Interdisziplinäre Tagung zum Klimawandel Naturwissenschaftler und Philosophen treffen sich am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität

Pressemitteilung

28. September 2015

FRANKFURT. „The Moral Challenge of Dangerous Climate Change“ – die jüngste Studie von Darrel Moellendorf, Professor für Internationale Politische Theorie am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität, trägt es schon im Titel: Der Klimawandel ist nicht nur ein Thema für Naturwissenschaften und Technik, auch geisteswissenschaftliche, zumal philosophische Überlegungen sind gefragt – insbesondere bei den „moralischen Herausforderungen des gefährlichen Klimawandels“. Um das Gespräch zwischen den Wissenschaften zu fördern, veranstaltet Moellendorf am 1. und 2. Oktober die internationale und vor allem auch interdisziplinäre Konferenz „Overshooting 2° C: Moral and Policy Considerations“.

Es erscheint durchaus möglich, dass über das Zwei-Grad-Ziel „hinausgeschossen“ wird. Zwar haben sich die Staaten auf dem Weltklimagipfel des Jahres 2010 darauf geeinigt, dass die Erderwärmung höchstens auf zwei Grad Celsius steigen solle. Doch der Trend zur weiteren Erwärmung scheint ungebrochen. Laut aktuellen Schätzungen wäre die Zwei-Grad-Erwärmung nach dem Ausstoß von insgesamt einer Billion Tonnen CO2 erreicht. Vom Beginn der Industrialisierung bis heute sind etwa 585 Millionen Tonnen in die Atmosphäre gelangt. Bei der gegenwärtigen Emissionsrate würde die billionste Tonne in den ersten Monaten des Jahres 2039 ausgestoßen werden.

Bislang, so Darrel Moellendorf, habe der Prozess multilateraler internationaler Verhandlungen – häufig nach dem Prinzip „pledge and review“, das auf freiwilligen Zusagen beruht – keine hinreichenden Erfolge gezeitigt. Nun richten sich alle Augen auf den kommenden Klimagipfel, der Ende November in Paris beginnen wird. Dort soll ein Nachfolgevertrag für das Kyotoprotokoll von 1997 ausgehandelt werden. Der Pariser Gipfel hat den Anspruch, einen umfassenden Plan zur Schadensminimierung zu verabschieden, der 2020 in Kraft treten soll. Beobachter betonen die eminente Wichtigkeit des Pariser Treffens mit seinen, wenn’s gut geht, entscheidenden Weichenstellungen.

Auf der Frankfurter Konferenz geht Darrel Moellendorf in seinem Tagungsbeitrag der grundsätzlichen Frage nach, ob der gefährliche Klimawandel denn überhaupt noch abgewendet werden könne („Can Dangerous Climate Change Be Avoided?”). Insgesamt stehen 14 Vorträge von ebenso vielen Teilnehmern auf dem Programm. Besprochen werden beispielsweise die Möglichkeiten der so genannten „Mitigation”, der Entwicklung neuer Technologien, Verfahren und Strategien, mit denen eine deutliche Minderung des Ausstoßes klimarelevanter Gase erreicht werden kann. Auch „Adaption“, also die Anpassung an jetzt schon unvermeidbare Folgen des Klimawandels ist ein Thema. Hinzu kommt die Erörterung des Geo- oder Climate-Engineering. Damit verbunden sind großräumige Eingriffe in die chemischen und biochemischen Kreisläufe der Erde, um sie künstlich abzukühlen.

Und nicht zuletzt geht es um den Zusammenhang zwischen Klimawandel und globaler Gerechtigkeit: Welche Ansprüche haben die ohnehin ärmeren Länder, die unter einer ungebremsten Erderwärmung am meisten leiden würden? Nach Ansicht Darrel Moellendorfs dürfe sich eine globale Klimapolitik nicht darauf beschränken, allein den Klimawandel begrenzen zu wollen; sie müsse zugleich die Bekämpfung der Armut im Blick behalten.

Neben Moellendorf kommen noch vier andere Teilnehmer aus Frankfurt, unter ihnen Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Wissenschaftlicher Koordinator des Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), einer gemeinsamen Einrichtung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität. Weitere Experten reisen aus den USA, Australien und England an.

Veranstaltungsort der zweitägigen Konferenz ist das Gebäude „Normative Ordnungen“ des Exzellenzclusters (Raum EG.01) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität. Die Konferenzsprache ist Englisch. Interessierte sind herzlich willkommen. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/alleveranstaltungen/3972-1-2-oktober-2015

Information und Anmeldung:
Professur für Internationale Politische Theorie, Sekretariat, Ellen Nieß, Exzellenzcluster Normative Orders, Campus Westend, Tel. (069) 798-31521, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

Herausgeber: Die Präsidentin
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