Forschung

Forschungsschwerpunkt Globaler Islam

Konflikte in den Ländern des globalen Südens haben Auswirkungen auf unsere eigene Gesellschaft und sie werden durch politische, ökonomische und militärische Aktivitäten unserer Regierung beeinflusst. Vor allem dann, wenn innenpolitische Probleme durch außenpolitische Dynamiken aufgeladen werden, ergeben sich explosive Gemengelagen. Islamismus und islamischer Fundamentalismus sind Phänomene, die in islamisch geprägten Staaten und in den muslimischen Diaspora-Gemeinschaften Europas zunehmend an Bedeutung gewinnen. Besonders in Staaten mit laizistischen oder pluralistischen politischen Traditionen zieht es Jugendliche massenhaft in islamistische Organisationen, erfreut sich ein islamischer Lebensstil großer Popularität, werden islamische Utopien in sozialen Gemeinschaften als soziopolitische Gegenentwürfe erprobt. Diese Entwicklungen bergen erheblichen Sprengstoff.

Auf Demonstrationen gegen den Krieg in Gaza wurden im August 2014 in Köln, Frankfurt und Berlin antisemitische Parolen gerufen, und es kam zu Übergriffen auf Juden in deutschen Städten. In Flüchtlingsheimen gingen gleichzeitig islamistische Syrer gegen Christen vor, und auf deutschen Straßen kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Yeziden auf der einen und sunnitischen Arabern auf der anderen Seite. Salafisten mobilisieren ihre Gefolgschaft mit Verweisen auf die Unterdrückung von Muslimen in Palästina und Europa und rekrutieren auch für einen globalen „heiligen Krieg“. Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund kämpfen in den Milizen des „Islamischen Staates“, und Jihadisten haben wiederholt damit gedroht in Deutschland Anschläge durchzuführen.

Gleichzeitig entwickeln sich weltweit Bewegungen von muslimischen Intellektuellen und Gelehrten, die den Weg für einen Islam eröffnen, der mit Demokratie, den Menschen-, Frauen- und Kinderrechten sowie humanistischen Idealen kompatibel ist. Ihre Arbeiten werden jedoch noch wenig rezipiert und sie stehen zudem unter starkem Druck konservativer und fundamentalistischer Kräfte.

Das Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam versteht sich als Think Tank, das diese Dynamiken und andere aktuelle Entwicklungen in der islamischen Welt wissenschaftlich analysiert und ihre Relevanz für Deutschland herausarbeitet. Es verbindet regionale und nationale mit transnationalen und globalen Perspektiven und ist in der Lage, Zusammenhänge herzustellen und staatliche so wie zivilgesellschaftliche Akteure zu beraten.


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Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies

