„Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit“ Die vielbeachtete Rede von Jürgen Habermas an der Goethe-Universität im Wortlaut

  • Prof. em. Jürgen Habermas, Philosoph und Soziologe
  • Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Staatssekretärin Ayse Asar, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
  • Staatssekretärin Ayse Asar, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Rolf van Dick (Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main), Prof. Simone Fulda (Vizepräsidentin der Goethe-Universität Frankfurt am Main), Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz (Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main), Brigitte Hückmann und Prof. Manfred Erb (Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main)

„Das akademische Ereignis des Jahres“, hieß es in den Zeitungen der folgenden Tage. Und in der Tat, dass der „berühmteste lebende Philosoph“ Jürgen Habermas („Die Zeit“) einen Tag nach seinem Geburtstag an seine alte Wirkungsstätte kam, sorgte für ein hohes Medienecho und immenses Publikumsinteresse; rund 3000 Menschen verfolgten den Auftritt des Jubilars im Hörsaalzentrum, viele von ihnen via Livestream. Aber auch die Rede selbst schien einen Nerv zu treffen und darf als Beispiel gelten für den nach wie vor dringend notwendigen „öffentlichen Gebrauch der Vernunft“, von dem Rainer Forst, Professor für politische Philosophie und Schüler Habermas‘, nach Grußworten von Präsidentin Birgitta Wolff und Staatssekretärin Ayse Asar, in seinen einleitenden Worten sprach.

Mit der freundlichen Genehmigung von Professor Habermas stellen wir hier das Manuskript seiner Rede „Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit“ zur Verfügung (auch die Aufzeichnung der Gesamtveranstaltung ist hier abrufbar.) Im Anschluss an seine philosophischen Ausführungen, in denen er Kant, Hegel und Marx mit Blick auf aktuelle Anforderungen miteinander ins Gespräch brachte, ließ Habermas in einer persönlichen Bemerkung seine Erfahrungen in Frankfurt und an der Goethe-Universität Revue passieren, wo er nach eigener Aussage insbesondere in den frühen 80er Jahren „die befriedigendste Zeit“ seines akademischen Lebens verbracht hat. In diesem ebenfalls hier dokumentierten Manuskript betonte Habermas ferner, „dass eine Universität mehr ist als eine vom Wissenschaftsrat beurteilte Anstalt für Forschung und Lehre“. Mit Blick auf ihre Entstehungsgeschichte und ihren Gründungsgeist gab sich Habermas optimistisch, dass an der Goethe-Universität „auch ein Jahrhundert später ein ähnliches intellektuelles Milieu“ sprießen könne, „das sich nicht planen lässt, das aber seine schützenden Nischen braucht – und verdient“.

In seiner einleitenden Rede – auch sie ist hier nachzulesen – hatte Rainer Forst das Leitmotiv im Werk von Jürgen Habermas hervorgehoben. Es sei die klassische Überzeugung der Aufklärung, die Immanuel Kant auf eben jenen Begriff des „öffentlichen Gebrauchs der Vernunft“ gebracht habe. Dahinter stehe „die Überzeugung, dass nur dieser Gebrauch die Menschen individuell und sozial in die Lage versetzt, all die Verstellungen, Beschränkungen, Pathologien und Zwänge zu durchschauen und zumindest teilweise zu überwinden, die ihre Autonomie und Mündigkeit in Frage stellen und verhindern“. In Bezug auf das Thema des Vortrags von Habermas betonte Forst die große Relevanz für die an der Goethe-Universität geleistete Arbeit „über normative Ordnungen, die Zukunft der Demokratie und den sozialen Zusammenhalt“.

Jürgen Habermas folgte bei seinem Besuch in Frankfurt einer Einladung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität sowie der von Prof. Forst geleiteten Forschungsgruppe „Transnationale Gerechtigkeit“, die aus den Mitteln seines Leibnizpreises finanziert wird. Prof. Forst hatte in den Tagen darauf ehemalige SchülerInnen und internationale KollegInnen von Prof. Habermas zu einer Tagung eingeladen, auf der Habermas‘ demnächst erscheinendes Werk „Auch eine Geschichte der Philosophie“ sowie die Krise und die Zukunft der Demokratie diskutiert wurden. Zu den TeilnehmerInnen gehörten u.a. C. Taylor, R. Bernstein, C. Offe, O. Negt, A. Arato, N. Fraser, S. Benhabib, J. Cohen, A. Honneth, C. Lafont, S. Chambers, P. Gordon, T. McCarthy.

Jürgen Habermas hatte 1986 den damals zum ersten Mal von der DFG verliehenen Leibnizpreis erhalten. Aus den Mitteln installierte er eine rechtsphilosophische Forschungsgruppe, die „AG Rechtstheorie“. Zu deren Mitgliedern zählten Rainer Forst und der Rechtswissenschaftler Klaus Günther. Die Theorie des Diskurses von Jürgen Habermas hat in den Geistes- und Sozialwissenschaften innovativ und paradigmenbildend gewirkt. Sie war auch für den Frankfurter Exzellenzcluster Normative Ordnungen eine entscheidende Inspiration.

Das Vortragsskript finden Sie (pdf): Hier...
Zur persönlichen Bemerkung am Ende des Vortrags (pdf): Hier...

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Zum Grußwort von Prof. Dr. Rainer Forst (Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main) (pdf): Hier...

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Am 20. und 21. Juni fand am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" die Konferenz "The History of Postmetaphysical Philosophy and the Future of Democracy" statt.
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