Überwachung ist (k)eine Kunst. Podiumsdiskussion des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 20. Juni im Frankfurter Kunstverein zum Auftakt der Paglen-Ausstellung „The Octopus“

Pressemitteilung

12. Juni 2015

FRANKFURT. Der Frankfurter Kunstverein hat mit dem US-amerikanischen Künstler Trevor Paglen eine umfassende Werkschau entwickelt. Sie heißt „The Octopus“ und beschäftigt sich vom 20. Juni bis zum 30. August 2015 mit Themen wie Überwachung und politische Einflussnahme. Kooperationspartner ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, der auch mit zentralen Beiträgen in dem umfangreichen Rahmenprogramm vertreten ist. Am Samstag, dem 20. Juni, veranstaltet der Exzellenzcluster um 20 Uhr im Kunstverein die Podiumsdiskussion „The Art of Surveillance“ („Die Kunst der Überwachung“). Der Eintritt hierzu ist frei.

Die vermeintliche „Notwendigkeit“ moderner Überwachungssysteme, die der Künstler Trevor Paglen in seinen Fotografien zeigt, wird mit der Verteidigung westlicher Werte begründet. Ein Grundpfeiler der Demokratie ist jedoch die Privatsphäre. Warum die schon heute schier grenzenlose Überwachung das Potenzial hat, den Rechtsstaat abzuschaffen, obwohl sie ihn doch schützen soll, ist ein zentrales Thema der Podiumsdiskussion. Teilnehmer sind Trevor Paglen und die Direktorin des Frankfurter Kunstvereins Franziska Nori. Vom Exzellenzcluster kommen Klaus Günther, dessen Co-Sprecher und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht, sowie der Soziologe und Postdoktorand des Exzellenzclusters Valentin Rauer, der zum Zusammenhang von Sicherheitskultur und der Entwicklung ziviler Überwachungsdrohnen forscht. Die Moderation hat Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Clusters.

„Terror kann eine Nation nicht in ihren Grundfesten gefährden. Aber mit den Überwachungssystemen der Geheimdienste lässt sich im Handumdrehen ein totalitärer Staat erschaffen“, sagt Trevor Paglen, der mit seinen Fotografien Anlagen, Apparaturen und Aktivitäten, die eigentlich geheim bleiben sollen, öffentlich sichtbar macht: Abhörstationen, Überwachungsdrohnen, Spionagesatelliten und verdeckte Operationen. Der US-Amerikaner, der als „Grenzgänger zwischen Kunst und Politik“ gilt, will mit seinen Bildern nach eigener Aussage eine „neue Art des Sehens“ schaffen, um Überwachungssysteme wahrzunehmen und darüber zu diskutieren, ob wir sie wirklich wollen.

Vielleicht gelingt es ja der Kunst, breiten Widerstand gegen die Überwachung zu mobilisieren. Denn bis auf vereinzelte Aktionen im unmittelbaren Anschluss an den „NSA-Skandal“ blieben groß angelegte Proteste aus, und auch von einer Veränderung der Verhaltensweisen kann nicht die Rede sein: Facebook, Google & Co. werden, wie es scheint, so viel und so sorglos wie zuvor verwendet. Die Überwachung sei überall, man müsse nur den Blick trainieren, dann sehe man beispielsweise auch Drohnen, sagt Paglen, der auch diese ferngesteuerten Flugobjekte fotografiert hat. Drohen werden – was mittlerweile bekannt ist – als Waffen zu militärischen Zwecken eingesetzt. Sie finden aber auch bei der „zivilen“ Überwachung in immer größerem Maße Verwendung, was vielleicht nicht so bekannt ist.

Der Einsatz von Drohnen und Satelliten, das „Abfischen“ von E-Mails und anderem Datenverkehr verstößt, so betonen Kritiker, in vielen Fällen gegen das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, also das Recht, selbst zu befinden, was mit den eigenen Daten geschieht. Im so genannten Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts heißt es: „Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß.“

Die Ausstellung „Trevor Paglen: The Octopus“ ist ein Projekt des Frankfurter Kunstvereins. Sie findet im Rahmen der „RAY 2015 Fotografieprojekte Frankfurt Rhein/Main“ statt und ist zudem eine Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Ausstellung und das Rahmenprogramm finden im Frankfurter Kunstverein statt: Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt am Main.

Vorschau:
Am 22. Juli gibt es, ebenfalls im Rahmen des Kooperationsprojekts mit dem Frankfurter Kunstverein und am gleichen Ort, einen Vortrag von Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie. Der Titel lautet: „Die (Un)Sichtbarkeit der Macht“. Trevor Paglens Bilder machen geheime Orte der Macht sichtbar. Doch entgegen der Auffassung, dass damit auch die Ausübung von Macht sichtbar würde, müssen wir, so Forst, nach deren verborgener Wirkungsweise fragen.

Ein Hinweis an die Redaktionen – Pressevorbesichtigung am 18.6.2015:
Der Frankfurter Kunstverein veranstaltet am Donnerstag, dem 18. Juni, um 11 Uhr eine Pressevorbesichtigung der Ausstellung, zu der Sie auch im Namen des Exzellenzclusters herzlich eingeladen sind. Es sprechen: Franziska Nori (Direktorin Frankfurter Kunstverein), Trevor Paglen (Künstler), Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin Exzellenzcluster „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“) und Luminita Sabau (Sprecherin RAY Fotografieprojekte). Um Anmeldung wird gebeten unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Information:
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net/de/
Julia Wittwer, Leitung PR Frankfurter Kunstverein, Tel.: 069/219314-30, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.fkv.de;

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

Herausgeber: Die Präsidentin
Abteilung Marketing und Kommunikation,
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Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Abteilungsleiter
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Online Book lɔ:ntʃ: Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg: Autoritarismus - Verfassungstheoretische Perspektiven (Suhrkamp 2020). Mehr...

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