Panel I: Rechtfertigungsnarrative in Übergangszeiten

13.11.2009, 10.30 – 12.30 Uhr, Casino – Cas 823 Festsaal

Ein Zeichen des Wandels normativer Ordnungen in Zeiten gesellschaftlicher, politischer oder kultureller Umbrüche sind die Veränderungen, welche die Narrative der Rechtfertigung von Normen und normativen Ordnungen erfahren. Diese Veränderungen können sehr unterschiedliche Formen annehmen. Überlieferte Rechtfertigungsnarrative können durch Kritik geschwächt oder durch Alternativen verdrängt werden. Elemente aus Narrativen verschiedener Herkunft können ineinandergeschoben werden, Teile von Narrativen können neu interpretiert werden oder andere Funktionen der Rechtfertigung erhalten. Die Beziehungen von Rechtfertigungsnarrativ, Norm und normierter Praxis können sich verändern. Das Panel sucht den Formen und Funktionen solcher Modifikationen von Rechtfertigungsnarrativen an historischen Beispielen aus verschiedenen Zeiten nachzugehen.

Prof. Moritz Epple

Einführung

Prof. Dr. Moritz EppleProf. Dr. Moritz Epple. Nach einem Studium der Physik, Mathematik und Philosophie Promotion in mathematischer Physik im Jahr 1991 und Habilitation im Fach Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften im Jahr 1998. Von 2000 bis 2002 Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 2002-2003 Leiter der Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik am Historischen Institut der Universität Stuttgart. Seit Oktober 2003 Leiter der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Epples Forschungsinteressen gelten der Geschichte der mathematischen Wissenschaften des 18. bis 20. Jahrhunderts im wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenhang, u. a. der Rolle der mathematischen Wissenschaften in der europäischen Aufklärung, den Mathematisierungsprozessen in modernen Gesellschaften, und den Beziehungen zwischen Naturwissenschaft und Krieg. Neuere Publikationen: Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur (Hrsg. zusammen mit Birgit Bergmann), 2008; Science as Cultural Practice. Vol. 1: Cultures and Politics of Research from the Early Modern Period to the Age of Extremes (Hrsg. zusammen mit Claus Zittel), im Erscheinen; Science as Cultural Practice. Vol. 2: Modernism in the Sciences (Hrsg. zusammen mit Falk Müller), im Erscheinen.

Prof. Hans Kippenberg

Das Thomas-Theorem In der modernen Religionsgeschichte

Zur Differenz zwischen normativen Haltungen und Handlungen

Hans KippenbergHans G. Kippenberg, geboren 1939 in Bremen, seit 2008 „Wisdom Professor for Comparative Religious Studies“ an der Jacobs University Bremen, studierte in Marburg, Tübingen, Göttingen, Leeds (GB) und Berlin Theologie, semitische und iranische Sprachen sowie Allgemeine Religionsgeschichte. Von 1977-1989 war er Professor für vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Groningen (NL), von 1989 bis 2004 Professor für Theorie und Geschichte der Religionen an der Universität Bremen und zugleich von 1998 bis 2009 Fellow für Religionswissenschaft am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt. Er war zuvor Fellow am Netherland's Institute for Advanced Study in Wassenaar, am Wissenschaftskolleg zu Berlin, am Institute for Advanced Study in Princeton und am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung in Bielefeld. Veröffentlichungen der letzten Jahre: Herausgeber zusammen mit T. Seidensticker von The 9/11 Handbook. Annotated Translation and Interpretation of the Attackers’ Spiritual Manual, 2006; Gewalt als Gottesdienst. Religionskriege im Zeitalter der Globalisierung, 2008; Herausgeber zusammen mit J. Rüpke / K. v. Stuckrad von Europäische Religionsgeschichte. Ein mehrfacher Pluralismus. 2 Bde. 2009.



Prof. Hartmut Leppin

Deo auctore

Die Christianisierung kaiserlicher Selbstdarstellung in der Spätantike

Hartmut LeppinHartmut Leppin (* 1963) wurde nach Studium der Geschichte und Klassischen Philologie in Marburg, Heidelberg, Pavia und Rom 1992 in Marburg mit einer Dissertation über die soziale Stellung römischer Bühnenkünstler promoviert. 1995 erfolgte die Habilitation an der FU Berlin mit einer Arbeit über politische Vorstellungen in der spätantiken Geschichtsschreibung. Nach Stationen in Greifswald, Nottingham und Göttingen seit 2001 in Frankfurt / Main. Er ist Principal Investigator des Exzellenzclusters. Seine gegenwärtigen Forschungsschwerpunkte liegen auf der politischen Ideengeschichte der Antike sowie auf Christianisierungsprozessen in der spätantiken Gesellschaft. Neuere Publikationen: Theodosius der Große. Auf dem Weg zu einem christlichen Imperium, 2003 (it. und sp. Übersetzung 2008); The Church Historians I. Socrates, Sozomenus, and Theodoretus, in: G. Marasco (Hg.), Greek and Roman Historiography. Fourth to Sixth Century, 2003, 219-254; Power from Humility: Justinian and the Religious Authority of Monks, in: N. Lenski (Hg.), Shifting Frontiers (im Druck).


Aktuelles

"Making Crises Visible" - Ausstellung und Rahmenprogramm beginnen im Februar 2020

Der Forschungsverbund "Normative Ordnungen" der Goethe-Universität beteiligt sich von Februar bis Juni 2020 am Rahmenprogramm zum wissenschaftlich-künstlerischen Projekt "Making Crises Visible". Mehr...

DFG fördert Kolleg-Forschungsgruppe „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer“

Eine von der DFG geförderte Kolleg-Forschungsgruppe mit dem Titel  „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer“ richtet ab Oktober 2020 den Blick auf frühere Formen des Christentums. Sprecherinnen sind Prof. Dr. Birgit Emich und Prof. Dr. Dorothea Weltecke, Mitglied des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" der Goethe-Universität. Mehr...

Nächste Termine

26. Februar 2020, 18 Uhr

Ausstellungsprojekt "Making Crises Visible": Kuratorenführung: »Making Crises Visible«. Mit Felix Kosok. Mehr...

27. Februar 2020, 10 Uhr

Workshop: Criticism of Religion in the Enlightment Era. Mehr...

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