Forschungsprojekte 2012-2017

Professur des Exzellenzclusters – Transnationales Regieren (Prof. Dr. Jens Steffek)

Die Professur für „Transnationales Regieren“ liegt an der Schnittstelle zwischen der traditionellen Analyse internationaler Beziehungen, der Forschung zu grenzüberschreitend agierenden gesellschaftlichen Akteure und normativen Fragestellungen der politischen Theorie, insbesondere der Demokratietheorie. Verknüpft werden diese verschiedenen Stränge der Forschung durch die inhaltliche Schwerpunktsetzung des Arbeitsbereichs auf Fragen der Legitimität von Regieren jenseits des Nationalstaats.

Legitimation als sozialer Prozess und Legitimität als dessen Resultat sind Phänomene, die sich durch die enge Verklammerung einer empirischen und einer normativen Dimension auszeichnen, und zwar in dem Sinne, dass im Konzept der Legitimität die empirische Geltung einer politischen Ordnung abhängig gemacht wird von normativen Erwägungen der Richtigkeit und Angemessenheit. Ausgehend von diesem Kernkonzept und einem ebenso empirisch-analytischen wie normativ-theoretischen Erkenntnisinteresse versuchen wir im Arbeitsbereich eine neue, kritische Perspektive auf die politische Bearbeitung grenzüberschreitender Probleme und Konflikte zu entwickeln.

Die Forschungsaktivitäten lassen sich grob in drei Teilbereiche gliedern: 1. werden Legitimationsnarrative internationalen Regierens untersucht, wobei die nicht auf demokratischer Partizipation und Kontrolle basierenden Rechtfertigungen internationaler Organisationen als funktionale Agenturen im Mittelpunkt stehen. 2. Untersucht die Professur die Legitimationspotenziale zivilgesellschaftlicher Partizipation die u.a. im Rahmen der Institutionalisierung zivilgesellschaftlicher Beteiligung in internationalen Organisationen. Und 3. wurde der Zusammenhang der globaler Ordnung und der sozialen Frage in Rückblick auf das 20. Jhdt. wie auch in Hinblick auf aktuelle Entwicklungen, wie im Rahmen der jüngsten Klimaschutzabkommen untersucht.

Ad 1) Die zentrale These ist, dass das Vordringen internationaler Organisationen (gouvernmentaler wie nicht-gouvernmentaler) seit dem 19. Jahrhundert als Teil der von Weber dargestellten Bürokratisierung politischer Herrschaft verstanden werden muss und daher nur rational-legal legitimiert werden kann.

Ad 2) Die zentrale Erkenntnis dabei ist, dass die Teilnahme nicht-staatlicher Akteure am Regierungsprozess zwar im begrenzten Maß politische Öffentlichkeit herstellen kann, der Grundtendenz hin zu einer Technokratisierung transnationalen Regierens jedoch kaum entgegenwirkt.

Ad 3) Zum möglichen Ende des redistributiven Multilateralismus scheint es so, als habe die in Kopenhagen begonnene und 2015 in Paris bestärkte Wende der Klimapolitik von rechtlich abgesicherten hin zu freiwilligen Verpflichtungen auch die Gerechtigkeitskonzeption der globalen Klimapolitik verändert, indem sie die traditionell wichtige Begründungsfigur des Ausgleichs historischen Unrechts außer Kraft setzt.

Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:

Holthaus, Leonie & Jens Steffek: “Experiments in International Administration. The Forgotten Functionalism of James Arthur Salter”, in: Review of International Studies 42(1), 2016, pp. 114-135.

McGee, Jeffrey & Jens Steffek: “The Copenhagen Turn in Global Climate Governance and the Contentious History of Differentiation in International Law”, in: Journal of Environmental Law Vol. 28(1), 2016, pp. 37-63.

Steffek, Jens: “Max Weber, Modernity and the Project of International Organization”, in: Cambridge Review of International Affairs, FirstView, DOI: 10.1080/09557571.2015.1020481, 2015.

