Ringvorlesung „The Nature of Normativity“

Öffentliche Veranstaltungsreihe des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in Kooperation mit der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ startet am 1. Dezember

Pressemitteilung

26. November 2010

FRANKFURT. „Sternstunde der Philosophie“ hieß noch im Oktober eine Sendung im Schweizer Fernsehen und auf „3sat“. Portraitiert wurde der US-amerikanische Philosoph Robert Pippin. Und ob Zufall oder nicht: Mit eben jenem Professor der University of Chicago beginnt am 1. Dezember 2010 die philosophische Ringvorlesung „The Nature of Normativity“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität. Die Veranstaltungsreihe, die bis Februar 2011 insgesamt sechs Vorträge umfasst, wird gefördert von der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG.

Normen und Normativität sind die grundlegenden Bezugspunkte und Begriffe des Frankfurter Exzellenzclusters. Die Philosophinnen und Philosophen, die bei dieser für die Thematik des Clusters zentralen Ringvorlesung vortragen werden, gehören weltweit zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten. Sie werden das Wesen der Normativität aus unterschiedlichen Perspektiven diskutieren. Der Reihe geht es auf diesem Gebiet um ein Panorama des State of the Art der zeitgenössischen Philosophie.

Normativität ist das Alltäglichste, und doch ein philosophisch nur schwer aufzuklärendes Phänomen. Das Alltäglichste, weil wir uns in unserem Denken und Handeln an eine Reihe von Normen, Werten und Regeln gebunden sehen, ohne dass wir unmittelbar dazu gezwungen sind – etwa soziale Konventionen der Höflichkeit, ein Ethos der Professionalität, Bindungen der Freundschaft, Versprechen, die zu halten sind, bis hin zu allgemeinen moralischen Normen. Auch bei rechtlich bindenden Normen werden unterschiedliche Erklärungen ihrer Geltungsgründe gegeben. Die zentrale Frage der Normativität lautet, woraus sich die Bindekraft solcher Normen, Werte und Regeln speist: aus instrumentellen Überlegungen, aus sozialen Erwartungen, aus autonomer Selbstbindung oder aus einer normativen, vielleicht nur metaphysisch zu erklärenden Realität jenseits der empirischen Welt.

Die angesehenen Wissenschaftler, die für die Vorlesungsreihe „The Nature of Normativity“ gewonnen werden konnten, setzen die Tradition der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ im 25. Jahr ihres Bestehens in hervorragender Weise fort. Als die Stiftungsgastprofessur der Deutsche Bank AG 1985 ins Leben gerufen wurde, war es der erklärte Wille der Stifterin, Brücken zu schlagen zwischen Wissenschaftlern der Goethe-Universität, Bürgern der Stadt und Region sowie international renommierten Forschern, die seither als Gastreferenten nach Frankfurt kommen. Ihre Aufgabe ist es, Orientierung zu schaffen in einer Welt, in der sich die Sphären des Machbaren und des Verantwortbaren in einer komplexen Matrix miteinander verknüpfen. Denn je komplizierter die Herausforderungen, desto größer sei – jenseits der schnelllebigen Politik – der Bedarf an wissenschaftlicher Expertise und ihrer verständlichen Vermittlung, betont Carl L. von Boehm-Bezing, Vorsitzender der Berufungskommission Stiftungsgastprofessur.

Die interessierte Öffentlichkeit ist zu den Vorträgen, die in englischer Sprache gehalten werden, herzlich eingeladen. Beginn ist jeweils um 18.00 Uhr auf dem Campus Westend der Goethe-Universität, Hörsaalzentrum, HZ5. Einführungen in die Themen übernehmen die Sprecher des Clusters, Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther, die die Reihe auch maßgeblich organisiert haben.

Die Termine im Überblick:

Mittwoch, 1. Dezember 2010, 18 Uhr
Prof. Robert Pippin (University of Chicago)
Reason's Form

Mittwoch, 8. Dezember 2010, 18 Uhr
Prof. Christine Korsgaard (Harvard University)
The Normative Constitution of Agency

Mittwoch, 15. Dezember 2010, 18 Uhr
Prof. Joseph Raz (Columbia University)
Normativity: what is it and how can it be explained?

Mittwoch, 12. Januar 2011, 18 Uhr
Prof. Thomas M. Scanlon (Harvard University)
Metaphysical Objections to Normative Truth

Mittwoch, 19. Januar 2011, 18 Uhr
Prof. Robert Brandom (University of Pittsburgh)
From German Idealism to American Pragmatism – and Back

Mittwoch, 16. Februar 2011, 18 Uhr
Dr. Sabina Lovibond (University of Oxford)
Practical Reason and Character-Formation

Informationen: Peter Siller, Exzellenzcluster ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen’, Tel: (069) 798-25290, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

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