber kümmere sich um das nicht mehr Sichtbare.
Fahrmeir zitierte den Philologen und Philosophen Friedrich Nietzsche, der für seine Epoche, die Gründerzeit, ein Übermaß an Erinnerung festgestellt habe. Denn damals seien Bauten in historischem Stil errichtet worden. Im 19. Jahrhundert seien zudem Baudenkmäler freigelegt und hervorgehoben worden, indem man die umgebende Bebauung abgerissen habe. Eine Stadt verändere sich ständig, durch Neubauvorhaben, auch für Straßen und Schienen. Dabei stelle sich immer wieder die Frage, was erhaltenswert sei. Wichtiger als diese Frage sei allerdings, dass überhaupt darüber diskutiert werde, was wichtig für die Erinnerung sei, so der Schluss des Historikers.
Das gelte für die Geschichte einer Universität genauso wie für die Vergangenheit einer Stadt. Denn die Geschichte gehöre niemandem, deshalb könne über sie gestritten werden. Die Erinnerung könne sich an berühmten Personen orientieren, die Großes geleistet hätten, und sie als Vorbilder darstellen. Auf der anderen Seite könne sich die Geschichtsschreibung etwa mit der Rolle der Hochschule in der Zeit des Nationalsozialismus kritisch auseinandersetzen. Dafür müsse der Geschichtsschreiber sich von seinem Gegenstand distanzieren.
Was die Frankfurter Universität angehe, sei immer über die richtige Erinnerung gestritten worden, zwischen der Hochschule und der Stadtgesellschaft, aber auch innerhalb der Universität zwischen den Generationen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.4.2014, Jan Schiefenhövel
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Charismokraten und hochbegabte Katastrophen

Hoch fliegen, tief stürzen: Redner wie der Philosoph Peter Sloterdijk untersuchen die "Politische Romantik" in einem Frankfurter Kongress.

Von Jonathan Horstmann

Eine düstere Epoche, ein deutscher Sonderweg, Nährboden des Nationalsozialismus. "Wie Pech und Schwefel haftet der Makel einer verklärten, irregeführten Politik an der Romantik", sagte Hortensia Völckers, künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes. Noch bis heute versucht der Kongress "Politische Romantik" im Frankfurter Cantate-Saal einer grundsätzlichen Wesensverschiedenheit auf die Spur zu kommen: hier das Romantische mit seinem Hang zu Ironie und Eskapismus, dort das politische Tagesgeschäft, das konstruktive Vernunft und pragmatische Entscheidungen verlangt. Die Stiftung hat für ihre öffentliche Tagung internationale Redner verschiedener Disziplinen eingeladen. Die Politik vertritt unter anderen Sahra Wagenknecht (Die Linke). Realpolitiker dieser und vergangener Tage könnten der Unzufriedenheit des Romantikers mit den gesellschaftlichen Verhältnissen nichts Konstruktives abgewinnen, so Völckers in ihrer Eröffnungsrede. Zumal es zur Natur der Romantiker gehöre, bald utopisch, bald reaktionär zu sein.
Das Ensemble Modern spielte darauf einen Tusch, genauer gesagt, "Zehn Märsche, um den Sieg zu verfehlen" von Mauricio Kagel, präzise ineinandergeschobene Rhythmen, bevor Peter Sloterdijk, der Hauptredner des Eröffnungsabends, auftrat. Ist politische Romantik die von Carl Schmitt gegeißelte Realitätsflucht? Ja und nein. Sloterdijk leitet die politische Romantik aus einer Geisteshaltung her, die Europa spätestens im 12. Jahrhundert ergriffen habe. Damals habe der Alexanderroman ein "Motiv des Schwebens" hervorgebracht, das der Philosoph "politischen Ikarismus" nennt. In der mittelalterlichen Dichtung sei Alexander der Große zu einem "verfrühten Double des Erlösers" verklärt worden. Christus und Alexander, angesichts göttlicher Väter und sterblicher Mütter beide mit dem "glanzvollen Stigma einer Herkunftsanomalie gekennzeichnet" und im gleichen Alter gestorben, prägen für Sloterdijk das Bild eines charismatischen Führertyps geistiger und weltlicher Größe, der sich in Europa seit dem Mittelalter in zahllosen Persönlichkeiten reinkarniert habe: Papst Alexander VI., Machiavellis "Fürst" und Cola di Rienzo. Rienzi, Sohn eines Schankwirts, habe die romantische "Faszination für illegale Ursprünge" auf die Spitze getrieben. Mit seiner Behauptung, der Nachfolger Kaiser Heinrichs VII. zu sein, und einem brutalen Cäsarismus alter Schule sei er an die Spitze Roms gelangt. Sein "Ritt auf der Welle der Gelegenheit" habe dem Populisten einen grandiosen Aufstieg beschert, bis er den Bogen überspannt habe und von seinem erzürnten Volk getötet worden sei. In seiner Gestalt, so Sloterdijk, habe die politische Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts ihren Schatten vorausgeworfen.
Wagner habe dies erkannt, als er Rienzi zum Helden seiner gleichnamigen Oper gemacht habe. Tatsächlich seien die scheiternden "Charismokraten" zahlreich gewesen, die sich in den folgenden Jahrzehnten in die Reihe "hochbegabter Katastrophen" eingefügt hätten: von Stalin, Mussolini und Hitler bis hin zu Mao und Gaddafi. Wie Rienzi, dessen Künstlerambitionen im brennenden Kapitol von der "rachsüchtigen Dumpfheit" des Volkes niedergerissen und verschmort wurden, seien all diese "Improvisateure der Macht" gescheitert. Denn so werde sie vollendet, die politische Romantik: Die selbsterklärten Genies beträten den Boden der Realität.
Mit "Nachrichten vom Großen Krieg" wurde am ersten Kongressabend ein neuer Film von Alexander Kluge erstmals gezeigt, in dem Kluge zwar nie zu sehen, aber ständig zu hören ist. Das Werk über den Ersten Weltkrieg ist Dokumentation und Satire zugleich. Mehr schlecht als recht vor Kluges Bildcollagen montiert, erklären die Historiker Gerd Krumeich und Christopher Clark, warum der Krieg keinesfalls wie eine Naturkatastrophe über Europa hereingebrochen sei und welche Lektion heute aus den naiven Kriegsprognosen von 1914 zu ziehen sei. Zwischendurch lässt ein stahlbehelmter Helge Schneider als Rittmeister Graf Wronski verlauten, er kehre soeben aus dem Krieg heim und finde seine ehemaligen Kameraden in der Heimat als Rebellen vor, was ihn "in gewisser Hinsicht ein wenig einsam" mache.
Führt politische Romantik zu Absturz und Verderben? Auf der Folie des romantischen Pathos, so zeigt es das Tagungsprogramm, lässt sich auch über aktuelle Krisen wie jene der Ukraine diskutieren.
Der Kongress "Politische Romantik" endet heute. Alexander Kluges Film wird von 10 Uhr an im Cantate-Saal wiederholt. Um 12 Uhr folgt eine Lesung mit der Friedenspreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, zur selben Zeit findet eine Diskussion über "Politik als Passion" im Arkaden-Saal des Goethe-Hauses statt. Zwei Veranstaltungen mit dem Autor und Filmemacher Tariq Ali um 14 und 16.30 Uhr im Cantate-Saal beschließen den Kongress. Der Eintritt ist kostenfrei.


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.4.2014, Jonathan Horstmann
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So wird man Chef

Historiker untersuchen Personalentscheidungen

zos. FRANKFURT. Schon bevor er die Wahl gewann, wurde Ambrosius zum Oberhirten von Mailand berufen, und zwar im wörtlichen Sinn - wenn die Legende stimmt. Als der künftige Kirchenvater, von Hause aus Politiker, in der Basilika eine Rede hielt, rief ein Kind "Ambrosius Bischof!" Angesichts dieses göttlichen Zeichens war die folgende Abstimmung nur noch Formsache. Das theologische Wissen für das neue Amt soll sich Ambrosius nachträglich angeeignet haben, wie Hartmut Leppin erzählt.
Ob nun, sagen wir, der bisherige Bischof von Limburg seinen Posten einer rationaleren Auswahl verdankte als der spätere Heilige anno 374 nach Christus, ist nicht Gegenstand der Studien des Historikers Leppin. Wohl aber interessiert den Professor der Goethe-Universität grundsätzlich, wie Personalentscheidungen in der Kirche getroffen wurden und werden. Die Neugier, ob es allgemeingültige Prinzipien gibt, die einer Person zu einem Amt verhelfen, und die Frage, welche Konflikte sich damit verbinden, hat Leppin mit drei weiteren Lehrstuhlinhabern aus seinem Fachbereich zusammengeführt. Mit dem Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe sowie den Experten für Neuere und Neueste Geschichte, Andreas Fahrmeir und Christoph Cornelißen, gründete er eine Forschergruppe. An dem Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für drei Jahre mit 1,1 Millionen Euro gefördert wird, sind auch Kollegen aus Mainz und Padua beteiligt.
Beginnend in der Spätantike und endend im 20. Jahrhundert, werden die Wissenschaftler Vorgänge betrachten, die Menschen in gesellschaftliche Schlüsselpositionen befördert haben. Solche Entscheidungen können auf viele Arten fallen: durch Wahl, Auslosung oder Wettbewerbe jeder Art, aber auch durch "Auskungeln" in kleinem Kreis. Die Frankfurter Forscher konzentrieren sich dabei auf Prozesse in Kirche, Wirtschaft und Verwaltung; weniger spannend erscheint ihnen die Nachwuchsrekrutierung in Adelskreisen: "Da fallen Personalentscheidungen im Ehebett", stellt Plumpe trocken fest.
Der Laie mag glauben, dass Führungskräfte heute öfter nach den Regeln des Verstandes ausgewählt werden als vor 2000 Jahren. Doch da sind sich Leppin und Plumpe nicht so sicher. "Ich bin sehr skeptisch, dass es einen solchen Fortschritt gibt", sagt der Wirtschaftshistoriker. "Die Verteilung von rationalen und irrationalen Elementen dürfte nicht viel anders sein als in früherer Zeit."
Andererseits hält Plumpe die Rolle von undurchsichtigen Netzwerken etwa im Management für überschätzt. Aus seiner Erfahrung könne er "nicht wirklich bestätigen", dass es für die Postenvergabe sehr bedeutsam sei, wer mit wem Golf spiele. Allenfalls auf der letzten Auswahlebene, wenn es mehrere Anwärter mit gleicher Qualifikation gebe, könnten soziale Faktoren wichtig werden.
Im öffentlichen Dienst wiederum hat man sich bisweilen um besonders rationale Ausleseverfahren bemüht, um dann doch wieder davon abzulassen. So wurden in Großbritannien die im 19. Jahrhundert eingeführten Examina laut Fahrmeir wieder abgeschafft, weil dadurch andere wichtige Eigenschaften wie Teamfähigkeit nicht geprüft worden seien. Wie Behörden in jüngerer Zeit zu neuen Mitarbeitern kamen, untersucht sein Kollege Cornelißen: Er befasst sich mit dem Aufbau der Verwaltung in Thüringen Anfang der neunziger Jahre. Die tatkräftige Unterstützung aus Hessen habe dort auch personelle Folgen gehabt: Einige Beamte aus dem Nachbarland hätten in Thüringen einen "phänomenalen Aufstieg" hingelegt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.4.2014, Sascha Zoske
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Vortrag zur Luminale

Politischer Philosoph beleuchtet Klimawandel

Anschauen, nachdenken und mitmachen - dazu lädt die Lichtinstallation "Say Say Say" von Anny und Sibel Öztürk ein, die als Teil der Luminale bis heute, Freitag, an der Fassade des Rathauses, Berliner Straße 100, zu sehen ist. Fünf Leuchtkästen unterschiedlicher Größe gruppieren sich in Form von Sprechblasen um eine Fensteröffnung an der Fassade.
Teil dieses Luminale-Projekts ist auch ein Vortrag von Darrel Moellendorf, Professor für Internationale Politische Theorie an der Goethe-Universität, zum Thema "Energie, Armut und die Zukunft", der heute, Freitag, um 19 Uhr im Foyer des Rathauses stattfindet. Dabei geht der politische Philosoph auf den Klimawandel ein, der moralische Probleme aufwerfe, denen politisch begegnet werden müsse. ann

Frankfurter Rundschau, 04.04.2014, Seite R5 - Ausgabe FR Offenbach, ann.
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Die Königstochter vom Nachbarkontinent

Weitsicht tut not: Die Römerberggespräche wenden sich gegen alte Ressentiments und neuen Nationalismus

Europa war eine Migrantin. Ihr Schlepper war Zeus. Der Göttervater hatte sich in die phönizische Königstochter verliebt und trug sie auf seinem Stiernacken über das Meer nach Kreta. Das erzählt der Gründungsmythos des Abendlandes, das seine Kultur dem Nahen Osten verdankt. Aber war die schöne Europa auch weitsichtig? Im Chagallsaal des Schauspiels Frankfurt übersetzte HR-Redakteur Alf Mentzer als Moderator der Frankfurter Römerberggespräche den Namen der Gründungsmutter: "euris", weit, "opsis", das Sehen. Über das "Weitsichtige Europa" wollte Aris Fioretos, schwedischer Schriftsteller griechischer und österreichischer Herkunft, mit ihm sprechen. Weitsichtig sein, das bedeutet für Fioretos: "Über den Tellerrand sehen und eine vernünftige Kultur der Spannungen aushalten."
Als "Intervention" verstand sich die erste Runde der diesjährigen Römerberggespräche. Auf dem Programm standen "Ausgrenzung und Eindämmung", der Untertitel lautete "Alte Ressentiments, neuer Nationalismus in Europa". Den furiosen, aber auch polemischen Auftakt setzte der Migrationsforscher Klaus Jürgen Bade mit einem Vortrag über "Identität, Kulturangst und negative Integration in der Einwanderungsgesellschaft". Als neues deutsches "Hystericum" konstatierte er nach dem "Waldsterben" nun eine "German Kulturangst", als gäbe es die nicht auch in England und anderen europäischen Staaten. Trotz des "Gejammers auf hohem Niveau" und der "miserablen politischen Rahmenbedingungen" verlaufe die Integration der Einwanderer aber relativ erfolgreich. Dennoch müsse die Spannung zwischen Kulturpragmatikern und Kulturpessimisten ernst genommen werden.
Bade stellte fest, dass die Deutschen zur "Spitzengruppe der modernen Kreuzritter" gehörten. Die islamfeindliche Publizistik habe dazu einiges beigetragen. Scharf ging er mit der CSU ins Gericht, als er auf das "Schandwort" vom "Sozialtourismus" und die Armutseinwanderung aus Rumänien und Bulgarien zu sprechen kam. Die Statistik weise die Rumänen als die Einwanderer mit der höchsten Erwerbsquote unter allen Einwanderern in Deutschland aus, ihre Arbeitslosenquote liege genauso unter jener der Deutschen wie die Quote der Sozialhilfeabhängigen. Im Übrigen seien früher auch Deutsche als Armutswanderer in andere Länder gegangen.
Auf die "Differenzerfahrung" berief sich neben Fioretos auch die Kulturanthropologin Susanne Schröter in ihrem Vortrag über "Toleranz als Novum". Sie sprach über die Abgrenzungsmythen diverser Völker, die sich selbst als Menschen titulieren, ihre Nachbarn aber als defizitär bezeichneten. Sie halte es für legitim, wenn Marokkaner in Wiesbaden nur untereinander heirateten, um sich in der eigenen Gruppe aufgehoben zu fühlen: "Parallelgesellschaften haben ihre Existenzberechtigung, wenn eine Brückenbildung möglich ist in der Kommune." Zudem berief sie sich auf den Frankfurter Philosophen Rainer Forst,der Toleranz als Konfliktbegriff definiere. Schröter plädierte für ein "Zusammenleben im Dissens", eine "Erduldung des Anderen".
Da meldete sich eine Altmigrantin aus dem Gallus zu Wort und fragte nach den Grenzen der Toleranz angesichts der Gewaltbereitschaft junger Migranten in ihrer Nachbarschaft. Bade sprach sich für eine offene Diskussion über die Schattenseiten der Migration aus, etwa die Paralleljustiz. Schröter sah die Grenzen dort, "wo das Strafrecht greifen muss". Kulturalisierte Entschuldigungen wie unlängst im Fall des Mordes an einer Schwangeren in Wiesbaden dürfe es für die Justiz nicht geben. Andere Zuhörer klagten Grenzen auch für die Umgangsformen ein. Bade verwies auf das Grundgesetz: "Es muss gnadenlos durchgesetzt werden, auch für Benimmregeln."
Für die Hilfsbereitschaft Frankfurter Bürger bedankte sich die Pfarrerin Sabine Fröhlich, die 22 Flüchtlingen aus Afrika in der Gutleutkirche Asyl gewährt hat: "Das ist keine Sozialromantik, sondern Knochenarbeit." Mit ihr und dem Migrantenanwalt Reinhard Marx sprach Mentzer über die Praxis der Asylpolitik, die Marx sogleich als "Misere" bezeichnete. Nur drei ihrer Schützlinge im Kirchenasyl dürften sich frei in Europa bewegen, ergänzte Fröhlich, die anderen müssten gemäß europäischem Flüchtlingsrecht zurück nach Italien, wo sie angelandet waren. Italien aber sei wie Griechenland völlig überfordert und biete keine Perspektive. Marx hat nach eigenen Worten gelernt, Lügengeschichten der Asylsuchenden zu durchschauen und dennoch offen zu bleiben. "Menschen auf der Flucht sind nicht automatisch gute Menschen", wissen beide. Aber sie dürften auch nicht gedemütigt werden, etwa durch die Verweigerung der Arbeitserlaubnis.
CLAUDIA SCHÜLKE

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.4.2014, Claudia Schülke
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Ethisch handeln um des Menschen willen. Der Dalai Lama diskutiert mit einem Bischof und einem Philosophen. Vordergründig geht es nicht um die große Politik - aber ein prominenter Zuhörer steht genau dafür



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Mai 2014, Stefan Toepfer
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Historiker Clark vergleicht Ukraine-Krise zu 1914

Interview: Monika Hillemacher, dpa

Wie Schlafwandler verhielten sich viele Politiker und Institutionen vor dem Ersten Weltkrieg - sagt der renommierte Historiker Christopher Clark. Und sieht zumindest gewisse Parallelen in der Ukraine-Krise.

Frankfurt/Main (dpa) – In seinem aufsehenerregenden Bestseller über den Ersten Weltkrieg vergleicht der Historiker Christopher Clark die Akteure von 1914 mit Schlafwandlern. Clark sieht zudem zumindest gewisse Parallelen zwischen damals und heute. Zu Teilen der Außenpolitik der Europäischen Kommission in der Ukraine-Krise sagt der australische Professor im Interview der Nachrichtenagentur dpa: «Es fehlten klare Verantwortlichkeiten. Es konnte plötzlich eine Eigendynamik entstehen. Das hat schon etwas Schlafwandlerisches.»

Frage: Was motiviert einen australischen Historiker, sich intensiv mit dem Ersten Weltkrieg zu beschäftigen? Australien war weit weg vom Geschehen.

Antwort: Weit weg ist es für einen Australier überhaupt nicht. Die Australier haben ebenfalls teilgenommen an diesem Krieg. Die politische Elite und die Soldaten sind aus freien Stücken in den Krieg gezogen. Australische Soldaten waren in Mesopotamien, in Flandern an der Westfront. Es war ein Krieg, an dem Australien erstmalig als Nationalstaat teilgenommen hat. Und dieser Krieg ist bis heute absolut zentral im nationalen Gedächtnis verankert.

Frage: Wann haben Sie sich erstmals damit auseinandergesetzt?

Antwort: Der Weg zu meiner Schule führte an einem Denkmal für Gefallene des Ersten Weltkriegs vorbei. Die Opferfigur sah aus wie der gekreuzigte Christus, mit ausgebreiteten Armen, gebrochen quasi. Das war für mich als Kind sehr eindrucksvoll. Mein Großonkel Jim war im Krieg. Obwohl meine Mutter immer gesagt hat, man dürfe ihn nicht fragen, er spreche nicht gerne über den Krieg, hat er mir davon erzählt. Vielleicht, weil ich mit sieben Jahren so jung war.

Frage: Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat gesagt, in der Ukraine-Krise drohten die Akteure auf allen Seiten zu schlafwandeln.

Teilen Sie die Ansicht?

Antwort: Ich hatte das gehört von Helmut Schmidt. Im ersten Moment dachte ich: nein. Der Ton heute ist ein anderer. Politiker wie Frank Walter Steinmeier und Angela Merkel oder das Weiße Hause äußern sich immer sehr differenziert und abwägend. Es gibt keine rhetorische Eskalation. Insofern gibt es auch keine Gemeinsamkeit mit der hektischen Situation vor dem Ersten Weltkrieg. Daher sehe ich auf dieser Seite keine Parallele. Aber vielleicht meinte Helmut Schmidt das anders.

Frage: Was meinen Sie?

Antwort: Die Politik der EU in Bezug auf die Ukraine-Krise war zu einem gewissen Teil von Alleingängen geprägt. Ein Beispiel in diesem Kontext ist die ENP (Europäische Nachbarschaftspolitik), die zum Auswärtigen Dienst der EU gehört und sich massiv in die inneren Angelegenheiten der Ukraine eingemischt hat. Indem sie die Ukraine vor die Wahl stellte, sich entweder für Russland oder die EU zu entscheiden, schuf die ENP eigenmächtig Verpflichtungen, die von der EU als Gesamtsystem nicht gedeckt waren. Die ENP hat damit eine eigene Politik gemacht. Ohne Kontrolle von oben. Es fehlten klare Verantwortlichkeiten. Es konnte plötzlich eine Eigendynamik entstehen.

Das hat schon etwas Schlafwandlerisches.

Frage: Was können moderne Akteure aus der Geschichte von 1914 lernen?

Antwort: 1914 dient uns als Warnung, wie riskant es wird, wenn zwischen den politischen Akteuren das Gespräch versiegt. Die Kanäle der Kommunikation müssen immer offen bleiben. So schwer es auch ist.

Man darf sich nicht vom Augenblick bestimmen lassen. Die Lektion von

1914 heißt: Das Argument, «wir haben keine Zeit mehr» ist ein schlechtes Argument. Mit Blick auf die Ukraine nach dem Wahlsieg Petro Poroschenkos haben sich die schnellen Forderungen nach massiven Sanktionen bereits jetzt als verfrüht erwiesen. Und 1914 zeigt, wie wichtig es ist, sich in die Perspektive des Anderen zu versetzen und dies in das künftige, eigene Handeln einzubauen. Selbstbezogenheit, einfach ausblenden, was der andere denkt, führt jedenfalls in die falsche Richtung.

ZUR PERSON: Der Australier Christopher Clark (54) lehrt als Professor Neuere Europäische Geschichte an der Universität im englischen Cambridge. Er ist derzeit zu Besuch beim Exzellenzcluster «Die Herausbildung normativer Ordnungen» und dem neu gegründeten Historischen Kolleg am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt.

Mit freundlicher Genehmigung der dpa Deutsche Pressee-Agentur GmbH, Hamburg, www.dpa.de

Zur Person. Raus aus der Sackgasse. Warum eine Philosophin die Uni Frankfurt verlässt

Dass Anja Karnein der Goethe-Uni bald den Rücken kehrt, liegt nicht an den Arbeitsbedingungen. Die seien "phantastisch"; der Exzellenzcluster "Normative Ordnungen", für den sie tätig ist, habe ein sehr hohes Niveau, lobt die Philosophin. Die Gründe, warum sie für sich in Frankfurt, ja in Deutschland derzeit keine Zukunft sieht, sind andere. Nach neun Jahren Postdoc-Tätigkeit war Karnein in eine Karriere-Sackgasse geraten - aus der sie jetzt hinausgefunden hat: Von August an wird sie als Professorin an der Binghamton University im Staat New York forschen und lehren, zusammen mit ihrem Mann, der ebenfalls Philosoph ist.
 
Wie er hatte Karnein in Frankfurt keine feste Stelle. "Das weckt schon Existenzangst", sagt die 36 Jahre alte Wissenschaftlerin. Wie gerufen kam da die "Dual Career"-Chance in den Vereinigten Staaten. Solche Doppelberufungen von Lebenspartnern wollen eigentlich auch deutsche Unis öfter ermöglichen. Doch auf die Frage, ob eine solche Option für sie hierzulande in Sicht gewesen sei, schüttelt Karnein energisch den Kopf. "Wenn es ein akzeptables Angebot gegeben hätte, wären wir vielleicht hier geblieben."
 
Nun werden solche Paar-Berufungen von manchen um die wissenschaftliche Qualität fürchtenden Beobachtern kritisch gesehen. Schwer tun sich deutsche Hochschulen auch mit dem "Tenure Track", der begabte Nachwuchskräfte an ihrer eigenen Uni zur Professur führen soll. Denn Hausberufungen sind hier immer noch schwierig, wenn nicht gar verboten. Wer das deutsche Wissenschaftssystem so, wie es ist, gut findet, mag Karneins Weggang für natürlich und nicht weiter beklagenswert halten. Ein Verlust für die Uni Frankfurt ist er aber auf jeden Fall, weil sich die Forscherin mit gesellschaftspolitischen Themen befasst, die hochaktuell sind.
 
Basierend auf ihrer Doktorarbeit an der Brandeis University in Massachusetts hat Karnein ein Buch über die Theorie des ungeborenen Lebens geschrieben. Sie setzt sich darin mit der Frage auseinander, wann ein Embryo als "zukünftige Person" zu betrachten ist und welche Schutzansprüche er hat. Auch die Folgen der Reproduktionsmedizin sind Teil ihrer Überlegungen. Karnein lehnt die Präimplantationsdiagnostik (PID) nicht generell ab; das Verfahren erscheint ihr legitim, wenn es etwa zur Diagnose von Krankheiten diene. Selbst wenn sich taube Eltern nach einem solchen Test bewusst für ein gehörloses Kind entschieden, sei das vertretbar. Problematisch werde es aber, wenn man in die genetische Struktur eines Embryos eingreife. Was die Auswahl werdenden Lebens per PID in ihren Augen akzeptabel macht, fasst Karnein in einem Bild zusammen: "Ich suche mir den Nachbarn aus, mit dem ich zusammenlebe, aber ich maße mir nicht an, seine Nase zu verändern, wenn sie mir nicht passt."
 
Damit nimmt Karnein eine Zwischenstellung zwischen liberalen Eugenikern und christlichen Lebensschützern ein. Vor Angriffen von Fundamentalisten in ihrer künftigen Wahlheimat fürchtet sie sich kaum. "Die lesen uns gar nicht", habe ihr ein Kollege einmal gesagt. Das wird vermutlich auch für das Buch zur Generationengerechtigkeit beim Klimaschutz gelten, das Karnein bald schreiben will. Womöglich wird sie auch hier Anknüpfungspunkte im Werk von Jürgen Habermas finden, von dem sie sich schon in ihren Arbeiten zur Bioethik inspirieren ließ. Dass es sie und ihren Mann eines Tages wieder an Habermas' alte Frankfurter Wirkungsstätte zieht, schließt Karnein nicht aus: "Wenn sich hier tolle Möglichkeiten auftun, kommen wir vielleicht zurück."
 
SASCHA ZOSKE

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Juli 2014, Sascha Zoske. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Guter Ruf. Akademie nimmt Rainer Forst auf

Immanuel Kant sei sein großes philosophisches Vorbild, sagt Rainer Forst. Den Frankfurter Uni-Professor und Leibniz-Preisträger freut es daher besonders, dass ihn die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften als ordentliches Mitglied aufgenommen hat. Das Gelehrtengremium ist die Nachfolgeorganisation der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften, der seinerzeit auch Kant angehört hatte. Außer Forst haben derzeit fünf weitere Frankfurter Forscher einen Sitz in der Akademie, darunter Nobelpreisträger Hartmut Michel. Forst befasst sich mit Grundbegriffen der politischen Philosophie, vor allem mit Theorien von Gerechtigkeit, Toleranz und Demokratie. (zos.)

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Juli 2014. Sascha Zoskie. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Lisa Herzog. Markt und Macht

Es hätte auch ganz anders gehen können", sagt Lisa Herzog. Vielleicht wäre sie Entwicklungshelferin geworden. Oder sogar Musikerin? Stattdessen strebt sie mit nur 30 Jahren pfeilgerade auf ihre Habilitation zu. Eine Sozialphilosophin, die sich an den Schnittstellen von Philosophie und Wirtschaftswissenschaften bewegt. Nah an der Praxis, am Alltag, an der Gesellschaft ist ihr Forschungsgebiet. Anfang des Jahres ist ihr neuestes Buch erschienen: "Freiheit gehört nicht nur den Reichen".
 
Darin analysiert Herzog, wie ein zeitgemäßer Liberalismus aussehen könnte, der Markt und Staat nicht gegeneinander ausspielt. Dass Machtstrukturen die Märkte beeinflussen und Freiheit auch heißen kann, Macht zu beschränken, das sind Thesen, die nicht jeder hören mag. Dessen ist sich Herzog bewusst. Aber wenn sie von etwas überzeugt sei, dann nehme sie auch Stellung, sagt sie.
 
Dass die zierliche Frau mit dem fränkisch gerollten R als Gastautorin in Zeitungen, im Hörfunk und in Diskussionsrunden gefragt ist, hat, so wie sie es formuliert, auch mit dem Markt zu tun. Wenn man einmal anerkannt ist als Fachfrau, dann kommen auch andere Medien, fragen andere Verlage nach. "Ich habe auch viel Glück gehabt", sagt die gebürtige Nürnbergerin, und das klingt nicht kokett, sondern sachlich.
 
Ihre Hochschulkarriere hat sie vor einem Jahr an die Senckenberganlage geführt, in das ehrwürdige Institut für Sozialforschung (IfS). Dessen Direktor Axel Honneth hat Herzog engagiert, um im Exzellenzcluster "Normative Ordnungen" der Universität zu forschen. "Moralische Akteure auf dem Finanzmarkt" untersucht sie. Wie entstehen moralische Normen in der Wirtschaft, wie werden sie aufrechterhalten? Solche Fragen beantwortet Herzog nicht nur theoretisch, sondern auch, indem sie Mitarbeiter einer Frankfurter Bank befragt und ihren Arbeitsalltag begleitet. Insofern tut ihr die Nähe zu den Soziologen am IfS gut, denn deren Forschungsgebiete hat sie gewissermaßen neu entdeckt, seit sie in Frankfurt ist. "Es ist eine große Chance, hier zu arbeiten", sagt Herzog, die zuvor an der Universität Sankt Gallen, an der Technischen Universität München und in Oxford tätig war.
 
Dort hat die Volkswirtin sich der Philosophie und Geschichte zugewandt, einen Master draufgesetzt und dann die Promotion. Zwei Bücher hat sie schon veröffentlicht, am dritten, das mit ihrer Habilitation zusammenhängt, wird sie von Herbst an verstärkt arbeiten. Allerdings nicht in Frankfurt, obwohl sie die Stadt, die Universität und das Kulturangebot schätzen gelernt hat. Eine Einladung, als Postdoc Fellow nach Stanford zu gehen, schlägt man nicht aus. Wiederkommen muss sie schon, weil ihr Lebensgefährte sich im Rhein-Main-Gebiet niedergelassen hat. Und vielleicht darf die Hobbymusikerin irgendwann einmal mit ihrem Klaviertrio im Heiligtum des Instituts, dem Adorno-Zimmer, auftreten und dort den Adorno-Flügel spielen.
 
emm.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Juli 2014, emm. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Wohlstand der Nationen Auch die Muslime hatten ihren Adam Smith: Ibn Khaldun erklärte schon im 15. Jahrhundert den Aufstieg und Fall der Völker.

Von Bertram Schefold
 
Die Erklärungen, die Ibn Khaldun für das Schwanken von Wohlstand und Macht entwirft, lassen sich als lange Wellen wirtschaftlicher Entwicklung auffassen. Die werden allerdings nicht durch autonome Schwankungen der Innovationstätigkeit verursacht, wie das die moderne Theorie sagt. Sondern sie hängen von Aufstieg und Verfall gesellschaftlicher und staatlicher Ordnung ab. Nach einer bestimmten Entwicklungslogik zeigt er, was Weltreiche zusammenhält und was sie sprengt. Der Leser wird bittere Parallelen zu Verfallsprozessen der Gegenwart erkennen.
 
Trotz konservativer Implikationen herrscht eine liberale Tendenz vor: Er ist für niedrige Steuern, er begründet sie mit dem religiösen Gesetz. Aber vor allem mit der aus ihnen folgenden Stärke der wirtschaftlichen Dynamik, und er benennt die Vorbedingungen unternehmerischer Tätigkeit: also Rechtssicherheit, geordnetes Geldwesen, Einfachheit und Unbestechlichkeit der Regenten.
 
Der innere Zerfall der islamisch-arabischen Einheitsmacht hatte lange vor Ibn Khalduns historischer Forschung begonnen und liegt seinem Geschichtsbewusstsein zugrunde. Das Reich der ersten Kalifen und der Omaijaden erstreckte sich von Spanien bis nach Indien und Mittelasien. Unter der nachfolgenden Dynastie der Abbasiden begannen sich die zentrifugalen Kräfte geltend zu machen. Der Mongolensturm auf Bagdad (1258) setzte ihr das Ende. Im 14. Jahrhundert bedrohte das zweite Großreich der Mongolen eine in sich zersplitterte arabische Welt.
 
Ibn Khaldun (1332-1406) war in Tunis in eine Familie geboren worden, die in Andalusien durch Mitglieder in wichtigen Ämtern Einfluss besessen hatte. Er verband mit staunenswerter Tatkraft und Beständigkeit eine hohe wissenschaftliche Gelehrsamkeit mit einer angesehenen, aber auch anstrengenden und sogar gefahrvollen staatlichen Laufbahn als Richter und Beamter an den drei Höfen des Maghreb, am Hof von Granada und in Kairo. Er war akademischer Lehrer und Oberrichter und diskutierte in diplomatischer Mission mit dem gefürchteten Timur, der auf sein Grabmal in Samarkand die einzigartige Inschrift setzen lassen sollte: "Wenn ich noch lebte, würdest du vor mir zittern."
 
Ausgangspunkt von Kahlduns Forschungen ist das Leben der Nomaden. Sie sind tugendhafter und tapferer als die Städter; naturgemäß müssen ihnen die Blutsbande wichtiger sein, und so entsteht unter ihnen eine ausgeprägte Solidarität ("asabiya"). Diese Solidarität erlaubt es den führenden Familien eines Stammes, von einer eroberten Stadt Besitz zu ergreifen; sie ermöglicht ihnen als Herrschern den Aufstieg und die Erweiterung ihrer Macht, aber die reicher gewordenen späteren Generationen lösen sich unter dem Einfluss eines luxuriöseren Lebens von der Stammessolidarität ab. Die ein einfaches Leben gewohnten jungen Dynasten erheben nur wenige, nämlich die vom Koran vorgesehenen Steuern. Später vervielfachen sich die finanziellen Ansprüche. Die noch dem Nomadentum verhaftete Dynastie bedrückt die Untertanen wenig, diese arbeiten freudig, während die Verfeinerung der herrschenden Schicht zu steigenden Auflagen, zu höheren Abgaben auf Handelswaren beispielsweise, und zu anderen Bedrückungen führt, die den Besitz des Untertans unsicher machen.
 
Zu den Übergriffen gehören Verzerrungen des Preisgefüges, eine ungerechte Handhabung von Privilegien und Monopolen und schließlich die Finanzierung von Söldnern, wenn sich tyrannisch gewordene Herrscher nicht mehr auf den Stamm verlassen können. Im Aufschwung fördert die wirtschaftliche Macht des Herrschers den Wohlstand mehr als sie ihn schädigt, denn das Reich ist selbst ein Markt. Im Niedergang folgen Willkürmaßnahmen wie Zwangsarbeit und staatliche Lenkung des Handels, die den Erwerb entmutigen, bis der Staat so sehr geschwächt ist, dass ein neuer Stamm die Eroberung wagen kann und sich der Kreislauf wiederholt.
 
Die Logik dieser Vorgänge wird mit einer erstaunlichen Vielzahl von Beispielen erläutert und insbesondere mit Vergleichen zwischen großen und kleinen Städten. In den Ersteren ist wegen der Arbeitsteilung das Lebensnotwendige billiger, der Luxus aber teurer. Es werden dort mehr indirekte Steuern erhoben, so dass die Preise steigen und die arme Bevölkerung sich die Kosten der Niederlassung nur schwer leisten kann.
 
Die Beobachtungen verbinden sich mit scharfsinnigen ökonomischen Erklärungen. Bei den notwendigen Gütern können die Preise die Produktionskosten kaum übersteigen; die anders geartete Nachfrage ermöglicht den spezialisierten Handwerkern ein besseres Leben.
 
Die Misswirtschaft, die mit dem Luxus einhergeht, führt zum religiösen Verderb. Auch die kulturelle Entfaltung ist an das wirtschaftliche Auf und Ab gebunden, denn die edlen Gewerbe wie die Medizin, die Buchkunst und die Musik müssen im Umgang mit den Mächtigen ausgeübt werden. Die Wissensvermittlung ist städtisch, und das Wissen sammelt sich in den berühmten Zentren wie Bagdad und Cordoba. Während der Reichtum schwankt, akkumuliert er sich in den Bibliotheken. Die Gewinne der Kultur bedeuten freilich keinen säkularen Fortschritt, weil die Verbesserungen nicht alle Gebiete ergreifen und jedenfalls der religiöse Ernst nicht zurückgewonnen wird, der Mohammeds Zeitalter kennzeichnete.
 
Nach langem Vergessen ist Ibn Khaldun nicht nur berühmt, sondern geradezu Mode geworden. Wer nach ihm im Internet sucht, kann sich vor Verweisen kaum retten. Seinen Namen tragen alle möglichen Institute. In der islamischen Welt wird er als Begründer der Nationalökonomie gefeiert, wie bei uns Adam Smith. Selbst als Pionier der Umweltökonomie wird er genannt, weil er beobachtete, wie mit steigender Bevölkerungsdichte Schmutz und Krankheiten in den Städten zunehmen.
 
Der Autor ist Wirtschaftsprofessor an der Frankfurter Goethe-Universität.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juli 2014, Bertram Schefold. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Schluss mit dem Übermenschen-Klischee. Nietzsche und einer seiner Bewunderer: James Conant revidiert das Bild des Philosophen als elitärer Antidemokrat

Chicago 1924: Zwei junge Männer aus gutem Haus töten einen vierzehnjährigen Teenager mit dem Vorsatz, das perfekte Verbrechen zu begehen. Das Plädoyer ihres Verteidigers Clarence Darrow gilt als eine der eloquentesten Reden gegen die Todesstrafe, die je in einem amerikanischen Gerichtssaal gehalten wurden. James Conant, Philosophieprofessor an der heutigen Universität von Chicago, interessiert sich für dieses Plädoyer indes aus einem ganz anderen Grund. Denn im Zentrum von Darrows Verteidigungsrede steht die Anklage eines Philosophen - die minderjährigen Mörder seien von der Philosophie Friedrich Nietzsches in die Irre geleitet worden.
 
Nietzsches Idee des Übermenschen, für den die gewöhnlichen Gesetze und Gebote nicht gelten, sei von den jungen Leuten beim Wort genommen worden. Nietzsche aber müsse wie ein Dichter gelesen werden, nicht wie einer, dessen Philosophie für das Leben Geltung beanspruchen kann. Es ist dies, wie Conant feststellt, nicht das einzige, aber ein besonders wirkmächtiges Klischee, das bis heute über Nietzsche im Umlauf ist.
 
Im ersten Teil seines Buchs tritt Conant deshalb an, Nietzsche gegen den Vorwurf eines zwar unterhaltsamen, aber zutiefst amoralischen Elitismus zu verteidigen. Seine Gegner sind dabei nicht bloß diejenigen, die Nietzsche als einen durchgeknallten Herrenmenschen zitieren, sondern auch diejenigen, die ihm zuschreiben, die Organisation der Gesellschaft einzig an der Förderung herausragender Kulturleistungen ausrichten zu wollen. Den wenigen dazu fähigen Ausnahmemenschen soll sich der Rest in den Dienst stellen.
 
Das Bild von Nietzsche als Prototyp eines so verstandenen "Perfektionismus" wurde vor allem von dem prominenten amerikanischen politischen Philosophen John Rawls geprägt; zwangsläufig erhält Nietzsche damit bei Rawls und den von ihm beeinflussten Diskussionen die Rolle eines direkten Gegenspielers aufgeklärter, liberaler Demokratien. Dass dies eine Fehlbesetzung ist, zeigt Conant überraschenderweise an Nietzsches Verhältnis zu Ralph Waldo Emerson. Denn dieser, der anders als Nietzsche mit einer Philosophie der Demokratie verbunden wird, ist von jenem nicht nur ein Leben lang gelesen worden, vielmehr finden sich Emersonsche Formulierungen an signifikanten Stellen ausgerechnet derjenigen Schrift, die gern für den Nachweis von Nietzsches Elitismus angeführt wird: "Schopenhauer als Erzieher".
 
Dass der Einfluss Emersons auf Nietzsche in diesem Text unausgewiesen geblieben ist, muss, wie Conant argumentiert, als Symptom für die damalige Nähe von Nietzsches Denken zu Emerson genommen werden. Tatsächlich bemerkt Nietzsche einmal, er dürfe Emerson nicht loben, weil der ihm zu nahe stehe. Auf dieser Spur gewinnt Conant ein ganz anderes Bild des nietzscheanischen Perfektionismus. Nietzsche entpuppt sich Schritt für Schritt als ein Denker der exemplarischen Rolle, die "große Menschen" im Leben der Einzelnen spielen können. Nicht als Ausnahmemenschen, die wir auf Sockel stellen, um sie auf Distanz zu halten, sondern im Sinne eines ebenso beunruhigenden wie belebenden Stachels, den sie uns ins eigene Selbstverhältnis setzen, indem sie uns zu Höherem provozieren.
 
Entscheidend für ein solches Verständnis des Perfektionismus ist, dass die "großen Menschen" gerade nicht als von uns substanziell verschieden gedacht werden - wie im Klischee des Übermenschen -, sondern im Gegenteil Möglichkeiten unserer selbst verkörpern. Damit rückt Nietzsche in ein ganz anderes Verhältnis zur Demokratie. Wie Emerson oder John Stuart Mill erscheint er jetzt als Verteidiger einer Gesellschaft, in der "das Streben nach einem aristokratischen Ideal der Vortrefflichkeit das Geburtsrecht jeden Bürgers ist". Nach diesem Ideal zu streben heißt, wie Emerson (und Nietzsche mit ihm) sagt, von den "großen Menschen" den "richtigen Gebrauch" zu machen, einen Gebrauch nämlich, der ihre Größe schließlich abschafft.
 
Der zweite Teil von Conants Verteidigung Nietzsches schwenkt von der praktischen zur theoretischen Philosophie. Er richtet sich gegen das vor allem durch Arthur Danto verbreitete Klischee von Nietzsche als einem "erkenntnistheoretischen Relativisten" und "metaphysischen Anti-Realisten". Nietzsche soll demnach einer Auffassung den Weg bereitet haben, der zufolge wir uns erstens auf keinen Gegenstand ohne Rücksicht auf die Perspektive beziehen können, in der er uns gegeben ist, so dass wir zweitens über sein Ansichsein nichts mehr sagen können. Weshalb uns, wie Danto zusammenfasst, drittens nicht viel mehr bleiben soll, "als auf unserer Perspektive zu beharren und sie nach Möglichkeit anderen aufzudrängen".
 
Conant verteidigt Nietzsche, indem er auf dessen Denkweg hinweist: Der späte Nietzsche erscheint darin überlegen, dass er den irreführenden Gegensatz zwischen dem Ding an sich und der perspektivischen Erscheinung zugunsten einer "resolut diesseitigen Objektivitätsauffassung" hinter sich lasse statt Objektivität mit der Unabhängigkeit von Perspektiven überhaupt gleichzusetzen, wird sie beim späten Nietzsche aus dem Vergleich der Perspektiven gewonnen: Unsere verschiedenen Perspektiven sind dann nicht mehr Kerker unserer niemals zur Objektivität der Welt vordringenden Subjektivität, sondern Werkzeuge, um Erkenntnisse über sie zu gewinnen.
 
