Philosoph Charles Taylor und Soziologe José Casanova zu „Postsäkularismus“

Fortsetzung der öffentlichen Ringvorlesung an der Goethe-Universität ab 15. Juni 2011 mit internationaler Konferenz

Pressemitteilung

4. Juni 2011

FRANKFURT. Lange Zeit schien Einigkeit darüber zu bestehen, dass – zumindest in der westlichen Welt – die öffentliche Bedeutung von Religion abnimmt. Mittlerweile aber mehren sich die Stimmen, die anstatt von einer weltlich geprägten Gegenwart von einer „postsäkularen Epoche“ sprechen. Die Frage, ob das säkulare Zeitalter abgeschlossen ist, steht in diesem Sommersemester im Mittelpunkt der prominent besetzten öffentlichen Ringvorlesung „Postsäkularismus“ an der Goethe-Universität, ausgerichtet vom Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Die nächsten Redner sind der kanadische Sozialphilosoph Charles Taylor am 15. Juni und der Religionssoziologe José Casanova (Washington) am 16. Juni, jeweils um 18 Uhr im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend. Flankierend veranstaltet der Cluster bis zum 18. Juni eine internationale wissenschaftliche Konferenz zum Thema „A Secular Age or a Postsecular Constellation? – On Religion, Ethics, and Politics in a Globalizing World”. Zu den rund 20 Teilnehmern gehört auch der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann.

Philosophen, Soziologen, Theologen und Ethnologen behandeln in der Ringvorlesung das kontrovers diskutierte und spannende Thema, ob das „säkulare Zeitalter“, wie es erst kürzlich noch von Charles Taylor analysiert und in seiner historischen Genese untersucht wurde, wirklich vorüber ist – zumindest mit Blick auf die Teile der Welt, in denen heute ganz offensichtlich stärker als vor fünfzig Jahren religiöse Fragen und Probleme einen breiten Raum in Politik und Gesellschaft einnehmen.

„Der Terminus ‚Postsäkularismus‘, der über unserer Vorlesungsreihe steht, bezeichnet die von manchen Theoretikern vertretene Auffassung, dass angesichts der neuen Vitalität religiöser Bewegungen und Lebensformen nicht mehr ohne weiteres von den modernen Gesellschaften als notwendigerweise säkularisierten Gesellschaften gesprochen werden kann“, so Matthias Lutz-Bachmann, Professor für Philosophie an der Goethe-Universität.

Charles Taylor, der als einer der wichtigsten Philosophen der Gegenwart gilt, wird in seinem Vortrag „The Meaning of ‚Post Secular‘“ am 15. Juni die Thesen seines Buches „Ein säkulares Zeitalter“ gegen die Kritik der „Postsäkularisten“ verteidigen. Taylors Ansicht nach gibt es kein postsäkulares Zeitalter, gleichwohl aber einen mittlerweile geänderten Blick auf religiöse Überzeugungen und Praktiken. Eine Erörterung der Thesen Taylors gehört auch zu den Programmpunkten der internationalen Konferenz, zu der neben dem Mainzer Kardinal Lehmann auch Jürgen Habermas, Hauke Brunkhorst, Micha Brumlik, Volker Gerhardt, Bassam Tibi, Jim Bohman, Hartmut Rosa und andere erwartet werden.

Die internationale Konferenz findet im Gästehaus der Universität (Frauenlobstraße 1, 60487 Frankfurt am Main) statt. Aus Planungs- und Kapazitätsgründen ist eine Teilnahme an der Konferenz nur nach vorheriger Anmeldung bei Frau Johannsen (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) bis Donnerstag, den 9. Juni 2011 und einer Teilnahmezusage möglich. Die Abendvorträge im Rahmen der Ringvorlesung am 15. und 16. Juni auf dem Campus Westend sind öffentlich - für diese beiden Veranstaltungen ist keine Anmeldung erforderlich.

Ein Hinweis an die Redaktionen: Vertreter der Medien können an der Konferenz auch kurzfristig ohne vorherige Anmeldung teilnehmen.

Informationen: Ursula Johannsen B.A., Mitarbeiterin Prof. Lutz-Bachmann, Tel: (069) 798-32776, Fax: (069) 798 32794, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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