Pressemitteilungen

Zivilgesellschaftliches Netzwerk Paulskirche plant “Frankfurter Tage der Demokratie”

Vielfältiges Programm zum Paulskirchen-Jubiläum 2023 unter dem Motto “Demokratie im Kommen”

Pressemitteilung

Mit vielfältigen Initiativen zur Stärkung und Weiterentwicklung der Demokratie bringt sich die Frankfurter Zivilgesellschaft in die Feierlichkeiten zum 175-jährigen Jubiläum der ersten deutschen Nationalversammlung ein. Ein Zusammenschluss aus unterschiedlichen Akteuren und Institutionen hat Anfang April das Netzwerk Paulskirche - Demokratie im Kommen gegründet. Das Netzwerk will das Jubiläum der Paulskirchen-Versammlung von 1848 zum Anlass nehmen, um Demokratie als konkrete Lebensform zu stärken und mit Blick auf die neuen globalen Herausforderungen zu erweitern.
Zu den Initiator:innen des Netzwerks gehören unter anderem die Stiftung medico international, der Verein „mehr als wählen“, das Institut für Sozialforschung, der Forschungsverbund Normative Ordnungen, die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung sowie die Forschungsstelle Demokratische Innovationen und das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt an der Goethe-Universität Frankfurt. „Die Paulskirche wird oft als ‚Wiege der deutschen Demokratie’ bezeichnet“, so Dominik Herold von „mehr als wählen“: „Mit den Frankfurter Tagen der Demokratie wollen wir zeigen, dass sich Demokratie nicht im musealen Erinnern erschöpfen darf, sondern einen nie zu Ende kommenden und fragilen Prozess darstellt, den es selbstbestimmt und von unten zu gestalten gilt. Dazu gehört, vor allem die Stimmen derjenigen, die häufig nicht gehört und gesehen werden, ins Zentrum zu stellen.“
Das Programm, das sich das Netzwerk Paulskirche für die kommenden Jahre vornimmt, spannt einen weiten Bogen. Entwickelt werden Projekte, die unmittelbare Teilhabe ermöglichen, sowie vielfältige Denk- und Streiträume, die von Nachbarschaftsforen über lokale Bürger:innenräte, wissenschaftliche Symposien und Kunstaktionen bis hin zu einer globalen Versammlung von zivilgesellschaftlichen Vertreter:innen aus aller Welt reichen. Alle Vorhaben sollen zugänglich für möglichst viele Menschen sein. „Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven in einen kritischen Dialog miteinander zu bringen. Demokratie braucht nicht zuletzt Streit und Dissens, sie braucht das ständige Hinterfragen des Bestehenden. Nur so lässt sich auch den heutigen Bedrohungen von Demokratie entgegenarbeiten”, betont Prof. Nicole Deitelhoff von der HSFK.
Die einzelnen Vorhaben sollen Ende April/Anfang Mai 2023 in “Frankfurter Tagen der Demokratie” zusammengeführt werden. Wie eng lokale Demokratie und globale Fragen miteinander verschränkt sind, soll mit einer Premiere in der Paulskirche beispielhaft demonstriert werden: Vertreter:innen der globalen Zivilgesellschaft werden in Frankfurt zu Gast sein und über die Grundlagen einer globalen Verfassung beraten. „Der Klimawandel, die weltweite Migration, die globalisierten Wirtschaftskreisläufe: all das zeigt, dass Demokratie heute immer auch global gedacht werden muss. Mit einer globalen Versammlung wollen wir den Prozess, der mit der Nationalversammlung 1848 angestoßen wurde, in die Zukunft erweitern“, ergänzt Thomas Gebauer, der langjährige Geschäftsführer von medico international und Träger der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt.
Mit seinen Vorhaben verbindet das Netzwerk Paulskirche die Absicht eines substanziell eigenen Frankfurter Beitrags zu den längst im nationalen Interesse stehenden Feierlichkeiten. „Zivilgesellschaftliches Engagement hat in Frankfurt eine lange Tradition. Ohne tatkräftige Teilhabe der  Stadtöffentlichkeit hätte sich Frankfurt nie so entwickeln können, und würde auch keine Zukunft haben. Alle, auch und gerade die Institutionen der Stadt, sind eingeladen, nach Kräften mitzuwirken. Ideell wie finanziell“, so die Kulturproduzentin Dr. Paula Macedo Weiß.