So unterschiedlich die beiden Plädoyers ausfallen, sie sollen doch, wie Conant im Nachwort erläutert, als Erläuterungen eines einzigen philosophischen Projekts verstanden werden können - und zwar dann, wenn man dem Interesse Nietzsches für die Wandelbarkeit nicht bloß einzelner Personen, sondern ganzer Lebensformen Rechnung trägt. Wie man sich die Durchführung dieses Projekts genau vorzustellen habe, entfaltet das knappe Nachwort nicht. Aber Conants Buch präsentiert uns einen Nietzsche, den es jenseits der Klischees, die sich in der philosophischen Rezeptionsgeschichte verfestigten, mit Blick auf diesen und andere Fragen neu zu lesen lohnt.
 
JULIANE REBENTISCH
 
James Conant: "Friedrich Nietzsche". Perfektionismus und Perspektivismus.
Konstanz University Press, Konstanz 2014. 391 S., geb., 44,90 [Euro].


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. August 2014, Juliane Rebentisch. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv".


Wie viel Geldgier gehört zum Kapitalismus? Frankfurter Stadtgespräch des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 25. September 2014 im Historischen Museum

Pressemitteilung

19. September 2014

FRANKFURT AM MAIN. Um den Kapitalismus zu erklären oder zu rechtfertigen, wird auf der einen Seite häufig eine Rationalität und Sachlichkeit wirtschaftlichen Handelns unterstellt. Auf der anderen Seite ist in öffentlichen Diskussionen gerade der jüngeren Zeit von einer schädlichen oder schändlichen „Gier“ die Rede und von einem notwendigen „Vertrauen“, das den Märkten entgegengebracht werden müsse. Sichtweisen dieser Art scheinen auf eine zentrale Rolle nicht-rationaler Motive hinzudeuten. Die Frage, welche Bedeutung Emotionen in unserer Wirtschaftsordnung haben, steht im Mittelpunkt des 16. Frankfurter Stadtgesprächs des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ zum

Thema: „Der Gefühlshaushalt des Kapitalismus – Geldgier als Strukturprinzip?“
am: Donnerstag, dem 25. September 2014, um 19.00 Uhr.
Ort: Historisches Museum, Fahrtor 2 (Römerberg), 60311 Frankfurt.

Auch bei der jüngsten Auflage des Stadtgesprächs ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich willkommen. Als Gast des Exzellenzclusters nimmt die Historikerin Ute Frevert an der Podiumsdiskussion teil. Sie ist Emotionsforscherin und Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin. Ihr Gesprächspartner von Seiten des Clusters, Sighard Neckel, lehrt Soziologie an der Goethe-Universität. Die Moderation hat Rebecca Caroline Schmidt, Juristin und Geschäftsführerin des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes der Goethe-Universität. Kooperationspartner der Veranstaltung ist das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.

Von Interesse für das Podiumsgespräch ist in Zeiten zunehmender Burnouts auch die Frage, wie die Gefühlswelt der Menschen durch den Kapitalismus geformt wird. Setzt die vermeintliche Rationalität des Kapitalismus nicht notwendig emotionale Antriebe wie Geldgier voraus? Und auf welche Weise verändert der Kapitalismus den Gefühlshauhalt des modernen Menschen? Die Diskutanten haben sich auch weit über ihre Fachgebiete hinaus mit der Erforschung dieser und ähnlicher Fragestellungen einen Namen gemacht.

Die Historikerin Ute Frevert leitet am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung einen Forschungsbereich zur „Geschichte der Gefühle“. Einer ihrer Schwerpunkte betrifft die Frage nach der Geschichte und Geschichtsmächtigkeit von Emotionen: Werden Gefühle kulturell geformt? Und: Machen Gefühle Geschichte? Dabei publizierte sie auch zum Thema Gefühle und Kapitalismus. Ute Frevert ist Trägerin des Leibniz-Preises und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Im vergangenen Jahr erschien ihr vielbeachtetes Buch „Vertrauensfragen: Eine Obsession der Moderne“.

Der Soziologe Sighard Neckel beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Folgen des Finanzmarktkapitalismus und der globalen Ökonomie. Einer seiner weiteren Forschungsschwerpunkte ist die Emotionssoziologie. Hier hat er Studien zu den Gefühlen der Scham, der Wut, des Neides und der Gier vorgelegt sowie sich mit den Prozessen der Emotionalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft auseinandergesetzt. Seine Untersuchung „Strukturierte Verantwortungslosigkeit. Berichte aus der Bankenwelt“ wurde zum „Sachbuch des Monats“ gewählt. Zu seinen jüngsten Publikationen gehört „Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft“.

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; www.normativeorders.net/de/

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 2014 feiert sie ihren 100. Geburtstag. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto „Wissenschaft für die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.

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Erfolgsstory von morgen. Biennale des bewegten Bilds macht Schule

Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG), trägt ein schwarzes T-Shirt mit einem B und drei weißen Balken. Es ist das Motiv der Biennale des bewegten Bildes: Kracke ist nicht nur der Kopf des Kulturfestivals, das letztes Jahr ins Leben gerufen wurde, sondern auch sein erster Botschafter: "Die Biennale", sagte er bei der Vorstellung des Programms, "verfolgt ein einzigartiges Konzept in der Welt. Wir wollen aus ihr eine Erfolgsstory machen."

Damit sich diese Ambitionen auch erfüllen können, wird die Biennale in diesem Jahr um die sogenannte "Autumn School" erweitert. Zum einen geht es dabei um einen international besetzten "Think Tank", wo das Konzept für die nächste Ausgabe im kommenden Jahr erarbeitet wird. Zum anderen werden in 35 Workshops Studenten, Lehrern und Schülern die neuen Trends aus Film, Kunst, Hörspiel und Gaming vorgestellt. Die Veranstaltungen finden in verschiedenen Frankfurter Bildungs- und Kultureinrichtungen statt, unter anderem der Städelschule sowie dem Deutschen Filmmuseum. Sie beginnen am Sonntag und enden mit einer Präsentation am darauffolgenden Samstag.

Die Biennale in diesem Jahr hat den Titel "Expanded Senses" - erweiterte Sinne. Damit greift das Festivalteam um Kracke die "Expanded Narration" aus dem letzten Jahr auf. Dahinter steht die Idee eines Treffpunkts der internationalen Kreativszene: "Wir haben", erläutert Kracke, "heute ganz neue Medienformate: Kuppel-Projektionen, Google-Glass, Multi-Screens. Deshalb verfolgen wir einen Ansatz, der verschiedene Genres und Disziplinen vereint." Für die Umsetzung von "Expanded Senses" hat Kracke viele Partner und Unterstützer gefunden, unter anderem die hessische Film und Medienakademie (HfMa) mit ihren 13 Hochschulen.

Das hessische Wissenschaftsministerium ist mit anderen zusammen Träger des Projekts. Minister Boris Rhein (CDU) begründete gestern das Engagement der Landesregierung: "Das Festival sendet Impulse für die Medienstandorte in Frankfurt, dem Rhein-Main-Gebiet und Hessen."

haav.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. September 2014, haav. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Unternehmerische Gier in neuer Form Ist gute Stimmung im Betrieb ein Kniff, die Rendite zu treiben? Eine Diskussion in Frankfurt

HAAV. FRANKFURT. "Gier ist out, Gefühle sind in." Mit diesem Satz leitet Moderatorin Caroline Schmidt die Diskussion ein. Ihre Gesprächspartner erklären dem Publikum zwei Stunden lang, warum der Satz nichts Gutes verheißt. Es ist ein aufklärerischer Abend.

Das Exzellenzcluster der Goethe-Universität hatte am Donnerstag zu einem Gespräch ins Historische Museum am Römerberg geladen. Etwa 200 Besucher hörten sich an, was die Historikerin Ute Frevert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und der Frankfurter Soziologe Sighard Neckel zum Gefühlshaushalt in der Wirtschaftswelt zu sagen hatten. Frevert beschäftigt sich seit Jahren mit der Bedeutung von Emotionen für historische Ereignisse. Neckel hat während der Finanzkrise Börsenspekulanten unter anderem in Frankfurt zu ihrem Gefühlshaushalt befragt. Frevert wie auch Neckel halten die neue, weiche Seite der modernen Arbeitswelt schlicht für eine Mogelpackung. Neckel spricht von einer "Pflicht zur Selbstverwirklichung" und dekonstruiert damit das Marketing-Bild von Großkonzernen, allen voran Google. Frevert ist überzeugt, dass Werte wie Authentizität und Teamarbeit zu einem Standard geworden seien, den sich jeder Mitarbeiter antrainieren müsse, ob ihm das passe oder nicht. Gefühle bei der Arbeit werden nach Ansicht beider Wissenschaftler nicht mehr erlebt, sondern abgerufen. Und wenn sie einmal nicht dem Ideal des Vorgesetzten entsprächen, müssten sie optimiert werden.

Hinter der Maske der Empathie verbirgt sich für Neckel und Frevert deshalb die unternehmerische Gier. Das beste Beispiel ist für sie der Bestseller "Emotionale Intelligenz" des amerikanischen Psychologen Daniel Goleman aus den neunziger Jahren. Danach ist laut Frevert die Losung ausgegeben worden, dass man mit einem empathischen Management den eigenen Profit verdreifachen könne. Dadurch habe sich das Konzept zum Leistungsprinzip pervertiert. Wo es früher hieß "Jetzt reiß dich mal zusammen", bekomme man heute zu hören: "Jetzt geh mal aus dir raus."

Dass die Selbstverwirklichung auf Befehl nicht immer klappt, liegt für die Forscher auf der Hand. Für sie zeigt sich der postmoderne Druck in der großen Nachfrage nach Psychotherapien und Antidepressiva. Viele Arbeitnehmer seien heute verunsichert, ob ihre angebliche Authentizität gekünstelt sei. Bei Therapeuten fragten sie dann oft: "Sind die positiven Gefühle, die ich habe, meine wirklichen?"

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. September 2014, HAAV. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

5. Oktober 2014, hrINFO





Exzellenzinitiative soll ausgeweitet werden

oll. BERLIN, 20. Oktober. Die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern soll fortgesetzt werden. Das geht aus einer Beschlussvorlage für die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Die neue Förderrunde soll noch Ende des Jahres 2016 beginnen, auch wenn sie erst von 2018 an wirksam wird, weil die jetzt geförderten Projekte noch bis Ende 2017 laufen. Neu soll bei einer weiteren Runde der Initiative sein, dass auch die Lehre mit einbezogen wird. Es sollen Fördermöglichkeiten für "alle Leistungsbereiche der Hochschule" beantragt werden können, die deren fachliches und strategisches Profil unterstützen, heißt es in der Beschlussvorlage. Gezielt gestärkt werden soll die Zusammenarbeit von Hochschulen untereinander und "mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie der Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Akteuren in regionalen Verbünden, Netzwerken oder neuen institutionellen Formen".
 
Wie bei den drei früheren Runden der Exzellenzinitiative soll auch exzellente grundlagen- und anwendungsorientierte Spitzenforschung in Universitäten gefördert werden können. Damit hätten die jetzt ausgezeichneten Universitäten die Chance, sich für eine weitere Förderperiode zu bewerben. Zwar soll es sich weiterhin um ein wissenschaftsgeleitetes Auswahlverfahren handeln, das "Transparenz und Akzeptanz der Auswahlentscheidungen innerhalb der Wissenschaft befördert" und den erfolgreichen Standorten international hohe Anerkennung sichert, doch soll sich die neue Exzellenzinitiative nicht mehr - wie bisher - allein auf Spitzenforschung innerhalb von Universitäten beziehen. Denkbar ist bei der neuen Vorlage, dass auch andere Hochschularten wie Fachhochschulen für andere Leistungsbereiche ihrer Universität erfolgreich abschneiden. Einzelheiten für den neuen Wettbewerb soll die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz erarbeiten. Dabei sollen auch die Ergebnisse der Evaluation der Exzellenzinitiative berücksichtigt werden, die 2016 vorliegen sollen.
 
Erst vor kurzem hatten die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Wissenschaftsrat und die Sprecher der von der Exzellenzinitiative geförderten Cluster und Graduiertenschulen sowie die Universitätsrektoren und -präsidenten an die Politik appelliert, eine "schnelle Grundsatzentscheidung über die Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative" zu treffen. Die strukturbildende Wirkung der Exzellenzinitiative, die vor allem im Ausland zu größerer Sichtbarkeit geführt habe, sei nur durch längere Förderzeiträume zu sichern, hieß es in dem Appell nach einer gemeinsamen Tagung in Bad Honnef.
 
Am 30. Oktober wird die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, in der die Wissenschaftsminister der Länder, das Bundesfinanzministerium sowie das Bundesbildungsministerium vertreten sind, über die Beschlussvorlage entscheiden und ihr Votum dann der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten der Länder zu ihrer Sitzung am 11. Dezember mit der Bitte um Zustimmung zuleiten. Damit hätten die Universitäten die Planungssicherheit, die sie mehrfach angemahnt hatten. Denn in den Projekten der Exzellenzinitiative sind Tausende junger Nachwuchswissenschaftler beschäftigt, die sich bald auf langfristige Stellen bewerben, wenn sie nicht die Chance auf eine Weiterarbeit in ihrer Forschungsfrage sehen.
 
Bund und Länder hatten im Juni 2009 beschlossen, die Exzellenzinitiative bis zum Jahr 2017 mit einem Gesamtfördervolumen von 2,7 Milliarden Euro fortzusetzen. Die vorgesehenen Mittel wurden vom Bund und dem jeweiligen Sitzland der geförderten Projekte im Verhältnis 75 zu 25 getragen. Im Juni 2012 war die Entscheidung für die dritte Runde der Exzellenzinitiative gefallen. Insgesamt 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und elf Zukunftskonzepte (Exzellenzuniversitäten) konnten sich in einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren durchsetzen.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Oktober, oll. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

Offen für Rechtslehren aus aller Welt

Das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte hat nicht nur ein neues Haus, sondern auch neue Arbeitsgebiete. Jetzt wird es 50 Jahre alt.

Von Eva-Maria Magel

 FRANKFURT. Die kleine Spielerei macht Thomas Duve Spaß. Steil nach oben weisen die Linien des Diagramms. Es zeigt an, wie oft die Begriffe "global law" und "transnational law" seit 1930 in Buchtiteln vorgekommen sind. Allerdings braucht Duve, seit 2009 Direktor des Max-Planck-Instituts (MPI) für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt, nicht unbedingt eine Internetgraphik, um zu erklären, wie wichtig es für sein Fachgebiet ist, transnationales Recht zu erforschen. Die Zeitläufte, geprägt durch Globalisierung und digitale Revolution, sprechen für sich.
 
Dass allerdings ausgerechnet ein rechtshistorischer Blick Perspektiven eröffnen könnte, mag zunächst befremden. Zumal Rechtsgeschichte, vor hundert Jahren noch unabdingbarer Bestandteil der Juristenausbildung, heute eher ungeliebtes Anhängsel ist und von vielen am liebsten ganz den Historikern zugeschlagen würde. "Ich glaube an die dezidiert juristische Dimension der Rechtsgeschichte", sagt der 1967 geborene Duve, der die Herausforderungen und Stärken des Fachs in seiner Brückenfunktion sieht.
 
Als das Frankfurter Institut 1964 gegründet wurde, war es gewissermaßen Avantgarde. Gründungsdirektor Helmut Coing hatte Schwerpunkte auf die nicht-nationale Rechtsgeschichte und die Rechtspolitik gesetzt. Vor 50 Jahren, so erinnern sich seine Nachfolger zum Jubiläum, gab es auch die Hoffnung, Europa als Rechtsgemeinschaft neu aufzubauen. Und einen politischen Gestaltungswillen Coings, der mit nur sieben Mitarbeitern in ein paar Räumen im Westend begonnen hatte.
 
Duve hält nichts davon, Politikberatung zu betreiben. "Ich hätte große Bedenken, die Rechtsgeschichte so in den Dienst zu stellen", sagt er, "es geht darum, einen Raum des Nachdenkens über Recht zu eröffnen, in vielen Bezügen. Wir müssen die Grundlagen neu diskutieren."
 
Wie alle Max-Planck-Institute baut auch das für europäische Rechtsgeschichte auf der Berufung eines in seinem Fach besonders profilierten Direktors auf - bei seinem Ausscheiden kann es auch wieder geschlossen werden. Mit Duve aber ist immerhin schon der sechste Direktor benannt. Jeder hat der Forschung seinen Stempel aufgedrückt, auch wenn der Wandel oft Zeit in Anspruch nimmt. Noch heute etwa sitzt ein Mitarbeiter an Coings "Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte". Mit Duves Vorgänger Michael Stolleis zogen unter anderem das öffentliche Recht und das Völkerrecht in die Forschung ein. Mit Duve, der zuvor in Buenos Aires Professor für Rechtsgeschichte war und einen weiteren Schwerpunkt im Kirchenrecht hatte, kam vor fünf Jahren der Blick auf Lateinamerika hinzu, der Einfluss des europäischen Rechts auf die indigenen Gesellschaften dort und umgekehrt.
 
Um Rechtstheorie, Grundlagen der europäischen Konstitutionalisierung und Fragen nach der Rolle des Staates sowie nach anderen Rechtskulturen zu betrachten, arbeiten Duve und seine Kollegen unter anderem mit dem Exzellenzcluster "Herausbildung normativer Ordnungen" zusammen. Das ist jetzt noch einfacher geworden: Seit 2013 hat das MPI ein eigenes Haus nahe dem Cluster-Gebäude, einen Neubau auf dem Campus Westend, dessen Architektur den Institutsgeist spiegeln soll. Um ein Gärtchen gruppieren sich die Büroetagen für 100 Mitarbeiter, eine großzügige Bibliothek und Appartements für Gäste. Offen und doch konzentriert, zeitgenössisch, aber dem "Schlüssel zur Vergangenheit" verpflichtet, wie Duve sagt, sieht sich das MPI 50 Jahre nach seiner Gründung.
 
Weltweit gilt es als einzigartige Einrichtung. Es gebe wohl kaum einen renommierten Rechtshistoriker, der nicht hier zu Gast gewesen sei, sagt Stolleis, der selbst ein prominenter Vertreter seines Fachs ist. Die persönlichen Begegnungen auch mit dem Nachwuchs seien das "Salz" in der Forschung, so Stolleis - obwohl ein eigener Saal für Videokonferenzen eingerichtet wurde, der rege genutzt wird. Aber mit dem Gespräch ist es wie mit den Büchern: Freier Zugang schafft Potential. Und so ist nicht nur der Emeritus begeistert von der neuen Bibliothek, die ihresgleichen suche und zu deren Bestand er selbst viel beigetragen hat. Sie umfasst 420 000 Titel, rund ein Viertel der Fläche ist für den Freihandbestand reserviert. Platz ist für 180 000 Einheiten mehr. Die hauseigenen Publikationen füllen Regale im charmanten Lesesalon. Die Bibliothek kann auch extern genutzt werden, und zum Jubiläum wird auch die Tradition der öffentlichen Abendvorträge wiederbelebt. Bald könnte es auch eine Antrittsvorlesung geben: Wie Stolleis einst mit der früh verstorbenen Marie Theres Fögen soll auch Duve mit einem weiteren Direktor eine Doppelspitze bilden. Die Suche zog sich hin. Nun aber sei ein Ruf ergangen, sagt Duve. Der Neuberufene werde den angloamerikanischen Raum abdecken. Die nächste Erweiterung der Rechtsgeschichte steht bevor.
 
Am 15. Oktober um 18 Uhr wird die Reihe der öffentlichen "Frankfurter Rechtshistorischen Abendgespräche" mit einem Vortrag von Andreas Wirsching wieder eröffnet. Zuvor feiert das Institut sein fünfzigjähriges Bestehen. Informationen im Internet unter www.rg.mpg.de.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Oktober 2014, Eva-Maria Magel. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

Im Gespräch: Hartmut Leppin, Althistoriker an der Universität Frankfurt

"Ich möchte die Erinnerung an gefährdete Christentümer bewahren"

Hartmut Leppin bekommt 2015 den begehrten Leibniz-Preis. Er weiß schon, wofür er das Preisgeld von 2,5 Millionen Euro nutzen will, und er spricht über Theologie und Kirche, christliche Machtverliebtheit und Machtkritik.

Das Christentum in Europa schwächelt. Woran liegt das?

Ich würde sagen: Das kirchlich organisierte Christentum schwächelt. Jenseits der Kirchen gibt es aber viele Menschen, die etwas im Christentum suchen. Das zwingt die Kirchen und die Theologen, aber auch die Historiker dazu, sich zu fragen, was Christentum eigentlich ist.

Könnte es denn wieder kräftiger werden?

Ich habe nicht den Eindruck, dass die Kirchen in ihrer gegenwärtigen Form hierzulande entscheidend stärker werden können, was ich als Angehöriger der evangelischen Kirche bedauere, weil nicht nur religiöse Traditionen, sondern auch bestimmte Formen des kulturellen Lebens verlorengehen können. Aber in der Individualisierung des Christentums liegt auch eine Chance für einen bewussteren Glauben.

Mit Schwächen und Stärken befassen Sie sich von Januar an intensiver: Dann gibt es an der Goethe-Uni den Sonderforschungsbereich "Schwächediskurse und Ressourcenregime", dessen Sprecher Sie sind. Mehr als 50 Historiker, Ethnologen, Sinologen, Philosophen und Rechtshistoriker arbeiten mit. Was wollen Sie besonders in den Blick nehmen?

Generell erhoffen wir uns Erkenntnisse darüber, wie sich ein Diskurs über Schwäche in Handeln umsetzt, was in vielen Teilprojekten untersucht wird. Meines etwa beschäftigt sich damit, inwieweit in der Spätantike, als die militärischen Ressourcen des Römischen Reichs schwanden, plötzlich religiöse Ressourcen des Christentums wichtig wurden. Da wurden im Krieg Heiligenbilder genutzt, und sie zeigten aus der Sicht der Zeitgenossen Wirkung. Ich widme mich damit zugleich der Frage, welche Folgen das für die Vorstellung vom heiligen Krieg hat, wie sie in der religiös aufgeladenen Welt der Spätantike entstand.

Nicht zuletzt für Ihre Arbeiten über die Spätantike und das frühe Christentum werden Sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit dem Leibniz-Preis 2015 ausgezeichnet. Was fangen Sie mit dem Preisgeld von 2,5 Millionen Euro an?

Ich möchte dabei helfen, die Christentümer der nicht-klassischen Sprachen zu erschließen. Es gibt sehr viele Spezialisten auf diesem Feld. Einige von ihn hoffe ich in Frankfurt zusammenzuführen, um mit ihnen die Vielfalt des antiken Christentums noch stärker herauszuarbeiten. Diese Christentümer haben teils bis heute überlebt, sind aber gefährdet und stehen jetzt vielerorts durch die Konflikte im Nahen Osten, namentlich durch die Herrschaft von Isis, vor dem Untergang. Es geht mir auch darum, die Erinnerung an sie zu bewahren, denn sie sind eine wichtige Tradition der Menschheit. Außerdem möchte ich mit Forschungen über die Ausbreitung des Buddhismus in Zentralasien und China beginnen, die gleichzeitig mit der des Christentums im Römischen Reich erfolgte. Dabei ist mein Ziel, zu untersuchen, ob es strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen diesen Prozessen gibt.

Die DFG lobt Sie unter anderem als einen "eigenständigen Denker, der intellektuelle Risiken eingeht, um wissenschaftliches Neuland zu erschließen". Können Sie ein besonders großes Risiko nennen?

Vielleicht ist für manche überraschend, dass ich gern Epochengrenzen überschreite und mich als Historiker stark auf theologische Fragestellungen einlasse. Aber ich muss Religion und Theologie ernst nehmen, wenn ich verstehen will, welche Handlungsmotive die Menschen in der Spätantike leiten konnten. Eine Abwehrhaltung von Historikern gegenüber Theologie, die als irrational abgegrenzt wird, führt nicht weiter.

In der Spätantike konsolidierte sich das Christentum nach der Verfolgung und wurde zur Staatsreligion im Römischen Reich. Auch damit befassen Sie sich in einem von der DFG geförderten Projekt an der Universität. Warum war die neue Religion für die Herrscher attraktiver als es die alten Glaubenssysteme waren?

Zunächst einmal war sie für die Bevölkerung attraktiv. Die Christen waren in der Lage, neue religiöse Antworten zu geben. Wichtig war aber auch die praktizierte Milde unter den Christen. Zudem eröffnete das Christentum Frauen neue Spielräume. Sie mussten beispielsweise nicht heiraten oder nach dem Tod des Ehemanns wieder heiraten, wie bei den Römern üblich. Das Christentum wertete die Jungfrauenschaft oder das Witwentum höher als die Ehe, was manchen Frauen neue Freiräume erschloss.

Und die Herrscher?

Nach dem Sieg bei der Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312, den Kaiser Konstantin dem Christengott zugeschrieben hatte, kamen die christlichen Wortführer zu ihm und sagten: Wenn du den Christengott wirklich fördern willst, musst du ihm auch Kirchen bauen, ihre Institutionen stärken, und du solltest ihren Normen nicht zuwiderhandeln. Der christliche Glaube nahm die Herrscher als Person stärker in die Pflicht als andere antike Religionen. Darüber verhandelten Christen mit Konstantin und seinen Nachfolgern im 4. Jahrhundert. In dieser Zeit bestanden eine bemerkenswerte religiöse Vielfalt und ein gewisser Respekt voreinander. In politischen Reden schwieg man über den Glauben oder sprach allgemein über ihn. Auch hat man es in den meisten Städten vermieden, Kirchen in den Zentren zu bauen. Diese Phase einer begrenzten Neutralität dauerte aber nur 60 bis 70 Jahre. Später beharrten dann die tonangebenden Christen darauf, dass ihre Religion die einzig wahre sei. Die Kaiser schlossen sich dieser Haltung an, wodurch sich das Römische Reich grundlegend veränderte. Schon Theodosius, der von 379 bis 395 regierte, erließ die ersten Gesetze, die auf ein Verbot heidnischer Praktiken hinausliefen.

Welchen Preis zahlte das Christentum für diese Entwicklung?

Dass es unter seinen Anhängern immer mehr Opportunisten gab, die sich nicht aus innerer Überzeugung dieser Religion anschlossen, sondern etwa aus Karrieregründen, wurde von Zeitgenossen nachvollziehbarerweise getadelt. Von außen betrachtet, war diese Zeit aber für die Kirche als Organisation sehr erfolgreich.

Welche Rolle spielten die großen Konzilien?

Einerseits haben sie zur Spaltung der Christenheit beigetragen, vor allem das Konzil von Chalkedon im Jahr 451, dessen Wirkungen bis heute spürbar sind. Andererseits haben die Synoden und der Streit der Christen für so viel Aufmerksamkeit gesorgt, dass man sich gezwungen sah, sich zu positionieren - und damit quasi Christ zu werden. Das gilt auch für die Kaiser. Die Religion war ein Machtfaktor geworden.

Kaiser Justinian verfügte im 6. Jahrhundert zum Beispiel die Kindstaufe, und auf Abfall vom Christentum stand der Tod.

Das war auch zeitgenössisch umstritten und wurde als unangemessene Unterdrückung kritisiert, auch von Christen. Für Justinian war wichtig, sein Reich religiös zu einen, um ihm mehr Schlagkraft zu verleihen, aber auch vor Gott als gläubiger Mensch und als Förderer des Christentums dazustehen. Er war in einem gewissen Sinn fanatisch, gab sich stärker als seine Vorgänger als direkt von Gott eingesetzt. Das war auch eine Frage der Macht zwischen Kaiser und Kirche. Justinian hat sich etwa bemüht, Bischöfe und Mönche an Gläubigkeit und Askese zu übertreffen, um so seine Macht ihnen gegenüber zu stärken.

Und das Christentum selbst wurde seinerseits ziemlich machtverliebt.

Es gab jedenfalls viele machtverliebte Bischöfe. Ein heidnischer Historiker sagte einmal, es gebe keinen besseren Job als den des Bischofs von Rom in seiner Pracht. Es gab aber auch solche Bischöfe, die ihre Macht opferten. An sich war das Christentum nie mit dem Kaisertum kompatibel. Es schuf Grundlagen, um dem Kaiser zu widersprechen - auf Grund des Glaubens und autoritativer Texte. Sehr wichtig war zum Beispiel im 4. Jahrhundert der Mailänder Bischof Ambrosius, der den Kaiser in die Schranken wies. Da waren andere religiöse Gruppen viel leichter zu integrieren. Konflikte mit dem Christentum brachen auch in den folgenden Jahrhunderten immer wieder auf. Diese Dynamik wirkt bis heute nach.

Zum Beispiel wo?

Manche Äußerungen des Papstes sind zum Beispiel Ausläufer davon, etwa seine Kritik an der Wirtschaftsordnung. Die ist vielleicht wirtschaftswissenschaftlich naiv, aber er hat den Finger in die Wunde gelegt. Dass die eigene Position die der Mächtigen in Frage gestellt hat, gab es seit Beginn des Christentums - wie natürlich auch die Rechtfertigung weltlicher Macht. Die Grundlagen des Christentums machen vieles möglich.

Im 6. Jahrhundert begann der Islam sich auszubreiten. Das gehört eigentlich auch zu Ihrem Forschungsfeld, oder?

Der Islam ist in der Tat ein Phänomen der Spätantike. Aber ich beherrsche nicht genug Arabisch, um darüber seriös forschen zu können. Wichtig ist die Frage, wie sich der Islam durchsetzen konnte, der ja zunächst als Spielart des Christentums gesehen wurde. Der Islam war seinerzeit sehr vielfältig, auch das gilt es in Erinnerung zu bewahren. Ich tausche mich mit Spezialisten aus, etwa den Kollegen in den "Islamischen Studien" oder der Ethnologin Susanne Schröter im Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen". Mit ihr arbeite ich dort auch zur Frage, in welchen Situationen religionsneutrale Räume entstehen, auch in modernen Gesellschaften, und wie das Nebeneinander von Religionen möglich ist.

Wo sollte es solche Räume denn heute geben?

Als politisch interessierter Bürger wäre ich dafür, möglichst weite Bereiche zu definieren und zu bewahren, in denen Religion zwar zur Sprache kommen darf, aber als Gegenstand der Debatte, ohne Bekenntnisdruck. In den Schulen zum Beispiel.

Was ist mit dem Religionsunterricht?

Ich wäre eher der Freund eines religionskundlichen Unterrichts, an dem alle Schüler einer Klasse beteiligt sind. Denn die Schule ist einer der wenigen Orte unserer Gesellschaft, an dem Vertreter verschiedener Religionen in einem neutralen Raum zusammenkommen können. Religiöses Wissen ist zudem Allgemeinbildung, egal ob man gläubig ist oder nicht. In einem sehe ich aber eine besondere Chance des Religionsunterrichts: Die Lehrer dürfen sich als Gläubige, als Überzeugte positionieren. Wenn sie dies schaffen und es zugleich zulassen, dass Schüler sich daran reiben, kann das zu einer Sternstunde im Schulleben werden.

Die Fragen stellte Stefan Toepfer.

Kasten:
Der Forscher, das Werk, der Preis

Hartmut Leppin ist seit 2001 Professor für Alte Geschichte an der Goethe-Uni.
Der 50 Jahre alte Wissenschaftler studierte Geschichte, Latein, Griechisch und
Erziehungswissenschaften in Marburg, Heidelberg und Pavia. 1990 wurde er in
Marburg promoviert, fünf Jahre später folgte in Berlin die Habilitation. Einer
seiner Schwerpunkte ist die Erforschung des antiken Christentums. Zum Beispiel
veröffentlichte er 2011 das Buch "Justinian. Das christliche Experiment",
demnächst erscheint das von ihm herausgegebene Werk "Antike Mythologie in
christlichen Kontexten der Spätantike". Der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der
Deutschen Forschungsgemeinschaft gilt als wichtigster Wissenschaftspreis in
Deutschland. Leppin ist einer von acht Forschern, die 2015 geehrt werden. (toe.)

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2015, Die Fragen stellte Stefan Toepfer. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

Wie Godot auf der Insel vor Schengen- Frankfurter Positionen: Uraufführung von Hannes Seidls und Daniel Kötters "Recht"

Wie sollte es denn aussehen, ein Recht, das für alle gleich gut und gültig sein kann? Gibt es nicht. Lieber lesen die sechs Juristen, kurz bevor endgültig die Frist verstreicht, unter einer wehenden Weide wieder und wieder von vorn ihr Abschluss-Kommuniqué vor, das ein bisschen klingt wie das einer Schülermitverwaltung: "Der Auftrag, der uns erteilt worden ist, ist unmöglich zu erfüllen. Recht kann nie schuldlos oder perfekt sein." Und dann kommen ein paar Vorschläge.

Die sind dann doch verblüffend schlicht. Nun gut, 24 Stunden sind kurz. Es ist auch nicht sicher, dass die fidele Truppe, die da mit zwei gutmütigen Schafen und zwei spielenden Kindern Camping macht, um sich großen Fragen zu stellen, die Sache im Dienst der Kunst so ganz ernst nimmt. Ein Film zeigt sie uns, genau zwischen Deutschland, Frankreich, Luxemburg, inmitten der Mosel, auf einem Inselchen vor Schengen. Dem Gründungsort des grenzenlosen Europas. Und dann stecken die Wissenschaftler und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen am Ende diese fünf bekritzelten Zettel aus einem karierten Ringblock in eine rote Mappe. Für den ominösen "Messenger". "Wie Godot", sagt eine der Expertinnen mal. Leider bleibt es bei einer gefälligen Mischung aus einer Prise Beckett, etwas Kafka und viel von Johnny Cashs "This side of the law", das abends am Lagerfeuer gesungen wird, wenn "Ökonomien des Handelns: Recht", ein Film mit Livemusik, vorbei ist.

Der Filmemacher Daniel Kötter und der Komponist Hannes Seidl machen seit einiger Zeit gemeinsam "Musiktheater" über Arbeit, Freizeit und auch über "Ökonomien des Handelns", so der Titel ihrer Trilogie. Die rote Mappe kennt, wer vor gut einem Jahr beim ersten Teil, "Kredit", im Frankfurter Mousonturm war. Damals war sie eine Geheimakte, die von Bankenturm zu Bankenturm kursierte in einem Stummfilm über die "Erwartbarkeit zukünftiger Gegenwarten" und die Krise der Weltfinanzen. Immerhin vermochte die live dazu gespielte Musik plausibel vom klassischen Credo zum atonalen Kredit zu führen. Im zweiten Teil geht es darum, dass Recht, Gerechtigkeit und Ordnung nicht dasselbe sind und wie ein Recht sein könnte, mit oder ohne Grenzen.

Nicht dass sich darüber nicht schon allerhand gescheite Leute Gedanken gemacht hätten, das Exzellenzcluster "Normative Ordnungen" der Goethe-Universität etwa wird sogar als Koproduzent genannt und hat eine sonntägliche Podiumsdiskussion beigesteuert. Bevor 2016 der dritte Teil, "Liebe", ebenfalls im Mousonturm gezeigt wird, hat dieser im Rahmen der "Frankfurter Positionen" den zweiten, "Recht", zur Uraufführung gebracht. Schließlich sind Grenzen und Ausgeschlossensein Thema des diesjährigen Festivals.

Kötter und Seidl haben die internationalen Rechtsfachleute für einen Tag und eine Nacht auf die Insel vor Schengen geladen, um eine potentielle neue Rechtsordnung für die Welt zu entwerfen. Mit dabei: acht Musiker des Ensembles Nadar, deren zeitgenössische Musik ebenso lässig gen Pop abdriftet wie ins beherzt Dissonante. Alle wurden gefilmt, in einer Video-Wackelästhetik, die sich künstlerisch und konspirativ zugleich gibt - nicht nur das ähnelt dem ersten Teil der Trilogie. Diesen Film sieht das Publikum, live spielt Nadar zum Teil, was sie auch damals, an jenem Sommertag des Jahres 2014, beim Camping spielten, sie sprechen als Radioansagen verkleidete historische und literarische Texte, machen alle Geräusche mit Utensilien von der Blechbüchse bis zur Drohne. "Recht" will das Regeln des Rechts und die Regeln der Musik zeigen und konfrontieren. Die Musik aber überlagert streckenweise gar den oft sehr lustigen, weil direkten Blick der Dokumentarkamera auf die wackeren Juristen im legeren Künstlercamp, verwischt, was in der Gruppendynamik selbst den Wunsch nach Recht und Ordnung spiegelt, und übertönt gedankliche Bögen, statt den Transfer zu ermöglichen. Wie bei "Kredit" gibt es allerhand Gedankenfutter, das man mitnehmen kann. Das Vergnügen, das bei "Kredit" noch das tatsächlich musiktheatralische Ineinandergreifen von Konzept, Film, Musik und Geräusch bot, will bei "Recht" aber nicht eintreten. Abgesehen von dem zugrundeliegenden Symposion. Denn das, im Wortsinn, haben Kötter und Seidl wirklich gegeben. Die Experten knabbern und grillen, trinken und reden, singen und denken. Das muss mit Recht Spaß gemacht haben.

EVA-MARIA MAGEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2015, Eva-Maria Magel, © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Millionen für Kampf gegen Extremismus Land verstärkt Präventionsangebote / FDP: Kleine Gemeinden einbeziehen / Neues Projekt mit Frankfurter Universität

ler./toe. WIESBADEN/FRANKFURT. Das Land Hessen will künftig deutlich mehr Geld für Programme zur Bekämpfung von Extremismus und zur Stärkung der Demokratie ausgeben. Die Summe, die für die Prävention gegen Rechtsextremismus und Salafismus zur Verfügung stehe, werde sich im nächsten Jahr von derzeit 200 000 Euro auf mehr als eine Million erhöhen, teilte das Innenministerium gestern mit. Hinzu kommen nach den Worten von Minister Peter Beuth (CDU) jährlich rund 1,6 Millionen Euro vom Bund. Damit würden Angebote zur Vorbeugung, Beratung und Intervention sowie Ausstiegshilfen finanziert.
Neu sei die Beratung von Kommunen bei der Aufnahme von Flüchtlingen, sagte Beuth. Kreise, Städte und Gemeinden sollten für den Umgang mit radikalisierten Asylbewerbern aus muslimischen Ländern sensibilisiert werden. Der Geschäftsführer des Vereins Violence Prevention Network, Thomas Mücke, sagte, seine Beratungsstelle gegen Salafismus habe Kontakt zu 28 radikalisierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dabei zeige sich, dass diese vom Abdriften in den Extremismus gefährdeten Menschen "erreichbar" seien und "Veränderungsprozesse" angestoßen werden könnten.
Die FDP im Landtag sprach sich für noch weiter reichende Präventionsangebote aus. Insgesamt wollen die Liberalen nach eigenen Angaben rund eine Million Euro mehr als die schwarz-grüne Landesregierung für diese Zwecke ausgeben. Die im Haushalt 2015 vorgesehene Summe von 400 000 Euro für das Violence Prevention Network müsse um 200 000 Euro erhöht werden, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Florian Rentsch. Für die muslimische Gefangenenseelsorge in hessischen Justizvollzugsanstalten werde seine Fraktion statt der vorgesehenen 110 000 Euro jährlich 160 000 Euro fordern, weil die Radikalisierung junger Muslime in deutschen Gefängnissen besorgniserregend sei.
Als Konsequenz aus der jüngsten Expertenanhörung zum Thema Salafismus im Landtag verlangte Rentsch, die Integrationspolitik neu auszurichten. Wenn offenbar maximal 15 Prozent der 4,5 Millionen Muslime in Deutschland von den großen muslimischen Verbänden repräsentiert würden, müssten die Kooperationsangebote auch auf kleinere Vereinigungen und Moscheegemeinden ausgedehnt werden.
Von März an soll ein neues Modellprojekt helfen, jugendliche Muslime vor einer Radikalisierung zu bewahren - durch den Einsatz geschulter Alters- und Glaubensgenossen. Daran ist auch die Frankfurter Universität beteiligt (siehe Seite 34). Partner sind unter anderen der Ditib-Landesverband und das Violence Prevention Network. Projektverantwortlicher ist Mehmet Senel, der vormalige Leiter der Zentralen Beratungsstelle des Hessischen Präventionsnetzwerks gegen Salafismus.
Wie er schilderte, ist an regelmäßige Veranstaltungen gedacht und an politische Bildung, um jungen Leuten "eine alternative Diskursmöglichkeit außer der salafistischen" zu bieten. Kooperiert wird vor allem mit zwei türkisch geprägten Moscheen in Frankfurt, die zu keinem Dachverband gehören, je einer Ditib-Moschee in Offenbach und Mörfelden-Walldorf sowie einem Stadtteilzentrum in Hanau.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2015, ler./toe. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Klimawandel ist nicht gerecht. Eine Diskussion und eine Fotoausstellung im Forschungskolleg Humanwissenschaften beschäftigen sich mit sozialen Folgen der Erderwärmung

bie. BAD HOMBURG. Die Porträtierten schauen selbstbewusst in die Kamera. Perfekt ausgeleuchtet und leicht von unten aufgenommen, sind die Bilder eindeutig als Arrangement zu erkennen. Eigentlich sind es jedoch Momentaufnahmen des Klimawandels, die das Schweizer Fotografen- und Künstlerpaar Mathias Braschler und Monika Fischer in acht Monaten rund um den Globus aufgenommen hat.

16 Länder haben die beiden bereist und akribisch Name und Alter der Dargestellten festgehalten. Damit betonen sie deren Individualität, und doch stehen die fotografierten Menschen exemplarisch für die Folgen der klimatischen Veränderungen: Der australische Milchbauer, der keine Weide für seine Tiere mehr findet, der malische Fischer, dem kein Wasser mehr unter dem Bootskiel steht, oder die Familie aus Kiribati, das langsam im steigenden Meeresspiegel versinkt. Eindrücklich auch die Geschichte hinter der "Tigerwitwe" Hosnaara Khatin und ihrem Sohn Chassan aus Bangladesch: Weil die Böden versalzen, müssen die Menschen in immer entlegenere Gebiete ausweichen. Dabei geraten sie in Konflikt mit dort lebenden Tieren. Ein Tiger hat Khatins Mann erst wenige Tage vor der Aufnahme getötet.

Eine Ausstellung mit 31 Aufnahmen von Braschler und Fischer ist unter dem Titel "The Human Face of Climate Change" bis zum 15. Mai im Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, zu sehen. Sie wird morgen um 16.30 Uhr eröffnet und bildet den Rahmen für eine öffentliche Podiumsdiskussion am nächsten Montag um 19 Uhr. Über das Thema "Klimawandel und Gerechtigkeit" werden drei hochkarätige Wissenschaftler diskutieren. Der Amerikaner Darrel Moellendorf ist Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie in Frankfurt. Konrad Ott lehrt an der Kieler Christian-Albrechts-Universität Philosophie und Ethik der Umwelt und gehörte acht Jahre lang dem Rat von Sachverständigen für Umweltfragen an. Der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Hermann Ott, mit Konrad Ott nicht verwandt, ist Klimawissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Mit dem Klimaschutz stellten sich brisante Fragen nach der Verteilung der Lasten, sagt Julia Schultz, die den Diskussionsabend moderiert. Solange dies nicht geklärt sei, werde es kein international verbindliches Klimaschutzabkommen geben.

Veranstaltet wird die Diskussion vom Forschungskolleg Humanwissenschaften und dem Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" der Goethe-Universität. Die Stadt Bad Homburg und die Stadtwerke sind als Unterstützer dabei. Das habe man gern gemacht, sagte Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen). Bei allen praktischen Schritten an Ort und Stelle, etwa dem Kampf gegen die Feinstaubbelastung oder die Unterstützung von Energiesparvorhaben privater Bauherren, seien auch Veränderungen im Kopf der Menschen nötig.

