Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen

Ausstellungsprojekt des Frankfurter Kunstverein und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ vom 20. Januar bis 25. März 2012

Pressemitteilung

23. November 2011

FRANKFURT. Ein geordnetes Leben führen, sich ordnungsgemäß verhalten. Jeder Einzelne ist in ein unsichtbares Ordnungssystem eingebunden, welches sein Tun und Handeln bestimmt, legitimiert oder auch verurteilt. Dieses System mag durch Gewalt und Repression eingerichtet, oder auf Grundlage eines freiheitlich getroffenen Regelwerks durch überzeugende Gründe verhandelt worden sein. Sichtbar wird es meist erst, wenn die Begründungen und Rechtfertigungen nicht mehr greifen und überzeugen können und Menschen auf die Straße gehen, um ihren Zweifeln in Form von Protest Ausdruck zu verleihen. „Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“, spürt diesen lebendigen Momenten des Aushandelns und der kommunikativen Auseinandersetzung mit normativen Ordnungen im öffentlichen Raum nach.

Das Ausstellungsprojekt ist eine Kooperation zwischen dem Frankfurter Kunstverein und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ausgangspunkt ist die interdisziplinäre Betrachtung und Analyse ästhetischer Ausdruckformen zum Thema „Demonstrationen“ anhand vielfältiger Medien wie historische und zeitgenössische Gemälde, Grafiken, Fotografien, Installationen, Video- und Soundarbeiten sowie Performances.

Neben der Präsentation von über 40 internationalen künstlerischen Positionen, umfasst das Projekt ein umfangreiches wissenschaftliches Rahmenprogramm aus Diskussionsveranstaltungen, an dem zahlreiche Geistes- und Sozialwissenschaftler des 2007 gegründeten interdisziplinären Forschungsverbunds beteiligt sind. Sie verfolgen die Fragestellung nach dem Entstehen und der Veränderung von gesellschaftlichen Ordnungen, indem sie die damit verbundenen Prozesse und Konflikte nicht nur als Fakten ansehen, sondern vielmehr nach den ihnen zugrundeliegenden normativen Vorstellungen fragen.

Demonstrationen markieren entscheidende Momente gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse. Gerade in den heutigen Tagen sind sie mit Blick auf die Revolutionsbewegungen in den arabischen Ländern oder weltweite Protestaktionen gegen die Finanzpolitik des Bankensystems allgegenwärtig und haben eine große mediale Präsenz. Ausgehend von der facettenreichen Bedeutung des lateinischen Begriffs „demonstrare“ – vom bloßen Akt des Aufzeigens über die wissenschaftliche Beweisführung bis hin zum Massenprotest auf der Straße – forscht die Ausstellung nach verbindenden Motiven und speziellen Verhandlungsformen bei Demonstrationen. Zentral sind dabei nicht einzelne Konfliktsituationen, sondern die Vielfalt künstlerischer Auseinandersetzungen mit dem Thema und der Widerhall, den politische Ereignisse in ästhetischen Werken erzeugen. Genauer untersucht werden dabei Aspekte von Bewegung und Blockade, Zeigen und Repräsentieren, Zweifeln und Legitimieren.

Historische Grafiken und Gemälde, die beispielsweise Huldigungs- und Krönungsszenen als Demonstrationen von Macht und Herrschaft darstellen, prominente Beispiele für Protestbewegungen in der Epoche des Vormärz oder Darstellungen der Ereignisse der 1848er Revolution und der ersten deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, treten in den Dialog mit aktuellen Themen zeitgenössischer Künstler. Sie korrespondieren mit Malerei, Fotografie, Installationen, Videoarbeiten und schließlich auch mit zahlreichen Performances in den Räumen des Frankfurter Kunstvereins und im Frankfurter Stadtgebiet. So wird ein breites Spektrum ästhetischer Herangehensweisen und künstlerischer Positionen vorgestellt und durch neue, eigens für die Ausstellung entstandene Produktionen erweitert.

Kuratorinnen der Ausstellung sind Fanti Baum, Britta Peters und Dr. Sabine Witt. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen sowie einer Vielzahl an Abbildungen, herausgegeben vom Frankfurter Kunstverein und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität Frankfurt am Main, im Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg.

„Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“ wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und den Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Pressevorbesichtigung: 19. Januar 2012, 11 Uhr
Eröffnung: 19. Januar 2012, 20 Uhr

Ort: Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt am Main

Informationen: Tel. +49 (0) 69.219314-0, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.fkv.de, www.normativeorders.net

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag und Freitag: 11 – 19 Uhr, Mittwoch: 11 – 21 Uhr, Samstag und Sonntag: 10 – 19 Uhr, Montag geschlossen

Eintritt: 6 € (ermäßigt: 4 €)

Pressekontakte:
Frankfurter Kunstverein: Julia Wittwer, Anna Goetz
Tel.: +49.69.219314-30 /-40; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Peter Siller
Tel: +49.69.798.25272; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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