Klimawandel: Helfen Verhandlungen noch? Podiumsdiskussion „Klimawandel und Gerechtigkeit“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften am 23.2.2015 in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“

Pressemitteilung

20. Februar 2015

FRANKFURT/BAD HOMBURG. „Das Problem des Klimawandels ist von globaler Reichweite. Wir lösen es durch internationale Kooperation oder gar nicht“, so Darrel Moellendorf, Professor für Internationale Politische Theorie am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität. Die bisherigen Abkommen seien zwar unzureichend. Eine Alternative zu Verhandlungen, die auch die Rechte ärmerer Länder und zukünftiger Generationen berücksichtigen, gebe es jedoch nicht. Wie realistisch ist aber eine solche Konsensfindung überhaupt noch? Vor allem auch dieser Frage widmet sich eine Podiumsdiskussion mit Moellendorf und weiteren Experten zum Thema „Klimawandel und Gerechtigkeit“ am Montag, dem 23. Februar, am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr im Tagungsraum des Kolleggebäudes (Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg). Um Anmeldung wird gebeten. Veranstalter sind das Forschungskolleg der Goethe-Universität und der Frankfurter Exzellenzcluster, an den Moellendorf vor rund eineinhalb Jahren von der San Diego State University gewechselt ist. Zuvor war der Philosoph eine Zeitlang Gastwissenschaftler am Bad Homburger Kolleg. Bei diesem Fellowaufenthalt entstanden wesentliche Teile seiner Monographie „The Moral Challenge of Dangerous Climate Change: Values, Poverty, and Policy“ (Cambridge 2014). Eine moralische Herausforderung sieht Moellendorf darin, dass sich eine globale Klimapolitik nicht darauf beschränken dürfe, allein den Klimawandel begrenzen zu wollen; sie müsse zugleich die Bekämpfung der Armut im Blick behalten.

„Ärmere Länder haben einen begründeten Anspruch auf die Steigerung ihres Energieverbrauchs, um der Armut zu entkommen“, sagt Moellendorf und plädiert für eine ausgleichende Gerechtigkeit, bei der reichere Staaten – deren Wohlstand nicht zuletzt mit einer langen Phase der CO2-Prodution verbunden ist – soziale Verantwortung übernehmen. Um auch die Lebenschancen zukünftiger Generationen zu berücksichtigen, sollten die CO2-Emissionen bald stark reduziert und letztendlich gestoppt werden. Moellendorf verweist auf einen Beschluss der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) wonach die Erderwärmung höchstens auf zwei Grad Celsius steigen solle. Nach aktuellen Schätzungen wäre die Zwei-Grad-Erwärmung nach dem Ausstoß von insgesamt einer Billion Tonnen CO2 erreicht. Bisher, vom Beginn der Industrialisierung bis heute, sind etwa 585 Millionen Tonnen in die Atmosphäre gelangt. Bei der gegenwärtigen Emissionsrate würde die billionste Tonne in den ersten Monaten des Jahres 2039 ausgestoßen werden.

Das so genannte „Zwei-Grad-Ziel“ wurde auf dem Weltklimagipfel 2010 offiziell beschlossen. Der kommende Klimagipfel im Dezember 2015 in Paris hat den Anspruch, einen umfassenden Plan zur Schadensminimierung zu verabschieden, der 2020 in Kraft treten soll. Bisher hätte „der Prozess multilateraler internationaler Verhandlungen noch keine hinreichenden Erfolge gezeitigt“, so Moellendorf. Trotzdem sieht er in jüngsten Entwicklungen einen „gewissen Grund zur Hoffnung“. Das Klimaschutzabkommen zwischen China und den USA vom November vergangenen Jahres sei schon deshalb ein Fortschritt, weil es zeige, dass „die zwei größten Emittenten in der Lage sind, sich auf etwas zu einigen“. Ähnlich ermutigend sei die Ankündigung der EU-Staaten zu einer weiteren Emissionsreduktion.

Für den Fall, dass es keine umfassenden und belastbaren Vereinbarungen gebe, hält Moellendorf es für unvermeidlich, dass sich die öffentliche Debatte verstärkt „Vorschlägen zuwenden wird, die noch mehr Besorgnis erregen“. Gemeint ist das so genannte Geo- oder Climate-Engineering, großräumige Eingriffe in die chemischen und biochemischen Kreisläufe der Erde, um sie künstlich abzukühlen. Was wiederum davon zu halten ist, soll ebenfalls bei dem Podiumsgespräch erörtert werden.

Darrel Moellendorf diskutiert in Bad Homburg mit Prof. Konrad Ott, Professor für Philosophie und Ethik der Umwelt an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der von 2000 bis 2008 dem Sachverständigenrat für Umweltfragen angehörte. Hinzu kommt Dr. Hermann E. Ott, Senior Advisor am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und bis 2013 Bundestagsabgeordneter und Mitglied der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“. Die Moderation hat die Klimawissenschaftlerin Dr. Julia Schulz, ehemals Mitarbeiterin des Wuppertal Instituts und des Klimaschutzrates Berlin. Die Einführung und Begrüßung übernehmen Michael Korwisi, Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg, und Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Frankfurter Professor für Philosophie und Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften.

Ebenfalls zum Thema Klimawandel ist noch bis zum 15. Mai im Foyer des Forschungskollegs die Fotoausstellung „The Human Face of Climate Change“ des Schweizer Künstlerpaares Mathias Braschler und Monika Fischer zu sehen.

Information:
Prof. Darrel Moellendorf, Professur für Internationale Politische Theorie, Sekretariat, Ellen Nieß, Exzellenzcluster Normative Orders, Campus Westend, Tel. (069) 798-31521, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net

Anmeldung:
Um Anmeldung zu der Veranstaltung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wird gebeten.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

Herausgeber: Die Präsidentin
Abteilung Marketing und Kommunikation,
60629 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Abteilungsleiter
Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main
Telefon (069) 798 – 13035, Telefax (069) 798 – 763 12531,
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.uni-frankfurt.de


Aktuelles

„Frankfurter interdisziplinäre Debatte“. Frankfurter Forschungsinstitute laden zum Austausch über disziplinen-übergreifende Plattform ein

Die „Frankfurter interdisziplinäre Debatte“ ist ein Versuch des Dialogs zwischen Vertreter*innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zu aktuellen Fragestellungen – derzeit im Kontext der Corona-Krise und u.a. mit Beiträgen von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther. Seit Ende März 2020 ist die Onlineplattform der Initiative (www.frankfurter-debatte.de) verfügbar. Mehr...

Bundesministerin Karliczek gibt Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek am 28. Mai 2020 den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei waren Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni, Normative Orders), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen). Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. Mehr...

Nächste Termine

Bis Ende September 2020

In der Goethe-Universität finden mindestens bis Ende September 2020 keine Präsenzveranstaltungen statt. Präsenzveranstaltungen des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" werden ebenfalls bis auf Weiteres ausgesetzt.

10. September 2020, 12.30 Uhr

Online Book lɔ:ntʃ: Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg: Autoritarismus - Verfassungstheoretische Perspektiven (Suhrkamp 2020). Mehr...

-----------------------------------------

Neueste Medien

Normative Orders Insights

... mit Franziska Fay

Normative Orders Insights

... mit Rainer Forst

Neueste Volltexte

Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. Mehr...

Kettemann, Matthias (2020):

The Normative Order of the Internet. Normative Orders Working Paper 01/2020. Mehr...