Mittwoch, 2. November 2011, 18.15 Uhr

Campus Westend, Hörsaalzentrum HZ3

Prof. Dr. Thomas Schmidt

Die „Heiligkeit des Rechts“
Autonomie und Autorität normativer Geltung

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Mit der Rede von der „Heiligkeit des Rechts“ haben Kant und Hegel den besonderen Charakter der unbedingten Geltung von Rechtsnormen zum Ausdruck gebracht. Kant zufolge „ist in
der ganzen Welt nichts so heilig, als das Recht anderer Menschen“, Hegel bestimmt das Recht „als etwas Heiliges überhaupt, weil es das Dasein der selbstbewussten Freiheit ist“. Beide wollen mit der Formel von der Heiligkeit des Rechts gerade die Autonomie normativer Geltung betonen, die ihre Autorität ausschließlich vernünftiger Selbstbestimmung
verdankt und nicht von vorreflexiven sakralen Voraussetzungen abhängt. Die Säkularisierung des Rechts wird also gerade von einer rhetorischen Sakralisierung der Autorität autonomer Vernunft begleitet und gestützt. Eine Interpretation der Rede von der Heiligkeit des Rechts ist daher nicht nur geeignet, die in der Moralphilosophie und politischen Theorie immer wieder neu aufbrechende Kontroverse zwischen kantianischen und hegelianischen Strategien der Normbegründung in einer bestimmten Perspektive zu belichten, sondern auch die systematische Frage zu adressieren, wie unter postsäkularen Bedingungen die Autonomie und Autorität von Normativität verstanden und begründet werden kann.

Zur Person

altThomas M. Schmidt, Professor für Religionsphilosophie am Fachbereich Katholische Theologie und kooptierter Professor am Institut für Philosophie, Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Goethe-Universität; Principal Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Hauptantragsteller des DFG-Graduiertenkollegs 1728 „Theologie als Wissenschaft“. Zur Zeit Fellow am Max-Weber-Kolleg und kooptierter Gastwissenschaftler der Kolleg-Forschergruppe „Religiöse Individualisierung in historischer Perspektive“ der Universität Erfurt. Arbeitsbereiche: Religionsphilosophie, Politische Philosophie, Deutscher Idealismus, Pragmatismus, Diskurstheorie. Wichtigste Publikationen: Moderne Religion? Theologische und religionsphilosophische Reaktionen auf Jürgen Habermas (hg. gem. mit Knut Wenzel), Freiburg-Basel-Wien: Herder 2009; Discorso Religioso e Religione Discorsiva nella Societá Postsecolare, Torino: Trauben 2009; Religion in der pluralistischen Öffentlichkeit (hg. gem. mit Michael Parker), Würzburg: Echter 2008; Anerkennung und absolute Religion. Formierung der Gesellschaftstheorie und Genese der spekulativen Religionsphilosophie in Hegels Frühschriften, Stuttgart/Bad Cannstatt: frommann-holzboog 1997.

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