Grenzenlose Filmerlebnisse. Programm des 9. Lichter Filmfests Frankfurt International

Bei "Grenzen" denkt mittlerweile jeder zuerst an die Außengrenzen Europas. Deutlich weiter sollen die "Grenzen" als Motto des diesjährigen Lichter Filmfests verstanden werden, das vom 29. März bis zum 2. April zum inzwischen neunten Mal in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet stattfindet. Diesmal nutzt das Festival das Künstlerhaus Mousonturm als Veranstaltungsort, weitere Spielstätten sind das Deutsche Filmmuseum, das Kino "Mal seh'n", der Lederpalast Offenbach und das Wiesbadener Caligari. Nicht nur die Filmreihen, auch das Begleitprogramm sind noch einmal deutlich gewachsen: Innerhalb der drei Wettbewerbe und außer Konkurrenz sind 13 internationale und 25 regionale Langfilme sowie 28 Kurzfilme zu sehen, insgesamt gibt es gut 100 Veranstaltungen, ein Viertel von ihnen sind Ur- und Erstaufführungen.

Mit dem "Heimat"-Regisseur Edgar Reitz hat Lichter einen prominenten Schirmherrn gefunden, neben anderen werden der Schauspieler Stipe Erceg und die Regisseure Nico Sommer und Hermann Vaske in den Jurys arbeiten.

Reitz wird nicht nur zur Eröffnung anwesend sein, wenn als Weltpremiere der jüngste Dokumentarfilm der hiesigen, in Südkorea geborenen Regisseurin Sung-Hyung Cho läuft. Mit "Meine Brüder und Schwestern im Norden" ist ihr wohl der erste dokumentarische Einblick in die Gesellschaft Nordkoreas gelungen. Am zweiten Festivalabend, dem 30. März, zeigt Reitz sein Opus "Die andere Heimat" (2013). Auch Jakob Simons Sehnsucht nach Brasilien, die Reitz in opulentes Schwarzweiß gesetzt hat, fügt sich in das Festivalthema ein. Nicht nur politisch, auch sozial und künstlerisch befasse Lichter sich mit Grenzen, sagte Johanna Süß, Ko-Festivalleiterin und Kuratorin der internationalen Filmreihe, bei der Vorstellung des Programms.

Unter anderem ist mit "Les Sauteurs" ein Dokumentarfilm zu sehen, der mit und von afrikanischen Flüchtlingen an der spanischen Enklave Melilla gedreht wurde. Die Regisseurin Sara Fattahi hat in "Coma" den Alltag syrischer Frauen im Krieg gefilmt, "The Wakhan Front" ist ein Mystery-Thriller, der in Afghanistan spielt. Mit insgesamt sieben weiteren internationalen Langfilmen, die zum Teil in Cannes und auf der Berlinale Preise gewonnen haben, konkurrieren sie um den erstmals ausgelobten internationalen Langfilmpreis.

Auch die regionalen Langfilme sind ebenso wie die regionalen Kurzfilme keineswegs in Ort und Thema beschränkt. Das zeigen etwa Lars Kraumes "Der Staat gegen Fritz Bauer", Tom Sommerlattes "Im Sommer wohnt er unten" und Thomas Carlés Auseinandersetzung mit dem Sterben seiner Eltern in der Uraufführung "Lisbeths letzte Reise".

Dabei ist es dem Team um Festivalleiter Gregor Maria Schubert besonders wichtig, dass über die Filme und das Hauptthema des Festivals diskutiert wird. Einige Veranstaltungen organisiert der Exzellenzcluster "Normative Ordnungen" der Frankfurter Goethe-Universität mit, am 30. März etwa wird es um Europas Grenzen gehen, am 1. April lädt die dritte "Lichter-Agora" dazu ein, den ganzen Tag lang mit Fachleuten ins Gespräch über Grenzen zu kommen. Die Ausstellung "Grenz-Parcours - Walk the Line" zeigt Werke unter anderen von Barbara Klemm und Rotraut Pape im Mousonturm, insgesamt 80 Künstler haben sich um den sechsten Lichter Art Award beworben. Die Ausstellung der fünf Finalisten, die vom Kurator Saul Judd und einer Jury ausgewählt worden sind, ist vom 30. März bis zum 3. April in der Naxoshalle zu sehen.

emm.

Das Festival beginnt am 29. März. Weitere Informationen zum gesamten Programm und Karten gibt im Internet unter der Adresse www.lichter-filmfest.de.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. März 2016, emm. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv


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