„Vom Ringen der Ordnungen hinter Gittern“

Von Frederike Popp

Nach dem großen Erfolg der Vorlesungsreihe „Gesetz und Gewalt im Kino“, die im Wintersemester 2013/14 im Rahmen des gleichnamigen Projekts an der Goethe-Universität Frankfurt am Main organisiert wurde, wurde von den Projektleitern Prof. Dr. Martin Seel und Prof. Dr. Angela Keppler eine Fortsetzung organisiert. Diese sollte mit einer Verlegung in den öffentlichen Raum einhergehen, sodass die erste Veranstaltung am 25.04.14 in den Räumen des Museums für Moderne Kunst Frankfurt am Mains tattfinden konnte. Zu Gast war Verena Lueken, Filmkritikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie gab nach den Eröffnungsworten von Martin Seel (Principal Investigator des Exzellenzclusters und Professor für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Prof. Dr. Klaus Günther (Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht) dem zahlreich erschienenen Publikum eine Einführung mit dem Titel „Babes Behind Bars – Gesetz und Gewalt im Frauengefängnisfilm“ in den wenig bekannten Frauengefängnisfilm „Caged“ von John Cromwell (USA 1950). Indem sie mehrere differenzierte Bezüge zum übergeordneten Thema der Veranstaltung herstellte, legte sie den Grundstein für die Diskussion, die nach der Filmvorführung stattfand. Im Mittelpunkt von Luekens Ausführungen standen vier einander auch überlappende Systeme normativer Ordnungen, die sie zum Teil als Objekt der Darstellung im Film selbst, zum Teil aber auch als wesentliches Wirkungsprinzip seiner Entstehungsumstände identifizierte.

Nachdem sie den Film in das Genre des Frauengefängnisfilms sowohl eingeordnet als auch von bestimmten Klischees, die mit dessen Tendenz zur Pornographisierung einhergingen, abgegrenzt hatte, beschrieb Lueken das narrative Geschehen im Film als Konflikt zwischen der staatlichen Ordnung der Institution Gefängnis und der gewalttätigen Ordnung, die das Leben der Insassen kennzeichne. Besonderes Augenmerk läge dabei vor allem bei dem Kräftemessen der Figuren der Gefängnisdirektorin und der Gefängniswärterin, wobei an der Charakterisierung der Letzteren deutlich wurde, wie sehr die beiden Systeme miteinander verflochten seien. Ausgehend von diesen Deutungen arbeitete Lueken dann heraus, inwieweit sich der Film bestehenden Genrekonventionen widersetzte. Dabei wurde deutlich, dass sich „Caged“ nicht nur der eindeutigen Zuordnung zum Frauengefängnisfilm, sondern auch der zum Film-noir entzieht, auch wenn darauf hingewiesen wurde, dass der besprochene Film Elemente aus beiden Kategorien aufweise. Als vierte Ordnung wurde schließlich mit dem Verweis auf die erschwerten Entstehungsbedingungen des Films die Selbstzensur in Hollywood vor allem während der 50er und 60er Jahre genannt, was Lueken wiederum zum Anlass nahm, auch die gesellschaftskritische Dimension des Films auszuloten.

An die Filmvorführung schloss sich eine rege Diskussion an, die viele der von Lueken angesprochenen Themen um weitere Sichtweisen ergänzte. Im Mittelpunkt stand hier zunächst die prägnante Figur der Gefängniswärterin, deren Sprengkraftpotential auf ein anarchistisches Element im Film zu verweisen scheint. Daran anschließend kam auch noch einmal die Frage zur Sprache, wie viel emanzipatorisches Potential der Film im Allgemeinen in sich trüge, da dieser zwar auf ein Happy End verzichte und auch die Zustände in amerikanischen Gefängnissen nicht beschönige, er aber nach Meinung einiger Diskussionsteilnehmer dennoch ein klares Bild von Gut und Böse zeichnen würde. Die Veranstaltung fand ihren Abschluss daher in einer erneuten Erörterung des kritischen Potentials des Films.

Nach dieser Eröffnung fanden bisher noch zwei weitere Veranstaltungen der Vorlesungsreihe statt. Prof. Dr. Martin Seel sprach am 9. Mai mit Bezug auf den Film "Caché" (Frankreich et. al. 2005) von Michael Haneke unter dem Titel „Anonyme Ansichten verdeckter Gewalt“ u. a. über die Möglichkeiten, das Phänomen der filmischen Gewaltdarstellung auch anhand von Konventionen der Kameraführung zu thematisieren. Am 23. Mai analysierte Prof. Dr. Klaus Günther u. a. die legitimierenden und delegitimierenden Tendenzen des Films "Zero Dark Thirty" von Kathrin Bigelow (USA 2012) in Bezug auf das Thema staatlich organisierter Folter.

Die Vorlesungsreihe wird komplettiert durch zwei weitere Vorträge:
Am 27. Juni spricht Prof. Dr. Angela Keppler (Universität Mannheim) über den Film "Viva Maria!" von Louis Malle (Frankreich-Italien 1965).
Am 16. Juli spricht Prof. Dr. James Conant (University of Chicago) über den Film "Psycho" von Alfred Hitchcock (USA 1960)

Zur Vorlesungsreihe "Gesetz und Gewalt im Kino": Hier...

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