James C. Scott: Kein Staat ohne Ackerbau und „Barbaren“ Frankfurt Lectures des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 1. und 2. Juni auf dem Campus Westend der Goethe-Universität

Pressemitteilung

27. Mai 2015

FRANKFURT. Um die Entstehungsbedingungen der ersten Staaten, ihr Wesen und Werden, geht es in den „Frankfurt Lectures“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität in diesem Sommersemester. Prominenter Referent ist James C. Scott von der Yale University. Er widmet sich dem Thema aus politikwissenschaftlicher und ethnologischer Perspektive, wobei auch Verweise auf den Getreideanbau nicht fehlen.

Der verbindende Obertitel seiner zwei Lectures lautet: „The Late-Neolithic Multi-species Re-settlement Camp and the Earliest States“. Die beiden Vorträge in englischer Sprache finden am 1. und 2. Juni im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt. Sie beginnen jeweils um 18.00 Uhr. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In seiner ersten Vorlesung am Montag, dem 1. Juni, geht Scott der Frage nach, warum Staaten, oder zumindest ihre frühen Vorläufer, erst relativ spät entstanden sind. Denn die zivilisatorischen Voraussetzungen für ihren Aufbau habe es, so Scott, ja schon einige Zeit früher gegeben. Scott weist dem Getreideanbau hier eine zentrale Rolle zu. Der Siegeszug von Hirse, Weizen, Gerste, Reis und Mais habe unsere Kultur, unser Zusammenleben und auch unsere körperliche Verfassung entscheidend verändert. Die Auftaktvorlesung heißt „The Domestication of Fire, Animals, Grain and….Us“.

Die ersten staatsähnlichen Formationen müsse man sich, so Scott, als höchst fragile Gebilde vorstellen. Umgeben waren sie von Menschen, die häufig noch als Jäger und Sammler lebten. Scott nennt sie „raiding and trading barbarians“, plündernde und Handel treibende Barbaren. Doch gerade sie, die für lange Zeit die Entwicklung des Staates behinderten, halfen letztendlich bei seinem Aufbau, indem sie auch als Söldner dienten oder Sklaven bereitstellten. Die zweite und abschließende Lecture am Dienstag, dem 2. Juni, trägt den Titel „The Early State: its Fragility and the Golden Age of ‚Barbarians’“.

James C. Scott ist Ethnologe, Politikwissenschaftler und Inhaber des renommierten Sterling-Lehrstuhls an der Yale University, wo er auch das „Program in Agrarian Studies” leitet. International bekannt wurde er durch seine Studien über die moralische Ökonomie in Bauerngesellschaften und Arbeiten zu Formen offenen und verdeckten Widerstands benachteiligter und unterdrückter Gruppen gegen ökonomische und politische Herrschaftsverhältnisse.

Der bekennende Anarchist hat sich außerdem mit dem Versagen staatlicher Entwicklungsmodelle und dem Scheitern sozialistischer Utopien nach erfolgreichen Revolutionen befasst und Strategien untersucht, mit Hilfe derer sich südostasiatische Lokalgesellschaften staatlicher Einflussnahme entziehen. Scott arbeitet disziplinübergreifend und kulturvergleichend. Er hat wegweisende Beiträge zur politischen und anthropologischen Theorie verfasst und wird in den Sozial- und Geisteswissenschaften kontrovers diskutiert.

James C. Scott ist der mittlerweile achte Frankfurt Lecturer. Im Rahmen seiner Frankfurt Lectures lädt der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ herausragende Forscher ein, in zwei aufeinander folgenden Vorlesungen bestimmte Aspekte der Herausbildung normativer Ordnungen auf eine theoretisch innovative und zeitdiagnostisch prägnante Art und Weise zu bearbeiten.

Zu den bisherigen Vortragenden im Rahmen der Frankfurt Lectures gehören Philip Pettit, der an der Princeton University Philosophie und Politische Theorie lehrt, und R. Jay Wallace, Professor für Philosophie an der University of California, Berkeley. Ebenfalls Frankfurt Lecturer waren Martti Koskenniemi, Völkerrechtler an der Universität Helsinki und Ehrendoktor der Goethe-Universität, sowie Charles Larmore, Professor für Philosophie an der Brown University (Rhode Island, USA). Seine Lectures sind in der Schriftenreihe „Frankfurter Vorlesungen“ unter dem Titel „Vernunft und Subjektivität“ im Suhrkamp Verlag erschienen. Charles Larmore ist zudem Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Exzellenzclusters.

