Zur Abschaffung und zum Leben der Freiheit

14. Juli 2017, 20.00 Uhr

Buchvorstellung zu Thomas Khuranas „Das Leben der Freiheit“ und Frank Rudas „Abolishing Freedom“

Autorenbuchhandlung Marx & Co
Grüneburgweg 76, 60323 Frankfurt am Main

Moderation: Dirk Setton

Es scheint unmöglich, gegen die Freiheit zu sein. Wenn es einen Wert gibt, der in den politischen Philosophien der Gegenwart unumstritten ist – gleich ob sie sich nun anarchistisch, libertär, liberalistisch, republikanisch oder kommunitaristisch verstehen –, dann ist es die Freiheit. Wer bestreitet, dass Freiheit ein Gut ist, macht sich entweder unmöglich oder behauptet etwas Unverständliches.
Die Fraglosigkeit und die inflationäre Bestätigung der Freiheit sollten dabei jedoch misstrauisch machen: Da kann etwas nicht stimmen.

Die beiden Bücher, die an diesem Abend zur Diskussion stehen, fragen danach, was mit den beiden dominanten Freiheitskonzeptionen der Gegenwart nicht stimmt: mit der Idee der Wahlfreiheit und der Idee der vernünftigen Selbstbestimmung. Während Frank Ruda zeigt, dass die Freiheit der Wahl uns weder Freiheit ermöglicht noch die Wahl lässt, zeichnet Thomas Khurana eine grundlegende Paradoxie nach, nach der im Inneren der Autonomie Willkür und Zwang wiederzukehren drohen.  

Wem an Freiheit liegt, sollte sich darum nicht damit befassen, sein Wahlverhalten zu optimieren oder die Herrschaft der vernünftigen Selbstbestimmung über die eigenen unbotmäßigen Neigungen endlich unumstößlich zu machen. Es gilt vielmehr sich von der Illusion der Wahlfreiheit und einem falschen Verständnis der Autonomie zu befreien, um die Frage nach der eigenen Freiheit überhaupt wieder stellen zu können.

Frank Ruda schlägt in diesem Sinne vor, die Freiheit abzuschaffen und sich in einem neuen Fatalismus zu üben: Nur derjenige, der einsieht, dass er keine Wahl hat und dass das Schlimmste bereits geschehen ist, kann sich von der Freiheitsillusion befreien. Thomas Khurana schlägt vor, die Idee der Selbstbestimmung im Rückgang auf die Idee des Lebens so neu zu verstehen, dass sich die inneren Spannungen der Autonomie entfalten statt bloß verdecken lassen. Die Frage ist, in welchem Verhältnis diese beiden Versuche eigentlich stehen: Wie steht das Vorhaben, die Freiheit abzuschaffen, zu dem, sie zu beleben?


Thomas Khurana
ist Lecturer of Philosophy an der University of Essex. Er arbeitet gegenwärtig an einem Projekt zur Kunst der zweiten Natur und zum Verhältnis von Selbstbewusstsein und Vergegenständlichung.

 

 

 

 



Frank Ruda
ist Vertretungsprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Gegenwärtig arbeitet er an einem Projekt zum Begriff des Muts und, gemeinsam mit Rebecca Comay, zu den zeitgenössischen politischen Implikationen der Philosophie Hegels.  

 

 

 

 

Dirk Setton ist Postdoktorand am Cluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Gegenwärtig arbeitet er an einem Projekt zum Verhältnis von Wille und Willkür in der kantischen und postkantischen Philosophie.

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Veranstalter:
Autorenbuchhandlung Marx & Co und Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“


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