Steffek, Jens. “The Cosmopolitanism of David Mitrany: Equality, Devolution, and Functional Democracy beyond the State”, International Relations 29(1), 2015,  pp. 23-44.

Steffek, Jens: „Fascist Internationalism“, in: Millennium: Journal of International Studies 44(1), 2015, pp. 3-22.

Professur des Exzellenzclusters – Professur für Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt im internationalen Immaterialgüterrecht (Prof. Dr. Alexander Peukert)

Die Clusterprofessur von Alexander Peukert hat ihren Forschungsschwerpunkt im Recht des geistigen Eigentums (intellectual property, IP) sowie im Wettbewerbsrecht. Im Zentrum des Forschungsinteresses stehen die theoretischen Grundlagen dieser Rechtsgebiete und ihre Dogmatik unter besonderer Berücksichtigung internationaler Aspekte. Bezüge zum interdisziplinären Forschungsprojekt des Clusters bestehen dabei in zweierlei Hinsicht. Zum einen wurde erforscht, mit welchen Begriffen und Narrativen die Expansion des internationalen Immaterialgüterrechts als heute praktisch universell anerkannte Rechtsordnung vonstattenging. Zum anderen wurde mit Blick auf das Spannungsfeld zwischen strikt nationalstaatlich-territorialer IP-Regulierung einerseits und globaler Wirtschaft und Kommunikation andererseits gefragt, inwieweit sich ein Recht jenseits des Staates bzw. im Schatten des Staates herausbildet, insbesondere in Gestalt von Kooperationen zwischen privaten und staatlichen Akteuren.
Zur Theorie des Immaterialgüter- und Wettbewerbsrechts legte Alexander Peukert 2012 eine grundlegende Monografie zum Begriff, zur Funktion und zur Dogmatik der Gemeinfreiheit im deutschen und europäischen Recht vor. In einem 2013 auf Deutsch und 2015 auf Englisch erschienenen Aufsatz entwickelte Peukert eine Theorie zweier unterschiedlicher Kommunikationskulturen, die im Internet koexistieren und deren Koexistenz rechtlich reguliert wird. In einer von Peukert betreuten Dissertation sowie mehreren Aufsätzen wurden die Narrative und zentralen Begriffe analysiert, auf denen das inzwischen praktisch universell anerkannte Urheber- und sonstige Immaterialgüterrecht beruhen. Zur Erklärung der Herausbildung und Expansion dieses Rechtsgebiets zog Peukert ferner sozialwissenschaftliche Theorien heran, insbesondere Karl Polanyis „Great Transformation“. Aus sozialtheoretischer Perspektive wurden auch das Schnittfeld von Urheber- und Wissenschaftsrecht sowie Ökonomisierungsphänomene am Beispiel des Rechts gegen unlauteren Wettbewerb beleuchtet. Im Grenzbereich zwischen Rechtstheorie und Rechtsdogmatik liegen ferner die Forschungsarbeiten im Rahmen des Clusterprojekts „Transnationale Regulierung geistigen Eigentums durch Kooperation“.
Aus den rechtsdogmatischen Forschungen der Professur sind umfangreiche Kommentierungen in Großkommentaren zum Urheber- und Lauterkeitsrecht sowie die Neubearbeitung der 17. Auflage eines Standardlehrbuchs zum Urheberrecht hervorzuheben.

Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:

Peukert, Alexander: Die Gemeinfreiheit. Begriff, Funktion, Dogmatik (Geistiges Eigentum und Wettbewerbsrecht, Band 63), Tübingen: Mohr Siebeck, 2012, VIII, 321 pages.

Peukert, Alexander: Das Urheberrecht und die zwei Kulturen der Online-Kommunikation, GRUR-Beilage 2014, pp. 77-93; english version: “Copyright and the Two Cultures of Online Communication”, in: Paul L.C. Torremans (ed), Intellectual Property Law and Human Rights, 3rd ed. 2015, pp. 367-395.