James C. Scott:
The Late-Neolithic Multi-species Re-settlement Camp and the Earliest States Frankfurt Lectures des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

Lecture I: The Domestication of Fire, Animals, Grain and….Us Montag, 1. Juni 2015, 18.00 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 4

Lecture II: The Early State: its Fragility and the Golden Age of „Barbarians“ Dienstag, 2. Juni 2015, 18.00 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 5

Information: Oliver Bertrand, Professur für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen, Sekretariat Prof. Susanne Schröter, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel. (069)798-33062, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!,  www.normativeorders.net, www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/frankfurt-lectures


Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

Herausgeber: Die Präsidentin
Abteilung Marketing und Kommunikation,
60629 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Abteilungsleiter Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main Telefon (069) 798 – 13035, Telefax (069) 798 – 763 12531, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.uni-frankfurt.de


Aktuelles

Neuer europäischer Forschungsverbund untersucht ab 2020 Wahlen in Zeiten der Krise demokratischer Ordnungen

Im Rahmen des neuen, von der Europäischen Kommission geförderten Forschungsverbunds „Reconstructing Democracy in Times of Crisis“ analysiert Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, zukünftig die Legitimität von und die Legitimation durch Wahlen in Zeiten der Krise der Demokratie. Mehr...

Denken im Widerspruch

Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" zum Gedenken an Theodor W. Adorno aus Anlass seines 50. Todestags. Mehr...

„Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit" - Vortrag von Jürgen Habermas am 19. Juni 2019. Skript und Aufzeichnung verfügbar

Die Meldung zum Vortrag finden Sie: Hier...
Weitere Informationen (Videoaufzeichnung, Skript und Medienecho) finden Sie: Hier...

"The History of Postmetaphysical Philosophy and the Future of Democracy" - Konferenz zu Ehren von Jürgen Habermas

Am 20. und 21. Juni fand am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" die Konferenz "The History of Postmetaphysical Philosophy and the Future of Democracy" statt.
Die Meldung zur Konferenz finden Sie hier...
Das Programm und weitere Informationen finden Sie hier...

Nächste Termine

27. November 2019, 18 Uhr

Kantorowicz Lecture in Political Language: Prof. Dr. Christoph Möllers, LL.M (Chicago): Kritik der Wertegemeinschaft oder: Über den Platz der Politik in der politischen Auseinandersetzung. Mehr...

28. November 2019, 18 Uhr

Frankfurter Kolloquium für Internetforschung: Prof. Dr. Roland Broemel (Frankfurt/Main): Die Welt der virtuellen Währungen / Libra. Mehr...

28. November 2019, 19 Uhr

Buchvorstellung im Rahmen der Postdoctoral Dialogue Series: Prof. Quinn Slobodian: Globalisten: Das Ende der Imperien und die Geburt des Neoliberalismus. Mehr...

28. November 2019, 20.15 Uhr

Lecture & Film "Jia Zhangke: Kino der Transformation": Dudley Andrew (New Haven): Aufwachsen in THE WORLD. Mehr...

-----------------------------------------

Neueste Medien

Die Anfänge eines auteur: Jia Zhangkes XIAOSHAN GOING HOME

Daniel Fairfax
Lecture & Film "Jia Zhangke: Kino der Transformation"

Digitale Rechtspersönlichkeit? Zur Diskussion um die zivilrechtliche Rechtsfähigkeit autonomer Systeme

Prof. Dr. Thomas Riehm
Ringvorlesung "Haftungsrecht und Künstliche Intelligenz"

Neueste Volltexte

Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. Mehr...

Kettemann, Matthias (2019):

Die normative Ordnung der Cyber-Sicherheit: zum Potenzial von Cyber-Sicherheitsnormen. Normative Orders Working Paper 01/2019. Mehr...