Es gehöre zum Selbstverständnis des Exzellenzclusters, die wissenschaftlichen Ergebnisse in die Öffentlichkeit zu tragen, sagte dessen Mitarbeiterin Linde Storm. Wie die Verzahnung in der Praxis aussehen kann, machte Ingrid Rudolph als Geschäftsführerin des Forschungskollegs deutlich. Sie erzählte, Moellendorf habe sein vor kurzem erschienenes Buch über die moralische Herausforderung des Klimawandels bei einem Forschungsaufenthalt im Kolleg oberhalb des Bad Homburger Kurparks fertiggestellt. Dort ist die Fotoausstellung montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr zugänglich.

Um eine formlose Anmeldung zur Vernissage und dem Vortrag wird unter der Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gebeten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Februar 2015, Bernhard Bieber © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

"Klimaschutz muss fair sein". Podiumsdiskussion im Forschungskolleg

heln. BAD HOMBURG. Ärmere Länder sollten von den Klimaschutzverpflichtungen befreit werden. Das hat der Kieler Philosophieprofessor Konrad Ott gefordert. Nur so hätten diese Staaten eine Chance auf faire Entwicklung, sagte Ott auf einer Podiumsdiskussion des Forschungskollegs Humanwissenschaften zum Thema "Klimawandel und Gerechtigkeit".

Ott unterstützte damit die Argumentation von Darrel Moellendorf, der ebenfalls an der Diskussion teilnahm: "Arme Länder haben einen Anspruch auf die Steigerung ihres Energieverbrauchs, um ihrer Armut zu entkommen", sagte der Frankfurter Philosophieprofessor. Die Politik dürfe sich nicht darauf beschränken, den Klimawandel zu bekämpfen, sie müsse zugleich die Rechte ärmerer Länder im Blick behalten. Hierbei müssten die reicheren Staaten soziale Verantwortung übernehmen.

Nach Ansicht aller Referenten des Abends haben die bisherigen Verhandlungen über den Klimaschutz nicht die erhofften Ergebnisse gebracht. Mit Blick auf den Pariser Klimagipfel im Dezember forderten sie einen umfassenden Plan, um die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu minimieren.

Ausdrücklich warnten Moellendorf sowie der Klimaforscher und frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Hermann Ott vor Plänen für ein sogenanntes Climate Engineering. Gemeint sind damit großräumige Eingriffe in die chemischen Kreisläufe der Erde, um sie künstlich abzukühlen. Moellendorf hält solche Überlegungen für "besorgniserregend", Ott sprach von einer "No-Exit-Option". Climate Engineering könne nicht der Plan B sein, um den Klimawandel zu stoppen.

Die Zuhörer der Diskussion forderte Ott auf, sich einzumischen und die Politik nicht den Profis zu überlassen. Außerdem könne jeder seinen eigenen ökologischen Fußabdruck verkleinern, indem er die "drei großen F" vermeide oder reduziere: "Fahren, Fliegen, Fleischessen".

Eine Fotoausstellung im Foyer des Forschungskollegs Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, zeigt Porträts von Menschen, denen der Klimawandel die Lebensgrundlage entzogen hat. Die Bilder können bis zum 15. Mai montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Februar 2015, heln. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Gastbeitrag. Zerstörte Romantik

Die 16-jährige Samra K. posiert in militärischer Kleidung und schwarz verhülltem Kopf vor zwei maskierten Bewaffneten. Auf ihrem Stirnband ist die Schahada zu lesen, das islamische Glaubensbekenntnis. Auf anderen Bildern, die der "Islamische Staat" (IS) des selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi veröffentlicht, kann man Frauen sehen, die Panzerfäuste und Raketenwerfer zusammensetzen oder schwer bewaffnet durchs Gelände marschieren. Stets sind sie in bodenlange weite Gewänder gehüllt, tragen Handschuhe und bedecken das Haupt. Nur ein winziger Schlitz im Gesichtsschleier erlaubt eine beschränkte Sicht.

Die Bekleidung ist alles anderes als praktisch und die dargestellten kriegerischen Aktivitäten erscheinen vollkommen absurd. In der Tat stellen sie eine rein mediale Inszenierung dar, denn Frauen sind im "Islamischen Staat" per definitionem von Kampfhandlungen ausgeschlossen. Das strenge Regelwerk des IS sieht vor, dass sie sich nicht mit Gefechten, sondern mit Hausarbeit und der Versorgung der Familie befassen sollen. Nur Männer können Verdienste im Krieg erwerben und als Märtyrer einen privilegierten Zugang zum Paradies und seinen himmlischen Jungfrauen erlangen. Für Frauen ist der Weg ins Paradies davon abhängig, ob sie ihrem Mann gegenüber gehorsam sind.

Diese und andere Vorstellungen der normativen Gender-Ordnung des IS lassen sich in einem Manifest nachlesen, das im Januar 2015 von den berüchtigten Khansaa-Brigaden veröffentlicht wurde. Es handelt sich um eine weibliche Sittenpolizei, die auf der Straße kontrolliert, ob Frauen die islamistischen Verhüllungsvorschriften befolgen. Frauen, die sich in der Öffentlichkeit ohne Begleitung ihres Ehemannes bewegen, sind grundsätzlich verdächtig. "Bleib in deinem Haus", zitieren die Autorinnen des Manifestes die Sure 33:33 des Korans.

Dieses Programm wird von ausländischen Dschihadistinnen offenbar widerspruchslos befolgt. "Wir bleiben zu Hause, kochen, schauen auf die Kinder und sorgen für das Wohl unserer Ehemänner", schrieb die 20-jährige Aqsa Mahmood aus Schottland, die sich jetzt Umm Layth nennt.

Etwa 11 Prozent aller deutschen Syrienreisenden sind Frauen, in Frankreich sollen es sogar mehr als 20 Prozent sein. Die jungen Frauen geben ein in jeder Hinsicht widersprüchliches Bild ab. Zum einen sind sie Abenteurerinnen, die ihrer Sehnsucht nach fremden Welten mit einer Unerschrockenheit folgen, die ihresgleichen sucht. Die jungen Unterstützerinnen des IS sind Rebellinnen, die eine feste Idee von der Zukunft haben und diese in die Tat umzusetzen suchen, selbst wenn der Preis hoch ist. Sie sind getrieben von der Vorstellung, an einer menschheitsgeschichtlichen Wende mitzuwirken und willens, dafür auch das eigene Leben zu riskieren. Die geposteten Bilder der tapferen Kriegerinnen, die dem Kalifat militärisch beistehen, symbolisieren diese Vision.

Die Kämpferinnenromantik findet jedoch spätestens in Syrien ein Ende - aus den Rebellinnen werden Hausfrauen. Ausländerinnen werden zügig verheiratet. Wie Ehen unter diesen Bedingungen zustande kommen, wissen wir unter anderem aus dem Blog von "Paradiesvogel", die nach ihrer Ankunft in Syrien zunächst in einem Junggesellinnenheim wohnte. Zwei Monate nach ihrer Ankunft wurde eine Heirat arrangiert. Der Ehemann einer Freundin fand einen Kämpfer, der bereit war, sie zur Frau zu nehmen, ohne sie je gesehen zu haben. Nach vier Tagen verließ der Ehemann die frisch verliebte Gattin mit den Worten "Der Dschihad ist meine erste Frau, du bist meine zweite. Ich hoffe, du verstehst das."

Auf den Blogs und in den Einträgen von Facebook, Tumblr und Twitter verklären junge Frauen die Ehe an der Seite eines Mudschahid, eines Kämpfers für das Kalifat. "Die Liebe des Dschihad", posten sie, "bis das Märtyrertum uns scheidet." Was tatsächlich passiert, wenn der Ehemann stirbt, dürfte jenseits aller idealisierten Vorstellungen liegen. Junge Frauen werden als Zweit-, Dritt- oder Viertfrauen an andere Kämpfer weitergegeben, in Verhältnisse, die beileibe nicht romantisch sind.

Nach islamischem Recht kann der Mann die Ehefrau körperlich misshandeln, wenn er mit ihren Dienstleistungen nicht zufrieden ist, und sich problemlos wieder scheiden lassen, um sie einem neuen Mann zu überlassen. In Tunesien bezeichnet man den Dschihad al-nikah, den Heiratsdschihad, aus diesem Grund längst als Form der Prostitution. Einheimische Frauen können die Intervention ihrer Herkunftsfamilie herbeiführen, doch Ausländerinnen sind ihren Ehemännern und den patriarchalischen Machtverhältnissen schutzlos ausgeliefert. Die Gewalt in den Ehen der fremden Kämpfer sei exorbitant, erzählte jüngst eine syrische IS-Aussteigerin bei CNN, und viele Frauen landeten schwer verletzt in den örtlichen Krankenhäusern.

Wenn der Glanz des Dschihad verblasst, sehen sich die einstigen Rebellinnen mit der bitteren Einsicht konfrontiert, dass sie nicht mehr sind als rechtlose Opfer in einer brutalisierten Männerwelt.

Susanne Schröter ist Professorin für Ethnologie und leitet das Frankfurter Forschungszentrum globaler Islam.

Frankfurter Rundschau, 7. März 2015, Susanne Schröter © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Rundschau GmbH, Frankfurt.

Gastbeitrag. Fiasko für die Abrüstung

Die Überprüfung der deutschen Außenpolitik endet damit, dass zwei erstklassige Abteilungen des Außenministeriums, Vereinte Nationen (VN) und Abrüstung, Letztere ein wirkliches Flaggschiff deutscher Außenpolitik, als Unterabteilungen zu einer neuen Abteilung für internationale Ordnungsfragen verschmelzen. Diese soll ein Ort werden, "an dem unser allerwichtigstes Prinzip für internationale Ordnung umfassend Anwendung findet: der Multilateralismus"; verkündet Minister Frank-Walter Steinmeier. "Labor des Multilateralismus, Abteilung für komplexe Antworten, Abteilung für Friedensordnung" - das klingt luftig. Wie soll das gehen? Sollen die verschmolzenen Diplomaten in der Mittagspause ihre Multilateralismus-Erfahrungen austauschen und in ein Großkonzept umsetzen? Denn in der Arbeitszeit haben sie genug zu tun, wenn VN- und Abrüstungspolitik weiter effektiv gestaltet werden sollen.

Wozu braucht man ein "Labor" für Multilateralismus? Multilateralismus ist keine Aufgabe einer Stabsabteilung, sondern soll den ganzen Apparat durchdringen - aber das ist längst geschafft. Multilateralismus als Basis einer regelgestützten Friedensordnung ist längst ins Fleisch und Blut unserer Diplomaten übergegangen. Man sucht nicht abstrakt nach "komplexen Antworten": Alle operativen Abteilungen betreiben Multilateralismus, und selbst in Stabsabteilungen wie Recht oder Kommunikation gehört er zum täglichen Brot. Die Attachés lernen ihn in der Ausbildung, und in kaum einer späteren Verwendung haben sie nichts damit zu tun. Unsere Diplomaten "können Multilateralismus". Das Problem beginnt eher, wenn die Instrumente des Multilateralismus aufgrund unwilliger Gegenspieler nicht greifen. Die neue Abteilung ändert daran nichts.

Die Abstufung zur Unterabteilung signalisiert Bedeutungsverlust. Die künftige Abteilungsleiterin trägt zwar den Titel Abrüstungsbeauftragte, aber sie muss ihre Aufmerksamkeit und ihren Einsatz zwischen zwei komplexen Sachbereichen teilen, die bislang genug Arbeit für eine eigene Abteilungsleitung produzierten. Wenn sie noch den Wunsch nach "Multilateralismus-Laborergebnissen", "komplexen Antworten" und anderen abstrakten Flausen bedienen soll, sinkt der mögliche Aufwand für die Abrüstung auf ein Drittel. Die Abteilungsleitung hat in der Direktorenrunde des Amts den personellen und finanziellen Bedarf der Abteilung zu vertreten und um die Aufmerksamkeit der Leitung zu konkurrieren. Sie muss mit der Zentralabteilung die Auswahl geeigneten Personals für frei werdende Stellen regeln und wichtige Themen auf die Agenda der Hausspitze bringen. Zudem muss sie in multilateralen Zusammenhängen und in Krisen (zum Beispiel im Streit über das iranische Nuklearprogramm) verhandeln.

Das Themenspektrum reicht vom Weltraum bis Nuklearwaffen, von Kleinwaffenkontrolle bis zur Abrüstung syrischer Chemiewaffen. Es verbindet technische, rechtliche und politische Elemente. Die Aufgaben wachsen. Ein nuklearer Rüstungswettlauf zwischen China, Russland, den USA und Indien bahnt sich an. Der Vertrag über Mittelstreckenwaffen ist in Gefahr. Das Nichtverbreitungsregime kriselt. In Europa ist ein neuer Anlauf in der konventionellen Rüstungskontrolle und der Vertrauensbildung nötig, wenn die akute Ukraine-Krise überwunden sein wird. Mit hybrider Kriegführung, Biosicherheit, Drohnen und Cyberwar sind vier neue Themen auf der Agenda. Die Nanotechnologie stellt eine ganz neue Herausforderung dar. Das ist nichts für Amateure. Auf der Seite der VN-Abteilung ließe sich ein ähnliches Tableau beschreiben. Die Abteilungsleiterin des Ganzen kann daher nicht mehr als eine halbe Abrüstungsbeauftragte sein, wo eine ganze gebraucht wird. Abrüstung wird in der deutschen Außenpolitik an Gewicht verlieren.

Im Ausland wird man diesen Abstieg registrieren. Deutschland hatte in der Abrüstung Verantwortung übernommen, lange bevor sie Modewort wurde. In den Jahren der Bush-Administration standen die Abrüstungsbeauftragten Walter Jürgen Schmid und Friedrich Gröning wie Felsen in der Brandung eines von den US-Neokonservativen gestarteten abrüstungsfeindlichen Tsunami. Eine solche Rolle werden wir nicht mehr spielen können, zum Verdruss abrüstungsfreudiger Partner in Europa und der blockfreien Welt, zur Freude der Großmächte, denen das deutsche Engagement oft unbequem war.

Warum tut man so etwas, das so schlecht begründet, mit so nachteiligen Folgen versehen und so wider die eigene Tradition gerichtet erscheint? Ich fürchte eine triviale Antwort: Man braucht eine Stelle der Besoldungsgruppe B9 für die Leitung der neuen Abteilung Krisenbearbeitung. Bei gleichbleibendem Haushalt erspart die Zusammenlegung von VN und Abrüstung die benötigte Stelle. Die neue Abteilung mag ja sinnvoll sein, aber die Leitungsstelle sollte auf andere Weise beschafft werden - nicht zulasten von Abrüstung und Vereinten Nationen.

In den USA liquidierte der ultrarechte Vorsitzende des Auswärtigen Senatsausschusses, Jesse Helms, 1996 mit Hilfe seiner neokonservativen Bataillone das Abrüstungsamt ACDA. In Deutschland geschieht Ähnliches nun unter einem sozialdemokratischen Außenminister; was würde Willy Brandt wohl dazu sagen?

Ich arbeite mit dem Auswärtigen Amt seit 30 Jahren in kritischer Sympathie fruchtbar zusammen. Minister Steinmeier ist ein tüchtiger Mann und von fähigen Leuten umgeben. Umso tiefer ist der Schock über diese missglückte Reform.

Harald Müller ist Leiter der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) und Professor für Internationale Beziehungen an der Goethe-Universität Frankfurt.


Frankfurter Rundschau, 3. März 2015, Harald Müller © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Rundschau GmbH, Frankfurt.

"Gewalt übt stets auch eine Faszination aus". Die Politologin Nicole Deitelhoff forscht über Protestbewegungen. Sie weiß: Wer die Proteste abqualifiziert, bekommt die Radikalisierung

Frau Deitelhoff, Sie erforschen Oppositionsbewegungen wie Blockupy. Was war da los am vergangenen Mittwoch in Frankfurt?

Ich war nicht überrascht, dass so viele Menschen protestiert haben. Überrascht hat mich allerdings - wie alle anderen auch -, was in den frühen Morgenstunden passiert ist.

Die Gewalt.

Ja. Ich hatte schon damit gerechnet, dass es Gewalt geben würde. Aber nicht in dem Ausmaß. Die Geschichte von Blockupy und die Geschichte der Konfrontation zwischen Polizei und Demonstranten in Frankfurt - Stichwort: Startbahn West - zeigt, dass es in der Rhein-Main-Region ein Radikalisierungspotential gibt, das sich hinter Berlin und Hamburg nicht weit zu verstecken braucht. Normalerweise passiert so etwas an den Rändern der Demonstration. Da werden die Leute von der Polizei eingekesselt, dann gibt es eine Auseinandersetzung. Dieses Mal war es anders. Die Protestierenden fingen weit vor der eigentlichen Demonstration gezielt an mit der Gewalt.

War das geplant oder spontan?

Ich habe mir das Video angeschaut, auf dem die Polizeiwache in der Innenstadt angegriffen wird. Das muss geplant gewesen sein, das macht man nicht eben so. Da kommt man nicht vorbei und sagt: Ups, hier ist ja eine Polizeiwache, wie wunderbar. Das war vorbereitet. Auch die Plazierung von Feuern war nicht zufällig.

Was soll die Gewalt?

Zum einen: Wenn Protest das Gefühl hat, dass er als dumm abqualifiziert wird, dann sucht er nach neuen Wegen, dann bricht sich etwas Bahn. Die Aktionen am frühen Morgen aber haben wahrscheinlich einen anderen Hintergrund. Da spielte der Versuch eine Rolle, über Gewalt eine besonders harte Gegenreaktion zu erzeugen, um so die öffentliche Meinung auf seine Seite zu bringen. Man will sehen, wie die Polizeiknüppel niedergehen, damit man dann ein ganz anderes Mobilisierungspotential hat. Das ist dieses Mal gescheitert.

Selten waren Polizisten in Frankfurt so beliebt.

Ja, da haben Sie wohl recht. Andererseits übt die Gewalt auch eine gewisse Faszination aus, das gehört leider zu ihrem Wesen. Gerade die in der Gruppe erlebte Gewalt, das Aufeinanderprallen mit einer anderen Gruppe - diese Atmosphäre erzeugt ekstatische Momente, vor allem für jüngere Menschen.

Sie kennen viele Oppositionsbewegungen. Ab wann werden sie radikal und gewalttätig?

Radikalisierung tritt besonders dann auf, wenn die Repression zunimmt. Denken Sie an die Studentenproteste nach dem Tod von Rudi Dutschke. Da gibt es dann plötzlich einen Feind, mit dem kein Diskurs mehr möglich ist. Wenn das passiert, gehen Gruppen in den Untergrund und wenden Gewalt gegen Personen ab.

Ist Gewalt gegen Sachen - zerschlagene Bushaltestellen, eingeschlagene Fenster - für Sie noch nicht radikal?

Das ist auch radikal. Aber es ist doch ein Unterschied, ob man Gewalt gegen Personen anwendet oder gegen Bushaltestellen. Sachbeschädigung ist ein relativ übliches Mittel bei großen Protesten.

Sind brennende Autos harmlos?

Nein. Aber es haben sieben Autos gebrannt in Frankfurt. Das sind deutlich weniger, als in Berlin oder Hamburg in den Nächten vor dem 1. Mai in den vergangenen Jahren angezündet wurden.

Sind brennende Autos zum Symbol linken Protests geworden?

Am Anfang hat man das für linken Protest gehalten, weil vor allem Mercedes gebrannt haben. Mittlerweile brennt aber so ziemlich alles, was vier Räder hat. Es ist erschreckend leicht, ein Auto anzuzünden. In Berlin werden sogar die Edel-Kinderwagen von Bugaboo und Emmaljunga abgefackelt. Aber da weiß man nicht, worum es geht - gegen die Gentrifizierung oder gegen den Kapitalismus.

Gibt es ein anderes typisches Kennzeichen linker Proteste?

Ja, das bunte, laute, orchestrierte Straßentheater. Phantasievolle Kostüme, Menschen auf Stelzen.

Und die schwarz Gekleideten mit dem Tuch vor dem Gesicht?

Die gehören überall dazu, das ist nicht speziell links.

Warum war der schwarze Block bei Blockupy diesmal so stark?

Das kann man so gar nicht sagen. Der schwarze Block ist keine Gruppierung. Es ist eine Aktionsform. Man ist zugehörig, wenn man sich schwarz kleidet und bereit ist, Gewalt anzuwenden. Zumindest Gewalt gegen Sachen, das ist Minimum.

Uns erinnern die schwarzen Tücher ja ein wenig an IS-Kämpfer.

Wow, das ist hart. Aber natürlich: Das ist das universelle Zeichen des radikalen Widerstands. Das gab es in den 80er, 90er Jahren bei der Antifa auch schon. Ich bin selbst in der Antifa der 90er Jahre aufgewachsen. Da haben wir auch alle unser Palästinensertuch getragen und bei Demonstrationen damit gerne das Gesicht verdeckt.

Haben Sie auch Steine geworfen?

Nein - und wenn es so wäre, würde ich es vielleicht auch nicht sagen. Gewalt gegen Sachen gibt es außerdem überall, auch bei den Hooligans zum Beispiel, sowohl vom Aussehen her als auch von der Aktionsform.

Wenn danach nur über Gewalt diskutiert wird, erreicht der Protest inhaltlich dann überhaupt etwas?

Das ist tatsächlich ein Dilemma für Blockupy. Immerhin darf man - auch dank Blockupy - heute "Kapitalismuskritik" sagen und bleibt ein legitimer Gesprächspartner, das war vor einigen Jahren noch nicht so. Meines Erachtens müssen die Proteste weitergehen. Sie sind in einer Demokratie legitim und notwendig. Und es ist eine gefährliche Strategie, Protest nicht ernst zu nehmen und als dumm abzuqualifizieren. Genau das führt zur Radikalisierung! Wer protestiert, hat ein Anliegen und fordert einen Streit ein - und ob es diese Möglichkeit gibt oder nicht, ist ein Gradmesser für eine demokratische Gesellschaft. Ich habe mich deshalb sehr geärgert über Vizekanzler Sigmar Gabriel, der die Proteste als "intellektuelle Fehlleistung" kritisiert hat, weil die EZB viel für den Zusammenhalt in Europa tue.

Stimmt das nicht?

Es geht doch nicht darum, eine Leistungsbilanz der EZB aufzustellen. Das Anliegen der Demonstranten war zu sagen, dass die Sparpolitik die falsche Reaktion auf die Eurokrise ist. Und selbstverständlich steht dafür auch die EZB.

Wären nicht das Kanzleramt oder das Finanzministerium die richtigen Adressen gewesen?

Das wäre zu kompliziert zu erklären gewesen. Die meisten Demonstranten sind ja keine Professoren, die Sartre-Zitate auf den Boden malen. Häufig sind es Leute aus dem Prekariat, nicht unbedingt mit besonders hohen Bildungsabschlüssen, die das Gefühl von Wut und Ohnmacht in sich tragen. Da ist es einfacher, vor die EZB zu ziehen. Auch weil es in der Bevölkerung seit der Finanzkrise den Impetus gibt, dass Banken mies sind. Der Unterschied zwischen Geschäftsbanken und Zentralbanken spielt da überhaupt keine Rolle.

Erreichen die Proteste nicht auch deshalb so wenig, weil sich die Protestler nur einig sind, wogegen sie sind? Wofür, weiß niemand.

Ja, aber es ist doch ein Charakteristikum von Politik, dass man erst einmal kritisiert und dann über die Alternativen streitet. Das ist auch die Aufgabe von Politik: Debatten zu erzeugen, in denen wir über Alternativen streiten, in denen überhaupt mal Alternativen auf den Tisch gelegt werden. Das erleben wir leider immer weniger.

Aber man muss doch selbst eine Alternative anbieten.

Die Demonstranten bieten ja etwas an, es sind nur sehr unterschiedliche Angebote. Mein Eindruck ist ähnlich wie jener der Protestierenden: Europa ist im Scheitern begriffen. Aber das liegt nicht an der Wirtschaftskrise, sondern am Umgang mit ihr.

Sind diese Themen vielleicht zu kompliziert für Protest?

Das scheint mir eine Ausrede zu sein. Politik war immer komplex. Das Problem ist, dass die Politik davor zurückschreckt, zuzugeben, dass es nicht nur um die Expertise geht, die man braucht, sondern um Interessen. Es gibt Gewinner und Verlierer, bei allen politischen Entscheidungen. Die müssen benannt werden, damit man darüber streiten kann, wer die Kosten tragen soll. Das passiert überhaupt nicht mehr. Stattdessen wird immer gesagt: "Das ist ein unglaublich kompliziertes Thema. Wenn wir das jetzt nicht machen, geraten wir ins Hintertreffen, deshalb haben wir keine Alternativen."

Das Gespräch führten Sebastian Balzter und Lisa Nienhaus.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. März 2015 © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Den Clustern entweicht die Luft. Die Exzellenzinitiative soll von befristeten Formen zu dauerhaften Gebilden führen. Jetzt steuert sie planlos in die nächste Runde. Den Projekten droht Lähmung. Die Zeit drängt.

Die Exzellenzinitiative hat nach weithin geteilter Meinung Schwung in die Universitäten gebracht. Deshalb geht sie 2018 in eine weitere, dritte Runde, mit gleichen Mitteln, aber nicht mehr unter gleichem Namen und in veränderter, bisher unklarer Form. So beschlossen es Bund und Länder im Herbst. Derzeit wird jedoch viel getan, diesen Schwung wieder abzubremsen und die Exzellenzstrukturen einzufrieren. Der Zeitplan ist erkennbar schief. Läuft alles wie vorgesehen, wird die Evaluationskommission unter dem Schweizer Physiker Dieter Imboden im Januar 2016 ihre Ergebnisse vorlegen. Mitte des Jahres würde über neue Förderformen entschieden, dem folgten Bewerbungen und Begutachtungen, der Beschluss fiele voraussichtlich erst im Frühsommer 2017, wenige Monate vor Auslaufen der aktuellen Runde im Oktober - viel zu spät. Die umworbenen internationalen Spitzenkräfte werden mit ihren Vertragsentscheidungen nicht so lange warten. Verhandlungen mit Wissenschaftlern und Drittmittelgebern führen die Universitäten schon jetzt aus der unbequemen Position unklarer Aussichten und immer kürzerer Laufzeiten. Den laufenden Projekten droht Lähmung.

Die Universitäten müssten diese Unsicherheit aushalten, hieß es von Seiten der Politik. Nach einem Bericht des "Tagesspiegel" ergriff jedoch die Imboden-Kommission jüngst selbst die Initiative und kündigte einen Vorbericht für Mitte des Jahres an. Auch Universitätsrektoren berichten von Beschleunigungssignalen aus der Kommission. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz dementiert allerdings energisch, ebenso Dieter Imboden selbst. Den Universitäten bleibt in dieser Situation nichts anderes, als sich in hypothetischen Planungen einzurichten. Anträge werden vorbereitet, um sie gegebenenfalls schnell präsent zu haben. Dass auf diese Weise wenig Sinnvolles, aber viel unproduktive Arbeit entsteht, versteht sich von selbst. An der TU Dresden arbeiteten in der letzten Runde fünfhundert Wissenschaftler zwei Jahre lang an dem erfolgreichen Zukunftskonzept. In der nächsten Runde müssten ihnen, falls das Format weiter existiert, wenige Monate reichen.

Von einer dramatisch zugespitzten Lage spricht der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, besonders für die fünf erst in der letzten Exzellenzrunde hinzugekommenen Universitäten, die ihre Zukunftskonzepte möglicherweise nach fünf Jahren wieder einpacken dürfen, ohne Bleibendes zu hinterlassen. Fünf Jahre sind für den Aufbau stabiler Strukturen viel zu kurz. Sichtbar wird das an der Humboldt-Universität an dem 2011 ins Leben gerufenen Zentrum für Lebenswissenschaften, an dem erst jetzt, so Olbertz, die Berufung der Schlüsselprofessuren anstehe. Wenn die Forschung anlaufen soll, ist die Förderung möglicherweise schon wieder abgelaufen. Die fünf betroffenen Universitäten forderten in einem offenen Brief an das Bundesbildungsministerium eine erweiterte Förderperspektive, warten aber noch, trotz positiver Signale, auf eine verbindliche Antwort.

Ein Umfeld für riskante Ideen

Die Reaktionen der Universitäten sind ambivalent. Einerseits hebt man hervor, alle Planungen so getroffen zu haben, dass Projekte nach Auslauf der Exzellenzrunde von deren Mitteln unabhängig sind. An der Exzellenzuniversität Tübingen etwa sollen alle im Exzellenzrahmen eingestellten Professoren auf frei werdende Landesstellen wechseln. Im zweiten Satz wird nachgeschoben, dass die gerade erst aufgebauten Strukturen von den Exzellenzgeldern existentiell abhängig seien. Entschiede sich die Universität zum Erhalt aus eigenen Mitteln, würde an anderer Stelle gespart. Die Länder halten sich mit Finanzierungszusagen zurück, um den Bund nicht frühzeitig aus der Verantwortung zu entlassen. Dass die Länder die Projekte nicht in gleichem Umfang weiterfördern, gilt als sicher.

Das Problem der zeitlichen Befristung bei gleichzeitigem Willen zu strukturbildenden Effekten zeigt sich am besten bei den Exzellenzclustern. Das Tübinger Exzellenzcluster für integrative Neurowissenschaften (CIN), das mit jährlich knapp sechs Millionen Euro aus den Exzellenztöpfen gefördert wird, hat mit den Geldern eine ganze Reihe neuer Arbeitsgruppen eingerichtet. Das Land hat versprochen, die Finanzierung bei positiver Evaluierung zu 25 Prozent fortzusetzen. Was zu wenig wäre, um, wie vorgesehen, fünfzig Prozent der Nachwuchsgruppenleiter dauerhaft zu beschäftigen. Fielen die Exzellenzgelder weg, bekämen die Wissenschaftler zwar Verträge, aber keine oder völlig unzureichend ausgestattete Labore, befürchtet Cluster-Sprecher Hans-Peter Thier, Professor für kognitive Neurologie.

Was das Cluster im Sinn des Exzellenzkonzepts an internationalen Kooperationen und außeruniversitären Verbindungen aufgebaut hat, stünde wieder zum Disposition. Die wichtige Brücke zur Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, mit dem das Cluster ein Kernspintomographiezentrum betreibt, bräche laut Thier wieder ein. Verloren ginge auch der Anschluss an die Hochleistungsmikroskopie, in der sich in den Neurowissenschaften derzeit eine regelrechte Revolution abspielt. Die teuren, wartungsintensiven Geräte lassen sich aber von keinem einzelnen Institut betreiben. Internationalität und Interdisziplinarität sind nicht in jedem Fall ein Popanz zur Beruhigung der Geldgeber, in manchem Fall führen sie zu dichtverwachsenen Formen.

In den Worten des Physikers Jochen Feldmann, Sprecher des Exzellenzclusters Nano Initiative an der LMU München, erscheint das Custer auf ganz selbstverständliche Weise als dauerhaftes Gebilde. Auch die Münchner Nano Initiative pflegt Kooperationen mit Nanozentren in Asien und den Vereinigten Staaten, die bereits heute Schaden nähmen. Industrielle Kooperationen seien bei einer sicheren Laufzeit von zweieinhalb Jahren kaum noch zu vermitteln. Neue Doktoranden könne man bei einer Restlaufzeit von 2,5 Jahren schon gar nicht mehr fördern. Gravierend wäre für Feldmann vor allem der Verlust der einzigartigen Dynamik des Clusters als Ideengenerator. Außerhalb dieses Rahmens, in dem auch spontane, riskante Ideen gefördert werden, würden viele Projekte gar nicht entstehen.

Institutionelle Pioniere

Im Fall der Geisteswissenschaften, die keine teuren Infrastrukturen hinterlassen, stellt sich die Frage leichter, warum befristete Projekte nach zehn Jahren nicht wieder in den Fachdisziplinen aufgehen sollten. Der Sprecher des Frankfurter Exzellenzclusters für Normative Ordnungen, der Rechtsphilosophieprofessor Klaus Günther, verweist auf die notwendige Zeit beim Wachstum eines so integrativen Gebildes wie des Frankfurter Clusters, das heute von der Bankenregulierung über den religiösen Toleranzdiskurs bis zu Fragen des geistigen Eigentums in fast allen laufenden Debatten auskunftsfähig ist. Es sind aber vor allem institutionelle Kriterien, aus denen Günther das dauerhafte Existenzrecht des Clusters ableitet: seine Pionierrolle bei der Einführung von Dual-Career-Modellen und beim Abbau institutioneller Hierarchien, ablesbar an den vorher nur schwer denkbaren Kooperationen mit den Max-Planck-Instituten für Völkerrecht und Rechtsgeschichte.

Das Frankfurter Bild gleicht dem Münchner und Tübinger. Vertragsverhandlungen werden schwieriger. Forscher orientieren sich anders. "Wichtig wäre uns eine Perspektive, mit der man arbeiten kann", sagt Günther, "Wir befürchten, dass eine Weile nichts geschieht und dann in kürzester Zeit Anträge geschrieben werden müssen."

Dass bald etwas geschehen müsse, forderte auch DFG-Präsident Peter Strohschneider in seiner Neujahrsansprache, die eine Art Auftakt zur Debatte über das Schicksal der Exzellenzinitiative war. Strohschneiders Vorschlag, die Exzellenzcluster in der nächsten Runde zu Exzellenzzentren auszubauen und dabei die Kooperationen mit der außeruniversitären Forschung zu nutzen, liegt in der Nähe anderer Überlegungen zu Profiluniversitäten oder ganzer Forschungsregionen. Dazu muss der in der Wissenschaft wenig beliebte Vorschlag der Bildungspolitiker vom Tisch, den Wettbewerb in die Breite zu tragen. Massenexzellenz trägt den Widerspruch schon im Namen und gilt als Einfallstor für politisches Proporzdenken in das bisher vorbildlich an wissenschaftlichen Kriterien ausgerichtete Verfahren. Allgemein begrüßt werden längere Laufzeiten. Weniger Anträge, Gutachten, Leistungsberichte können für die Konzentration auf die Forschung nur vorteilhaft sein. Der Dresdner Rektor Hans Müller-Steinhagen empfiehlt für die nächste Runde auch kleinere Budgets zur Organisationssteuerung. Es ist ein Verdienst der Exzellenzinitiative, den schweren Tanker Universität wendiger gemacht zu haben. Momentan fehlt es ihm weniger an Reformideen als an einer verlässlichen Kursvorgabe.

THOMAS THIEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. März 2015, Thomas Thiel © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Und was soll jetzt aus dem Bösen werden? Leben in einer Welt ohne göttlichen Schöpfungsplan: Ein Handbuch zum Thema Religion und Säkularisierung

Ist die säkulare Moderne nichts als ein Plagiat jüdischer und christlicher Weltbilder und Weltordnungsideen? Dies zu unterstellen, warf Hans Blumenberg den Säkularisierungstheoretikern seiner Zeit vor. Standhaft hielt er ihnen seine These von der Originalität - und deshalb Legitimität - der Neuzeit entgegen, deren Genese er eben nicht als Transformation religiöser beziehungsweise theologischer Begriffe, Überzeugungen und Praktiken in säkulare beschrieb, sondern als einen Vorgang der Vernichtung religiöser Illusionen in einem Akt menschlicher Selbstbehauptung. Der Wille, sich keinem göttlichen Schöpfungsplan mehr zu unterwerfen, setzte die Menschen zwar auch im säkularen Zeitalter nicht in den Stand, die ganz großen Fragen (nach dem Sinn des Lebens und Leidens) abzuschaffen. Abgeschafft aber wurden die Antworten.

Und so steht die säkulare Moderne zu Beginn des einundzwanzigstenn Jahrhunderts etwas ratlos vor dem Erbe der Religionen, das dann doch nicht auf dem Schrottplatz der Geschichte gelandet ist. Dass die Frage nach ,Religion und Säkularisierung' vielmehr weiter aktuell und die Suche nach Antworten ungebrochen kontrovers ist, zeigt das von den katholischen Religionsphilosophen Thomas M. Schmidt und Annette Pitschmann herausgegebene interdisziplinäre Handbuch mit dem gleichlautenden Titel.

Der Band berücksichtigt theologische und philosophische Perspektiven ebenso wie soziologische, politik- und kulturwissenschaftliche. Im breiten Fächerreigen vermissen wird man die Geschichtswissenschaft, die weitgehend der Geschichtsphilosophie und ihren Spekulationen den Platz überlassen muss.

"Konzepte", "Kategorien", "Konflikte" - so sind die drei Teile überschrieben, die das Gerüst des Bandes bilden. Unter dem ersten der drei ,K' findet man erwartungsgemäß die in der Debatte weithin bekannten Namen, wie Durkheim und Weber, Habermas, Luhmann, Berger, Luckmann, Casanova. Doch wird man erfreulicherweise auch einigen weniger umfänglich rezipierten Autoren begegnen - wie zum Beispiel dem eingangs erwähnten Hans Blumenberg. Dessen Projekt, die Eigenständigkeit der Moderne nachzuweisen, wird von Michael Moxter nicht nur ausführlich referiert, sondern auch ideengeschichtlich kontextualisiert. Für den kanadischen Sozialphilosophen Charles Taylor, dem Michael Kühnlein ein Kapitel widmet, ist Blumenberg ein Paradebeispiel für jene Religionshistoriographie, die das sakuläre Zeitalter schlicht als Ergebnis einer "Subtraktion" des Religiösen aus der Geschichte der Menschen auffasst. Ob Taylor mit dieser Einschätzung richtigliegt, wird man diskutieren können. Taylor selbst liefert jedenfalls eine andere Erzählung: Indem er den epochalen Wandel, den das säkulare Zeitalter einleitet, als einen Wandel der Erfahrungsbedingungen des Glaubens ebenso wie des Nichtglaubens beschreibt, erzählt er die Geschichte der Säkularisierung jenseits der Alternative von Fortschritt und Verfall.

In die Riege der ,Väter' der Debatte (Weber, Durkheim) wird auch Ernst Troeltsch eingereiht. Seine Rekonstruktion der religionsgeschichtlichen Bedeutung des Christentums und besonders des Protestantismus für die Entstehung der modernen Welt und die Dynamik der europäischen ,Kultursynthese' wird hier aber nicht in den Kontext seiner "Fachmenschenfreundschaft" mit Weber gestellt. Joerg Dierken ordnet Troeltschs Entwurf vielmehr in einen ideengeschichtlichen Zusammenhang mit Hegels geschichtsphilosophischem Verständnis von Säkularisierung als Verwirklichung des Christlichen im Weltlichen sowie mit Karl Löwiths Deutung des modernen Fortschrittsgedankens als säkularisierter Gestalt christlicher Eschatologie ein. Erfreulich ist auch die Aufnahme der religionstheoretischen Überlegungen der amerikanischen Pragmatisten William James und John Dewey, die (wie Annette Pitschmann nachzeichnet) argumentieren, dass die Religion "nicht trotz, sondern genau aufgrund der Voraussetzungen der Moderne Bestand haben kann". Auch einige Gegenwartsanalytiker finden Berücksichtigung, so Martin Riesebrodts These von der Rückkehr der Religionen und Detlef Pollacks empirisch fundiertes Festhalten am Säkularisierungsparadigma (Julien Winandy).

Von den insgesamt vierzehn "Konzepten" geht es weiter zu den "Kategorien". Siebzehn Einträge haben die Autoren in diesem zweiten Teil des Bandes versammelt. Manche Stichworte erwartete man, andere überraschen und öffnen ungewohnte Perspektiven auf das Thema: Was wird im säkularen Zeitalter aus dem ,Bösen'? Welches Schicksal ereilt das ,Heilige'? Auch ,Fortschritt', ,Moderne', ,Freiheit', ,Öffentlichkeit' (nicht allerdings Privatheit), ,Religiosität' (nicht aber Religion) werden erläutert. Die Beiträge liest man durchgängig mit Gewinn, doch hinterlässt dieser Teil den Eindruck einer gewissen Willkür in der Auswahl der Kategorien, die teils (wie etwa ,Toleranz' und ,Rationalität') auf unterschiedlichen Ebenen liegen und ganz verschieden mit dem Titelthema verknüpft sind.

Im dritten Teil des Bandes (zu "Konflikten") taucht gleich zweimal das Titelstichwort Säkularisierung wieder auf: In dem Eintrag "Säkularisierung und Weltgesellschaft" stellt Michael Reder die Religionen als globale Akteure par excellence dar, die der Globalisierung nicht nur ausgeliefert sind, sondern diese ihrerseits aktiv gestalten. Karsten Schmidt dekonstruiert in seinem Beitrag "Säkularisierung und die Weltreligionen" beide Begriffe, indem er zeigt, wie eng sie eingewoben sind in die mit dem Christentum tief verwachsene europäische Geschichte. Als historische (und neuerdings teils wieder aufbrechende) Konfliktfelder ersten Ranges kommen "Glauben und Wissen" und "Religion und Wissenschaft" in den Blick. Mit den Einträgen "Religion und Menschenrechte" sowie "Religion und säkularer Rechtsstaat" werden schließlich zwei gegenwärtig höchst virulente Konfliktfelder vermessen; die Erörterung bleibt hier allerdings sehr im Grundsätzlichen.

Der Band bietet einen guten und breiten Überblick über die Debatten und Fragen, die sich im Spannungsfeld von Religion und Säkularisierung nicht erst der Gründergeneration der Religionssoziologie gestellt haben. Das säkulare Zeitalter, in dem wir - seit wann eigentlich? - leben, hat diesen Fragen ihre Dringlichkeit nicht genommen und keine Antworten geben können, die alle zu überzeugen vermöchten. Das aber gehörte auch nicht zu seinen Versprechungen.

ASTRID REUTER

"Religion und Säkularisierung". Ein interdisziplinäres Handbuch. Hrsg. von Thomas M. Schmidt und Annette Pitschmann. J.B. Metzler Verlag, Stuttgart 2014. 380 S., geb., 59,95 [Euro].

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. April 2015, Astrid Reuter © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Freiheit gegen Sicherheit? Angela Marciniak sondiert ein politisches Konzept

Sicherheit ist mittlerweile zu einem Topos, geworden, der nahezu jedes politische Handeln legitimieren kann. Ein fragwürdiger Erfolg, er sich inzwischen auch, so Angela Marciniak, in der wissenschaftlichen Literatur widerspiegele. Die wissenschaftliche Koordinatorin des Sonderforschungsbereichs "Dynamiken der Sicherheit" der Universitäten Marburg und Gießen verweist in ihrem Buch auf die Debatte um "Sicherheit versus Freiheit" als Reaktion auf diverse Gesetze im sogenannten Kampf gegen Terrorismus. Um das "Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit" gehe es da, um den "Widerspruch zwischen Freiheit und Sicherheit" oder um die notwendige Balance zwischen beiden Konzepten, die seit dem 11. September 2001 neu justiert werden müsse.

Die Autorin hinterfragt die gängigen Positionen in wohltuender Weise: Sind Sicherheit und Freiheit für eine Gesellschaft tatsächlich in erster Linie als konträre Konzepte zu denken, als etwas, das immer wieder in Ausgleich gebracht werden muss? Es erscheint ihr durchaus nicht überzeugend, dass ein Mehr an Sicherheit so oft für ein Weniger an Freiheit verantwortlich gemacht wird - oder umgekehrt. Und hat sich das "Streben nach Sicherheit", wie oft behauptet wird, tatsächlich erst ab der Mitte des letzten Jahrhunderts zu einem "gesellschaftlichen Wert" von eminenter Bedeutung herausgebildet?

Hier kommen bei Marciniak Thomas Hobbes, Jeremy Bentham und Hans Joachim Morgenthau ins Spiel. Mit ihnen wandert sie durch die Ideengeschichte der letzten vier Jahrhunderte, um zu sehen, wann für wen mit welchen Begründungen Sicherheit geschaffen werden sollte. Die Sicherheitskonzeption von Hobbes steht dabei für die Zeit rasanter Säkularisierung und des entstehenden Kapitalismus, jene Benthams für Umbrüche angesichts von Aufklärung und Revolution, aufkommendem Liberalismus und industrieller Revolution - und schließlich jene von Morgenthau für eine von zwei Weltkriegen und der atomaren Bedrohung geprägte Zeit.

