Profile

Geis, Anna, Dr. phil

former member


Projects and Positions in the Cluster

    Programming period 2012-2019

  • Ehemalige

Brief description of research topic

Unter Verweis auf Immanuel Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ (1795) behauptet die zeitgenössische Theorie des Demokratischen Friedens (DF), dass konsolidierte Demokratien gegeneinander keine Kriege führen bzw. sogar quasi von Natur aus friedlicher seien als andere Herrschaftstypen. Diese Theorie zehrt von zahlreichen idealisierenden Rationalitätsunterstellungen über die Institutionen, die politische Kultur und die Handlungsorientierungen von Bürgern und Eliten liberal-demokratischer Demokratien. Die Verwurzelung dieses Forschungszweigs im zivilisationsoptimistischen Erbe der Aufklärung ist unverkennbar, hat jedoch problematische wissenschaftliche und politische Folgen: Sie führt wissenschaftlich zu fragwürdigen Erklärungsansätzen und Prognosen sowie politisch zur Verfestigung eines allzu positiven Selbstbildes westlicher Staaten. Im Extremfall wird die DF-Forschung zur Rechtfertigung gewaltsamer Demokratisierung herangezogen oder zur Begründung von Forderungen nach einem „Club der Demokratien“. In dieser Hinsicht dient die DF-Theorie der Unterfütterung einer konfliktverschärfenden Identitätspolitik demokratischer Akteure. Insgesamt ist die kaum noch überschaubare Forschung zum Demokratischen Frieden seit Ende des Kalten Krieges zu einem einflussreichen Rechtfertigungsnarrativ für westliche Außenpolitikstrategien und Weltordnungsentwürfe geworden: Weltweite Demokratieförderung gilt langfristig als Schlüssel zur Erreichung größerer Stabilität und Friedlichkeit im Rahmen einer liberal geprägten Weltordnung.
Das Projekt setzt sich kritisch mit den (meta-)theoretischen Grundlagen der DF-Theorie auseinander und dekonstruiert deren Rationalitätsannahmen mit Hilfe von Argumentationen und Erkenntnissen aus Staatstheorie, Demokratietheorie und der Soziologie der Moderne. Das Ziel ist aufzuzeigen, dass die mikrotheoretischen Fundamente des DF auf mehr als brüchigem Grund ruhen. Potenziell gewaltfördernde Exklusionsprozesse und Bedrohungskonstruktionen innerhalb westlicher Demokratien machen deutlich, dass der Frieden innerhalb wie zwischen Demokratien immer ein prekärer sein wird. Die politischen Behauptungen über die Friedensleistungen von Demokratien sind daher idealisiert.

Subject areas

Politikwissenschaft

Main research interests

Kriegstheorien, Demokratietheorie, Staatstheorie,Legitimität diesseits und jenseits des Nationalstaats, Weltordnung,
Die Rolle von Wissen und Nichtwissen

Biographical Details

- Studium an der TU Darmstadt und der University of Warwick
- Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg 1999-2002
- Projektleiterin an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 2002-2009
- Vertretungsprofessorin an der Goethe-Universität Frankfurt a.M. WS 2007/8 und WS 2008/9
- seit 1.10.2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich "Internationale Organisation" (Prof. Daase) im Exzellenzcluster
- 1.10.2010 bis 31.3.2011 Vertretungsprofessorin am Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München
Anna Geis ist seit 1.4.2012 Professorin für Politikwissenschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Publications within the cluster

