Auftakt der Ausstellung „Demonstrationen“

Projekt des Frankfurter Kunstvereins und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität startet am 20. Januar 2012

20. Januar 2012

Pressemitteilung

FRANKFURT. Das Ausstellungsprojekt „Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“ spürt den lebendigen Momenten des Aushandelns normativer Ordnungen im öffentlichen Raum nach. Ausgangspunkt ist die interdisziplinäre Betrachtung und Analyse ästhetischer Ausdruckformen zum Thema „Demonstrationen“ – von historischen und zeitgenössischen Gemälden, Grafiken und Fotografien über Installationen, Video- und Soundarbeiten bis zu Performances. Zu sehen sind die Werke von rund 40 internationalen Künstlern. Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches wissenschaftliches Rahmenprogramm begleitet.

Das groß angelegte Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Frankfurter Kunstverein und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Es beginnt am 20. Januar und geht bis zum 25. März. Hauptveranstaltungsort ist der Frankfurter Kunstverein.

Zentrales Anliegen beider Kooperationspartner ist es, gesellschaftliche Prozesse und Zustände zu reflektieren und dabei den institutseigenen Kontext zu erweitern. „Auch Kunstvereine sind Orte, an denen Auseinandersetzungen um normative Ordnungen stattfinden, etwa wenn es darum geht, was Kunst ist, was Kunst sein darf oder was sie sein soll“, so Holger Kube Ventura, Direktor des Frankfurter Kunstvereins. „Die Ausstellung möchte den Wandel der kommunikativen Auseinandersetzung um normative Ordnungen im öffentlichen Raum sowohl aus zeitgenössischer als auch aus historisch-ideengeschichtlicher Perspektive in den Blick nehmen. Sie bezieht dabei künstlerische Projekte ein, die selbst in Form von öffentlicher Kommunikation bestehen oder ihr Publikum zum Akteur und Mitgestalter werden lassen“, erläutert Kube Ventura weiter die Stoßrichtung des Projekts.

Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters, freut sich über die fruchtbare Zusammenarbeit des 2007 gegründeten interdisziplinären Forschungsverbunds mit dem Frankfurter Kunstverein: „Für das Werden normativer Ordnungen spielen Umbruchsprozesse und zugehörige Bilder, Erzählungen oder Fakten, die Begründungen liefern oder in Frage stellen, eine wichtige Rolle“, erklärt er. „Ausstellung und Performances werden das sichtbar machen, während wir das ambitionierte Projekt um unseren wissenschaftlichen Blick auf die Erforschung sozialer Regeln, Normen und Institutionen erweitern werden und dabei selbst von der Ausstellung lernen wollen.“

Ausgehend von der facettenreichen Bedeutung des lateinischen Begriffs „demonstrare“ – vom bloßen Akt des Aufzeigens über die wissenschaftliche Beweisführung bis hin zum Massenprotest auf der Straße – setzt die Ausstellung historische Werke mit zeitgenössischen Arbeiten in einen Dialog. Zentral sind dabei die Vielfalt künstlerischer Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Umbrüchen und der Widerhall, den politische Ereignisse in ästhetischen Werken erzeugen. Im Ausstellungsparcours werden Aspekte von Bewegung und Blockade, Zeigen und Repräsentieren, Zweifeln und Legitimieren genauer untersucht.

Als wichtiger Bestandteil der Ausstellung finden die zahlreichen Performances im Frankfurter Kunstverein, im Stadtraum und an anderen Veranstaltungsorten in Frankfurt statt. Sie sollen Rituale, Verhaltenskodizes und Demonstrationsformen erkunden. So ruft beispielsweise der griechische Künstler Yorgos Sapountzis gleich zu Beginn der Ausstellungslaufzeit in „Die Herausberufenen“ zu einer Erkundung des öffentlichen Raumes zwischen Kunstverein, Römer und Paulskirche auf. Die Hamburger Aktivisten Schwabinggrad Ballet erproben mit einer Versammlung auf dem Vorplatz der EZB Formen der griechischen Basisdemokratie, während der italienische Künstler Marcello Maloberti seine Teilnehmer zu einer absurden Parade durch die Frankfurter Innenstadt einlädt. Anna Mendelssohn versammelt in ihrer eindringlichen Performance „Cry Me A River“ verschiedene Stimmen zum Klimawandel.

An dem umfangreichen Rahmenprogramm der Ausstellung sind zahlreiche Geistes- und Sozialwissenschaftler des Exzellenzclusters beteiligt. Ein Highlight ist das „Amt für Umbruchsbewältigung“: Rund 40 namhafte Wissenschaftler werden vom 27. bis 29. Januar das Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt beziehen und interessierte Bürger in persönlichen Gesprächen über die Umbrüche unserer Zeit beraten. Dieses besondere Veranstaltungsformat wird zusätzlich von zwei hochkarätig besetzten Podien zu aktuellen Umbruchsfragen und einer „Langen Nacht den Protestsongs“ flankiert.

Die Kuratorinnen des Projekts sind Fanti Baum (Performance-Teil), Britta Peters (Positionen zeitgenössischer Kunst) und Dr. Sabine Witt (Positionen Kunst- und Ideengeschichte). Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen sowie einer Vielzahl an Abbildungen erschienen, herausgegeben vom Frankfurter Kunstverein und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ im Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg. Preis: 25 Euro (während der Ausstellungsdauer), 20 Euro (für Mitglieder), 38 Euro im Buchhandel.

„Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“ wird ermöglicht durch die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Kulturstiftung des Bundes.

Ort: Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt am Main

Informationen: Tel. +49 (0) 69.219314-0, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.fkv.de, www.normativeorders.net

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag und Freitag: 11 – 19 Uhr, Mittwoch: 11 – 21 Uhr, Samstag und Sonntag: 10 – 19 Uhr, Montag geschlossen

Eintritt: 6 € (ermäßigt: 4 €)

Pressekontakte:
Frankfurter Kunstverein: Julia Wittwer, Anna Goetz
Tel.: +49.69.219314-30 /-40; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Peter Siller
Tel: +49.69.798.25272; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Aktuelles

„Frankfurter interdisziplinäre Debatte“. Frankfurter Forschungsinstitute laden zum Austausch über disziplinen-übergreifende Plattform ein

Die „Frankfurter interdisziplinäre Debatte“ ist ein Versuch des Dialogs zwischen Vertreter*innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zu aktuellen Fragestellungen – derzeit im Kontext der Corona-Krise und u.a. mit Beiträgen von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther. Seit Ende März 2020 ist die Onlineplattform der Initiative (www.frankfurter-debatte.de) verfügbar. Mehr...

Bundesministerin Karliczek gibt Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek am 28. Mai 2020 den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei waren Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni, Normative Orders), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen). Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. Mehr...

Nächste Termine

Bis Ende September 2020

In der Goethe-Universität finden mindestens bis Ende September 2020 keine Präsenzveranstaltungen statt. Präsenzveranstaltungen des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" werden ebenfalls bis auf Weiteres ausgesetzt.

10. September 2020, 12.30 Uhr

Online Book lɔ:ntʃ: Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg: Autoritarismus - Verfassungstheoretische Perspektiven (Suhrkamp 2020). Mehr...

-----------------------------------------

Neueste Medien

Normative Orders Insights

... mit Franziska Fay

Normative Orders Insights

... mit Rainer Forst

Neueste Volltexte

Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. Mehr...

Kettemann, Matthias (2020):

The Normative Order of the Internet. Normative Orders Working Paper 01/2020. Mehr...