Die koloniale Expansion und Herrschaft stellt ein wirkmächtiges Ereignis in der Geschichte sowohl des „globalen Nordens“ als auch des „globalen Südens“ dar, das Wissenschaft, Kultur, Philosophie, Literatur wie auch Wirtschaft, Politik, Recht und Gesellschaft insgesamt bis zum heutigen Tage prägt. Vor diesem Hintergrund haben sich postkoloniale Studien in den letzten drei Jahrzehnten als transdisziplinäres Forschungsfeld etabliert, das innerhalb zahlreicher akademischer Disziplinen – von der Literatur- und Kulturwissenschaft, Geschichte, Ethnologie, Soziologie und Politikwissenschaft bis zur Philosophie – wichtige kritische Interventionen angestoßen hat. Andere transdisziplinäre Forschungsfelder wie etwa die Gender Studies sind heute ohne Rekurs auf postkoloniale Ansätze kaum mehr vorstellbar.
Postkoloniale Studien zielen darauf ab, koloniale Kontakte und Konfrontationen in ihren verschiedenen Aspekten – textlich, figural, räumlich, historisch, politisch und ökonomisch – zu erforschen. Dabei wird der Fokus niemals nur auf einzelne Länder, Regionen oder gar Disziplinen gelegt. Vielmehr geht es darum, in transdisziplinärer Perspektive vergangene und gegenwärtige Interdependenzen und Verflechtungen zwischen den Ländern des „Südens“ und „Nordens“ herauszuarbeiten und das, was als „modernes Europa“ gilt, als Ergebnis kolonialer Interaktionen zu lesen. Innerhalb postkolonialer Studien sind die (ehemaligen) Kolonien daher auch als „Laboratorien der Moderne“ beschrieben worden. Entsprechend schließt dieses Forschungsgebiet sowohl Analysen der politischen, ökonomischen und kulturellen Entwicklungen im „globalen Süden“ als auch Untersuchungen über die genannten Verflechtungen mit dem „Norden“ ein. Darüber hinaus geht es darum, die Legitimationsstrategien verschiedener kolonialer und neokolonialer Diskurse zu untersuchen, um die normative Gewalt aufzudecken, die im Namen von Rationalität, Fortschritt und Entwicklung ausgeübt wird.
Postkoloniale Studien stellen also einerseits den Versuch dar, die bis in die Gegenwart fortwirkenden Effekte des europäischen Imperialismus und Kolonialismus zu rekonstruieren. Andererseits zielen sie darauf ab zu dokumentieren, wie prekär und umkämpft diese Herrschaftsformationen waren, um damit (post-)koloniale Konstellationen in ihrer ganzen Komplexität und Widersprüchlichkeit zu erfassen. Dabei versuchen postkoloniale Studien, die nachhaltigen und ambivalenten Effekte kolonialer Herrschaftsstrukturen auf Begrifflichkeit, Theoriebildung, Denkstile, Forschungsprogramme etc. in verschiedenen Wissensfeldern aufzuzeigen. Postkoloniale Studien beabsichtigen die Dekonstruktion des Eurozentrismus, der einem Großteil der aus Europa stammenden Theoriebildung innewohnt. Sie weisen dabei nicht nur eurozentrische Universalitätsansprüche zurück, sondern auch deren herrschaftliche Dubletten, den globalen Partikularismus und Kulturrelativismus.
Auch für die Analyse politischer Praxis und Normen erweist sich eine postkoloniale Perspektive als unabdingbar. In der heutigen Zeit müssen die globalen Dimensionen sozialer Ungleichheit in den Blick genommen werden. Aufgrund unserer „verwobenen Geschichten“ ist es unzureichend, politischer Verantwortung nur innerhalb nationalstaatlicher Grenzen gerecht werden zu wollen. Postkoloniale Theoretikerinnen und Theoretiker haben aufgezeigt, dass es unmöglich ist, eine Geschichte des „Westens“ ohne die Geschichte der Kolonialländer zu schreiben und umgekehrt. Trotz vielfältiger Bemühungen, globale Herrschaftskonstellationen aus einer multidimensionalen Perspektive zu erfassen, haben kritische Ansätze