Schnell wie der Witz - Die Filme von Ernst Lubitsch

In Filmen von Ernst Lubitsch ist es im Nu um einen geschehen. Das fängt eigentlich schon mit den Titeln an. Wer nennt seine Filme schon Der Blusenkönig, Käsekönig Holländer, Die Wohnungsnot oder Der G.m.b.H.-Tenor? – und das sind jetzt auch nur gerade mal vier der Filme von Lubitsch, die verschollen sind. Lubitsch ist schnell. 1915 in Berlin dreht er 11 Filme, 1932 in Hollywood 5, darunter Trouble in Paradise. Lubitsch ist immer schon woanders. Als Asta Nielsen sich beklagt, sie habe in seinem Film gar nicht richtig weinen können, schreibt Lubitsch ihr 1920 offen im Brief: „Sie können es mir immer noch nicht verzeihen, daß ich sie bei einer Großaufnahme, statt 5 nur 2 Meter habe weinen lassen. Aber glauben Sie mir, Ihre Tränen kullerten so echt aus den Augen über die Backen auf die Bluse, daß das Publikum nach 2 Metern vollauf ergriffen war.“ 3 Meter mehr sind für ihn „überflüssig“. „[A]ußerdem waren ihm in seinen Filmen die Türen immer wichtiger als die Menschen“, schreibt Frieda Grafe in „Was Lubitsch berührt. (Schnell wie der Witz)“. Witzig meint etymologisch nicht einfach nur, dass es etwas zu lachen gibt. Gewitzt ist jemand, der wach ist. Der scharf beobachten kann. Einfälle hat. Präzise ist. In der Militärzuckerbäckergarnison der Bergkatze isst der Trompeter im ovalen Rähmchen gerade eine Wurst, als er zum Morgenappell bläst. In vier Hochbetten nebeneinander räkeln sich Soldaten im Nachthemd. Einer klettert müde aus dem Bett, schlurft zum Fenster, schaut hinaus. Und macht es zu. Der Zuckerbäckerkommandant kommt in den Schlafsaal, zwirbelt seinen Schnurrbart und brüllt irgendetwas, das keiner versteht. Das Tempo zieht an. Katzenwäsche. Der Kommandant geht, die Soldaten springen zurück ins Bett. Draußen halten fünf Soldaten einen Plausch. Der Kommandant schleicht sich von hinten an. Seine Frau reisst ein anderes Fenster auf. Erster Zwischentitel (nach vier Minuten): „Ruhe!“
In der Lecture & Film-Reihe entwerfen internationale SpezialistInnen neue Perspektiven auf die Filme von Ernst Lubitsch in Vorträgen in Verbindung mit Filmvorführungen und anschließender Diskussion. Alle Veranstaltungen beginnen jeweils um 20:15 Uhr im Kino des Deutschen Filmmuseums, Schaumainkai 41, Frankfurt am Main.

Deutsches Filmmuseum
Schaumainkai 41, Frankfurt am Main

Eintritt frei. Platzzahl beschränkt. Kartenreservierungen empfohlen unter 069 961 220-220.

Veranstalter:
Eine Veranstaltungsreihe des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main und des Exzellenzclusters »Die Herausbildung normativer Ordnungen« in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmmuseum im Rahmen der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA), mit finanzieller Unterstützung der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt am Main und des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main.

Programm mit weiteren Informationen (pdf): Hier...

Programm:

Donnerstag, 17. November 2016, 20.15 Uhr
Anke Wilkening, Wiesbaden
Probleme der Überlieferung. Zur Restaurierung von Ernst Lubitschs Die Bergkatze
Filmprogramm: "Die Bergkatze", 1921
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 1. Dezember 2016, 20.15 Uhr
Martin Seel, Frankfurt am Main
Das Böse verlachen. To Be or Not to Be von Ernst Lubitsch
Filmprogramm: "To Be or Not to Be", 1942
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 15. Dezember 2016, 20.15 Uhr
Valerie Weinstein, Cincinnati
Performing Jewishness. Ernst Lubitschs frühe Milieukomödien
Filmprogramm: "Der Stolz der Firma", 1914, "Schuhpalast Pinkus", 1916
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 12. Januar 2017, 20.15 Uhr
Kevin B. Lee, Chicago
Aushöhlung der Austernprinzessin: Ein Live Video-Essay Kochkurs
Filmprogramm: "Die Austernprinzessin", 1919
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 19. Januar 2017, 20.15 Uhr
Ute Holl, Basel
Ärger im Paradies
Filmprogramm: "Trouble in Paradise", 1932
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 9. Februar 2017, 20.15 Uhr
René Michaelsen, Köln
Champagnerlaune mit Sicherheitsabstand – Lubitschs Filmoperetten
Filmprogramm: "The Merry Widow", 1934
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 20. April 2017, 20.15 Uhr
Elisabeth Bronfen, Zürich
Ein Spiel verzauberter Blicke. Die Puppe von Ernst Lubitsch
Filmprogramm: "Die Puppe", 1919
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 4. Mai 2017, 20.15 Uhr
Dirk Schaefer, Berlin
Lubitsch-Kitsch und Lubitsch Touch
Filmprogramm: "Broken Lullaby/The Man I Killed", 1932
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 18. Mai 2017, 20.15 Uhr
Ewa Mazierska, Lancashire
Der sanfte Orientalismus in Carmen
Filmprogramm: "Carmen", 1918
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 1. Juni 2017, 20.15 Uhr
Erica Carter, London
Ein Gespenst geht um: Lubitsch, Dietrich und Friedrich Holländer in Angel
Filmprogramm: "Angel", 1937
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 8. Juni 2017, 20.15 Uhr
Jennifer Bean, Seattle
"Versteckte Anspielungen": Erotische Befreiung und Gelächter in The Marriage Circle
Filmprogramm: "The Marriage Circle", 1924
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 22. Juni 2017, 20.15 Uhr
Laura Horak, Ottawa
Girls Will Be Boys im frühen Deutschen Kino
Filmprogramm: "Ich möchte kein Mann sein", 1918, "Zapatas Bande" (Urban Gad), 1914, "Das Liebes-ABC" (Magnus Stifter), 1916
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 6. Juli 2017, 20.15 Uhr
Johannes von Moltke, Ann Arbor
Ein politischer Lubitsch Touch? Ninotchka zwischen Exil und kaltem Krieg
Filmprogramm: "Ninotchka", 1939
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag,  20. Juli 2017. 20.15 Uhr
Christine Korte, Toronto
Genau das, was der Doktor verschrieben hat: Männlichkeit, Veranlagung und Komödie in Ernst Lubitschs Meyer aus Berlin
Filmprogramm: "Meyer aus Berlin", 1919
Weitere Informationen: Hier...

Zur vergangenen Lecture and Film-Reihe: Hier...


Aktuelles

Die Gegenwart der Religion und die Zukunft der Philosophie. Internationale Tagung über und mit Jürgen Habermas

Am 20. und 21. November 2020 fand die Tagung „Gegenwart der Religion - Zukunft der Philosophie. Überlegungen im Anschluss an das jüngste Werk von Jürgen Habermas“ statt. In acht Vorträgen international renommierter Wissenschaftler*innen aus der Philosophie und Theologie wurde an zwei Tagen das 2019 erschienene Werk "Auch eine Geschichte der Philosophie" mit dem Autor Jürgen Habermas diskutiert. Mehr...

Ringvorlesung "Machtverschiebung durch Algorithmen und KI"


Von Suchmaschinen bis hin zu Predictive Policing - Algorithmen und Künstliche Intelligenz verändern gesellschaftliche Strukturen und ökonomische Geschäftsmodelle. In der Ringvorlesung "Machtverschiebung durch Algorithmen und KI" werden ab dem 11. November 2020 gesellschaftliche Auswirkungen und Optionen rechtlicher Regulierung im Zusammenhabng mit KI diskutiert. Mehr...

Nächste Termine

25. Januar 2021, 18.00 Uhr

Ringvorlesung "Machtverschiebung durch Algorithmen und KI": Prof. Christiane Wendehorst (Universität Wien): Haftung für Künstliche Intelligenz – droht ein Verantwortungsvakuum? Mehr...

28. Januar 2021, 12.30 Uhr

Book lɔ:ntʃ: Pandemic Media. Preliminary Notes Towards an Inventory. With: Laliv Melamed, PhD, Philipp Dominik Keidl, PhD, Prof. Antonio Somaini and Prof. Vinzenz Hediger. More...

28. Januar 2021, 18.00 Uhr

13. FFGI Vortragsreihe: Arta Ramadan (ZDF-Reporterin): Kosovo, Deutschland und der liberale Islam. Mehr...

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„Freiwilligkeit oder Zwang?“ – Experimente in den Zeiten von Infektionsschutz

Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg (Goethe-Universität Frankfurt am Main, Forschungsverbund "Normative Ordnungen")
Moderation: Prof. Marion Tiedtke (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main)
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Gesellschaft als digitale Sozialmaschine? Zur soziotechnischen Transformation des selbstbestimmten Lebens

Prof. Jörn Lamla (Universität Kassel)
Ringvorlesung "Machtverschiebung durch Algorithmen und KI"


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