Forschung aktuell

Die Bühne der Dissidenten. Zur aktuellen Filmreihe „Dissidents on Stage“

Von Steffen Andrae

Im Gegensatz zur Geisteswissenschaft stellt der Film seine Gegenstände nicht primär in schriftlicher Form, sondern im Medium des bewegten Bildes dar. Anschauung geht hier vor Begriff, sinnliche Wahrnehmung der Realität vor deren rein gedanklicher Gliederung. Obgleich auf unterschiedlichen Methoden beruhend, bestehen zwischen den Sujets wissenschaftlicher und filmischer Arbeiten vielfältige Überschneidungen. Dies ist besonders dort der Fall, wo Themen behandelt werden, die uns unmittelbar und konstitutiv „menschlich“ scheinen: psychologische, soziale, künstlerische oder politische. Die neue Veranstaltungsreihe Dissidents on Stage des Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ leuchtet diesen Bereich zwischen Wissenschaft und Film aus. Organisiert von der Forschungsgruppe „Internationale Dissidenz“ des Exzellenzcluster in Zusammenarbeit mit dem naxos.KINO, geht sie auf zweifache Spurensuche. Zum einen sollen Praktiken des Widerstands auf Grundlage aktueller Dokumentarfilme zu sozialen Konfliktfeldern diskutiert, zum anderen soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich eine wissenschaftliche und eine filmisch-dokumentarische Bearbeitung von Protest, Widerstand und Aufstand gleichen bzw. unterscheiden und zu welchen Erkenntnissen sie jeweils beitragen können.

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Die schwierige Kunst der Kritik. Roundtable „The Power of Critique“ mit Isabelle Graw, Sabeth Buchmann, John Roberts und Christoph Menke

Von Steffen Andrae

Worin besteht der Wert der Kunst? Worin derjenige von Kritik? Und wie verhalten sich die Arbeit der Kunst und die Arbeit der Kritik zueinander? Über diese und weitere Fragen zur Beziehung zwischen Wert, Kunst und Kritik diskutierten Isabelle Graw (Frankfurt am Main), Sabeth Buchmann (Wien), John Roberts (Wolverhampton) und Christoph Menke (Frankfurt am Main) im Rahmen des prominent besetzten Symposiums „The Value of Critique“. Konzipiert und organisiert vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste fand die Veranstaltung am 19. und 20. Januar 2017 in den Räumlichkeiten der Städelschule statt.

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Kritikologie –Rahel Jaeggis Formenlehre des Widerspruchs

Von Jerzy Sobotta

Kritik hat es heutzutage schwer – auch in der Philosophie. Dies mag verwundern, denn es war Kritik, durch die die Wahrheitsliebe ihr goldenes Zeitalter erlebte. Kant führte sie auf seiner Fahne und entfachte eine große geistige Revolution auf dem Kontinent. Noch ein Jahrhundert nach ihm, als die Philosophie im Kanon der Wissenschaften in den Hintergrund getreten war, fand kompromissloses Denken seinen Zufluchtsort in Kritik. Unsere Gegenwart jedoch will nichts mehr von ihr wissen. Affirmation und Unbehagen hat der Kritik in den vergangenen Jahrzehnten das Leben schwer gemacht. Zu ihrer Ehrenrettung tritt die Sozialphilosophin Rahel Jaeggi an. Auf dem Symposium „The Value of Critique“ des Frankfurter Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Staatlichen Schule für Bildende Künste Städelschule stellte die Berliner Philosophieprofessorin am 20. Januar 2017 ihr Projekt „Kritik von Lebensformen“ vor. Es ist die Frucht einer zehn Jahre währenden Beschäftigung mit dem Thema und in dem gleichnamigen Buch nachzulesen, das 2013 bei Suhrkamp erschienen ist. Ihre Thesen dürften dem Frankfurter Publikum nicht fremd gewesen sein. Als ehemalige Mitarbeiterin Axel Honneths und des Instituts für Sozialforschung gilt Jaeggi als Vertreterin der „zeitgenössischen Frankfurter Schule“.