im deutschsprachigen Raum vor dem Hintergrund der vergleichsweise kurzen Kolonialherrschaft Deutschlands bisher häufig den kolonialen Entstehungskontext transnationaler Probleme und Konflikte vernachlässigt. So wurden postkoloniale Perspektiven hierzulande im Unterschied zur angloamerikanischen Hochschullandschaft lange Zeit nur marginal wahrgenommen und rezipiert. Das aktuelle Interesse an postkolonialer Theorie im deutschsprachigen Raum hat dazu geführt, dass nun auch hier einem lange Zeit vernachlässigten Forschungsfeld Beachtung geschenkt wird, das zur Erweiterung kritischer Theoriebildung der Institutionalisierung bedarf.
Das „Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies“ (FRCPS) dient dem Zweck, postkoloniale Theorie im Allgemeinen und feministisch-postkoloniale Theorie im Be-sonderen im deutschsprachigen Wissenschaftsdiskurs stärker zu verankern. Es ist das erste seiner Art innerhalb der deutschsprachigen Sozialwissenschaften. Die transdisziplinäre Forschungsstelle fördert postkoloniale Untersuchungen mit sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt, trägt zu einer weiteren Etablierung postkolonialer Studien in Deutschland bei und setzt darüber hinaus neue Akzente innerhalb der postkolonialen Theorieproduktion selbst. Mit dem FRCPS können sich sowohl der Exzellenzcluster „Herausbildung normativer Ordnungen“ als auch die Goethe-Universität Frankfurt in einem wichtigen Forschungsbereich mit hoher Sichtbarkeit profilieren.
Das FRCPS verfolgt den Anspruch, postkoloniale Konstellationen und Konflikte in all ihrer Komplexität zu erforschen. Im Unterschied zu anderen Institutionalisierungen postkolonialer Studien im deutschsprachigen Raum wird das Zentrum daher nicht nur kulturelle Transfer- und Hybridisierungsprozesse thematisieren, sondern einen ebenso starken Akzent auf Fragen der Dekolonisierung und Demokratisierung in den postkolonialen Kontexten sich entwickelnder sozio-ökonomischer und politischer Räume legen. Die konzeptionellen und kulturellen Austauschbeziehungen zwischen dem „Süden“ und dem „Norden“ untersuchen heißt für das FRCPS immer auch, Gewalt und sozio-ökonomische Ausbeutung als definierendes Moment kolonialer Kontakte zur Kenntnis zu nehmen. Die vielfältigen Wirkungsweisen und das Ineinandergreifen verschiedener normativer Ordnungen bilden dabei einen wichtigen Ansatzpunkt für die Theoriebildung und weitere Analysen. Die kritische Reflexion verschiedener Normtypen – juridischer, moralischer und sozialer Normen – und ihres Zusammenwirkens in unterschiedlichen Herrschaftsprojekten, die etwa Geschlecht und Sexualität formen, erweist sich als unverzichtbar, um die Funktionsweise kolonialer Rechtfertigungsnarrative wie der mission civilisatrice zu verstehen. Andererseits gilt es auch, dem kritischen Gehalt von Normen wie Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit Rechnung zu tragen, die von Befreiungsbewegungen gegen koloniale Herrschaft ins Feld geführt wurden und auch gegenwärtig von Frauenbewegungen weltweit für emanzipatorische Forderungen angeeignet werden.
Indem auch Geschlechterordnungen als normative Ordnungen begriffen werden, streben am FRCPS angesiedelte Forschungen stets die Integration einer heteronormativitätskritischen Perspektive an, da hiermit wichtige Fragen aufgeworfen werden können: Wie sind Geschlechterbeziehungen und Sexualität in postkolonialen Kontexten strukturiert? Wie können Geschlechterordnungen dekonstruiert werden? Und wie wirken sich globale Arbeits- und Produktionsprozesse auf Geschlechterverhältnisse sowohl in wie auch zwischen „Nord“ und „Süd“ aus?

