Profile

Loewe, Bjoern, M. A.

former member


Projects and Positions in the Cluster

    Brief description of research topic

    Bildung ist in Afrika Objekt einer globalen Strukturpolitik. Afrikanische Bildungssys-teme geraten zunehmend unter den Einfluss von globalen Ordnungsvorstellungen. Sie befinden sich in der Position von Empfängern und das sowohl in Bezug auf die zur Universalisierung der Schulbildung notwendigen finanziellen Mittel, als auch in Bezug auf die international produzierten normbesetzten Leitideen und Strukturmus-ter. Auf transnationaler Ebene wurden seit den 1990er Jahren im Rahmen von gro-ßen internationalen Konferenzen die Grundzüge einer vermeintlich weltweit akzep-tierten „Welt-Bildungs-Ordnung“ und ein weltweiter Grundkonsens, nicht nur über die quantitativ zu leistende Aufgabe, sondern auch über die qualitativen Grundzüge eines modernen Bildungssystems entwickelt. Begründet wurde dies sowohl ökono-misch als auch moralisch: Einerseits wurde Bildung als Menschenrecht und als wichtiger Bestandteil der Armutsbekämpfung bestätigt, andererseits wurden Bildung und die Entwicklung von Humankapital als wichtige Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum hervorgehoben. Langfristig könnte diese transnationale Bildungsprogrammatik einen homogenisierenden Effekt auf nationale Bildungssysteme weltweit haben.
    Nigeria erfährt – u.a. weil hier über 8 Millionen Kinder keine Schule besuchen - besondere internationale Aufmerksamkeit und steht unter erheblichem Druck, auf die globale Bildungsoffensive zu reagieren. Oberflächlich betrachtet scheint sich das auf der globalen Ebene etablierte Bildungsmodell in Nigeria durchzusetzen und in Form von zahlreichen Reformen und Reformvorhaben des nationalen Bildungssystems bis in die ländlichen Regionen vorzudringen.
    Es ist allerdings davon auszugehen, dass die transnationalen Modelle auf dem Hintergrund lokaler kultureller Deutungsmuster re-kontextualisiert, und interpretiert werden und dass die lokalen Auslegungen und das Verständnis der global genutzten Begriffe und Konzepte von den Inhalten des transnationalen Bildungsdiskurses ab-weichen. Die als universell vorgestellten Normgehalte treffen in Nigeria auf eine Be-völkerung von über 130 Millionen Menschen, die sich in mehr als 250 verschiedene ethnische Gruppen unterteilen lässt und somit auf verschiedene etablierte Wissens-bestände und Lebenspraxen. Spannungen bei der Vermittlung zwischen globaler Programmatik und nationalen Reformmaßnahmen scheinen vorprogrammiert zu sein.

    Für die laufende Dissertation stellt sich die Frage, ob bzw. wie die auf internationaler Ebene produzierten Bildungsnormen in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus übersetzt und angeeignet werden. Es gilt herauszufinden, wie die lokalen Akteure die normative „Welt-Bildungs-Ordnung“ wahrnehmen und inwieweit diese sich tatsächlich als globale Rechtfertigungsordnung durchsetzt bzw. Anknüpfungspunkte für Kritik, Zurückweisung, Widerstand oder auch kreative Aneignungsprozesse liefert.
    Insbesondere junge nigerianische Lehrer und Lehramtsstudenten, die ihre Ausbildung in der gegenwärtigen Phase der intensiven Bildungsreformbemühungen erhalten, stehen im Mittelpunkt der Forschung. Sie sind es, die die Reformen auf der lokalen Ebene umsetzen und tragen sollen und somit stehen sie im Zentrum der dynamischen Aushandlungsprozesse zwischen Kontinuität und Veränderung des Bildungssystems.

    Subject areas

    Ethnologie
    Politikwissenschaften
    Afrikawissenschaften

    Main research interests

    Nigeria, südliches Afrika,
    Anthropologie der Bildung, Ethnologie der Entwicklung, Ethnologische Policy Forschung, Transnationaler Normentransfer, Medizinethnologie

    Publications within the cluster

    • Book chapter
      • 2014
        • Loewe, Bjoern (2014): "Becoming a teacher is like dating your own grandmother" - Ausbildung und Weiterbildung von Lehrern an einer nigerianischen State-University, in: Stefan Kadelbach (Hg)., Effektiv oder gerecht? Die normativen Grundlagen der Entwicklungspolitik, Normative Orders Bd. 11, Frankfurt am Main: Campus 2014, S. 27-51.
          Details

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