Rainer Forst über die (Un)Sichtbarkeit der Macht. Vortrag am 22. Juli im Rahmen der Trevor Paglen-Ausstellung des Frankfurter Kunstvereins in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

Pressemitteilung

17. Juli 2015

FRANKFURT. Noch bis Ende August zeigt der Frankfurter Kunstverein die schon jetzt viel beachtete Werkschau des US-amerikanischen Künstlers Trevor Paglen. Sie heißt „The Octopus“ und beschäftigt sich mit Themen wie Überwachung und politische Einflussnahme. Kooperationspartner ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, der auch mit zentralen Beiträgen in dem umfangreichen Rahmenprogramm vertreten ist. Am Mittwoch, dem 22. Juli, steht um 19 Uhr der Vortrag von Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters, auf dem Programm. Der Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität widmet sich dem Thema „Die (Un)Sichtbarkeit der Macht“. Der Eintritt hierzu ist frei.

Trevor Paglen fotografiert geheime Standorte der NSA und CIA, verborgene Militärbasen und Transportwege zu Geheimgefängnissen oder versteckte Abhörstationen und Flugbahnen geheimer Überwachungssatelliten und Drohnen. Am aktuellen Dokumentarfilm „Citizenfour“ der Regisseurin Laura Poitras über die Snowden-Affäre, der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, war Paglen als Rechercheur und Kameramann beteiligt. In seinen konzeptuell miteinander verbundenen Fotografien, Videos, Büchern und überwachungskritischen Aktionen will Paglen Techniken und Strukturen von Politik und Macht sichtbar werden lassen. Der US-Amerikaner strebt mit seinen Bildern nach eigener Aussage eine „neue Art des Sehens“ an, um Überwachungssysteme wahrzunehmen und darüber zu diskutieren, ob wir sie wirklich wollen.

„Trevor Paglens Bilder machen geheime Orte der Macht sichtbar. Doch entgegen der Auffassung, dass damit auch die Ausübung von Macht sichtbar würde, müssen wir nach deren verborgener Wirkungsweise fragen“, betont Rainer Forst. Denn der wahre Stoff der Macht – so wird der politische Philosoph auch in seinem Vortrag erläutern – seien nicht materielle Ressourcen, wie häufig angenommen werde, sondern etwas Immaterielles: „Die Rechtfertigungen und Überzeugungen, die uns dazu bringen, Dinge zu denken und zu tun, die wir anders – ohne die Einwirkung anderer – nicht getan hätten.“ Wer über den Raum sozialer Rechtfertigungen bestimme und ihn nutzen könne, sei im Besitz der Macht. Deshalb sei der Kampf um Definitionen, Interpretationen und auch Bilder der eigentliche Kampf um Macht.

Rainer Forst wurde im Jahr 2012 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG ausgezeichnet und 2014 in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Theorien der Gerechtigkeit, Toleranz und Demokratie. Zu seinen Publikationen gehören „Kontexte der Gerechtigkeit“, „Toleranz im Konflikt“, „Das Recht auf Rechtfertigung“, "Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse" sowie „Normativität und Macht“ (im Erscheinen); alle Suhrkamp.

Die Ausstellung „Trevor Paglen: The Octopus“ ist ein Projekt des Frankfurter Kunstvereins. Sie findet im Rahmen der „RAY 2015 Fotografieprojekte Frankfurt Rhein/Main“ statt und ist zudem eine Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Ausstellung und das Rahmenprogramm finden im Frankfurter Kunstverein statt: Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt am Main.

Information:
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net/de/
Julia Wittwer, Leitung PR Frankfurter Kunstverein, Tel.: 069/219314-30, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.fkv.de;


Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

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