Messias-Zarathustra-Laozi-Buddha: Prophetie und Messiasgestalten im globalen Kontext

12. Mai 2018

Campus Westend
Casino, Raum 1.108
Goethe-Universität Frankfurt

Programm (pdf): Hier...

Programm:

10.00 Uhr
Begrüßung und Einführung
King of Kings—Händels Messiah, eine musikalische Montage zum Dialog der Religionen
Jonathan Hofmann, Junge Kantorei Frankfurt
Silke Leopold, Musikwissenschaft & Barbara Mittler Sinologie Heidelberg

10.30 Uhr
Ex oriente lux - Zoroastrischer Messianismus?
Frederek Musall (Islamwissenschaft, Religionswissenschaft, Judaistik Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg)
Zoroastrische Ideen haben das Judentum maßgeblich beeinflusst und damit auch das Christentum geprägt. Wenngleich der Zoroastrismus als monotheistische Religion gilt, steht im Zentrum seiner Lehre der dualistische Kampf zwischen Schöpfung und  Zerstörung, zwischen Gut und Böse, auf welchen die Taten der Menschen einen entscheidenden Einfluss haben, bis schließlich die Erlöserfigur des Saoschjant ("Der-die-Wohltat-Bringende") erscheinen und durch seinen Sieg über das Böse und die Finsternis die letzte Erneuerung des Welt herbeiführen wird.

11.15 Uhr
Der Messias und andere Missverständnisse: Zur messianischen Idee in Judentum und Christentum
Elke Morlok (LOEWE Schwerpunkt “Religiöse Positionierung” & Judaistik Frankfurt) und Frederek Musall (Islamwissenschaft, Religionswissenschaft, Judaistik Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg)
Die Messiasfrage stellt bis heute eine besondere Herausforderung für das jüdisch-christliche Verhältnis dar. Doch wenngleich beide Religionsgemeinschaften sich vermeintlich auf einen gemeinsamen Begriff beziehen, so scheint das, was sie konzeptionell-theologisch damit verbinden und meinen, sich erheblich voneinander zu unterscheiden: Teils als Abgrenzung, teilweise aber auch, weil der Figur des Messias unterschiedliche Erlösungsvorstellungen zugrunde liegen.

12.00 Uhr
Prophetie und der Messias
Hartmut Leppin (Alte Geschichte Frankfurt)
Die Geschichte des Christentums lässt sich als eine Geschichte der Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Formen von Autorität schreiben: Amtsmäßige versus charismatische Autorität ist das klassische, durch Max Weber inspirierte Gegensatzpaar, aber auch eine Auffächerung nach einer größeren Zahl von Formen der Autorität erscheint möglich (spirituelle, ökonomische, intellektuelle Autorität usw.). Kein Zweifel besteht, dass prophetische Autorität eine wichtige Rolle unter frühen Christen spielte, nicht allein weil Jesus in die Tradition hebräischer Prophetie gestellt wurde. Immer wieder traten Propheten und Prophetinnen auf, die das Ansehen anderer Vertreter christlicher Gruppen in Frage stellten, weil sie sich als die eigentlichen Träger des Wortes Gottes präsentierten. Ebenso spielte die Berufung auf die Propheten des Alten Testaments für christliche Rechtfertigungen in den verschiedensten Zusammenhängen eine große Rolle. Als in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts eine zunächst dreiköpfige Gruppe von Prophetinnen und Propheten im kleinasiatischen Phrygien auftrat, die von ihren Gegnern als Montanisten bezeichnet wurden, erneuerte sich die Debatte über Prophetie unter Christen. Den Montanisten gelang es, stabile Strukturen zu errichten. Auf die Dauer aber setzte sich in Ost und West eine männlich geprägte Amtskirche durch, die sich die Tradition der Prophetie dadurch aneignete, dass sie sie auf sich bezog. Von manchen Autoren aus deren Umfeld wird ausdrücklich betont, dass die Zeit der Prophetie mit Jesus vollendet und beendet worden sei. Gleichwohl entstanden während der Geschichte des Christentums immer neue prophetische Bewegungen, die eine teils beträchtliche Resonanz fanden. Händels Messias, dessen Text oft allzu wenig Beachtung findet, beschäftigt sich in einem hohen Grade mit der Möglichkeit von Prophetie und einer prophetischen Geschichtsdeutung. Mit dem verfremdenden Blick eines Althistorikers will ich diese betrachten und in eine weitere Reflexion über die Rolle von Propheten in der
Geschichte des Christentums einbetten.