Peukert, Alexander: “Intellectual property: the global spread of a legal concept”, in: P. Drahos/G. Ghidini/H. Ullrich (eds.): Kritika - Essays on Intellectual Property, Vol. 1, 2015, pp.114-133.

Peukert, Alexander: „Vom Warenzeichen zum Markeneigentum. Ein polanyischer Erklärungsversuch“, in: W. Büscher, et al. (ed.): Marktkommunikation zwischen Geistigem Eigentum und Verbraucherschutz. Festschrift für Karl-Heinz Fezer zum 70. Geburtstag, 2016, pp.405-426.

Nazari-Khanachayi, Arian: Rechtfertigungsnarrative des Urheberrechts im Praxistest: Empirie zur Rolle des Urheberrechts, Diss. Frankfurt am Main, Tübingen: Mohr Siebeck, 2016, 272 pages.

Die wichtigsten Veranstaltungen dieser Professur des Exzellenzclusters:

International Conference: Normative Orders of the Digital, July  6-7, 2017 (co-organized with C. Burchard und C. Daase).

Workshop Series: „International and Interdisciplinary Perspectives on Intellectual Property“, 2011-2017; with (among others): Susan Sell (George Washington U), Dan Burk (UC Irvine), Graeme Dinwoodie (Oxford), Jayashree Watal (WTO), Barton Beebe (NYU).

Lecture Series: „Frankfurter Abendkolloquium zum Immaterialgüterrecht“, with (among others): Karl-Nikolaus Peifer (Köln), Annette Kur (München), co-organized with Louis Pahlow.

Professur des Exzellenzclusters – Internationale Organisationen (Prof. Dr. Christopher Daase)

Die Clusterprofessur „Internationale Organisationen“ analysiert Entstehung, Wandel und Wirkung internationaler Normen und Institutionen. Dabei stehen Fragen des Friedens und der internationalen Sicherheit im Zentrum. Untersucht wird, wie Normen entstehen (z.B. die Norm, sich für vergangenes Unrecht zu entschuldigen oder die Norm, bei massiven Menschenrechtsverletzungen international einzugreifen), wie sich diese Normen in Konflikten verändern und sich mehr oder weniger institutionalisieren. Konkrete Projekte befassen sich mit (1) Humanitären Interventionen und Verantwortung, (2) den Normen internationaler Anerkennung, und (3) der Frage, wie und warum internationale Institutionen und Organisationen zum Gegenstand von Kritik und Widerstand werden.

(1) Humanitäre Interventionen und Verantwortung
Eine zentrale Frage internationaler Sicherheitspolitik ist, unter welchen Bedingungen die Souveränität eines Staates verletzt werden darf, um Menschen zu retten, die von massiven Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Dabei hat sich die Diskussion über „humanitäre Intervention“ in den letzten Jahren durch die Neuinterpretation von „Souveränität“ nicht nur als Abwehrrecht des Staates gegen äußere Einmischung, sondern auch als Verantwortung gegenüber der eigenen Bevölkerung grundlegend verändert. Inwiefern durch die sog. Schutzverantwortung der internationalen Gemeinschaft die Schwelle militärischer Intervention herabgesetzt wurde, inwiefern es sich um eine moralische oder rechtliche Norm handelt und in welchem Umfang sie die normative Ordnung der internationalen Politik verändert hat, ist auf Konferenzen und in Publikationen der Professur analysiert worden. Im Zentrum stand dabei die Spannung zwischen rechtlicher und moralischer Normativität, die mit der Verantwortung für internationale Menschenrechte einhergeht.

