Forschung aktuell

Podiumsdiskussion „Diskurskultur im Zwielicht – Wie viel Meinungsfreiheit verträgt die Uni?“

Von Juana de O. Lorena

Bereits vor Beginn der Abendveranstaltung am Freitag, dem 19. Januar 2018, waren sämtliche Sitze des Hörsaals 3 der Goethe-Universität belegt. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher waren gekommen, um die unterschiedlichen Positionen zum Thema „Meinungsfreiheit an der Universität“ anzuhören und darüber hinaus, über die Frage nach der [Existenz einer] Grenze dieser Freiheit zu debattieren.
Der konkrete Anlass für die Diskussion war die Ein- und Ausladung eines umstrittenen Referenten im Oktober 2017 zu einer Vortragsreihe im Rahmen des zum Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ gehörigen „Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam“. Nach Protesten eines Teils der akademischen Gemeinschaft und Verfassung eines offenen Briefs durch über 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gegen die Einladung, wurde der Vortrag des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, abgesagt. Dass Herr Wendt seinen Beitrag zum Thema „Polizeialltag in der Einwanderungsgesellschaft“ nicht an der Goethe-Universität vorgestellt hat, entfachte eine polarisierende Debatte, die auch ein großes Echo in den Medien fand. Dies wiederum warf die Leitfrage der Veranstaltung „Wie viel Meinungsfreiheit verträgt die Uni?“ auf.

Read more: Podiumsdiskussion „Diskurskultur im Zwielicht – Wie viel Meinungsfreiheit verträgt die Uni?“

Eröffnung der Lecture & Film-Reihe "Tropical Underground. Das brasilianische Cinema Marginal und die Revolution des Kinos" Vortrag von Vinzenz Hediger "Im Kino der Menschenfresser"

Von Juana de O. Lorena

Tupí or not tupí, that is the question.
(Oswald de Andrade im Anthropophagischen Manifest)

In Anklang an die bekannte Aussage des englischen Dichters William Shakespeare in Hamlet, so würde sich der Kern des Anthropophagischen Manifest zusammenfassen lassen. Das sich hier aufzeigende Dilemma greift auf die Konstruktion der brasilianischen Identität zurück: Sollen die Brasilianer der Moderne sich durch die Annäherung an die Ureinwohner des Landes, die Tupí, definieren, oder sollen sie sich an den Richtlinien der europäischen Kolonialisten durch das „Fressen" europäischer Kulturinhalte orientieren? Die Frage in dem hier berufenen Werk von Oswald de Andrade spielt nicht nur im Rahmen der brasilianischen Kultur der Moderne eine zentrale Rolle, sondern steht auch im Mittelpunkt der Reihe „Film and Lecture – Tropical Underground: Das brasilianische Cinema Marginal und die Revolution des Kinos".

Read more: Eröffnung der Lecture & Film-Reihe "Tropical Underground. Das brasilianische Cinema Marginal und...

Sehnsucht nach Weisheit: (k)ein Fall für die akademische Philosophie?

Von Juana de O. Lorena

Anlässlich der Eröffnung des Rahmenprogramms der Biennale des bewegten Bildes (B3) begrüßte Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“, das Publikum und stellte seinen Gesprächspartner vor. Marcus Willaschek hat die Professur für Philosophie der Neuzeit an der Goethe-Universität Frankfurt inne und ist Principal Investigator des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes „Normative Ordnungen“ an derselben Universität. Seine Expertise liegt vor allem in der Erforschung der  Philosophie Immanuel Kants, zu dessen Werk Willaschek 2015 das Kant-Lexikon mitherausgegeben hat.
Zur Einführung erläuterte Frye den Kontext der Veranstaltung: Das Leitthema der Biennale 2017 lautete „On Desire“ (aus dem Englischen „Über das Begehren“). Das Begehren, begleitet wie andere Gefühle unseren Alltag – einschließlich durch seinen Konflikt mit unserer Vernunft. In diesem Kontext erklärte Frye die Etymologie des Worts „Philosophie“, das Gegenstand des folgenden Gesprächs war. Philosophie wörtlich übersetzt heiße „Liebe zur Weisheit“; oder wenn man den niederländischen Begriff „Wijsbegeerte“ ins Auge fasse, die Bedeutungen „Begehren (nach)“ und „Wissen“ erhalte. Vor diesem Hintergrund präsentierte der Moderator nun den Titel der Veranstaltung, der als Leitfaden zum Gespräch diente: „Sehnsucht nach Weisheit: (k)ein Fall für die akademische Philosophie?“. Im Dialog mit Professor Marcus Willaschek wurde darunter vor allem über die Rolle der akademischen Philosophie bei der Lösung praktischer Alltagsfragen gesprochen.