  • Article
    • 2011
      • Geis, Anna (2011): Kollektive Gewalt, in: Andreas Niederberger/ Philipp Schink (Hg.): Globalisierung. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart: J.B. Metzler, 2011, S. 58-63.
        Details
      • Geis, Anna (2011): Of Bright Sides and Dark Sides: Democratic Peace beyond Triumphalism, in: International Relations, 25: 2, 2011, S. 18-24.
        Details
    • 2010
      • Geis, Anna (2010): Die Kontroversen über die „neuen“ Kriege der Gegenwart: Wie sinnvoll ist die Rede vom „Neuen“? in: Thomas Roithner (Hg.): Söldner, Schurken, Seepiraten. Von der Privatisierung der Sicherheit und dem Chaos der „neuen“ Kriege, Münster, S. 61-74
        Details
      • Geis, Anna; Müller, Harald; Schörnig, Niklas (2010): „Liberale Demokratien und Krieg: Warum manche kämpfen und andere nicht. Ergebnisse einer vergleichenden Inhaltsanalyse von Parlamentsdebatten.“ Zeitschrift für Internationale Beziehungen 17(2), 2010, S. 171-202.
        Details
      • Geis, Anna; Wagner, Wolfgang (2010): “How far is it from Königsberg to Kandahar? Democratic Peace and Democratic Violence in International Relations.” Review of International Studies.
        Details
      • Deitelhoff, Nicole; Geis, Anna (2010): Entkernt sich der Leviathan? Die organisatorische und funktionelle Umrüstung der Militär- und Verteidigungspolitik westlicher Demokratien, in: Leviathan 38: 3, 389-410.
        Details
    • 2009
      • Geis, Anna (2009): Legale versus legitime Kriege, in Hauke Brunkhorst/ Regina Kreide/ Cristina Lafont (Hg.): Habermas-Handbuch, Stuttgart: J.B. Metzler, S. 343-345.
        Details
    • 2008
      • Geis, Anna (2008): Andere, Fremde, Feinde: Bedrohungskonstruktionen in der Demokratie, in: André Brodocz/ Marcus Llanque/ Gary S. Schaal (Hg.): Bedrohungen der Demokratie, Wiesbaden: VS Verlag,S. 170-188.
        Details
  • Book chapter
    • 2013
      • Müller, Harald; Geis, Anna (2013): "The appropriateness of the liberal use force: 'democratic wars' under US hegemony", in: Müller, Harald; Geis, Anna; Schörnig, Niklas (Hrsg.): The Militant Face of Democracy. Liberal Forces for Good, Cambridge, UK: Cambridge University Press, 2013.
        Details
      • Müller, Harald; Geis, Anna (2013): "Investigating 'democratic wars': as the flipside of 'democratic peace'", in: Müller, Harald; Geis, Anna; Schörnig, Niklas (Hrsg.): The Militant Face of Democracy. Liberal Forces for Good, Cambridge, UK: Cambridge University Press, 2013.
        Details
      • Müller, Harald; Geis, Anna; Schörnig, Niklas (2013): "Liberal democracies as militant 'forces for good': a comparative perspective", in: Müller, Harald; Geis, Anna; Schörnig, Niklas (Hrsg.): The Militant Face of Democracy. Liberal Forces for Good, Cambridge, UK: Cambridge University Press, 2013
        Details
    • 2011
      • Geis, Anna (2011): Demokratie, Frieden und Krieg. Der „Demokratische Frieden“ in der deutschsprachigen Friedens- und Konfliktforschung, in: Peter Imbusch/ Peter Schlotter/ Simone Wisotzki (Hg.): Friedens- und Konfliktforschung – ein Studienbuch. Baden-Baden: Nomos (Reihe Forschungsstand Politikwissenschaft), 2011, S. 112-138.
        Details
      • Geis, Anna; Wolff, Jonas (2011): Demokratie, Frieden und Krieg. Der ‚Demokratische Frieden‘ in der deutschsprachigen Friedens- und Konfliktforschung. In: Peter Schlotter/ Simone Wisotzki (Hg.): Friedens- und Konfliktforschung – ein Studienbuch. Baden-Baden: Nomos (Reihe Forschungsstand Politikwissenschaft).
        Details
      • Deitelhoff, Nicole; Geis, Anna (2011): Beyond the Taboos? Die Privatisierung des Militärs (mit Anna Geis), in: Nina Leonhardt/Jacqueline Werkner (Hrsg.): Militärsoziologie. Eine Einführung, Heidelberg: VS-Verlag, 139-157.
        Details
  • Book (ed.)
  • Working paper
    • 2009
      • Deitelhoff, Nicole; Geis, Anna (2009): Securing the State, Undermining Democracy: Internationalization and Privatization of Western Militaries, Bremen: Sonderforschungsbereich “Staatlichkeit im Wandel” TranState Working Paper No. 92; 30 Seiten.
        Details
    • 2008
      • Geis, Anna (2008): From Democratic Peace to Democratic Distinctiveness. A Critique of Democratic Exceptionalism in Peace and Conflict Studies. Toronto, CLPE [Comparative Research in Law and Political Economy] Research Paper 39/2008, Jg. 4/Nr. 8.
        Details

Back to the list of persons


Headlines

Rainer Forst zu Corresponding Fellow der British Academy gewählt

Wie die British Academy am 24. Juli bekannt gab, wurde Prof. Rainer Forst als Corresponding Fellow aufgenommen. Jährlich wählt die British Academy herausragende Gelehrte und Wissenschaftler*innen, die sich auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften international verdient gemacht haben zu Corresponding Fellows. Mehr...

Bundesministerin Karliczek gibt Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek am 28. Mai 2020 den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei waren Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni, Normative Orders), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen). Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. Mehr...

Upcoming Events

8. September 2020, 19.30 Uhr

DenkArt „Der normalisierte Ausnahmezustand“: Prof. Wilhelm Heitmeyer: „Autoritäre Bedrohungen oder liberale Demokratie?“ – Die offene Gesellschaft im Ausnahmezustand. Mehr...

10. September 2020, 12.30 Uhr

Online Book lɔ:ntʃ: Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg: Autoritarismus - Verfassungstheoretische Perspektiven (Suhrkamp 2020). Mehr...

-----------------------------------------

Latest Media

Normative Orders Insights

... with Franziska Fay

Normative Orders Insights

... with Rainer Forst

New full-text Publications

Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. More...

Kettemann, Matthias (2020):

The Normative Order of the Internet. Normative Orders Working Paper 01/2020. More...