 (2)  Internationale Anerkennung
Viele internationale Konflikte drehen sich nicht nur um materielle (greed), sondern auch um ideelle oder identitäre Fragen (grievances). Ihr gemeinsamer Nenner sind Forderungen nach Anerkennung: Anerkennung von Ansprüchen auf Territorium oder Ressourcen, auf Herrschaft oder politische Partizipation, auf Status oder Identität. Der Kampf um Anerkennung kann paradoxe Folgen haben. Auf der einen Seite kann die Forderung nach Anerkennung die Grundlage für Respekt und Kooperation sein, auf der anderen Seite aber auch den Einsatz in einem Konflikt erhöhen und zur Eskalation beitragen. Unter welchen Umständen führt der Kampf um Anerkennung zu gewaltsamen Konflikten, unter welchen kann Anerkennung zur Deeskalation beitragen? Anerkennungskonflikte standen im Zentrum einer internationalen Tagung und sind Thema eines daraus hervorgegangenen Sammelbandes. Wichtig sind dabei vor allem die Überlegungen zur „graduellen Anerkennung“, mit der Bürgerkriegsparteien dazu gebracht werden können, sich wieder in den politischen Prozess zu integrieren und auf Gewalt schrittweise zu verzichten.

(3) Internationale Dissidenz
Internationale Institutionen und Organisationen sind in den letzten Jahren verstärkt Gegenstand der Kritik und des Widerstands geworden. Nicht nur Gruppen der Zivilgesellschaft, sondern auch Staaten distanzieren sich mehr oder weniger vehement von Normen und Institutionen der liberalen Weltordnung. Deshalb wurde in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit der Clusterprofessur “Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnung” eine Forschungsgruppe “Internationale Dissidenz” aufgebaut, die  fünf Drittmittelprojekte, die zu diesem Zusammenhang forschen, ebenso zusammenbringt, wie eine ganze Reihe von Promovierenden und PostDocs, die einen ähnlichen Forschungsfokus teilen. Die Forschungsgruppe hat eine Vortragsreihe etabliert (Protest – Widerstand  - Aufstand. Streit um politische Ordnung), mehrere nationale und internationale Konferenzen und Workshops organisiert, die inzwischen auch mehrere Publikationen hervorgebracht haben und noch bringen werden. Ebenso sind in diesem Zusammenhang auch neue Drittmittelinitiativen entstanden.

Weitere Projekte, die an der Professur mit externen Drittmitteln durchgeführt wurden, sind „Sicherheitskultur im Wandel“ (gefördert durch das BMBF), „Schuld und Sühne in der internationalen Politik“ (gefördert durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung) und „Transnationale Kooperation von Terrorgruppen“ (gefördert durch die DFG).

Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:

Daase, Christopher/Nicole Deitelhoff/Ben Kamis/Jannik Pfister/Philip Wallmeier(eds.): Herrschaft in den Internationalen Beziehungen, Wiesbaden: Springer VS, 2017. (Therein: „Einleitung“ and papers of the PI and project collaborators).

*Daase, Christopher/Julian Junk/Gabi Schlag (eds.): Transformations of Security Studies - Dialogues, Discipline and Diversity, London: Routledge (PRIO New Security Studies Series). (Therein: Christopher Daase, „On Paradox and Pathologies: A Cultural Approach to Security“ and „Introduction to the Volume“)

Daase, Christopher & James Davis: Clausewitz On Small War, Oxford: Oxford University Press, 2015.

Daase, Christopher/Caroline Fehl/Anna Geis/Georgios Kolliarakis (eds.): Recognition in International Relations. Rethinking a Political Concept in a Global Context, Houndmills: Palgrave Macmillan, 2015.

*Daase, Christopher & Nicole Deitelhoff: „Jenseits der Anarchie: Widerstand und Herrschaft im internationalen System“, in: Politische Vierteljahresschrift 56: 2, pp. 299-318.

*Deitelhoff, Nicole & Christopher Daase: „Herrschaftszeiten. Internationale Politische Theorie als Gesellschaftstheorie der internationalen Beziehungen“, in: Zeitschrift für Politische Theorie, Jg. 6, Heft 2/2015, pp. 141–158.


Die wichtigsten Veranstaltungen dieser Professur des Exzellenzclusters:

Lecture Series "Angriff auf die liberale Weltordnung – U.S. Außen- und Sicherheitspolitik unter Trump", April 20-July 20, 2017, Goethe-University Frankfurt.

International Conference „International Dissidence. Rule and Resistance in a globalized world“,March 2-4, 2017, Goethe-University Frankfurt.