Das Netzwerk ist offen für weitere Kooperationspartner. Interessierte können sich wenden an Dominik Herold (This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.).

Liste der Initiator:innen:

Dr. Sidonia Blättler (Institut für Sozialforschung / Utopischer Raum im globalen Frankfurt)

Ben Christian und Dominik Herold (mehr als wählen e.V.)

Prof. Dr. Nicole Deitelhoff und Rebecca Schmidt (Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Teilinstitut Goethe Universität Frankfurt / Forschungsverbund Normative Ordnungen / Leibniz Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung)

Thomas Gebauer und Dr. Ramona Lenz (stiftung medico international/ Utopischer Raum im globalen Frankfurt“)

Prof. Dr. Brigitte Geißel und Jonathan Rinne (Forschungsstelle Demokratische Innovationen an der Goethe Universität Frankfurt)

Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau / Utopischer Raum im globalen Frankfurt)

Dr. Paula Macedo-Weiß (Kulturproduzentin)

Mitglieder des „Netzwerks Paulskirche“ stehen Ihnen für Rückfragen, Interviews und Hintergrundgespräche gerne zur Verfügung.
Kontakt: Dominik Herold 0151-15515258 und Thomas Gebauer 0172-6906219

Wohlhabendere Länder im Vorteil

Internationale Wissenschaftler fordern ethische Richtlinien für Kontrollstudien zu weltweiten Maßnahmen gegen den Klimawandel

Pressemitteilung

195 Vertragspartner haben auf dem Pariser Klimagipfel 2015 Maßnahmen gegen den Klimawandel beschlossen. Wer in der Folge wieviel Treibhausgase reduziert hat, wird derzeit weltweit in zahlreichen Studien untersucht. Doch an welchen ethischen Kriterien wird der Erfolg der Maßnahmen gemessen? Eine Analyse der Prüfkriterien legt nun ein Zusammenschluss internationaler Philosophen sowie Sozial- und Politikwissenschaftler vor, denen auch Prof. Dr. Darrel Moellendorf, Politikwissenschaftler an der Goethe-Universität, angehört.

FRANKFURT. Zehn von sechzehn untersuchten Studien zur Bewertung der weitweiten Anstrengungen gegen den Klimawandel urteilen nach Kriterien, die „voreingenommen und stark vereinfachend sind“. Damit bevorteilten sie vor allem die wohlhabenden Länder der Erde. Zu diesem Schluss kommen 18 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Studie „Ethical choices behind quantifications of fair contributions under the Paris Agreement“, an der auch der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Darrel Moellendorf beteiligt ist. Im Vorfeld des für November in Glasgow geplanten Weltklimagipfels fordern sie deshalb, diese Kriterien transparent zu machen und politisch zur Diskussion zu stellen.

„Viele dieser Bewertungen von Klimagerechtigkeit gelten als neutral und unabhängig, was sie aber nicht sind und vielleicht auch gar nicht sein können“, sagt Darrel Moellendorf, Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Umweltethik an der Goethe-Universität. „Wir müssen über diese Kriterien nachdenken, bevor auf Grundlage dieser Studien neue Beschlüsse gefasst werden. Andernfalls wird es weiterhin keine Klimagerechtigkeit geben. Und Klimagerechtigkeit bedeutet: Länder, die eine größere Kapazität haben, gegen den Klimawandel vorzugehen, müssen auch größere Anstrengungen unternehmen.“

Selbst der anerkannten und als unabhängig geltenden wissenschaftlichen Analyse „Climate Action Tracker“ (CAT), die von Medien, Regierungen und der Zivilgesellschaft zur Einschätzung klimagerechter Schritte herangezogen wird, attestieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Kriterien, die wohlhabendere Länder bevorzugen. So liege etwa auch in CAT-Analysen das in der Europäischen Union praktizierte Grandfathering-Prinzip zugrunde – wenn auch „tief im Innern ihres Maschinenraums versteckt“, so die Wissenschaftler: Nach dem Grandfathering-Prinzip erhalten Anlagen kostenlose Zertifikate gemäß ihren bisherigen Emissionen. Dieses Prinzip benachteilige Anlagen, die früher weniger durch Emissionen zum Klimawandel beigetragen hätten. Zu einer Schieflage in der Bewertung von Klimagerechtigkeit führe zudem auch, dass die „Not“ mancher Länder, also deren schwächere ökonomische Lage, bei der Beurteilung ihrer Klimagerechtigkeit nicht berücksichtigt werde.

