Mittwoch, 25. Januar 2012, 18 Uhr c.t.

Campus Westend, Hörsaalzentrum HZ3

Prof. Dr. Rainer Forst

Zu einer Kritik der rechtfertigenden Vernunft

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Die Vernunft ist das Vermögen, die aktiven Weltbezüge des Menschen auf begründete Weise zu ordnen und damit zu rechtfertigen – ob es um das Erkennen, das Urteilen oder das Handeln geht. Die das Handeln rechtfertigende, praktische Vernunft ist immer schon in praktischen Kontexten verortet und muss begründbare Antworten auf normative Fragen finden, die sich in diesen Kontexten stellen – solche des guten Lebens, des Rechts, der politischen und sozialen Gerechtigkeit und der Moral. Eine Kritik der rechtfertigenden Vernunft hat die Aufgabe, die Geltungskriterien dieser Kontexte zu rekonstruieren – auch so, dass sie reflexiv ebenfalls kritisiert werden können. Sie stößt dabei freilich auf Fragen, die ihre eigene Praxis betreffen: Muss
die Rechtfertigung selbst eine soziale, diskursive Praxis sein, und in welchem Sinne? Dies führt zu einer „Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse“ als Aufgabe kritischer Theorie. Aber  daneben: Welchen normativen Status hat das Vernunftprinzip der gebotenen, reziprok-allgemein nicht zurückweisbaren Rechtfertigung im Kontext der Moral: Ist es nicht selbst ein moralisches Prinzip? Wie ist der Grundsatz der Rechtfertigung letztlich gerechtfertigt?

Zur Person

altRainer Forst ist Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe Universität, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, stellv. Sprecher der Kollegforschergruppe „Justitia Amplificata“ und Permanent Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg. Zuvor lehrte er an der FU Berlin, der New School for Social Research in New York und am Dartmouth College (New Hampshire). Er arbeitet zu Grundfragen der Moralphilosophie und der politischen Theorie. Wichtigste Veröffentlichungen: Kontexte der Gerechtigkeit (Suhrkamp 1994, engl. Univ. of California Press 2002), Toleranz im Konflikt (Suhrkamp 2003, Cambridge UP i.E.), Das Recht auf Rechtfertigung (Suhrkamp 2007, Columbia UP 2011), Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse (Suhrkamp 2011, Polity Press in Vorb.). Er ist Mitglied des Herausgeberkreises von Ethics, Political Theory sowie des European Journal of Political Theory und einer Reihe weiterer internationaler Zeitschriften; zudem gibt er die Reihen „Theorie und Gesellschaft“ und „Normative Orders“ bei Campus heraus.

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