Philosophisches Symposium zum „Wert der Kritik“. Internationale Veranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Städelschule am 19. und 20. Januar

Pressemitteilung

16. Januar 2017

FRANKFURT. „The Value of Critique“ heißt ein zweitägiges Symposium, veranstaltet vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und dem Institut für Kunstkritik der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, Frankfurt am Main. Über den „Wert der Kritik“ diskutieren am 19. und 20. Januar 2017 in der Städelschule prominente Vertreterinnen und Vertreter einer zeitgenössischen Kritischen Theorie. Ausgangspunkte der Erörterungen sind die Vorträge von Bruno Latour (Paris), Beate Söntgen (Lüneburg), Rahel Jaeggi (Berlin) und Luc Boltanski (Paris).
 
Die gesamte Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Konzipiert wurde sie von Isabelle Graw, Professorin für Kunsttheorie an der Städelschule, und Christoph Menke, Professor für praktische Philosophie an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Teilnehmer von Seiten des Clusters sind auch deren Sprecher Rainer Forst (Politische Theorie) und Klaus Günther (Rechtsphilosophie) sowie der Philosoph Martin Seel. Den vier Vorträgen folgt jeweils eine Entgegnungs- und Kommentarrunde. Komplettiert wird das Programm durch eine Roundtable-Diskussion.
 
Das Symposium behandelt das Verhältnis von Kritik und Bewertung, hier vor allem im Sinne von Evaluation, als zwei Arten des Urteilens oder Beurteilens. Es geht um ihre Gegensätze und Gemeinsamkeiten. Ein besonderer Fokus liegt auf Perspektiven und Potenzialen kritischen Urteilens.
 
Kritik, so eine philosophische Definition, ermöglicht es den Kritikübenden, sich ihres Objekts der Kritik zu bemächtigen, indem sie dessen Widersprüche oder Defizite entlarven. Kritik gilt als eine beispielhafte Strategie der Aufklärung und eine Voraussetzung für die Freiheit eines Subjekts. Im Modus der Evaluation hingegen werden die Dinge von vornherein aus einer bestimmten Perspektive betrachtet, die explizit nach dem relativen Nutzen des Bewertungsobjekts fragt. Bei einer so verstandenen Evaluation zielen die bewertenden Subjekte vor allem auf ihr eigenes Wohlergehen, beispielsweise in ökonomischer Hinsicht.
 
Alles in allem, so scheint es, hat die Kritik im Vergleich zur Evaluation an Boden verloren. Doch einen ersten Hinweis, dass sich Kritik und Evaluation nicht ausschließen, liefert schon die Etymologie des ursprünglich griechischen Wortes „Kritiké“, das die Unterscheidung in den Mittelpunkt stellt. Und auch die mittlerweile weitverbreitete Ansicht, wonach die transformative Kraft der Kritik ohnehin von den modernen wirtschaftlichen Verhältnissen absorbiert werde, wollen die Veranstalter nicht kommentarlos hinnehmen. Untersucht wird in diesem Zusammenhang das Potenzial unterschiedlicher Kritikformen, in Bezug auf die vier Vortragenden sind dies Luc Boltanskis Modell der „Social Critique“, Bruno Latours „Critique of Critique”, Rahel Jaeggis „Internal Kritik“ und Beate Söntgens „Kulturen der Kritik“.
 
Das Symposium findet in der Lichthalle der Städelschule statt (Dürerstraße 10, 60596 Frankfurt am Main). Die Veranstaltung ist fach- und presseöffentlich, eine Anmeldung nicht erforderlich, Reservierungen können nicht entgegengenommen werden.
 
Das Programm im Überblick:
 
19. Januar 2017
14 – 16 Uhr: „Against Critique“
Lecture: Bruno Latour
Respondents: Rainer Forst, Petra Gehring
 
16.30 – 18.00 Uhr: Roundtable: „Labour and Value“
Participants: Sabeth Buchmann, Isabelle Graw, Christoph Menke, John Roberts
 
18.30 – 20.30 Uhr „The Power of Critique“
Lecture: Beate Söntgen
Respondents: Martin Seel, Kerstin Stakemeier,
 
 
20. Januar 2017
11.00 – 13.00 Uhr: „Criticize your Life“
Lecture: Rahel Jaeggi
Respondents: Eva Geulen, Thomas Lemke
 
14.00 – 16.00 Uhr: „Social Critique“
Lecture: Luc Boltanski
Respondents: Juliane Rebentisch, Klaus Günther
 
Informationen:
Jonas Leihener, Städelschule, Künstlerischer Koordinator, Tel.: 069/605008-52, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.staedelschule.de
Bernd Frye, Exzellenzcluster, Pressereferent, Tel.: 069/798-31411,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net
 
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main.
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