„Die Studien sollten diese unterschiedlichen Ausgangslagen der Länder offenlegen“, sagt Moellendorf. „Auch sollte die größere Verantwortung der Industrienationen in die Bewertung von klimagerechtem Handeln einfließen. Und wir sollten uns darüber klar sein, dass es eine völlig neutrale Bewertung von Klimagerechtigkeit nicht gibt. Nach welchen Kriterien wir sie beurteilen, sollte aber transparent gemacht werden und auch politisch diskutiert werden.“

Neben dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. Darrel Moellendorf der Goethe-Universität sind folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Studie beteiligt:

Kate Dooley, University of Melbourne; Christian Holz, Carleton University,Ottawa; Sivan Kartha, Stockholm Environment Institute, Boston; Sonja Klinsky, Arizona State University; Timmons Roberts,, Brown University, Rhode Island; Henry Shue, University of Oxford; Harald Winkler, University of Cape Town; Tom Athanasiou, Climate Equity Reference Project, Berkeley; Simon Caney, University of Warwick; Elizabeth Cripps, University of Edinburgh; Navroz K. Dubash, Centre for Policy Research, New-Delhi; Galen Hall, Brown University; Paul G. Harris, Education University of Hong Kong; Bård Lahn, CICERO Center for International Climate Research, Oslo; Benito Müller, University of Oxford; Ambuj Sagar, Indian Institute of Technology, Delhi; Peter Singer, Princeton University.

Publikation in „Nature Climate Change“:
https://dx.doi.org/10.1038/s41558-021-01015-8

Weitere Informationen
Prof. Dr. Darrel Moellendorf
Institut für Politikwissenschaft/ Forschungsverbund „Normative Ordnungen“
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Solidarität_Aber wie?

Die partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ widmet sich ab März in Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität den aktuellen Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Pressemitteilung

FRANKFURT. Im Haus am Dom wird in diesem Frühjahr die partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ fortgesetzt, die von Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin), Prof. Joachim Valentin (Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom Frankfurt), Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Mechtild M. Jansen (Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen) konzipiert wurde. Der zweite Zyklus der Reihe widmet sich ab März dem Thema „Solidarität“.

Mehr denn je brauchen wir in Zeiten von Corona einen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jeder ist in dieser Krisensituation gefragt, Verantwortung auch für andere zu übernehmen, jeder muss sich beteiligen, wenn es gilt, die wirtschaftlichen Folgen gemeinsam zu tragen. Doch seit einiger Zeit zeichnet sich in unserer Gesellschaft eine Entwicklung ab, die unsere Öffentlichkeit in partielle Interessengruppen zerfallen lässt. Parallelwelten tun sich auf, Blasen, in denen wir uns einrichten und zugleich abgrenzen. Sei es in Fragen der Religion, der Herkunft, der sozialen Stellung, der politischen Haltung, des eigenen Lebensstils: die Gesellschaft ist divers und droht in dieser Vielfalt als Gemeinschaft zu zerfallen. Was verbindet uns noch, wenn Fake-News keine Wahrheit mehr zulassen, wenn Werte strittig geworden sind, wenn Meinungen statt Argumenten zählen, wenn das Soziale uns immer mehr spaltet? Nur mit Solidarität werden wir die Aufgaben der Zukunft bewältigen, und nur mit Solidarität lassen sich die demokratischen Rechte schützen. Aber wie ist Solidarität heute überhaupt noch möglich?

