Ringvorlesung: Normativität aus Frankfurter Sicht

Öffentliche Reihe des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität startet am 26. Oktober

Pressemitteilung

20. Oktober 2011

FRANKFURT. Im Mittelpunkt der Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität stehen in diesem Wintersemester die Frankfurter Perspektiven auf Normativität. An zwölf Terminen werden Angehörige des Forschungsverbundes fokussierte Einblicke in ihre wissenschaftliche Arbeit geben. Die Reihe mit dem Titel „Normativität: Frankfurter Perspektiven“ beginnt am 26. Oktober. Sie setzt die vielbeachtete Ringvorlesung des vergangenen Wintersemesters fort. Vor einem Jahr hatte der Cluster Philosophen aus aller Welt zum Thema „The Nature of Normativity“ eingeladen.

Normativität ist der Begriff für ein alltägliches und zugleich schwer zu erklärendes Phänomen, das eine Frage aufwirft: Woraus besteht die Kraft, die uns dazu bringt, uns an Grundsätze, Normen und Regeln verschiedenster Art zu halten? Normativität ist eine Art Bindung ohne Fessel, und die Erklärungen, woher sie rührt, reichen von selbstbezogenen Überlegungen über soziale Erklärungen bis zu der Annahme objektiver Werte jenseits der empirischen Welt. In dem interdisziplinären Forschungscluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ spielen diese Fragen eine zentrale Rolle. Die aktuelle Ringvorlesung wird von den Clustersprechern Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther organisiert.

Das inhaltliche Spektrum der Reihe reicht von der Inszenierung eines fiktiven Gedankenaustausches zwischen Aristoteles und Kant über die Grundlagen der Moral, bei dem die Auffassungen der Philosophen kompatibler erscheinen als gemeinhin angenommen, bis zu dem Streit über den Kosmopolitismus in der politischen Philosophie der Gegenwart: Auf der einen Seite steht dabei die Idee einheitlicher globaler Institutionen mit der Vorstellung von Weltbürgertum in einem (zu schaffenden) globalen Gemeinwesen. In einer konkurrierenden Vorstellung, die ebenfalls auf institutionelle Reform zielt, werden Weltbürger als Angehörige weiterhin bestehender Einzelstaaten verstanden, und kosmopolitische Staaten sind solche, die sich für universelle Partizipation öffnen. Auch hier übrigens spielt Kant eine Rolle – als ein Vordenker des Kosmopolitismus.

In der politischen Ordnung jenseits des Nationalstaats ist die Frage von Normativität von besonderer Bedeutung, denn in einer Ordnung, die nahezu ohne externe Sanktionsmöglichkeiten oder substanzielle gemeinsame Wertvorstellungen auskommen muss, scheint die Grundlage von Normativität immer prekär. Dieses Spannungsfeld thematisiert die Ringvorlesung ebenso wie die Beobachtung, dass eine Norm durchaus „soziale Geltung“ haben kann, wenn sie in einer Gemeinschaft weitestgehend befolgt und faktisch anerkannt wird. Das heißt aber noch nicht, dass diese Norm gerecht ist oder moralische Geltung beanspruchen darf.

Die Fragen, wie man die Maßstäbe für „normativ gültige“ Normen definiert und was es mit der „rechtfertigenden Vernunft“ auf sich hat, stehen schließlich ebenfalls im Zentrum dieser Ringvorlesung, die sich dem Phänomen der Normativität aus dem Blickwinkel verschiedener, im Cluster kooperierender Disziplinen nähert – von der Philosophie über die Rechts- bis zur Politikwissenschaft. Auch die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Alle Vorträge finden um 18 Uhr auf dem Campus Westend statt, im Hörsaal HZ3 des Hörsaalzentrums.

Programm: www.normativeorders.net/ringvorlesung

Informationen: Peter Siller, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel: (069) 798-25290, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.


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