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Forschungsschwerpunkt Internet und Gesellschaft im Forschungsverbund „Normative Ordnungen“

Mission
Die mit den digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien verbundenen normativen Herausforderungen werden immer offenkundiger. Als Netzwerk der Netzwerke ist das Internet zu einem zentralen Gegenstand rechts-, sozial-, politk- und geisteswissenschaftlicher Forschung geworden.
Am Forschungsverbund wird seit Jahren Internetforschung aus unterschiedlichen, aber einander ergänzenden Perspektiven geleistet.
Der Forschungsschwerpunkt Internet und Gesellschaft im Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ bündelt diese Initiativen und festigt die Rolle des Verbunds als Zentrum empirisch-normativer Internetforschung.

Leitung
Leitungsteam
Prof. Dr. Alexander Peukert
Dr. Matthias C. Kettemann

Veranstaltungen:

Frankfurter Kolloquium für Internetforschung

 

Winter- und Sommersemester 2020/2021
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Sommersemester 2020
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Sommersemester 2019
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Wintersemester 2018/2019
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Sommersemester 2018
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Sommersemester 2017

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Wintersemester 2016/17

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Sommersemester 2016
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Wintersemester 2015/16

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17.-19. November 2016
Internationale Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Digital <Dis>Orders
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Mitglieder
Burchard, Christoph, Prof. Dr.
Straf- und strafverfahrensrechtliche Reaktion auf Kriminalität im Internet; Internationalisierung und Europäisierung des (Internet-)Strafrechts; zwischenstaatliche Zusammenarbeit zur Verhütung und Verfolgung von Cyberkriminalität

Brodowski, Dominik, Dr.
Strafrechtliche, strafverfahrensrechtliche und polizeirechtliche Reaktion auf Kriminalität im Internet; Europäisierung des (Internet-)Strafrechts; Internationale polizeilicher und justizielle Zusammenarbeit zur Verhütung und Verfolgung von Cyberkriminalität

Daase, Christopher, Prof. Dr.
Außen- und Sicherheitspolitik (dabei auch Cyber-Außen-u. Sicherheitspolitik), Risikoanalysen und Krisenszenarien, Internationale Institutionen und Governance Umgang mit politischem Widerstand (auch im Internet: Wikileaks etc.

Kamis, Ben, MSc. I.R.
(internationale) Cybersicherheit; (europäische) Internet- und Datenschutzregulierung; Effekte der Digitalisierung und deren Regulierung auf staatliche Souveränität und Bürgerschaft)

Kettemann, Matthias, Mag. Dr. LL.M. (Harvard)
Völkerrechtliche Fragen der Internetregulierung und -verwaltung; Schutz der Menschenrechte im
Internet; Zusammenspiel von Völkerrecht, Europarecht und staatlichem Recht mit Internetbezug; Multistakeholderstrukturen und Normenentwicklung im Internet; Regulierung von nichtstaatlichen Internetakteuren

Peukert, Alexander, Univ.-Prof. Dr.
Deutsches, europäisches und internationales Urheber- und Markenrecht;
Persönlichkeitsrecht; Recht gegen unlauteren Wettbewerb; Internationales Privat-
und Zivilverfahrensrecht (jeweils im Hinblick auf Digitalisierung und Internet); Rechtstheorie

Thiel, Thorsten, Dr.
Demokratie- und Legitimationstheorien, Partizipations-und Repräsentationsstrukturen digitaler Gesellschaften, Staatstheorie und Souveränität, Nichtstaatliche Akteure und Internet Governance, Politisierungsprozesse digitaler Themen, Datenschutz und Anonymität, Digitale Wissenschaft

Rauer, Valentin, Dr.
Soziologie algorithmischen Handelns. Handlungstheoretische Fragen der algorithmischen Governance von sozialen Beziehungen und Netzwerken, Transformation von intersubjektiv strukturierten sozialen Situation in interobjektive Strukturierung soziale Situationen, Mobilisierung der Internets durch nicht stationäre Computertechnologien.

 

Weitere Forschungsprojekte am Forschungsverbund "Normative Ordnungen"

 

Raum, Agency und Praktiken in der postnationalen Konstellation

Projektlaufzeit: 1. September 2018 bis 31. August 2021

Projektverantwortlicher:
PD Dr. Daniel Lambach

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Die politische Differenz des Lebens. Zur Neukonzeption der Krise von Staat und Gesellschaft

Projektlaufzeit: 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2021

Projektverantwortliche:
Dr. Jonas Heller

Dr. Marina Martinez Mateo
Prof. Dr. Christoph Menke

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VICTOR-E Visual Culture of Trauma, Obliteration, and Reconstruction in Post-War Europe

Projektlaufzeit: 1. Mai 2019 bis 30. April 2022

Projektverantwortlicher:
Prof. Dr. Vinzenz Hediger

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Raum, Agency und Praktiken in der postnationalen Konstellation

Projektlaufzeit: 1. September 2018 bis 31. August 2021

Das Projekt beschäftigt sich mit dem Wandel von Staatlichkeit in der postnationalen Konstellation anhand der Begriffe Raum, Agency und (staatlicher) Praktiken. In mehreren Teilprojekten geht es um internationale Spielregeln, die darüber entscheiden, wie Akteure und Strukturen konstituiert werden, und wer über die Gestaltung dieser Spielregeln entscheiden darf. Dabei liegt ein besonderer Fokus darauf, wie konstitutive Normen und Praktiken globaler Politik interagieren, und wie Agenten mit diesen Strukturen umgehen.

