Publication details

Nach Jacques Derrida und Niklas Luhmann: Zur (Un-)Möglichkeit einer Gesellschaftstheorie der Gerechtigkeit. Lucius & Lucius, Stuttgart 2008 (Hrsg.)

Book (ed.)

Author(s): Teubner, Gunther
Year of publication: 2008

Abstract: Die Gerechtigkeitsbegriffe von Derrida und Luhmann beanspruchen besondere Aufmerksamkeit in den aktuellen Forschungen des Frankfurter Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, in dessen Anfangsstadium die in den Beiträgen des Buches diskutierte Fragestellung der (Un-)Möglichkeit einer Sozialtheorie der Gerechtigkeit entwickelt wurde. Offensichtlich bieten weder Derrida noch Luhmann (!) nur externe funktionalistische Erklärungsversuche. Sie gehen auch und gerade der internen Perspektive einer Gerechtigkeitssuche nach, besonders wenn sie sich auf die kritische Bruchstelle zwischen Begründung und Entscheidung konzentrieren. Die „dialektische“ Spannung innerhalb des Frankfurter Verbundprogramms baut sich an ganz anderer Stelle auf. Sowohl in systemtheoretischer als auch in dekonstruktiver Sicht kann die Frage der Gerechtigkeit gerade nicht in einem „Rechtfertigungsnarrativ“ beantwortet werden, sondern sie setzt erst dann ein, wenn die Grenzen rationaler Rechtfertigung erreicht sind. Gerechtigkeit wirkt also in dieser Sicht als ein die Begründungsrationalität transzendierendes Moment normativer Praxis. Mit Dezisionismus hat dies freilich nichts zu tun. In dekonstruktiven und systemtheoretischen Analysen erscheint Gerechtigkeit als eine konkrete Praxis der Selbstbeschreibungen des Rechts, welche die bloße Konsistenz des Rechts übersteigt und sich den Anforderungen der Rechtstranszendenz aussetzt. Damit wird gegenüber der Dualität von prozeduralen Rechtfertigungsbegriffen und substanziellen Vorstellungen vom Guten eine dritte Position der Gerechtigkeit markiert. Gunther Teubner, Selbstsubversive Gerechtigkeit: Kontingenzformel oder Transzendenzformel des Rechts Jean Clam, Wie dicht sind Opfer? Zur Entscheidung der Frage nach dem Ort der Transzendenz in heutiger Gesellschaft Anton Schütz, Von einem neuerdings erhobenen gerechten Ton in der autopoietischen Jurisprudenz Christoph Menke, Subjektive Rechte: Zur Paradoxie der Form Karl-Heinz Ladeur, Das subjektive Recht als Medium der Selbsttransformation der Gesellschaft und Gerechtigkeit als deren Parasit Marc Amstutz, Rechtsgenesis: Ursprungsparadox und supplément Fatima Kastner, Das Welttheater des Pardons: Zum Verhältnis von Recht, Vergebung und Gedächtnis Fabian Steinhauer, Derrida, Luhmann, Steinhauer: Über Dekonstruktion, System und Rhetorik Rainer-Maria Kiesow, Gesetze

Subject(s): sociology, law

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