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Quoika, Heidi

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    Research topic

    „Freiheit, Eigentum und Gerechtigkeit. Die Umbildung der feudalen Wirtschaft- und Sozialordnung im Herzogtum Nassau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Beispiel der gräflich Bassenheimischen Herrschaften Kransberg und Reifenberg“

    Brief description of research topic

    In meinem Dissertationsprojekt beschäftige ich mich mit einer Epoche in der die meisten Grundlagen für unsere „moderne Welt“ gelegt wurden. Das 19. Jahrhundert markiert als Epoche die beginnende Umbildung der tradierten ständisch-feudalen in unsere moderne bürgerlich-liberale Ordnung. Die politisch-territoriale Umwälzung und Neuordnung Deutschlands im Zuge der Napoleonischen Herrschaft bildeten den Rahmen für diesen Umbildungsprozess. Dieser Umbildungsprozess wurde durch, auf dem Geist liberaler Theorien basierender, Reformen in den deutschen Einzelstaaten vorangetrieben, so auch im 1806 gegründeten Herzogtum Nassau. Diese Reformen wiederum betrafen fast alle Bereiche des wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlich-sozialen Lebens und wirkten sich fundamental auf die Lebenswirklichkeit der verschiedenen Bevölkerungsgruppen aus. Der ehemals reichsständige Adel geriet durch diesen Transformations- oder Umbildungsprozess der bestehenden Ordnung in eine Existenzkrise. Er musste sich in der Folgezeit den neuen Herausforderungen stellen und der ihm oktroyierten Veränderungen und Modernisierungen anpassen. Anhand von drei Generationen der ehemals reichständischen Grafenfamilie Waldbottt von Bassenheim lässt sich dieser Anpassungs- und Modernisierungsprozess und den dabei entstehenden Konflikten exemplarisch nachzeichnen. Während die erste Generation, vertreten durch den letzten reichsunmittelbaren Reichsgrafen Johann Maria Rudolf (1731-1805), noch eng mit dem Alten Reich verbunden war und nun dessen gewaltsames Ende mit ansehen musste, wurde die zweite Generation, Graf Friedrich Karl (1779 – 1830), mit der Aufgabe konfrontiert sich den unmittelbaren Folgen der 1806 durchgeführten Mediatisierung anzupassen und sich mit dem damit verbundenen schmerzlichen Verlust politischer und ökonomischer Rechte und Privilegien zu arrangieren. Die Konflikte der Grafen Waldbott von Bassenheim mit ihrem neuen Landesherren um die Abscheidung von standesherrlicher Rechte und staatlicher Souveränität waren hierbei vielfältig und das Verhältnis zwischen dem Herzogtum Nassau und den mit einem Schlag zur Landständigkeit degradierten Standesherren blieb schwierig, denn auch in der praktischen Ausübung der verbliebenen Rechte gab es mannigfache Konfliktfelder. Die dritte Generation, Graf Hugo Philipp (1820 – 1895), hingegen musste sich nicht nur mit dem Verlust weiterer adeliger Privilegien als Folge der Revolution von 1848 abfinden, sondern sich auch mit durch die Veränderungen der Zeit bedingten sozialen Unruhen in den Standesherrschaften Kransberg und Reifenberg 1848 auseinandersetzen. Diese Generation wurde letztendlich auch mit dem vollständigen Verlust dieser sich seit Jahrhunderten im Familienbesitz befindenden Standesherrschaften und ehemaligen Machtbasis aus finanziellen Gründen konfrontiert. Konfliktreich gestaltete sich nicht nur das veränderte Verhältnis zu den ehemaligen Mitständen und plötzlichen Souveränen, auch das Verhältnis zu den Bewohner der Standesherrschaften und ehemaligen Untertanen änderte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts grundlegend durch die Entflechtung der ständisch-feudalen Beziehungen. Nicht nur für die Herrschaft brachte das 19. Jahrhundert vielerlei zu bewältigende Veränderungen, auch die Bewohner der Standesherrschaften durchliefen konfliktreiche Krisen im Prozess der Anpassung an die neue Zeit. Seit jeher konnte sich die hauptsächlich kleinbäuerliche Bevölkerung in den Standesherrschaften aufgrund der für die landwirtschaftliche Produktion suboptimalen Bodenverhältnisse nur durch zusätzliche Ausübung eines Handwerkes ernähren. Die Folgen der beginnenden Industrialisierung und der damit verbundene Verdrängungsprozess des kleinbäuerlichen Handwerks durch Industrieprodukte hinterließ auch hier ihre Spuren, mit fatalen Folgen für die Existenz der Bevölkerung. Missmut und soziale Konflikte löste auch der oftmals ebenso wirtschaftlich fatale Verlust der althergebrachten Gewohnheitsrechte und Nutzungsgerechtigkeiten an Wald und Weide aus. Fast alle Boden- und Waldflächen in den Standesherrschaften gehörten den Grafen, die im Zuge der ständisch-feudalen Entflechtung der Bodenverhältnisse und der damit verbundenen Privatisierung von Wald- und Weideflächen auf ihr alleiniges Nutzungsrecht beharrten. Vor allem auch die anhaltenden Konflikte im Kleinen, sowohl zwischen Standesherrschaft und Souverän auf der einen Seite und Standesherrschaft und Bevölkerung auf der anderen Seite sind von Bedeutung für das Nachzeichnen einer grundlegenden Umbildung bzw. Herausbildung einer neuen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung.

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    „Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit" - Vortrag von Jürgen Habermas. Skript und Video zum Abruf verfügbar

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    Weitere Informationen (Vortragsskript und Video) zum Vortrag „Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit" von Jürgen Habermas am 19. Juni 2019 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main finden Sie hier...

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