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„Körperlose Wesen“ – Luc Boltanskis Theorie sozialer Institutionen

Von Jerzy Sobotta

Kritik entsteht, wenn Realität brüchig wird. Um diesen Gedanken kreiste der Vortrag des französischen Soziologen Luc Boltanski. Er beschloss das Symposium „Value of Critique“ in der Städelschule, das vom 19.—20. Januar 2017 zusammen mit dem Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ veranstaltet wurde. Im überfüllten Säulensaal der Kunsthochschule sammelten sich Studierende, Professorinnen und Professoren, Kuratorinnen und Kuratoren sowie Künstlerinnen und Künstler, um den bekannten französischen Sozialwissenschaftler der Pariser „École des Hautes Études en Sciences Sociales“ zu hören.

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„Ohne Angst verschieden sein“. Podiumsdiskussion des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ über religiöse Symbole und ein mögliches Burka-Verbot

Von Bernd Frye

Der beste Zustand einer emanzipierten Gesellschaft sei der, „in dem man ohne Angst verschieden sein kann“. Mit diesem Adorno-Zitat, in Erinnerung gerufen von dem politischen Philosophen Rainer Forst und mit viel Applaus bedacht, ist eine Podiumsdiskussion versöhnlich zu Ende gegangen, die nicht frei von Meinungsverschiedenheiten war. Unter dem Titel „Religiöse Symbole und Praktiken – Grenzen der Toleranz?“ hatte der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in den Renate-von-Metzler-Saal des Casino-Gebäudes auf dem Campus Westend eingeladen.
Der Publikumszuspruch war groß, das Podium prominent besetzt. Von Seiten des Exzellenzclusters teilgenommen haben Susanne Schröter, Ethnologin und Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam am Exzellenzcluster, und Rainer Forst, auch Co-Sprecher des Clusters. Hinzu kam Rudolf Steinberg, emeritierter Professor für öffentliches Recht und ehemaliger Präsident der Goethe-Universität. Die Moderation lag in den Händen von Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des veranstaltenden Forschungsverbundes.

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Von untergründigen Widerständen und widerständigen Untergründen. Vortrag von Martin Seel „Das Böse verlachen. To Be or Not to Be von Ernst Lubitsch“

Von Steffen Andrae

Auch im Wintersemester 2016/2017 luden der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe Universität wieder zu Lecture und anschließendem Film ins Deutsche Filmmuseum ein. Unter dem Titel „Schnell wie der Witz - Die Filme von Ernst Lubitsch“ widmete sich die Vorlesungsreihe diesmal dem Werk des mit dem Ehrenoscar ausgezeichneten deutsch-US-amerikanischen Regisseurs und Schauspielers. Zu Lubitschs Film „To Be or Not to Be“ von 1942 referierte am 1. Dezember 2016 Martin Seel, Professor für Philosophie an der Goethe-Universität und Principal Investigator des Exzellenzcluster.

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Crisis Talk „EU-Russland-Beziehungen“

Von Thorsten Thiel und Ralf Bingel

Die EU-Russland-Beziehungen sind gekennzeichnet durch multiple, sich wechselseitig verstärkende Krisenfelder. Diese erfahren in den offenen Konflikten in Syrien und der Ukraine derzeit ihre wohl schärfste Zuspitzung. Am Dienstag, dem 27. September 2016, widmete sich daher ein Crisis Talk des Leibniz-Forschungsverbundes „Krisen einer globalisierten Welt“ zusammen mit seinen Partnern – dem Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem Brüssel-Büro der Leibniz-Gemeinschaft – genau diesen Beziehungen. Gastgeber der Veranstaltung war die Vertretung des Landes Hessen bei der Europäischen Union. Der Hessische Staatssekretär für Europaangelegenheiten, Mark Weinmeister, mahnte gleich in seiner Begrüßung, dass man sich in der EU noch sehr viel deutlicher der unterschiedlichen Erfahrungen der Mitgliedstaaten bewusst werden müsse, um diese dann in eine gemeinsame und entschlossene, den Wert der Pluralität verteidigende Russlandpolitik zu verwandeln. Auch Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Direktorin der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und Sprecherin des Leibniz-Forschungsverbundes, unterstrich in ihrer Begrüßung die Wichtigkeit der EU-Russland-Beziehungen und betonte wie sehr diese mit anderen globalen und europäischen Krisen verknüpft sind.

