70 Jahre Grundgesetz: Religionsfreiheit und Toleranz

Der politische Philosoph Rainer Forst spricht am 4. Dezember in der „Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

Pressemitteilung

FRANKFURT. Die Aktualität des Grundgesetzes steht im Mittelpunkt der laufenden „Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Nach dem viel beachteten Auftakt zum Thema „Würde“ mit dem Rechtsprofessor Günter Frankenberg steht nun ein weiterer Termin mit einem Redner aus den Reihen des Exzellenzclusters auf dem Programm. Am 4. Dezember referiert dessen Co-Sprecher Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie, über „Religionsfreiheit _ Wie viel Toleranz verlangt die demokratische Gesellschaft?“. Die Veranstaltung im Chagallsaal des Schauspielhauses beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt beträgt zehn Euro, ermäßigt acht Euro.
 
Das Schauspiel Frankfurt hat die partizipative Vortrags- und Diskussionsreihe „Denkraum“ in der vergangenen Spielzeit ins Leben gerufen. Das aktuelle Oberthema heißt „Verfassung _ Aber wie?“. Das Grundgesetz trat 1949 in Kraft. Jeweils zusammen mit einem Gast aus dem Bereich Verfassungsrecht, Philosophie, Soziologie, Politik oder Literatur werden im „Denkraum“ zentrale Werte des Grundgesetzes auf den Prüfstand gestellt, abgewogen und das verteidigt, was auch in den nächsten Jahrzehnten unser Zusammenleben sichern soll. Nach jedem Impulsvortrag erhält das Publikum die Möglichkeit, in kleinen Gruppen die Thesen zu diskutieren und Fragen zu formulieren. In einem abschließenden moderierten Gespräch wird der oder die Vortragende mit diesen Fragen konfrontiert.
 
Die Religionsfreiheit gehört, wie die Würde, zu den Grundrechten. Im Grundgesetz findet sie vor allem in Artikel 4 Erwähnung. Ähnliche Normierungen gibt es in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union oder der Europäischen Menschenrechtskonvention. Das Recht auf Religionsfreiheit schützt in einer demokratisch verfassten, kulturell und religiös pluralistischen Gesellschaft die individuelle und kollektive Glaubenspraxis. Dieses Recht bestimmt den Raum der Toleranz, die Bürgerinnen und Bürger wechselseitig aufbringen müssen – gerade dann, wenn es zu Konflikten kommt. Aber wie wird dieses Recht bestimmt? Muss es sich an den Grenzen der Toleranzfähigkeit von Mehrheiten ausrichten, an einer „Leitkultur“ oder „Hausordnung“? Vielleicht lassen sich Maßstäbe dafür finden, das Recht und damit den gebotenen Toleranzraum im Modus öffentlicher Vernunftausübung zu bestimmen. Rainer Forst unternimmt im „Denkraum“ den Versuch dazu.
 
Rainer Forst ist Professor für Politische Theorie und Philosophie und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er arbeitet zu Fragen der praktischen Vernunft und der Grundlagen der Moral sowie über die Grundkonzepte der normativen politischen Theorie, insbesondere über Gerechtigkeit, Toleranz und Demokratie. Im Jahr 2012 erhielt er den Leibniz-Preis, den höchsten deutschen Forschungspreis. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Seine Werke erscheinen bei Suhrkamp, so auch „Toleranz im Konflikt. Geschichte, Gehalt und Gegenwart eines umstrittenen Begriffs“ und „Normativität und Macht. Zur Analyse sozialer Rechtfertigungsordnungen“.
 
Die nächsten Termine im Überblick:
 
29. Januar 2019:
Meinungsfreiheit _ Wie verändert sich das Kommunikationsklima?
mit Bernhard Pörksen (Universität Tübingen)
 
26. Februar 2019:
Gleichberechtigung _ Was kann das Recht zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen?
mit Ute Sacksofsky (Goethe-Universität, Exzellenzcluster „Normative Orders“)
 
19. März 2019:
Gemeinwohl _ Was bleibt vom Allgemeinen, wenn alle das Besondere wollen?
mit Andreas Reckwitz (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder)
 
2. April 2019:
Privatsphäre _ Wie sind wir geschützt im digitalen Zeitalter?
mit Marina Weisband (ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, netzpolitische Beraterin)
 
Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal, Neue Mainzer Str. 17, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro / erm. 8 Euro; www.schauspielfrankfurt.de
 
Detailliertes Programm:
https://www.normativeorders.net/denkraum
 
Informationen:
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; www.normativeorders.net
 
Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)
 
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main(siehe auch www.uni-frankfurt.de/59086401/rhein-main-allianz). Internet: www.uni-frankfurt.de
 
Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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Die „Frankfurter interdisziplinäre Debatte“ ist ein Versuch des Dialogs zwischen Vertreter*innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zu aktuellen Fragestellungen – derzeit im Kontext der Corona-Krise und u.a. mit Beiträgen von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther. Seit Ende März 2020 ist die Onlineplattform der Initiative (www.frankfurter-debatte.de) verfügbar. Mehr...

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In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek am 28. Mai 2020 den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei waren Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni, Normative Orders), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen). Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. Mehr...

Nächste Termine

Bis Ende September 2020

In der Goethe-Universität finden mindestens bis Ende September 2020 keine Präsenzveranstaltungen statt. Das Veranstaltungsprogramm des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" wird ebenfalls bis auf Weiteres ausgesetzt.

29. Mai 2020, 18.30 Uhr

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