13.30 Uhr
Vom Tabubruch zum Herrschaftszeichen: Händels Messias und seine vielen Gesichter
Silke Leopold (Musikwissenschaft HD)
Händels Messias gilt heute als zentrales Werk seines Oratorienschaffens und als Inbegriff der Gattung Oratorium. Dabei stellt der Text, die Dramaturgie und die Erzählweise eher die große Ausnahme als die Regel dar. Der Messias wurde am 13. April 1742 in Dublin im Konzertsaal in der Fishamble Street mit großem Erfolg uraufgeführt. Die Dubliner Presse lobte den Messias für „The Sublime, the Grand and the Tender“ als eines der bedeutendsten Werke, die jemals komponiert worden waren. In London jedoch wurde der Messias weit kühler aufgenommen, als Händel ihn ein knappes Jahr später dort präsentierte. In seiner bald 280jährigen Rezeptionsgeschichte hat der Messias vielen unterschiedlichen Zwecken gedient und viele unterschiedliche Interpretationen erfahren. Dabei blieb die Musik doch jeweils dieselbe, es änderte sich freilich ihre Wahrnehmung. Davon soll, an ausgewählten Beispielen, die Rede sein.

14.15 Uhr
Höhere Kraft ist kraftlos: Nicht-Wissen, Autorität, Prophetie und Weissagung zwischen Chan und Dao
Barbara Mittler (Sinologie Heidelberg)
Der junge Komponist CHEN Cheng-wen aus Taiwan benutzt in seinem kompositorischen Dialog mit Händels Messias eine von ihm selbst zusammengestellte Auswahl von Texten aus der daoistischen und der Chanbuddhistischen Tradition (besser bekannt, in der japanischen Schreibung, als Zen-Buddhismus). CHEN inszeniert als “Stück im Stück” Musiktheater im Stil des südchinesischen Beigun, und geht dabei zurück auf Techniken der gleichnishaften Erzählung aus dem Daoismus und des paradoxen Rätsel-Dialogs aus dem Chan-Buddhismus: ein junger Mönch lernt von seinem Meister die wahre Natur messianischer Heilsfiguren erkennen: Wer sich erniedrigen kann, wie das Wasser, der ist der wahre Herrscher, wer erkennt, dass Kraft in der Kraftlosigkeit liegt, der kann die Welt retten.

15.00 Uhr
Kaffee-Pause

15.30-16.30 Uhr
Roundtable Gespräch mit den Komponisten
“Fenster öffnen” — Händels Messiah als musikalische Montage im Dialog der Religionen
CHEN Cheng-wen (Bremen), Ali Gorji (Berlin) Moderation: Silke Leopold (Heidelberg)
Ali Gorji versteht seine musikalische Arbeit mit dem Messiah in der Reihe “Neues Hören” als eine Möglichkeit, “Fenster zu öffnen” in drei verschiedene Welten. CHEN Cheng-wen erklärt seine musikalische Arbeit an und mit dem Messiah zur “Montage.” Beide setzen sich mit den religiösen Inhalten und den musikalischen Strukturen des Händel’schen Werks auf ganz unterschiedliche Weise auseinander. Diese und die Bedeutung einer solchen Neubetrachtung Alter Musik wird in dem Gespräch mit Silke

16.30 Uhr
Öffentliche Probe mit der Jungen Kantorei
(Festsaal im Casino-Gebäude der Universität Frankfurt)

 

Veranstalter:
Symposium der Universitäten Frankfurt und Heidelberg (Heidelberger Centrum für Transkulturelle Studien) und der Jungen Kantorei, mit freundlicher Unterstützung des Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds und des Taiwanesischen Erziehungsministeriums in Kooperation mit dem Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"


Aktuelles

Denken im Widerspruch

Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" zum Gedenken an Theodor W. Adorno aus Anlass seines 50. Todestags. Mehr...

„Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit" - Vortrag von Jürgen Habermas am 19. Juni 2019. Skript und Aufzeichnung verfügbar

Die Meldung zum Vortrag finden Sie: Hier...
Weitere Informationen (Videoaufzeichnung, Skript und Medienecho) finden Sie: Hier...

"The History of Postmetaphysical Philosophy and the Future of Democracy" - Konferenz zu Ehren von Jürgen Habermas

Am 20. und 21. Juni fand am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" die Konferenz "The History of Postmetaphysical Philosophy and the Future of Democracy" statt.
Die Meldung zur Konferenz finden Sie hier...
Das Programm und weitere Informationen finden Sie hier...

Nächste Termine

9. September 2019, 11 Uhr

Workshop: Lehrbücher der Zukunft Mehr...

11. und 12. September 2019

Conference: Contextual Thinking in Economics. More...

-----------------------------------------

Neueste Medien

„Die gesellschaftlichen Voraussetzungen des Faschismus dauern fort“ Zur Aktualität Adornos

Podiumsdiskussion

Verzerrt das Kino die KI? Ein Gespräch über Privatheit, IT-Vertrauen und Repräsentation anhand von The Circle

Vinzenz Hediger im Gespräch mit Christoph Burchard
Talking About a Revolution: Rechtswissenschaft und Filmwissenschaft im Gespräch über künstliche Intelligenz und Kino

Neueste Volltexte

Kettemann, Matthias; Kleinwächter, Wolfgang; Senges, Max (2018):

The Time is Right for Europe to Take the Lead in Global Internet Governance. Normative Orders Working Paper 02/2018. Mehr...

Kettemann, Matthias (2019):

Die normative Ordnung der Cyber-Sicherheit: zum Potenzial von Cyber-Sicherheitsnormen. Normative Orders Working Paper 01/2019. Mehr...