Die Ausstellung „Violence No More“ ist eine Retrospektive der indonesischen Künstlerin ARAHMAIANI. Ihr Werk soll dabei allerdings nicht chronologisch hervorgezerrt und aufgereiht, sondern ihre künstlerischen und geistigen Entwicklungsschritte der letzten 30 Jahre zu einem großen Ganzen zusammengefügt und dem Publikum angeboten werden. Indonesische Gegenwartskunst ist in Europa so gut wie unbekannt. Zu den wenigen Künstlern des Gastlandes der Buchmesse 2015, die international unterwegs sind, zählt ARAHMAIANI. Sie steht an vorderster Stelle in der Vermittlung indonesischer Kunst auf dem internationalen Parkett. Keine Kunstmetropole auf dieser Welt, in der sie noch nicht exponiert hätte, keine Biennale im Norden oder Süden, zu der sie nicht eingeladen war.
Die Frankfurter Ausstellung stellen wir unter das Motto „Waking up – Growing up“, das den künstlerischen Wertegang ARAHMAIANIS gut beschreibt. Aufgeweckt wurde sie als junge Künstlerin durch die brutalen Unterdrückungsmethoden der Militärdiktatur Indonesiens sowie durch die aggressive kulturpolitische Einmischung radikal-islamischer Gruppen in ihrer Heimat, die ihre Ausstellungen stürmten und ihr Gewalt androhten. Gewachsen ist sie am Bewusstsein, dass eine Künstlerin (vielleicht noch mehr als ein Künstler) Verantwortung für die Humanisierung ihrer Gesellschaft übernehmen muss, dass sie eintreten muss für die Rechte von Frauen, von Minderheiten, von ökonomisch und sozial marginalisierter Gruppen. Ein Zwischenergebnis ihrer wachsenden Bewusstwerdung war die Erkenntnis, dass alle gesellschaftlichen Veränderung nichts sind, wenn sie nicht gleichzeitig das ökologische Erbe des Planeten erhalten – dauerhaft und zum Nutzen aller im Netzwerk der Natur integrierten Beteiligten. Arahmaiani knüpft damit an die indonesische Vorstellung der Einheit alles Seienden, also an die große spirituelle Tiefe des asiatischen Denkens an. Diese Spiritualität beförderte ihre Erweiterung von einer politischen zu einer ökologischen Aktivistin, für die gesellschaftliche und kosmische Enzwicklungszustände untrennbar miteinander verknüpft sind.
Das kuratorische Konzept der Ausstellung sieht vor, die beiden Stränge der Bewusstseinsbildung der Künstlerin – Waking up-Growing up – anfänglich nebeneinander zu stellen, um sie schließlich mehr und mehr zu einem Entwicklungsstrang zusammenzuführen. Im Prinzip soll jedes der gezeigten Kunstwerke (Videos von früheren Performances, Installationen, Live-Performances, Fotos und 6 großformatiger Gemälde) als solches eigen- und vollständig sein und gleichzeitig soll sich alles zum größeren Kontext zusammenfügen, soll der gegenwärtige ethische, künstlerische und emotionale Standpunkt der Künstlerin erkannt werden. Wir wollen die aufsteigenden Etagen des „Haus am Dom“ für den fortschreitenden Prozess der Veränderung und Entfaltung der Künstlerin nutzen und diesem so eine räumliche Komponente geben. Haus und Werk sollen zusammenfinden, das Werk soll sich in die Architektur des Hauses einfügen und dabei vielleicht neue Sichtachsen innerhalb des Hauses schaffen.
Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Werner Kraus (Center for Southeast Asian Art, Passau) und organisiert von Dr. Gunnar Stange (Goethe-Universität) und Dr. Lisa Straßberger (Haus am Dom, Frankfurt). Sie findet im Rahmen einer Kooperation des Haus am Dom, des Sonderforschungsbereichs 1095: „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt, der Frankfurter Buchmesse sowie des Center for Southeast Asian Art, Passau, sowie des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) statt.

Haus am Dom
Domplatz 3
60311 Frankfurt am Main

Termine
Vernissage: 12.10.2015, 18.30 Uhr
- Performance „Flag Project“ der Künstlerin
- Empfang
- Filmvorführung der Filme „Riding My Tiger“ und „Paradise Later“ des Fimemachers Ascan Breuer
- Diskussion Arahmaianis und Ascan Breuers mit dem Publikum, Moderation Dr. Gunnar Stange

Finissage: 25.10.2015, 11:00 Uhr Haus am Dom, Frankfurt am Main
- Performance „Violence No More“ der Künstlerin
- Empfang

Die Ausstellung ist vom 13.10. bis 25.10.2015 täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr (Sa/So ab 11.00 Uhr) geöffnet.

 

 

 

 

 

Veranstalter:
Haus am Dom, Sonderforschungsbereich 1095: „Schwächediskurse und Ressourcenregime“, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Frankfurter Buchmesse, Center for Southeast Asian Art, Passau und Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam (FFGI)


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Bis Ende September 2020

In der Goethe-Universität finden mindestens bis Ende September 2020 keine Präsenzveranstaltungen statt. Präsenzveranstaltungen des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" werden ebenfalls bis auf Weiteres ausgesetzt.

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