Am 9. März um 19.30 Uhr eröffnet die Autorin und Bloggerin Kübra Gümüşay die Reihe mit dem Vortrag „Solidarität_Wie ist Teilhabe für alle möglich?“. Im Anschluss spricht am 4. Mai der Autor und Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss zur Fragestellung „Solidarität_Wie lässt sich ein alter Wert neu denken?“. Zum Abschluss der Reihe folgt schließlich Prof. Sighard Neckel, Soziologe der Universität Hamburg und assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, mit einem Vortrag zu der Frage „Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?“ am 8. Juni.

Ziel der Reihe ist es, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen partizipativen Diskursraum zu gesellschaftlichen Themen der Gegenwart zu ermöglichen. Daher werden im Anschluss an die Impulsvorträge die Zuschauer*innen miteinander ins Gespräch gebracht und erhalten die Gelegenheit, die Vorträge untereinander zu diskutieren und in Kleingruppen Fragen an die Gastredner*innen zu entwickeln. Da voraussichtlich nur wenige Plätze im Haus am Dom vergeben werden können, wird die Veranstaltung durch ein Live-Streaming-Angebot über www.youtube.com/hausamdom ergänzt bzw. gegebenenfalls ersetzt. Dieses soll über einen Chat weiteren Zuhörer*innen die Möglichkeit bieten, sich in die Diskussion zum jeweiligen Impulsvortrag einzubringen.
Veranstalter sind die Katholische Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom, der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Unterstützt wird die Reihe durch die Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte.

Die anstehenden Termine im Überblick:

Dienstag, 9. März 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Wie ist Teilhabe für alle möglich?
Kübra Gümüşay (Autorin und Bloggerin)
Moderation: Prof. Joachim Valentin, Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom Frankfurt

Dienstag, 4. Mai 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Wie lässt sich ein alter Wert neu denken?
Lukas Bärfuss (Autor und Büchnerpreisträger)
Moderation: Prof. Marion Tiedtke, Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und Dramaturgin

Dienstag, 8. Juni 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?
Prof. Sighard Neckel (Soziologe)
Moderation: Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsverbunds Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 19.30 Uhr
Die Tickets erhalten Sie an der Rezeption im Haus am Dom, im Internet unter www.ticket.hausamdom.de oder an den AD-Ticket-Vorverkaufsstellen www.adticket.de/vorverkaufsstellen
Eintritt: 10 Euro / erm. 7 Euro

Übertragung auch per Livestream: www.youtube.com/hausamdom

Bitte beachten Sie, dass es gegebenenfalls kurzfristige Änderungen beim Ticketverkauf und Livestreaming-Angebot geben kann.

Detailliertes Programm und aktuelle Informationen:
www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/denkart
www.hausamdom-frankfurt.de

Pressekonferenz am 4. März 2021 via Zoom:

Wir möchten an dieser Stelle auch auf die Pressekonferenz zur partizipativen Vortragsreihe „DenkArt“ hinweisen, zu der Sie am Donnerstag, dem 4. März, um 11 Uhr herzlich eingeladen sind. Als GesprächspartnerInnen stehen Ihnen zur Verfügung: Prof. Marion Tiedtke (HfMDK), Prof. Joachim Valentin (KARM), Mechtild M. Jansen (Heinrich-Böll-Stiftung Hessen) und Rebecca Caroline Schmidt (Forschungsverbund „Normative Ordnungen“).

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und danken für Ihre Anmeldung per E-Mail an: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Weitere Informationen:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität, 069/798-31407, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.; www.normativeorders.net

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der drei größten deutschen Universitäten. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist die Goethe-Universität Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. www.goethe-universitaet.de
Herausgeber: Der Präsident der Goethe-Universität. Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Zahlen lügen nicht? Algorithmen zwischen Kontrolle und Vertrauen

Hochkarätig besetzte Online-Ringvorlesung der Goethe-Universität untersucht den Umgang der Gesellschaft mit Algorithmen

Pressemitteilung

FRANKFURT. Wir begegnen ihnen, wenn wir auf unserem Smartphone Filme empfohlen bekommen, wenn unsere Kreditwürdigkeit statistisch ermittelt wird oder wenn es um die Ermittlung objektiver, „gerechterer“ Strafen geht: Die Rede ist von Algorithmen – und den hinter ihnen stehenden Akteuren –, die zunehmend mehr Dimensionen unseres modernen Lebens vermessen und beeinflussen.