Lecture Series „Protest - Widerstand - Aufstand. Streit um politische Ordnungen", November 09-July 11, 2017 (organized in cooperation with Nicole Deitelhoff).

Workshop „Protest und Widerstand im Zeitalter digitaler Medienkonstellationen“ May 6+27, 2016, Goethe-University Frankfurt am Main.  

International Expert Workshop „The Problem of Recognition in Global Politics“ (Chairs: Georgios Kolliarakis, Anna Geis, Christopher Daase, Caroline Fehl) University of Frankfurt, Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, June 21-22, 2012, Frankfurt am Main.

Professur des Exzellenzclusters – Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnung (Prof. Dr. Nicole Deitelhoff)

Die Clusterprofessur „Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen” analysiert Formen und Praktiken von Widerstand innerhalb normativer Ordnungen und untersucht, wie Ordnungen auf diese reagieren und mit ihnen zusammenhängen. Die Forschungsprojekte an der Professur fokussieren darauf, wie sich Herrschaft in normativen Ordnungen konstituiert und wandelt und welche Rolle Widerstand dabei spielt. Konkrete Projektschwerpunkte liegen auf Formen der Sicherheitsprivatisierung als spezifische Herrschaftsstrategie und zugleich Herausforderung für Herrschaftsordnungen, (2) auf Konflikten über internationalen Normen und Institutionen und (3) Radikalisierungsprozessen in ihrem Zusammenhang mit Herrschaftsausübung.

(1) Die Privatisierung von Sicherheitsgewährleistung hat über die letzten Jahrzehnte stetig zugenommen, so dass inzwischen von einer vielfaltigen Sicherheitsgovernance gesprochen wird, die zunehmend in Co-Produktion privater und hoheitlicher Akteure vonstattengeht. Daraus haben sich grundsätzliche Legitimations- und Legitimitätsprobleme ergeben, die die Forschungsprojekte an der Professur thematisiert haben. Im Vergleich der Sicherheitsprivatisierung zwischen Deutschland und den USA einerseits, schwachen und starken Staaten andererseits ließ sich zeigen, dass starke Staaten  bzw. ihre Regierungen Sicherheitsprivatisierung vor allem als eine Herrschaftstechnik anwenden, um mehr Autonomie gegenüber Parlamenten und Öffentlichkeiten zu gewinnen, während schwache Staaten oftmals kaum andere Optionen haben als zu privatisieren. Entsprechend sind die Konsequenzen sowohl mit Blick auf die Legitimität  als auch Effektivität von Sicherheitspolitik in schwachen Staaten weit negativer als in starken Staaten. Aus diesem Forschungsschwerpunkt sind sowohl eine Expertise für das Forschungsforum „Öffentliche Sicherheit” des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hervorgegangen als auch zahlreiche Publikationen.
(2) Konflikte über internationale Normen und Institutionen werden seit Jahren kontrovers diskutiert unter der Frage, wann solche Konflikte bzw. konkret Kontestation zu einer Schwächung von Normen führen und wann sie sie gegebenenfalls sogar stärken können. In diesem Forschungsschwerpunkt wurden über empirische Fallstudien zu stark umstrittenen Normen (darunter etwa das Folterverbot, das Verbot kommerziellen Walfangs, die Internationale Schutzverantwortung oder die Kaperschifffahrt) die Hypothese geprüft, dass der Effekt auf die Robustheit von Normen von der Art der Kontestation abhängt. Dabei konnten wir zeigen, dass Anwendungskontestation kaum negative Effekte auf die Robustheit von Normen hat, während Begründungskontestation mit hoher Wahrscheinlichkeit schwächende Effekte zeitigt. Momentan liegt ein internationales special issue im Begutachtungsverfahren bei einem führenden IB-Journal. Weitere Publikationen sind bereits erschienen. Zusätzlich ist aus dem Forschungszusammenhang der Impetus für die Gründung einer Themengruppe „Normenforschung” in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) entstanden, die im März 2017 mit einem ersten Workshop im Exzellenzcluster die Arbeit aufgenommen hat.

