Forschung aktuell

„Dauerkrise Moderne“. Beschleunigung, Entfremdung und (k)ein Ende in Sicht?

Von Steffen Andrae

Dass an diesem Abend kein Sitzplatz frei blieb und manch ein Besucher dem Vortrag stehend folgen musste, verwunderte in Anbetracht des hochkarätigen Besuchs kaum. Hartmut Rosa sprach am 13. Juni 2017 unter dem Titel „Analyse, Diagnose, Therapie? Eine kritische Neubestimmung der Spätmoderne“ im Gebäude des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Er ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie in Jena, Direktor des Max-Weber Kollegs in Erfurt und Sprecher der DFG-geförderten Kollegforschergruppe "Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften". Der mit seinen Büchern „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“ (2005) und „Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung“ (2016) vorgelegte gesellschaftstheoretische Großentwurf wurde nicht nur im akademischen Betrieb sehr positiv rezipiert, sondern auch von einer breiteren Öffentlichkeit aufgenommen. Rosa ist ein oft gesehener Gast in Radiosendungen, Talkshows und bei diversen Kongressen – ein engagierter Vortragsreisender und öffentlicher Intellektueller. Seine Überlegungen zu einem kritischen Gesamtbild der Moderne stellte er an diesem Abend in komprimierter Form vor.

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Veranstaltungsbericht zum Crisis Talk "Des Volkes Stimme? Der Aufstieg des Populismus als Krise Europas"

Von Thorsten Thiel

Der Aufschwung populistischer Parteien in Europa ist eine der am stärksten beachteten politischen Entwicklungen der letzten Jahre. Trotz einiger Dämpfer bei den jüngsten Wahlen 2017 haben insbesondere rechtspopulistische Bewegungen es verstanden, in zahlreichen Demokratien Europas Fuß zu fassen; populistische Rhetorik findet gar weit über die Grenzen dieser Akteure hinaus Verbreitung. Vor diesem Hintergrund fand der fünfte Crisis Talk des Leibniz-Forschungsverbundes Krisen einer globalisierten Welt und seiner Partner – der Vertretung des Landes Hessens bei der EU, dem Europa-Büro der Leibniz-Gemeinschaft und dem Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ erneut großes Interesse. Unter dem Titel „Des Volkes Stimme? Der Aufstieg des Populismus als Krise Europas“ diskutierten am 7. Juni 2017 Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Sprecherin des Forschungsverbundes und geschäftsführende Direktorin der HSFK und Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Prof. Dr. Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems, und Thomas Mann, Mitglied des europäischen Parlaments (EVP-Fraktion).

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„Die Basics erklären“ – Deutsche Außenpolitik nach vier Monaten Trump

Von Jerzy Sobotta

Der diplomatische Kontakt zwischen Deutschland und den USA überschlägt sich. Was heute noch als fest und verbindlich gilt, kann morgen bereits überholt sein. Die Bundesrepublik ist in ihren Beziehungen zur neuen US-Administration vor große Herausforderungen gestellt. Oliver Owcza, Leiter des Referats Nordamerika im Auswärtigen Amt, zog eine Zwischenbilanz über vier Monate Trump. Der Vortrag fand am 1. Juni 2017 in der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen der zwölfteiligen Ringvorlesung „Angriff auf die liberale Weltordnung – U.S. Außen- und Sicherheitspolitik unter Trump“ statt. Diese wird aus aktuellem Anlass vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ ausgerichtet und von Prof. Christopher Daase und Dr. Stephan Kroll organisiert.

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„Die Dialektik der Nummer“. Ein Gespräch zwischen Bernd Stiegler und Christoph Menke über die Fotografie von Claudia Andujar