Algorithmen nehmen in Anspruch, „unvollkommene“ menschliche Entscheidungen zu korrigieren und ihnen neue Informationen hinzuzufügen. Die Ringvorlesung „Algorithms – Between Trust and Control“ beleuchtet nun, wie Algorithmen sich auf normative Ordnungen unserer Gesellschaft auswirken und wie diese Änderungen im Spannungsfeld von Vertrauen und Kontrolle zu bewerten sind. Warum und unter welchen Bedingungen etwa vertrauen wir Algorithmen – vor allem, weil sie womöglich nicht in Rechtfertigungsforen produziert wurden, wo Vertrauen durch soziale Konflikte zustande kommt? Wie viel Kontrolle sollten sie über uns ausüben können, wieviel Kontrolle müssen wir behalten? Können wir mit Algorithmen die Wirkung von Algorithmen kontrollieren und damit eine Metaebene des Vertrauens schaffen? Und wie viel Vertrauen – wenn überhaupt – sollten Algorithmen in uns als Bürger setzen? Müssen sie zum Beispiel davon ausgehen, dass wir ungefährlich und harmlos sind?

Dies sind nur einige der Fragen, die international renommierte Referent*innen in der Ringvorlesung „Algorithms - Between Trust and Control“ aufwerfen, die von Prof. Indra Spiecker gen. Döhmann und Prof. Christoph Burchard verantwortet und vom Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, dem Clusterprojekt „ConTrust“ des Landes Hessen, den Frankfurter Gesprächen zum Informationsrecht des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Umweltrecht, Informationsrecht und Verwaltungswissenschaften und dem Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung veranstaltet wird.

Die Ringvorlesung wird mit folgendem Beitrag eröffnet:

Donnerstag, 22. April 2021, 18.00-19.30 CEST
Never apologise, never explain: (How) can AI rebuild trust after conflicts?
Burkhart Schäfer (University of Edinburgh, Professor of Computational Legal Theory)

Zur Begrüßung sprechen Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Rainer Forst, Sprecher der Clusterinitiative ConTrust und des Forschungsverbunds „Normative Orders“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, sowie Prof. Klaus Günther, Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

Mittwoch, 5. Mai 2021, 18.00-19.30 CEST
From Eugenics to Big Data: A Genealogy of Criminal Risk Assessment in American Law and Policy
Jonathan Simon (Professor of Criminal Justice Law, UC Berkeley)

Mittwoch, 19. Mai 2021, 18.00-19.30 CEST
„Recommended for You“: Das Informationsproblem in Märkten für Kulturgüter und die Kontrollfunktion von Empfehlungsalgorithmen
Vinzenz Hediger (Professor für Filmwissenschaft, Principle Investigator von „ConTrust“ und „Normative Orders“, Goethe-Universität)

Mittwoch, 27. Mai 2021, 18.00-19.30 CEST
Zahlen lügen nicht? - Von trügerischer Objektivität und historic bias bei algorithmenbasiertem Kreditscoring
Katja Langenbucher (Professorin für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Bankrecht, Goethe-Universität)

Donnerstag, 10. Juni 2021, 18.00-19.30 CEST
Algorithm Watch - Von A wie Accountability bis Z wie Zertifizierung: Kann und sollte eine zivilgesellschaftliche
Kontroll-Organisation zu mehr Vertrauen beim Einsatz von Systemen zum automatisierten Entscheiden beitragen?
Matthias Spielkamp (Algorithm Watch)

Montag, 14. Juni 2021, 18.00-19.30 CEST
Das vermessene Leben
Vera King (Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie, Principle Investigator von „ConTrust“, Goethe-Universität; Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts)

Dienstag, 15. Juni 2021, 18.00-19.30 CEST
„Kontrolle trotz(t) Komplexität“: Wie Datenschützer ihre unlösbare Aufgabe bewältigen
Stefan Brink (Landesbeauftragter für den Datenschutz, Baden-Württemberg)

Mittwoch, 23. Juni 2021, 18.00-20.00 Virtueller Roundtable
The Freedom to Deviate in the Algorithmic Society?
Lucia Zedner (Professor of Criminal Justice, Oxford, All Souls College)
Bernard Harcourt (Professor of Law and of Political Science, Columbia Law School)
Frank Pasquale (Professor of Law, Brooklyn Law School)
Christoph Burchard (Professur für Straf- und Strafprozessrecht, Principle Investigator von „ConTrust“ und „Normative Orders“, Goethe-Universität)
Indra Spiecker gen. Döhmann (Professorin für öffentliches Recht, Principle Investigator von „ConTrust“, Goethe-Universität)
Moderation: Jürgen Kaube (Herausgeber, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Information und Anmeldung: Eine Anmeldung an This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. ist erforderlich. Die Logindaten werden nach Anmeldung übermittelt.