Anhand ihrer drei Gewährsmänner führt Angela Marciniak vor Augen, dass Sicherheit und Freiheit nicht notwendigerweise in Opposition zueinander stehen. Schließlich sei nur eine gesicherte Freiheit von Wert. Die häufig angestellte Überlegung, Sicherheit und Freiheit seien zwei Waagschalen, die austariert werden müssten, sei so nicht zu halten: Sicherheit schaffe zwar die Möglichkeit für die Nutzung von Freiheit, im Übrigen unterschieden sich die beiden aber derart in Wahrnehmung und Erfahrbarkeit, dass sie unmöglich als jeweils "andere Seite der Medaille" betrachtet werden könnten. Freiheit müsse bewusst wahrgenommen werden, um sich überhaupt als Freiheit zu erweisen. Hingegen könnten Individuen auch sicher sein, ohne dessen gewahr zu sein.

THOMAS SPECKMANN

Angela Marciniak: "Politische Sicherheit". Zur Geschichte eines umstrittenen Konzepts.

Campus Verlag, Frankfurt am Main 2015. 369 S., geb., 36,90 [Euro].

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. April 2015, Thomas Speckmann © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Medieneinladung: Goethe geht nach Offenbach Neues Veranstaltungsformat des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in Kooperation mit der Stadt Offenbach startet mit vier Vorträgen

FRANKFURT/OFFENBACH. „Offenbach Goethe Lectures“ heißt ein neues Veranstaltungsformat, bei dem der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität mit der Stadt Offenbach zusammenarbeitet. Ziel der Reihe, die in diesem Sommersemester beginnt und im Jahr 2015 vier Veranstaltungen beinhaltet, ist die Intensivierung des Dialogs mit der Öffentlichkeit über die Frankfurter Stadtgrenzen hinaus. Die Vorträge finden im Offenbacher Klingspor-Museum statt. Damit möchte der Exzellenzcluster seine Kooperation mit regionalen Einrichtungen der Wissenserzeugung und -vermittlung weiter ausbauen.

Für die Stadt Offenbach besteht nach zwei bereits erfolgreichen Kooperationen mit dem Frankfurter Exzellenzcluster das Ziel, mit der neuerlichen Zusammenarbeit den Bekanntheitsgrad des Kreativ- und Designstandorts Offenbach in der Wissenschaftslandschaft weiter zu erhöhen, sowie den Wissenstransfer des Exzellenzclusters in die Stadtgesellschaft Offenbachs zu forcieren und damit auch wieder den Offenbacher Kultur- und Kreativschaffenden neue Ansätze zum Austausch zu geben. Mitveranstalter auf Seiten Offenbachs sind die städtische Wirtschaftsförderung und das Klingspor-Museum Offenbach.

Die Vortragenden aus den Reihen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes sind sowohl profilierte Professorinnen und Professoren als auch fortgeschrittene Nachwuchswissenschaftler, die mit ihren Schwerpunkten innovative Forschungsgebiete erschließen. In der ersten „Goethe Lecture Offenbach“ erörtert der Soziologie-Professor Sighard Neckel unter dem Titel „Burnout. Das gesellschaftliche Leid der Erschöpfung“ am 21. Mai den Zusammenhang zwischen subjektivem Leid und gesellschaftlichen Problemen. Dabei wird Neckel auch der Frage nachgehen, ob Burnout als subjektives Phänomen einer Krise des ökonomischen Wachstumsregimes auch als Beginn eines sozialen Wandels verstanden werden kann.

Hintergründe zur Idee der Gesamtreihe und Details zu einzelnen Vorträgen würden wir Ihnen gerne persönlich vorstellen. Wir laden Sie ganz herzlich ein zu einem

Mediengespräch
am Mittwoch, 13. Mai 2015, um 10.30 Uhr,
Ort: Klingspor-Museum Offenbach
Herrnstraße 80 (Südflügel des Büsing Palais)
63065 Offenbach am Main

Teilnehmer:

* Jürgen Amberger, Amtsleiter Wirtschaftsförderung, Stadt Offenbach
* Ria Baumann, Ansprechpartnerin Kreativwirtschaft, Wirtschaftsförderung, Stadt Offenbach
* Prof. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität
* Prof. Sighard Neckel, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit an der Goethe-Universität
* Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters an der Goethe-Universität
* Dr. Stefan Soltek, Leiter, Klingspor-Museum

Eine kurze Mitteilung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wäre sehr freundlich. Bitte per Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Informationen:
Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; www.normativeorders.net/de
Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.offenbach.de/wirtschaft

Das Klingspor-Museum ist ein Museum für Schriftkunst und Typografie in Trägerschaft der Stadt Offenbach. Den Grundstock des Museums bildete die kostbare Privatsammlung von Dr. h.c. Karl Klingspor (1868 - 1950), der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Offenbach mit seinem Bruder eine Schriftgießerei betrieb. Es besitzt zudem die außerhalb der Niederlande größte Sammlung über den Typographen Hendrik Nicolaas Werkman, der mit seiner experimentellen Zeitschrift „The next call“ aus den Jahren 1923 bis 1926 zu den einflussreichsten Avantgardisten der Typographie des 20. Jahrhunderts gehört. Ausgehend von der Typografie hat sich das Museum über die letzten Jahre hinweg zu einer Sammlung künstlerischer Bücher entwickelt. www.offenbach.de/klingspor-museum

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

Herausgeber: Die Präsidentin
Abteilung Marketing und Kommunikation,
60629 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Abteilungsleiter
Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main
Telefon (069) 798 – 13035, Telefax (069) 798 – 763 12531,
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Internet: www.uni-frankfurt.de

Von der allgemeinen Erschöpfung. Vorträge von Wissenschaftlern im Klingspor-Museum

skem. OFFENBACH. Den Dialog zwischen Wissenschaft und Bürgern wollen das Klingspor-Museum, die Wirtschaftsförderung Offenbach und das Exzellenzcluster der Goethe-Universität Frankfurt mit der Veranstaltungsreihe "Goethe Lectures Offenbach" anregen. In vier Vorträgen im Klingspor-Museum, die sich an interessierte Bürger richten, sollen Wissenschaftler über aktuelle Fragestellungen sprechen.

Wie Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters an der Goethe-Universität, sagte, trage die Reihe den Namen, da man hoffe, dass auch viele Frankfurter aus Neugier nach Offenbach kämen, wie es schon Goethe getan habe. Die Themenauswahl solle zeigen, wie vielfältig das interdisziplinäre Exzellenzcluster sei. Zu jedem Vortrag sollen laut Museumsleiter Stefan Soltek thematisch passende Stücke aus der Goethe-Sammlung ausgestellt werden.

Schon im Sommer 2013 hatte es ein Kooperationsprojekt zwischen dem Frankfurter Exzellenzcluster und der Stadt Offenbach gegeben. Jürgen Amberger, Leiter der Wirtschaftsförderung, sagte, dass die damaligen Veranstaltungen so gut besucht gewesen seien, dass man eine abermalige Zusammenarbeit beschlossen habe. Schmidt kündigte an, dass die neue Reihe im nächsten Jahr voraussichtlich fortgesetzt werden solle. Die erste Veranstaltung dieser Folge beginnt am Donnerstag mit einem Vortrag von Sighard Neckel, Professor für Soziologie an der Universität Frankfurt, zum Thema "Burnout: Das gesellschaftliche Leid der Erschöpfung". Darin soll es um die gesellschaftlichen Veränderungen gehen, die das weitverbreitete Gefühl der Erschöpfung begünstigen. Dazu zählen etwa die Veränderungen der Berufswelt, die nach Neckels Worten viele Berufstätige wegen befristeter Verträge als nie endende Kette von Bewährungsproben erleben, und die moderne Lebensführung, die er als "Verbetrieblichung der Alltagsorganisation" bezeichnete.

Am 23. Juni referiert der Rechtswissenschaftler Matthias Kettemann über das Thema "Wer hat die Macht im Internet?". Am 12. Oktober spricht Annette Imhausen, Professorin für Wissenschaftsgeschichte der vormodernen Welt, über die Schriftentstehung in Ägypten und Mesopotamien.

Die Reihe endet schließlich am 26. November mit dem Vortrag des Wirtschaftswissenschaftlers Manuel Wörsdörfer, zum Thema "Banken und Menschenrechte: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit". Die Vorträge beginnen jeweils um 19 Uhr im Klingspor-Museum, der Eintritt ist frei.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Mai 2015, skem. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

Vom Burnout und so. Neue Vortragsreihe heißt Offenbach Goethe Lectures

Von Madeleine Reckmann

Wer sich erschöpft fühlt und nahe am Burnout, dem sei der erste Vortrag der neuen Vortragsreihe Goethe Lectures Offenbach angeraten. Vielleicht kommt er dort zu der Erkenntnis, dass es sich bei der Seelenpein nicht um ein individuelles Unwohlsein oder eine Fehlleistung handelt, sondern um ein gesellschaftliches Phänomen.

Natürlich ist der Vortrag - wie die gesamte Reihe auch - auch für die sich gesund und wohl fühlende Bürgerschaft offen. Die Reihe wurde von dem Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" an der Goethe-Universität Frankfurt mit der Stadt Offenbach konzipiert und hat zum Ziel, den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft mit Fokus auf die Rhein-Main-Region voranzutreiben. Das Exzellenzcluster ist ein Forschungsverbund von Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaftlern, das die weltweiten gesellschaftlichen Umbrüche untersucht.

"Wir brauchen den Wissenstransfer, die öffentliche Teilhabe und Diskussion", erklärt Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters. Dafür treten die Professoren aus ihrem Elfenbeinturm heraus und vor ein breites Publikum hin. In Offenbach präsentiere der Cluster seine Formate gerne, weil es ein besonders interessanter Standort sei. Die Vorreiter-Vorlesung im Sommer 2013 von Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor der Rechtstheorie, hatte den Saal im Klingspor-Museum mit rund 80 Besuchern bereits gut gefüllt. "Über 70 Prozent der Mitarbeiter in der Offenbacher Kreativwirtschaft haben einen universitären Abschluss", sagt Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger. Die meisten, 27 Prozent, hätten ihren Abschluss in Frankfurt gemacht. "Wir nutzen die Vernetzung, um an wichtige Themen heranzuführen." Wobei Schmidt und Günther davon ausgehen, dass etliche Frankfurter die Reise nach Offenbach antreten. Für dieses Jahr sind vier Vorlesungen vorgesehen. Die Reihe soll 2016 fortgeführt werden.

Soziologieprofessor Sighard Neckel, der das Thema Burnout behandelt, sprach für seine Forschungen mit vielen statushöheren Männern zwischen 40 und 50 Jahren aus dem Frankfurter Bankensektor und beobachtete bei ihnen oft Zusammenbrüche. Seiner Auffassung nach sind die Erschöpfungszustände auf die Veränderungen in der Berufswelt zurückzuführen. "Die Berufstätigen sehen sich ständigen Bewährungsproben ausgesetzt", sagt er, weil die Arbeitsverträge befristet sei und der Konkurrenzdruck aufgrund der elektronischen Vergleichsmöglichkeiten zunehme. Sogar das Privatleben sei von "Effizienzorientierung" und "Verbetrieblichung der alltäglichen Lebensführung" bestimmt. Gastgeber Stefan Soltek, Leiter des Klingspor-Museums, kündigt an, jeweils ein Stück aus der Schriftkunstsammlung mit Bezug zum Thema zu zeigen. Zum Pressetermin hatte er einen Holzschnitt von Frans Masereel parat von einem Sitzenden, der den Kopf verzweifelt in die Hände stützt. Kunst ist eben immer ein geeignetes Mittel, um aus der Effizienzspirale herauszutreten.

Kasten:
DAS PROGRAMM
Am Donnerstag, 21. Mai, spricht der Soziologieprofessor Sighard Neckel über "Burnout. Das
gesellschaftliche Leid der Erschöpfung".    
Am Dienstag, 23. Juni, widmet sich der Rechtswissenschaftler Matthias Kettemann dem Thema "Wer hat die Macht im Internet?"
Am 12. Oktober geht es um die Schriftentstehung in Ägypten und Mesopotamien. Annette Imhausen, Professorin für Wissenschaftsgeschichte, spricht.
Am 26. November behandelt der Wirtschaftswissenschaftler Manuel Wörsdörfer das Thema: "Banken und Menschenrechte - Zwischen Anspruch und Wirklichkeit."
Die Vorlesungen finden im Klingspor-Museum, Herrnstraße 80, in Offenbach, statt und beginnen
jeweils um 19 Uhr. Alle Vorträge sind kostenfrei. mre

Frankfurter Rundschau, 15. Mai 2015, Madeleine Reckmann © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Rundschau GmbH, Frankfurt.

Diese Zwecke dienen der Versöhnung. Ein wichtiger Beitrag zur Debatte um den Euro-Islam: Mahmoud Bassiouni denkt über die Menschenrechte nach

Neben der Volksrepublik China und Nordkorea gelten Staaten wie Saudi-Arabien, Sudan, Iran und Afghanistan als diejenigen Länder, die am meisten Klagen über regelmäßige, ja endemische Menschenrechtsverletzungen evozieren, vom "Islamischen Staat" (IS) einmal ganz zu schweigen. In diesen Ländern ist der Islam Staatsreligion - wie in vielen anderen Ländern mit muslimischer Mehrheit auch. Dissidenten innerhalb wie außerhalb der islamischen Welt klagen ebenso regelmäßig über den mangelnden Respekt vor den Menschenrechten, ebenso die Vereinten Nationen oder Organisationen wie Amnesty International. Vielerorts herrscht die Meinung vor, Islam und Menschenrechte seien nicht vereinbar.

Daran ist so viel richtig, dass vormoderne Kulturen, besonders in ihrer traditionellen Gestalt, sich mit den modernen Freiheitsrechten, mit Individualismus und Selbstbestimmung, Demokratie und Pluralismus schwertun. Für den Islam gilt dies umso mehr, als die modernen Menschenrechte ein Produkt des Westens sind, der europäischen Aufklärung, der Französischen Revolution, und zudem im biblisch-christlichen Menschenbild der "Gotteskindschaft" wurzeln mögen. Menschenrechte erscheinen vielen Muslimen somit als ein Produkt derjenigen Religion, mit welcher der Islam am stärksten konkurriert. Das Vordringen islamistischer Bewegungen hat dies verstärkt.

Aber ist das wirklich so? Hat der Westen ein Monopol auf die Menschenrechte? Hans Joas hat dies in seinem kürzlich erschienenen Buch "Sind die Menschenrechte westlich?" (Kösel Verlag) wieder verneint und die These vertreten, alle Religionen, die das Leben heiligten, seien Quellen der Menschenrechte, könnten es jedenfalls sein. Umgekehrt hat der "Westen", ungeachtet "seiner" Menschenrechte, in grausamer Weise gegen sie verstoßen. Die Amerikaner etwa verfünffachten die Anzahl schwarzer Sklaven in ihrem Land, nachdem sie in der Bill of Rights 1781 die Menschenrechte festgeschrieben hatten. Sie galten offenbar nur exklusiv für sie selbst.

Mahmoud Bassiouni, Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft sowie am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, sieht die Menschenrechte "zwischen Universalität und islamischer Legitimität". Mit dieser Formulierung trifft er den Kern der Problematik. Islamische Staaten haben in ihre Verfassungen - unabhängig davon, wie ernst sie diese nehmen - neben der Scharia als Rechtsquelle die Menschenrechte durchaus aufgenommen; in der (Rechts-)Praxis freilich herrschen die traditionellen Vorstellungen des kollektiven Verhaltens, wie die islamische Lebensordnung (scharia) sie vorsieht - in unterschiedlicher Stärke und Intensität. Einzig die Türkei hat sich im vorigen Jahrhundert stark verweltlicht und verwestlicht, während in Saudi-Arabien - um das andere Extrem zu zitieren - der Salafismus regiert.

Und jene Kräfte, die vor nun vier Jahren, ausgehend von Tunesien, die "Arabellion" entfachten, kämpften und kämpfen für massive Veränderungen der "islamischen Ordnung" in Richtung auf mehr Demokratie und Menschenrechte.

Doch wie sie begründen im Islam? Das ist auch angesichts der bisweilen besonders widersprüchlichen, ja heuchlerischen Menschenrechtspolitik des Westens, worauf Bassiouni zu Beginn seines Buches hinweist, nicht leicht. Nach einer Tour d'Horizon über Entstehung, Entwicklung und schließlich Stagnation der islamischen Sakralrechtswissenschaft (Fiqh) widmet sich Bassiouni Ansätzen zu einer Versöhnung von Islam und modernen Menschenrechten auf der Grundlage islamischer Legitimität. Anders als der marokkanische Denker Mohammed Aziz Lahbabi (1923 bis 1993), der einen "muslimischen Personalismus" geschaffen hat, auf dessen anthropologischer Grundlage er die Menschenrechte integriert - der Mensch gilt ihm als Zeuge und Verwalter Gottes und seiner Schöpfung, die ihm anvertraut ist -, setzt Bassiouni, weniger metaphysisch, beim Begriff der Zwecke des islamischen Rechts (maqasid al scharia) an.

Unter Berufung auf klassische Autoritäten wie al Dschuwaini, al Ghazali, al Schatibi und Ibn Dschauzija macht er den Schutz der Grundbedingungen menschlicher Existenz als Zweck islamischer Rechtsgrundsätze fest, als da wären: der Schutz der Religion, des Lebens, der Vernunft, der Nachkommen sowie des Eigentums. Diese Güter wiederum können unterteilt werden in notwendige, erforderliche und ergänzende. Eine zeitgenössische Debatte um eine Umdeutung oder Erweiterung der Rechtszwecke hat eingesetzt, etwa nach der Devise, den Schutz der Religion zu einem Schutz der Religionsfreiheit zu entwickeln. Der Schutz der Vernunft würde auf diese Weise zu einem Schutz der Gedankenfreiheit erweitert werden und so weiter.

Bassiouni skizziert ein Tableau dieser Diskussion, die bis heute bei uns in ihrer Vielfalt unbekannt ist und von der Inkompatibilität der Menschenrechte mit dem Islam bis hin zu drastischen Veränderungsansätzen reicht. Bassiouni selbst unterscheidet bei den existentiellen Grundbedürfnissen der Menschen und ihrer Menschenrechte, die er prinzipiell evolutionär auffasst - das heißt als Regeln, sie sich mit dem Fortschritt der Gesellschaften mehren -, normative und empirische; so gelingt ihm ihre Bestimmung und Begründung zwischen islamischer (religiöser) Legitimität einerseits und nichtreligiöser, universaler Grundlegung andererseits.

Diese gründliche wissenschaftliche Untersuchung islamischer Menschenrechtspotentiale ist ein wichtiger Beitrag zu einem Euro-Islam; er wird die Forschung und Lehre eines modernen Islams in Deutschland, der sich salafistischer und anderer radikaler Herausforderungen ausgesetzt sieht, weiter beleben und fördern.

WOLFGANG GÜNTER LERCH

Mahmoud Bassiouni: "Menschenrechte zwischen Universalität und islamischer Legitimität". Suhrkamp Verlag, Berlin 2014. 390 S., br., 18,- [Euro].

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Mai 2015, Wolfgang Günter Lerch © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

Sterben für unsere Werte. Auftakt der Frankfurter Hausgespräche im Goethehaus

Der christliche Begriff des Märtyrers ist in Verruf geraten, seit sich muslimische Selbstmordattentäter mit ihm schmücken. Dabei war der traditionelle "Blutzeuge" stets nur bereit, selbst für seinen Glauben und seine Werte in den Tod zu gehen. Sind wir heute dazu fähig, mit Leib und Leben für unser Grundgesetz einzustehen und für das Gründungsnarrativ unserer Gesellschaft das Ende der eigenen Existenz in Kauf zu nehmen? Dieser Frage sah sich der Besucher im Frankfurter Goethehaus ausgesetzt, in dem die europäischen Werte hinterfragt wurden. Kaum hatte Hausherrin Anne Bohnenkamp-Renken die Auftaktdiskussion der diesjährigen Frankfurter Hausgespräche zum Publikum hin geöffnet, da lenkte Joachim Valentin, Leiter des Hauses am Dom und Mitveranstalter der Reihe, die Aufmerksamkeit auf jene "Werte, für die es sich zu sterben lohnt".

Sterben? Für Europas Werte? Ist Europa das wert? Ein ziemlich großspuriges Thema haben sich die vier Frankfurter Häuser, zu denen auch das Literaturhaus und das Holzhausenschlösschen sowie als fünfte im Bunde die Stiftung Polytechnische Gesellschaft zählen, mit ihrem diesjährigen Leitwort "Europas Werte - Europas Wert" vorgenommen. Mit Marcus Willaschek, Philosoph an der Frankfurter Goethe-Universität, saß ein Kantianer und Verfechter des moralischen Imperativs auf dem Podium. Neben ihm brach Susanne Schröter, Ethnologin und Kollegin im Forschungsverbund "Normative Ordnungen", eine Lanze für die Werte nichteuropäischer Kulturen. Der Komparatist Daniel Weidner, stellvertretender Direktor des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung in Berlin, dümpelte vor allem im Abstrakten, wo Schröter meist konkret auf den Punkt kam und Willaschek differenzierte.

Was sind Werte? "Moralische Werte sind das, was gut ist", definierte der Philosoph. Später wurde der Kanon erweitert durch den ästhetischen Wert (was schön ist) und den ökonomischen Wert (was nützlich ist). "Aber wer definiert, was wertvoll ist?", fragte Schröter ketzerisch dazwischen. "Für wen gelten die Werte? Wer kann sie sich leisten?" Der politische Hegemon? Die Eliten? Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hätten europäische Werte in Iran hoch im Kurs gestanden. Seit der autokratischen Herrschaft des Schahs jedoch hätten sich die Iraner von westlichen Werten wie Toleranz und Bürgerrechten "vergiftet" gefühlt. Frauenrechte seien auch bei uns noch nicht alt, erinnerte sich Bohnenkamp-Renken. "Und wie sind Werte und Rechte miteinander verschränkt?", wollte Schröter wissen.

Was ist überhaupt ein Grundwert? Weidner: "die Freiheit". Und ein Menschenrecht? Weidner: "die Unverletzlichkeit der Person". Bohnenkamp war als Moderatorin nicht zu beneiden. Aber es gelang ihr immer wieder, das begriffliche Knäuel zu entwirren und neue Fährten zu legen. Etwa mit der Frage, wie sich universelle Werte zu partikularen verhalten. Willaschek sieht "Schnittmengen". Ohne einen solchen gemeinsamen Nenner gäbe es auch keine Basis für die Weltliteratur und ihre Übersetzungen, sagte Bohnenkamp, verwies aber auf Herder und Humboldt, denen bewusst gewesen sei, wie viel beim Übersetzen verlorengehe. Gibt es eine Schnittmenge auch mit der Türkei, fragte sich Weidner: "Europa redet mit zwei Zungen, einer säkularen und einer christlichen."

Da hat die Türkei schlechte Karten. Aber die Frage nach den Werteverhältnissen stelle sich auch im Inneren Europas, sagte Bohnenkamp, und verwies auf die muslimischen Neubürger. "Ein kleinster gemeinsamer Nenner reicht nicht für eine politische Gemeinschaft", entgegnete Willaschek. Dafür seien eine große Schnittmenge und Rückhalt in der Bevölkerung nötig. Schröter forderte neben Toleranz auch Respekt vor anderen Kulturen, Weidner appellierte an unser historisches Gedächtnis. Aber Valentin wollte die europäischen Werte nicht kulturhistorisch relativieren lassen: "Was soll in Europa gelten, nachdem die Werte der Aufklärung durch den Kolonialismus desavouiert worden sind?" Unverzichtbare Werte und europäische Doppelmoral blieben ungeklärt.

CLAUDIA SCHÜLKE

Das zweite Frankfurter Hausgespräch beginnt heute um 19.30 Uhr. Im Frankfurter Literaturhaus diskutieren der Publizist Mark Terkessidis und die "Spiegel"-Redakteurin Melanie Amann über "Eine Theorie der Kollaboration".


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Mai 2015, Claudia Schülke © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Siebenkäs und sein Recht. Der Autor Michael Stolleis

"Nahes Unrecht, fernes Recht" heißt sein jüngster Band, der nächste ist schon auf dem Weg. "Aufhören kann man nicht", sagt Michael Stolleis, Jahrgang 1941. Das Buch zum deutschen Rechtsstaat und wie er im Nationalsozialismus "aus dem Gleis geriet", das im Herbst erschienen ist, versammelt Aufsätze, auch ein persönliches Interview zu Recht und Nationalsozialismus. Es ist ein Thema, das Stolleis schon seit der Studienzeit beschäftigt, als darüber geschwiegen wurde. Als Historiker des öffentlichen Rechts ordnet Stolleis auch in diesen kurzen Texten Fakten und Bedingungen.

Dass er das Buch anlässlich der "Frankfurter Premieren" in der Villa Metzler präsentierte, wo sonst eher Romanautoren ihre Werke vorstellen, hatte aber durchaus seine Richtigkeit. Denn Stolleis, der seit 1975 an der Frankfurter Goethe-Universität Professor für Öffentliches Recht ist und von 1991 bis 2006 das Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte leitete, ist als Historiker des Rechts nicht nur geübt darin, Schicht um Schicht das Werden des Rechts und seine Anwendung in einer klaren Sprache darzustellen, er ist, als passionierter Leser und Autor auch in der Welt der schönen Literatur zuhause. So kommt im Herbst, wenn sein neues Buch "Margarethe und der Mönch" erscheinen wird, auch einer seiner Lieblinge zu seinem Recht: Der Armenadvokat Firmian Stanislaus Siebenkäs und sein Erbschaftsstreit.

Fallstudien zwischen Literatur und Rechtsgeschichte hat Stolleis für "Margarethe" gesammelt, seit er 2012 seine vielgelobte "Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland" in vier Bänden abschließen konnte. Nach diesem Großprojekt, es gibt seit 2014 auch eine einbändige Zusammenfassung, ist Zeit für anderes, zumal der Frühen Neuzeit will Stolleis sich weiter widmen, der täglich Lyrik liest, das "Instrument der Seele". Der Rechtshistoriker und Autor, der als junger Mann wusste, dass er "etwas mit Büchern und Schreiben" machen wollte, wird nun Mitglied eines Kreises, in dem Wissenschaft und Kunst herausragender Persönlichkeiten vereint sind: Morgen wird Stolleis in Berlin in den Orden Pour le mérite aufgenommen.

emm.

Am 3. Juni um 19.30 Uhr wird Michael Stolleis in der Reihe "Hausgespräche" im Frankfurter Holzhausenschlösschen zum Thema "Europäische Bildung" sprechen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Mai 2015, emm. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Uni macht Kino

Dass die Forscher des Frankfurter Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" eine Neigung zum Film haben, konnte man schon bei früheren Vorlesungsreihen sehen. Nun beginnt im Kino des Deutschen Filmmuseums eine ganze Retrospektive samt Vorlesungen zu einer Filmemacherin, die auch aktuelle politische Fragen reflektierte, was dann doch wieder zu "Normativen Ordnungen" passt: "Das Universum von Agnès Varda" beginnt heute um 20 Uhr und findet dann bis zum 11. Februar in unregelmäßigen Abständen donnerstags statt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Oktober 2015, emm. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

Erhebt euch, Mitbestimmer aller Länder! Empörung über den Kapitalismus genügt nicht, die Gesellschaft braucht wieder einen Sinn für die richtige Richtung: Axel Honneth weiß, wo man sich munitioniert - beim Sozialismus.

Von Jürgen Kaube

Der Frankfurter Philosoph Axel Honneth möchte die Idee des Sozialismus wiederbeatmen. Das scheint verwegen. Sind doch einerseits ziemliche viele Schulden auf die Utopie einer Gesellschaft gemacht worden, in der alle Anstrengungen auf soziale Gleichheit zielten. Ob man den Ruin des Sowjetimperiums und der verbundenen Experimente in Staaten der Dritten Welt dabei auf ihre mangelnde ökonomische Leistungsfähigkeit zurückführt, oder auf eine um Menschenrechte unbekümmerte politische Gewaltausübung, ist sekundär. Die Attraktivität des begleitenden Vokabulars von Volksherrschaft und einer an echten Bedürfnissen orientierten Produktion hat in jedem Fall gelitten.

Anderseits hat auch die Sozialdemokratie, die in vielen Spielarten den Sozialismus als Idee pflegte, längst von ihm Abschied genommen. Vom um 1975 einsetzenden Kater eines vulgären Keynesianismus durch Staatsexpansion und Umverteilung hat sie sich noch nicht erholt. Unter anderem deshalb nicht, weil Ausgabenexpansion und Umverteilung auch unter angeblich neoliberalen Umständen stattfanden, Staatsquoten und Verschuldung nach wie vor historisch hoch sind, aber die erwarteten Gleichheitseffekte sich nicht eingestellt haben. Heute beschränkt sich die Linke darauf, gegen angeblich zu geringe Überleitungsquoten von Arbeiterkindern auf die Universität zu protestieren und den eigenen Hartz-IV-Programmen die Forderung nach Mindestlöhnen nachzuschieben. Die Attraktivität dieser Politik für die Entrechteten kann an den Wahlerfolgen der SPD abgelesen werden.

Handelt es sich bei Axel Honneths Versuch also nur um ein spätes akademisches Kratzen an der generationellen Wunde jener, die ihre Jugend - Honneth ist Jahrgang 1949 - mit zweitklassiger Gesellschaftstheorie verschwendet haben und danach eine politische Erwartung nach der anderen kassieren mussten? Honneths Begründung dafür, an klassischen Texten sozialistischer Autoren von Louis Blanc über Proudhon bis zu Marx noch einmal zu prüfen, was an ihnen brauchbar ist, sieht vom Sozialismus im zwanzigsten Jahrhundert und überhaupt von sozialen Tatsachen weitgehend ab. Sie lautet: Den heute über den Kapitalismus und seine Ungerechtigkeiten "empörten Massen" mangele es an einer Vorstellung, welches Gesellschaftsmodell wünschenswert sei. Dem Unbehagen in der Gegenwart fehle es an einem "Zufluss" utopischen Denkens und "normativem Richtungssinn".

Der Sozialismus ist für Honneth also ein moralisches Argument, das massenhafte Empörung - unklar, wen er damit meint: Blockupy, Pegida, die Leser von Piketty, Syriza, Ukip? - benötige, um eine sich alternativlos gebende Wirklichkeit zu kritisieren. Damit einher geht die Vorstellung, dass es von der Qualität eines philosophischen Textes abhängt, was aus dem Sozialismus wird. Sozialistisch und richtig dachte für Honneth, wer von 1830 an der Industriegesellschaft und ihrer politischen Verfassung vorhielt, bürgerliche Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz einseitig gegenüber "Brüderlichkeit" als dem dritten Fahnenruf der Französischen Revolution zu begünstigen. Denn wahre Freiheit setze Brüderlichkeit voraus, sei "soziale Freiheit". Das klingt fast wie "soziale Marktwirtschaft".

Doch die kritische Theorie will nicht Ludwig Erhard oder Émile Durkheim wiederhaben, es geht ihr um mehr als die politische Einhegung ökonomischer Rücksichtslosigkeit. Honneth möchte demonstrieren, dass Freiheit die Anerkennung wechselseitiger Bedürftigkeit und gemeinsamer Zwecke aller Menschen impliziert. Zwanglos würde sich für Sozialisten "die individuelle Verwirklichung eines vernünftigen Zwecks innerhalb des gesellschaftlichen Ganzen nur dann vollziehen, wenn sie auf die Zustimmung aller anderen träfe und durch deren komplementäres Zutun überhaupt erst zur Vollendung käme". Freiheit ist Kooperation.

Das ist schön gesagt, es hängt nur viel an dem Wort "vernünftig" und der Frage, wer feststellt, welche Zwecke dieses Kriterium erfüllen. Die Antwort aus dem Hause Habermas, vernünftig sei, was auf aller Zustimmung trifft, muss, wenn die Geschwisterlichkeit nicht auf kleine Gemeinschaften eingeschränkt bleiben soll, mit langen Einladungslisten zu endlosen Diskussionen in Vernunftfeststellungsverfahren rechnen. Und mit dem aus der Geschichte des Sozialismus kommenden Verdacht, dass letztlich die Seminarleiter die meiste Vernunft sich selbst zutrauen.

Sozialistisch und falsch dachte für Honneth, wer das Argument, Freiheit sei Kooperation, auf die Organisation der industriellen Arbeit einschränkte und den Gegensatz von Markt und Plan absolut setzte. Falsch auch, wer den Sozialismus ausschließlich im Interesse einer oppositionellen Schicht liegen sah. Und falsch schließlich, wer sich versprach, er gehe aus den Krisen der kapitalistischen Ökonomie notwendig hervor. Ökonomismus, Klassenbewusstsein, Geschichtsphilosophie sind für Honneth heute von gestern.

Doch welche Gesellschaftstheorie, welche Akteure und welchen sozialen Hebel für den Sozialismus setzt er an den derart leergeräumten Stellen ein? Seltsamerweise findet Honneth, dass die Prognosen von Marx heute "haargenau" zuzutreffen scheinen: ein aussichtsloses Industrie- und Dienstleistungsproletariat, keine sozial geschützte längerfristige Beschäftigung, hohe Kapitalrenten, wachsende Einkommensungleichheit, Ökonomisierung des öffentlichen Sektors. Zwar hatte Marx eigentlich den Fall der Profitraten vorhergesagt, zwar wächst die Ungleichheit mehr in einzelnen Ländern als im Weltmaßstab, zwar ging der angeblichen Ökonomisierung von Krankenhäusern, Universitäten oder Verwaltungen ihr historisch beispielloser Ausbau voraus, weswegen sich fragen lässt, ob denn nur das Einsparen und nicht auch das Ausgeben einen Sektor ökonomisiert. Aber Honneth findet eben Soziologie, Ökonomie und Geschichte weniger wichtig als normative Schlüssigkeit, die Gesellschaftsbeschreibung gibt ihm Piketty in den Fußnoten.

Normativ findet Honneth, dass Kapitalerträge, also Zinsen und Profite, insbesondere spekulativ erworbene, keine Legitimation haben. Auch Erbschaften nicht. Und er schlägt vor, die Institution des Marktes von derlei unnützen Geschenken an Eigentümer zu lösen. Warum ausgerechnet Währungen oder Firmenanteile nicht gehandelt werden sollen, wäre genauso ein eigenes Thema wie Honneths implizite Behauptung, in der Einkommenshöhe liege kein Leistungsanreiz. Aber auch das würde wieder zu kontroversen Fachfragen in Disziplinen führen, für die er sich nur begrenzt interessiert, weil er sonst wüsste, wie lange und variantenreich sie dort schon diskutiert werden.

Was die Akteure eines künftigen Sozialismus angeht, so findet Honneth, dass nicht kollektive Bewegungen, sondern sozialpolitische Fortschritte die Träger der normativen Ansprüche sein sollten. Nicht aus der Lage der arbeitenden Klasse, sondern aus der erreichten Mitbestimmung oder dem Mindestlohn soll sich ergeben, was der nächste Fortschritt ist. Wer an dieser Stelle doch auf einer Adresse der Vernunftfeststellung besteht, bekommt zur Antwort: alle Bürger, insofern sie sich am politischen Prozess im Sinne Honneths beteiligen, was unter gegebenen Umständen auf sozialstaatlich motivierte Wähler, Politiker auf der Linken und entsprechende Interessenverbände hinausläuft. Es bleibt nur die Frage, womit sich all das den Namen einer Utopie oder auch nur einer Idee verdienen will.

Axel Honneth: "Die Idee des Sozialismus". Versuch einer Aktualisierung.

Suhrkamp Verlag, Berlin 2015. 168 S., geb., 22,95 [Euro].


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015, Jürgen Kaube, © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv".

Sittlichkeit ist halt perdu. Gleichheit hat ihren Preis: Christoph Menke wirft sich entschlossen in eine Kritik des subjektiven Rechts.

Karl Marx wird in der Rechtsphilosophie wieder gelesen. Das ist eine gute Nachricht, gehört doch seine Kritik der bürgerlichen Gesellschaft, die ausgerechnet an deren liberalem Herzstück, nämlich dem Kanon allgemeiner gleicher Freiheitsrechte ansetzt, bis heute zum Scharfsinnigsten, was zur Kritik des subjektiven Rechts geschrieben worden ist. Dass der Mensch durch die bürgerliche Revolution keineswegs von der Religion befreit wurde, sondern vielmehr die Religionsfreiheit erhielt, ebenso wie er statt der Befreiung vom Eigentum die Freiheit des Eigentums und statt Erlösung vom Egoismus des Gewerbes die Gewerbefreiheit erlangte, gehört zu den treffsicheren Grundeinsichten von Marx' Frühwerk.

An diesen Grundgedanken knüpft auch die eindrucksvolle Kritik der Rechtsfigur des subjektiven Rechts an, die der in Frankfurt lehrende Philosoph Christoph Menke vorgelegt hat. Ausgehend von "Marx' Rätsel", warum die emanzipatorische Forderung nach Gleichheit in der Neuzeit ausgerechnet in der Form allgemeiner gleicher Rechte verwirklicht wurde, beschreibt Menke diese spezifisch moderne Rechtsform als Mechanismus einer liberalen Ideologie, die auf die Naturalisierung und Legalisierung der dem bürgerlichen Recht zugrundeliegenden faktischen Zwangslagen gerichtet ist.

Aufschlussreich liest sich bereits das Eingangskapitel, das die entscheidende Neuerung des modernen Rechts darin erkennt, mit der klassischen Vorstellung des Rechts als objektiver Gerechtigkeitsordnung gebrochen zu haben. Das vormoderne Recht verwirklicht objektive Sittlichkeit oder steht doch in untrennbarem Bezug zu ihr. Menke veranschaulicht dies an den zwei Modellen "Athen" und "Rom", die das auf die Erziehung zur Tugend gerichtete Rechtsverständnis des antiken Griechenlands sowie das vernunftbezogene Rechtsdenken des klassischen römischen Rechts bezeichnen.

Der Bruch des modernen Rechts mit der Vormoderne besteht darin, diesen Bezug zur Sittlichkeit gelöst zu haben: Modernes Recht ist entsittlichtes Recht. Menke kennt auch dafür einen Locus classicus: das "London" des Thomas Hobbes, dessen amoralisch-naturalistisches Rechtsverständnis schon die Zeitgenossen des siebzehnten Jahrhunderts verstörte und das hier typologisch durchaus treffsicher zum Inbegriff des modernen Rechts stilisiert wird, die naheliegende Assoziation finanzkapitalistischer Exzesse am heutigen Bankenplatz London inbegriffen.

In dieser Topologie der europäischen Rechtsevolution ist das moderne Recht dasjenige, das die natürliche Freiheit jedes Einzelnen legalisiert. Dies geschieht in der Form des subjektiven Rechts, die ein normatives Paradoxon verwirklicht: Sie hebt ein Natürliches, das an sich amoralisch ist, in den Stand des normativ Gebotenen; sie legalisiert den Naturzustand, indem sie die individuelle Willensäußerung gerade unabhängig von deren Vernünftigkeit oder Sittlichkeit als normativ maßgeblich schützt. Eindringlich beschreibt Menke auf dieser Grundlage die Pathologie des durch das moderne Recht konditionierten Subjekts, dessen Ermächtigung durch subjektive Rechte ausdrücklich nicht nur den sittlichen, sondern auch und gerade den sittlich indifferenten, ja unsittlichen und asozialen Freiheitsgebrauch mit umfasst. Die merkwürdige Leere im Herzen des liberalen Freiheitsideals, die sich gegenwärtig wieder in einschlägigen Debatten über westliche Werte jenseits der Freiheit zu öffentlichen Cafébesuchen breitmacht, wird hier eindrucksvoll vor Augen geführt.

Das moderne Recht versucht nicht mehr, die Differenz zwischen sich selbst und seiner Umwelt durch Bezugnahme auf den sittlichen Grund oder Zweck des Rechts zu überbrücken, sondern nimmt diesen Bruch im Weg der Selbstreflexion ungemildert und paradox in sich selbst auf. Damit ist zugleich ein weiteres typisches Phänomen des modernen Rechts verbunden, nämlich seine zunehmende Materialisierung durch scheinbar entgegengesetzte soziale Wertgehalte, in denen sich - so Menke treffend - jedoch gerade kein echtes Gegenprinzip, sondern vielmehr das aporetische Strukturprinzip des modernen Rechts manifestiert.

Das Sozialrecht erweist sich in Menkes insoweit brillanter Analyse also keineswegs als wirksames Instrument der Kritik privatrechtlicher Herrschaftsverhältnisse, sondern vielmehr als Bedingung ihrer Ermöglichung und Aufrechterhaltung, indem es sein Versprechen gleicher sozialer Teilhabe von der Disziplinierung und Normalisierung der Individuen abhängig macht. So unterschiedlich also auf den ersten Blick die Ziele, so sehr gleichen sich doch die Methoden von Privatrecht und Sozialrecht, die letztlich beide auf Beherrschung durch Berechtigung hinauslaufen und ihren Herrschaftscharakter dabei wirksam camouflieren.

Die Rückkehr zu einem sittlichen Rechtsverständnis im Sinne der Vormoderne hat Menke bei seiner Kritik natürlich nicht im Sin. Er kehrt am Schluss nochmals zu Marx zurück, dessen Utopie einer vollständig emanzipierten Gesellschaft jenseits subjektiver Rechte hier in neuem Gewande als sich selbst transzendierendes "Recht der Gegenrechte" wiederkehrt. Ob ein solches "neues Recht" als Alternative zum herkömmlichen subjektiven Rechtsverständnis möglich ist? Prognosen und, wie man hier ergänzen mag, politische und rechtliche Utopien sind bekanntlich mit Vorsicht zu genießen.

MARIETTA AUER

Christoph Menke: "Kritik der Rechte".

Suhrkamp Verlag, Berlin 2015. 486 S., geb., 29,95 [Euro].

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Januar 2016, Marietta Auer © Alle Rechte vorbehalten. Marietta Auer

Lichtmodenschau im Hafen. Offenbach mit 35 Projekten bei der Luminale

es. OFFENBACH. Mit 35 Projekten ist Offenbach bei der Luminale vertreten. Vom 13. bis 18. März und damit gleichzeitig mit der Messe "Light + Building" in Frankfurt findet die Biennale der Lichtkultur in beiden Städten statt. Insgesamt mehr als 200 Licht-Projekte und Licht-Installationen werden dabei zu sehen sein. Rund 240000 Besucher interessierten sich vor zwei Jahren für die Veranstaltungen. Die Luminale gibt es seit 2002. Offenbach kam 2006 hinzu. Seit 2008 beteiligt sich die Stadt in einer "konzertierten Aktion" daran und ist also zum sechsten Mal dabei. Das Motto lautet hier: "Highlight Offenbach".

Für die Offenbacher Kreativwirtschaft sei die die Luminale die "einmalige Chance", sich der Stadt und der Region zu präsentieren, sagte Jürgen Amberger, der Leiter des städtischen Amts für Wirtschaftsförderung. Die Wirtschaftsförderung koordiniert die Offenbacher Aktivitäten und stellt etwas über 10 000 Euro bereit. Ein Stadtplan führt alle Veranstaltungen in Offenbach auf.

An den Luminale-Tagen pendelt jeweils von 18 bis 23 Uhr ein Shuttle-Bus im Stundentakt zwischen dem Offenbacher Marktplatz und dem Paulsplatz in Frankfurt; Besucher können den "Luminale Express" unentgeltlich nutzen. Der Gesamtkatalog und der Offenbacher Stadtplan sind in den Luminale-Infozentren im Kulturzentrum Hafen 2, Nordring 129, in der Heyne-Fabrik, Lilistraße 83D, und im Ostpol-Gründercampus, Hermann-Steinhäuser-Straße 43-47, erhältlich. Die Kooperation mit Offenbach sei besonders wichtig, sagte Angelika Kroll-Marth vom Projektbüro Luminale.

