Der Holocaust als Gegenstand von Wissenschaft und Justiz

Das „Frankfurter Stadtgespräch“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ widmet sich am 25. April der gemeinsamen Aufgabe gegen das Vergessen

Pressemitteilung

FRANKFURT. Die selbstkritische Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit ist zu einem Fundament der politischen Kultur der Bundesrepublik geworden. Maßgeblichen Anteil daran hat – rechts- wie gesellschaftspolitisch – Fritz Bauer, der als hessischer Generalstaatsanwalt für die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechern kämpfte. Die Aufarbeitung des Holocaust gewinnt aktuelle Bezüge auch dadurch, dass sie Lehren für Gegenwart und Zukunft möglich macht – was in Zeiten von Rechtspopulismus und Holocaust-Leugnung umso wichtiger erscheint. Das nächste „Frankfurter Stadtgespräch“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beleuchtet das Zusammenspiel verschiedener Disziplinen und Akteure im Umgang mit dem Menschheitsverbrechen. Das Thema der öffentlichen Podiumsdiskussion lautet:

„Das Verbrechen des Holocaust verjährt nicht –
Die Aufgaben von Historie und Justiz“
am Donnerstag, dem 25. April 2019, um 19.00 Uhr
im Historischen Museum Frankfurt,
Saalhof 1 (ehemals Fahrtor 2), 60311 Frankfurt am Main.

„Dadurch war aber der Gerichtshof überfordert, der nur zu einem einzigen Zweck zusammentritt, nämlich dem, Recht zu sprechen“, so Hannah Arendt, Beobachterin des Eichmann-Prozesses, den sie mit einer großen „Anzahl von Aufgaben“ und einer ganzen „Reihe politischer Nebenabsichten“ konfrontiert sah. Seit dem Jerusalemer Prozess des Jahres 1961 und den wenig später beginnenden Frankfurter Auschwitz-Prozessen, initiiert von Fritz Bauer, wird immer wieder über die Rolle der Justiz bei der Aufarbeitung des Holocaust diskutiert. Soll sie die einzelnen Verbrechen aufklären und die Täter schuldig sprechen oder soll sie auch den Opfern eine Stimme geben und zur historischen Erforschung der Gründe, Ursachen und Folgen dieses Menschheitsverbrechens beitragen?

Schon bald werden die letzten mutmaßlichen Täter gestorben sein – wie auch die Überlebenden der Opfergeneration. Was bringt es, Greise vor Gericht zu stellen? Warum kann erst seit Kurzem jeder belangt werden, der in einem KZ gedient hat? Welche Aufgaben hat die Geschichtswissenschaft im Unterschied zur Justiz? Wie sollten sich beide zu den jüngsten Relativierungsversuchen und der Gefahr eines wachsenden Antisemitismus verhalten? Unter anderem darüber diskutiert die Historikerin Sybille Steinbacher, Mitglied des Exzellenzclusters und Direktorin des Fritz Bauer Instituts, mit dem Rechtswissenschaftler Boris Burghardt von der HU Berlin, der die strafrechtliche Aufarbeitung von Unrechtsregimen erforscht, und Günther Feld, der zunächst als Staatsanwalt und dann als Vertreter der Nebenklage an vielen NS-Verfahren beteiligt war. Die Moderation hat Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Clusters.

Prof. Sybille Steinbacher ist Direktorin des Fritz Bauer Instituts, einer Stiftung bürgerlichen Rechts, die als An-Institut mit der Goethe-Universität assoziiert ist. Sie ist zudem Inhaberin des Lehrstuhls zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust und Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität.

PD Dr. Boris Burghardt ist Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für deutsches und internationales Strafrecht, Strafprozessrecht und Juristische Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Sommersemester 2019 hat er die Michael Hauck Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung am Fritz Bauer Institut inne.

Oberstaatsanwalt a.D. Günther Feld war von 1978 bis 2011 Staatsanwalt in Köln und langjähriger Leiter der Abteilung für NS-Verbrechen. Er führte etwa 30 Verfahren gegen SS-Angehörige. Heute arbeitet er als Rechtsanwalt und vertritt Holocaust-Überlebende und deren Angehörige als Nebenkläger in den letzten Auschwitz-Prozessen.

Der Eintritt zu den Stadtgesprächen ist frei. Kooperationspartner der aktuellen Veranstaltung sind das Historische Museum Frankfurt und das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main. Das „Frankfurter Stadtgespräch“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität findet jetzt zum 22. Mal statt. Ziel ist es, unter Einbeziehung prominenter Gäste mit geistes- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen an eine breitere außerakademische Öffentlichkeit zu treten. Zu den bisherigen Gästen gehörten die Publizistin Thea Dorn, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, die Politiker Erhard Eppler, Tom Königs und Rita Süssmuth, der Historiker Christopher Clark und Bundespräsident Joachim Gauck.

Informationen:
Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“:
Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;
Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;
www.normativeorders.net/frankfurter-stadtgespraech

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