(3) Der übergreifende Fokus der Professur liegt vor allem auf der Analyse des Zusammenspiels von Widerstand und Herrschaft. In den vergangenen Jahren wurde in Zusammenarbeit mit der Clusterprofessur „Internationale Organisationen” eine Forschungsgruppe „Internationale Dissidenz” aufgebaut, die fünf Drittmittelprojekte, die zu diesem Zusammenhang forschen, ebenso zusammenbringt, wie eine ganze Reihe von Promovierenden und PostDocs, die einen ähnlichen Forschungsfokus teilen. Die Forschungsgruppe hat eine kontinuierliche Vortragsreihe etabliert (Protest – Widerstand  - Aufstand. Streit um politische Ordnung), mehrere nationale und internationale Konferenzen und Workshops organisiert, die inzwischen auch mehrere Publikationen hervorgebracht haben und noch bringen werden. Ebenso sind in diesem Zusammenhang auch neue Drittmittelinitiativen entstanden.

Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:

Deitelhoff, Nicole: „Billiges Gerede und leeres Geschwätz? Was ist eigentlich geblieben von der ZIB-Debatte?“ in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 24: 1, 2017, forthcoming

Deitelhoff, Nicole/ Priska Daphi/Dieter Rucht/ Simon Teune (eds.): „Protest und Bewegungen im Wandel?“, Sonderheft: Leviathan, Baden-Baden: Nomos, 2017, forthcoming.

*Deitelhoff, Nicole/Christopher Daase/Ben Kamis/ Jannik Pfister/Philip Wallmeier (eds.): Herrschaft in den Internationalen Beziehungen, Wiesbaden: Springer, 2017.

*Deitelhoff, Nicole & Christopher Daase: “Jenseits der Anarchie: Widerstand und Herrschaft im internationalen System“,in: Politische Vierteljahresschrift 56: 2, 2015, 299-318.

*Deitelhoff, Nicole & Michael Zürn, “Internationalization and the State. Sovereignty as the External Side of Modern Statehood”, in: S. Leibfried/E. Huber/M. Lange/ J.D. Levy/J.D. Stephens (eds.): The Oxford Handbook of Transformations of the State, Oxford: Oxford University Press, 2015.

Deitelhoff, Nicole & Christopher Daase: Privatisierung der Sicherheit. Eine sozialwissenschaftliche Studie, Schriftenreihe Sicherheit Nr. 11, Berlin: Freie Universität Berlin, 2013-09.

Die wichtigsten Veranstaltungen dieser Professur des Exzellenzclusters:

„Begriff und Phänomen der Norm“: Workshop of the newly founded working  group (Themengruppe) „IB-Normenforschung“  of the German Political Science Association (GPSA) at the Cluster of Excellence, „The Formation of Normative Orders“, March 29-30, 2017.

International Conference: „International Dissidence. Rule and Resistance in a globalized world“,  Goethe-University Frankfurt, March  2-4, 2017.

Lecture Series: „Protest - Widerstand - Aufstand. Streit um politische Ordnungen", November 2015 – July 2017, (co-organized with Christopher Daase)

Three panels organized by the Research Group “Internationale Dissidenz” at the  4th Global International Studies Conference of the World International Studies Committee (WISC),  August 6– 9, 2014, Frankfurt/M.

“IPA (International Public Authority) Meets Dissidenz“, interdisciplinary workshop with Armin von Bogdandy, Goethe University, Building „Normative Orders, April 4, 2014.

Professur des Exzellenzclusters – Straf- und Strafprozessrecht, Internationales und Europäisches Strafrecht, Rechtsvergleichung und Rechtstheorie (Prof. Dr. Christoph Burchard)

Die breite Denomination der Mitte 2015 eingerichteten Professur spiegelt ihre ebenso breite Ausrichtung in Forschung und Lehre wider. Die Professur vertritt das deutsche Straf- und Strafprozessrecht einschließlich des Wirtschaftsstrafrechts und des Strafverfassungsrechts ebenso wie die Internationalisierung und Europäisierung der Strafrechtspflege. All dies wird insbesondere vor der Folie der Rechtsvergleichung und der Rechtstheorie reflektiert.