Eröffnet wird die Luminale in Offenbach am Samstag, 12. März, um 19 Uhr und um 20.30 Uhr im Hafen 2 mit der Lichtmodenschau "Leuchtstoff" der Schule für Mode, Grafik, Design. Zehn Lichtdesigner und Lichtkünstler des "Instituut Lichtontwerpen" aus Amsterdam zeigen unter dem Titel "Many Many Moons" 13 Projekte in der Heyne-Fabrik. Nach Angaben von Thomas Kypta, dem Geschäftsführer der Etage 3 Kommunikation + Design GmbH, werden außerdem mehrere Workshops angeboten. "Nous n'avons pas besoin de tuer" heißt ein Projekt des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" an der Goethe-Universität Frankfurt, das Laura Gerlach als Neon-Installation mit Sound zur Luminale in Frankfurt und Offenbach präsentiert. Eröffnet wird das Projekt am Sonntag, 13. März, um 18 Uhr vor dem Offenbacher Rathaus. Man wolle Wissenschaft nicht im Elfenbeinturm betreiben, sondern den direkten Dialog mit dem Bürger suchen, sagte Rebecca Schmidt, die Geschäftsführerin des Exzellenzclusters.

Das Klingspor-Museum zeigt die begehbare Licht-Papier-Installation "Schwarzlicht" im Foyer der Sparkasse Offenbach, Berliner Straße 45. Das Projekt erinnert nach den Worten von Nina Mössle vom Klingspor-Museum an die vor 100 Jahren errichtete alte Offenbacher Synagoge, das heutige Capitol-Theater, an der Goethestraße und an die Verfolgung und Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Februar 2016, es. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Grenzenlose Filmerlebnisse. Programm des 9. Lichter Filmfests Frankfurt International

Bei "Grenzen" denkt mittlerweile jeder zuerst an die Außengrenzen Europas. Deutlich weiter sollen die "Grenzen" als Motto des diesjährigen Lichter Filmfests verstanden werden, das vom 29. März bis zum 2. April zum inzwischen neunten Mal in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet stattfindet. Diesmal nutzt das Festival das Künstlerhaus Mousonturm als Veranstaltungsort, weitere Spielstätten sind das Deutsche Filmmuseum, das Kino "Mal seh'n", der Lederpalast Offenbach und das Wiesbadener Caligari. Nicht nur die Filmreihen, auch das Begleitprogramm sind noch einmal deutlich gewachsen: Innerhalb der drei Wettbewerbe und außer Konkurrenz sind 13 internationale und 25 regionale Langfilme sowie 28 Kurzfilme zu sehen, insgesamt gibt es gut 100 Veranstaltungen, ein Viertel von ihnen sind Ur- und Erstaufführungen.

Mit dem "Heimat"-Regisseur Edgar Reitz hat Lichter einen prominenten Schirmherrn gefunden, neben anderen werden der Schauspieler Stipe Erceg und die Regisseure Nico Sommer und Hermann Vaske in den Jurys arbeiten.

Reitz wird nicht nur zur Eröffnung anwesend sein, wenn als Weltpremiere der jüngste Dokumentarfilm der hiesigen, in Südkorea geborenen Regisseurin Sung-Hyung Cho läuft. Mit "Meine Brüder und Schwestern im Norden" ist ihr wohl der erste dokumentarische Einblick in die Gesellschaft Nordkoreas gelungen. Am zweiten Festivalabend, dem 30. März, zeigt Reitz sein Opus "Die andere Heimat" (2013). Auch Jakob Simons Sehnsucht nach Brasilien, die Reitz in opulentes Schwarzweiß gesetzt hat, fügt sich in das Festivalthema ein. Nicht nur politisch, auch sozial und künstlerisch befasse Lichter sich mit Grenzen, sagte Johanna Süß, Ko-Festivalleiterin und Kuratorin der internationalen Filmreihe, bei der Vorstellung des Programms.

Unter anderem ist mit "Les Sauteurs" ein Dokumentarfilm zu sehen, der mit und von afrikanischen Flüchtlingen an der spanischen Enklave Melilla gedreht wurde. Die Regisseurin Sara Fattahi hat in "Coma" den Alltag syrischer Frauen im Krieg gefilmt, "The Wakhan Front" ist ein Mystery-Thriller, der in Afghanistan spielt. Mit insgesamt sieben weiteren internationalen Langfilmen, die zum Teil in Cannes und auf der Berlinale Preise gewonnen haben, konkurrieren sie um den erstmals ausgelobten internationalen Langfilmpreis.

Auch die regionalen Langfilme sind ebenso wie die regionalen Kurzfilme keineswegs in Ort und Thema beschränkt. Das zeigen etwa Lars Kraumes "Der Staat gegen Fritz Bauer", Tom Sommerlattes "Im Sommer wohnt er unten" und Thomas Carlés Auseinandersetzung mit dem Sterben seiner Eltern in der Uraufführung "Lisbeths letzte Reise".

Dabei ist es dem Team um Festivalleiter Gregor Maria Schubert besonders wichtig, dass über die Filme und das Hauptthema des Festivals diskutiert wird. Einige Veranstaltungen organisiert der Exzellenzcluster "Normative Ordnungen" der Frankfurter Goethe-Universität mit, am 30. März etwa wird es um Europas Grenzen gehen, am 1. April lädt die dritte "Lichter-Agora" dazu ein, den ganzen Tag lang mit Fachleuten ins Gespräch über Grenzen zu kommen. Die Ausstellung "Grenz-Parcours - Walk the Line" zeigt Werke unter anderen von Barbara Klemm und Rotraut Pape im Mousonturm, insgesamt 80 Künstler haben sich um den sechsten Lichter Art Award beworben. Die Ausstellung der fünf Finalisten, die vom Kurator Saul Judd und einer Jury ausgewählt worden sind, ist vom 30. März bis zum 3. April in der Naxoshalle zu sehen.

emm.

Das Festival beginnt am 29. März. Weitere Informationen zum gesamten Programm und Karten gibt im Internet unter der Adresse www.lichter-filmfest.de.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. März 2016, emm. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

Vom Glück der Anderen. Agnès Varda, Kinolegende und diesjährige Beckmann-Preisträgerin, wird noch bis Juli im Deutschen Filmmuseum gefeiert. Nun zeigte sie dort zwei ihrer Werke

Von Eva-Maria Magel

Der Tag hätte nicht besser getroffen sein können. Für diesen Besuch und diesen Film: Der 30. Todestag von Simone de Beauvoir, deren Werk auch Agnès Varda geprägt hat. Obwohl die belgisch-französische Filmlegende, die am 30. Mai 88 Jahre alt wird, schon immer wusste, wo es langgeht: "Ich bin von Geburt an Feministin", sagt sie im Deutschen Filmmuseum, während unten im ausverkauften Kino ihr 1965 gedrehter Film "Le Bonheur" läuft, der auf deutsch den hübsch bösen Titel "Das Glück aus dem Blickwinkel des Mannes" trägt. "Ich war damals mitten in den Kämpfen, und ich wundere mich heute, dass die Leute vergessen, wieviel noch zu tun ist", sagt Varda. Feministisch müsse deshalb noch lange nicht jeder Film sein. Auch "Le Bonheur" ist eher ein Experiment vor den Kategorien.

Eine Dreiecksgeschichte, ein Mann, der zwei Frauen begehrt und mit der für ihn glücklichen Lösung gut leben kann: "Der Film war so erfolgreich, weil er so hübsch aussieht und so grausam ist", sagt Varda, durchaus ein wenig genüsslich und schwärmt vom Licht in den Landschaften um Paris, von den Impressionisten, deren Bilder sie inspiriert haben. Um das Glück als ein soziales Klischee zu zeigen, von dem nur profitiert, wer glücksbegabt und zum Schuldigsein nicht ausersehen sei. "Es gibt solche Leute." "Le bonheur", ein Klassiker in ihrem reichen Werk, für das sie im Februar de Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt erhalten hat, ist einer der Filme, die sie jüngst restauriert hat - "eine schreckliche Arbeit".

In neuem Glanz ist nun im Filmmuseum auch "Les cent et une nuit des Simon Cinéma" zu sehen, der zweite, ganz und gar erstaunlichen Film des Abends mit Varda. Sie hatte ihn 1995 zum 100. Geburtstag des Kinos gedreht. Von Fanny Ardant über Catherine Deneuve bis Robert de Niro und Marcello Mastroianni reicht das Aufgebot von gut 20 internationalen Stars um Michel Piccoli als den hundert Jahre alten Herrn Kino, der alles ist: Orson Welles und Buster Keaton, Nosferatu und Latin Lover. Eine bizarre, an Fellini erinnernde Komödie voller Anspielungen, schon durch die Schauspielerinflation selbst: "Ich wollte zurück zur Geschichte des Kinos, als die Schauspieler im Mittelpunkt standen. Man sagte ,Ein neuer Film von Gérard Philippe', der Regisseur war egal. Erst mit der Nouvelle Vague respektierte man die Autoren", erinnert sie sich, die als die weibliche und durchaus sehr kritische Stimme inmitten all der einstigen - männlichen - Filmerneuerer gilt. Doch trotz des Staraufgebots waren die "Cent et une nuits" ein Riesen-Flop: "Achtzig Zuschauer mehr - ich zähle Sie!", rief Varda daher gänzlich uneitel und lachend in den wiederum vollbesetzten Kinosaal. Dass das Publikum ihr Werk sieht, ist ihr augenscheinlich wichtig: Die Zugfahrt von Paris und einen Abend mit zwei Publikumsgesprächen nahm sie auf sich, um der Reihe "Selbstporträts von anderen: Das Universum von Agnès Varda" ein weiteres Mal einen Besuch abzustatten. Das Exzellenzcluster "Normative Orders" an der Frankfurter Universität und das Deutsche Filminstitut würdigen so seit dem Herbst 2015 in Vorträgen und Filmen das Werk Vardas. Das filmische, wohlgemerkt. Denn die Künstlerin, die einst von der Theaterfotografie zum bewegten Bild kam, hat sich längst der Bildenden Kunst zugewandt. Das Filmemachen lässt sie aber nicht, wiewohl ihr aktuelles Projekt dann doch wieder mit Kunst zu tun hat: Sie dreht einen Dokumentarfilm mit dem Fotografen und Street artist JR.

Heute um 18 Uhr ist noch einmal "Les cent et une nuits de Simon Cinéma" zu sehen; am Mittwoch läuft um 18 Uhr noch einmal "Le Bonheur". Die Reihe zu Agnès Varda wird bis in den Juli fortgesetzt. Informationen im Internet unter www.normativeorders.net und www.deutsches-filminstitut.de

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. April 2016, Eva-Maria Magel, © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Jetzt auch in Peking. Nächstes Jahr in Frankfurt, diesen Herbst in China: Die B3 Biennale des bewegten Bildes

Wieso enden dänische Familienfeste immer mit zerstörten Illusionen und verratenen Geheimnissen? Es muss an der skandinavischen Neigung zu Gewissenserforschung und Seelenbohrung liegen. Sie reicht von Ibsen, Munch und Strindberg über Ingmar Bergman bis zu den Dogma-Filmen. Eine neue Variation des alten Themas exportiert Hessen in wenigen Wochen nach China. "The Doghouse" ist ein Kurzfilm, den fünf Zuschauer sich an einem gedeckten Tisch ansehen. Sie setzen eine Videobrille und Kopfhörer auf und werden Zeugen eines Abendbrots mit unerwarteten Enthüllungen, das sie aus der Perspektive des Familienmitglieds wahrnehmen, auf dessen Stuhl sie Platz genommen haben. Immersives Erzählen nennt man das, was Johan Knattrup Jensen und Mads Damsbo von der Kopenhagener Künstlergruppe Dark Matters in ihrem vor zwei Jahren gedrehten Film erproben. Seine Vorführung in Peking und Schanghai gehört zum Programm eines zweiteiligen China-Gastspiels der B3 Biennale des bewegten Bildes. Das Festival, das von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung organisiert und vom Land Hessen getragen wird, findet im Herbst nächsten Jahres wieder in Frankfurt statt. Dann wird es abermals Künstler mit Filmemachern, den Herstellern von Computerspielen und Unternehmen zusammenbringen, die Filme digital nachbearbeiten.

Bis es so weit ist, wird die Kooperation mit der Central Academy of Fine Arts in Peking, die auf der bislang letzten Biennale vor einem Jahr begonnen hat, weiter ausgebaut. Vom 25. September bis zum 7. Oktober dieses Jahres ist das Festival erstmals auf der Design Week in Peking zu Gast, die in zehn Tagen fünf Millionen Besucher zählt. Zur gleichen Zeit ist in Schanghai ein weiterer Auftritt geplant.

Der Übergang vom zweijährigen zum jährlichen Rhythmus sei dem Thema der Biennale mehr als angemessen, sagte HfG-Präsident Bernd Kracke, der gestern in Frankfurt zusammen mit Boris Rhein (CDU), dem hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, einen Ausblick auf den China-Abstecher und die Biennale des nächsten Jahres gab: "In diesem medialen Kontext sind zwei Jahre fast schon Lichtjahre."

Das bewegte Bild verändere die Art, wie der Mensch sich Geschichten erzähle, derzeit auf radikale Weise, sekundierte ihm Rhein. Allein auf Whatsapp würden täglich rund 250 Millionen Videos verschickt. Dabei werde es nicht bleiben. Um von der Kunst über die Wirtschaft bis hin zum Privatleben Anschluss an die Entwicklung zu halten und Einfluss auf sie zu nehmen, gelte es, das Thema zu erforschen. Dafür sei die 2013 zum ersten Mal veranstaltete Biennale das geeignete Format, zum einen als Forum für Hessens Kreativwirtschaft, zum anderen als Exportartikel: "Nach China gehen wir, um zu zeigen, dass wir mehr wollen, als wir schon haben und tun."

Vom 28. November bis zum 3. Dezember nächsten Jahres wird die Biennale in Frankfurt und Offenbach unter dem Titel "On Desire" danach fragen, wie sich Begehren und Wünsche im Zeitalter des Internets verändern. "Wir begehren am meisten das, was wir am meisten entbehren", sagte Kracke. Für ihn ist die Art, in der sich die sexuelle, soziale, politische und wirtschaftliche Dauerbegehrlichkeit des Internets äußert, ein verlässlicher Zukunftsindikator in einer immer komplexeren Welt. Die Partner der Biennale reichen abermals von Museen bis zum Exzellenzcluster Normative Ordnungen der Frankfurter Goethe-Universität.

balk.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Juni 2016, balk. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Small is beautiful?

Mit kariertem Wollhemd und Dreitagebart, die runde Brille eingerahmt von zerzaustem weißen Haar, sitzt der Kritiker Jonathan Rosenbaum im schummrigen Licht eines Hörsaals zwischen Filmstudenten der Frankfurter Goethe-Universität. Er will mit den durchschnittlich fünfzig Jahre jüngeren Studenten über das Kino und seine Arbeit als Kritiker sprechen. Für die ist sein Besuch ein Glücksfall, gehört der Amerikaner doch zu den profiliertesten Vertretern seiner Zunft.

Aufgewachsen in Florence im Norden Alabamas, kam der Enkel eines lokalen Kinokettenbesitzers schon früh mit dem Film in Berührung. Heute sei es dank Wikipedia und Streaming hingegen nicht mehr nötig, in einer Stadt mit Kinos zu leben, um zum Cinephilen oder zum Filmkritiker zu werden, sagt Rosenbaum: "Einige der filmversessensten Menschen, die ich kenne, leben auf dem platten Land, und der Einfluss, den Orte wie New York und Paris auf die Filmkultur haben, schwindet zusehends - meiner Meinung nach eine gute Entwicklung." Natürlich habe das Internet Auswirkungen auf seine Arbeit als Kritiker. Er fühle sich seinen Lesern im Netz enger verbunden als während seiner Zeit als Filmkritiker beim "Chicago Reader", für den er von 1978 bis 2008 schrieb.

Beim Schreiben für ein großes Publikum, sagt der inzwischen lieber für kleine Magazine tätige Rosenbaum, müsse man sich oft in seinen Aussagen einschränken, um Leser nicht zu verprellen. Zur Verdeutlichung wählt Rosenbaum einen seiner bekanntesten Texte, es ist auch der einzige, den er für die "New York Times" schrieb: "Ich musste vier Versionen anfertigen, bis der Text akzeptiert wurde. Die Einzige, mit der ich mich identifiziere, ist die erste." Für viele sei dieser Artikel über Ingmar Bergman aber der bedeutendste, den er jemals verfasst habe, eine Sichtweise, die Rosenbaum weder begrüßt noch teilt. Was ihn jedoch noch mehr umtreibe als die redaktionellen Einschränkungen, seien die Reaktionen auf seine Artikel in großen Zeitungen. "Bei meinem Artikel für die ,Times' haben viele auf die Zeitung und nicht auf mich als Kritiker und meinen Standpunkt reagiert. Ich bekomme heute besseres Feedback über Facebook und meine Website als in meiner gesamten Zeit beim ,Chicago Reader'."

Doch kann sich jeder eine solche Haltung leisten? Ein Student stellt schließlich die entscheidende Frage: Ob Rosenbaum nicht die Aufträge der großen Zeitungen brauche, um die Freiheit zu haben, für Nischenpublikationen zu schreiben? Leider wird der ansonsten so auskunftsfreudige Kritiker an dieser Stelle etwas einsilbig. Außer der Information, dass er nur einen symbolischen Obolus für Beiträge in kleineren Zeitschriften erhalte und seine Website ihm nichts einbringe, erfahren die Anwesenden nichts darüber, wie sich von professioneller Filmkritik außerhalb großer Zeitungen leben lässt. Die implizite Antwort ist wohl: "gar nicht".

FELIX SIMON

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Juli 2016, Felix Simon, © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Cambridge, schön schräg. Die ehrwürdigen Hallen der englischen Eliteuniversität Cambridge stecken voller Harry-Potter-Charme. Eindrücke von einem anderen akademischen Stern von Hartmut Leppin

An King's Cross fahren die Züge von London nach Cambridge ab. Er ist der berühmteste Bahnhof der Stadt, denn das Gleis 9 3/4 lockt Harry-Potter-Fans in Scharen, deren Schlangen gut geordnet vorrücken. Wer am Ziel ist, belohnt sich mit einem Selfie; dabei zu kreischen scheint zum guten Ton zu gehören. Harry Potter bereitet gut auf die Weiterreise nach Cambridge vor: Auch dort trägt man Talare, speist in großen Hallen, die Gastprofessoren, die Fellows, sitzen am High Table; es wird Realität (und war schon lange Realität), was inzwischen auch Nichtakademiker aus Harry-Potter-Büchern und -Filmen kennen.

Umso bemerkenswerter ist die Würde, mit der alte Traditionen in der Universitätsstadt weiter zelebriert werden: die lateinischen Dankgebete beim feierlichen Abendessen, die in jedem College anders sind; die Veranstaltungen, um Förderer und Gelehrte zu ehren; die akademischen Rituale der verschiedenen Phasen des Lebens von Studenten und Gelehrten.

Gelehrte aus aller Welt strömen nach Cambridge. Es drängt sich das Gefühl auf, dass, wer wichtig ist, schon einmal dort vorbeischauen wird. Beeindruckend ist in der Tat die Internationalität, das Gefühl, an einer wahrhaft globalen Wissenschaftswelt teilzuhaben. Man begegnet Kollegen von überallher; das Englische erleichtert die Kommunikation in alle Richtungen. Und doch kann gerade diese Globalität in eine reine Selbstbezüglichkeit, ja tiefe Provinzialität führen. Was wichtig ist, geht nicht an Cambridge vorbei und spielt sich in englischer Sprache ab, so der Eindruck bei vielen. Empört kehrt mancher von einer Tagung in Deutschland, Italien oder Frankreich zurück und klagt darüber, dass nicht fortwährend Englisch gesprochen wird.

Andere haben zwei Jahre auf dem Kontinent verbracht und sind sprachlich kaum über das Elementare hinausgelangt. Die Vielsprachigkeit anderer Europäer erntet Respekt, doch der bleibt folgenlos. Multilingualität als intellektueller Habitus begegnet einem selten. Zwar lernen Historiker und Philologen die fachlich notwendigen Quellensprachen gründlich, aber der Wunsch, in eine fremde Kultur einzutauchen, indem man sich auf die Sprache einlässt und nach dem forscht, was noch nicht übersetzt ist - der kommt bei wenigen auf.

Doch was fühlen die Muttersprachler, wenn sie an ihrer Universität und in ihren Colleges ihre Sprache in vielen Akzenten, mit unzähligen Solözismen anhören müssen? Sie schweigen darüber. Die Briten scheinen jeden Fehler und jedweden Akzent ohne Stirnrunzeln verzeihen zu können, jedenfalls den Akzent jener, die keine Muttersprachler sind. Denn die wahren Briten, die es noch gibt und die sich sofort am Akzent erkennen, wissen, was ihre Sprache wert ist.

Der aus Australien stammende Historiker und Deutschland-Kenner Christopher Clark hält seine Antrittsvorlesung auf seinem neuen Lehrstuhl in Cambridge, als Regius Professor of History. "Otto von Bismarck: Time, Power and the German State" lautet der Titel. Selbstironisch, geistvoll und kenntnisreich behandelt Clark das Thema vor einem weiten Horizont, der auch französische und deutsche intellektuelle Traditionen erfasst und damit manchem selbstbezüglichen britischen Kollegen den Spiegel vorhält. Das löst angeregte Diskussionen beim Empfang danach aus. Als ich einwerfe, dass Clark nahezu akzentfrei Deutsch spricht, nimmt man die Kuriosität zur Kenntnis, doch sofort entspannt sich eine Diskussion zum Wichtigeren: Hat Clark es geschafft, seinen australischen Akzent abzulegen, oder hört man ihn noch? Die Meinungen dazu sind so uneinheitlich wie die Akzente im gesprochenen Englisch.

Ein amerikanischer Kollege klagt beim Kaffee über die vielen administrativen Aufgaben ("Welche Verschwendung von Forscherzeit!") und ist überzeugt, dass das deutsche System besser sei - und ich freue mich (wenn auch wider besseres Wissen), auch einmal etwas Gutes über die deutschen Universitäten zu hören. Denn meistens klingt es anders: Deutschland ist so furchtbar hierarchisch im Vergleich zu England, heißt es oft. Anfangs konnte ich auch mit vollem Brustton der Überzeugung sagen: Ja, so ist es. In der Tat, Hierarchie wird in Cambridge nicht inszeniert. Die Sitzordnung ist offen, Dignität ist nicht evident, es gibt keine dominant auftretenden Ordinarien, die der Auffassung sind, sie müssten stets die erste oder die letzte Frage stellen. Das pompöse Auftreten, sei es im Habitus des Konservativen oder des Linksintellektuellen, das viele deutsche Universitäten weiter prägt, fehlt, und man vermisst es nicht. Man spricht sich sofort mit Vornamen an (bloß der Deutsche wird höflicherweise in E-Mails erst einmal mit Professorentitel angeredet, denn man weiß ja, dass er hierarchisch denkt).

Doch anderes zeigt sich in den Cambridger Seminaren: Die Kunst der unaufdringlichen Inszenierung der eigenen Bedeutsamkeit wird hier zur Perfektion getrieben. Die Dichte an Wissenschaftsstars ist groß, die einander manches neiden und Angst haben, von einem Ko-Star bloßgestellt zu werden. Eine gewandte Sprache, eine subtile Rhetorik versprechen hohen Statusgewinn, wenn man sie nicht zu oft und zu deutlich einsetzt. Manche reden außerhalb der Rednerliste, andere maßen sich das nicht an.

Und es gibt Rangstufen und Gehälter, über die man offen spricht; aber es ist komplizierter als auf dem Kontinent. Ein Professor ist nicht unbedingt höher geachtet als ein "Senior Lecturer". Statusdistinktion erfolgt feinsinniger. Man weiß, von welcher Universität jemand kommt, manchmal hört man es auch; man weiß, wo jemand publiziert. Colleges haben unterschiedliches Prestige. Im College wird subtil unterschieden: Darf man mit den Fellows essen? Darf man jemanden einladen? Wenn ja, wie viele? Sitzt man am High Table oder nicht? Vor allem: Man weiß in der Universität wie in den Colleges, wer am Ende in den Komitees sitzt, die die Entscheidung über Schicksale fällen, über Verlängerung von Stellen. Denn viele sind nur für kurze Zeit in Cambridge und müssen dann weiterziehen.

Feiern rhythmisieren den Alltag der Fellows in Cambridge. Wichtig ist der "Benefactors' Service", den ich an meinem College mitbegehe. In einem Gottesdienst wird derer gedacht, die das College finanziell unterstützt haben. Eindrucksvoll nimmt sich die Zahl der Dons in der ersten Reihe aus, durchgeistigte kluge Gesichter, fast alle Engländer, alle in den würdevollsten Talaren. Ein Anglikaner zelebriert die Liturgie, ein Baptist predigt belesen und lebendig über Dankbarkeit; der studentische Chor trägt engagiert Lieder vor. Einige singt die Gemeinde kraftvoll mit, die meisten auswendig. Als letztes kommt Jerusalem, ein Gedicht des Romantikers William Blake. Es erzählt die Legende von Christus, der nach England kam. Das Kirchenlied endet mit der Vision, dass Jerusalem auf Englands grünem Boden entstehen solle. Ich kenne das Lied - aus einem Monty-Python-Sketch über den Bettenkauf.

Man kann bei den komplexen Feiern viele Fehler machen: Weihnachtsfeier im Corpus Christi Oxford. Die Kollegen hatten mich zu einem Gastvortrag eingeladen, danach würden wir zusammen essen. Was ich nicht verstanden hatte, war, dass es sich um das offizielle Weihnachtsessen handeln würde. Daher habe ich auch keine Krawatte dabei (so etwas trägt man bei Vorträgen im UK gewöhnlich nicht, anders als im Alltag der Grundschulen). Also musste eine her für mich. Der Kollege erfasst das Problem mit einem Blick und besorgt mir eine aus seinem Büro. Sie hatte einige Saucenspritzer, vermutlich von Spaghetti Karbonara. Einen Talar habe ich auch nicht, dafür meinen Anorak.

Dozenten und Gleichgestellte sammeln sich, wir trinken noch einen Martini, dann kommt ein Pedell, der uns in die Hall geleitet. Dort sind schon alle Studenten (in Talaren) versammelt, die sich zu unseren Ehren erhoben haben. Wir ziehen unter aller Augen durch zum High Table, ich mit bespritzter Krawatte und Anorak. Keiner verzieht das Gesicht.

Auf dem Tisch liegen Christmas Crackers bereit, Knallbonbons. Während ich noch über die Szenerie sinniere, spüre ich, dass sich alle Blicke, von Studenten wie Professoren, auf mich richten: Man muss zu Beginn des Essens die Knallbonbons auseinanderziehen, aber nicht allein, sondern zusammen mit seinem Tischnachbarn, und zwar mit überkreuzten Armen. Alle stehen schon bereit, halten ihre Arme in Bereitschaft und blicken erwartungsvoll auf ihre Cracker oder auf mich, nur ich träume vor mich hin. Aber niemand sagt ein unfreundliches oder spöttisches Wort. Nachdem ich endlich den Cracker auseinandergezogen habe, finde ich außer einem Sinnspruch und einem Plastikspitzer eine Weihnachtskrone aus Papier vor, wie man sie aus englischen Filmen kennt. Jetzt muss ich sie auch tragen ("if you don't mind"), nicht ohne ein Gefühl der Peinlichkeit, doch die Kollegenschaft weiß sie mit Würde auf ihr Haupt zu setzen, der Gast bemüht sich, das auch zuwege zu bringen.

Das Essen ist köstlich. Auf mein Lob erzählt man mir, dass das Weihnachtsessen der einzige Anlass sei, zu dem das Essen der Studenten genauso gut sei wie das der Dozenten. Als ich die Kollegen frage, warum man in einer, wie alle doch immer betonen, so wenig hierarchischen Welt wie den englischen Universitäten solche Demütigungsrituale wie High Table oder das Aufstehen beim Einzug der Dozenten gegenüber den Studenten beibehalte, sagt einer nüchtern: "In drei Jahren verdienen die meisten dreimal so viel wie wir. Jetzt sollen sie noch lernen, was wirklich wichtig ist."

In meinem Cambridger College leben etwa 500 Studenten. Auch ich habe dort mein Appartement. Auch mich überrascht die Ruhe schon am frühen Abend; allenfalls zu Beginn und Ende des Trimesters wird es etwas lauter. "They are too exhausted", kommentieren die britischen Kollegen. In der Tat: Während der drei Trimester zu je acht Wochen wird den Studenten alles abverlangt. Die Dichte an interessanten Veranstaltungen lässt sich überhaupt nicht bewältigen; neben dem regulären Programm besteht das Angebot von Vorträgen berühmter Gäste, die an einem Ort wie Cambridge ihr Bestes geben. Spricht man mit den Studenten darüber, so klagen sie nicht. Sie erklären, sich darüber zu freuen, dass sie die Zeit mit anderen hart arbeitenden Gleichgesinnten verbringen.

Was ich bisher geschildert habe, war doch etwas zu heimelig: Es gibt durchaus ein studentisches Nachtleben in Cambridge, ein sehr lebendiges sogar. Man hört von wilden Saufgelagen. Schwer zu sagen, was da dran ist und wo bramarbasiert wird. Aber die Studenten sind gewiss nicht nur die disziplinierten Lerner. Dafür spricht schon, dass die Universität mit der Kommune darum ringt, wie lange nachts die Straßen beleuchtet sein sollen.

Und man sollte es auch zugeben: Es kommen durchaus viele psychische Erkrankungen vor - Depressionen, Essstörungen und ähnliche Leiden. Die, die es nach Cambridge schaffen, sind fast ausschließlich junge Leute, die mit einer makellosen Erfolgsbilanz lebten, gewohnt, ihre Mitschüler zu überragen. Jetzt aber treffen sie ähnlich brillante Studenten und sind vielleicht nicht mehr unter den Besten. Manche waren durch ihre Eltern schon von Jugend an darauf vorbereitet worden, nach Cambridge und Oxford zu kommen. Jetzt merken sie, dass sie doch die Alten bleiben und dass auch diese Universitäten nicht das reine Glück bedeuten. Über diese seelische Not wird zunehmend gesprochen - viele Studenten meinen, nicht genug.

Doch ich habe hauptsächlich mit jenen zu tun, die den Erfolg vorleben. Mit dem Lächeln des alten Fahrensmanns, der oft genug durch die geistigen Untiefen deutscher geisteswissenschaftlicher Seminare gerudert ist, höre ich die Cambridger Kollegen darüber lamentieren, dass ihre handverlesenen Studenten nicht gut genug seien, da es ihnen an innerem Engagement fehle. Solche Klagen gehören natürlich zur Professorenroutine. Welcher Professor hat schon das Gefühl, dass ihm und seinem Fach von Medien, Kollegen und eben auch Studenten die gebührende Aufmerksamkeit zuteil werde? Etwas Narzissmus gehört einfach zum Berufsbild. Doch in Cambridge hat das eine besondere Note. Die Studenten sind gezielt ausgewählt worden, in einem strengen Verfahren. Jetzt haben sie das Gefühl, auf einen Abschluss abonniert zu sein. Scheitern ist das Versagen der Institution.

Zum Abschied von Cambridge bei der Eucharistie in der King's College Chapel: Zwei Teile hat das hochgotische Gebäude. Vorn, hinter dem kunstreichen Lettner findet ein traditioneller Gottesdienst statt, konzentriert, Gebete werden mitgesprochen (ein Text liegt aus), Lieder kraftvoll mitgesungen, auch wenn das Gesangbuch keine Noten enthält. Der Predigt über Hilda von Whitby, einer englischen Heiligen des 7. Jahrhunderts, lauscht man konzentriert. Vor dem Lettner aber herrscht ein Kommen und Gehen. Wer bleibt, unterhält sich prächtig, immerhin mit leiser Stimme, spaziert umher, knipst und eilt davon, wenn es langweilig wird; andere kommen rein, gucken und knipsen. So haben die Touristen ihr Vergnügen und die Würde bleibt gewahrt. Cambridge eben.

Der Autor ist Professor für Alte Geschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt und gerade von einem Semester als Fellow an der Universität Cambridge zurückgekehrt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. April 2016, Hartmut Leppin © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Fragebogen Axel Honneth. Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung

Die Verwirklichung eines "zwanglosen Füreinanders in allen Gesellschaftssphären" ist für Axel Honneth ein Ideal. Auf dem Weg dorthin bedarf es der Anerkennung, die sich unterprivilegierte und privilegierte Gruppen wechselseitig entgegenzubringen haben. Dieser Theorie der Anerkennung hat der Sozialphilosoph Axel Honneth seit seiner Habilitation im Jahr 1990 sein akademisches Leben gewidmet. Stets war ihm dabei an der Weiterentwicklung einer kritischen Gesellschaftstheorie im Sinne der Frankfurter Schule gelegen. Deren Fahne hält der mittlerweile 67 Jahre alte Professor aber nicht nur als Lehrer und als Autor anregender Schriften wie des im vergangenen Jahr veröffentlichten Buchs "Die Idee des Sozialismus" hoch. Seit dem Jahr 2001 ist er auch Direktor des berühmten Instituts für Sozialforschung an der Goethe-Universität. (cfr.)

Wohin führen Sie Besucher, die zum ersten Mal hier in die Gegend kommen? Erst in die Kleinmarkthalle, dann ins Institut für Sozialforschung.

Welchen Ort in der Region wollten Sie selbst schon längst einmal besuchen? Heppenheim an der Bergstraße, auch um zu sehen, wo Martin Buber vor seiner Vertreibung durch die Nazis gewohnt hat.

Wen aus Hessen würden Sie gerne kennenlernen? Georg Büchner - was leider nicht mehr möglich ist.

Was tun Sie, wenn Ihnen der Name Ihres Gegenübers nicht einfällt? Ich grüße mit einem kräftigen "Hallo" und hoffe, dass der Name mir einfällt oder vom Gegenüber selbst genannt wird.

Was steht immer auf Ihrem Schreibtisch? Viel zu viel, um es aufzulisten, in der Mitte vor mir aber steht die afrikanische Holzfigur eines Pfeife rauchenden Mannes.

Was würden Sie kaufen, wenn Geld keine Rolle spielte? Ich würde ein Museum für Sozialforschung errichten lassen, das dem Publikum anhand von Bilddokumenten, Statistiken, Kunstwerken und vielem mehr anschaulich vorführen würde, in welcher Gesellschaft wir leben.

Wie viel Geld haben Sie üblicherweise im Portemonnaie? Selten mehr, als ich tatsächlich brauche.

Welchen Lebenstraum haben Sie aufgegeben? Den Wunsch, mich mit Hegel über so manche Erscheinung unserer Zeit verständigen zu können, musste ich leider schon früh aufgeben.

Wann haben Sie sich zuletzt selbst gegoogelt? Das erledigt meine Frau für mich.

Was machen Sie, wenn Sie unverhofft einen Tag frei haben? Solche Tage nutze ich mit Leidenschaft, um ungestört Texte lesen zu können, die schon längst hätten gelesen werden müssen.

Der perfekte Moment? Die richtige Eröffnung für einen Aufsatz oder ein Buch gefunden zu haben - die Abschlusssätze gelingen mir selten.

Welches Buch brachte Sie in letzter Zeit ins Schwärmen? Ich halte gerade ein Seminar über John Stuart Mills "Über die Freiheit" und bin wieder so begeistert wie bei der ersten Lektüre.

Wann wird es einen muslimischen hessischen Ministerpräsidenten geben? Wenn die hessische Bevölkerung ihn oder sie wählt, wogegen gar nichts spräche.

Ihre größte Leistung? Bob Dylan durch all seine Phasen hindurch, selbst die religiösen, treu geblieben zu sein.

Wie alt möchten Sie werden? Bis ich das Interesse für die Umwelt verloren habe.

Wofür sind Sie dankbar? Für die Familie, die ich habe.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Juli 2016, cfr. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Neues aus der Forschung zum Nulltarif. Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse für jeden zugänglich im Internet - Open Access nennt sich das Modell. So verlockend es klingt, ein paar Schwierigkeiten gibt es doch

Von Bettina Wolff

RHEIN-MAIN. An Open Access führe kein Weg vorbei, sagt Matthias Kettemann, der an der Frankfurter Universität zum Internetrecht forscht. Open Access heißt "freier Zugang" und steht für das Konzept, der Öffentlichkeit alle wissenschaftlichen Publikationen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Traditionell haben Akademiker ihre Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften veröffentlicht. Doch schon seit den neunziger Jahren setzt sich die Open-Access-Bewegung dafür ein, dass die Texte für jedermann frei zugänglich online veröffentlicht werden.

Dabei gehe es in erster Linie darum, dass weltweit jeder über das Internet auf das Wissen und kulturelle Erbe der Menschheit zugreifen könne, sagt Georg Botz, Koordinator für Open Access Policy der Max-Planck-Gesellschaft. Dies bedeute nicht nur, dass auch Wissenschaftler in Entwicklungsländern von den Ergebnissen anderer Forscher profitieren und mit ihrer eigenen Arbeit darauf aufbauen könnten. Der gleiche Effekt zeige sich natürlich auch schon innerhalb Europas, weshalb der Rat der Europäischen Union im Mai offiziell dazu aufgerufen hat, Open Access zu fördern.

Momentan sind laut Max-Planck-Gesellschaft 13 Prozent der wissenschaftlichen Publikationen frei zugänglich, und es gibt im Netz Tausende reine Open-Access-Zeitschriften von den unterschiedlichsten Herausgebern. Darunter sind etablierte Verlage, private Anbieter sowie Fachgesellschaften wie zum Beispiel die Deutsche Physikalische Gesellschaft. Im Unterschied zu den traditionellen Zeitschriften, für die der Leser Geld ausgibt, muss bei Open-Access-Zeitschriften der Autor für die Veröffentlichung seines Artikels zahlen. So kann der Leser kostenlos auf den Artikel zugreifen. Dies gilt auch für das Hybrid-Modell, bei dem der Forscher dafür zahlt, dass sein Text dank Open Access frei zugänglich ist, obwohl er ihn in einer herkömmlichen Fachzeitschrift veröffentlicht. Da dies aber dem bisherigen Geschäftsmodell der Fachverlage widerspricht, verlangen sie für die Open-Access-Veröffentlichung in ihren Zeitschriften zum Teil bis zu mehrere tausend Euro pro Artikel.

Laut Botz steht die Politik grundsätzlich hinter Open Access, was erst einmal logisch klingt angesichts der Möglichkeit, dank dieses Modells immer auf dem aktuellsten Stand der Forschung zu sein. Doch wie immer geht es auch ums Geld, selbst wenn beteuert wird, dass dies nicht der primäre Grund sei. Denn Universitäten und ihre Bibliotheken zahlen weltweit jedes Jahr Milliarden für Abonnements der herkömmlichen Fachzeitschriften. Diese sind nach wie vor die Hauptquelle für Wissenschaftler, die sich über die neuesten Forschungsergebnisse ihrer Kollegen informieren wollen. Fachverlage wie Springer, die diese Zeitschriften herausgeben, verdienen daran nicht schlecht. So schreiben die MIT-Bibliotheken, dass die Gewinnmarge von Elsevier, einem der weltweit größten Wissenschaftsverlage, in den vergangenen Jahren um die 36 Prozent betragen habe. Und Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft haben ausgerechnet, dass weltweit jährlich 7,6 Milliarden Euro für Fachzeitschriften gezahlt werden. Bei zwei Millionen Artikeln im Jahr bedeute dies einen Artikelpreis von 3800 Euro. Die Veröffentlichung eines Open-Access-Artikels hingegen koste im Schnitt weit weniger als 2000 Euro.

Dieser Preiszuschlag etablierter Fachzeitschriften sei nicht gerechtfertigt und momentan nur noch wegen ihres Renommees möglich, meint Botz. Denn in Deutschland sind die meisten Universitäten staatlich, das heißt mit Steuergeldern finanziert. Also sind die Wissenschaftler, die Autoren der Texte sind, vom Staat bezahlt, genauso wie auch die Wissenschaftler, die im sogenannten Peer Review die Qualität der Artikel garantieren sollen. Die Verlage, die die Zeitschriften zusammenstellen, redigieren und herausgeben, schaffen laut Botz eine künstliche Hürde zwischen Autor und Leser. In Zeiten des Internets, in denen sich online jeder selbst verlegen kann, sei ihr Geschäftsmodell überholt - so zumindest die Theorie.

In der Praxis gibt es auch Zweifel am Modell des freien Zugangs. "Über Datenbanken kommt man bei der Recherche manchmal auf Open-Access-Artikel, aber in der Regel ist man dann skeptisch", sagt Marcus Maurer, Professor am Institut für Publizistik der Universität Mainz. Es gebe nämlich einen völlig unübersichtlichen grauen Markt für Open-Access-Journals. Maurer war selbst schon einmal Peer Reviewer für die Open-Access-Zeitschrift "Plos One" der Public Library of Science. Die ist für ihn aber auch die einzige Open-Access-Zeitschrift, die die Qualitätsstandards erfülle.

Max-Planck-Koordinator Botz ist allerdings überzeugt, dass unseriöse Journals nur kurzfristig Erfolg haben können. Denn auf lange Sicht werde wie auch bei herkömmlichen Zeitschriften die Reputation den Markt regulieren. Zudem würden einer kürzlich erschienenen Studie zufolge Open-Access-Artikel deutlich öfter zitiert als Artikel aus Abonnement-Zeitschriften.

"Open Access ist zu wichtig, um es übers Knie zu brechen", sagt dazu der Frankfurter Jurist Kettemann, der selbst fast ausschließlich im Open-Access-Modell publiziert. Er glaubt, dass die Qualitätssicherung von Fach zu Fach sehr stark variiert. Während er selbst als Internetrechtler froh ist über eine kürzere Review-Phase, weil seine juristischen Kommentare dann nicht schon vor der Veröffentlichung wieder veraltet seien, könnte eine zu kurze Prüfung bei naturwissenschaftlichen Publikationen fatal sein.

Auch der Berliner Jurist und Open-Access-Experte Till Kreutzer publiziert fast ausschließlich auf diesem Weg. Für ihn ist es kein rechtliches Problem, wenn der Arbeitgeber Wissenschaftlern die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse über Open Access vorschreibt. Dies widerspreche dann nicht dem Grundrecht auf Wissenschaftsfreiheit. Forscher der Universität Konstanz hatten sich nach Einführung einer Open-Access-Pflicht in dieser Freiheit eingeschränkt gefühlt.

Kreutzer erwartet allerdings nicht, dass Open Access flächendeckend Erfolg haben wird, solange sich das wissenschaftliche Reputationssystem nicht ändert. Da das Renommee der Zeitschrift, in der publiziert wird, oft entscheidend für die Karriere ist, müssten hier auch hervorragende Open-Access-Zeitschriften mit Bestnoten bewertet werden.

Auch Botz sagt, es sei keine gute Idee gewesen, das Verhalten der Autoren ändern zu wollen. Deshalb wolle man mit der neuesten Initiative "Open Access 2020" nun die Finanzflüsse ändern, und dabei stünden die Universitätsbibliotheken an erster Stelle. Demnach soll das Geschäftsmodell umgekehrt werden, so dass die Universitätsbibliotheken die Kosten der Open-Access-Publikationen übernehmen und nicht mehr die Autoren. Geld dafür gäbe es nach Ansicht von Botz genug, wenn die bisherigen Abonnements zurückgefahren würden, die zum Teil sowieso schon zu teuer geworden seien. Hierbei arbeite man aber ausdrücklich mit den Fachverlagen zusammen. Die Max-Planck-Gesellschaft koordiniert diese Initiative momentan und hat schon Unterzeichner aus dem In- und Ausland gewonnen - darunter auch die Universität Mainz.