Read more: Sehnsucht nach Weisheit: (k)ein Fall für die akademische Philosophie?

Die Politik der Migration – eine Konferenz fragt nach den Grenzen der Zugehörigkeit

Von Jerzy Sobotta

Flucht und Migration sind zu Fragen mit gesellschaftlicher Sprengkraft geworden. Seit Einwanderer in großen Zahlen auch ins nördliche Europa kommen, ist Streit über den Umgang mit den Neuankömmlingen entbrannt. Die Reaktionen reichten von „Willkommenskultur“ bis zu gewalttätigen Angriffen auf Flüchtlinge und dem Erstarken rechter Parteien. Die Konferenz “The politics of migration – testing the boundaries of membership” hat am 15. Dezember 2017 an der Goethe-Universität Frankfurt die politischen und juristischen Konsequenzen der Migration in den Blick genommen. „Stabile liberale Demokratien in Europa sind erschüttert worden. So wird Einwanderung zu einem Wendepunkt in der Geschichte der Globalisierung”, sagte Rainer Forst, Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in der Begrüßungsrede. Er hat die Veranstaltung gemeinsam mit Prof. Ayelet Shachar vom Göttinger Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften organisiert. In zwei kommentierten Vorträgen und einem Panel haben die Teilnehmer die Fragen nach Grenzen, Territorialität und der Bedeutung von Migration für politische Gemeinschaften verhandelt.

Read more: Die Politik der Migration – eine Konferenz fragt nach den Grenzen der Zugehörigkeit

Gesetze des Begehrens im Internet „Begehren und begehrt werden braucht Grenzen. Nämlich Grenzen des Rechts“. Vortrag auf der B3 Biennale des bewegten Bildes 2017 "On Desire. Über das Begehren"

Von Johanna Schafgans

Mittlerweile gilt das Internet als Wunschmaschine der Gegenwart. Im Internet produzieren und konsumieren wir laufend Inhalte und Produkte. Wir begehren und werden begehrt.
Dabei stehen zwischen uns und den Produkten Vermittler (Plattformen und soziale Medien). Diese Intermediäre sind es, die die Gesetze und die Normen aufstellen. Doch welche Normen sind das, die das Begehren des Internets strukturieren?    
Dieser Frage widmete sich Matthias C. Kettemann in seinem Vortag „Gesetze des Begehrens im Internet“ am 1. Dezember 2017 auf der B3 Biennale des Bewegten Bildes, die unter dem Leitthema „On Desire. Über das Begehren“ stand.    
Matthias C. Kettemann ist Post-Doc Fellow am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ord-nungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, wo er sich zu normativen Ordnungen des Internets habilitiert. Am Cluster gründete er den Forschungsschwerpunkt Internet und Gesellschaft.
Zu Beginn seines Vortrags erklärte Dr. Kettemann einige Begriffe, die für seinen Vortrag von beson-derer Relevanz seien: Erstens stellte er fest, dass er mit „Gesetz“ natürlich nicht nur staatliche Gesetze meine, sondern Normen und Regeln generell, die das Begehren im Internet strukturierten. Diese Normen und Regeln stellen einerseits Grenzen auf, aber geben andererseits den Menschen die Möglichkeit, sich im Internet zu verwirklichen. Zweitens verwies er darauf, dass er, wenn er von Begehren spreche, sowohl das Konsumieren als auch das Produzieren von Inhalten, um begehrt zu werden ins Auge fasse. Drittens definierte er Intermediäre als die Unternehmen, die zwischen NutzerInnen vermitteln und die Inhalte und Räume zur Verfügung stellen, in denen diese begehren und begehrt werden können.

