Wie viel Geldgier gehört zum Kapitalismus? Frankfurter Stadtgespräch des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 25. September 2014 im Historischen Museum

Pressemitteilung

19. September 2014

FRANKFURT AM MAIN. Um den Kapitalismus zu erklären oder zu rechtfertigen, wird auf der einen Seite häufig eine Rationalität und Sachlichkeit wirtschaftlichen Handelns unterstellt. Auf der anderen Seite ist in öffentlichen Diskussionen gerade der jüngeren Zeit von einer schädlichen oder schändlichen „Gier“ die Rede und von einem notwendigen „Vertrauen“, das den Märkten entgegengebracht werden müsse. Sichtweisen dieser Art scheinen auf eine zentrale Rolle nicht-rationaler Motive hinzudeuten. Die Frage, welche Bedeutung Emotionen in unserer Wirtschaftsordnung haben, steht im Mittelpunkt des 16. Frankfurter Stadtgesprächs des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ zum

Thema: „Der Gefühlshaushalt des Kapitalismus – Geldgier als Strukturprinzip?“
am: Donnerstag, dem 25. September 2014, um 19.00 Uhr.
Ort: Historisches Museum, Fahrtor 2 (Römerberg), 60311 Frankfurt.

Auch bei der jüngsten Auflage des Stadtgesprächs ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich willkommen. Als Gast des Exzellenzclusters nimmt die Historikerin Ute Frevert an der Podiumsdiskussion teil. Sie ist Emotionsforscherin und Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin. Ihr Gesprächspartner von Seiten des Clusters, Sighard Neckel, lehrt Soziologie an der Goethe-Universität. Die Moderation hat Rebecca Caroline Schmidt, Juristin und Geschäftsführerin des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes der Goethe-Universität. Kooperationspartner der Veranstaltung ist das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.

Von Interesse für das Podiumsgespräch ist in Zeiten zunehmender Burnouts auch die Frage, wie die Gefühlswelt der Menschen durch den Kapitalismus geformt wird. Setzt die vermeintliche Rationalität des Kapitalismus nicht notwendig emotionale Antriebe wie Geldgier voraus? Und auf welche Weise verändert der Kapitalismus den Gefühlshauhalt des modernen Menschen? Die Diskutanten haben sich auch weit über ihre Fachgebiete hinaus mit der Erforschung dieser und ähnlicher Fragestellungen einen Namen gemacht.

Die Historikerin Ute Frevert leitet am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung einen Forschungsbereich zur „Geschichte der Gefühle“. Einer ihrer Schwerpunkte betrifft die Frage nach der Geschichte und Geschichtsmächtigkeit von Emotionen: Werden Gefühle kulturell geformt? Und: Machen Gefühle Geschichte? Dabei publizierte sie auch zum Thema Gefühle und Kapitalismus. Ute Frevert ist Trägerin des Leibniz-Preises und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Im vergangenen Jahr erschien ihr vielbeachtetes Buch „Vertrauensfragen: Eine Obsession der Moderne“.

Der Soziologe Sighard Neckel beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Folgen des Finanzmarktkapitalismus und der globalen Ökonomie. Einer seiner weiteren Forschungsschwerpunkte ist die Emotionssoziologie. Hier hat er Studien zu den Gefühlen der Scham, der Wut, des Neides und der Gier vorgelegt sowie sich mit den Prozessen der Emotionalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft auseinandergesetzt. Seine Untersuchung „Strukturierte Verantwortungslosigkeit. Berichte aus der Bankenwelt“ wurde zum „Sachbuch des Monats“ gewählt. Zu seinen jüngsten Publikationen gehört „Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft“.

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; www.normativeorders.net/de/

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 2014 feiert sie ihren 100. Geburtstag. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto „Wissenschaft für die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.

Mehr Informationen unter www2.uni-frankfurt.de/gu100

Herausgeber: Der Präsident
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Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Abteilungsleiter
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10. September 2020, 12.30 Uhr

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