Jurist Kreutzer glaubt fest daran, dass sich Open Access etablieren wird. "Ich bin absolut davon überzeugt, dass die Verlage, die nicht mitmachen, untergehen."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. August 2016, Bettina Wolff © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Ökonomenpreis für Nicola Fuchs-Schündeln

Die Wirtschaftsforscherin Nicola Fuchs-Schündeln von der Goethe-Universität in Frankfurt erhält in diesem Jahr den Gossen-Preis, den wichtigsten deutschen Ökonomen-Preis. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung wird vom Verein für Socialpolitik (VfS), der Organisation der deutschsprachigen Volkswirte, jährlich an Wissenschaftler vergeben, die mit ihren Arbeiten internationales Aufsehen erregt haben. Dies ist bei Fuchs-Schündeln der Fall, die den Preis am Montagabend in Augsburg verliehen bekam. Die VfS-Vorsitzende Monika Schnitzer lobte Fuchs-Schündelns "bedeutende empirische Beiträge zu Forschungsgebieten der Politischen Ökonomik, der Ökonomik von Haushaltsentscheidung und der Entwicklungsökonomik". Der Preis ist nach Hermann Heinrich Gossen (1810 bis 1858) benannt, einen Pionier der Grenznutzenschule.
Schon in jungen Jahren hat Fuchs-Schündeln (Jahrgang 1972), nach dem VWL- und Lateinamerika-Studium, ihrer Promotion an der Yale-Universität und als Assistenzprofessorin in Harvard, in den renommiertesten amerikanischen Fachjournalen Papiere veröffentlichen können. In einem ihrer bekanntesten erforschte sie, wie unterschiedliche politische Systeme die Präferenzen der Bürger prägen. Konkret untersuchte sie, wie sehr sich die Werthaltungen der Menschen in der DDR auch viele Jahre nach dem Untergang des Sozialismus von den Werthaltungen im Westen unterscheiden. Beispielsweise sind frühere DDR-Bürger viel stärker dafür, dass sich der Staat um Familien, um Alte und Kranke kümmere. Marktwirtschaftlichen Arrangements misstrauen sie. Inzwischen haben sich die Präferenzen zwar etwas angeglichen, doch bleiben Unterschiede bestehen.
Seit einigen Jahren beschäftigt sich Fuchs-Schündeln mit der Frage, warum die Arbeitszeiten in entwickelten und unterentwickelten Ländern so signifikant unterschiedlich sind. Dafür hat sie in akribischer Datenarbeit repräsentative Umfragen aus 81 Ländern zusammengetragen. Ihr Ergebnis: In den ärmeren Ländern ist die Wochenarbeitszeit etwa 10 Stunden höher als in den reichen Ländern. Legt man die sehr viel längere Arbeitszeit in den armen Ländern zugrunde, dann bekommt man eine Vorstellung davon, wie viel weniger produktiv sie sind. Nach dem üblichen Maß - Bruttosozialprodukt je Arbeiter - sind Menschen in reichen Ländern sechzehn Mal so produktiv; berücksichtigt man die unterschiedlichen Arbeitszeiten, ist der Unterschied noch viel größer, betont Fuchs-Schündeln.
Eine zweite politisch brisante Frage betrifft die Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und Europa. Schon lange ist bekannt, dass Amerikaner im Durchschnitt deutlich mehr arbeiten als Europäer. Der Nobelpreisträger John Prescott entwickelte die These, dass unterschiedliche Steuersysteme dabei eine Rolle spielen. Höhere Grenzsteuersätze schrecken von Mehrarbeit ab. Fuchs-Schündeln hat diese Frage anhand ihres detaillierten Datensatzes untersucht. Sie fand heraus, dass die Unterschiede vor allem die Arbeitszeiten der verheirateten Frauen betreffen. Der Grund dafür liege in den relativ hohen Steuern in Verbindung mit dem Ehegattensplitting. "Dieses hat sehr hohe negative Arbeitsanreize für Frauen", sagt Fuchs-Schündeln, die Mutter von drei Kindern ist und deren Ehemann ebenfalls als Professor an der Goethe-Universität lehrt. Wenn verheiratete Frauen zu arbeiten beginnen, trifft sie sogleich ein hoher Grenzsteuersatz. Also lohne sich Arbeiten nicht so sehr, wenn netto wenig Geld bleibt.
ppl.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. September 2016, ppl. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Soll das Volk Schuldfragen selbst in die Hand nehmen? Ferdinand von Schirachs Theaterstück "Terror" macht aus Zuschauern Geschworene: Zur Rechtsgeschichte dieser Idee, die in einigen Ländern Praxis, in anderen umstritten ist. Von Klaus Günther

In Ferdinand von Schirachs Theaterstück "Terror", das an vielen Bühnen aufgeführt und gestern vom Fernsehen adaptiert wurde, ergeht am Ende die Aufforderung an das Publikum, über die Schuld des Angeklagten abzustimmen. Fast immer entscheidet sich eine klare, in ihrer Größe schwankende Mehrheit für die Unschuld des wegen Mordes angeklagten Luftwaffenpiloten.

Man mag darüber streiten, ob das deutsche Strafrecht nur die Alternative Freispruch oder lebenslängliche Freiheitsstrafe wegen Mordes an den Flugzeugpassagieren zulässt (was nicht der Fall ist). Und man kann wie Burkhard Hirsch und Gerhart Baum (F.A.S. vom 31. Juli) mit guten Gründen fragen, ob das Theaterstück mit der Abstimmung nicht suggeriert, geltendes Verfassungsrecht könne zur Disposition gestellt werden.

Bisher kaum beachtet wurde freilich die Frage, ob das Stück nicht auch einen Trend verstärkt, der sich seit einiger Zeit abzeichnet. Spektakuläre Strafrechtsfälle werden durch die Medien einer weiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und umfangreich diskutiert. Ein realer Fall mit starker Resonanz war der Frankfurter Fall einer erpresserischen Kindesentführung, in dem ein Polizeipräsident dem Beschuldigten eine sogenannte "Rettungsfolter" androhte. Die das Folterverbot verteidigende, aber das moralische Dilemma des leitenden Ermittlers so weit wie nur rechtlich zulässig berücksichtigende Entscheidung traf vielfach auf Unverständnis. Hätte das Volk besser, gerechter entschieden?

Die Überzeugung, nicht professionelle Juristen, sondern juristische Laien mit Lebenserfahrung hätten ein besseres Urteilsvermögen vor allem in Strafsachen, ist nicht neu. Sie findet in vielen Ländern ihren institutionellen Ausdruck im Geschworenengericht oder Jury-Verfahren, während hierzulande mit den Schöffen Laien nur gemeinsam mit Berufsrichtern an der Strafgerichtsbarkeit beteiligt sind.

Die Herkunft der Jury liegt weit zurück. Nach Montesquieu, der in seinem 1748 erschienenen "Vom Geist der Gesetze" sympathisierend über das politische System Englands mit seinem bekannten Jury-Verfahren handelte, ist es "in den Wäldern Germaniens" erfunden worden. Bis heute vor allem in England und in den Vereinigten Staaten existierend, wird es auf die Magna Charta von 1215 zurückgeführt, jenes frühe Dokument einer rechtsförmigen Machtbeschränkung, das ein politisch geschwächter König den Adligen gewähren musste. Danach durfte ein "freier Mann" nur von seinesgleichen gerichtet werden, nicht aber vom König selbst oder einem vom König bestellten Gericht.

Im kontinentalen Europa erwachte das Interesse am Jury-Verfahren im Vorfeld der Französischen Revolution, wobei Montesquieus Bericht über England eine wichtige Rolle spielte. Dort hatte sich die Jury mit zwölf Geschworenen etabliert, die einstimmig ein Urteil über die Schuld des Angeklagten zu fällen hatten, das nicht mit einer Berufung angefochten werden konnte.

Nachdem Frankreich die Jury während der Revolution eingeführt hatte, kam sie mit Napoleon in die Rheinbundstaaten des westlichen Deutschlands. Dort wurde sie von der Bevölkerung schnell akzeptiert, so dass sie auch nach dem Wiener Kongress 1815 nicht wieder abgeschafft werden konnte - mit der Folge, dass in einigen Staaten Geschworenengerichte und das herkömmliche Verfahren mit professionellen Richtern nebeneinander bestanden. An diesem Gegensatz entzündete sich im Vormärz eine öffentliche Debatte. Auch wer nicht für die generelle Einführung der Jury plädierte, teilte die Kritik an dem üblichen inquisitorischen Verfahren. Dieses wurde in der Regel geheim und schriftlich geführt, wobei Anklage und Gericht in einer Hand lagen, von einem Recht auf unabhängige Verteidigung ganz zu schweigen. Als die Fürsten des Deutschen Bundes nach 1815 die Forderungen nach einer Verfassung mit massiver Repression beantworteten, erfuhren viele Bürger am eigenen Leibe, was es hieß, in das Räderwerk eines geheimen Verfahrens mit obrigkeitshörigen Richtern zu geraten. Die Debatte um eine Rechtsstaatlichkeit sichernde Gerichtsverfassung mit einer unabhängigen Justiz fand daher breite Aufmerksamkeit.

Worum es im Strafverfahren ging, fasst der Titel einer Schrift des berühmten Heidelberger Professors Mittermaier aus dem Jahre 1845 zusammen: "Die Mündlichkeit, das Anklageprinzip, die Öffentlichkeit und das Geschwornengericht in ihrer Durchführung in den verschiedenen Gesetzgebungen, dargestellt und nach den Forderungen des Rechts und der Zweckmäßigkeit mit Rücksicht auf die Erfahrungen der verschiedenen Länder geprüft".

Neben das Motiv der Entmachtung einer obrigkeitshörigen Strafjustiz war ein weiteres getreten. Mit der mittelalterlichen Gründung der ersten Rechtsfakultät in Bologna begann die Akademisierung der Juristenausbildung, juristische Praxiserfahrung erwarb man unter Anleitung von Mentoren. Das Richteramt wurde zum Beruf mit eigenem Standesbewusstsein ebenso wie eigener déformation professionelle. Dagegen erhoffte man sich von aus der Mitte des Volkes gewählten Geschworenen ein unverbildetes Urteil. Zusätzliche Nahrung empfing diese Hoffnung im achtzehnten Jahrhundert, als das natürliche Empfinden gegen künstliche Konventionen und wissenschaftlich gebildeten Verstand gewendet wurde. Etwas später schrieb man dem Volk selbst ein gesundes Rechtsempfinden zu - wiederum im Gegensatz zu der Juristenwelt mit ihrer komplizierten Sprache und aus alten Büchern herausgelesenen Regeln.

Doch wenn juristische Laien richten sollen, muss dies zur Konsequenz die Beschränkung ihres Richteramtes auf das Urteil über die Schuld des Angeklagten haben. Ohne Kenntnis der Ermittlungsergebnisse darf die Jury nur die im Verfahren vorgebrachten Beweise, wie etwa Zeugenaussagen, würdigen. Allein aus dem Eindruck der Verhandlung soll jeder Geschworene eine innere Überzeugung über Schuld oder Unschuld bilden, die keiner Rechtfertigung fähig und bedürftig ist. Alle Rechtsfragen, wie die Abgrenzung zwischen vorsätzlichem und fahrlässigem Verhalten oder Fragen der Strafzumessung, bleiben dem Berufsrichter vorbehalten.
Ob das Jury-Verfahren mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem unparteilichen, fairen und gerechten Urteil führt als ein Verfahren, bei dem Berufsrichter allein oder gemeinsam mit Schöffen entscheiden, bleibt bis heute umstritten. Die Gegner kritisieren das Dogma von der strikten Trennung zwischen Tat- und Rechtsfrage, das sich in der Praxis kaum durchhalten lässt, und das Fehlen der Anfechtungsmöglichkeit des Urteils im Wege der Berufung. Viel stärker als die Behauptung, die Jury sei gerechter, wirkt ihre politische Symbolkraft. Ihr immer wieder behaupteter positiver politischer Effekt findet sich bei Alexis de Tocqueville im 1831 erschienenen ersten Band seiner Abhandlung über die Demokratie in Amerika. Auch wenn die Jury in Aristokratien praktiziert werden kann, ist sie für ihn der zentrale Ausweis einer republikanischen Verfassung. Die Einrichtung des Geschworenengerichts lege "die Leitung der Gesellschaft (la direction de la société) in die Hände des Volkes". Es gehöre zu den konstitutiven Elementen der Volkssouveränität, weshalb es nicht nur in Straf-, sondern auch in Zivilverfahren praktiziert werde. Auch habe es eine wichtige pädagogische Funktion für die Staatsbürger einer Republik, es sei eine "unentgeltliche und immer offene Schule". Durch die Kultivierung des allgemeinen Rechtsbewusstseins befähige das Geschworenengericht zu staatsbürgerlicher Verantwortung, "als kraftvollstes Mittel, das Volk regieren zu lassen, zugleich das wirksamste Mittel, um dieses das Regieren zu lehren".

Diesem Ideal widersprachen freilich schon damals historische Erfahrungen. Ein Volk ist nicht homogen und gleich, Klassen- und Geschlechterverhältnisse, politische Überzeugungen, ethnische Zugehörigkeiten und religiöse Orientierungen - all dies kann sich in parteilichen Einstellungen eines Jurymitglieds oder einer ganzen Jury niederschlagen. Daher wird die Frage wichtig, wer in welchem Verfahren über die Auswahl der zwölf Geschworenen entscheiden darf. So waren im deutschen Kaiserreich unter anderem Frauen, Dienstboten und Volksschullehrer von der Geschworenenbank ausgeschlossen, und ein Ersatz für Auslagen und Verdienstausfall während der Verhandlungszeiten wurde nicht gewährt - ein sicheres Mittel, um nur die vermögenderen Schichten mit dem Laienrichteramt zu betrauen.

Gefährlich wird es vor allem, wenn Affekte oder Vorurteile kollektive Macht gewinnen. Die Tribunale der Französischen Revolution galten als abschreckendes Beispiel - "Volksjustiz" wurde zum Menetekel. Werden zusätzlich rechtsstaatliche Sicherungen zerstört, können Laienrichter zum willfährigen Instrument des Terrors werden. Im nationalsozialistischen "Volksgerichtshof", der vor allem durch das Verfahren gegen die Widerstandskämpfer des 20. Juli traurige Berühmtheit erlangte, saßen dem Regime ergebene Parteigenossen, Beamte und Militärs neben den freilich ebenso furchtbaren Berufsrichtern.

Doch auch unter rechtsstaatlichen Verhältnissen lässt sich Voreingenommenheit unter den Geschworenen nicht gänzlich ausschließen. Um dieses Risiko zu vermindern, hat man vor allem in den Vereinigten Staaten komplizierte Auswahlverfahren eingerichtet. Zusätzlich wird die Jury während des Verfahrens von öffentlichen Debatten über die Strafsache, vor allem in den Medien, abgeschirmt. Doch vermag all dies nicht zu verhindern, dass die Zahl der Verurteilungen bei afro-amerikanischen Angeklagten erheblich höher liegt als bei Weißen. Da das Urteil einstimmig gefällt werden muss, kann der Druck auf einen Geschworenen, der sich nicht der Mehrheit beugen will, extrem anwachsen. Diese internen Spannungen führt der Filmklassiker "Die zwölf Geschworenen" von Sidney Lumet aus dem Jahre 1957 eindringlich vor Augen. Freilich lässt sich auch umgekehrt nicht belegen, dass professionelle Richter gegen Vorurteile und Stereotype mehr gefeit wären. Gleichwohl bleibt die politische Symbolkraft der Jury groß. In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien ist an eine Abschaffung nicht zu denken. Auch nach dem Ende einer Diktatur wird häufig die Jury eingeführt als sichtbares Zeichen der Demokratie, so in Russland 1993, in Spanien 1995.

In Deutschland war es jener Symbolkraft zu verdanken, dass das Geschworenengericht 1848 in die Paulskirchenverfassung aufgenommen wurde. Die Monarchien des Deutschen Bundes führten die Jury in den Strafprozess ein, 1871 wurde sie in die Rechtsstrafprozessordnung übernommen. Überraschenderweise schaffte die Weimarer Republik sie wieder ab. Die Sorge um eine monarchistisch gesinnte Justiz mochte im Jahre 1924 geringer geworden sein. Begründet wurde die Abschaffung vor allem mit dem angesichts der schweren Wirtschaftskrisen durchschlagenden Argument der hohen Kosten, die das Jury-Verfahren verursacht. Eingeführt wurde das bis heute bestehende Schöffengericht, in dem Laien gemeinsam mit professionellen Richtern sowohl über die Tat- als auch über die Rechtsfrage urteilen.

Gegenwärtig gibt es nur vereinzelt Stimmen, die für eine Stärkung des Laienrichteramts plädieren. Auch wenn einige Berufsrichter es für einen Vorteil halten, nicht juristisch geschulte Stimmen bei der Urteilsfindung anzuhören - in Justizkreisen herrscht die Überzeugung, das Beste an den Schöffen sei, dass sie nicht stören würden. Während bei spektakulären Kriminalfällen schon die Medienöffentlichkeit für eine intensive Teilnahme der Bevölkerung an den Strafverfahren mit höchst ambivalenten Folgen sorgt, sind juristische Laien bei komplizierten Wirtschaftsstrafsachen zumeist noch mehr als manche Berufsrichter überfordert.
Der aktuelle Trend geht in eine andere Richtung: Es geht nicht um den Gegensatz zwischen Laien- und Berufsrichter, sondern zwischen staatlicher und nicht-staatlicher, privater Gerichtsbarkeit. Schiedsgerichte, Mediationsverfahren, selbständige Streitschlichtungsverfahren in Korporationen oder Religionsgemeinschaften bis hin zu einer Paralleljustiz zeugen von der sich verbreitenden Auffassung, Konflikte in Eigenregie besser lösen zu können als durch staatliche Verfahren.
Der Autor lehrt Strafrecht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Oktober 2016, Klaus Günther. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

"Gedenken reicht nicht". Politikprofessor Müller fordert in der Paulskirche eine wehrhafte Demokratie

Die Feuerwehr hat die Brände nicht gelöscht, die Polizei die Brandstifter nicht verfolgt. So ist es in Frankfurt während jener Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 gewesen, die damals vom Regime verharmlosend Reichskristallnacht genannt wurde, als ob der Volkszorn ein paar Fensterscheiben habe zersplittern lassen. Doch es sind Juden zusammengeschlagen, ins KZ verschleppt und getötet worden. Daran haben gestern Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Salomon Korn, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, bei den Gedenkveranstaltungen in der Paulskirche und anschließend in der Westend-Synagoge erinnert.

In jener Nacht von 1938 haben die SA und der Mob alle vier großen Synagogen in Frankfurt angezündet. Vor einer von ihnen, vor der Synagoge der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft, auf deren Grundstück die Nazis einen Hochbunker errichten ließen, haben gestern Mitglieder der Initiative 9. November und Gäste still des damaligen Verbrechens gedacht. Auch die Synagoge in Rödelheim ist in jener Nacht in Brand gesetzt worden. Weil sich ein Tanklager in der Nähe befand, löschte die Feuerwehr. 1945 war noch ein notdürftig repariertes Gebäude übrig, das später abgebrochen wurde. 2006 hat der Geschichtsverein die Synagoge wieder in ihren Umrissen sichtbar gemacht. Jetzt ist die Gedenkstätte dort geschändet worden. Dagegen hat sich in Rödelheim ein Bündnis gebildet, das in seiner Breite für den Stadtteil einmalig ist. Am Sonntag findet um 16 Uhr am Mahnmal im Brentanopark ein Gedenken statt.

Dem Hauptredner in der Paulskirche, Harald Müller, langjähriger Chef der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, reicht angesichts der wachsenden Fremdenfeindlichkeit, der Brandattacken auf Flüchtlingsheime und des zunehmenden Antisemitismus das kontemplative Gedenken nicht aus. Man müsse dem Bösen dieses Mal rechtzeitig die Tür verschließen, forderte der Politikprofessor in der Paulskirche. Die Demokratie müsse ihre Zähne zeigen und wehrhaft sein. "Feinde der Demokratie können und dürfen nicht mit Toleranz oder gar Akzeptanz rechnen", zitierte er zustimmend die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.

Die politische Klasse, so verlangte Müller, müsse unmissverständlich sämtliche Vorurteile gegen Minderheiten vermeiden und darüber hinaus kompromisslos bekämpfen. Zweitens müsse die Demokratie das Rekrutierungsfeld der rassistischen Rattenfänger austrocknen. Drittens müsse der Rechtsstaat Sicherheit gewähren. Es müsse Schluss sein mit rechtsfreien Räumen und Angriffen auf das Gewaltmonopol des Staates: "Ob Autonome, Hooligans oder Rocker. Ob kriminelle Banden, Scharia-Polizei, Silvester-Flashmobs oder Neonazis - der öffentliche Raum darf ihnen nicht gehören." Dafür brauche man eine zahlenmäßig stärkere, besser bezahlte und demokratisch geschulte Polizei.

rieb.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. November 2016, rieb. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Jung, gläubig, unabhängig: Moslemische Pfadfinder. Organisation wächst und gilt als Beispiel für Integration / Tagung über junge Muslime im Historischen Museum

Susanne Schröter rät, genau hinzusehen, wenn es um die Finanzierung muslimischer Jugendarbeit geht. Für die Ethnologin und Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Goethe-Uni ist zum Beispiel eine Grenze überschritten, wenn der Staat ein Angebot unterstützt, in dem die Scharia als Leitlinie gilt. Skepsis ist ihrer Ansicht nach außerdem angebracht, wenn Jugendarbeit in Moscheen vor allem auf Jungen zugeschnitten ist. Das hob sie gestern während einer Tagung im Historischen Museum hervor, zu der sie eingeladen hatte und in deren Zentrum das Leben junger Muslime stand.

Schröter kann aber auch positive Beispiele nennen, etwa das Jugendzentrum in Biebrich oder einen Workshop zur Prävention von Extremismus an der Wiesbadener Gerhart-Hauptmann-Schule. Auch den Bund Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands lobt sie. Von ihm konnten sich die Teilnehmer einen direkten Eindruck verschaffen, denn einige Pfadfinder waren zur Tagung gekommen, Gründungspräsident Taoufik Hartit stellte den Verband vor.

Der vereinigt die Ideale des Urvaters aller Pfadfinder, Robert Baden-Powell, und eine islamische Spiritualität, für die der Ehrenpräsident des Bunds, Scheich Khaled Bentounes, steht. Er hatte die Bewegung in Frankreich ins Leben gerufen und den Impuls gegeben, sie in Deutschland zu gründen. 2010 war es so weit. Die Bundeszentrale hat ihren Sitz in Wiesbaden.

"Wir wollen eine Schule des Friedens und des Zusammenlebens sein", sagt Taoufik Hartit. Indem durch die Pfadfinderarbeit die Persönlichkeit der jungen Leute gestärkt werde und sie dazu befähigt würden, in einer pluralistischen Gesellschaft zu leben, beuge man nicht zuletzt der Gefahr der Radikalisierung vor.

Derzeit gibt es neun muslimische Pfadfindergruppen in vier Bundesländern. In Hessen gibt es je einen Stamm in Rüsselsheim/Frankfurt und in Hanau sowie eine Siedlung in Wiesbaden, eine Vorstufe zu einem Stamm. Weitere Gruppen gibt es in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hamburg. Vorbereitet werden Gründungen in Bayern und Berlin.

Was die führenden Positionen angeht, mutet der Bund Moslemischer Pfadfinder ein wenig wie ein Familienunternehmen an: Der Bruder von Taoufik Hartit, Fouad Hartit, ist der Sprecher der Vereinigung, geführt wird sie seit kurzem von Naima Hartit, einer Verwandten. Darauf, dass eine Frau an der Spitze einer muslimischen Vereinigung steht, verweist Fouad Hartit nicht ohne Stolz.

An Gruppenstunden und Fahrten nehmen Jungen und Mädchen gemeinsam teil - ein Prinzip, das Schröter lobt. Außerdem sei der Bund dezidiert nicht antisemitisch und "vorbildhaft integriert". "Wir sind Muslime und Deutsche, mit allen Rechten und Pflichten", sagt Fouad Hartit. Wichtig ist dem Bund Moslemischer Pfadfinder, in den Strukturen der Jugendhilfe Platz zu finden - um mitgestalten zu können und um, wie andere Organisationen auch, Fördergeld zu bekommen. Großen Wert legt Fouad Hartit auf die Unabhängigkeit des Pfadfinderbunds, der zu keinem muslimischen Verband gehöre. "Das soll auch so bleiben." In Rüsselsheim ist der Bund als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt, wie er sagt.

Das durchgehende Prinzip der Koedukation dürften streng konservative Muslime eher ablehnen. "Doch wir versuchen, das gesamte Spektrum zu erreichen", sagt Fouad Hartit. Zum Beispiel sei in Dortmund eine Siedlung gegründet worden, die an einer Moschee zu finden sei. Einer breiteren Öffentlichkeit wurden die Pfadfinder bekannt, als sie 2012 und 2013 eine "Flamme der Hoffnung" durch mehrere Städte trugen. Im August 2013 hat eine Gruppe Frankfurt besucht und dabei einen Kranz an der Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust am Börneplatz niedergelegt.

Hatte der Bund Moslemischer Pfadfinder zu Beginn 60 Mitglieder, sind es nach Angaben von Fouad Hartit derzeit 300 mit zwölf Nationalitäten. Auch Nichtmuslime seien dabei. Die Nachfrage sei groß und von dem ehrenamtlichen Leitungsteam kaum zu bewältigen. Dank einer Stiftung habe man eine Referentenstelle besetzen können, aber auch die reiche nicht aus. Bei der Ausbildung der Gruppenleiter kooperiert der Bund mit der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg. "95 Prozent unserer Arbeit deckt sich mit jener der christlichen Verbände." Und die restlichen fünf? "Das ist unsere muslimische Spiritualität."

STEFAN TOEPFER

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Oktober 2016, Stefan Toeper. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

"Groteske Figuren und lädierte Charaktere". Forscher an den hiesigen Unis schauen gespannt auf den Präsidentenwahlkampf in Amerika und den Aufschwung des Populismus weltweit. Sie haben auch Ideen, was dagegen zu tun wäre.

Von Sascha Zoske

RHEIN-MAIN. Ein leidenschaftlicher Forscher schaut auch nachts öfter mal im Labor vorbei. Ist das Labor allerdings ein Fernsehstudio, in dem sich ein egomanischer Präsidentschaftskandidat Wortduelle mit seiner Widersacherin liefert, kann die Analyse der Resultate gerne bis zum nächsten Morgen warten. So sehen es jedenfalls Nicole Deitelhoff und Johannes Völz. "Für Donald Trump stehe ich nicht um drei Uhr auf", sagt die Frankfurter Politologie-Professorin. Auch ihr Kollege Völz, der an der Goethe-Uni Amerikanistik lehrt, hat sich nur die Aufzeichnung des Schlagabtausches angeschaut. Am Urteil der Wissenschaftler über die beiden Bewerber und den Zustand der amerikanischen Gesellschaft dürfte sich nach der Auswertung der letzten TV-Debatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton ohnehin nichts geändert haben.

Aus professioneller Sicht hat die beispiellose Schlammschlacht vor der Präsidentenwahl für Völz und Deitelhoff ihr Gutes - schließlich liefert sie spannenden Diskussionsstoff und Denkanstöße für neue Projekte. Das gilt vor allem für Völz, der gerade eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Heisenberg-Professur übernommen hat. Aus der Perspektive des Kulturwissenschaftlers will er die Entwicklung der Demokratie in den Vereinigten Staaten untersuchen und dabei auch die Geschichte des Populismus beleuchten. Rolf van Dick, Professor für Sozialpsychologie an der Uni Frankfurt, macht sich ebenfalls seine Gedanken über das Phänomen Trump und beteiligt sich an öffentlichen Diskussionen über das Thema (siehe Kasten).

Einig sind sich alle drei darüber, dass die seit langem bestehende soziale Spaltung Amerikas ihren Anteil am Aufstieg des Provokateurs hat, der dem politischen Establishment den Kampf ansagt. In den Vereinigten Staaten mache sich das Gefühl eines "allgemeinen sozialen Niedergangs" breit, glaubt van Dick. In dieser Situation müsse es nicht einmal allen Menschen schlechtgehen. Es reiche schon, von deprimierenden Schicksalen zu hören, um die eigene Stimmung zu drücken. "Man erlebt, dass der Nachbar arbeitslos wird oder drei Jobs braucht, um seine Familie zu ernähren" - und schon wächst die Sehnsucht nach einem vermeintlichen Heilsbringer.

Die gesellschaftliche Spannung aktiviert nach Überzeugung des Psychologen jenen "Bodensatz" von Personen, die sich aufgrund ihrer frühkindlichen Erziehung nach autoritären Lösungen sehnten. Diese Gruppe von Menschen gebe es in jeder Gesellschaft, ihr Anteil an der Bevölkerung liege zwischen zehn und 25 Prozent. Auch die neuen Formen der Kommunikation förderten den Populismus, in Amerika wie überall auf der Welt. Krisen würden von den Menschen heute stärker wahrgenommen als früher, meint van Dick. "In den achtziger Jahren war zum Beispiel der Krieg in Afghanistan weit weg. Heute erleben wir fast in Echtzeit mit, wie Bomben auf Aleppo fallen oder tote Flüchtlingskinder an den Strand gespült werden."

Der Kulturwissenschaftler Völz richtet den Blick auch in die Vergangenheit, um den gegenwärtigen Zustand Amerikas zu verstehen. Die stärkere Orientierung der Republikanischen Partei nach rechts etwa habe schon Ende der sechziger Jahre begonnen, meint er: Damals habe die Demokratische Partei durch ihre Unterstützung der Bürgerrechtsbewegung weiße, rassistisch eingestellte Wähler aus den Südstaaten verloren, die sich später den Republikanern zuwandten. Völz erinnert auch daran, dass Trump nicht der erste Populist ist, der in den Vereinigten Staaten größeren Zuspruch erfährt: 1992 etwa habe der Milliardär Ross Perot bei den Präsidentenwahlen ein achtbares Ergebnis erzielt. Perot habe zwar weiter links gestanden als Trump, die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der beiden, etwa ihr Hang zum Protektionismus, ähnelten sich aber durchaus.

Trotz all dieser Voraussetzungen bleibt es schwer fassbar, dass es ein notorischer Regelverletzer wie Trump zum offiziellen Repräsentanten einer Traditionspartei bringen konnte. Politologin Deitelhoff sieht den ungeniert rassistisch und sexistisch daherredenden Krawall-Kandidaten als einen Mann, der das "tiefe Gefühl der Planlosigkeit" in der amerikanischen Gesellschaft verkörpere. Populisten seien eben oft "groteske Figuren" und "lädierte Charaktere" wie Trump oder der italienische Polit-Komiker Beppe Grillo. Für Völz ist das Scheitern in der Natur solcher "Volkshelden" geradezu angelegt: "Sie antizipieren ihre eigene Niederlage. Schließlich muss das System, gegen das sie sich erheben, übermächtig erscheinen."

Die jüngsten Umfragen lassen erwarten, dass Trump nach dem 8. November die Chance bekommen wird, sich als Opfer des Establishments darzustellen und seine Anhänger weiter aufzuwiegeln. Der Politologe Claus Leggewie, der für die Uni Gießen eine Vorlesungsreihe zum Thema koordiniert (siehe Kasten), fürchtet denn auch, dass der mutmaßlich unterliegende Bewerber eine "Politik der verbrannten Erde" verfolgen werde. Amerikanist Völz glaubt nicht, dass es nach einem Sieg Clintons zu größeren Ausschreitungen kommen würde, aber auch er sieht die "Logik des Populismus noch nicht an einem Endpunkt angekommen". Selbst eine deutliche Niederlage Trumps werde wohl nicht zu einem "Ernüchterungseffekt" führen.

Leggewie hofft, dass sich die gemäßigten Republikaner und die unabhängigen Wähler gegen Trumps Destruktivismus zur Wehr setzen werden "und eine demokratische Mehrheit gute Politik macht". Wie aber kann gute Politik in Zeiten des Populismus aussehen? Nicole Deitelhoff meint, dass dazu nicht weniger, sondern mehr Streit gehört - an den richtigen Orten wohlgemerkt. Obwohl seit den achtziger Jahren neue Beteiligungsverfahren für die Bürger entwickelt worden seien, hätten die Menschen "das Gefühl, sie hätten weniger zu sagen als je zuvor". Auch in Deutschland seien Entscheidungen mehr und mehr an Experten delegiert worden, und die Parlamente hätten an Bedeutung verloren.

Das müsse sich ändern, wenn die Politik Vertrauen zurückgewinnen wolle, meint Deitelhoff. Nicht, dass sie sich über die guten Wahlergebnisse der AfD freuen würde. Aber dadurch, dass die Populisten nun in den Land- und Kreistagen säßen, könne man sich intensiv mit ihren Argumenten auseinandersetzen. Und diese Art des Streits könne der Demokratie nur guttun. Vielleicht bleibt dem Land dann auch eine deutsche Version von Donald Trump erspart.

Kasten:
Let's talk about America

Schon vor der Wahl am 8. November wird an den hiesigen Unis öffentlich über das
Duell zwischen Trump und Clinton und über den Zustand der amerikanischen
Gesellschaft diskutiert. In Frankfurt widmet sich am Donnerstag die
Bürger-Universität mit einer Veranstaltung dem Thema. Unter dem Titel "Wohin
steuert Amerika?" tauschen unter anderen die Politologin Nicole Deitelhoff und
der frühere deutsche Botschafter Klaus Scharioth auf dem Podium ihre Gedanken
aus. Beginn ist um 19 Uhr im Trude-Simonsohn-Saal des Casinogebäudes auf dem
Campus Westend.

Am 7. November hält der Münchener Amerikanist Michael Hochgeschwendner einen
Vortrag über das "Phänomen Trump". Anschließend ergänzen Forscher des
uni-eigenen "Center for Leadership and Behaviour in Organizations" wie der
Psychologe Rolf van Dick die Ausführungen des Gastes. Beginn ist um 18.30 Uhr im
 Hörsaal 9 auf dem Westend-Campus.

An der Universität Gießen befasst sich in diesem Semester eine Ringvorlesung mit
 der Präsidentenwahl und ihren Folgen. Die Reihe beginnt am 31. Oktober mit
einem Vortrag über Barack Obamas Politik, die der Referent Dietmar Herz als
"erfolgreich gescheitert" beschreibt. Zu den Gastrednern der Ringvorlesung
gehört auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der an einem noch
 nicht bekannten Termin nach Gießen kommen will. Die Reihe endet am 30. Januar
mit einem Vortrag des Frankfurter Amerikanisten Johannes Völz. Alle Vorlesungen
beginnen um 19.15 Uhr in der Aula des Uni-Hauptgebäudes, Ludwigstraße 23. Nähere
 Informationen gibt es unter www.uni-giessen.de. (zos.)

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Oktober 2016, Sascha Zoske. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Eine Säule der Demokratie. Tag der Rechtspolitik an der Goethe-Universität

Die Reform der hessischen Landesverfassung war am Mittwoch auch Thema des Frankfurter Tags der Rechtspolitik an der Goethe-Universität. Dafür, dass die Leitfrage zugespitzt lautete: "Wozu Landesverfassung?", fiel das Fazit der Referentinnen und Referenten am Ende mehrerer Vorträge und einer Podiumsdiskussion vor Hunderten Studierenden und anderen Interessierten doch eindeutig aus: Die hessische Verfassung sei trotz des übergeordneten Grundgesetzes keinesfalls wertlos, sondern "eine der Säulen des demokratischen und sozialen Rechtsstaats", sagte etwa Dirk Schönstädt, Vizepräsident des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs.

"Die Verfassung lebt", folgerte auch Elke Gurlit, Sachverständige im hessischen Verfassungskonvent, mit Blick auf die Zahl entsprechender Gerichtsverfahren im Land. Und Staatssekretär Thomas Metz aus dem Justizministerium plädierte für eine breitere gesellschaftliche Diskussion über die Verfassung - um darauf auch "einen Verfassungspatriotismus" aufbauen zu können.

Was aber soll in der Verfassung stehen? Staatsziel Ehrenamt? Ist ein niedrigeres Quorum für Bürgerentscheide tatsächlich empfehlenswert? Und was soll im Zuge der Reform gestrichen werden? Diese Fragen warfen Studierende, Professoren und andere Zuhörer in die Debatte ein. Relative Einigkeit auf dem Podium herrschte dabei vor allem über die "Entfernung von Totholz", wie Gurlit überholte Artikel wie jene zur Todesstrafe bezeichnete.

Stefan Kadelbach und Felix Hanschmann vom Jura-Fachbereich der Goethe-Uni sprachen sich beide für eine Verankerung sozialer Menschenrechte, etwa des Rechts auf Wohnen, Arbeit oder Bildung, aus, unabhängig von Nationalität und Aufenthaltsstatus. Je konkreter man dabei werde, etwa um den "segregativen Tendenzen" zu begegnen und ein inklusives Schulsystem zu ermöglichen, führte Hanschmann aus, desto mehr gesellschaftlichen Widerspruch aufgrund widerstreitender Interessen werde man aber auch provozieren.

Schönstädt sagte daher auch, die Reform werde wohl "auf eine kleine Lösung, einen Minimalkonsens" zulaufen. Und Elke Gurlit regte an, zunächst Leitprinzipien für eine Reform zu definieren, statt sich in der Diskussion über Hunderte Vorschläge wie der Verankerung einer "Hessen-Hymne" zu verlieren. msa

Frankfurter Rundschau, 29. November 2016, msa © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Rundschau GmbH, Frankfurt.

Das globale Regieren im Blick. Politikwissenschaftlerin Deitelhoff erhält Schader-Preis

h.r. DARMSTADT. "Was bleibt vom Staat?" ist ein Buch, das die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff vor ein paar Jahren mit herausgegeben hat. Es wirft Fragen auf, die heute im Mittelpunkt der politischen Diskussion Europas stehen. Wie viel politische Verantwortung kann und soll die Europäische Union übernehmen? Gibt es überhaupt eine demokratisch legitimierte Herrschaft jenseits des Nationalstaates? Als Professorin für "Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungspolitik" an der Goethe-Universität Frankfurt und als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) ist Deitelhoff mit solchen Themen beschäftigt. Der Senat der Schader-Stiftung hat der Wissenschaftlerin den mit 15 000 Euro dotierten Schader-Preis 2017 zuerkannt.
Deitelhoff, 1974 geboren, reiht sich damit in den Kreis namhafter Wissenschaftler ein, die die Schader-Stiftung, die sich um den Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaften und der Praxis bemüht, in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat. Die Soziologin Jutta Allmendinger zählt ebenso dazu wie der Staatsrechtler Paul Kirchhoff, der Sprecher des Schader-Senats ist und die Entscheidung für Deitelhoff so begründete: "Sie erhält den Preis für ihre Forschungen zu Herrschaft und Widerstand in der Politik unseres globalen Zeitalters, zu Normen und Institutionen von Staatlichkeit und deren Internationalisierung, zum humanen Völkerrecht und der Entpolitisierung staatlicher und gesellschaftlicher Sicherheitsleistungen."
Die Preisträgerin hat Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht an der Technischen Universität Darmstadt und der State University of New York at Buffalo studiert. 2004 promovierte sie mit einer Arbeit, die unter dem Titel "Überzeugung in der Politik" erschienen ist. Seit 2009 hat Deitelhoff eine Professur für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen an der Goethe-Universität inne und leitet eine Forschergruppe an der HSFK. Deren geschäftsführendes Vorstandsmitglied ist sie seit diesem Jahr.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15 Dezember 2016, h.r. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Philosophisches Symposium zum „Wert der Kritik“. Internationale Veranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Städelschule am 19. und 20. Januar

Pressemitteilung

16. Januar 2017

FRANKFURT. „The Value of Critique“ heißt ein zweitägiges Symposium, veranstaltet vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und dem Institut für Kunstkritik der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, Frankfurt am Main. Über den „Wert der Kritik“ diskutieren am 19. und 20. Januar 2017 in der Städelschule prominente Vertreterinnen und Vertreter einer zeitgenössischen Kritischen Theorie. Ausgangspunkte der Erörterungen sind die Vorträge von Bruno Latour (Paris), Beate Söntgen (Lüneburg), Rahel Jaeggi (Berlin) und Luc Boltanski (Paris).
 
Die gesamte Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Konzipiert wurde sie von Isabelle Graw, Professorin für Kunsttheorie an der Städelschule, und Christoph Menke, Professor für praktische Philosophie an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Teilnehmer von Seiten des Clusters sind auch deren Sprecher Rainer Forst (Politische Theorie) und Klaus Günther (Rechtsphilosophie) sowie der Philosoph Martin Seel. Den vier Vorträgen folgt jeweils eine Entgegnungs- und Kommentarrunde. Komplettiert wird das Programm durch eine Roundtable-Diskussion.
 
Das Symposium behandelt das Verhältnis von Kritik und Bewertung, hier vor allem im Sinne von Evaluation, als zwei Arten des Urteilens oder Beurteilens. Es geht um ihre Gegensätze und Gemeinsamkeiten. Ein besonderer Fokus liegt auf Perspektiven und Potenzialen kritischen Urteilens.
 
Kritik, so eine philosophische Definition, ermöglicht es den Kritikübenden, sich ihres Objekts der Kritik zu bemächtigen, indem sie dessen Widersprüche oder Defizite entlarven. Kritik gilt als eine beispielhafte Strategie der Aufklärung und eine Voraussetzung für die Freiheit eines Subjekts. Im Modus der Evaluation hingegen werden die Dinge von vornherein aus einer bestimmten Perspektive betrachtet, die explizit nach dem relativen Nutzen des Bewertungsobjekts fragt. Bei einer so verstandenen Evaluation zielen die bewertenden Subjekte vor allem auf ihr eigenes Wohlergehen, beispielsweise in ökonomischer Hinsicht.
 
Alles in allem, so scheint es, hat die Kritik im Vergleich zur Evaluation an Boden verloren. Doch einen ersten Hinweis, dass sich Kritik und Evaluation nicht ausschließen, liefert schon die Etymologie des ursprünglich griechischen Wortes „Kritiké“, das die Unterscheidung in den Mittelpunkt stellt. Und auch die mittlerweile weitverbreitete Ansicht, wonach die transformative Kraft der Kritik ohnehin von den modernen wirtschaftlichen Verhältnissen absorbiert werde, wollen die Veranstalter nicht kommentarlos hinnehmen. Untersucht wird in diesem Zusammenhang das Potenzial unterschiedlicher Kritikformen, in Bezug auf die vier Vortragenden sind dies Luc Boltanskis Modell der „Social Critique“, Bruno Latours „Critique of Critique”, Rahel Jaeggis „Internal Kritik“ und Beate Söntgens „Kulturen der Kritik“.
 
Das Symposium findet in der Lichthalle der Städelschule statt (Dürerstraße 10, 60596 Frankfurt am Main). Die Veranstaltung ist fach- und presseöffentlich, eine Anmeldung nicht erforderlich, Reservierungen können nicht entgegengenommen werden.
 