Von Steffen Andrae

Das Schwarzweißfoto, das die Veranstaltung ankündigte, zeigt eine junge indigene Frau, die ein Kind auf ihrem Schoß fest umschlungen hält. Ihr Oberkörper wird nur durch ein Armband aus Naturmaterialien geziert und auch das Kind ist nackt. Ihr Blick ist durchdringend und skeptisch, könnte aber auch Gleichgültigkeit signalisieren, der des Kindes spricht von Unlust. Ein Element des Fotos ist irritierend: um den Hals des Kindes hängt eine Nummernplakette mit der Zahl 66. Auch die Erwachsene scheint „markiert“ zu sein. Das lässt sich zwar nicht definitiv bestimmen, anhand der Halskette aber erahnen. Die Nummerierung der Fotografierten ruft ein reflexhaftes Unbehagen hervor. Es entsteht aus der intuitiv zugrunde gelegten Opposition von Nummerierung und Individualität. Doch deren Verhältnis ist nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint.
Unter dem Titel „Markiert sein oder markiert werden“ diskutierten der Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler und der Philosoph Christoph Menke am 16. Mai 2017 im Museum für Moderne Kunst. Stiegler ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Konstanz, Menke Professor für Praktische Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen". Der Abend wurde moderiert von der Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, Dr. Mirjam Wenzel. Im Zentrum des Gesprächs stand die Fotoserie „Marcados“ (dt. „Die Markierten“) der schweizerisch-brasilianischen Fotografin Claudia Andujar. Ihr entstammt das eingangs beschriebene Bild. Die Serie entstand im Rahmen der Vorbereitungen zu einer Schutzimpfung der Yanomami durch die brasilianische Regierung. Die Yanomami sind das größte relativ isoliert lebende indigene Volk Südamerikas.

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„Welche normativen Orientierungen braucht Europa?“ EU-Kommissar Günther Oettinger diskutierte mit dem Philosophen Rainer Forst

Von Bernd Frye

„The time is out of joint”, zitierte Rainer Forst Shakespeares „Hamlet”. Auch heute könne man den Eindruck gewinnen, die Zeit gerate „aus den Fugen“. Doch während Hamlet noch damit gehadert hatte, dass ausgerechnet er zur Welt gekommen sei, um diese „einzurichten“, war sich der politische Philosoph mit seinem prominenten Dialogpartner einig: Man muss die Herausforderungen jetzt in Angriff nehmen, damit sich für ein innovatives Projekt nicht schon bald die Schicksalsfrage stellt. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, diskutierte an der Gothe-Universität mit Günther Oettinger, Haushaltskommissar der Europäischen Union. Das Arbeitsgespräch trug den programmatischen Titel: „Europäische Werte in der Krise – Welche normativen Orientierungen braucht Europa?“

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Kein Ende in Sicht? Jens Steffek über die Globalisierung und ihre Kritiker

Von Jerzy Sobotta

Aus dem Fenster des Klingspor-Museums in der Offenbacher Herrnstraße fällt der Blick auf eine alte, rote Backsteinfassade. Das Gemäuer der ehemaligen Schnupftabakfabrik zeugt von einer anderen Zeit. Das Ende der großen Industrie hat die Stadt nie ganz verkraftet. Bis heute sind die Folgen der schnellen Deindustrialisierung spürbar. Sie setzte ein, als in den späten 1960er Jahren die Produktion ins Ausland abwanderte und die Fabriken starben. Die Bewohner haben vor ihrer eigenen Haustüre erlebt, dass mit der Globalisierung eine neue Epoche angebrochen ist. Und es hat lange gedauert, bis Offenbach sich in der neuen Zeit zurechtgefunden hat. Doch nun soll auch die Globalisierung zu Ende gehen? Diese Frage warf der Politikwissenschaftler Jens Steffek auf, dessen Vortrag vom 27. April 2017 den gegenwärtigen Zustand der Globalisierung und ihre Kritiker in den Blick nahm. Er ist Professor für Politikwissenschaft an der TU-Darmstadt und Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, das die Vortragsreihe „Goethe Lectures Offenbach“ gemeinsam mit dem Klingspor-Museum und der Stadt Offenbach seit zwei Jahren veranstaltet.