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Vortrag von Didier Eribon - Response von Christoph Menke


Didier Eribon (Paris) hielt den Auftakt der Ringvorlesung „Grundrisse kritischer Wissenschaft. Modelle und Interventionen“ am 18. Oktober 2016. Anschließend an seine autobiographisch informierten Überlegungen in "Retour à Reims" führte er seine Idee einer sozialen und politischen Theorie des Subjekts aus, die auf einen pluralen Analyseansatz setzt. Statt auf psychoanalytische Subjektivierungskategorien zu rekurrieren, plädiert er für eine Reflexion der sozialen Urteile, die die eigene Geschichte als eine politische Geschichte entlang sozialer Konzepte von class gender race und ethnicity sichtbar machen. Christoph Menke (Professor für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Rechtsphilosophie und Politische Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Principal Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“) zeigte im Anschluss auf, wie unter Rückgriff auf Kierkegaards Konzept der Wiederholung die Rückgewandtheit als eine Befreiungsbewegung verstanden werden kann und betonte die wichtige Rolle von Kritik um zwischen Freiheit und Notwendigkeit zu unterscheiden.

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„Richtiges Leben“? Glück zwischen Forschung, Lebensführung und gesellschaftlichen Bedingungen. Bericht zum Frankfurter Stadtgespräch „Glück. Fortuna und Felicitas: Ambivalenzen der Lebenskunst“ mit Stefan Sagmeister und Martin Seel

Von Steffen Andrae

Das XX. Frankfurter Stadtgespräch des Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ fand am 21. April 2016 im Museum Angewandte Kunst statt. Martin Seel, Professor für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", unterhielt sich anlässlich der Ausstellungseröffnung von Stefan Sagmeisters „The Happy Show“ mit dem Grafikdesigner und Künstler. Rebecca C. Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters, moderierte die Veranstaltung. In „The Happy Show“ präsentiert Sagmeister die Resultate seiner über zehn Jahre andauernden Beschäftigung mit dem Thema Glück, die in der Durchführung von Selbstexperimenten und der Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Forschungsergebnissen bestand. Seel ist Autor einschlägiger Aufsätze und Artikel zum Thema und veröffentlichte dazu unter anderem die Bücher „Versuch über die Form des Glücks. Studien zur Ethik“ (1995) und „Paradoxien der Erfüllung“ (2006).

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Headlines

„Frankfurter interdisziplinäre Debatte“. Frankfurter Forschungsinstitute laden zum Austausch über disziplinen-übergreifende Plattform ein

Die „Frankfurter interdisziplinäre Debatte“ ist ein Versuch des Dialogs zwischen Vertreter*innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zu aktuellen Fragestellungen – derzeit im Kontext der Corona-Krise und u.a. mit Beiträgen von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther. Seit Ende März 2020 ist die Onlineplattform der Initiative (www.frankfurter-debatte.de) verfügbar. Mehr...

Bundesministerin Karliczek gibt Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek am 28. Mai 2020 den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei waren Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni, Normative Orders), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen). Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. Mehr...

Upcoming Events

Bis Ende September 2020

In der Goethe-Universität finden mindestens bis Ende September 2020 keine Präsenzveranstaltungen statt. Das Veranstaltungsprogramm des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" wird ebenfalls bis auf Weiteres ausgesetzt.

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Krise und Demokratie

Mirjam Wenzel im Gespräch mit Rainer Forst
Tachles Videocast des Jüdischen Museum Frankfurt

Normative Orders Insights

... with Nicole Deitelhoff

New full-text Publications

Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. More...

Kettemann, Matthias (2020):

The Normative Order of the Internet. Normative Orders Working Paper 01/2020. More...