Read more: Gesetze des Begehrens im Internet „Begehren und begehrt werden braucht Grenzen. Nämlich Grenzen...

Veranstaltungsbericht zum Crisis Talk „Was Grundlagenforschung (noch) damit zu tun hat: Transnationale Forschungsförderung zur Bewältigung gesellschaftlicher Krisen in Europa“

Von Dr. Stefan Kroll

Im 7. Crisis Talk ging es nicht nur um die Frage, welchen Beitrag die Wissenschaft zur Bewältigung gesellschaftlicher Krisen leisten kann. Gegenstand der Diskussion war darüber hinaus ein Krisenphänomen, das, wie Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (HSFK) in ihrer Begrüßung betonte, von manchen gar nicht als Krise wahrgenommen werde. Gemeint war die Rolle der Grundlagenforschung, welche in der europäischen Forschungsförderung gegenüber der anwendungsorientierten Forschung in die Defensive gerate. So wird es zumindest von manchen Beobachtern wahrgenommen. Die Frage nach der Bedeutung der Grundlagenforschung in der europäischen Forschungsförderung ist auch deshalb von besonderer Aktualität, weil im Sommer der Kommissionsvorschlag für das 9. Forschungsrahmenprogramm (FP9) zu erwarten ist.

Read more: Veranstaltungsbericht zum Crisis Talk „Was Grundlagenforschung (noch) damit zu tun hat:...

Von Schleiermacher bis zum Kapitalozän. Der Exzellenzcluster »Die Herausbildung normativer Ordnungen« schaut bei seiner Internationalen Jahreskonferenz multiperspektivisch auf die Krise

Von Bernd Frye

„Krise ist unser Tagungsthema, kein Kennzeichen unserer Gemütslage.“ Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, ging in seinen einleitenden Worten darauf ein, dass der geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsverbund in der nächsten Runde des Exzellenzwettbewerbs nicht mehr gefördert wird. Ohnehin hatten die Vorbereitungen der mittlerweile 10. Internationalen Jahreskonferenz lange vor dem abschlägigen DFG-Bescheid begonnen. Und die häufig zu hörende Ansicht, wonach es bei einer Krise kein Vor und kein Zurück gebe, stimme, so Forst, nur eingeschränkt: „Es gibt immer einen Weg, aber er
muss ein neuer sein!“
Bei der Jubiläumskonferenz wurde dieser – wie immer – im Dialog der Disziplinen beschritten: Was ist, auch philosophisch gesehen, überhaupt eine Krise? Wie stellt sie sich angesichts der aktuellen politischen Ereignisse dar? Was lässt sich aus historischer und ethnologischer Sicht über Epochen und Umbruchprozesse sagen? „Crisis: Interdisciplinary Perspectives“ – so lautete der Titel der zweitägigen Tagung, die Ende November im Gebäude „Normative Ordnungen“ auf dem Campus Westend stattfand.

Read more: Von Schleiermacher bis zum Kapitalozän. Der Exzellenzcluster »Die Herausbildung normativer...