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Dschihadisten für Le Pen: Gilles Kepel über Frankreich, den Terror und seine Wahlstrategen

Von Jerzy Sobotta

Nichts wünschen sich die islamistischen Terroristen mehr, als einen Sieg Marine Le Pens bei den kommenden Wahlen in Frankreich. Wieso ihnen eine starke Rechte in die Hände spielt, erklärte der Arabist und Sozialwissenschaftler Gilles Kepel. Der Islamismusforscher lehrt am „Institut d’études politiques de Paris“ und beschäftigt sich in seiner Forschung seit mehr als dreißig Jahren mit radikalen muslimischen Bewegungen. Er hat zahlreiche Bücher zu dem Thema verfasst. Zwei Tage nach dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl erläuterte er das politische Kalkül der salafistischen Terrorstrategen. Sein Vortrag am 25. April in der Goethe-Universität Frankfurt wurde vom Exzellenzcluster „Die Herausbildungen normativer Ordnungen“ ausgerichtet.

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XXI. Frankfurter Stadtgespräch „Im Namen Gottes? Monotheismus und Gewalt“

Von Johanna Schafgans

Das XXI. Frankfurter Stadtgespräch des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ fand am 19. April 2017 unter dem Titel „Im Namen Gottes? Monotheismus und Gewalt“ im Historischen Museum statt. Prof. Dr. Hartmut Leppin, Professor für Alte Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Exzellenzclusters unterhielt sich mit Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik am Centrum für Religiöse Studien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Principal Investigator des Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“. Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters, moderierte die Veranstaltung.
Die Podiumsteilnehmer befassten sich mit der Frage, ob es eine Verbindung zwischen monotheistischen Religionen und Gewalt gibt. Dabei wurde der Fokus vor allem auf den Islam und das Christentum gelegt. Explizit sollten jedoch nicht nur die neuesten Entwicklungen und Ereignisse in Hinblick auf den Islam diskutiert, sondern die größeren Linien des Themas aus unterschiedlichen Blickwinkel betrachtet werden: Mouhanad Khorchide aus theologischer Sicht und Hartmut Leppin aus (alt)historischer.

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XVI. Walter Hallstein-Kolloquium des Wilhelm Merton-Zentrums für Europäische Integration und Internationale Wirtschaftsforschung in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“

Von Christoph Hettinger

Das Walter Hallstein-Kolloquium ist eine jährlich stattfindende europawissenschaftliche Fachtagung des Wilhelm Merton-Zentrums, das von seinen Direktoren Rainer Hofmann und Stefan Kadelbach geleitet wird. Es wird jeweils ein Tagungsband mit den Beiträgen der Referenten in der Schriftenreihe des Merton-Zentrums im Nomos-Verlag veröffentlicht. Unter dem diesjährigen Thema „Verfassungskrisen in der Europäischen Union“ ging man der Frage nach dem verfassungsrechtlichen Grundkonsens in Europa aus zwei Perspektiven nach – der europarechtlichen aus Sicht von EU und Europarat sowie der mitgliedstaatlichen anhand einiger Staaten, in denen die europäischen Verfassungswerte in letzter Zeit in besonderer Weise herausgefordert werden. Dieses Jahr fand es statt vom 23. bis 24 März 2017.

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„Frankfurter interdisziplinäre Debatte“. Frankfurter Forschungsinstitute laden zum Austausch über disziplinen-übergreifende Plattform ein

Die „Frankfurter interdisziplinäre Debatte“ ist ein Versuch des Dialogs zwischen Vertreter*innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zu aktuellen Fragestellungen – derzeit im Kontext der Corona-Krise und u.a. mit Beiträgen von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther. Seit Ende März 2020 ist die Onlineplattform der Initiative (www.frankfurter-debatte.de) verfügbar. Mehr...

Bundesministerin Karliczek gibt Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek am 28. Mai 2020 den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei waren Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni, Normative Orders), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen). Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. Mehr...

Upcoming Events

Bis Ende September 2020

In der Goethe-Universität finden mindestens bis Ende September 2020 keine Präsenzveranstaltungen statt. Das Veranstaltungsprogramm des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" wird ebenfalls bis auf Weiteres ausgesetzt.

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Krise und Demokratie

Mirjam Wenzel im Gespräch mit Rainer Forst
Tachles Videocast des Jüdischen Museum Frankfurt

Normative Orders Insights

... with Nicole Deitelhoff

New full-text Publications

Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. More...

Kettemann, Matthias (2020):

The Normative Order of the Internet. Normative Orders Working Paper 01/2020. More...