Die clusterprogrammatische Interdisziplinarität der durch die Professur verfolgten Forschung und Lehre zeigt sich in den Brückenschlägen zu anderen juristischen Fachgebieten (wie im generischen, durch den Inhaber der Professur geprägten Begriff des Strafverfassungsrechts offenbar wird), zur Politikwissenschaft und zur politischen Philosophie (wie das Clusterforschungsprojekt zur normativen Offenheit der Völkerstrafrechtspflege verdeutlicht). Die Internationalisierung und Europäisierung der Strafrechtspflege liefert reiches Anschauungsmaterial für die Herausbildung neuer (man denke an die Völkerstrafrechtsordnung) wie auch für die Transformation bestehender normativer Ordnungen (man denke an die justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen, die gerade in Europa zur Verbundstrafrechtspflege mutiert). Diese Prozesse werden im Lichte des grundlegenden Forschungsprogramms des Clusters untersucht, wobei insbesondere im Anschluss an den Forschungsschwerpunkt 3 die inter- wie auch intrajurisdiktionelle Konkurrenz verschiedener normativer Ordnungsvorstellungen in den Blick genommen wird.

Im Hinblick auf das nationale deutsche Strafrecht liegt der Fokus auf den tiefgehenden, häufig international oder europäisch induzierten Wandlungsprozessen der Strafrechtspflege. So wandelt sich etwa das Wirtschaftsstrafrecht zu einem „normalen“ regulatorischen Steuerungsinstrument und brechen die Rationalitäten des Strafverfassungsrechts der (demokratischen) Politisierung des Strafrechts Bahn. Ein weiteres Hauptinteresse gilt der justiziellen Zusammenarbeit in Strafsachen, insbesondere den sich dabei auftuenden Supranationalisierungs- (man denke an die anstehende Errichtung einer Europäischen Staatsanwaltschaft) wie auch Privatisierungsprozessen (man denke an die Angewiesenheit nationaler Strafverfolger auf die Kooperation mit privaten Internetdiensteanbietern). Zu all dem gesellt sich die grundlagentheoretische Fokussierung der Rechtsvergleichung und der Rechtstheorie, die insbesondere auf der wissenschaftstheoretischen Grundlage des epistemologischen Pluralismus betrieben wird.

Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:

Burchard, Christoph: „Strafverfassungsrecht: Vorüberlegungen zu einem Schlüsselbegriff“, in: Tiedemann/Sieber/Satzger/Burchard/Brodowski (eds.), Die Verfassung moderner Strafrechtspflege – Erinnerung an Joachim Vogel, Baden-Baden: Nomos, 2016, pp. 27-61.

Burchard, Christoph: „Commentary on Art. 27 Rome Statute (Irrelevance of official capacity)”; “on Art. 71 Rome Statute (Sanctions for misconduct before the Court)”, in: Triffterer & Ambos (eds.), The Rome Statute of the International Criminal Court - A Commentary, München/Oxford: Beck/Hart, 2016, pp. 1037-1055, pp. 1760-1774.

Burchard, Christoph: „Kommentierung von § 13 StGB (Unterlassen)“, in: Leitner & Rosenau (eds.): Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, Baden-Baden: Nomos, 2017, S. 1047-1066.

Burchard, Christoph: „Kommentierung von Vor § 1 IRG (Gesetz über Internationale Rechtshilfe in Strafsachen)“, in: Grützner/Pötz/Kreß (ed.), C.F. Müller, forthcoming 2017, ca. 300 pages.

Burchard, Christoph: “Judicial Dialogue in Light of Comparative Criminal Law and Justice”, in: P. Lobba & T. Mariniello (eds.), Judicial Dialogue on Human Rights: The Practice of International Criminal Tribunals, Brill|Nijhoff, forthcoming 2017.

