Tagung thematisiert den Rechtspluralismus

 

Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ vom 10. bis zum 12. November 2011

Pressemitteilung

5. November 2011

FRANKFURT. Wie verhält es sich mit dem Recht in Zeiten der fortschreitenden Globalisierung? Das Recht steht immer weniger in enger, fast untrennbarer Verbindung mit der politischen Organisationsform des Staates. Zu beobachten ist ein Prozess der Entstaatlichung bei der Setzung und Durchsetzung von Recht - oder zumindest die schrittweise Aufgabe eines staatlichen Monopols. Es gibt beispielsweise supranationales Recht, das an internationale Organisationen gebunden ist, und auch transnationales Recht von privaten Akteuren, deren Regelungsbedarf von staatlichen und überstaatlichen Institutionen nicht gedeckt wird. Rechts- und Politikwissenschaftler beschreiben dieses Nebeneinander von Ordnungssystemen als Rechtspluralismus, „legal pluralism“. Doch jenseits dieses empirischen Befundes gehen die Meinungen der Experten weit auseinander. Und so gehört die Diskussion, ob der Rechtspluralismus als normatives Konzept Bestand haben kann, zu den zentralen Programmpunkten der aktuellen Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität zum

Thema: Legal Cultures, Legal Transfer, and Legal Pluralism
vom: Donnerstag, 10. bis Samstag, 12. November 2011
Ort: Campus Bockenheim, Alte Aula, Jügelhaus, Mertonstr. 17

Die mittlerweile vierte internationale Jahreskonferenz des Frankfurter Exzellenzclusters findet unter der Federführung des Cluster-Forschungsfeldes 4 „Die Herausbildung von Rechtsnormen zwischen den Nationen“ und der Leitung von Prof. Klaus Günther und Prof. Stefan Kadelbach statt. Im Zentrum von insgesamt vier aufeinander folgenden Panels unterschiedlicher Disziplinen steht die Frage des Umgangs mit der Vielfalt von Rechtsordnungen und Rechtskulturen und des Transfers von Recht. Das Spektrum der Themen reicht dabei von historischen Untersuchungen zum Normentransfer in andere Rechtskulturen über theoretische Überlegungen zum konstitutionellen Pluralismus bis zu europarechtlichen Erörterungen zur Frage der Integration durch Recht. Eröffnet wird die Konferenz am Donnerstag, 10. November, um 18.00 Uhr mit dem Vortrag „Some reflections on the concept of constitutional pluralism“ des Rechtswissenschaftlers Prof. Martin Loughlin von der London School of Economics.

Besonders das erste Panel mit dem Titel „Global Legal Pluralism: Fact, Fiction, Forecast, Norm?“ geht dann am Freitag der Frage nach, ob der Rechtspluralismus eine neue Art Ordnung ist, die man unterstützen sollte, weil die Vorteile dieser Ordnung die Nachteile überwiegen. Das zweite Panel („Transfer of Normative Orders – Normative Orders from Transfer“) erinnert daran, dass der Pluralismus von normativen Ordnungen und Rechtsordnungen keine neue Entwicklung darstellt. In der Rechtsgeschichte sei dies vielmehr die Normalität gewesen. Überdies sei auch der Transfer von Recht ein altes Phänomen, wie nicht zuletzt der tausendjährige Einfluss des römischen Rechts auf Europa zeige. Mit „The Politics of Legal Pluralism and the Role of Experts“ beschäftigt sich das dritte Panel, das zum einem darauf hinweist, dass es Rechtspluralismus auch innerhalb eines Staates gibt, und zum anderen erörtert, inwieweit das Recht auf globaler Ebene auch globales Regieren demokratisieren könnte. Das vierte Panel schließlich, das am Samstag stattfindet, widmet sich dem Thema „Emerging Transnational Normative Orders: Efforts on the Ground-Level“. Hier geht es unter anderem um die globale Ausdehnung von Patenten, Urheber- und Markenrechten.

Die Vorträge und Diskussionen am Freitag, 11. November, und am Samstag, 12. November, beginnen jeweils um 10.00 Uhr. Zu den Referenten gehören Angehörige des Clusters und internationale Gäste. Die interessierte Öffentlichkeit ist zu dem Eröffnungsvortrag am Donnerstag und zu den Panels am Freitag und Samstag herzlich willkommen. Um Online-Anmeldung wird gebeten.

Anmeldung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Programm: www.normativeorders.net/jahreskonferenz

Informationen: Peter Siller, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel: (069) 798-25290, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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Nächste Termine

Bis Ende September 2020

In der Goethe-Universität finden mindestens bis Ende September 2020 keine Präsenzveranstaltungen statt. Präsenzveranstaltungen des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" werden ebenfalls bis auf Weiteres ausgesetzt.

10. September 2020, 12.30 Uhr

Online Book lɔ:ntʃ: Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg: Autoritarismus - Verfassungstheoretische Perspektiven (Suhrkamp 2020). Mehr...

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