Das Programm im Überblick:
 
19. Januar 2017
14 – 16 Uhr: „Against Critique“
Lecture: Bruno Latour
Respondents: Rainer Forst, Petra Gehring
 
16.30 – 18.00 Uhr: Roundtable: „Labour and Value“
Participants: Sabeth Buchmann, Isabelle Graw, Christoph Menke, John Roberts
 
18.30 – 20.30 Uhr „The Power of Critique“
Lecture: Beate Söntgen
Respondents: Martin Seel, Kerstin Stakemeier,
 
 
20. Januar 2017
11.00 – 13.00 Uhr: „Criticize your Life“
Lecture: Rahel Jaeggi
Respondents: Eva Geulen, Thomas Lemke
 
14.00 – 16.00 Uhr: „Social Critique“
Lecture: Luc Boltanski
Respondents: Juliane Rebentisch, Klaus Günther
 
Informationen:
Jonas Leihener, Städelschule, Künstlerischer Koordinator, Tel.: 069/605008-52, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.staedelschule.de
Bernd Frye, Exzellenzcluster, Pressereferent, Tel.: 069/798-31411,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net
 
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main.
Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)
 
Herausgeber: Die Präsidentin, Abteilung PR & Kommunikation, 60629 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-13035, Fax: (069) 798-763 12531, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.uni-frankfurt.de

Wissenschaft über den Wolken. Eine Frankfurter Konferenz geht der Frage nach, unter welchen Bedingungen Kritik heute noch möglich ist

Kritiker ist keine eingetragene Berufsbezeichnung, in der öffentlichen Wahrnehmung aber an Statusgruppen gebunden: Öffentliche Kritik erwartet man von Künstlern, Schriftstellern, Publizisten, weniger von Steuerberatern, Piloten oder Programmierern; man erwartet sie aber auch von Wissenschaftlern, die sich als engagiert begreifen und diesen Anspruch gegen eine sich als wertneutral verstehende Institution durchsetzen können. Die geläufige akademische Klage vom Ende der Kritik entspringt teils der Selbstwahrnehmung einer Institution, die für engagierte Kritik nicht gegründet wurde. Zumindest die Grundlagen der Kritik - Zeit, Unterscheidungsvermögen, rationale Standards - sind in der Wissenschaft aber reichlich vorhanden und bieten, äußert sich der Wissenschaftler nicht selbst öffentlich, ein unschätzbares Potential für Journalisten, Politiker und andere Multiplikatoren.

Dass dieser Transmissionsriemen gegenwärtig nur unzureichend funktioniert, dafür waren die Wahlen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten ein deutliches Zeichen. Beide Male wurde die Wissenschaft als Lager des liberalen und selbstkritischen Denkens überstimmt und muss nun fürchten, von Ignoranten und Obskurantisten regiert zu werden. Sollten die Geistes- und Sozialwissenschaften noch weitere Wahlen abwarten, bevor sie sich selbst zu Wort melden?

Schritt zurück: Die Aufklärung hat den Hofnarren abgeschafft, in der Annahme, ihre Kritik von einem neutralen, unangreifbaren Standpunkt zu formulieren. Die selbstreflexiv gewordene Wissenschaft hat das Geschäft der Kritik wieder verkompliziert: Der Kritiker möge zunächst den Ort ausweisen, von dem er spricht, seine eigene Befangenheit vorzeigen, seine Worte entsprechend temperieren, bevor er dann vielleicht immer noch zu sprechen beginnt. "In die Rede, die ich heute zu halten habe", sagte Michel Foucault in seiner Antrittsvorlesung am Collège de France, "hätte ich mich gern verstohlen eingeschlichen."

Als Institution ist Wissenschaft nämlich selbst ein Machtgefüge. In der projektförmig organisierten Wissenschaft läuft Kritik unter erhöhtem Risiko. Der intellektuelle Gegner von heute kann der Kooperationspartner von morgen sein, der befristet beschäftigte Mittelbau stellt seine Kritik klugerweise bis zur Festanstellung zurück. Dem Exzellenzcluster als staatlich gefördertem Vorzeigemodell, das die Leistungsstärke deutscher Universitäten auf internationaler Bühne demonstrieren soll, ist darüber hinaus die Anwerbung internationaler Star-Gelehrter ins Pflichtenheft geschrieben.

An dieser von Stanislaw Lem in "Der futurologische Kongress" parodierten Gruppe perlt Kritik auf eigene Weise ab. Gedanklich noch beim letzten oder schon beim nächsten Kongress, umgibt sie eine immunisierende Aura der Weltläufigkeit. Kritik vor Ort verflüchtigt sich im Flugzeug über den Wolken und bleibt den Dagebliebenen überlassen, die es sich mit dem berühmten Gast, der hoffentlich bald wiederkommt, wohl nicht verscherzen wollen. Der französische Soziologe Luc Boltanski hat dies in seinem Klassiker "Der neue Geist des Kapitalismus" auf abstrakter Ebene beschrieben: als Machtgefälle zwischen dem mobilen Kapital und den Angestellten, die bleiben müssen.

Wer sich von der Kunst einen Lichtblick erhofft: Es ist hier nicht viel anders. Die ausgebliebene oder verspätete künstlerische Reaktion auf die NSA-Enthüllungen erklärte Jörg Heiser in dieser Zeitung damit, dass Künstler heute selbst in ihren Netzwerken feststecken ("Das Schweigen der Vernetzungsjunkies", F.A.Z. vom 16. Oktober 2013), was auch die gegenseitige Kritik zum Verstummen bringt.

Die prominent besetzte Konferenz "Wert der Kritik", die das Frankfurter Exzellenzcluster Normative Ordnungen gemeinsam mit der Städel-Kunsthochschule organisierte, musste sich also erst aus einem doppelten Netz befreien, um ihr Ziel zu erreichen: die Verteidigung der Kritik gegen die Grabredner, die sie in unserer komplexen Gegenwart für erledigt halten.

Ein Heer angehender Künstler, Kuratoren und Kunstkritiker folgte im lichten Atrium der Städel-Hochschule der Auftaktrede des berühmten französischen Soziologen Bruno Latour. Wichtiger als die Sozialkritik war Latour die politische Ökologie: eine "Kritik der Erde" als System der Produktion, die von der Sozialkritik immer wieder vergessen werde. Unter dem frisch vereidigten amerikanischen Präsidenten, meinte Latour, werde die Kluft zwischen dem Lokalen und dem Globalen nicht nur dramatisch vertieft, sondern auch die Natur spielt nicht einmal mehr eine Nebenrolle. Von dem fragilen common ground aus, der uns berührt, weil wir auf ihm leben, sei eine anteilnehmende Form der Kritik aber erst wieder möglich. Dem Publikum blieb der weite Blick auf diesen fernsten Ort. Der nähere Bezug zwischen Naturkritik und Sozialkritik blieb offen.

Weiter war der theoretische Blickwinkel erst einmal nicht zu stellen. Enttäuscht wurde, wer im Anschluss mehr Konkretion erwartete. Luc Boltanski, der Macht und Ohnmacht der Sozialkritik in der liberalisierten Arbeitswelt akribisch untersucht hat, skizzierte ein soziologisches Programm, das Kritik an Akteuren und Institutionen ausrichtet. Der Frage, wie Institutionen als gleichzeitig sichernde und beherrschende Mächte zu kritisieren seien, folgte aber eine Unterscheidung von (institutionell definierter) Realität und Außenwelt, die nicht mit Leben gefüllt wurde.

Eine Zuhörerin merkte am Ende konsterniert an, dass der Wandel der Kritik durch die neuen medialen Formate, denen die heutige Ignoranz gegenüber Fakten in nicht geringem Maß geschuldet ist, in keinem Vortrag auch nur erwähnt worden sei. Über Anreizsteuerung in digitalen (Überwachungs-)Systemen, über die Ersetzung qualitativer durch quantitative Kriterien, über die Ohnmacht des Arguments gegenüber Netzwerkeffekten, über die Verlagerung von Verantwortung in unerreichbare Rechtsregime, über die Erpressbarkeit europäischer Politiker durch den Datenschatz amerikanischer Geheimdienste oder, um den Kreis zur Kunst zu schließen, Investorenmacht im Kunstbetrieb - über all diese in der Öffentlichkeit breit diskutierten Themen war zwei Tage lang kein Wort zu hören.

Am Ursprungsort der Kritischen Theorie, die Gedanken zu Taten und Wissenschaftler zu nonkonformistischen Intellektuellen heranbilden wollte, und in Anwesenheit zahlreicher Vertreter ihrer dritten Generation versank jeder Anflug von Konkretion in lähmender Selbstreflexion. Man verließ den Ort mit einem tauben Gefühl: Auf den liberalen westlichen Grundkonsens kann sich Kritik heute nicht mehr so leicht berufen. Auf eine Wissenschaft in der Filterblase kann sie nicht setzen.

THOMAS THIEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2017, Thomas Thiel © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Zurück zum Text! Spaltende Lektüre: Tilman Nagel deutet den Koran

Den Islam ernst nehmen" hieß der Vortrag des Islamwissenschaftlers Tilman Nagel am Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam. Der Titel formulierte den unausgesprochenen Vorwurf: Man tut es nicht. Den Islam ernst nehmen heißt für Nagel, den Koran nicht politischen Maximen unterzuordnen mit dem vorbestimmten Ziel eines sozialverträglichen Euroislam.
Als Beispiel der beflissenen Lektüre nannte Nagel eine Broschüre des Berliner Verfassungsschutzes, die den Islam ohne Einschränkung auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik ansiedelt. Dass die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam nicht nur eine gemeinsame Wurzel hätten, sondern angesichts vernachlässigbarer theologischer Unterschiede auch heute problemlos über den integrationspolitischen Leisten geschlagen werden können, sei, so Nagel, auch Konsens innerhalb weiter Kreise der Islamwissenschaft.
Gegen diesen verwahrte er sich: Unbestreitbar gebe es im Islam eine Fülle von Traditionen und Ausdeutungen, aber es gebe auch einen gemeinsamen Bezug: den Koran. Nagel nahm die zweite Sure in Augenschein, die von der Übertragung der göttlichen "Vernunft" auf den Menschen, in diesem Fall Adam und Abraham, handelt. Im Vergleich mit der Bibel gebe es hier einen deutlichen Unterschied. Während der christliche Gott in der Bibel erst durch einen inwendigen, reflexiven Akt erkennbar sei und der Mensch selbst die Entscheidung zwischen Gut und Böse treffe, werde Allah im Koran als der Reflexion unzugänglicher und zugleich in jedem Augenblick die Existenz durchdringender Gott dargestellt.
Mit weitreichenden Folgen: Da sich der Muslim Gott und die Welt nicht selbst erschließen müsse, sondern in jedem Augenblick seiner Existenz bereits vollkommen sei, fehle der Impuls zu Fortschritt und Selbstvervollkommnung. Dem Islam eigne daher ein Moment der Trägheit, das unter dem Titel "Dekadenzphänomen" breit diskutiert ist. Im Kontakt mit dem fortschrittlichen Westen, so Nagel, sei daraus ein Unterlegenheitsgefühl erwachsen, ein Schwanken zwischen Hybris und Ressentiment, das noch das Reizklima der heutigen Debatten prägt.
Mit seiner als sperrig empfundenen Deutung ist Nagel, einst allgemein anerkannte Koryphäe seines Fachs, zur dissidenten Stimme geworden, was ihm den ungewollten Applaus rechter Kreise eingebracht hat. In der Islamkonferenz wurde er höflich aufs Abstellgleis geschoben. In der Folge suchte er sich andere, auch fragwürdige Podien. Auch in Frankfurt wählte er deutliche Worte: Nicht nur, dass der Koran mit dem Grundgesetz unvereinbar sei; die Salafisten seien auch näher am Gehalt des Korans als manche historisch-kritische Exegeten, die den Text in einem eklektizistischen Deutungspluralismus verschwinden ließen, lautete sein Resümee.
Nagels scharf gestellte Lektüre traf auf Widerspruch: Wie weit kann der Islam heute auf die von Nagel herangezogenen Suren festgelegt werden? Und spielt die theologische Dogmatik in den politischen Verhandlungen überhaupt eine Rolle? Wenn es darauf ankam, konkrete Ansprüche zu rechtfertigen, hielt Nagel entgegen, seien auch in der Islamkonferenz die Dogmen herangezogen worden. Bemerkenswert war, dass der islamische Theologe Ömer Özsoy am Ende trotz exegetischer Vorbehalte ausdrücklich für Nagels "klare, befreiende Worte" dankte, die er angesichts des Drucks zur "unehrlichen", politisch gefälligen Koranlektüre als wohltuend empfand.
THOMAS THIEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Februar 2017, Thomas Thiel © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Filmfestival Lichter wird noch größer

Zum zehnjährigen Bestehen wird das Lichter Filmfest Frankfurt International noch einmal deutlich größer - und noch internationaler. Mehr als 100 Filme und Veranstaltungen von hiesigen Filmemachern und aus der ganzen Welt werden unter der Schirmherrschaft von Doris Dörrie von Dienstag an bis zum 2. April zu erleben sein. Festivalzentrum ist zum zweiten Mal der Frankfurter Mousonturm, weitere Spielorte sind das Filmmuseum, das Kino Mal sehn, die Naxoshalle, das Museum für Moderne Kunst, das Caligari in Wiesbaden und das Offenbacher Ledermuseum. Unter dem Motto "Wahrheit" befassen sich Filme und Begleitprogramm mit Fiktion und Fake. Dazu passt, dass das Thema Virtuelle Realität neuer Schwerpunkt geworden ist: Als erstes deutsches Festival richtet Lichter einen Wettbewerb zum Erzählen im 360-Grad-Kino aus. Dank zahlreicher Kooperationen können auch eine Branchenmesse und ein Fachkongress angeboten werden, offen für alle sind die Vorträge und Diskussionen zum Thema Wahrheit, die mit dem Exzellenzcluster "Herausbildung normativer Ordnungen" der Goethe-Universität veranstaltet werden. Informationen im Internet unter www. lichter-filmfest.de.
emm.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. März 2017, emm. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Klare Worte und ein vielsagendes Schweigen. Neuer türkischer Generalkonsul in Frankfurt spricht mit Puttrich vor geladenen Gästen

mali. FRANKFURT. Manchmal sagt ein Schweigen mehr als viele Worte. Und der türkische Generalkonsul Burak Kararti bekommt für sein Schweigen sogar Applaus vom geladenen Publikum. Kaum drei Wochen im Amt, hat sich der offizielle Vertreter Ankaras in Frankfurt auf ein Gespräch mit Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) eingelassen. Auf Einladung des Hessischen Forums für Religion und Gesellschaft und dem Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam sind die beiden am Donnerstagabend in die Goethe-Universität gekommen. Zwei Stunden diskutieren und referieren sie. Wortreich. Doch dann, ganz am Ende, kommt sie, die Frage, auf die der Diplomat nur mit Schweigen antwortet. Was seine Meinung zu der von Präsident Erdogan gewählten Rhetorik gegenüber den Deutschen sei, will ein Mann aus dem Publikum wissen. Als Diplomat dürfe er darüber nicht urteilen, sagt Kararti. Und die nachfolgenden Sekunden der Stille lassen den Zuhörern viel Raum zur Interpretation.
Eine gewisse Ruhe verleiht der Diskussion von Anfang an eine Simultandolmetscherin - und das, obwohl ihre Stimme wie ein permanentes Hintergrundrauschen zu hören ist. Aber die Übersetzungen vom Deutschen ins Türkische und vom Türkischen ins Deutsche nehmen dem Gespräch das Tempo, das sich angesichts der Meinungsunterschiede hätte entwickeln können. Die Übersetzungszeiten nutzen alle Beteiligten, um ihre Worte gut zu überdenken. Mit Kritik wird trotzdem nicht gespart. Puttrich, gerade erst von einem Besuch aus der türkischen Partnerregion Bursa zurückgekehrt, findet durchaus klare Worte: "Im Moment ist die Türkei so weit entfernt von der EU, wie sie noch nie zuvor war", sagt die Ministerin. Sie habe dort "ein Klima der Verunsicherung und Angst" erlebt.
Der Generalkonsul hört mit regungsloser Miene zu. Dann folgt zeitversetzt seine Reaktion. Langsam schüttelt er den Kopf, verschränkt die Arme. Das Land befinde sich im Ausnahmezustand, ja. Aber trotzdem sei eine oppositionelle Meinung möglich, sagt Kararti. Und außerdem sei es die EU, die zur Verunsicherung beitrage. Die Verhandlungen über die Aufnahme in die Union dauerten einfach zu lange. "Wir haben auch nicht die erwartete Unterstützung und das erwartete Verständnis seitens der EU nach dem Putschversuch erhalten. Das hat zu einer Vertrauenskrise in der Gesellschaft geführt", meint der Diplomat. Eine Aussage, die Puttrich so nicht stehenlassen will: "Es ist einfach zu sagen, dass die anderen schuld sind. Aber man muss seine eigene Situation analysieren."
Der Ton bleibt den ganzen Abend hindurch respektvoll und ruhig - auch als Puttrich kritische Themen wie die Presse- und Meinungsfreiheit anspricht. Und am Ende findet der neue Mann Ankaras am Main sogar ein paar durchaus versöhnliche Worte: "Ich bin zuversichtlich, dass die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland so stark sind, dass die schwierige Lage überwunden werden kann."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. März 2017, mali. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Im Licht der Wahrheit. Zum zehnten Mal findet das Lichter Filmfest Frankfurt International statt. Aus der kleinen regionalen Initiative ist ein stattliches Festival geworden. Mit einer großen Frage

Von Eva-Maria Magel

Frankfurt, Hauptwache, auf den Kopf gestellt und rückwärts gefilmt - das sieht aus wie eine deutsche Autobahn mit merkwürdig verrutschten Seitenstreifen. Zusammen mit dem hektischen Sound von Daniel Hermann alias Flug 8, der immerfort behauptet "es ist wahr, es ist wahr, es ist wahr", schafft der Frankfurter Experimentalfilmer Michel Klöfkorn das genaue Gegenteil: Der schlichte Alltag der Stadt wirkt, als sei er von vorn bis hinten, von oben bis unten erfunden.
Wie Klöfkorn haben auch der Filmkünstler Gunter Deller, der filmtheoretisch ausgefuchst in exakt 24 Sekunden "Godard vs. Haneke" Wahrheit und Lüge gegeneinander ausspielen lässt, Sylvie Hohlbaum, die uns erläutert, was Veilchen, Lech Walesa und der Mauerfall miteinander zu tun haben, oder Martin Sonneborn, der die Realsatire seines Alltags als Brüsseler Abgeordneter dokumentiert, in den vergangenen Wochen den Countdown von Lichter gezählt. Die zehn kürzestmöglichen Kurzfilme stehen weiterhin auf den Internetseiten des diesjährigen Lichter Filmfests Frankfurt International und in den sozialen Medien. Ein kleines Feuer- und Feierwerk zum zehnjährigen Bestehen und eine Vorbereitung auf das, was die Zuschauer von Dienstag an bis zum 2. April erwartet.
Als da, unter anderem, wären: ein Quacksalber namens John Romulus Brinkley, den es wirklich gab, der in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts impotenten amerikanischen Männern Ziegenhoden eingepflanzt hat, was auch stimmt, was sie geheilt haben soll. Was, vermutlich, nicht stimmt. Aber die Filmemacherin Penny Lane, deren Namen übrigens stimmt, zeigt uns dieses schillernde Leben, eine Welle der medialen Begeisterung und die bösen Folgen in einer Mischung aus historischem Material, Zeichentrick und Expertenmeinungen, die belegen, dass das, was Brinkley tat, um seine Kundschaft zu akquirieren, heute locker als sogenanntes Infomercial gelten kann. Überhaupt, Amerika, seine Fakten und Fiktionen, spielen eine große Rolle im diesjährigen Filmprogramm, auch wenn es, wie "Morris aus Amerika", zumindest teilweise aus Hessen und der Rhein-Main-Region kommt. Mit Filmen wie "Nuts!" oder "Jackson", einer Dokumentation über die letzte Abtreibungsklinik in Mississippi, deren religiös bewegte Gegner und deren oft im völligen Abseits stehende Patientinnen, mit dem japanischen Beitrag "Fake" oder dem österreichischen Beitrag "Thank you for bombing" über Kriegsreporter in Afghanistan leuchtet vor allem der internationale Langfilmwettbewerb in den nächsten Tagen das weite Spektrum der Wahrheit aus.
Wer nach Amerika blickt dieser Tage, kann schon mal ins Schwindeln geraten angesichts der Frage, was denn die Wahrheit sei. Und auch sonst überwiegt die Frage nach dem Fake die nach dem Neuen allzu häufig, sind die "Fake News", die gefälschten Identitäten im Netz und sonstige Fälschungen, das Thema. Was ist Wahrheit, was ist Lüge? In der Kunst immerhin darf erfunden werden, was das Zeug hält, Hauptsache, das, was herauskommt, ist in sich wahrhaftig. Und insofern hat das Team des Lichter Filmfests Frankfurt International bei seiner Klausur im vergangenen Sommer, als noch keiner glauben mochte, dass Donald Trump amerikanischer Präsident wird, den richtigen Riecher gehabt, als es "Wahrheit" zum Thema des zehnten Festivals erklärte. Stoff, das zeigt ein Programm von guten 100 Lang- und Kurzfilmen, gibt es wahrlich genug. Falls das nicht auch schon wieder erfunden ist.
Die Frage danach, ob wir in der Realität kriegen, was wir sehen, oder nicht doch etwas ganz anderes und wie es denn im Film ist, der auch dann wahr ist, wenn er frei vor sich hin fabuliert, das beschäftigt das diesjährige Festival, in verschiedenen Kinosälen in Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, aber auch in der bildenden Kunst, bei Podiumsdiskussionen, Vorträgen, die, mit der wissenschaftlichen und diskursiven Unterstützung des Frankfurter Exzellenzclusters "Herausbildung normativer Ordnungen" tief in die Frage nach der Wahrheit und unseren Konstruktionen eindringt. Einen ganzen Abend über Wahrheit wird es auch am 29. März mit Schirmherrin Doris Dörrie geben, die ihren Film "Grüße aus Fukushima" zeigen wird. Und wenn erst einmal die Ausstellung zu den Whistleblowern aus Hessen und anderswo eröffnet und die Debatte zu Meinung und Wahrheit die Gemüter erhitzt hat, wird es vermutlich wieder zahlreiche spontan sich entspinnende Gespräche an der Bar, im Foyer und beim Essen geben.
Schließlich hat das Lichter Filmfest, wie es zu Beginn noch schlicht hieß, von Anfang an darauf gesetzt, ein kommunikatives, offenes Festival zu sein. Mittlerweile sind die Fäden, die Festivalmitgründer und -leiter Gregor Maria Schubert, seine Kollegin Johanna Süß und zahlreiche weitere, oft ehrenamtlich tätige Lichter-Mitarbeiter an vielen Stellen knüpfen, zu einem festen, bunten Netz geworden: So, wie alle zehn Filmemacher und Protagonisten des Kurzfilm-Countdowns Lichter seit Jahren verbunden sind, durch Beiträge im Programm, Hilfe, Mitarbeit, sind auch die Beziehungen zu Veranstaltern, Verleihern und den Protagonisten des Rahmenprogramms fester und fruchtbar geworden. Zum zweiten Mal ist der Frankfurter Mousonturm Veranstaltungsort und Festivalzentrum, dazu kommt ein Schwerpunkt zur Virtual Reality im Film, der in den bundesweit wohl ersten Wettbewerb für das Erzählen im 360-Grad-Verfahren münden wird. Wer ausprobieren will, wie sich die virtuelle Realität für Zuschauer anfühlt, hat dazu Gelegenheit, auch die Profis dürfen zugeben, dass sie nicht alles wissen - eine kleine Messe samt Informationsmöglichkeiten wird es auch geben. Mit Partnern wie ZDF und Arte hat Lichter im Jubiläumsjahr einen weiteren Sprung gemacht - dass diese Programmpunkte dann hübsch lässig im Off-Charme der Naxoshalle präsentiert werden, zeigt wiederum, dass das Lichter Filmfest, mag es auch jedes Jahr ein wenig höher, schneller, weiter werden, sich treu bleibt: Vor zehn Jahren hatte das Filmfest höchst bescheiden im alten Atelierfrankfurt an der Hohenstaufenstraße begonnen. Mit zusammengeborgten Stühlen und Leinwänden, einem Kunstkinoprogramm in einem alten Campingbus, mit Catering in der Freitagsküche und einer Atmosphäre, die Aufbruch verhieß.
Heute fassen die Macher den Begriff "regional" so weit, wie das auch die Filmförderung tut, und sucht sich aus dem, was hiesige Filmemacher drehen, was hierzulande ko- und postproduziert wird oder in Frankfurt und Rhein-Main spielt, das aus, was ihnen interessant erscheint. Das sind keine in erster Linie gefälligen, aber doch sehr unterschiedliche Filme: Neun stehen im regionalen Wettbewerb, darunter Julia Ziesches Tragikomödie "Wann endlich küsst du mich?", gedreht unter anderem in Dreieich und in Frankfurt produziert, oder "Hard & Ugly", eine schwarzweiße Geschichte vom Glück, das zwischen den Fingern zerrinnt, des Marburger Regisseurs Malte Wirtz. Romuald Kamarkars Dokumentation "Denk ich an Deutschland in der Nacht" hätte wohl genauso gut auch in der Sektion "International" laufen können, widmet sie sich doch mit zum größten Teil hiesigen Protagonisten wie Ata Macias vom Offenbacher Robert Johnson, David Moufang alias Move D. oder Ricardo Villalobos DJs, die international Clubgeschichte geschrieben haben. Das ist, bei aller Lebendigkeit, natürlich auch ein Blick zurück - ganz weit nach vorn hingegen schaut das Filmfest erstmals mit der neu begründeten Sektion "Zukunft deutsches Kino". Im vergangenen Jahr hatte der Schirmherr Edgar Reitz eine fulminante Eröffnungsrede gehalten: der deutsche Film werde im eigenen Land verkannt, viele Talente kämen kaum in die Kinos. Daran, eine Debatte zu beginnen und Verleiher, Produzenten, Kinobetreiber an einen Tisch zu bringen, arbeite Lichter, sagt Gregor Maria Schubert. In diesem Jahr macht eine kleine, feine Reihe, in der unter anderem die auf der Berlinale gefeierten "Tiger Girls" zu sehen sein werden, den Anfang. Schließlich will Lichter auch im nächsten Jahr weiter wachsen.
Lichter beginnt am 28. März, Informationen zum Programm im Internet unter www.lichter-filmfest.de, ein Programm liegt auch aus.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. März 2017, Eva-Maria Magel © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Aus den Vortragssälen. Gilles Kepel: "The Jihad out of the Banlieues"

Gewinne Marine Le Pen die Präsidentenwahl in Frankreich, spiele das den Terroristen in die Hände. Diese Meinung vertritt der französische Soziologe Gilles Kepel, der als Kenner des politischen Islams gilt. In seinem Vortrag an der Goethe-Universität erläuterte Kepel, welche Strategie die Dschihadisten im Kampf mit dem Westen seiner Meinung nach verfolgen. Dabei stützte er sich im Wesentlichen auf sein neuestes Buch, das den Titel "Der Bruch - Frankreichs gespaltene Gesellschaft" trägt.

Laut Kepel bezwecken die Terroristen eine Spaltung der Gesellschaft. Je mehr Muslime sich ausgegrenzt fühlten, desto leichter falle es den islamistischen Menschenfängern, Nachwuchs für den Dschihad zu gewinnen. Wie groß die Verunsicherung nach Attentaten sei, spiegele sich in dem Erstarken rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen wider - sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa.

Die französischen Attentäter, so Kepel, seien zumeist Jugendliche aus Zuwandererfamilien, die in den Vorstädten, den Banlieues, lebten. In den fünfziger und sechziger Jahren waren dort Siedlungen für Einwanderer aus den ehemaligen französischen Kolonien in Nord- und Westafrika entstanden. Anfangs galten die Banlieues als modern, weil die Wohnungen dort Bäder und Fahrstühle hatten. Als Mitte der siebziger Jahre viele Einwanderer ihre Arbeit verloren, entwickelten sie sich jedoch zu sozialen Brennpunkten. Mittlerweile herrsche dort eine Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent, so Kepel. Problematisch sei zudem, dass die Jugendlichen nicht die französischen Werte teilten: Der Islam stehe für sie über dem Gesetz.

Die Genese des Terrorismus unterteilte Kepel in drei Phasen. Begonnen habe er mit Terrorkampagnen in der arabischen Welt. Als das nicht die gewünschte Wirkung erzielt habe, sei man dazu übergegangen, den Westen direkt anzugreifen. Als Beispiel nannte Kepel die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon 2001. Diese Strategie sei aber an mangelnden Ressourcen gescheitert. Den Eintritt in Phase drei datiert Kepel auf das Jahr 2005, in dem es in den Banlieues zu wochenlangen gewaltsamen Ausschreitungen kam. Seitdem verfolgten die Dschihadisten einen Guerrilla-Terrorismus mit einfachen Mitteln, der oft auf Einzeltäter setze.

gaf.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. April 2017, gaf. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Ein Dschihadist wählt rechts. Der Soziologe Gilles Kepel prognostiziert in Frankfurt, dass der Islamismus keine breite politische Basis finden wird

Der islamistische Terror wird in Europa ein schleichendes Ende nehmen, wird langsam abflauen, weil er sein Ziel nicht erreicht. Der mit seinen Publikationen zum Dschihad namhaft gewordene Soziologe Gilles Kepel stellt diese These am Frankfurter Exzellenzcluster Normative Ordnungen mehr andeutend als ausführend in den Raum. Eine beruhigende Perspektive ist das nicht, auch weil ein weiterer Strategiewechsel des Dschihad, es wäre der nunmehr vierte, möglich ist.

Dass der gegenwärtige Terror-Plan aufgeht, Europa in einen Bürgerkrieg zu ziehen und auf dessen Ruinen ein islamisches Kalifat zu errichten, ist nach der französischen Präsidentschafts-Vorwahl aber nicht wahrscheinlicher geworden. Ein Dschihadist, sagt Kepel, hätte Le Pen gewählt, in der Hoffnung, dass unter ihrer Regentschaft die Islamfeindschaft wächst und französische Muslime verstärkt für den Terror empfänglich werden.

Kepel wirft die Titelseite von "Le Monde" an die Wand: "Les deux Frances", titelte diese am Tag nach der Wahl, die Nation gespalten in das Grau des Front National und das Ocker von Macron. Dass den Dschihadisten der nächste Schritt, die breite Politisierung und Militarisierung der französischen Muslime, gelingt, hält Kepel für unwahrscheinlich. Zwar habe eine salafistische Minderheit in den Banlieues die Deutungshoheit übernommen, niemand besuche hier im Ramadan ein Restaurant. Politisch hält Kepel dies aber für folgenlos, eine breite Sympathie für den Dschihad sei nicht zu erkennen. Man hätte sich an dieser Stelle mehr Konkretion gewünscht.

Die neue Taktik des islamistischen Terrors hat der syrische Ingenieur und Al-Qaida-Kämpfer Al-Suri 2005 in dem Traktat "Aufruf zum weltweiten islamischen Widerstand" vorgegeben: Der Terror gegen den Westen, meinte Al-Suri, hätte nach dem 11. September sein großes Ziel verfehlt. Die Vereinigten Staaten besetzten den schiitischen Irak, wo der sunnitisch geprägte Dschihad keine Wurzeln schlug. Der Terror sollte nun nach Guerrilla-Taktik in den weichen Bauch des Westens, den europäischen Alltag, getragen werden.

Im Unterschied zur Politik nahm Kepel das Manifest ernst, las es im arabischen Original, übersetzte es in Auszügen und wurde belächelt. Welcher potentielle Terrorist würde sich durch die mehr als tausend Seiten des Traktats kämpfen, bevor er die Waffe in die Hand nimmt? 2005 war aber auch das Jahr, in dem Youtube auf Sendung ging und die Terrorbotschaften in konsumfreundlicher Kürze diffundierte. Kepel, der ein robustes Selbstvertrauen ausstrahlt, wird heute in der Politik gehört. Während des Vortrags schaltet er, halb scherzend, sein Handy aus. Sollte Macron anrufen, um ihn für sein Schattenkabinett gewinnen, müsse er es später noch einmal versuchen. Eitelkeit des späten Triumphs.

Kepel, der die französischen Banlieues bereits in den Achtzigern erforschte, fühlte sich intellektuell vorbereitet, als dort die Unruhen 2005 losbrachen. Der Politik wirft er vor, sie hätte damals den religiösen Hintergrund ignoriert und ihre Möglichkeiten verspielt. Innenminister Sarkozy, der gerade noch mit dem konservativen muslimischen Wählerpotential kokettiert hatte, präsentierte sich damals als harter Hund, die Sozialisten verloren mit der Homo-Ehe die Sympathien eines gemäßigten Islams. Bis heute habe die französische Politik ein diffuses Bild des Islams. Kepel führt einen Aktivisten des Front National an, der Muslime als Partner im Kampf gegen Kapitalismus und Globalisierung gewinnen will. Nicht weit davon entfernt eine abstraktionsselige Linke, die den Islam in die vakante Position des Proletariats einrücken lassen will. "Der Cop ist tot, na und?", hieß es unlängst aus diesen Kreisen nach dem Mord an dem Polizisten Xavier Jugelé.

Wolkige Abstraktionen hält Kepel auch seinem intellektuellen Antipoden, dem in Florenz lehrenden Politikwissenschaftler Olivier Roy, vor. Roy betrachtet den Dschihad als Revolte einer nihilistischen Jugend, die im Islam nur die höhere Weihe sucht. Kepel, der sich mit Roy erbitterte Schlachten lieferte, begnügt sich in Frankfurt mit einer Empfehlung an den "geschätzten Kollegen": Lest die Texte, erforscht die Milieus! Soziale Ursachen des Terrors will er nicht herunterspielen, anders als Roy hält er die Religion aber nicht für sekundär. Der Salafismus, auch wo er sich quietistisch versteht, bereite den Bruch mit der westlichen Gesellschaft vor, indem er die muslimische Identität absolut setze und seine Anhänger in ein archaisches Weltbild ziehe. Kepel sieht sich durch das vergangene Jahr bestätigt. Hieß es einmal, Deutschland sei vom Terror weniger verwundbar, weil es anders als Frankreich keine Wirtschaftskrise und kein koloniales Erbe zu bewältigen habe, so wurde es 2016 sogar häufiger als der rheinische Nachbar vom Terror getroffen. Es könne also nicht allein das Soziale oder der Anpassungsdruck des französischen Laizismus sein, der den Dschihad provoziere.

THOMAS THIEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. April 2017, Thomas Thiel. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Solcher Verzicht zahlt sich aus. Denn die Kirche kann Gaben vertragen: Peter Brown erzählt, wie sich das frühe Christentum mit Geld und Besitz arrangierte, um Rom zu beerben.

Wirtschaftsgeschichte hat wieder Konjunktur, und sie verbindet sich mit der Frage nach gesellschaftlicher Ungleichheit. Thomas Pikettys Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert" erreichte Bestsellerzahlen. Auch die Spätantikeforschung befasst sich zunehmend mit derartigen Fragen. Anders als Piketty kann ein Althistoriker sich jedoch nur selten der Rhetorik von Kurven und Tabellen bedienen. Ökonomische Daten werden für diese Zeit hauptsächlich archäologisch gewonnen: Stempel auf Amphoren geben Hinweise auf Herkunft und Inhalt der Gefäße; die chemische Analyse von Metallen zeigt, wo sie abgebaut wurden; Münzfunde erlauben Aussagen zum Geldumlauf; grandiose Mosaiken verweisen auf reichen Besitz. Die Angaben der literarischen Quellen über Besitz sind hingegen oft stilisiert, über- oder untertrieben. Doch zur Frage nach dem Umgang mit Ungleichheit geben die spätantiken Autoren reiche Auskunft.

Ihre Stimmen vernimmt man neu dank Peter Browns im Original 2012 erschienenem Buch "Der Schatz im Himmel". Sein englischer Titel, "Through the eye of a needle", evoziert eine berühmte Sentenz Jesu: "Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme." Zuvor hatte Jesus mit einem jungen Mann gesprochen, der das ewige Leben suchte und sich in seinem persönlichen Leben alle Mühe gab. Jesus aber verlangte noch mehr: "Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben!" Da ging der Jüngling, dem viele Güter gehörten, betrübt davon.

Der für die deutsche Ausgabe gewählte Titel ist durchaus treffend, denn das Buch verfolgt ebendie Frage, inwieweit man auf Erden einen Schatz im Himmel gewinnen könne und was das für das irdische Leben bedeutet. Brown handelt darüber in einem klar bestimmten chronologischen und räumlichen Rahmen: für den lateinischen Westen des Römischen Reiches der Jahre von 350 bis 550 - was der deutsche Untertitel leider verschleiert.

Brown erörtert ein Problem, das sich mit der Ausbreitung eines christlichen Glaubens stellte. Wie sollten Christen mit Reichtum umgehen? Das mussten sie sich von Beginn an fragen, da die christliche Mission keineswegs nur die Ärmsten anlockte, sondern auch Handwerker und Hausbesitzer. Reich waren diese nach antiken Maßstäben gewiss nicht, selbst sie hätten aber ihren Besitz aufgeben müssen, wenn der Spruch Jesu wörtlich zu nehmen war. So fragen bei Matthäus die Jünger entsetzt: "Ja, wer kann dann selig werden?", und sie erhalten eine enigmatische, doch auch beruhigende Auskunft: "Bei den Menschen ist's unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich."

Diese Episode steht für eine Debatte, die frühe Christen führten und die nie enden sollte. Noch einmal verschärft und anders stellte sich die Frage nach dem Umgang mit Besitz, als das Christentum die Religion der Kaiser wurde. Denn die unerhört reichen Senatoren wandten sich allmählich dem neuen Glauben zu, und die Kirche sammelte dank ihnen ein gewaltiges Vermögen.

Wie das geschah und welche Folgen es hatte, untersucht Brown in 29 Kapiteln, von denen die meisten der Zeit vom ausgehenden vierten bis zur Mitte des fünften Jahrhunderts gewidmet sind und davon wiederum ein großer Teil Augustinus von Hippo. Damit knüpft Brown an sein erstes Buch über diesen Kirchenvater an. Dort hatte er bereits gezeigt, dass das Christentum sich im Römischen Reich nicht einfach mit der Bekehrung Constantins des Großen durchsetzte, der als der erste christliche Kaiser firmiert (306 - 337), sondern erst mit einigen Jahrzehnten Verzögerung, als die politisch-militärischen Eliten sich mehrheitlich als Christen verstanden.

Damals lebten Christen in einer "Zeit des Wohlstands", wie Brown sie nennt. Eindringlich beschreibt er den Prunk der gallischen Villen, vor allem aber würdigt er den neuen Umgang mit Reichtum: Seit jeher hatten die Eliten antiker Städte gerne öffentliche Gebäude errichtet, Feste gestiftet oder Mahlzeiten für die Bürger bezahlt und so ihren Ruhm gemehrt. Jetzt ging viel Geld an christliche Institutionen: Prachtvolle Kirchen wuchsen empor, Arme wurden gespeist, und die Reichen sammelten ihren Schatz im Himmel. Um eine Verminderung der gesellschaftlichen Ungleichheit ging es nicht, wenn die Bedürtigen Hilfe erfuhren, sondern um die Erfüllung von Gottes Geboten.

In dieser Zeit kam Hieronymus nach Rom und sorgte für Unruhe, weil er wohlhabende Frauen dazu verführte, so der Vorwurf, einen asketischen Lebensstil zu wählen. Ihr Vermögen erlaubte ihm ein klösterliches Leben in Bethlehem. Im nordafrikanischen Hippo wiederum baute Augustinus, der als ehrgeiziger Rhetor begonnen hatte, mit einem "Haufen erfolgreicher Karrieristen" eine klösterliche Gemeinschaft auf. Der vertraute Lebensstil der Eliten stand in Frage.

Hieronymus und Augustinus erlebten noch die "Krisenzeit" des Reiches, die Brown im nächsten Hauptteil schildert. Gallien entglitt der direkten kaiserlichen Kontrolle. Die neuen Herrscher waren zwar keineswegs von einer grundsätzlichen Feindschaft gegenüber Rom getrieben, sondern gestatteten den Römern, weiter nach ihren Gesetzen zu leben. Dennoch: Allenthalben wuchs ein Gefühl der Bedrohung.

Damals wurden im Umfeld eines britischen Mönches namens Pelagius Stimmen laut, die einen kompletten Verzicht auf Reichtum forderten; manch ein Vornehmer aus Rom ließ sich überzeugen. Augustinus hielt dagegen. Man dürfe nicht überstürzt allen Besitz preisgeben, vielmehr solle der Reichtum kontinuierlich der Kirche zugutekommen. Er witterte bei seinen Gegnern Selbstüberhebung, die Vorstellung, der Mensch könne sich aufgrund seines freien Willens und ohne die Gnade Gottes seiner Sündhaftigkeit entledigen, wenn er nur Verzicht leiste.

Daraus erwuchs die Lehre von der Erbsünde, die bis heute oft als bedrückend erlebt wird. Die Lektüre Browns zeigt, dass sie den Menschen von dem Druck befreien konnte, sittliche Perfektion anzustreben, da sie ihm ohnehin verwehrt sei. Augustinus rief deshalb die Reichen seiner Welt nicht zum vollkommenen Verzicht auf, sondern dazu, ihren Schatz im Himmel durch Großzügigkeit zu mehren. Und diese Großzügigkeit sollte den Armen und damit, wie es der Tradition seiner Heimat entsprach, der Kirche gelten. Kluge Theologie und praktischer Nutzen gingen Hand in Hand.

Viele Begüterte handelten, wie es Augustinus empfahl, zumal sie sich in diesen Krisenzeiten ihres Besitzes ohnehin nicht mehr sicher sein konnten und ihr Unbehagen an dieser Welt wuchs: Musste man nicht die Verheerungen durch Barbaren als Strafgericht Gottes verstehen? Die Frage stellte man sich selbst in der vergleichsweise ruhigen Provence: Inselklöster entstanden, darunter das berühmte Lérins, und Salvian von Marseille wetterte gegen den Sittenverfall.

In Italien wuchs indes über alle Krisen hinweg der Reichtum der Kirche, namentlich der römischen. An vielen Orten entstand ein neuer Typus des Bischofs, der Manager-Bischof, der beachtliche Besitztümer verwalten musste. Mit einem Ausblick auf das sechste Jahrhundert beschließt Brown sein Buch: Die Kirche etablierte sich als Patronin der Armen; es begann vieles, was als charakteristisch für die mittelalterliche Christenheit des lateinischen Westens gilt.

Brown bleibt in diesem funkelnden Werk, dessen Übersetzung sich flüssig liest, der Darstellungsweise treu, die seine Bücher so eingängig macht: Im Zentrum der meisten Kapitel steht eine einzelne Gestalt, die Brown lebendig charakterisiert. Er versucht ihre Motive zu ergründen und nimmt ihre Glaubensnöte ernst, wenngleich freundliche Ironie die Darstellung würzt. Plastisch treten die Persönlichkeiten vor den Leser, nicht zuletzt deswegen, weil Brown keine Scheu hat, zu psychologisieren - da wird ihm nicht jeder folgen.

Die Einzelnen stehen für bestimmte Lebensentwürfe in der spätantiken Gesellschaft, die über individuelle Befindlichkeiten hinausgehen: Man begegnet Symmachus, der die paganen Traditionen verteidigt, seinem Verwandten Ambrosius, der als Bischof von Mailand sogar dem Kaiser widersteht, und Paulinus von Nola, der seinen Reichtum für das Grab des heiligen Felix aufwendet, dieses auch glanzvoll beschreibt und so den Verzicht poetisch überhöht. Brown verwebt Biographien geschickt mit Sozialgeschichte, führt Wirtschaftsgeschichte und theologische Reflexion zusammen. Der Leser lernt, wie sich christlicher Glauben mit sozialer Ungleichheit arrangieren konnte, er lernt aber auch, wie unterschiedlich die Wege sein konnten, die Christen gingen, um ihren Schatz im Himmel zu haben.

HARTMUT LEPPIN.

Peter Brown: "Der Schatz im Himmel". Der Aufstieg des Christentums und der Untergang des römischen Weltreichs.

Aus dem Amerikanischen von Michael Bayer und Karin Schuler. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2017. 957 S., geb., 42,- [Euro].

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Mai 2017, Hartmut Leppin. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Neue Regeln für Adornos Nachfolger. Das Institut für Sozialforschung reformiert sich - mit freundlicher Unterstützung des Landes, wie der Direktor berichtet. Ein anderes Frankfurter Institut dient als Vorbild

Von Sascha Zoske

FRANKFURT. Manchmal hat Axel Honneth Lust auf einen Quickie. So hätten "die Alten" rasch organisierte Projekte genannt, wie sie noch möglich waren in jenen Zeiten, in denen das Beschaffen von Geld für die Wissenschaft keine Wissenschaft für sich war. "Die Alten", das waren Honneths Direktoren-Vorgänger am Frankfurter Institut für Sozialforschung - Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Ludwig von Friedeburg.