Projektverantwortlicher:
PD Dr. Daniel Lambach
| Profil

Das Projekt wird im Rahmen des Heisenberg-Programms der DFG gefördert

Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) Standort Frankfurt am Main

Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt brauchen produktiven Streit! Die Wissenschaftler*innen am FGZ Standort Frankfurt erforschen soziale Kämpfe um Anerkennung und Teilhabe und die produktive Kraft, die aus solchen sozialen und politischen Konflikten erwachsen kann.

Der FGZ Standort Frankfurt an der Goethe-Universität blickt auf eine lange und lebendige Tradition in der Zusammenarbeit zwischen Philosophie, Rechtswissenschaften und Sozialwissenschaften in der Erforschung der Grundlagen sozialen Zusammenlebens zurück. Diese reicht von den Anfängen der Frankfurter Schule und dem Institut für Sozialforschung bis hin zum Exzellenzcluster und Forschungsverbund „Normative Orders“. Zugleich bringt der Standort auch eine spezifische Expertise in das Gesamtinstitut ein, die sich mit den Konflikten um Zusammenhalt und vor allem mit der Genese und Stabilisierung von Zusammenhalt im Konflikt und durch Konflikte befasst.

Gemeinsam mit Bremen und Leipzig koordiniert und leitet der FGZ Standort Frankfurt das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Hier sind die allgemeine Geschäftsstelle mit administrativer Geschäftsführung und die zentralen Services Forschungskoordination und Wissenstransfer angesiedelt. Hier finden Sie Informationen zu Forschung und Transfer sowie eine Übersicht des Teams am FGZ Standort Frankfurt.

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Forschungsinitiative „ConTrust: Vertrauen im Konflikt – Politisches Zusammenleben unter Bedingungen der Ungewissheit“

Konflikte sind in gesellschaftlichen Kontexten unumgänglich, und dennoch machen sie ein Zusammenleben nicht unmöglich. Aber woher nehmen wir die Gewissheit, dass Auseinandersetzungen nicht eskalieren, dass sich das jeweilige Gegenüber an Regeln hält, dass Institutionen uns gegen Überschreitungen absichern und die soziale Welt als ganze so stabil ist, dass wir unser Handeln in ihr sinnvoll orientieren können? Die Antwort ist Vertrauen. Vertrauen erzeugt eine „ungesicherte Sicherheit“, die niemals vollständig eingelöst werden kann und dennoch das Geheimnis gesellschaftlichen Zusammenlebens ausmacht. Doch wie bildet sich Vertrauen, was sind seine Ursprünge?

Als gemeinsame Forschungsinitiative der Goethe-Universität und der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung Frankfurt steht ConTrust im Kontrast zu vorherrschenden Tendenzen der einschlägigen Forschung. Erstens versteht sie Vertrauen nicht als Gegenbegriff zu dem des Konflikts, sondern geht davon aus, dass sich Vertrauen erst im Konflikt zeigt, bildet und bewährt: Vertrauen im und durch Konflikt. Zweitens sucht die Forschungsinitiative konventionelle disziplinäre Grenzen der Erforschung von Vertrauen und Konflikt methodisch ebenso zu überschreiten wie die Kluft zwischen empirischen und normativen Analysen. Drittens stellt die Forschung der Initiative die „Vertrauensfrage“ in einen Rahmen, der nach neuen Qualitäten der Ungewissheit (und Verunsicherung) fragt, die nicht erst in der Corona-Pandemie (aber besonders dort) sichtbar wurden. Dazu gehört auch die Reflexion auf die sich wandelnden Medien, in denen Vertrauen und Misstrauen kommuniziert und konstituiert und Konflikte repräsentiert werden. Viertens wird deutlich gemacht, dass der Begriff des Vertrauens anders als in den meisten alternativen Ansätzen nicht durchweg positiv zu bewerten ist, sondern es auch autoritäre Formen des Vertrauens geben kann, die freiheitsverneinend und politisch destruktiv sind. Schließlich zielt das Vorhaben auf praktische Schlussfolgerungen in Bezug auf die Möglichkeiten ab, Konflikte so zu gestalten, dass auf produktive Weise Vertrauen gebildet und stabilisiert werden kann. In diesem Sinne ist der Dialog mit der Gesellschaft integraler Teil unserer Forschung.