Wissenschaft mit Pepp – Greta Wagner über Pillen und Pulver an der Universität

Von Jerzy Sobotta

Eine neue Spitzenzeit im Sprinten, ein neuer Weltrekord im Brustschwimmen? Wenn es um Höchstleistung geht, greifen Sportler hin und wieder mal in die medizinische Trickkiste. Dass nicht nur Athleten dopen, sondern auch Akademiker ihre Aufmerksamkeit auf chemischem Wege erhöhen, ist weniger bekannt. Greta Wagner, Postdoktorandin am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, hat die Praxis der Selbstoptimierung durch leistungssteigernde Psychopharmaka erforscht. In der Goethe Lecture Offenbach am 12. Dezember 2017 zeigt die Soziologin, wie Pillen und Pulver an Hochschulen und in der Kreativwirtschaft zum Einsatz kommen. Ohne in moralische Eindeutigkeit zu verfallen, stellt Wagner die Ambivalenzen ihrer Studienteilnehmer dar. „Im Versuch sich ständig besser zu machen und so den wachsenden Leistungsansprüchen der Gesellschaft zu entsprechen, scheitern viele Konsumenten an ihrem eigenen Selbstbild“, erklärt Wagner.

Read more: Wissenschaft mit Pepp – Greta Wagner über Pillen und Pulver an der Universität

“The only alternative to authoritarian liberalism is democratic socialism.” Hauke Brunkhorst on “Normative Orders in Crisis”

By Tatjana Sheplyakova

“Soyez réalistes, demandez l’impossible!” was one of the many slogans during the Paris May Days of 1968. Almost 50 years later, at the 2017 Annual Conference of the Normative Orders’ Cluster of Excellence Hauke Brunkhorst in his keynote lecture reminded us of the political task to revive the struggle for democratic socialism. Given the neoliberal turn in politics that can be observed since the 1970s, which resulted in a new formation of ever expanding authoritarian liberalism, this task seems even more impossible today. The prospects are bleak, he warned, but it is worth fighting for.

In his introductory remarks Christoph Menke addressed the question where to locate Hauke Brunkhorst within the tradition of Frankfurt School Critical Theory. Conventional account would be to speak of different generations of Critical Theory and to place its protagonists into one or the other generation accordingly. Hauke Brunkhorst’s philosophical, political, and legal thought, however, escapes any such classification. Brunkhorst’s work spans the range of critical social analysis, it includes in-depth reflection on the idea and shape of politics under the conditions of Modernity, on solidarity, democracy, not least the concept and history of law – it represents a self-reflection of theory at its best in the view of its social including its economic conditions and effects. Therefore, as Menke concluded, “it’s just a little exaggeration – but as Adorno said, only exaggerations are true – we can thus say that Hauke Brunkhorst just is the Frankfurt School”.

Read more: “The only alternative to authoritarian liberalism is democratic socialism.” Hauke Brunkhorst on...


Headlines

„Frankfurter interdisziplinäre Debatte“. Frankfurter Forschungsinstitute laden zum Austausch über disziplinen-übergreifende Plattform ein

Die „Frankfurter interdisziplinäre Debatte“ ist ein Versuch des Dialogs zwischen Vertreter*innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zu aktuellen Fragestellungen – derzeit im Kontext der Corona-Krise und u.a. mit Beiträgen von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther. Seit Ende März 2020 ist die Onlineplattform der Initiative (www.frankfurter-debatte.de) verfügbar. Mehr...

Bundesministerin Karliczek gibt Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek am 28. Mai 2020 den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei waren Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni, Normative Orders), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen). Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. Mehr...

Upcoming Events

Bis Ende September 2020

In der Goethe-Universität finden mindestens bis Ende September 2020 keine Präsenzveranstaltungen statt. Das Veranstaltungsprogramm des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" wird ebenfalls bis auf Weiteres ausgesetzt.

-----------------------------------------

Latest Media

Krise und Demokratie

Mirjam Wenzel im Gespräch mit Rainer Forst
Tachles Videocast des Jüdischen Museum Frankfurt

Normative Orders Insights

... with Nicole Deitelhoff

New full-text Publications

Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. More...

Kettemann, Matthias (2020):

The Normative Order of the Internet. Normative Orders Working Paper 01/2020. More...