Honneth, der die berühmte Forschungsstätte seit 2001 leitet, setzt die dort entwickelten philosophischen Theorien gerne in Beziehung zu aktuellen Tendenzen der Gesellschaft - zum Beispiel dem Erstarken des Rechtspopulismus. "Ich wäre glücklich, wenn ich ein paar Leute nach Dresden zu Pegida schicken könnte." Aber das ist nicht so leicht für ein Institut, das mit einem Grundbudget von einer halben Million Euro im Jahr auskommen muss, ungefähr die gleiche Summe an Drittmitteln einwirbt und keine eigenen festangestellten Wissenschaftler beschäftigt.

Von einer Finanzierung, wie sie der geisteswissenschaftliche Exzellenzverbund "Normative Ordnungen" an der Goethe-Uni genießt, können die Sozialforscher an der Senckenberganlage auch künftig wohl nur träumen. Trotzdem sieht Honneth die Zukunft seines Instituts optimistisch. Seine eigene Zeit als Direktor geht dem Ende entgegen: Der 67 Jahre alte Professor wird den Posten im Juli nächsten Jahres aufgeben. Dass er glaubt, seinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus hinterlassen zu können, liegt auch an vielversprechenden Verhandlungen, die das Institut derzeit mit dem Land Hessen führt.

Ausgangspunkt dafür war eine wohlwollend-kritische Stellungnahme, die der Wissenschaftsrat im Oktober 2015 abgegeben hatte. Das Expertengremium, das Bund und Länder in forschungspolitischen Fragen berät, lobte einerseits die "sehr gute und in Teilen exzellente" Arbeit, die von den Adorno-Nachfolgern geleistet werde. Andererseits wurde moniert, dass immer wieder Forschungsschwerpunkte in ihrer Existenz bedroht seien. Das liege unter anderem an "eher informellen Arbeitsstrukturen" und schwankenden Drittmitteleinnahmen bei bescheidener Grundausstattung. Es sei deshalb wichtig für die Sozialforscher, sich externe Partner zu suchen.

Auf der Grundlage dieser Ermahnungen traten Land, Institut und Goethe-Uni nach Honneths Worten in "komplizierte Gespräche" ein, die von der früheren Frankfurter Bürgermeisterin Jutta Ebeling moderiert wurden. Ebeling kennt sich aus mit den Besonderheiten von Forschungsstätten, die nicht Teil der Uni, aber eng mit ihr verbunden sind: Sie ist Stiftungsratsvorsitzende des Fritz-Bauer-Instituts für Holocaust-Forschung.

Ähnlich wie dessen Beziehung zur Goethe-Uni soll auch jene zwischen der Hochschule und dem Institut für Sozialforschung gestaltet werden. Wie Honneth berichtet, will das Land eine Professur finanzieren, deren Inhaber sich zu 50 Prozent der Leitung des Instituts widmen soll. Zu welchem Fachbereich der Lehrstuhl gehören solle, stehe noch nicht fest; vermutlich werde er eher den Gesellschaftswissenschaften als der Philosophie zugeordnet. Damit würde es auch ein geordnetes Verfahren für die Besetzung der Direktorenstelle geben. Fixiert werden soll es durch einen Vertrag zwischen Uni und Institut. Den "Alten" waren solche festen Regeln suspekt; nach Honneths Worten fürchteten sie, dass dadurch die Unabhängigkeit des Instituts gefährdet werden könnte. "Mich hat Friedeburg noch durch Handschlag zum Direktor ernannt."

Auch unterhalb der Chef-Ebene soll es mehr Planungssicherheit geben. Die Mitglieder des Institutskollegiums, derzeit sieben externe Professoren und Dozenten, sollen mit Unterstützung des Landes ihr Lehrdeputat an der Uni reduzieren. So sollen sie mehr Freiraum für die Arbeit am Institut bekommen und dort Nachwuchswissenschaftler stärker fördern. Für die wiederum soll es erstmals sechs bis acht feste Stellen geben - freilich nur halbe und zudem auf ein halbes Jahr befristet. Diese Zeit sollen die Jungforscher laut Honneth nutzen, um Drittmittel einzuwerben, mit denen sie ihre Arbeit fortsetzen können.

Die Finanzierung dieser Ideen durch das Land ist nach Angaben des Direktors weitgehend gesichert. Er rechnet damit, dass die Vereinbarungen im nächsten Jahr offiziell besiegelt werden. Nach seinem Eindruck engagiert sich die von CDU und Grünen geführte Regierung "ganz außerordentlich" für die Reform des Instituts, das mit seinem kapitalismuskritischen Blick auf die Gesellschaft nicht unbedingt als staatstragend wahrgenommen wird. Honneth macht sich auch nicht den oft von linker Seite erhobenen Vorwurf zu eigen, die "Neoliberalen" schmückten sich mit Horkheimers und Adornos Glanz, ohne deren Theorien zu schätzen. Er glaube, Land und Hochschule hätten "echtes Interesse" an der Sozialforschung, genauso wie ihnen das Wohlergehen des Fritz-Bauer-Instituts am Herzen liege.

Anders als Horkheimer, der in solchen Dingen sehr autoritär gewesen sei, wolle er das Institut in seiner Arbeit nicht auf eine bestimmte Linie festlegen, beteuert Honneth. Zwei Empfehlungen allerdings will er einem Nachfolger dann doch mit auf den Weg geben. Die eine lautet, das "Alleinstellungsmerkmal" beizubehalten, welches die Frankfurter weltweit auszeichne - nämlich die Verbindung von Philosophie und empirischer Sozialwissenschaft. Der zweite Rat lautet, weiterhin interdisziplinäre Projekte zu pflegen. So wie jenes, das die Sozialforscher derzeit mit Unterstützung der VW-Stiftung verwirklichen: Es geht darin um unerwünschte Nebeneffekte von eigentlich erfreulichen Veränderungen wie etwa der Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Familie.

Auch wenn die Anbindung des Instituts an die Uni formal künftig enger sein soll - räumlich wird die Distanz zwischen den Sozialforschern und ihren Kollegen wachsen. Die Geisteswissenschaftler sind längst von Bockenheim ins Westend umgezogen. Auf dem alten Campus, wo sich einst Studenten und Professoren über das richtige Leben im falschen stritten, sieht Honneth vor seinem geistigen Auge immer mehr "Luxushäuser" emporwachsen. Innig hofft er, dass mit dem Wachsen des Kulturcampus auch neues akademisches Leben in Bockenheim erblüht. Ein Austausch etwa zwischen den Sozialforschern und der Musikhochschule fände Honneth großartig; es wäre wohl auch ganz im Sinne des Musikgelehrten Adorno gewesen.

Dessen Bücher und Noten werden wohl auch künftig an der Senckenberganlage aufbewahrt, denn ein Auszug des Instituts aus dem denkmalgeschützten Fünfziger-Jahre-Bau steht nicht zur Diskussion. Sein künftiger Direktor kann wie Honneth an Adornos Schreibtisch sitzen, und ist er traditionsbewusst, wird er auch die Schilder an den Bürotüren so lassen, wie sie sind. Zumindest was sie betrifft, ist das Institut nämlich nach gutem linken Brauch eine hierarchiefreie Zone. Hier gibt es kein "Prof." und kein "Dr." vor dem Namen, hier ist man einfach nur "Axel Honneth".

Kasten:
Geburtsstätte der Kritischen Theorie

- 1923 Der Nationalökonom Felix Weil gründet das Institut für
Sozialforschung. Es soll sich wissenschaftlich mit dem Sozialismus
und der Arbeiterbewegung befassen.

- 1930 Max Horkheimer wird Direktor. Es entstehen die Grundlagen
der späteren Kritischen Theorie, die nicht nur
Produktionsverhältnisse, sondern die gesamte Gesellschaft im Licht
der Erkenntnisse von Marx und Freud betrachtet.

- 1933 Die Nationalsozialisten schließen das Institut.

- 1950 Wiedererrichtung des Instituts als private Stiftung mit
öffentlichen Mitteln. Land und Stadt übernehmen die
Grundfinanzierung.

- 1951 Die Wissenschaftler beziehen den Neubau an der
Senckenberganlage.

- 1959 Theodor W. Adorno übernimmt die Leitung des Instituts.

- 1969 Tod Adornos.

- 1976 Ludwig von Friedeburg, zuvor hessischer Kultusminister,
kehrt an das Institut zurück und bleibt dort bis 2001 Direktor.
(zos.)


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Mai 2017, Sasche Zoske © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Innere Führung in der Hitze des Gefechts. Das neue Ideal des Kämpfers: ein ethnologischer Blick auf die Führungsdebatte in der Bundeswehr

Ein Ethnologe in Uniform ist ein ungewohntes Bild, es dürfte davon in Deutschland nur wenige, vielleicht nur einen Einzigen geben. Philipp Fritz, Doktorand am Frankfurter Exzellenzcluster Normative Ordnungen, ist Oberstleutnant der Bundeswehr, war vor zwei Jahren im KFOR-Einsatz im Kosovo und gelangte auf biographischem Weg zu seinem Forschungsfeld, das er "militärische Subkulturen" nennt.

Wenn die Streitkräfte schon für die oberste Dienstherrin ein zuweilen schwer durchschaubares Gebilde sind, dann gilt das noch mehr für die Ethnologie. Zwar bietet die Bundeswehr Sozialwissenschaftlern Einblick in ihr Innenleben, sie tut es - auch aus Sicherheitsgründen - aber nicht gern, und in der Praxis stehen Militär-Ethnologen vor weiteren Hindernissen. Fritz erzählt die Anekdote von einem missglückten Feldversuch, die, mag sie wahr sein oder nicht, zumindest gut erfunden ist: Ethnologen wurden im Rahmen dieses Experiments mit Uniformen höheren Dienstgrads ausgestattet. Als sie den jungen Rekruten nun ihre Fragen stellten, ernteten sie nur ehrfürchtige Blicke auf ihre Schulterklappe.

Aber auch als teilnehmende Beobachter in Zivil hätten sie es vermutlich nicht leicht gehabt. Denn innerhalb der Truppe, berichtet Fritz aus eigener Erfahrung, herrschen durchaus eigentümliche Gewohnheiten, ein ausgeprägtes Hierarchiedenken und die ständige Furcht vor Sanktionen. Dazu kommt, wie der Skandal um Franco A. zeigte, eine mit Händen zu greifende Orientierungslosigkeit, die über die Novellierung des Traditionserlasses jetzt schnell behoben werden soll. Der heute gültige Erlass wurde 1982 verabschiedet und verpflichtet die Bundeswehr auf das Grundgesetz und Werte wie Tapferkeit, Treue und Wahrhaftigkeit. Der Soldat soll idealerweise kein Dienstleister an der Waffe sein, sondern ein reflektierter politischer Bürger, der sein Gewissen im Zweifelsfall über den Gehorsam stellt. Ein wichtiger Punkt ist die Traditionspflege, die das ethisch korrekte Verhalten stabilisiert.

Nach dem Bruch des Nationalsozialismus gibt es aber nur wenige traditionsstiftende Symbole wie das Eiserne Kreuz oder den Großen Zapfenstreich. Gleichzeitig fehlt es an greifbaren historischen Bezügen. Für das Ideal des Staatsbürgers in Uniform führt der Erlass die preußische Heeresreform von 1807-1813 an. Der Widerstand vom 20. Juli, der zweite Bezugspunkt, soll die Soldaten daran erinnern, den Dienst nicht in blindem Gehorsam zu leisten. Beide Daten liegen weit zurück und erlauben - die Umstände waren damals anders - keine bruchlose Identifikation. Und der dritte Bezug des Erlasses, die an symbolischen Ereignissen arme Geschichte der Bundeswehr, fällt für die Traditionsbildung bislang mehr oder weniger aus. Viele Bundeswehrsoldaten, meint Fritz, hätten daher ein positiveres, auf militärische Tugenden verkürztes Bild der Wehrmacht als vom Erlass gewollt. Dieser fordert ein kritisches Bekenntnis zur deutschen Geschichte, sage den Soldaten aber nicht konkret, was erlaubt und verboten ist.

Ähnlich ist es mit der Inneren Führung, die 1955 von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren im Geist der jungen Demokratie verfasst und 2008 zum letzten Mal novelliert wurde. Am wenigsten ist diesem Ethikkodex mangelndes Demokratieverständnis vorzuwerfen. Problematisch ist vielmehr der Kontrast zwischen der politisch sensiblen, ja behutsamen Sprache und der von Fritz geschilderten militärischen Realität. Das Ideal des mündigen Bürgers in Uniform und seines stets achtsamen und reflektierten Vorgesetzten, so Fritz, bricht sich hart an der Wirklichkeit in den Kasernen, wo Fehler aus Angst vor Disziplinierung und Karriere-Rückschritten lieber vertuscht als im freien Austausch der Argumente diskutiert werden. Zweitens formuliert der Kodex keine Regeln für die neuen Kampfsituationen, sondern geht davon aus, dass anspruchsvolle ethische Prämissen auch in Gefahr durch internalisierte Reflexe abgerufen werden. Das setzt einen intellektuellen Transfer voraus, der am einfachen Soldaten und der Gefechtswirklichkeit vorbeigeht. Lässt sich noch herleiten und diskutieren, wenn die Gefahr in Sichtweite ist?

Die Kluft zwischen Anspruch und Realität provoziert nach Fritz eine schleichende Indifferenz, ja Ignoranz in Teilen der Truppe. Nach der Streitkräfte-Befragung von 2013 hatte nur ein Bruchteil der unteren Dienstgrade überhaupt einen näheren Begriff der Inneren Führung, in den oberen Dienstgraden sah es etwas besser aus, aber nicht gut. Über die Bedeutung der politischen Bildung wird zwar viel geredet. Die dafür reservierte monatliche Dreiviertelstunde, meist lustloser Frontalunterricht, wird nach der Erfahrung von Fritz aber eher zum Abbau von Schlafdefiziten benutzt oder sie fällt "dringlichen Tätigkeiten" zum Opfer, die es anscheinend auch wirklich gibt. Fritz korrigiert das Bild von einer träge vor sich hinübenden Armee: Die Hälfte der Soldaten war inzwischen im Auslandseinsatz und sei auch in der Heimatkaserne mit logistischer Rückendeckung in der auf 41 Stunden verkürzten Dienstzeit gut beschäftigt.

Der Konflikt zwischen Reformern und Traditionalisten, die Bundeswehrsoldaten für verweichlicht halten, hat selbst eine lange Geschichte und bekommt durch die Auslandseinsätze eine neue Schärfe. Die Kontroverse über die Innere Führung artikuliert jetzt ein allgemeines Problem, das die Gesellschaft mit den Soldaten hat - und diese mit ihr. Teile der Truppe sehen Werte wie Treue, Kameradschaft und Wahrhaftigkeit, auch die Bereitschaft zum Töten und Getötet-Werden, von der Gesellschaft geringgeschätzt, ja mit Füßen getreten. Diese Gesellschaft ist für sie selbst nur ein Sinnbild von Unordnung und Zerfall. Wie erbittert dieser Gegensatz ist, zeigte vor zwei Jahren ein Sammelband von Soldaten der Hamburger Bundeswehr-Universität (F.A.Z. vom 25. Februar 2015).

Von der Politik vermissen die Soldaten klare Weisungen und eine gewisse Härte in zugespitzten Situationen. Über die Auslandseinsätze wird das nach der Einschätzung von Fritz gefährlich: Hier dringe das unpolitische Ideal des Kämpfers in das ideelle Vakuum. Der einsatzerprobte Soldat bediene die gesteigerte Sehnsucht nach Vorbildern für die existentielle Situation des Kampfes, der die Soldaten heute zumindest der Möglichkeit nach ausgesetzt sind. Das Bild des neuen Helden, der meist aus unteren, politisch vergleichsweise wenig gebildeten Dienstgraden kommt, sei mit der Abwendung von der Politik verbunden, von der sich die Soldaten im Auslandseinsatz ohnehin eher behindert fühlten.

Wenn Europa, wie die Kanzlerin meint, sein Schicksal ein Stück weit selbst in die Hand nehmen muss, dann muss auch die Innere Führung den Soldaten erklären, was das im Extremfall heißen kann. Zurecht fordert Fritz, sie müsse einfacher und konkreter werden - und dürfe die Härten des Auslandseinsatzes nicht übergehen, für die sie bisher keine Worte hat.

THOMAS THIEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juni 2017, Thomas Thiel © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Dschihadisten als Elitetruppe des Islams. Eine klare Ablehnung dieser Position durch islamische Verbände in Deutschland fehlt / Von Susanne Schröter

Die letzten Anschläge in Spanien, England, Frankreich, Belgien, Deutschland und Finnland zeigen in aller Deutlichkeit, dass die militärische Niederlage des IS keinesfalls ein Ende der islamistischen Gewalt bedeutet. Vielmehr scheint es, als ob der berüchtigte "Aufruf zum weltweiten islamischen Widerstand", den der dschihadistische Stratege Abu Musab al-Suri im Jahr 2005 veröffentlichte, mit einiger Verspätung in die Tat umgesetzt wird. Durch eine Intensivierung des Terrors sollten, so Suri, bestehende Gesellschaften destabilisiert und die muslimische Jugend zum Aufstand motiviert werden. Der erste Teil des Programms gelingt unübersehbar. Die Zahl der Anschläge erhöht sich sprunghaft - allein in Deutschland gab es im Jahr 2016 fast so viele durchgeführte und vereitelte Anschläge wie in den fünfzehn Jahren zuvor.

Der anvisierte Bürgerkrieg bleibt zwar in Europa aus, doch in Regionen, deren staatliche Strukturen fragil sind, gelingt es Dschihadisten, die Macht an sich zu reißen. Dabei geht es nicht nur um die notorischen Beispiele Syrien, Irak oder Libyen, sondern auch um Teile des nördlichen Afrikas, begrenzt von Kamerun im Westen und Kenia im Osten. Es geht auch um Zentral-, West- und Südostasien, darunter die Philippinen, wo sich Dschihadisten nicht nur in der Inselwelt des Sulu-Archipels wie Fische im Wasser bewegen, sondern jüngst sogar die Stadt Marawi überrannten und dem Militär wochenlang standhalten konnten.

Dschihadismus ist eine globale Bewegung mit regionalen Brennpunkten und einer ungebrochenen Attraktivität für Jugendliche. Dschihad gilt als cool. Es gibt T-Shirts, Kappen und Buttons mit den wichtigsten Slogans; es gibt Kämpfer, die wie Popstars gefeiert werden, eine eigene Mode, Musik, Sprache. Dschihadistische Symbolik hat hohen Wiedererkennungswert. Die Medienspezialisten des Dschihad sorgen dafür, dass Botschaften, wie die von Suri, gleichermaßen im syrischen Raqqa und in Frankfurt, in Maiduguri und Pattani abgerufen werden können, oft übersetzt in die entsprechenden Landessprachen.

Man mag nachvollziehen, dass für junge Muslime ein gewisser Reiz darin liegen kann, einer weltumspannenden Bewegung anzugehören, die als Totalopposition zur Realität aller bestehenden Gesellschaften daherkommt und sich für die Elitetruppe des Islams hält. Eine ähnliche Hybris kennen wir auch von säkularen sozialen Bewegungen. Reicht das schon aus, um ein Phänomen zu verstehen, das uns permanent herausfordert?

In Deutschland bemüht man gern die Pädagogik, die Sozialpsychologie oder die Soziologie, um zu erklären, was vor allem junge Menschen in den Dschihad treibt. Schulversagen, mangelnde Berufsperspektiven, Diskriminierungserfahrungen, fehlende Väter oder familiäre Krisen werden zitiert und die Verantwortung dafür tendenziell der Gesellschaft zurückgespielt. Tatsächlich haben viele europäische Dschihadisten prekäre Lebensläufe, doch es gibt auch solche, bei denen eigentlich alles im Lot war. Es gibt Gymnasiasten, Hochschulabsolventen und Jugendliche, die von ihren verzweifelten Eltern gesucht werden. Außerhalb Europas ist dies noch verstörender. Hier finden wir häufig junge Leute mit guter Bildung aus intakten sozialen Verhältnissen. Was reizt sie am Dschihad?

Befragen wir die Dschihadisten selbst. Wie rechtfertigen sie die Gewalt? Wenn man die Posts, die Videoansprachen und die Schlachtgesänge analysiert, fällt auf, dass die Motive recht klar sind. Genau genommen lassen sie sich in vier miteinander verbundene Narrative gliedern. Eine dieser Erzählungen stellt den Dschihad als Selbstverteidigung dar. Muslime seien überall durch den Westen unterdrückt, so die Erzählung, die mit dramatischen Bildern im Internet illustriert wird, sie würden entrechtet, vergewaltigt und abgeschlachtet. Männer mit Ehre im Leib seien daher aufgefordert, dem Unrecht ein Ende zu bereiten. Die zweite Erzählung spannt die erste in einen größeren theologischen Rahmen: die Trennung der Welt in ein "Haus des Islams" und ein "Haus des Krieges" - mit Letzterem ist die nichtmuslimische Welt gemeint. Zwischen beiden Häusern herrsche naturgemäß der Krieg, heißt es, wenngleich es Formen des Vertrages gebe, die diesen einhegen könnten.

Die Vorstellung eines fundamentalen und nicht überbrückbaren Gegensatzes zwischen Muslimen und anderen Menschen bleibt jedoch auch beim Vertrag bestehen, untermauert von Meidungsgeboten gegenüber Christen und Juden, die im Koran niedergelegt sind. Die dritte Erzählung betrifft die eschatologische Prophezeiung einer Endzeitschlacht zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, nach deren Ende ein weltumspannendes islamistisches Reich errichtet werden soll. Kämpfer mit schwarzen Bannern aus Khorasan, einem Gebiet, das mehrere Regionen Zentralasiens umfasst, sollen diese apokalyptische Wende ankündigen. Aus den drei genannten Narrativen ergibt sich eine vierte, nämlich die Pflicht zum Dschihad - einerseits, um islamisches Territorium zu verteidigen und Angriffe auf den Islam oder die Muslime zu rächen, andererseits, um zu expandieren und den göttlichen Auftrag eines islamischen Reiches zu erfüllen.

Selbstredend gibt es zu diesem Thema sowohl in der islamischen Theologie als auch in der muslimischen Alltagskultur unterschiedliche Auffassungen, doch unbestreitbar ist, dass der Dschihad bereits in der Frühzeit des Islams konstitutiv für die muslimische Gemeinschaft war und sich dazu sowohl Koranverse als auch Texte aus den prophetischen Überlieferungen finden lassen. Auf solche Quellen berufen sich dschihadistische Theoretiker des 20. Jahrhunderts wie Hassan al-Banna, Gründer der Muslimbruderschaft, der den Dschihad als probates Mittel zur Etablierung einer islamischen Ordnung stilisierte, die ägyptischen Dschihadisten Sayyid Qutb und Abd al-Salam Faraj und der jementisch-amerikanische Prediger Anwar al-Awlaqi. Popularisiert werden sie zurzeit in den Hochglanzbroschüren des IS, dessen jüngstes Erzeugnis "Rumiyah", übersetzt "Rom", heißt und das Fernziel, die Eroberung Europas, gleichsam im Namen trägt.

Angesichts dieser Befunde ist es beunruhigend, dass deutsche muslimische Verbände mit stoischer Unbeirrbarkeit tönen, der islamistische Terror habe nichts mit dem Islam zu tun; Islam sei Frieden. Nur gequält von der als penetrant empfundenen Mehrheitsgesellschaft nötigen sie sich überhaupt eine distanzierende Stellungnahme zu Anschlägen ab. Zu eigenen Aktionen mag man sich schon gar nicht aufraffen, lehnt diese sogar vehement ab, wie die Reaktion auf den Vorstoß Lamya Kaddors im Juni 2017 zeigte. Allerdings empfehlen sich islamische Vereine neuerdings für Präventionsmaßnahmen und bewerben sich erfolgreich um Fördermittel. Dass die Politik dabei mitunter den Bock zum Gärtner macht, wurde bereits beim Skandal um den "Deutsch-Islamischen Vereinsverband Rhein-Main" deutlich. Der beherbergt unter seinem Dach Organisationen, denen eine bedenkliche Nähe zur Muslimbruderschaft vorgeworfen wurde. Andere lassen klare Grenzen zum Salafismus und Dschihadismus vermissen.

Problematisches ist auch der Ditib, dem größten muslimischen Verband, vorzuwerfen. Wiederholt war auf lokalen Ditib-Homepages juden- und christenfeindliche und antiwestliche Hetze zu lesen. Die Ditib duldete in Wolfsburg und Dinslaken nachgewiesene Verbindungen in die salafistische Szene und pries zuweilen in Predigten das Märtyrertum. Ihre Jugendgruppe stellte in diesem Jahr bei einer Mekka-Reise ein stolzes Selfie mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel ins Netz.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland, medienwirksam vertreten durch den jovialen Aiman Mazyek, muss sich ebenfalls fragen lassen, ob er ein geeigneter Partner für die Radikalisierungsprävention ist. Sein mitgliederstärkster Einzelverband, die "Islamische Gemeinschaft in Deutschland", gilt nach Auskunft des Verfassungsschutzes als wichtigste Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft, ein anderer sieht sich in der Tradition türkischer Ultranationalisten, und ein dritter fungiert als Sprachrohr der Islamischen Republik Iran. Dass aus diesen Kreisen keine überzeugenden Auftritte gegen den Dschihadismus kommen, liegt auf der Hand.

Wenn muslimische Vereine Kooperationspartner des Staates sein wollen, müssen sie sich zu den Texten, die den Dschihad legitimieren, positionieren. Man darf erwarten, dass sie begründet abgelehnt werden. Das zeigen Gelehrte wie Mouhanad Khorchide, der einen hermeneutischen Zugang zu den Quellen des Islams vorschlägt und den Islam überzeugend als Religion der Barmherzigkeit darstellt. Für diese Vordenkerarbeit, das wirkungsvollste Mittel gegen Islamfeindlichkeit, hat der Professor aus Münster von seinen organisierten Glaubensgeschwistern wenig Anerkennung erhalten. Verbandsvertreter lehnten seine Ideen bislang entrüstet ab und haben in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, ihn zu diskreditieren und aus dem Amt zu treiben.

Progressive Muslime wie Saida Keller-Messahli, Elham Manea, Abdel-Hakim Ourghi, Ahmad Mansour und jüngst auch Kyai Haji Yahya Cholil Staquf, Generalsekretär der Nadhlatul Ulama, der größten muslimischen Vereinigung Indonesiens (F.A.Z. vom 19. August), fordern seit langem eine Auseinandersetzung mit gewaltlegitimierendem Gedankengut innerhalb der muslimischen Gemeinschaften. Die Tatsache, dass fast alle Attentäter einen klaren Moscheebezug hatten und ihre Ideologie des Hasses nicht nur heimlich aus dem Internet bezogen, macht diese Forderung umso dringlicher.

Die Autorin leitet das Forschungszentrum "Globaler Islam" an der Goethe-Universität Frankfurt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. August 2017, Susanne Schröter © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Wie man mit Gewinn den Schwiegersohn verspeist. Der Brasilianer Eduardo Viveiros de Castro hat in der Anthropologie Maßstäbe gesetzt - jetzt kann man ihn endlich auf Deutsch lesen

Der Strukturalismus in der Ethnologie ist gelegentlich als das Einzelunternehmen von Claude Lévi-Strauss bezeichnet worden. So groß die Beachtung auch war, die sein Ansatz in den Nachbarwissenschaften fand, zu einer Schulbildung habe er nicht geführt. Das ist allerdings nur zum Teil richtig. In Frankreich hat Lévi-Strauss in Maurice Godelier, Françoise Héritier und Philippe Descola Nachfolger gefunden, die zwar ihre eigenen Theorien entwickelten und zu ihm zum Teil in kritischer Distanz standen, aber den Einfluss nie leugnen würden, den er auf sie ausgeübt hat.

Als legitimster Erbe von Lévi-Strauss muss aber wohl der brasilianische Kulturanthropologe Eduardo Viveiros de Castro angesehen werden. Sein Beitrag zum Fach, durch den er die jüngste "ontologische" Wende in der Anthropologie mit ausgelöst hat, ist ohne das Vorbild des Meisters nicht denkbar. Dass er in Deutschland bisher kaum bekannt ist, liegt an der Sprachbarriere. Seit drei Jahren liegen immerhin neben einigen kleineren Schriften seine "Kannibalischen Metaphysiken" auf Englisch vor. Die vom Merve Verlag seit längerem angekündigte deutsche Übersetzung des Buches steht leider immer noch aus, wird aber hoffentlich gegen Ende des Jahres vorliegen; dann wird das Frankfurter Weltkulturen Museum Viveiros de Casro eine Ausstellung widmen. Der Wiener Turia+Kant Verlag ist ihr nun mit der deutschen Ausgabe eines stattlichen Bandes zuvorgekommen, der neun Essays des vielbeachteten Ethnologen enthält.

Die Orientierung an Claude Lévi-Strauss' berühmter Aufsatzsammlung "Strukturale Anthropologie", dem Manifest des ethnologischen Strukturalismus, ist unverkennbar: Abhandlungen zur Verwandtschaftsethnologie, zur Mythologie, zum Schamanismus und zum Gabentausch, dazwischen eingesprengt gelungene philosophische Aperçus, allein der Bezug zur Linguistik fehlt.

Den Auftakt bildet ein früher Aufsatz zur Kosmologie der Yawalapíti, einer indigenen Gesellschaft des brasilianischen Mato-Grosso-Gebiets, bei der der Autor vor mehr als vierzig Jahren seinen ersten Feldforschungsaufenthalt verbrachte. Es folgt eine Auseinandersetzung mit Lévi-Strauss' Theorie der matrimonialen Allianz, in deren Mittelpunkt die Figur des "Affinen" steht: des in eine exogame Gruppe eingeheirateten Schwagers. Schon in diesen frühen Aufsätzen klingen die Themen an, denen der Autor sich später noch intensiver widmen sollte. Fast alle indigenen Gesellschaften Amazoniens unterscheiden zwischen essbaren und nicht essbaren Tieren, zwischen den Beutetieren, auf die sie Jagd machen, und den Raubtieren, die wiederum auf sie selbst Jagd machen. Zu die letzteren zählt vor allem der Jaguar, doch fallen in diese Kategorie auch die Geister. Zu dieser wechselseitigen Feindschaft ist es nach den indigenen Überlieferungen erst gekommen, nachdem die menschlichen und die nichtmenschlichen Wesen, die in Urzeiten noch friedlich miteinander lebten, sich voneinander getrennt hatten.

Seither gilt, dass Affen und andere Tierarten das Jagdwild der Menschen, die Menschen aber das Jagdwild der Jaguare sind. Ihrem innersten Wesen nach sind die Jaguare aber gar nicht so verschieden von den Menschen. Denn sie handeln nicht nur wie Menschen, sondern nehmen sich selbst auch als solche wahr. Sie wohnen in ihren eigenen Dörfern, pflegen Verwandtschaftsbeziehungen, beraten sich gemeinsam und beziehen ihre Nahrung aus dem Busch. Für die Beutetiere gilt Gleiches, auch sie glauben in den Augen der Yawalapíti von sich selbst, Menschen zu sein.

Den nach allen Regeln der strukturalistischen Beziehungsaxiomatik formulierten Satz, dass sich die Jaguare zu den Menschen wie die Menschen zu den Affen verhielten, wählt Viveiros de Castro als Ausgangspunkt seiner Theorie des indianischen Perspektivismus. Sie besagt, dass das Weltbild der Bewohner des Amazonasbeckens auf anderen Prämissen aufbaut als das unsere. In ihm findet gewissermaßen eine Verkehrung des Subjekt-Objekt-Verhältnisses statt. Während das europäische Denken die Natur als das objektiv Vorgegebene nimmt, betrachten die Amazonasindianer als das Unwandelbare und Substantielle den Geist: Er bedient sich der stets wandelbaren Natur, um die unterschiedlichsten äußeren Gestalten anzunehmen.

Die Welt der Amazonasindianer ist daher voll von Transformationen. Wie die Menschen sind auch die Tiere Personen, deren äußere Form lediglich Hülle oder Kleid ist, unter dem sich das gemeinsame menschlich-geistige Wesen verbirgt. Geht der westliche Naturalismus davon aus, dass am Anfang der Evolution das Tier stand, aus dem sich allmählich der Mensch entwickelte, so sehen die Erzählungen amazonischer Völker diesen Prozess ganz anders: die "Menschlichkeit" erscheint ihnen als die Substanz, aus der alle Arten von Tieren, Pflanzen und selbst Dinge in der Vielfalt ihrer Formen hervorgingen.

So fremd, wie diese Weltsicht uns zunächst erscheinen mag, ist sie indes gar nicht. Denn auch aus unseren Märchen und Fabeln kennen wir die sprechenden Tiere, die sich wie die Menschen verhalten. Der Wolf, der die Großmutter verschlingt und ihre Kleider anlegt, um das kleine Mädchen in die Falle zu locken, dann aber selbst dem Jäger zum Opfer fällt, könnte auch aus der Mythologie der Amazonasindianer stammen. Predatorische oder Raubtierbeziehungen wie diese spielen in ihrer Welt eine zentrale Rolle. Sie bestimmen nicht nur das Verhältnis der Menschen zu ihren Beutetieren, sondern auch das der menschlichen Gruppen untereinander. Viveiros de Castro verhandelt diese Beziehungen unter der Kategorie des Kannibalismus. In seinen Überlegungen zur Ontologie der Amazonasindianer nehmen sie einen prominenten Platz ein.

Ausgangspunkt sind in diesem Fall nicht die Selbstzeugnisse indigener Brasilianer, sondern die Greuelgeschichten, die seit dem sechzehnten Jahrhundert über den Brauch der Menschenfresserei nach Europa gelangten. Als besonders merkwürdig beschreibt einer von ihnen den Brauch der Tupinamba, ihre Opfer vor der Hinrichtung viele Monate festlich zu bewirten und sogar mit Frauen aus ihrer eigenen Gruppe zu verheiraten. In dieser Zeit käme es zu heftigen Rededuellen mit ihren Feinden, die sich ihrerseits rühmten, wie viele ihrer Gegner sie ihrerseits bereits gefressen hätten.

Viveiros de Castro nimmt diese und andere Stellen zum Anlass, eine kühne Theorie der Alterität zu entwickeln. Der Feind, so meint er, sei zugleich auch immer der potentielle Affine. Da man glaube, dass das Blut durch zu nahe Heiraten "beschmutzt" werde, sei er der ideale Ehepartner für die eigenen Schwestern und Töchter. Indem die Gruppe sich ihn in einem doppelten Sinn einverleibe, als Schwager und als Opfer im gemeinsamen Mahl, erkenne sie ihn sowohl in seiner Differenz als auch in seiner Ähnlichkeit an. Auf diese Weise werde er zum "eingeschlossenen Dritten", der zwischen den Gruppen vermittelt. Der Kannibalismus diene letztlich der "Selbstbestimmung durch den Anderen".

Damit nicht genug, sieht Viveiros de Castro hinter dem "kannibalischen Axiom" noch weit mehr am Spiel, nämlich eine originäre indigene Seinslehre. Als ein Prozess ohne Ende sei die menschenfresserische Rache eine "Maschine", die die Zeit nicht vernichte, sondern sie überhaupt erst hervorbringe und durch stete Wiederholung eine Verbindung zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft stifte.

Ist das nun tief und gar auf den Spuren Heideggers gedacht, oder wollte Viveiro de Castro mit seiner kannibalischen Metaphysik seine Leser auf den Arm nehmen? Der Marburger Ethnologe Mark Münzel hat jüngst in einer kritischen Auseinandersetzung mit Viveiros' Werk auf den selbstironischen Umgang brasilianischer Intellektueller mit dem Thema Kannibalismus hingewiesen. Einer von Münzels brasilianischen Kollegen weiß zu berichten, dass er bei der ersten Kontaktaufnahme von einem Dorfhäuptling mit den Worten empfangen wurde: "Ich bin der Allerwildeste von all meinen Kriegern. Ich werde dich auffressen." Woraufhin der Ethnologe geantwortet haben will: "Ich bin noch wilder! Ich fresse alles!" Dass es auch Zweifel an der realen Existenz des brasilianischen Kannibalismus gibt, erwähnt Viveiros de Castro nirgends, vielleicht mit gutem Grund.

Wie dem auch sei: In allem folgen mag man ihm zwar nicht, aber anregend sind seine Überlegungen allemal. Vor allem die Ausführungen zum indianischen Perspektivismus zeigen, dass das Zusammenspiel von Ethnologie und Philosophie noch Potential hat. Wohltuend heben sie sich vom Glück in den Furchen der Feldarbeit ab, dem zurzeit allzu viele Ethnologen huldigen. Mehr Mut zu universalen Aussagen wäre dem Fach zu wünschen, auch auf die Gefahr hin, dabei bisweilen über das Ziel hinauszuschießen.

KARL-HEINZ KOHL.

Eduardo Viveiros de Castro: "Die Unbeständigkeit der wilden Seele".

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Oliver Precht. Verlag Turia + Kant, Wien/Berlin 2017. 458 S., br., 42,- [Euro].

Eduardo Viveiros de Castro: "Cannibal Metaphysics". Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Peter Skafish. Univocal/University of Minnesota Press, Minneapolis 2014. 230 S., br., 27,- [Euro].

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Augusti 2017, Karl-Heinz Kohl © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Schönheit ist ein sehr robuster Begriff. Selbst die Hutschachtel bietet Erkenntnisse: Martin Seel denkt über das Kino nach und warnt davor, Hollywood zu unterschätzen

Hollywood ignorieren - stünde dahinter ein Ausrufezeichen, wäre es ein Schlachtruf. Doch den Titel des jüngsten Buchs des Frankfurter Philosophen Martin Seel schließt kein Satzzeichen ab, und "Hollywood" steht in Anführung. Was hat das zu bedeuten?

Eine Philosophie des Kinos, wie sie Seel bereits in den "Künsten des Kinos" (F.A.Z. vom 5. Oktober 2013) betrieben hat, die dieser Band sowohl in Erinnerung ruft als auch ergänzt, bezieht sich auf das ästhetische Potential des Spielfilms. Da ein Großteil der Filme, über die innerhalb der Filmwissenschaft und übergreifend auch in der Philosophie idealerweise in einer Kombination von begrifflicher Analyse und detailgenauer Phänomenologie nachgedacht wurde und wird, aus Hollywood und dort vor allem aus der klassischen Periode des Studiofilms kommen, habe sich, so Seel, das Missverständnis festgesetzt, "Hollywood" bezeichne sozusagen den Regelfall des Kinos.

"Hollywood" sei der Standard, von dem alle anderen Formen - etwa das Kino der Autoren - Abweichungen darstellten. Gegen diese Fixierung auf "Hollywood" und die Autoren, die sie fortschreiben (die lange Liste wird von Stanley Cavell angeführt), richtet sich Seels Argumentation: "Eine theoretische Privilegierung oder Sonderbehandlung des Hollywoodfilms trübt den Blick für seine ästhetische Position. Denn man unterschätzt seine Stärken, wenn man seine Rolle methodisch überschätzt."

Die Fragen, um die es im Buch auch geht, lösen sich allerdings von dieser Vorgabe und behandeln - in vorbildlicher Komplexität der Beobachtung von Bild, Ton und ihrer gemeinsamen Inszenierung - vor allem amerikanische Filme, darunter zwei Western von John Ford, dem Inbegriff also von "Hollywood" und seiner klassischen Periode. Schade, dass Seel seinen "Selbstversuch" hier nicht fortführt. Dennoch gehören die umfangreichen Analysen von "The Searchers" und "The Man Who Shot Liberty Valance" zu den besten des Buchs.

Offenbar kennt Seel beide Filme auswendig und kann so sein Augenmerk etwa auf eine Hutschachtel richten, der eine dramaturgisch entscheidende Rolle zukommt und die Seel als Beweis dafür anführt, dass in "The Man Who Shot Liberty Valance" die Kräfte des Begehrens, nicht etwa die der Politik verhandelt werden.

Bei diesen beiden starken Kapiteln handelt es sich um Nachdrucke anderswo bereits publizierter Arbeiten, wie überhaupt das ganze Buch mit Ausnahme von zwei Kapiteln eine Zusammenstellung von Texten ist, die in den vergangenen Jahren anderweitig bereits erschienen sind. Daran mag es liegen, dass Seel auf die Frage, die der Buchtitel zu stellen scheint, nach den ersten Seiten nicht zurückkommt. Dafür spürt er anderen Fragen nach. Zum Beispiel dieser: Gibt es das, einen gerechten Kriegsfilm?

Schon beim Sprechen über den "gerechten Krieg" gehen die Kriterien, wann er denn gerecht zu nennen wäre - Vermeidung von Schlimmerem, Befreiung Unterdrückter und solcherlei mehr -, im eigentlichen Kriegsgeschehen schnell unter. Was also könnte ein "gerechter Kriegsfilm" sein? Einer, der vor Schlimmerem warnt? Einer, der einer gerechten Sache dienlich ist? Einer, der vor allem die Seite der gerechten Partei im Auge hat?

Martin Seel gibt eine ganz andere Antwort. Eine Antwort, die wiederum eine Frage ist: Kann ein Film, ein Spielfilm zumal, dem Krieg gerecht werden? Wobei "gerecht" in diesem Fall eine ästhetische, keine politisch-moralische Kategorie ist. Gibt es das also, den Film, der den Grausamkeiten eines Kriegs mit den Mitteln der Kunst gerecht wird? Und hat Schönheit etwas damit zu tun? Sind Schönheit und Gerechtigkeit kompatibel, und ist es möglicherweise sogar die Schönheit der gelungenen Form, die einer Sache, und sei es der Krieg, Gerechtigkeit widerfahren lässt?

Seel sagt zu alldem beherzt: ja. Sein Beispiel, anhand dessen er diese Fragen erkundet, ist "Apocalypse Now" von Francis Ford Coppola, der haltbarste Film über den Vietnam-Krieg aus dem Jahr 1979 (beziehungsweise 2001, als die längere "Redux"-Version herauskam), einen der ungerechtesten Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts. Seel geht es in seiner Betrachtung darum, zu widerlegen, was immer wieder über Kriegsfilme gesagt wird: Sie könnten sich der Logik des Kriegs, der Innenperspektive seiner Akteure und damit der ästhetischen Affirmation des Gezeigten nicht entziehen. Angesichts der Ungeheuerlichkeit jedes Kriegsgeschehens, das im Film nachgestellt werde, sei der Zuschauer hilflos einer Überwältigungsästhetik ausgesetzt. Und weil die Kamera stets die Perspektive der Kämpfenden einnehme, würden diese notwendig zu den Helden der Erzählung.

Dagegen bringt Seel seine minutiösen Beobachtungen in Stellung. So belegt er etwa anhand der Musik - Trompetenfanfaren wie im Western, Wagners Walkürenritt, Synthesizerklänge - für die berühmte Sequenz "I love the smell of Napalm in the morning" am Strand, wie "der Krieg im Modus einer permanenten Ablenkung von der Realität seines Vollzugs" geführt werde, indem die Perspektive der Akteure durch "das klangbildliche Arrangement zugleich eröffnet und versperrt, ausgestaltet und vorgeführt, realisiert und suspendiert" werde.

Das "Apocalypse Now"-Kapitel ist einer der beiden Originalbeiträge in diesem Band. Der zweite behandelt Godards "Prénom Carmen", einen Film, der sich weder auf Bizets Oper noch auf ein klassisches Erzählen überhaupt einlässt, sondern seine Versatzstücke aus allen Bindungen an ihre ursprünglichen Kontexte löst - was natürlich der beste Beweis dafür ist, dass sich vom Kino sprechen lässt, auch wenn man (vorübergehend) von "Hollywood" schweigt.

Martin Seel: ",Hollywood' ignorieren". Vom Kino.

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2017.

288 S., geb., 24,- [Euro].

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Oktober Augusti 2017, Verena Lueken © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.


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