Gesetz und Gewalt im Kino

Die Darstellung von Gewalt war von Anfang an ein Leitmotiv des Kinos. In unterschiedlichen Genres nimmt diese sehr unterschiedliche Funktionen ein. Einen wichtigen Strang aber bildet in den Erzählungen des Kinos seit jeher die Frage nach dem Recht der Gewalt und der Gewalt des Rechts. Viele Spielfilme, die von Akten, Ereignissen und Zuständen offener oder latenter Gewalt erzählen, stellen durch die Art ihrer Erzählung die Frage nach der Legitimität der sozialen Ordnungen, in denen Gewalt entsteht und vergeht. Sie handeln von der Intimität von Gesetz und Gewalt.
Im Ausgang von exemplarischen Filmen verschiedener Genres – vor allem des Westerns, des Film Noir, des Polizei- und des Kriegsfilms – wurde untersucht, wie die Verzahnung von Recht, Gesetz und Gewalt in ihrer künstlerischen Behandlung dramatisiert wird. Die Analyse dieser Genres wurde von der These geleitet, dass das Kino den Zusammenhang zwischen Gesetz und Gewalt in einer mehrfachen Perspektive imaginiert: Es erzählt ebenso von der Genese normativer Ordnungen aus Erfahrungen von Gewalt und Unrecht sowie von den unterschiedlichen Formen der Gewalt, die mit der – einmaligen – Einsetzung und – sich dauerhaft wiederholenden – Durchsetzung dieser Ordnungen verbunden sind.
Am Medium des Films wurde untersucht, wie filmische Fiktionen normative Perspektiven auf soziale und politische Konflikte in unterschiedlichen Kombinationen darstellen, befragen, brechen und selbst entwerfen. Dabei wurde diese ästhetische Reflexionsleistung des Kinos theoretisch fruchtbar gemacht, um einen nicht-illusionären Blick auf normative Ordnungen und ihren dialektischen Zusammenhang mit der Gewalt, die sie oft vergeblich zu bändigen versuchen, zu gewinnen. Leitbegriffe des Clusters – allen voran derjenige des "Rechtfertigungsnarrativs" – wurden aus einer medientheoretischen Perspektive beleuchtet.
Basis des Projekts waren philosophische und soziologische Analysen zur Dialektik von Gesetz und Gewalt wie sie von Spielfilmen ästhetisch ausagiert wird. Ein zentrales Format der Forschungen waren zudem interdisziplinäre Vorlesungsreihen und Workshops, in denen Vortragende aus verschiedenen Disziplinen die Thematik an ausgewählten Beispielen aus jeweils ihrer Perspektive behandelt haben.
Ein zentrales Ergebnis unserer Untersuchungen lautet, dass die Innenansichten aus dem Leben normativer Ordnungen, wie sie von Spielfilmen präsentiert werden, von einem Oszillieren zwischen Rechtfertigung und Infragestellung, Legitimation und De-Legitimation geprägt sind, das nur selten eindeutig aufgelöst wird.

Die wichtigsten Veranstaltungen in diesem Projekt:

Vorlesungsreihe: Verbrechen und Strafe im Kino (Vorlesungsreihe „Kino“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“),  Goethe-Universität und MMK, Frankfurt am Main, Sommersemester 2015.

Vorlesungsreihe: Gesetz und Gewalt im Kino (Vorlesungsreihe „Kino“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“), Goethe-Universität und MMK, Frankfurt am Main, Wintersemester 2013/14 und Sommersemester 2014.

Workshop: Rechtfertigungsnarrative. Terror und Krieg im Kino, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität Frankfurt am Main, 14.–15. April, 2014.

Panel: „Dimensions of Violence and Legitimation in Cinema“, im Rahmen der internationalen Film-Philosophie Konferenz Beyond Film (organisiert von Frederike Popp und Jochen Schuff), Amsterdam, 10.–12. Juli 2013.

Panel: „Kritik auf der Leinwand“, im Rahmen der Nachwuchstagung 2013 des Exzellenzclusters Praktiken der Kritik (organisiert von Frederike Popp und Jochen Schuff), Dezember 2013.

Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:

Seel, Martin: „Hollywood" ignorieren. Vom Kino, Frankfurt am Main: Fischer, 2017.

Schuff, Jochen und Seel, Martin (Hg.): Erzählungen und Gegenerzählungen. Terror und Krieg im Kino des 21. Jahrhunderts (Normative Orders Bd. 16), Frankfurt am Main: Campus, 2016.

Keppler, Angela/Popp, Frederike/Seel, Martin (Hg.): Gesetz und Gewalt im Kino (Normative Orders Bd. 14), Frankfurt am Main: Campus, 2015.

Personen in diesem Projekt:

Projektleitung / Ansprechpartner

Keppler, Angela, Prof. Dr.

Seel, Martin, Prof. Dr.

Projektmitarbeiter

Popp, Frederike

 


Aktuelles

Rainer Forst zu Corresponding Fellow der British Academy gewählt

Wie die British Academy am 24. Juli bekannt gab, wurde Prof. Rainer Forst als Corresponding Fellow aufgenommen. Jährlich wählt die British Academy herausragende Gelehrte und Wissenschaftler*innen, die sich auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften international verdient gemacht haben zu Corresponding Fellows. Mehr...

Bundesministerin Karliczek gibt Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek am 28. Mai 2020 den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei waren Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni, Normative Orders), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen). Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. Mehr...

Nächste Termine

27. Oktober 2020, 19.30 Uhr

Online Discussion: Rethinking the Transatlantic: The U.S. Elections and the Challenges to a Sustainable Transatlantic Partnership. With Ambassador Daniel Benjamin, Prof. Dr. Nicole Deitelhoff and Jürgen Trittin MP. Chair: Rebecca C. Schmidt. Mehr...

6. November 2020, 16 Uhr

Online-Buchpräsentation: Debating Critical Theory - Engagements with Axel Honneth. Mit: Amy Allen, Rainer Forst, Sally Haslanger, Axel Honneth, Beate Rössler und Martin Saar. Moderation: Daniel Loick und Kristina Lepold. Mehr...

-----------------------------------------

Neueste Medien

„Autoritäre Bedrohungen oder liberale Demokratie?“ – Die offene Gesellschaft im Ausnahmezustand

Prof. Wilhelm Heitmeyer
DenkArt „Der normalisierte Ausnahmezustand“

Normative Orders Insights

... mit Jakob Huber

Neueste Volltexte

Darrel Moellendorf (2020):

Hope and reasons. Normative Orders Working Paper 02/2020. Mehr...

Kettemann, Matthias (2020):

The Normative Order of the Internet. Normative Orders Working Paper 01/2020. Mehr...