Wie viel Kritik darf’s denn sein?

Vortragsreihe am Exzellenzcluster „Normative Orders“ beleuchtet Funktion und Folgen von Kritik im Streit um politische Ordnungen

Pressemitteilung

19. November 2012

FRANKFURT. „Kritik erwünscht“ heißt es, wenn moderate Verbesserungsvorschläge willkommen sind. Was aber, wenn die Kritik so grundsätzlich ist, dass bestehende Verhältnisse in infrage gestellt werden oder gar mit Gewalt geändert werden sollen? Eine Vortragsreihe am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität beschäftigt sich in diesem Wintersemester an drei Terminen mit dem Thema „Protest – Widerstand – Aufstand. Streit um politische Ordnungen.“

Die Reihe beginnt am 26. November 2012 mit einem Vortrag von Prof. David Chandler (University of Westminster, London) über Formen von Widerstand gegen problematische Praktiken des so genannten „Peacebuilding“, weitgehende Eingriffe von außen mit dem zumindest offiziellen Ziel, in einem Staat nachhaltig Frieden zu schaffen. Am 3. Dezember 2012 beleuchtet Dr. Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialforschung die Frühgeschichte der RAF. Um Untergrundbewegungen und politische Gewalt geht es schließlich am 11. Februar 2013 in dem Vortrag von Prof. Donatella della Porta, European University Institute, Florenz.

Organisiert wird die Reihe, die im Sommersemester 2012 begonnen hat, von den Cluster-Angehörigen und Politikwissenschaftlern Prof. Nicole Deitelhoff und Prof. Christopher Daase. Bisherige Beiträge befassten sich u.a. mit der Möglichkeit von Systemopposition und einer Begriffsgeschichte des Widerstands. Zentraler Gegenstand der Vortragsreihe sind unterschiedliche Formen von Kritik in politischen Ordnungen, ihre Funktion für diese Ordnungen und die Frage, wie die Ordnungen auf Kritik reagieren. Betrachtet werden nicht nur die nationalen oder lokalen politischen Ordnungen, sondern auch jene inter- und transnationalen Ordnungen, die sich jenseits und durch die nationalen Ordnungen hindurch entwickelt haben.

Kritik kann viele Formen annehmen: Sie kann sich lautstark mit einer Ordnung auseinandersetzen, die innere Emigration wählen oder subversiv tätig werden. Sie kann zum Mittel der Gewalt greifen und eine Ordnung umstürzen wollen, oder sie sucht den Zugang zu den bestehenden Institutionen, um diese umzugestalten. Wie diese unterschiedlichen Formen zusammenhängen, wie es zum Wandel von einer Form in die andere kommt, gehört zu den Schwerpunkten der Vortragsreihe. Ein weiteres Thema betrifft die Funktion der Kritik als Vehikel für politische Gleichheit; denn historisch betrachtet ist die Öffnung politischer Ordnungen für Kritik ein Ausweis ihrer Demokratisierung. Ebenfalls im Fokus der Reihe stehen die Fragen, wie viel Kritik eine politische Ordnung aushalten muss und auf welche Weise diese Ordnungen mit Kritik umgehen – wird sie einbezogen, ignoriert oder bekämpft?

Die Vorträge finden jeweils montags statt im Raum EG 02 des Gebäudes „Normative Ordnungen“ (Lübeckerstr./Ecke Hansaallee) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität. Der Beginn ist immer um 18.00 Uhr ct.

Das Programm in Überblick:

26. November 2012:
David Chandler (University of Westminster, London),
Peacebuilding and the Politics of Non-Linearity: Rethinking „Hidden“ Agency and „Resistance“

3. Dezember 2012:
Wolfgang Kraushaar (Hamburger Institut für Sozialforschung),
Wie entstand die RAF? Religiöse Desozialisation, politische Ideologien und Gruppendynamiken

11. Februar 2013:
Donatella della Porta (European University Institute, Florenz),
Clandestine Political Violence: A Global Comparison


Informationen:
Prof. Nicole Deitelhoff, Goethe Universität Frankfurt, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Campus Westend, Tel.: 069-798-31444, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

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