Die Erfinderin der Film-Formen

„Das Kino von Chantal Akerman“ bildet ab dem 25. Oktober 2018 den Mittelpunkt der neuen Frankfurter Lecture & Film-Reihe

Pressemitteilung

FRANKFURT. Mit Godard wird das Kino historisch, mit Akerman fängt es neu an: Das Werk der belgischen Regisseurin, Installationskünstlerin und Schriftstellerin Chantal Akerman (1950 – 2015) ist eine ausführliche und vielgestaltige Antwort auf die Frage, was im Kino noch möglich ist. Dieser These folgend trägt die aktuelle Lecture & Film-Reihe den Titel „Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman“. Beginnend mit dem 25. Oktober stehen bis zum nächsten Sommersemester 15 Termine auf dem Programm, bei denen jeweils nach einem einleitenden Vortrag der besprochene Film gezeigt wird.
 
Zu den Veranstaltern  der Lecture & Film-Reihe gehören wieder das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität, der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum, in dessen Kino die Vorträge und Filmvorführungen auch stattfinden.
 
Zum Auftakt am 25. Oktober um 20.15 Uhr spricht Vinzenz Hediger über „Das Melodrama des kolonialen Wahns: zu ‚La Folie Almayer‘“. Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Zudem leitet er das Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“. Ebenfalls aus den Reihen des Exzellenzclusters kommt Martin Seel. Der Philosophieprofessor analysiert gegen Ende der Reihe (am 27. Juni 2019) „Die andere Seite des Kinos: Chantal Akermas ‚De l’autre côté‘“. Seel ist Organisator viel beachteter Kino- und Vortragsreihen, in denen mit Blick auf das Forschungsprogramm des Clusters die Rolle des Films in den kontroversen moralischen, rechtlichen und politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart untersucht wird.
 
Die Regisseurin Chantal Akerman zeigt Kinomöglichkeiten jenseits der fast durchweg männlichen Helden-Geschichte von Griffith bis Hitchcock auf, als deren Erben sich die Nouvelle Vague verstand. Viele ihrer Filme sind im Kino ohne Vorbild und prägen mit ihren bahnbrechenden feministischen Sichtweisen seit ihrem Erscheinen die Ausdrucksmöglichkeiten des Films. Akermans Ästhetik der Alltagserfahrung, ihr Überschreiten der Genregrenzen zwischen Spielfilm, Dokumentarfilm und Experimentalfilm, ihr Sinn für Dauer und Zeiterfahrung jenseits der Stechuhr-Dramaturgie des herkömmlichen Spielfilms machen sie zu einer Neuerfinderin der Formen des Kinos. Als Tochter von Holocaust-Überlebenden ist sie zudem eine singuläre Zeitzeugin der historischen Brüche und Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. Ihre Auseinandersetzung mit jüdischem Leben durchzieht ihre Filme auf vielfältige und subtil reflektierende Weise.
 
In seinem Eröffnungsvortrag am 25. Oktober hebt Vinzenz Hediger ein Merkmal von Chantal Akermans Werk hervor. Es besteht darin, dass sie Formen zu finden vermag, die einen Zusammenhang zwischen der Intimität der Autobiographie und der Erfahrung von Geschichte herstellen. Das gilt auch für ihren zweitletzten Film, „La Folie Almayer“. Akerman, die Tochter polnischer Juden, die in der Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht Belgien aufwuchs, nimmt „Almayer’s Folly“, den Debüt-Roman des polnischen Exilanten Joseph Conrad aus dem Jahr 1895, dem Geburtsjahr des Kinos, zum Ausgangspunkt für eine Meditation mit melodramatischen Zügen über die Abgründe des kolonialen Wahns und transponiert den historischen Stoff in eine irritierende Gegenwart. Der Film stammt aus dem Jahr 2011, ist rund 130 Minuten lang und im Anschluss an den Vortrag zu sehen.
 
Die Lecture & Film-Reihe „Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman“ wird veranstaltet vom Deutschen Filminstitut &Filmmuseum und dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“, in Kooperation mit der hessischen Film- und Medienakademie. Kuratiert von Vinzenz Hediger und Marc Siegel.
 
Die Reihe findet im Kino des Deutschen Filminstituts &Filmmuseums statt (Schaumainkai 41, Frankfurt am Main). Eintritt: 5 €. Platzzahl beschränkt. Kartenreservierungen empfohlen unter: 069 / 961 220-220.
 
Details zum Programm:
www.chantal-akerman.de, www.normativeorders.net/lecture-and-film
 
Informationen:
Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Tel. 069/798-32079: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.tfm.uni-frankfurt.de
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, http://www.normativeorders.net
 
Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)
 
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main(siehe auch www.uni-frankfurt.de/59086401/rhein-main-allianz).Internet: www.uni-frankfurt.de
 
Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Aktuelles

Neuer europäischer Forschungsverbund untersucht ab 2020 Wahlen in Zeiten der Krise demokratischer Ordnungen

Im Rahmen des neuen, von der Europäischen Kommission geförderten Forschungsverbunds „Reconstructing Democracy in Times of Crisis“ analysiert Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, zukünftig die Legitimität von und die Legitimation durch Wahlen in Zeiten der Krise der Demokratie. Mehr...

Denken im Widerspruch

Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" zum Gedenken an Theodor W. Adorno aus Anlass seines 50. Todestags. Mehr...

„Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit" - Vortrag von Jürgen Habermas am 19. Juni 2019. Skript und Aufzeichnung verfügbar

Die Meldung zum Vortrag finden Sie: Hier...
Weitere Informationen (Videoaufzeichnung, Skript und Medienecho) finden Sie: Hier...

"The History of Postmetaphysical Philosophy and the Future of Democracy" - Konferenz zu Ehren von Jürgen Habermas

Am 20. und 21. Juni fand am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" die Konferenz "The History of Postmetaphysical Philosophy and the Future of Democracy" statt.
Die Meldung zur Konferenz finden Sie hier...
Das Programm und weitere Informationen finden Sie hier...

Nächste Termine

12. November 2019, 18 Uhr c.t.

Vortragsreihe „Haftungsrecht und Künstliche Intelligenz“: Prof. Dr. Thomas Riehm (Passau): Digitale Rechtspersönlichkeit? Zur Diskussion um die zivilrechtliche Rechtsfähigkeit autonomer Systeme. Mehr...

13. November 2019, 12.30 Uhr

Crisis Talk: Gipfelnächte in Europa: Die Krise als Entscheidungsmodus. Mehr...

14. und 15. November 2019

Tagung: Materiale Gleichheit. Mehr...

-----------------------------------------

Neueste Medien

Die Anfänge eines auteur: Jia Zhangkes XIAOSHAN GOING HOME

Daniel Fairfax
Lecture & Film "Jia Zhangke: Kino der Transformation"

Making Sense of the Long 1989

Prof. Ivan Krastev
Diskussion mit Prof. Gunther Hellmann
Moderation: Rebecca C. Schmidt und Uwe Berndt
47. Römerberggespräche "30 Jahre nach dem Mauerfall – mehr Aufbruch wagen!"

Neueste Volltexte

Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. Mehr...

Kettemann, Matthias (2019):

Die normative Ordnung der Cyber-Sicherheit: zum Potenzial von Cyber-Sicherheitsnormen. Normative Orders Working Paper 01/2019. Mehr...