Entwicklung normativer Ordnungen in der islamischen Welt

Internationale Konferenz an der Goethe-Universität vom 7. bis 9. Mai 2010 / Informationsmöglichkeit für Journalisten zum Tagungsauftakt um 14.30 Uhr

Pressemitteilung

29. April 2010

FRANKFURT. Die Frage, wie normative Grundlagen für ein friedliches Zusammenleben in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft aussehen müssten, steht im Mittelpunkt der internationalen Tagung „Formation of Normative Orders in the Islamic World“ an der Goethe-Universität. Sie findet vom 7. bis 9. Mai im Casinogebäude auf dem Campus Westend statt (Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main). Veranstalter ist der Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Die organisatorische Federführung hat Prof. Susanne Schröter, Inhaberin der Professur für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen und Leiterin der Cluster-Nachwuchsforschungsgruppe „Neue Diskurse zu Staat und Gesellschaft in der islamischen Welt“. Die Veranstaltung ist öffentlich, die Konferenzsprache Englisch.

Orient und Okzident sind sich näher als jemals zuvor, verflochten durch Migration, transnationale Ökonomien und Politiken, durch elektronische Medien und kulturelle Camouflage. Sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch auf der Ebene der internationalen Beziehungen müssen die normativen Ordnungen der Zukunft neu verhandelt werden. Die Auseinandersetzungen um die Burka in Frankreich oder um die Rechtmäßigkeit der militärischen Intervention in Afghanistan sind nur zwei der zahlreichen Beispiele.

Vieles steht zur Diskussion: die Bedeutung der Religion in Staat und Gesellschaft, die Legitimation von Herrschaft, die Geschlechterordnung, die Konstituierung von Individuum und Gemeinschaft, die Kontrolle von materiellen und immateriellen Ressourcen. Einiges ist in Bewegung: Der Islam etabliert sich langsam als europäische Religion, islamistische Organisationen demokratisieren sich, liberale und feministische Muslime sind aus öffentlichen Debatten nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig ist eine Zunahme an Intoleranz und Gewalt evident. In Staaten mit muslimischen Mehrheiten gefährdet die zunehmende Islamisierung des Rechts das interreligiöse Zusammenleben und beschneidet den Handlungsspielraum für Frauen und Mädchen, in westlichen Ländern vermischen sich Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie zu einer unheilvollen Allianz.

Im Rahmen der Konferenz werden Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus vier Kontinenten, Muslime und Nichtmuslime, diskutieren, wie positive Entwicklungen gestärkt und negative bekämpft werden können. Anhand aktueller Entwicklungen in Asien, Afrika und Europa sollen die damit verbundenen Schwierigkeiten, Gegenbewegungen und strukturellen Hindernisse erörtert werden. Narrative, mit denen ethnische, religiöse, soziale oder Genderexklusionen legitimiert werden, sollen ebenso zur Sprache kommen wie Ansätze einer Überwindung von Dominanzdiskursen. Problematiken der Geschlechtergerechtigkeit, moderne Reinterpretationen des Qur’an und der Sunna und jüngste Reformen des Familienrechts in diversen islamischen Ländern werden genauso thematisiert wie die europäische Kontroverse um Frauenrechte versus kulturelle Rechte.

Ein Hinweis an die Redaktionen: Zum Auftakt der Veranstaltung am 7. Mai stehen Ihnen die Organisatorin Prof. Susanne Schröter und Vortragende der Tagung für erste Informationen am Konferenzort (Campus Westend, Casino, Raum 1.801) um 14.30 Uhr gerne zur Verfügung. Bitte teilen Sie uns kurz mit, ob Sie dieses Angebot wahrnehmen möchten. Selbstverständlich sind Sie auch bei den Vorträgen willkommen. Interviews für den weiteren Verlauf der Tagung vermitteln wir Ihnen gerne.

Information und Anmeldung: Dr. Susanne Rodemeier, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ / Lehrstuhl für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen, Tel: (069) 798-33071, Mobil: 0176/96906376, Fax: (069) 798-33077, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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