Diese Annahmen und Absichten strukturieren die gemeinsame, interdisziplinäre, empirische wie auch normative Erforschung von Vertrauensdynamiken in zentralen Konfliktkontexten, die von demokratischen Strukturen über internationale Politik und Märkte bis hin zu Wissensdiskursen und Medien reichen. Daraus wollen die Forschenden in den nächsten vier Jahren eine Diagnostik der Dynamik von Vertrauen und Misstrauen in typischen Konfliktkonstellationen entwickeln und für den Aufbau eines internationalen Zentrums für Vertrauens- und Konfliktforschung nutzen. Zentrale Maßnahmen, um dies zu erreichen, sind die gezielte Anwerbung und Förderung von herausragenden Junior- und Mid-Career-Level-Forscher*innen, um die vorhandene Expertise zu ergänzen und zu stärken. Darüber hinaus ist struktur- und profilbildend für die Forschung in Frankfurt die Berufung mehrerer Professuren am Standort vorgesehen. Die Sprecher*innen des Programms, das am Zentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt angesiedelt ist, sind Prof. Nicole Deitelhoff und Prof. Rainer Forst.

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Aktuelles

„Normative Ordnungen“, herausgegeben von Rainer Forst und Klaus Günther, ist im Suhrkamp Verlag erschienen

Am 17. April 2021 ist der Sammelband „Normative Ordnungen“ im Suhrkamp Verlag erschienen. Herausgegeben von den Clustersprechern Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther, bietet das Werk einen weit gefassten interdispziplinären Überblick über die Ergebnisse eines erfolgreichen wissenschaftlichen Projekts. Mehr...

Das Postdoc-Programm des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“: Nachwuchsförderung zwischen 2017 und 2020

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist seit je her ein integraler Bestandteil des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“. Das 2017 neu strukturierte, verbundseigene Postdoc-Programm bietet die besten Bedingungen zu forschen und hochqualifizierte junge Wissenschaftler*innen zu fördern. Zum Erfahrungsbericht: Hier...

„Symposium on Jürgen Habermas’ Auch eine Geschichte der Philosophie“ herausgegeben von Rainer Forst erschienen

Als jüngste Ausgabe der Zeitschrift "Constellations: An International Journal of Critical and Democratic Theory" ist kürzlich das „Symposium on Jürgen Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie“ herausgegeben von Prof. Rainer Forst erschienen. Mehr...

Nächste Termine

28. Oktober 2021, 14.00 Uhr

Buchvorstellung und Diskussion: Wissenschaftsfreiheit im Konflikt. Mehr...

29. Oktober 2021, 17.00 Uhr

Buchvorstellung und Diskussion: The Government of Things - Foucault and the New Materialisms. Mehr...

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Neueste Medien

Studieren, Forschen, Lehren trotz Corona-Pandemie

Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (HSFK und „Normative Ordnungen“), Prof. Dr. Stefanie Dimmeler (Cardio-Pulmonary Institute und Goethe-Universität Frankfurt), Prof. Dr. Klaus Günther („Normative Ordnungen“) und Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen (SAFE)
Moderation: Doris Renck (hr-Journalistin)
Frankfurter interdisziplinäre Live-Debatte

Europa kann mehr! Friedensgutachten 2021

Prof. Dr. Christopher Daase (Forschungsverbund "Normative Ordnungen" der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK))
Book lɔ:ntʃ

Videoarchiv

Weitere Videoaufzeichnungen finden Sie hier...

Neueste Volltexte

Rainer Forst (2021):

Solidarity: concept, conceptions, and contexts. Normative Orders Working Paper 02/2021. Mehr...

Annette Imhausen (2021):

Sciences and normative orders: perspectives from the earliest sciences. Normative Orders Working Paper 01/2021. Mehr...