Die wichtigsten Veranstaltungen dieser Professur des Exzellenzclusters:

AK Europäisches Strafrecht, Co-Initiator and organizer of the first workshop, June 23-24 2016, Frankfurt a.M.; Co-Initiator and organizer of the second workshop, April 27-28 2017, Zurich.

International Lecture Series „Strafrechtspflege zwischen Purismus und Pluralität“, Cluster of Excellence „The Formation of Normative Orders“, Summer Term 2017, Frankfurt a.M., Organizer.

Workshop „Normative Orders of the Digital“, Co-Organizer, first workshop of the research group „Internet und Gesellschaft”, Cluster of Excellence „The Formation of Normative Orders“, July 6-7 2017, Frankfurt a.M.

Workshop on Comparative Constitutional Criminal Justice, Organizer, scheduled for July 10 2017, Frankfurt a.M.

Interdisciplinary Seminar „Nationale Widerstände gegen die Internationalisierung des Strafrechts“, in cooperation with Prof. Dr. Jens Steffek (TU Darmstadt; Principal Investigator of the Cluster of Excellence „The Formation of Normative Orders“), scheduled for winter term 2017/2018.


Aktuelles

Neuer europäischer Forschungsverbund untersucht ab 2020 Wahlen in Zeiten der Krise demokratischer Ordnungen

Im Rahmen des neuen, von der Europäischen Kommission geförderten Forschungsverbunds „Reconstructing Democracy in Times of Crisis“ analysiert Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, zukünftig die Legitimität von und die Legitimation durch Wahlen in Zeiten der Krise der Demokratie. Mehr...

Denken im Widerspruch

Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" zum Gedenken an Theodor W. Adorno aus Anlass seines 50. Todestags. Mehr...

„Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit" - Vortrag von Jürgen Habermas am 19. Juni 2019. Skript und Aufzeichnung verfügbar

Die Meldung zum Vortrag finden Sie: Hier...
Weitere Informationen (Videoaufzeichnung, Skript und Medienecho) finden Sie: Hier...

"The History of Postmetaphysical Philosophy and the Future of Democracy" - Konferenz zu Ehren von Jürgen Habermas

Am 20. und 21. Juni fand am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" die Konferenz "The History of Postmetaphysical Philosophy and the Future of Democracy" statt.
Die Meldung zur Konferenz finden Sie hier...
Das Programm und weitere Informationen finden Sie hier...

Nächste Termine

12. bis 14. Dezember 2019

Erste DVPW Thementagung: Wie relevant ist die Politikwissenschaft? Wissenstransfer und gesellschaftliche Wirkung von Forschung und Lehre. Mehr...

13. Dezember 2019, 10 Uhr

Workshop im Rahmen der Postdoctoral Dialogue Series: Progress and Regression in Politics. Mehr...

13. Dezember 2019, 18 Uhr

Keynote der 1. DVPW Thementagung "Wie relevant ist die Politikwissenschaft? Wissenstransfer und gesellschaftliche Wirkung von Forschung und Lehre": Helge Fuhst (ARD): Politikwissenschaft im Scheinwerferlicht - Kann sie den TV-Auftritt? Mehr...

16. Dezember 2019, 18 Uhr c.t.

Vortragsreihe „Haftungsrecht und Künstliche Intelligenz“: Prof. Dr. Herbert Zech: Spezifische KI-Risiken als Anknüpfungspunkt für Haftungsregelungen. Mehr...

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Neueste Medien

Kritik der Wertegemeinschaft oder: Über den Platz der Politik in der politischen Auseinandersetzung

Christoph Möllers
Kantorowicz Lecture in Political Language

Aufwachsen in THE WORLD

Dudley Andrew
Lecture & Film "Jia Zhangke: Kino der Transformation"

Neueste Volltexte

Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. Mehr...

Kettemann, Matthias (2019):

Die normative Ordnung der Cyber-Sicherheit: zum Potenzial von Cyber-Sicherheitsnormen. Normative Orders Working Paper 01/2019. Mehr...