„Frankfurter Stadtgespräch“ mit Rita Süssmuth. Podiumsdiskussion des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ widmet sich am 25. Februar 2016 der Migrationspolitik aus zeitgeschichtlicher Perspektive

Pressemitteilung

19. Februar 2016

FRANKFURT AM MAIN. Vor 15 Jahren war sie Vorsitzende einer Kommission, die einen Entwurf für ein neues Zuwanderungsgesetz erarbeitet hat. Das Vorhaben scheiterte am Widerstand ihrer eigenen Partei. Mittlerweile mehren sich die Stimmen, wonach die damals vorgelegten Grundsätze, für die sie nach wie vor eintritt, auch ein hilfreicher Baustein einer deutschen Migrationspolitik im europäischen Rahmen wäre. Rita Süssmuth, Migrationsexpertin, Mitglied der CDU und ehemalige Bundestagspräsidentin, ist zu Gast beim nächsten „Frankfurter Stadtgespräch“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ zum Thema

„Migration mit Missverständnissen –
Die Deutschen und ihre Staatsbürgerschaft“
am: Donnerstag, dem 25. Februar 2016, um 19.00 Uhr
Ort: Historisches Museum, Fahrtor 2 (Römerberg), 60311 Frankfurt

Der Diskussionspartner Rita Süssmuths von Seiten des Clusters bei der jetzt 19. Auflage des Stadtgesprächs ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität, zu dessen Schwerpunkten die Geschichte der Migrationspolitik gehört. Bei der Podiumsdiskussion unter der Leitung von Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des ausrichtenden Forschungsverbundes, soll es vor allem um historische und grundlegende Entwicklungslinien der deutschen und europäischen Migrationspolitik gehen, die für das Verständnis und die Bewältigung der aktuellen Situation relevant sind. Denn einfach waren Entscheidungen über Einwanderung nie. Besonders in Deutschland konkurriert die Realität von Migration mit Zurückhaltung gegenüber der Regulierung und Legalisierung dauerhafter „ökonomischer“ Zuwanderung, was oft zu einer Präferenz für „Gastarbeit“ führte.

„Wir brauchen Zuwanderung, und wir brauchen ein Zuwanderungsgesetz“, betont Rita Süssmuth auch heute. Die geltenden Verordnungen reichten nicht aus. Das Ziel der von ihr geleiteten Kommission sei es gewesen, Antworten zu geben zu den komplexen Fragen und Problemen der Migration. Man habe sowohl auf humanitäre Belange als auch die des Arbeitsmarktes geachtet. Der Kommissions-Entwurf sah eine geordnete Zuwanderung nach begründeten Kriterien mit einem Quoten- und Punktesystem vor. Zumindest der Bereich der Arbeitsmigration, so Süssmuth, wäre heute geregelter. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie ihre Autobiographie „Das Gift des Politischen“, in der sie auch ihre migrationspolitischen Vorstellungen zur Sprache bringt.

Andreas Fahrmeir hat sich schon in seiner Dissertation mit Wanderungsbewegungen, Migrationsgesetzgebung und dem Verhältnis zwischen Staatsbürgern und denen, die es werden wollen, beschäftigt: „Citizens and Aliens. Foreigners and the Law in Britain and the German States 1789-1870“. Später folgte die Monographie „Citizenship: The Rise and Fall of a Modern Concept“. In seinen Forschungen fokussiert er immer wieder auf die Rolle von Migrations- und Einbürgerungspolitik für die Entstehung moderner Staaten. Hier habe sich Deutschland für weite Teile des 20. Jahrhunderts für eine restriktive Politik entschieden und die Zuerkennung der deutschen Staatsbürgerschaft lange als Privileg gesehen. Zumindest für Ausländer, die schon lange hier leben, müsse eine einfachere Einbürgerung nur konsequent sein. Die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts aus dem Jahr 1999 hält er für weniger bahnbrechend als viele meinten; manches daran zeige immer noch Probleme Deutschlands mit Immigration.

Rita Süssmuth ging nach einer Karriere in der Wissenschaft als Professorin für Erziehungswissenschaften an den Universitäten Bochum und Dortmund und als Direktorin des Forschungsinstituts „Frau und Gesellschaft“ in Hannover in die Politik. Sie war von 1988 bis 1998 Präsidentin des Deutschen Bundestags und von 1985 bis 1988 Bundesministerin für Familie, Frauen, Jugend und Gesundheit. Als Expertin für Migration wurde Rita Süssmuth vom damaligen Bundesinnenminister Otto Schily zur Vorsitzenden der unabhängigen Kommission „Zuwanderung“  berufen. Von 2004 bis 2005 gehörte sie der UN-Weltkommission für Internationale Migration an. Sie ist heute Präsidentin des Konsortiums, das den deutschen Beitrag zum Aufbau der Türkisch-Deutschen Universität (TDU) in Istanbul koordiniert.

Andreas Fahrmeir ist seit 2006 Professor für Neuere Geschichte unter besonderer Berücksichtigung des 19. Jahrhunderts an der Goethe-Universität, an der er auch studierte, und Principal Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Davor war er Doktorand in Cambridge, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in London, Unternehmensberater, Heisenberg-Stipendiat der DFG und Professor für europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität zu Köln. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Geschichte der Migrationspolitik, europäischer Eliten, Korruption und Korruptionsvorstellungen.

Der Exzellenzcluster kooperiert beim „Frankfurter Stadtgespräch“ mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main. Die interessierte Öffentlichkeit ist bei freiem Eintritt wieder herzlich willkommen.

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“:
Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;
Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; www.normativeorders.net/fraknfurter-stadtgespraech

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

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