Publication details

Zur Debatte über die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 und moderne Sklaverei. Zwangsarbeit in Katar und anderen Golf-Kooperationsrats-Staaten, in: Zeitschrift für Menschenrechte, 20: 2, S. 64-79.


Author(s): Holthaus, Leonie
Year of publication: 2016

Abstract: Only the controversial awarding of the 2022 FIFA World Cup to Qatar raised transnational public debate about forced labor and human trafficking as structural features of Qatar’s construction industry and political economy. Seizing the debate, I theorize the gap between Qatar’s formal condemnation of forced labor and local support for the continuance of the sponsorship system. I argue that the parallel development of state-building and regime consolidation depended on the exploitation of migrant labor and that it created socio-economic structures that now impede implementation of human and labor rights. Local actors hardly critique migrant labor’s exploitation. A critical factor for the local adaption and implementation of human rights norms that the spiral model identifies, being the alliance of transnational and local protest, is thus absent and unlikely in Qatar. So far, Qatar continued the sponsorship system which is a major reason for forced labor and human trafficking. Nach der kontroversen Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar entstand eine transnationale Debatte über Zwangsarbeit und Menschenhandel als strukturelle Bestandteile von Katars Baugewerbe und politischer Ökonomie. Ich greife diese Debatte auf und versuche die krasse Diskrepanz zwischen Katars formaler Anerkennung der Konventionen gegen Zwangsarbeit und ihrer lokalen Missachtung der Menschenrechtsnormanerkennung zu theoretisieren. In einem ersten Schritt zeige ich, dass die parallele Entwicklung von moderner Staatlichkeit und Regimekonsolidierung von der Ausbeutung von ArbeitsmigrantInnen abhing, und dies Verfremdungsängste und teils sogar Rassismismus unter Katars Staatsbürgern schürte. Dies erklärt, warum kaum lokaler Protest gegen die Ausbeutung von ArbeitsmigrantInnen existiert. Eine wesentliche Voraussetzung für die lokale Adaption und Implementierung von Menschenrechtsnormen, die das Spiralmodell identifiziert, ist die Verbindung von transnationalem und lokalem Protest. Sie ist somit in Katar nicht gegeben und unwahrscheinlich. Katar praktiziert weiter das Sponsorensystem, welches eine Hauptbedingung für Zwangsarbeit und Menschenhandel ist.

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