Weitere Informationen unter: www.normativeorders.net/ringvorlesungen

Kontakt: Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, 069/798-31407
This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.; www.normativeorders.net

Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

„Freiwilligkeit oder Zwang?“ – Experimente in den Zeiten von Infektionsschutz

Vortrag von Prof. Günter Frankenberg in der Reihe DenkArt „Der normalisierte Ausnahmezustand“ am 8. Dezember 2020

Pressemitteilung

FRANKFURT. „Der normalisierte Ausnahmezustand“ – unter diesem Thema steht die aktuelle partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom, des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität und der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. mit Unterstützung der Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte.

Nach dem Soziologen Wilhelm Heitmeyer und der Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung Jutta Allmendinger, spricht am 8. Dezember 2020 um 19.30 Uhr Günter Frankenberg, Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ in der Reihe.
 
Der Jurist und Rechtsphilosoph wird in seinem Vortrag der Frage „Freiwilligkeit oder Zwang? – Experimente in den Zeiten von Infektionsschutz“ nachgehen und adressiert damit gegenwärtige Befürchtungen im Zuge der Anordnungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. 
Um Risiken für die eigene Bevölkerung zu verringern und die befürchtete Überlastung für Gesundheitssysteme eindämmen zu können, wurden von zahlreichen Ländern zuvor ungeahnte Maßnahmen in die Wege geleitet. Gesetze und Rechte, die bisher als unumstößlich galten, wurden eingeschränkt, um Kontaktsperren und Abstandsregelungen zur Virusbekämpfung durchzusetzen – darüber soll auch im Anschluss an den Impulsvortrag von Frankenberg mit dem Publikum diskutiert werden.
Der Vortrag wird über den Youtube Kanal des Haus am Dom im Livestream zu verfolgen sein und die Zuschauer*innen sind herzlich dazu eingeladen, sich über die Chatfunktion an der Diskussion zu beteiligen.
 
Günter Frankenberg ist Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung und assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Vergleichendes Verfassungsrecht, Rechts- und Verfassungstheorie sowie Gefahrenabwehr- und Migrationsrecht. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, insbesondere zum Verfassungs- und zum Ausländerrecht. Zu seinen Publikationen zählen eine Einführung in das Grundgesetz und die Studie „Staatstechnik. Perspektiven auf Rechtsstaat und Ausnahmezustand“. Er gehört zu den Herausgebern der Zeitschrift „Kritische Justiz“. Im Frühjahr dieses Jahres erschien sein Buch „Autoritarismus. Verfassungstheoretische Perspektiven“ im Suhrkamp Verlag.
Moderieren wird Prof. Marion Tiedtke, Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin.
Ziel der Reihe „DenkArt“ ist, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen partizipativen Diskursraum zu gesellschaftlichen Themen der Gegenwart zu ermöglichen. Nach jedem Impulsvortrag der Reihe erhalten alle Zuschauer*innen – gegenwärtig über die Chatfunktion des Livestreams – die Möglichkeit, die dargelegten Thesen und Analysen zu diskutieren und Fragen an die Rednerin oder den Redner zu formulieren. Die Fragen werden von der Moderation gesammelt und an den eingeladenen Gast zur Beantwortung weitergegeben.
 
Übertragung via Livestream über folgenden Link: https://youtu.be/gb6l0XVqIqg
 
Detailliertes Programm:
https://www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/denkart
 
Informationen:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds, 069/798-31407, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.; www.normativeorders.net

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der drei größten deutschen Universitäten. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist die Goethe-Universität Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. www.goethe-universitaet.de

Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.


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